Auf dem Weg in den Neodirigismus
Zwar werden nicht einmal die sogenannten Banker jene von Marx und Engels vorhergesagten Totengräber sein, die den Kapitalismus unter die Erde bringen; der überlebte noch ganz andere Heimsuchungen. Doch haben ausgerechnet sie, die sich gerne als seine postmoderne Avantgarde gerierten, die in Deutschland ohnehin nicht tief wurzelnde Idee des freien, sich selbst regulierenden Marktes in einer Weise diskreditiert, die auf Jahre hinaus den politischen Diskurs vorbestimmen und einengen wird.
So kommentiert Berthold Kohler in der FAZ das “Ausschlagen des Pendels” in Richtung eines (noch weiter verstärkten) Dirigismus – was dem etatistischen Establishment nicht unrecht sein wird: eben jenen zockenden Bankern, die als Akteure die Krise zu verantworten haben, werden nun auf Kosten der Allgemeinheit zu ihrem Vorteil und zum Vorteil der politischen Klasse, die sich als Retter darstellen kann, die Verluste sozialisiert.
Nichts könnte deutlicher die Schwäche konsequent liberaler Lösungsansätze in der öffentlichen Wahrnehmung illustrieren, als die von vielen gefühlte Verantwortung eines imaginären Neoliberalismus für eine Krise, die wohl allein deshalb zur Systemkrise wurde, weil marktwirtschaftliche Regularien aufgrund des Primates der Politik ausser Kraft gesetzt wurden.
Ein “Neoliberalismus”, der doch nur, wie es der Liberale Roland Baader auf den Punkt gebracht hat, einen “staatlich versumpften Kapitalismus mit seinem Geklüngel zwischen big government und big business” darstellt.








Was sollen sie denn machen?
Die Banken crashen lassen?
Und darauf hoffen, dass nach den Bürgerkriegen, den Hungernöten und sonstigen Kleinigkeiten Privatbanken mit einem besseren Gespür für Risiken bilden?
Ein Verzicht auf jegliche staatliche Regulation von sämtlichen Märkten ist genauso unrealistisch wie der Glaube an den sozialistischen Menschen oder mit Hilfe von ausländischen Armeen den Irakern und Afganen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit beizubringen.
Und die Banker selbst halten sich mit ihrer Kritik an den Rettungsplänen ja erstaunlich zurück…
Gibt doch sowas wie schumpeterianisches Lernen: Wir brauchen gewisse Regeln für das globale Finanzsystem.
Diese Welt beruht eben nicht immer auf einfachen Regeln. Sie ist ambivalent.
Mann, Du sprichst mir sowas von aus der Seele …
Ach komm. Der Finanzsektor ist jetzt schon der mit am staerksten regulierteste. Was willst Du denn machen? Ihn komplett verstaatlichen?
Klar, man sollte jetzt versuchen zu retten, was zu retten ist, aber das taeuscht nicht darueber hinweg, dass die Krise durch staatliche Intervention bereits uebermaessig aufgeblaeht wurde – oder gar in diesem Masse gar nicht erst moeglich gewesen waere.
Die Welt beruht nicht immer auf einfachen Regeln. Das ist aber kein Plaedoyer fuer gesetzliche Zwangsjacken.
In diesem Fall:
Aquí se queda la clara,
La entrañable transparencia
De tu querida presencia,
Comandante che2001.
http://che2001.blogger.de/stories/1241419/
Sachen gibts ;-) .
>nach den Bürgerkriegen, den Hungernöten
ein paar “Banken” crashen lassen, wird nicht zu Bürgerkriegen und Hungernöten führen. Falls die Situation der Wirtschaft jedoch derart kritisch sein sollte, wie vermutet, dann gibt es keinen vernünftigen Grund anzunehmen, dass die Staatsintervention Bürgerkriege und Hungernöte verhindern könnte.
Das überhöhte Sicherheitsbedürfnis, welche den Glaube der bereits für zwei mörderische Diktaturen verantwortlichen Deutschen an die Allmacht des Staates mitbewirkt, ist in der Tat das erklärungbedürftige Phänomen, um welches es eigentlich geht. Dabei besitzen Leute, welche den Staatsglauben unreflektiert predigen, eine Mitschuld. Menschen, welche ihre Ansichten letztendlich weit entfernt des realen wirtschaftlichen Geschehens entwickeln, resp. von solchen Ideologen unkritisch übernehmen, welche in einer solchen Situation befindlich haluzinieren, wie eben Weiland Marx, der von Wirtschaft und Wirtschaften so viel verstand wie der Esel vom Düsenjäger.
