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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Drecks(islamo)faschisten

jo@chim, 15.10.2008

“Tod durch Erhängen”, so lautete das Urteil gegen die 16-jährige Atefeh R. Ihr wurde “unkeusches Verhalten” vorgeworfen. Atefeh R. war die Tochter eines Drogenabhängigen und Halbwaise, die von den Großeltern mehr schlecht als recht betreut wurde. Eine Streunerin, die sich freier gab als andere Mädchen in ihrem Alter. Das wurde ihr zum Verhängnis. Bereits mit 13 Jahren geriet sie in die Fänge der islamischen “Moral-Polizei”. Im Namen Gottes wurde sie verprügelt und eingesperrt – wie es die strengen Scharia-Regeln bestimmen. Weil andere Teenager abgeschreckt werden sollten, wurde sie schließlich in einem unrechtmäßigen Verfahren zum Tode verurteilt. Der Richter hatte der jungen Frau eigenhändig den Strick umgelegt. Der Galgen stand mitten in der nordiranischen Stadt Neka, und die Bevölkerung schaute bei der Hinrichtung zu.

Aus der Beschreibung des Films Iran – Galgen für eine 16-Jährige. Warum Atefeh hingerichtet wurde heute abend um 21.15 Uhr auf 3SAT.

Drecks(islamo)faschisten, mehr fällt mir dazu nicht mehr ein.



35 Kommentare zu “Drecks(islamo)faschisten”

  1. Shin

    Wenn ich sowas lese könnte ich jedes mal fast zum Neocon werden.

  2. Quax

    Und was ist daran “faschistisch”?

  3. multikultur

    @Quax

    Ist das eine rhetorische Frage? Was ist am Faschismus überhaupt “faschistisch”? Tut man ihm am Ende vielleicht unrecht, dem Armen?
    -.-

  4. F.Alfonzo

    Hab den Film eben gesehen, wirklich erschreckend…
    Lang lebe die Revolution.

  5. NUB

    Die eigentliche Frage wäre doch, was man dagegen tun kann. Dafür, dieses Regime im Iran zu stürzen. Leider gibt es kaum eine realistische Möglichkeit.

    * Krieg: Die Amerikaner haben mit dem Irak genug zu tun, haben finanzielle Probleme, der Iran ist groß und hat einen historischen und religiösen Antiamerikanismus, wenig aussichtsreiches Unterfangen

    *Wirtschaft: Hier könnte man etwas tun und auf Geschäfte verzichten, den Iran als EU boykottieren. Auf die Einnahmen möchte man nicht verzichten und glaubt zudem, mehr Einfluss zu haben, wenn man mit dem Iran Geschäfte macht (das ist nur eine Ausrede).

    *Politisches Boykott: Findet teilweise statt, die Iraner sind keine dicken Freunde, die man hier gerne herumzeigt, man trifft sich mehr im Hinterzimmer. Der Streit um die Nukleartechnologie tut sein Übriges.

    Genau genommen ist die Durchsetzung von Rechtsverhältnissen, die eine Lebensweise mit dem Tode bestrafen, die bei uns für Teenager mehr oder weniger normal ist, zumindest eine ideologische Kriegserklärung. Wenn nicht darüber hinaus eine Ankündigung, unsere Wertvorstellungen beseitigen zu wollen. Jedenfalls sagt das klar aus, dass die Vorstellungen von Gut/Böse, Richtig/Falsch nicht unter einen Hut zu bringen sind. Und das war schon immer die eigentliche Ursache, wenn es irgendwann doch knallt.

  6. jo@chim

    Ich hatte vergessen: Faschismus!!! ist nur, wenn in Köln ‘paar Trottel demonstrieren wollen. Das bisschen iranischer Führer-, und Märtyrerkult, Polizeistaat, Terror nach innen und aggressiver Antisemitismus sind nur oberflächliche Ähnlichkeiten. Wir dürfen denen unser westliches Politikverständnis nicht einfach überstülpen. Das würde die nur wütend machen.

  7. F.Alfonzo

    @ NUB:

    Ich denke, mann kann von außen nichts dagegen tun… traurig aber wahr… es braucht halt ein paar Einheimische, die ordentlich Lärm machen, aber das kann dauern, und wird vermutlich in den meisten Fällen so enden wie bei Salman Rushdie…

    Aber um die Optionen mal durchzugehen:

    Krieg: Tötet vermutlich 10.000mal mehr (neutrale oder kritische) Zivilisten als Regimeanhänger. Das zieht zwangsläufig den Hass auf die Befreier…

    Wirtschaft: Bringt bei totalitären Staaten gar nichts, weil die Regierung alles kontrollieren kann. Man trifft damit höchstens die Zivilbevölkerung.
    Man mag behaupten, dass das ja gar nicht so schlecht wäre, weil die Leute dann merken, dass sie aufgrund des Verhaltens ihrer Regierung in diese missliche Lage gekommen sind… das ist aber ein zu strategischer Gedanke.
    Die Leute wissen, dass sie von Gangstern regiert werden, die sich im Fall eines Boykotts bei der Bevölkerung bedienen. Der Hass geht dann vermutlich auch eher gegen Westen.

