Wenn Sie älter als 35 sind, kennen Sie den Begriff wahrscheinlich noch: Kremlastrologie. Falls einer der grossen, geliebten & unsterblichen Führer des Sozialismus einmal länger nicht auftauchte, machte sich die geneigte Presse schnell Sorgen um den Gesundheitszustand des meist gebrechlichen und durchaus nicht unsterblichen Genossen.

Reporter wie Peter-Scholl-Latour (btw: wann hat man den überhaupt das letzte Mal gesehen?) entwickelten deshalb den Typus des medizinal-astrologischen Investigativjournalisten: da die Herren in aller Regel ihren Amtssitz mit den Füssen voran verliessen – sofern Sie nicht vorher auf eigenen Wunsch zurückgetreten wurden und ihre Datscha in Sibirien bezogen – war es immer wieder spannend, über Zeitpunkt und Ursache des voraussichtlichen Abgangs zu spekulieren. Ganze ZK-Abteilungen waren damit beschäftigt, dieser imperialistischen Desinformationspolitik phantasievoll gestaltete Tatsachenberichte entgegenzusetzen.

Schade eigentlich, dass das vorbei ist. Es hatte wirklich Unterhaltungswert. Naja, nicht ganz vorbei – eine kleine koreanische sozialistische Halbinsel leistet tapfer Widerstand. Aber nicht einmal das beherrschen sie mehr richtig:

Das Gras auf dem „aktuellen“ Foto von Kim Jong Il ist zu grün, als dass der grosse Führer nicht schon hineingebissen haben könnte.

(via Zirkumflex)