Ich find, es ist jetzt irgendwie nicht die Zeit, den angeblichen deutschen Staatsglauben zu bekämpfen. Ich fühl mich damit btw. auch persönlich echt nicht so angesprochen.
Würdest du dich selbst mal stärker wirtschaftlichen Themen zuwenden, dann könntest du u.U. zu den Ergebnis kommen, dass “ein paar Bankencrashs” irgendwann zum Crash aller Banken führen können, weil die sehr stark miteinander verflochten sind. Im übrigen könnte das eine Massenpanik zur Folge haben.
In einer solchen Situation erscheinen mir Timing und klare Signale sehr wichtig. Der aktuelle Nobelpreisträger für Ökonomie scheint das btw. ähnlich zu sehen: http://www.nytimes.com/2008/10/13/opinion/13krugman.html?_r=1&oref=slogin
Naja. Vielleicht versteht er einfach weniger von Wirtschaft als Ayn Rand. Hm.
Und im Namen der Solidarität mit einem irdischeren Liberalismus gehts auch sachlicher:
Versteh die Eingriffe des Staats auf die Geschäftsführung der Banken (Management-Gehälter, Mittelstandskredite) eher als Drohkullise, damit sich die Banken wirklich Mühe geben, auf diese, unsere Steuergelder eben genau nicht zurückzugreifen.
Die Regierung Merkel/Steinbrück hat sicher nicht die Intention, das Bankensystem auf Dauer zu kapern. Man sollte ihnen die Mittel aber eben auch nicht für lau zur Verfügung stellen, nachdem die Fehler, die zu der Krise geführt haben, eben auch in den Banken verursacht wurden.
Eine staatsmonopolistische Mehrheit, die diese Situation möglicherweise für ihre finsteren Ideen ausnutzen könnte, seh ich nicht.
Selbst die nun – ausser in Fragen der hysterischen Kommunisten-Bekämpfung – wirklich nicht besonders staatsinterventionistische Pin8-Junta hat in der chilenischen Krise 1982/3 zu ganz ähnlichen Mitteln gegriffen. Und das hat funktioniert.
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum du hier eine Schwäche konsequent liberaler Lösungsansätze erkennst. Wenn überhaupt, handelt es sich eben um eine Schwäche neoliberaler, semi-etatistischer Lösungsansätze, die eine klare Differenzierung von Liberalismus und Etatismus in der öffentlichen Debatte zunehmend verunmöglichen.
Ein konsequenter Liberalismus muss sich gerade darum von “neoliberalen” Kompromissen und Staats-Exkulpationen distanzieren.
Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt Christian: nicht die liberalen Lösungsansätze sind schwach, IMHO, sondern sie werden zu schwach wahrgenommen.
Dass ich das anders sehe, weisst Du ja (und die schwache Wahrnehmbarkeit radikal liberaler Positionen könnte gerade auch in mangelnder Kompromissfähigkeit bzw. -willen bis hin zu Sektierertum liegen…)
Ach, Achim: Das Sektierertum ist das eine, das Du zurecht kritisierst, aber in die liberale Arumentationswerkzeugkiste gehört eben nicht nur die Kompromissfeile, sondern auch der Holzhammer der reinen Lehre.
oder besser nicht doch Skalpell der radikalen Analyse?
btw: Lehre? Welche Lehre? Ich kann nur viele, sich oft ergänzende, manchmal aber auch scheinbar oder tatsächlich sich widersprechende Denkansätze erkennen… vielleicht fehlt mir die nötige Religiosität?
;-)
> vielleicht fehlt mir die nötige Religiosität?
ROFL. Keine Angst, die fehlt dir gewiss nicht. Einen Moment…
>
> die wohl allein deshalb zur Systemkrise wurde, weil
> marktwirtschaftliche Regularien aufgrund des Primates
> der Politik ausser Kraft gesetzt wurden.
…hier ist sie. Lebendig, wie eh und je.
Staat schlecht, Demokratie schlecht, Markt gut.
Dein einfaches WeltBILD ist also weiterhin gefestigt.
Blogtechnische Frage: kann mal jemand sagen, wie man das Trollskript CS 2.0 neu startet? Gibt ne Endlosschleife aus:
Staat schlecht, Demokratie schlecht, Markt gut.
Staat schlecht, Demokratie schlecht, Markt gut.
Staat schlecht, Demokratie schlecht, Markt gut.
Offensichtlich ein Speicherleck (nicht ganz dicht).
:D
ROFL
“Offensichtlich ein Speicherleck (nicht ganz dicht).”
Nicht sehr feine Diskussionssitten hier, ich will’s aber trotzdem mal versuchen.