    Politik: Das ist doch ne Lachnummer. Der iranische Präsident hält komödiantische one-man Shows vor den Vereinten Nationen ab. Ob der sich wirklich für politische Ächtung interessiert?

    Zum Thema (wie es zumindest in dem Film widergegeben wurde, ich habe selbst keine Ahnung davon):
    Das Problem in diesem Fall war nicht die Sharia, auch nicht das geltende Recht im Iran, sondern die Tatsache, dass ein politisch geschätzer Richter halt machen kann, was er will.

    D.h: Wenn er ein Vergehen, das nach islamischem Recht mit 100 Peitschenhieben bestraft werden soll mit Erhängen bestrafen will, kein Problem; wenn man eine unliebsame Person loswerden will, die leider noch nicht 18 ist und deshalb lt. iranischen Gesetz nicht hingerichtet werden darf, fälscht man kurzerhand die Geburtsurkunde.

    Meine persönliche Lektion aus dem Film: Shariah schön und gut, kann man mögen oder auch nicht (je nach Masochismus oder dem Grad religiöser Verblödung), aber was im Iran abgeht, hat mit Shariah ungefähr so viel zu tun wie die deutsche Wirtschaft mit laissez-faire Kapitalismus.

    …immer schön Propaganda und Terror machen, dann fragt auch niemand nach, ob das Urteil eigentlich mit der Shariah einhergeht oder nicht.

  8. NUB

    @F.Alfonzo

    Ich denke, mann kann von außen nichts dagegen tun… traurig aber wahr… es braucht halt ein paar Einheimische, die ordentlich Lärm machen, aber das kann dauern, und wird vermutlich in den meisten Fällen so enden wie bei Salman Rushdie…

    Die Hoffnung, eine Diktatur werde schon irgendwann gestürzt werden, kann sehr sehr viel Ausdauer erfordern. Siehe auch Nordkorea. Nach dem Tod Kim Jong-Ils wird man ja sehen, ob das in die dritte Runde geht, ich würde sagen ja.

    Krieg: Tötet vermutlich 10.000mal mehr (neutrale oder kritische) Zivilisten als Regimeanhänger. Das zieht zwangsläufig den Hass auf die Befreier…

    Richtig. Zudem sind nicht 100% der Bevölkerung gegen das Regime.

    Wirtschaft: Bringt bei totalitären Staaten gar nichts, weil die Regierung alles kontrollieren kann. Man trifft damit höchstens die Zivilbevölkerung.

    Wobei das Regime vielleicht sogar noch versucht, die Zivilbevölkerung leiden zu lassen, um eine Möglichkeit zu haben, den Feind anzuprangern.

    Politik: Das ist doch ne Lachnummer. Der iranische Präsident hält komödiantische one-man Shows vor den Vereinten Nationen ab. Ob der sich wirklich für politische Ächtung interessiert?

    Kommt schon darauf an, wieviele mitmachen. Solange der Iran einige Freunde hat, etwa Russland, kümmert es ihn nicht, was die anderen sagen. Einige Freunde wird das Ölförderland Iran wohl in jedem Fall behalten.

    Zum Thema (wie es zumindest in dem Film widergegeben wurde, ich habe selbst keine Ahnung davon):
    Das Problem in diesem Fall war nicht die Sharia, auch nicht das geltende Recht im Iran, sondern die Tatsache, dass ein politisch geschätzer Richter halt machen kann, was er will.

    Das würde ich so nicht sagen. Es ist konzeptionelle Grundlage eines auf Religion basierenden Rechtssystems, dass eine bestimmte Moralvorstellung und Wertegrundlage als verbindlich betrachtet wird. Zudem ist bei einer Theokratie der in der praktisch unfehlbaren und nicht zu kritisierenden Position, der die Religion für den Rest auslegt. Könnte er angezeweifelt werden, könnte die ganze Religion angezweifelt werden. Somit ist bei einer Theokratie immer auch die Grundlage einer Tyrannei gelegt. Ich wundere mich, dass dieser Zusammenhang vielen Menschen anscheinend nicht offensichtlich ist, sondern dass einige (kenne selber Leute) behaupten, ein richtiger auf dem Islam basierender Staat, sprich eine vernünftige Theokratie, wäre richtig gut. Ähnlich dem Papst nehmen die Religionsgelehrten eine quasi-göttliche Stellung ein, so wie in der Katholischen Kirche das Konzept des Vertreters Gottes auf Erden.

