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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Zu grünes Gras für Kim Jong Il

jo@chim, 14.10.2008

Wenn Sie älter als 35 sind, kennen Sie den Begriff wahrscheinlich noch: Kremlastrologie. Falls einer der grossen, geliebten & unsterblichen Führer des Sozialismus einmal länger nicht auftauchte, machte sich die geneigte Presse schnell Sorgen um den Gesundheitszustand des meist gebrechlichen und durchaus nicht unsterblichen Genossen.

Reporter wie Peter-Scholl-Latour (btw: wann hat man den überhaupt das letzte Mal gesehen?) entwickelten deshalb den Typus des medizinal-astrologischen Investigativjournalisten: da die Herren in aller Regel ihren Amtssitz mit den Füssen voran verliessen – sofern Sie nicht vorher auf eigenen Wunsch zurückgetreten wurden und ihre Datscha in Sibirien bezogen – war es immer wieder spannend, über Zeitpunkt und Ursache des voraussichtlichen Abgangs zu spekulieren. Ganze ZK-Abteilungen waren damit beschäftigt, dieser imperialistischen Desinformationspolitik phantasievoll gestaltete Tatsachenberichte entgegenzusetzen.

Schade eigentlich, dass das vorbei ist. Es hatte wirklich Unterhaltungswert. Naja, nicht ganz vorbei – eine kleine koreanische sozialistische Halbinsel leistet tapfer Widerstand. Aber nicht einmal das beherrschen sie mehr richtig:

Das Gras auf dem “aktuellen” Foto von Kim Jong Il ist zu grün, als dass der grosse Führer nicht schon hineingebissen haben könnte.

(via Zirkumflex)



3 Kommentare zu “Zu grünes Gras für Kim Jong Il”

  1. Lina

    Schade eigentlich, das das vorbei ist. Es hatte wirklich Unterhaltungswert.

    Ja, hatte es, ich fürchte nur, dass es mit diesem Unterhaltungswert nicht mehr weit her wäre; die VIPs, auch die politischen, ziehen es heute vor, lieber ihr Leben als ihren Tod zu inszenieren. Da hat sich was getan, so vom Erscheinungsbild der Macht her. Demokratisch schillernd geradezu, dieser Putin jetzt … (Schöner Artikel,

    Und übrigens: vor 2 Wochen war auch hier noch alles grün …

  2. jo@chim

    Steht am Montag in Nordkorea der Grassbeisser mit Aszendenten im Militärputsch?

  3. Lina

    Für gewöhnlich stehen Ascendenten nicht in irdischen Putschen, sondern in himmlischen Sternzeichen, und wenn schon astrologisch zu betrachten, dann dürfte, nein, müsste der zu jeder Deutung von militärischem Putschgeschehen erforderliche Mars ganz wesentlich beteiligt sein; im Fall einer Diktatur wie der nordkoreanischen auch der Pluto, letztlich als Zeichen des Umsturzes zusätzlich der Uranus; im Zeichen einer Pluto-Uranus-Konstellation kommt es nämlich gern zum Platzen einer ideologische Blase …

    (Ja, lieber , ohne Dein Wissen beherbergst Du hier eine beim einzigen ernstzunehmenden Astrologen Deutschlands geschulte Fachfrau. Schade nur, dass ihr Kim Yongs Ils Radix nicht vorliegt und sie die Koordinanten von Pjönjang verschlampt hat, sonst könnte sie Dir heute schon sagen, was morgen ist ;)

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