Was, bitte, bedeutet in “… die wohl allein deshalb zur Systemkrise wurde, weil marktwirtschaftliche Regularien aufgrund des Primates der Politik außer Kraft gesetzt wurden.” die marktwirtschaftlichen Regularien? Gibt es eine Lehre, die davon ausgeht, dass einem Markt automatisch Regularien innewohnen, die zu seinem langfristigen Funktionieren führen könnten? War es in der Vergangenheit nicht so, dass das freie Spiel der Kräfte immer zu einem Crasch bzw. zu einer Blase mit anschließendem Kollaps geführt hat?
Natürlich kann man sich billig rausreden und behaupten, jeder Markt der nicht funktioniert wurde falsch reguliert. Blöderweise reagiert der Mensch auf nicht funktionierende Systeme auch immer damit, dass er versucht neue Regeln einzuführen, die zu einem besseren Funktionieren führen sollen. Das lernt er von Kindesbeinen an. Jedes Spiel (außer, ich hau dir auf die Rübe, bis das Hirn raus läuft) braucht Regeln, damit es funktioniert.
Die unsichtbaren Hände im Kreditgeschäft der USA haben es sich lediglich so eingerichtet, dass erstmal jede Instanz vom Kreditnehmer über den Kreditgeber über den Kreditzwischenhändler, sämtliche Investoren usw. kurzfristig Geld verdient haben. Flankiert wurde es von Systemstützen wie Ratingagenturen, die Risiken cashierten um die Gelder erst mal über Bank- und Staatsgrenzen ins Fließen zu bringen.
Ohne staatliche Eingriffe wäre es schließlich zu einem weltweiten Systemkollaps gekommen, wobei noch nicht ganz klar ist, dass er tatsächlich abgewendet wurde. Natürlich ist es immer leicht den zu kritisieren, der den Tanz mit dem Drachen wagt und es ist noch leichter ihm vorzuwerfen, wenn ihm nicht alles gelingt, dass erst’s falsch gemacht hat. Aber die Alternative, alles einfach laufen zu lassen, ist dann doch ein bisschen zu kümmerlich (These).
Und schauen wir mal, wie die bedrohliche Situation in Europa zustande kam. Es ist ja nicht so, dass das Problem wäre, dass Banken kollabierten, vielmehr ist es so, dass die unsichtbaren Hände im Bankenwesen dafür sorgten, dass der Geldverkehr zwischen den Banken zum Erliegen kam. Also ohne fassbare Gefahr eine Schreckstarre der Banken, die jede Investitionstätigkeit in Europa verunmöglichte. Die Staatsgarantien lösten die Blockade nun wieder.
Wie hätte der wahrhaft liberale (bessere?) Weg ausgesehen? An welchem Punkt(en) entstand denn nun der regularische Fehler?
Bin mal gespannt, wie liberal (unregulierte Diskussionssitten) ich hier abgefertigt werde :/
Wie Du hier ‘abgefertigt’ wirst? Zunächst mal mit einer (kuscheligen) Streicheleinheit von mir, die die Dir zustimmt :)
Die Kreditkrise ist dadurch entstanden, dass Greenspan am Ende der New Economie Blase billig Geld zur Verfuegung gestellt hat.
Damit wurde den Banken angezeigt: Hey, die Kosten fuer Geld sind nicht so hoch und wir koennen Leuten Kredite anbieten, die sich diese Kredite eigentlich nicht leisten koennten.
Der Zins spiegelt dabei die Erwartung wieder, dass der Kreditnehmer seine Verpflichtungen erfuellen kann.
Dieser Marktmechanismus (=finde den Preis fuer Geld) wurde mit dem billigen Geld getaeuscht und Leute haben Kredite aufgenommen, obwohl sie sich steigende Zinsen nicht leisten koennen und nicht vertrauenswuerdig genug sind, den Kredit zurueckzuzahlen. Aber aus der subjektiven Sicht haben diese Menschen nichts falsch gemacht.
Das freie Spiel der Kraefte hat nach dem Greenspan-Markteingriff zu einem Crash gefuehrt.
Die Banken haben sich die letzten Wochen kein Geld mehr geliehen – aber warum haetten die Banken die Krise nicht aus eigener Kraft bereinigen koennen, wenn es mangels Staatsauffangnetz keine andere Wahl gegeben haette?
Sich zusammensetzten, in die Buecher schauen, faule Kredite benennen und Transparenz und somit Vertrauen schaffen?
“Damit wurde den Banken angezeigt: Hey, die Kosten fuer Geld sind nicht so hoch und wir koennen Leuten Kredite anbieten, die sich diese Kredite eigentlich nicht leisten koennten.”
Unbestreitbar dass Banken mit dem spread zwischen ihrer borrowing rate und ihrer lending rate Geld verdienen – aber ein hoechstwahrscheinlich fauler Kredit, bei dem das principal nicht zurueckgezahlt werden kann muesste eine so hohe Zinsrate haben dass er unerschwinglich wird – wenn die Bank das Risiko richtig ansetzt.