    Wenn dann die Möglichkeit hinzu kommt, wie in der Scharia moralische Vergehen mit Körperstrafen und Tod zu ächten (das Mädchen kann ja als Wiederholungstäterin auffällig geworden sein), ist natürlich auf dieser Grundlage so eine Vorgehensweise möglich. Weil es bei jedem Gericht einen Ermessensspielraum des Richters gibt. Es urteilt ja nicht Gott, sondern ein Richter in seinem Namen.

    D.h: Wenn er ein Vergehen, das nach islamischem Recht mit 100 Peitschenhieben bestraft werden soll mit Erhängen bestrafen will, kein Problem; wenn man eine unliebsame Person loswerden will, die leider noch nicht 18 ist und deshalb lt. iranischen Gesetz nicht hingerichtet werden darf, fälscht man kurzerhand die Geburtsurkunde.

    Es stimmt natürlich, das Regime bedient sich krimineller Methoden und schafft u.a. auch Kritiker bei Seite, indem ihnen irgendwelche Vergehen unterstellt werden. Das ist unbestritten, dem Ideal eines islamischen Staates entsprechen diese Leute auch nicht. Aber ich werfe die Frage auf, ob dies so überhaupt denkbar wäre, weil wie gesagt die Theokratie schon Tür und Tor für jeden Missbrauch öffnet. Es gab auch kriminelle Päpste in der Kirchengeschichte. Erst als neben dem göttlichen Recht andere Rechtsmaßstäbe Einzug hielten, konnte so etwas wie ein universelles Menschenrecht entstehen.

    Meine persönliche Lektion aus dem Film: Shariah schön und gut, kann man mögen oder auch nicht (je nach Masochismus oder dem Grad religiöser Verblödung), aber was im Iran abgeht, hat mit Shariah ungefähr so viel zu tun wie die deutsche Wirtschaft mit laissez-faire Kapitalismus.

    Das kommt jetzt darauf an, ob Sie damit ausdrücken wollen, dass das Regime aus Heuchlern besteht, die die Religion für ihre Zwecke missbrauchen, dann stimme ich sicherlich zu. Oder ob Sie damit sagen wollen, dass man mit der Scharia woanders und unter anderen Umständen doch die Menschenrechte achten und keine Willkür praktizieren würde. Da habe ich meine Zweifel. Man muss Machtmissbrauch — und was ist härter als sich als Stellvertreter Gottes bzw. Religionspolizei aufzuspielen — aktiv verhindern, nicht darauf hoffen, dass gute Menschen in die Position kommen und ihre Macht schon nicht missbrauchen.

  9. Die Stimme aus dem Off

    Man sollte gar nichts machen, denn es ist nicht unser Problem. Wir sollten lieber aufpassen, dass diese Ideologie sich hier nicht weiter verbreitet. Einflüsse von außen haben in der muslimischen Welt immer nur Widerstand erzeugt, die Reform muss von innen kommen.

    Im übrigen würde ich es auch nicht einsehen deutsches Steuergeld für ein paar Wilde auszugeben. Da gibt es hier bessere Verwendungsmöglichkeiten bzw. wären hier mal Steuersenkungen zu empfehlen.

  10. Bodo Wünsch

    > Man sollte gar nichts machen, denn es ist nicht unser Problem.

    ‘Gar nichts’ geht nicht: Geschieht Unrecht gegen Menschen, ist es Pflicht, nach (rechtlich und moralisch geprüfter) Möglichkeit gegen dies Unrecht vorzugehen.

    Die Betonung liegt auf “nach Möglichkeit”. Was könntest du tun? Finde beispielsweise einen iranischen Brieffreund/Brieffreundin und kläre ihn/sie über das Recht auf.

  11. F.Alfonzo

    “Die Hoffnung, eine Diktatur werde schon irgendwann gestürzt werden, kann sehr sehr viel Ausdauer erfordern. Siehe auch Nordkorea. Nach dem Tod Kim Jong-Ils wird man ja sehen, ob das in die dritte Runde geht, ich würde sagen ja.”

    …glaube ich ehrlichgesagt nicht… mein Tip: Wenn der große Diktator endlich ins Gras beisst, gibt’s in dem Land eine Art Bürgerkrieg.

    Zur Shariah:
    Klar, ich bin kein Fan…
    Dass jedes Regime, dass sich auf die Shariah beruft eine Theokratie ist, ist mir bewusst….
    Mir ging es im Wesentlichen um das Verhältnis zwischen pragmatischer “Justiz” auf der einen, und iranischem, bzw. Shariah-Gesetz auf der andern Seite.