“Aber aus der subjektiven Sicht haben diese Menschen nichts falsch gemacht.”
Aha. Wenn man weit ueber seine Verhaeltnisse lebt dann macht man nix falsch?
“Das freie Spiel der Kraefte hat nach dem Greenspan-Markteingriff zu einem Crash gefuehrt. ”
Was zu einem Crash gefuehrt hat waren:
- ein hochriskantes Finanzierungsmodell: lend long and refinance short (and frequently)
- das bewusste Verstecken und Verschleiern von Risiko besonders bei den CDOs und CDSs bis hin zu kriminellen Buchhaltungspraktiken
- die sorglose und oft nicht vorhandene Absicherung der realen Risiken – ein Multi-National wie AIG laesst sich seine bond insurance von einem no name fonds in den UK Channel Islands unterschreiben.
- der Tatsache dass viel zu viele Amerikaner weit ueber ihre Verhaeltnisse leben – als Individuen wie auch als Organisationen i.e. Firmen
“Sich zusammensetzten, in die Buecher schauen, faule Kredite benennen und Transparenz und somit Vertrauen schaffen?”
Klar, und dabei noch ein paar group hugs und ein chair race? Welche Firma und vor allem welche Bank laesst die Konkurrenz in die Buecher sehen? Abgesehen davon sollte das ja alles im annual report stehen – oder?
Ich bin mir auch nicht sicher, dass die Banken bei diesen Geschäften viel Geld verdient haben. Wenn man sich mal die vielen Insolvenzfälle anschaut, die diese voreilige aber gewollte Hypothekenvergabe (eigentlich sind es ja Grundschulden) nach sich zogen, das war schon eine Menge. Das Geld ist weg.
Und die immer “verbraucherfreundlicheren” Regeln zur Privatinsolvenz machen es den Banken auch nicht leichter. Mittlerweile können die Banken ja nicht einmal die Ehegattenbürgschaft sicher in den Vertrag einbauen, gewillkürten Vermögensverschiebungen innerhalb der Familien ist damit Tür und Tor geöffnet. In Frankreich kann man mittlerweile die Privatinsolvenz durchführen lassen, ohne dort seinen Wohnsitz zu haben. In sechs Monaten schuldenfrei!
Als ich das vor ein paar Monaten griechischen Geschäftsleuten erzählt habe, habe ich einen Run auf Insolvenzberater verursacht, denn zivilrechtliche Beschlüsse und Urteile werden innerhalb der EU ja gegenseitig anerkannt und haben damit Rechtskraft. Die Kohle wurde natürlich vorher in der Familie verteilt und dann war für die Banken Zahltag.
Das Schlimme ist nur, dass ich nicht weiß wie ich der Inflation entkommen soll, denn die ist garantiert weit höher als die offiziellen Zahlen gerade verlautbaren. Nur wie verstecken sie es? Egal, ich schweife ab.
Irgendwie müssen es die Banken schaffen diese gewaltigen Verluste zu verstecken. Ich in nur noch nicht auf den Kniff gekommen, wie sie es machen. Ob es die Scheingewinne aus dem Zertifikatehandel waren?
Korrekt heisst es natürlich grundschuldgesicherte Darlehen.
Ach Dagny …
Wenn das Wörtchen ‘wenn’ nicht wär’ … was wäre denn gewesen? Sie hätten dennoch alles daran gesetzt, ihre sämtlichen Verluste, auch die des wiederherzustellenden Vertrauens, an Vater Staat delegiert, weil sie aus Erfahrung wissen können, dass er das Netz aufhält …
Glaub’ mir, dass es zu neuem Staatsdirigmus kommen muss, dreht mir förmlich den Magen um … ich könnte k***** … aber …
PS: Von der Blogkante oben rechts gerissen: “Den meisten Argumenten gegen den freien Markt liegt ein Mangel an Glaube in die Freiheit zugrunde. (Milton Friedman)
That is true. Aber wenn wir schon keine innere Freiheit finden, wie sollen wir dann je (alle zusammen!) zu äusserer kommen? Mit dem ollen Schopenhauer gesagt: (der Mensch ist) “… im Grunde ein wildes Tier. Wir kennen es bloß im Zustand der Bändigung und Zähmung.”
Diesmal hat’s halt wieder nicht gereicht mit den Zuchtmitteln, weshalb straffere Zügel und neue Fesseln her müssen; der Staat kauft sie diesmal auf dem freien Markt …
Abgesehen davon, dass du einmal gedoppelt hast, um auch wirklich auf drei Links zu kommen (aber Tricksen, Täuschen und Tarnen ist ja für “die gute Sache” immer erlaubt, nicht wahr?), hat das schon seine Berechtigung.