    Nur mal ein Beispiel: (Wiederrum: Nur aus dem Film gelernt): Die Shariah bestraft 2 Leute, die ein Verbrechen begangen haben gleichermaßen (also z.B. ein Junge und ein Mädchen, die unverheiratet sind und zusammen gesehen wurden).
    Dass das laut Shariah ein Verbrechen ist, zeugt natürlich von der Menschenfeindlichkeit dieses religiösen Gesetzes… aber: Das Gesetz wird halt nicht so praktiziert: Der Junge wird von seiner Familie rausgekauft, das Mädchen wird eingesperrt, gefoltert und eventuell hingerichtet.

    Das ist selbst für die menschenverachtende Shariah eine Beleidigung.

    Fakt ist: Der Iran ist keine Theokratie, sondern ein Staat, der von Verbrechern geführt wird, die im Zuge der Revolution an die Macht gekommen sind. Und über Leichen gegangen sind, nicht zu knapp.

    Letztendlich genau die gleiche Revolution, wie sie in Cuba, Vietnam, China (sorry an die Linken, mir fallen gerade keine rechten Beispiele ein) stattgefunden hat. Keine Politik, nur Machtgeilheit.

    Bleibt wirklich nut zu hoffen, dass sich das iranische Volk bald ihrer Tyrannen entledigt. Ich denke die Tendenz ist da, es fehlt nur die Organisation.

    Der Ahmadinedschad wird in dem Fall natürlich nicht an einemBaukran gehängt, wie er es bei minderjährigen erlaubt hat… der verrottet dan bis an sein Lebensende in einer Zelle in Europa, wenn er nicht vorher vom eigenen Volk umgebracht wird ;-)

  12. Christian der II.

    Die Kritik an einer Geisteshaltung, die öffentlich nahezu komplett diskreditiert ist, und von kaum noch jemanden vertreten wird, ist zwar gerechtfertigt. Auch wenn da mal wieder ein typisch diffamierender Unterton bei ist, dass das angeblich massenweise Leute vom politischen Gegner so sehen würden. Dies ist, um es deutlich zu sagen, längst nicht mehr der Fall.

    Aber dass diese polemische Kritik ausgerechnet aus einer Ecke von Leuten kommt, die Ihrerseits meinen, gefährliche Regime wie China mit Samthandschuhen anfassen zu müssen, ist natürlich abermals sehr bezeichnend.

    Bist du mit diesem Diskussionsstil sicher, dass du wirklich an Argumenten interessiert bist, und nicht einfach nur mit Plattitüden und Strohman-Diskussionsgegnern (die sich ja glücklicherweise nicht wehren können) rumkotzen willst? Meine Aussagen und Fragen unter

    http://www.antibuerokratieteam.net/2008/10/13/auf-dem-weg-in-den-neodirigismus/#comment-101500

    gelten immer noch.

  13. Lemmy Caution

    In Köln gings um den Abscheu einer Bürgergesellschaft gegen mittelalterliche Haßprediger wie z.B. der Sportlehrer und die Steuer-Streberin, die einen unakzeptablen Haß verbreiten.
    Das ist eine innerdeutsche Angelegenheit.

    Natürlich wird der Iran von einem bescheuerten Regime beherrscht. Wir sollten dort auch universell gültige Menschenrechte vertreten. Nur bleibt das eben der Iran. Die Befreiung muß letztlich von innen kommen und kann von uns bis zu einem gewissen Grad allenfalls unterstützt werden.
    Als Hernán Cortés 1519 in Mexiko landete, fand er auch ein paar von den Azteken unterdrückte Indianerstämme vor (periodische Zwangslieferung von Menschen zwecks Opferung inclusive). Gab es Cortéz das Recht dort richtig loszuschlagen? Find ich eine sehr schwierige Frage.

    Nur ich kann mich als Deutscher dagegen wehren, dass alle islam-gläubige in einen großen Topf geworfen werden. Ich hab nämlich sehr unterschiedliche praktizierende Moslems kennengelernt.

    Für die nächsten 1000 Jahre sind Rechtspopulisten für mich keine Trottel sondern Brandstifter, auch wenn sie wie Trottel aussehen.

  14. F.Alfonzo

    btw: Ich glaube ja Fidel Castro beisst früher ins Gras als Kim Jong Il…

    Biete 50 Euro als Wetteinsatz… hält jemand dagegen?

  15. jo@chim

    Der Iran ist keine Theokratie, sondern ein Staat, der von Verbrechern geführt wird, die im Zuge der Revolution an die Macht gekommen sind. Und über Leichen gegangen sind, nicht zu knapp.

    Ja. Deshalb auch Islamfaschismus und nicht schlicht “Islamismus”.

    Man kann natürlich durchaus sagen “geht mich nichts an”: wird es aber spätestens, wenn die Verbrecher ihr Nuklearprogramm zum erfolgreichen Ende geführt haben und Israel als einzige Demokratie der Region mit der Bombe bedrohen…

  16. Die Stimme aus dem Off

    Träume ich? Verkehrte Welt? Bodo Wünsch ist für Maßnahmen, ich dagegen? Wie kommt es?

    Bodo, ich werde gar nichts tun, denn mir ist es egal. Ich habe das Recht dazu, dieses Leid zu ignorieren. Es gibt Millionen, ach was schreibe ich, Milliarden von Menschen, die meine Hilfe benötigen. Ich kenne da ein paar persönlich, um die kümmere ich mich zuerst. Der eine ist mein Neffe, der andere bin ich selbst.

    Doch zurück zum Thema: Es hatte seinen Grund, warum ich mich gegen Hilfe ausgesprochen habe. Auch die Iraner haben das Recht aus ihren Fehlern zu lernen. Das können sie aber nur, wenn man sie mit ihren Problemen alleine lässt. Im übrigen wollen sie unsere Hilfe nicht. Sie wollen sie nicht, wirklich.

    Sie werden unsere “Hilfe” als Kulturimperialismus deuten, da können die Gutmenschen machen was sie wollen: Lichterketten, Brieffreundschaften, finanzielle Hilfen, Asylprogramme. Egal was wir machen, am Ende ist es der Kulturimperialismus der Kreuzfahrer. Ihr werdet es erleben. Genau das Gleiche erleben wir gerade in diesem wunderschönen Afghanistan. Milliarde über Milliarde versackt und helfen tut es alles nichts, hehe.

    Asyl: Führt zum erkaufen von Verfolgung, um Visa zu erhalten.
    http://fact-fiction.net/?p=1250

    Brieffreundschaften: Werden als Missionierung empfunden oder zu Missioniserungszwecken missbraucht. Wahlweise auch zu Bezzness. Achtet aber darauf, bloß keine Brieffreundschaft mit einer Iranerin zu suchen. Deutsche Frau, iranischer Mann geht, kein Problem. Aber die andere Variante ist ziemlich aussichtslos.
    http://www.friends-place.net/Iran_penpals_friends_epals.html
    http://www.1001geschichte.de/forum/default.asp

    Lasst diese Menschen doch einfach in Ruhe und kümmert Euch um die Probleme Eurer eigenen Länder, da habt ihr genug zu tun. Ich kenne auch hier genug Leid.

    Aber vielleicht ist es auch ganz gut ein paar Brieffreundschaften zu pflegen. So beim Nachdenken könnte ich eigentlich dazu raten. Und dann bitte unbedingt mal unverfänglich die Themen Zweiter Weltkrieg und Israel/ Palästina anschneiden. Das wird lustig! Es gibt ja auch viel für den Gedankenaustausch. Da wäre zum Beispiel das kollektive Heben des Arms zum Hitlergruß im Fußballstadion, als Deutschland in Teheran gespielt hat. :-)

    Mal sehen wieviel Verständnis der Brieffreund aus dem Iran für israelfreundliche Positionen hat. Da bin ich auch schon ganz gepannt. Nur Mut! Mit vielen freundlichen Worten lässt sich auch bestimmt dort von außen die Demokratie herbeireden. Ganz bestimmt. :-)

    Außerdem hätte ich nichts dagegen eine Brieffreundschaft mit einem radikalen Muslim zu führen. Voraussetzung wäre allerdings, dass sich das mit dem Porto lohnt und der Gute aus Deutschland abgeschoben wird. Wenn die Liberalen/ Libertären mal in sich gehen würden, dann wäre das mit einem strengeren Aufenthaltsgesetz vielleicht auch mal möglich.

  17. R.A.

    > In Köln gings um den Abscheu einer
    > Bürgergesellschaft
    Wer ist denn diese Frau Bürgergesellschaft – wer kann in ihrem Namen Abscheu aussprechen?

    > gegen mittelalterliche Haßprediger wie
    > z.B. der Sportlehrer und die Steuer-Streberin,
    War mir gar nicht bekannt, daß ein Iman Sportlehrer sein darf. Oder gar Steuern bezahlt.

    > Wir sollten dort auch universell gültige
    > Menschenrechte vertreten.
    Richtig.

    > Nur bleibt das eben der Iran.
    Da nun aber die Menschenrechte universell gültig ist, gibt es dieses “aber” eben nicht.