Denn genau darauf läuft das, was du hier absonderst hinaus: Ganz egal, *WIE* heftig da gerade irgendeine Sache an den Märkten verkackt wird, irgendein Fitzel Regulierung wird sich *IMMER* finden lassen.
An den hängst du dich dann dran, schreist laut rum, dass der Schuld war, und im übrigen das Ganze bei einem zu 100% unreguliertem Markt gewiss NIE geschehen wäre.
So wird ja auch die in einem erheblich weniger reguliertem Umfeld stattgefundene Krise von 1929 von den Herrschaften Neoliberalen argumentativ weggeredet. Im Prinzip ist das der gleiche Mechanismus, nach dem früher eben bei deinesgleichen ein “richtig umgesetzter Kommunismus” der Weg ins Paradies gewesen wäre.
So gesehen hast du dich in 25 Jahren in Sachen Argumentationsstruktur nicht einen Millimeter bewegen müssen. Respekt.
Mein lieber Christian,
nicht “gedoppelt” – das war nur’n falsch gesetzter Link (korrigiert).
Was ich Dir damit sagen wollte: ich habe Dein selbstreferentielles und denunziatives Getrolle satt. Überleg Dir Argumente, falls Du tatsächlich diskutieren willst, anstatt hier permanent die selben platten Sprüche abzusondern. Sonst fliegst Du ein weiteres Mal raus. Dann endgültig.
mfg
Ich kenne nun leider (?) nicht alle Beiträge von Christian und weiß nicht recht wie selbstreferentiell, denuziativ und trollig seine Beiträge sind, mir kommt mancher Liberale in letzter Zeit aber ein wenig dünnhäutig vor.
Dass Liberale immer wieder die gleichen Mantras wiederholen, schafft nun nicht die Tatsache (?) aus der Welt, dass man komplexe Systeme nicht einfach sich selbst überlassen kann im blinden Vertrauen, dass auch sie aus Gottes weisem Schöpfungsfundus stammen und deswegen am besten funktionieren, wenn man sie einfach machen lässt.
Wieso wollen Hardcore-Liberale (sry) nicht verstehen, dass menschliches Zusammenleben ohne Regeln nicht funktioniert? Ohne dem Platzverweise androhenden Joachim zu nahe treten zu wollen, wieso glaubt er andererseits, dass sein Blog mit Sanktionen besser funktioniert?
Ich finde Freiheiten für Meschen – nach der Existenzsicherung – mit das erstrebenswerteste überhaupt, aber wieso um alles in der Welt sollte die Wirtschaft bei Freiheiten Vortritt vor den Menschen haben? Wie der Staat, so hat auch die Wirtschaft den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt.
Die Macher unseres Grundgesetzes hatten herbe Jahre hinter sich (1929+) und schrieben die soziale Marktwirtschaft nicht unreflektiert ins Merkbuch. “Lustig” auch die Einleitung des Ahlener-Programms.
Werter Kuschel, Du beziehst das offensichtlich auf mich, worauf das folgende “andererseits” hindeutet… also los, gibs mir: zeig mir wo ich mich für ein “Zusammenleben ohne Regeln” ausgesprochen habe (Pflicht). Und erkläre mir, warum in unserem About nicht “Anarchy without Rules” sondern “Rule of Law” steht (Kür). Viel Spass beim Suchen.
P.S.:
Kreationist?
Muhahaha.
Ich kann mir nicht helfen, ich höre da einen zänkischen Unterton. Aber egal.
…’ “Zusammenleben ohne Regeln” ausgesprochen habe (Pflicht)’ …
Vermutlich hast du das wörtlich nirgends geäußert. Du hast dich meines Wissens aber auch noch nirgends dafür stark gemacht, dass ein amerikanischer Hillbilly, der sein Haus wegen eines weiterverkauften Kreditvertrags, bei dem die Zinszahlungen erhöht wurden, verloren hat, seine natürlichen Fähigkeiten (unbändige Muskelkraft) dafür einsetzen darf, um sich seinen Besitz vom Bankangestellten wieder zu holen. Ich seh’ da in letzter Konsequenz eine ungleiche Freiheitsverteilung. Wenn Freiheit, dann für alle.
… ’sondern “Rule of Law” steht (Kür)’
Löblich. Aber wieso keine Regeln für die Wirtschaft. Oder was verstehe ich miss, wenn du gegen staatliche Eingriffe in die Wirtschaft wetterst? Willst du nur Regeln, die die Wirtschaft schützen?
‘Kreationist?’
Alles andere. Hab’ ich noch nicht zum Ausdruck gebracht, dass ich Wirtschaft für keine göttlich-allmächtige Gegebenheit halte, die man hinzunehmen hat?
Erklär mir wieso in der Dreiecksbeziehung Individuum/Gemeinschaft, Wirtschaft, Staat die Wirtschaft so übermäßig viel weniger Regeln haben sollte, wie die anderen. Oder kommst du da nur “falsch rüber”?
Nicht “zänkisch” Kuschel. Gerne polemisch, oft zynisch… im gegebenen Fall schlicht genervt: Ich habe es einfach satt, dass mir gebetmühlenhaft Positionen unterstellt werden, die ich nicht vertrete. Dass jeder neue Kommentator jedes Mal diesselben Missverständnisse und/oder Vorurteile ausbreitet. Und ich führe dieses Blog hier nicht, um den Watschenmann für irgendwelche unterbeschäftigten IT’ler zu spielen (damit bist nicht Du gemeint). Sorry, das musste jetzt mal raus.
Zur Sache (nach wie vor nicht ohne Sarkasmus):
Also Faustrecht?
Du verstehst miss, den Unterschied zwischen Regeln und voluntaristischer Intervention als Ausserkraftsetzung von Regeln. Eine Regel wäre z.B. das Gewinn- und Verlustrisiko bei wirtschaftlichen Transaktionen tragen zu müssen. Wenn ich das Verlustrisiko per nachgelagerter staatlicher Intervention ausschalte, fördere ich Moral Hazard und mache die Regel wertlos (relativiere sie zumindest).
Es geht also nicht darum, die Wirtschaft zu “schützen”, sondern im Gegenteil, eine volle Haftung für eigenes Handeln wiederherzustellen.
Ehrlich: ich arbeite hart für mein Geld. Dass die Ackermanns & Co., die
MillionenBillionengewinne eingestrichen haben, jetzt die Verluste aus ihren Pyramidenspielen von meinen Steuergeldern ausgeglichen bekommen, macht mich schlicht wütend.Das ist asozial, nicht eine Markwirtschaft, die auf Gewinn- und Verlustrechnung und Vertragssicherheit basiert.
Soviel erstmal.
“Also Faustrecht?”
Darauf wollte ich hinaus. Wenn eine Krawatte einem harmlosen Häuslebesitzer einen Kreditvertrag aufquatscht, den die Krawatte nicht mal selber ganz versteht aber der Kreditnehmern noch viel weniger, bräuchten die beiden dringend eine zusätzliche “unsichtbare Hand”, die der Krawatte deutlich einflüstert: “Wenn dein Gegenüber die Konsequenzen des Vertrags später mal durchschaut (erleidet), kriegst du eine gebrochene Nase und mehr.”
Sobald der Staat die Gewalthoheit hat, ist er dafür verantwortlich, dass jeder zu seinem Recht kommt. Der, der für sich vorteilhafte Kreditvertragsklausen formulieren und professionell vertreiben kann, genauso wie der, der den besseren Schwinger und das härtere Kinn hat. Der Staat darf nicht dem einen die Hände binden, damit ihn der andere besser ausplündern kann.
Wenn also kein Faustrecht, dann auch kein unumschränktes Vertragsrecht. Zugegeben, letztlich wieder eine Gerechtigkeitsfrage, aber die wachsenden Zeltnotquartiere in Amerika machen doch klar, dass es so nicht geht.
Kuschel spricht hier genau eines der zentralen Grundprobleme an. Es gibt etliche weitere. Ein Beispiel: Vor langer Zeit war es vollkommen normal, seinen Lebensunterhalt mit der Jagd zu sichern. Oder mit Viehzucht.
Wer ein guter Jäger oder Viehzüchter war, der konnte mit Hilfe seiner eigenen Fähigkeiten ein selbstbestimmtes, freies Leben führen. Heute würde dies nicht mehr reichen, insbesondere auch in einem liberalen Staat nicht.
Wer heute einfach irgendwo jagt, oder irgendwo seine Tiere weiden lässt, kriegt Ärger mit dem “Grundbesitzer”, dessen “Ansprüche” mittels staatlichen Gewaltmonopol durchgesetzt werden können. Ansprüche, die sowohl den Viehzüchten und Jägern vor einigen tausend Jahren, als auch den indigenen Völkern der Neuzeit genauso absurd erschienen, wie dies für uns verkäufliche Besitzrechte an Atemluft wären.
Aber der Staat, insbesondere auch der liberale, legt auf einmal fest, dass es dieses Recht auf Grundbesitz gibt. Der Jäger oder Viehzüchter ist der Verlierer dieser letztlich willkürlichen Regel. Was gibt also einem selbsternannten “Liberalen” das Recht, die Freiheit eines sich selbst erfolgreich durch Jagd oder Viehzucht versorgenden Menschen mit der vollkommen willkürlichen Einführung von Grundbesitz einzuschränken?