    > Nur ich kann mich als Deutscher dagegen
    > wehren, dass alle islam-gläubige in einen
    > großen Topf geworfen werden.
    Wie schön, daß das keiner gemacht hat.
    Es geht nur um den Topf “Islamofaschismus”

  18. john j

    Wie genau ist Iran = Cuba? Wen bedroht Cuba mit der Ausloeschung? Und wo werden in Cuba 16-jaehrige Maedchen hingerichtet weil sie einen zu kurzen Rock tragen?

    Wie waere es mit Chile unter Pinochet, Argentinien unter Videla, Pakistan, Zaire unter Mobutu oder Spanien unter Franco fuer ein paar Beispiele vom rechten Rand?

    Und Fidel Castro ist doch schon tot – hast damals bei Andropow und Chernenko nicht aufgepasst wie das geht?

  19. multikultur

    @ NUB

    “Die eigentliche Frage wäre doch, was man dagegen tun kann. Dafür, dieses Regime im Iran zu stürzen. Leider gibt es kaum eine realistische Möglichkeit.”

    Dresden – Hiroshima – Baghdad – Teheran.
    Level the place, das rettet erwiesenermaßen Menschenleben. Natürlich wäre eine “humanere” Lösung zu bevorzugen. Wie Deine Ratlosigkeit aber bereits andeutet, gibt es eine solche Lösung nicht. Mit Herumsitzen und Lamentieren macht man sich bequemerweise nicht die Finger schmutzig – daran ist auch absolut nichts auszusetzen. Ich warte aber nur darauf, wenn genau dieselben schweigenden Zuschauer (Popcorn anyone?) mit dem Geheule anfangen, wenn Präsident McCain den Knopf drückt und in Teheran endlich Feierabend ist.

  20. multikultur

    @ Lemmy Caution

    “In Köln gings um den Abscheu einer Bürgergesellschaft gegen mittelalterliche Haßprediger wie z.B. der Sportlehrer und die Steuer-Streberin, die einen unakzeptablen Haß verbreiten.”

    Egal, wie sehr man Pro Köln oder den von Dir vermutlich angedeuteten Stefan Herre ablehnen mag – sie mit dem iranischen Mörderregime gleichzusetzen ist, gelinde gesprochen, absolut unredlich. Ich war in Köln, habe mir beide Veranstaltungen angesehen – Hass sah ich nur auf einer Seite. Und von einer protestierenden “Bürgergesellschaft” war dort schon gar nichts zu sehen. Vielmehr sah man den politischen Gegner (SPD, Grüne, Linkspartei, Gewerkschaften, Antifa, Steinzeitkommunisten) sowie den politischen Konkurrenten (Schramma), die in berechtigter Panik gegen die demokratische Rechte antrommelten. Wer’s nicht glaubt: Wahlen abwarten. Zu diesem Thema wurde bereits genug gesagt, es bleibt aber zu betonen: mit der Demokratie ist es wie mit Fisherman’s Friends – ist sie zu stark, bist du zu schwach. Wenn Kommunisten in den Parlamenten sitzen, ihr politisches “Gegenstück” von der anderen Seite jedoch mit rechtswidrigen Mitteln blockiert wird, dann ist etwas faul. Das ist dann die Demokratie wie man sie aus dem Kürzel “DDR” kennt – ein Selbstbedienungsladen für Stalinisten.

  21. Bodo Wünsch

    Nix verkehrte Welt ;-)

    DU so, ICH so. Dein, mein Urteil. Ich würde nicht von anderen verlangen, meine Zwecke wahrzunehmen…

    Der Bodo trennt Recht und Moral – und versucht auch, das zu leben: Wenn ich sehe, wie die Nachbarin von Unbekannten vergewaltigt wird, stehe ich nicht daneben oder mache etwa mit ;-xx – sondern GREIFE EIN. Würde ich auch in der U-Bahn tun, wenn’s gegen Rentner geht… mir ist es etwa auch nicht egal, wenn “AUSLÄNDER RAUS” an die Wand gesprüht wird oder Steine gegen Polizisten fliegen.

    Mir ist aber schweineegal, wenn sich zB ganz opferlos arg Besoffene irgendwo in Kärnten mit ihrem Phaeton umbringen…

    Und so ist das mit dem Unrecht in Iran: Hier geht’s mit Gewalt gegen Menschen, und das KANN mir nicht egal sein. Wie gesagt, ich würde aber niemals von _anderen_ fordern, was für die Reinheit _meines_ Gewissen zu tun (wie die whale watchers, die _uns_ mal wieder plakatieren und um Spenden bitten….).

  22. Die Stimme aus dem Off

    Nix verkehrte Welt ;-)

    Ok, da bin ich ja beruhigt. Ich musste aber mal nachfragen, obwohl ich durchaus nüchtern bin.