Gut, es gibt natürlich vielerlei Gründe. Die aus der Möglichkeit zu “Grundbesitz” entstehende Rechtssicherheit ermöglicht eine effizientere Ressourcennutzung. Aufs Gesamtsystem gesehen kann das wünschenswert sein. Der Jäger und Viehzüchter hat davon aber nichts. Womit wird er kompensiert?
Die Antwort lautet in meinen Augen “mit einem generellen Mindestmaß an sozialer Gerechtigkeit”. Der Staat könnte etliche Millionen einzelne Entschädigungsverträge mit potentiellen Viehzüchtern und Jägern, sowie allen anderen durch willkürlich gewählte “Eigentumsrechte” benachteiligten Bürgern schließen. Oder er macht es so ähnlich, wie es heute bei uns üblich ist. Meines Erachtens ist ein Sozialstaat mit einem *Rechtsanspruch* der Menschen (im Unterschied zu den “freiwilligen Spenden” im Bild der “Liberalen”) auf eine humane Grundversorgung eine logisch absolut *zwingende* Folge aus der oben skizzierten Einschränkung des Einzelnen durch die etlichen Regeln, die unsere Gesellschaft aufstellt, und die selbst ein Nachtwächterstaat noch aufstellen würde.
Alle auch vom Nachtwächterstaat brutal durchsetzbaren, im Kern aber oft willkürlichen Eigentumsregeln rauben den Bürgern einen Teil ihrer natürlichen Rechte. Ohne einen *Rechtsanspruch* auf angemessene Kompensation sind sie lediglich unverhohlener Diebstahl.
Außer natürlich, es gibt keinerlei Gesetze mehr, und es werden niemandem durch einen Staat die Hände gebunden. Faustrecht, ja. Wäre gerechtfertigter als jeglicher Nachtwächterstaat im Sinne von Ayn Rand.
> Überleg Dir Argumente, falls Du tatsächlich
> diskutieren willst, anstatt hier permanent die
> selben platten Sprüche abzusondern.
Puh. So, ich hab mal darüber nachgedacht. Ganz offen, Joachim, wenn es von den regelmäßig in den Kommentaren schreibenden jemanden gibt, von dem ich am allerwenigsten der Ansicht bin, dass er mit Argumenten ernsthaft diskutieren möchte, dann bist du das.
Zum Thema Plattheiten. Klar ist der von mir gebrachte Spruch “Staat schlecht, Demokratie schlecht, Markt gut” platt, aber er ist letztliche nur eine Reaktion auf das, was hier abgeht. Ich finde es äußerst platt, sich einfach zu jeder größeren Krise, die es gegeben hat, irgendein noch vorhandenes Fitzelchen staatliche Regulierung oder (Nicht-)Handeln zu nehmen, und damit dann allein zu begründen, weshalb alles in die Binsen gegangen ist. Was du und viele andere da tun, ist schlicht und einfach, sich auf eine nicht beweis- und nicht widerlegbare Position zurück zu ziehen. Das ist dir doch bewusst, oder? Diesen angeblich so heilbringenden, 100% reinen Markt wird es niemals geben, du wirst deine Theorie niemals einem Praxistest unterbreiten müssen. Wie die Kommunisten von 1992, die der Ansicht sind, der Kommunismus sei nicht widerlegt, da noch nie einem Praxistest unterzogen.
Und nun eine Frage an dich: Meinst du es WIRKLICH ernst, dass du Argumente hören möchtest? Ohne Flachserei? Mein bisheriger Eindruck ist nämlich, dass gerade du absolut gar keinen Bock auf Argumente hast.
Sag mir, dass ich mich hier irre, und ich habe da mal einen Vorschlag, welcher möglicherweise mal ganz interessant ist, auch vom blogtechnischen Standpunkt.
Wofür reine Lehre?
Alle Menschen die ich geliebt und gekannt habe (inklusive ich selbst) waren durch Widersprüche gekennzeichnet. Ambivalenzen. Das kann verletzen.
Aber besteht Liberalismus auf einer solchen sehr persönlichen Ebene nicht eher darin Widersprüche zu akzeptieren? Meine eigenen und die anderer. Und kann das nicht vielleicht möglicherweise sehr befreiend wirken?
Und wofür reine Lehre? Um eine transparente, bessere Welt mit klaren Regeln zu schaffen? Und gibts da nicht dann zu scharfe Kriterien nach denen Dinge als richtig und falsch bewertet werden können? Und führt das nicht in eine Diktatur?