    DU so, ICH so. Dein, mein Urteil. Ich würde nicht von anderen verlangen, meine Zwecke wahrzunehmen…

    Einer der letzten Menschen mit dieser Haltung.

    Mir ist aber schweineegal, wenn sich zB ganz opferlos arg Besoffene irgendwo in Kärnten mit ihrem Phaeton umbringen…

    Auch ganz erhebliche politische Leistungen rechtfertigen keinen schlechten Geschmack. Alleine für das Auto… :-xx

    Und so ist das mit dem Unrecht in Iran: Hier geht’s mit Gewalt gegen Menschen, und das KANN mir nicht egal sein. Wie gesagt, ich würde aber niemals von _anderen_ fordern, was für die Reinheit _meines_ Gewissen zu tun (wie die whale watchers, die _uns_ mal wieder plakatieren und um Spenden bitten….).

    Ich teile diese Ansicht sogar. Allerdings denke ich, die Schlussfolgerung ist falsch. Man hilft am meisten, wenn man sie sich selbst überlässt. Der Iran hat in jeder denkbaren weiteren Entwicklung höchsten noch fünfundzwanzig Jahre bevor er zerbricht. Der Staat wird finanziell zusammenbrechen, da gibt es keinen Ausweg. Wir werden den Bürgerkrieg dort erleben, er wird langsam kommen, aber er wird kommen. So ist das nämlich immer, wenn Kriminelle um die Verteilung der Pfründe streiten. Immer, ausnahmslos.

    Vielleicht bedarf es einiger billiger Militärschläge gegen den Iran – die sind problemlos möglich, denn der Iran hat der Nato nichts mehr entgegenzusetzen -, aber das war es dann auch schon.

    Mit tut die sechzehnjährige auch leid, aber man kann ihr sowieso nicht mehr helfen. Und der nächsten sechszehnjährigen auch nicht. Vielleicht können wir der tausend nächsten sechszehnjährigen helfen, indem wir es nämlich verhindern, dass diese Typen weiterhin uns – den Westen – für ihr Versagen verantwortlich machen.

    Die andere Alternative wäre ein Krieg vom Ausmaß des Zweiten Weltkriegs. Bei dem müsste die Bevölkerung jahrelang leiden, damit sie am Ende jeden Widerstandswillen verliert. Aber so ein Krieg ist mit westlichen Parlamenten nicht zu führen, also bleibt nur der Bürgerkrieg.

    Glaubst Du übrigens wirklich Du veränderst etwas mit einer Brieffreundschaft? Nicht wirklich, oder?

  23. Lemmy Caution

    Diese globalisierende Welt besitzt erstaunliche Möglichkeit der Nachrichtenverbreitung und gleichzeitig gewaltige Ungleichzeiten.
    Wir können das nicht begreifen, wenn man sich nicht völlig in diese Umgebung begibt. Betrachtet aus unserem Lebensumfeld ist das völlig absurd. Um ein Verständnis zu erlangen, müßte man schon dahin fahren.
    Die Erfolgchancen von politik-philosophischen Betrachtungen per Brief halte ich für vorsichtig gesprochen nicht besonders hoch.
    Im Iran gibts natürlich eine gebildete Schicht, denen dieses Verhalten genauso fremd ist wie uns. Gleiches gilt für Anhänger des Islam.
    Der liberale Mario Vargas Llosa hat übrigens einen echt gut lesbaren Roman über diese Ungleichzeiten geschrieben: La Guerra del Fin del Mundo. Der Krieg am Ende der Welt. Er entwickelt dort einen gewissen Grad von Empathie für Leute mit archaischen Ideen.

  24. NUB

    Es sieht ja im Moment so aus, dass der Obama gewinnt, multikultur. Außerdem ist es etwas kurz gedacht, man könne jeden, der einem nicht passt, einfach ausknipsen.

    Bei einer Eskalation des Atomkonflikts könnte ich es mir aber schon vorstellen.

  25. john j

    “Mir ist aber schweineegal, wenn sich zB ganz opferlos arg Besoffene irgendwo in Kärnten mit ihrem Phaeton umbringen…”

    DEM Satz kann ich voll zustimmen.

    Ist ja nur noch peinlich was da in A momentan abgeht.

  26. multikultur

    Schon klar, NUB, sowohl das mit “The One” als auch die Tatsache, dass Wegbomben nicht immer die beste Form der Konfliktbewältigung ist. Bei zahnloseren Tigern, wie z.B. den Nordkoreanern, würde ich solche Maßnahmen auch nicht gutheißen, da sollte man höchstens Rosinenbomber einsetzen. Im Falle der Iraner gehen einem aber tatsächlich die Ideen aus. Sie haben die finanziellen Mittel und den unmissverständlichen Willen, ihre zusammengesponnene Apokalypse über einen nicht unbeträchtlichen Teil der Welt hereinbrechen zu lassen, seit Jahrzehnten ärgern wir uns schon mit dieser Bande herum. Schade dass Deutschland so blöd war, als einziger atomwaffenloser Staat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet zu haben – im Prinzip wären wir jetzt den Israelis gegenüber in der Pflicht (genauso wie im Libanon). Das wäre mal echte “Aufarbeitung” und “Wiedergutmachung”…

  27. Die Stimme aus dem Off

    Trauer ist peinlich?

  28. multikultur

    Gemach, gemach. Wenn Lafontaine oder Gysi nach dem Puffbesuch besoffen vor die S-Bahn stürzen würden (ich habe jetzt mal versucht, den Klassenunterschied anschaulich herauszuarbeiten), dann hätte die Linkspartei auch ganz schnell die Mausoleums-Baupläne zur Hand. Sowas ist normal, kein Grund zur Aufregung…

  29. daniel

    Die 50 halte ich. Fidel ist der Keith Richards der Diktaturen!

  30. john j

    @ DSadO:

    Nein, Trauer ist nicht peinlich – aber die fast schon personenkultige Ueberhoehung Haiders nach seinem selbstverschuldeten Tod schon. Vor allem nachdem er ja bisland immer da enfant terrible der politischen Landschaft in A war. Man kann jemandes Tod auch betrauern ohne die Person im Nachhinein zum Erloeser des Landes zu verklaeren.

    @ multikultur:

    Die Linkspartei vielleicht schon aber auch alle anderen Parteien? Ausserdem ist hier niemand aufgeregt, ganz im Gegenteil.

  31. NUB

    Wir haben doch die Iraner noch mit den ganzen Bauteilen für ihr Atomprogramm versorgt, das sich ja schon über Jahre und Jahrzehnte hinzieht. Hunderte Deutsche Firmen haben in den Iran geliefert.

  32. multikultur

    Ich weiß – glücklicherweise gehört mir keine dieser Firmen. Ich würde sowas unter Strafe stellen…

  33. F.Alfonzo

    Was ich damit meinte:

    Der Iran ist gleichermaßen ein theokratisches System, wie Cuba ein kommunistisches ist…
    Das ist nur das politische Aushängeschild, mit dem eine völlig willkürliche Diktatur gerechtfertigt wird, die letztendendes nur den Herrschenden dient.

    Klar: Pinochet, Franco und Konsorten sind da keine Ausnahme; Franco war sogar ein sehr gutes Beispiel: Der Mann war ja ein exzellenter Machterhaltungs-Pragmatiker; alle Mittel waren ihm Recht, um die Macht zu behalten und nach seinem Ableben ein Denkmal gesetzt zu bekommen… die Ideologie Mittel zum Zweck.

    …hat zwar nicht ganz so geklappt, wie er sich das vorgestellt hat, aber immerhin hat m.W. bis heute in Spanien noch keinerlei Aufarbeitung stattgefunden.
    …und der von ihm ernannte Nachfolger als Staatsoberhaupt ist immer noch im Amt, oder?

  34. F.Alfonzo

    @ Bodo:

    Über welches Recht? Du meinst die iranischen Gesetzesnormen, für die sich kein Richter dort interessiert?

    Ich weiss nicht, ob das sonderlich hilfreich ist, wenn einem irgendwann Gesetzgebung, Regierung, Staatsanwaltschaft, Gericht und Jury, verschmolzen in der Person des Richters gegenübersitzen.

    Zu wissen, welche Rechte man hat ist nur in Rechtsstaaten sinvoll (ironischerweise haben gerade in Staaten mit halbwegs fairen Rechtssystemen die Leute am wenigsten Ahnung von den Gesetzen, siehe: hier. ;-))

  35. F.Alfonzo

    Naja, dann bleibt zu hoffen, dass sich auch dort, genau wie damals ein “Gleichgewicht des Schreckens” einstellt…
    Dass Israel sich durchaus zu helfen weiss, dürfte inzwischen jedem bekannt sein.

    Es wird mit unter angeführt, dass es in diesem Fall nicht zu einem Gleichgewicht kommen wird, weil religiöse Fanatiker sich nicht für ihre eigene Vernichtung interessieren…
    …allerdings, wie oben ausgeführt: Der Iran wird m.E. keineswegs von religiösen Fanatikern geführt… die Leute wissen, dass eine Atombombe auf Israel ihr Ende bedeuten würde… und das Leben als Privilegierter in einer Diktatur hat doch durchaus was für sich, nicht wahr? Sterben kann man später immer noch ;-)

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