Der Liberalismus wird aber eben gerade nicht in seiner radikalen, die Attraktivität für ALLE steigernden, sondern nur in seiner maßlos gemäßigten, auf Kuschelkurs mit allen (ALLEN!) Etatismus-Spielarten rumschleimenden und nur spezifische Klientel-Interessen bedienenden “Neo”-Variante wahrgenommen. Seit gut hundertfuffzig Jahren. Also wenn die Kompromißler mit Ihrem Kurs recht gehabt hätten (damals schon der Naumann, der Bennigsen, der Miquel, der Bassermann, der Heuss…. der Karl Hermann Flach, der Ralf Dahrendorf, des Genscherismus), dann müßte doch diese unendliche Weitsicht irgendwann mal Früchte getragen haben? Meinste nich?
Die lagerinterne opinion leadership liegt seit 150 Jahren bei den “Gemäßigten” – genauso lange liegt der Liberalismus in Agonie und die Welt fällt von einem fiebrigen etatistisch-interventionistischen Alptraum in den nächsten. Jetzt auch schon wieder. Wäre es, wenn man als Middle-of-the-road-Schlaffi 150 Jahre nur Scheiße gebaut hat, jetzt nicht an der Zeit, mal n’ bißchen leise zu sein, sich eine Auszeit zu gönnen und der lagerinternen Minderheit mit demutsvoller Geste das Steuer zu überlassen? Der Hochmut jedenfalls – den hier vor allem dieser unangenehme Statler kultiviert hat – steht Leuten, die mit dem Staat auf Ihren Frieden gemacht haben und sich dennoch “liberal” nennen nicht gut zu Gesicht. Dazu müßte einfach Eure Bilanz anders aussehen!
Und nicht mal ein Zitat von Rothbard….dabei passt der doch so gut zu allen Lebenslagen.
Von Rothbard habe ich gerade nichts in petto, aber über ihn bzw. darüber, wie viele seiner Jünger ticken:
;-)
Die Variante ‘Alles Staazis, außer Murray’ fand ich treffender.
Tja DDH, wie sieht denn eigentlich die Bilanz des Sektierer-Libertarismus aus? Die kann man ja immerhin auch schon mindestens bis Stirner und damit mindestens ins neunzehnte Jahrhundert zurückverfolgen.
So, jetzt sing doch mal ein Medley Eurer größten Erfolge!
Glaube misst sich nicht an Erfolg, Statler.
(btw: Rückfall! Rückfall! Rückfall!)
Unser größter Erfolg ist, daß wir nicht so geworden sind wie Ihr!
Aber DDH will nicht werden*…
:D
(*Achtung Joke!)
es ist auch der einziger Erfolg dieser liberalen Sekten. Dafür sind sie so geworden wie andere, die in gänzlich anderen Denkwelten die Welt bereichern. Das Äquivalent der frömmlerischen Liberalen in der Welt des Glaubens sind die Bigotten.
Ja, Ja, , ich weiss, die Kommentarrichtlinien
Warum? Du hast doch Recht*, Libero – auch wenn ich das nicht auf alle oder auch nur die Mehrheit der Libertären oder gar Liberalen verallgemeinern würde
Herrmann Hesse
Naja, allein vom rein intelektuellen Standpunkt aus ist der Anachokapitalismus interessanter als Bigottie, sei er religös oder marxistisch.
Lustig, daß der Nachtwächterstaat noch nicht aufgetaucht ist. Dabei ist das doch DER Dauerbrenner!
Mir persönlich ist der Nachtwächter ja symphatisch. Er soll nicht in die Wohnungen der Bürger hineinspitzeln, aber eine Hellebarde ist auch kein folkloristischer Schmuck sondern eine tödliche Waffe.
Der Nachtwächter ist ja so was von out …
Im Trendy ist der Modestreit ob Darwin (eine freie Bank darf auch pleite gehen) oder der Weihnachtsmann (verteilt Geschenke an Bedürftige) in sind ;-)
Das ist kein brauchbarer Gegensatz. In Primatengruppen gehört es zum Standardverhalten, das eigene Ansehen speziell bei Weibchen und Halbstarken durch Geschenke und Wohltaten zu steigern.
Das erhöht die Chance, das Alphatier zu verjagen, und man kann sich auch mal mit ‘nem Weibchen in die Büsche verkrümeln.
Geschenke zu verteilen hat sich also bei Primaten evolutionär bewährt.
Richtig. Dabei gilt aber zu beachten das die Geschenke und Wohltaten der Ur- und Frühgeschichte noch gejagt oder gesammelt sein mussten, bevor man sie verteilen konnte.
Der moderne Mensch verfügt im Gegensatz dazu mit dem Weihnachtsmann über einen Heilbringer der beliebig Wohltaten verteilen kann.