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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Was haben Nigeria, Kasachstan und Deutschland gemeinsam?

Bodo Wünsch, 15.10.2008

Bei einem japanischen Ebay-Anbieter finden sich vergleichsweise günstige und sehr gute Schweizer Armbanduhren  – du willst mitbieten, doch in den Auktionsbedingungen steht:

“I do not ship to Nigeria, Indonesia, Germany, Kazakhstan due to EMS advice and problem of shipping safety to those countries.”

Auf die Frage an den Verkäufer, was der genaue Grund sei, nicht nach Deutschland zu liefern, antwortete er lapidar:

“Hi, reason not to ship to Germany is that there are too many trouble at the German custom including tax and theft.” [Hervorhebung und Hyperlink von mir]

Ich glaube, hier erübrigt sich jeder Kommentar.



31 Kommentare zu “Was haben Nigeria, Kasachstan und Deutschland gemeinsam?”

  1. Thorsten

    Meiner Erfahrung nach ist der deutsche Zoll sehr gründlich beim Abrechnen der Mehrwertsteuer. Der Schweizer Zoll ist das übrigens genauso, wenn der Waren- und Portowert oberhalb der 66,- Fr Grenze liegt. Nur bleibt bei den deutschen 19% vom vermeintlichen Schnäppchen oft nicht viel übrig, während die schweizer 6,5% nicht gross ins Gewicht fallen, dafür aber die 10,- Fr Grundbetrag, den die schweizer Post fürs verzollen berechnet. Ob man hier allerdings von “Diebstahl” durch den Zoll reden muss, das lasse ich mal dahingestellt.

  2. Lina

    Komisch, irgendwie bin ich auch wieder froh, dass der Zoll meinen Säugling* und auch noch mein Kleinkind* davor bewahrt, dieses Trägergift im Spielzeug aus China nicht länger in den Mund nehmen zu müssen. Ob nun diese ‘Schweizer Uhren’ eines japanischen Ebay-Anbieters (markt-)gesundheitsschädlich sind, weiss ich natürlich nicht, aber man kann ja sicherheitshalber mal nachsehen lassen, auch wenn’s den Zoll was kostet ;)

    PS: mein Grosser* hat sich ‘ne schöne Rolex-Kopie für 20 $ aus Singapore mitgenommen und ganz unproblematisch eingeführt; da haben sie wieder mal nicht marktgerecht und markenschützend aufgepasst, die da vom Zoll …

    *sämtliche Kinder haben Andere.

  3. Martin Eisenhardt

    @Thorsten: Naja, das von Dir beschriebene Phänomen ist der “tax”-Anteil der vom Händler bemängelten “tax and theft”. Ich halte es durchaus für wahrscheinlich, dass es beim Zoll, wie auch bei der Post, den einen oder anderen Langfinger gibt, der sich gezielt bei Grauimporten und unverzollten Schnäppchen gütlich tut – schließlich ist es da recht schwierig, Anzeige zu erstatten, wenn man unverszollte Ware einführt …

  4. Thorsten

    Man kann eine Sendung einerseits versichern, und andererseits, da die Sendungen automatisch über den Zoll laufen, kann man sie nicht “unverzollt” einführen. Damit gibt es keinerlei Probleme, einen Verlust zu melden und ggf. auch Anzeige zu erstatten. Allenfalls kann der Verkäufer dem Käufer zuliebe eine zu niedrige Deklaration abliefern, aber da hakt der Zoll in der Regel nach und verlangt auch schon mal die konkrete Auktion oder auch Kontoauszüge als Wertnachweis.

    Aber hier von Staatsversagen und Diebstahl durch den Zoll zu reden ist halt spektakulärer, als die schlichten Wahrheit: Die deutschen Bieter sind oft zu zu schnäppchengeil, als dass sie beim Bieten an die noch fällige MwSt denken würden und lassen hinterher ihre Wut über ihre eigene Blödheit am Verkäufer aus.

  5. Bodo Wünsch

    > ‘ne schöne Rolex-Kopie für 20 $

    Nun, das gehört zum Marktrisiko: Informationsdefizite unter Marktteilnehmern sorgt für die berühmte “Unvollkommenheit”, die das Ganze in Bewegung hält und nicht nur Risiken, sondern auch Chancen – z.B. zum Lernen – bieten.

    (Also, ich weiß, woran Fake-Uhren zu erkennen sind… denn _ich_ weiß, was ich will und nicht will ;-)) – alles eine Geschmacksfrage.)

    Was Lina implizit sagen will: Sie will Risiken vermeiden und aber auch die Kosten der Risikominierung auf andere abschieben… da darf man sich nicht durch das Kindchenschema blenden lassen…

  6. Bodo Wünsch

    > und lassen hinterher ihre Wut über ihre eigene Blödheit am Verkäufer aus.

    Schönes Beispiel dafür, das interventionistische Staatstätigkeit – nichts anders sind Zollbeschränkungen – letztlich die Menschen aufeinanderhetzen statt sie das sein zu lassen, was sie sein könnten: eigenverantwortliche Marktteilnehmer.

    Für mich ist ärgerlich, dass ich eben überhaupt nicht (selbst _mit_ Einfuhrumsatzsteuer usw.) in diesem Fall an das günstigste Angebot für eine Omega Speedmaster komme, bzw. allgemein: Das hier ein potenzieller Tauschakt einfach nicht zustande kommt und zwei Leute einfach einen gegenseitigen Nutzen haben (und Dritte, z.B. der Logistiker, der den Wecker von Japan nach Deutschland bringt usw.).

    Das ist nur ein winziges von zahllosen Beispielen dafür, dass es einen “globalen Turbokapitalismus”, der gerne z.B. von attac immer aufgeführt wird, schlicht nicht gibt und auch leider nie geben wird.

    Die Folgen sind offenkundig desaströs und die Kosten dieses Mangels kaum abzuschätzen: Der _entgangene_ Nutzen von eben _nicht_ vollzogenen rationalen Tauschaktivitäten unter Menschen wegen all irrationalen Staatsinterventionismus muss in die Billionen gehen…

  7. Thorsten

    >Für mich ist ärgerlich, dass ich eben überhaupt nicht (selbst _mit_ Einfuhrumsatzsteuer usw.) in diesem Fall an das günstigste Angebot für eine Omega Speedmaster komme

    Das liegt aber nicht an der “interventionistischen Staatstätigkeit“, sondern an der Ignoranz von einigen deutschen Bietern, für die man (von diesem speziellen Händler) nun kollektiv in Sippenhaft genommen wird. Es würde mich nicht wundern, wenn diese die Ware beim Zoll einfall nicht abgeholt haben und dann über Paypal ihr Geld zurückverlangten, mit der Begründung: “Habe ich nie erhalten”.

    Ich will hier nicht über Sinn und Unsinn von Zoll und Mwst diskutieren. Ich bin auch kein Fan von Zollämtern. Aber wenn versucht wird, den deutschen Zoll und die Nigeria Connection auf eine Stufe zu stellen, dann muss ich zu meinem eigenen Erstaunen doch mal Partei für die Zollämter ergreifen. :-)

  8. Libero

    Ebay ist groß, es gibt andere Anbieter aus Japan und anderen Ländern, die ebenfalls Güter des gehobenen Bedarfes anbieten. Bei wievielen japanischen oder amerikanischen Anbietern von Uhren haben Sie nachgesehen und vergleichbare Einschränkungen gefunden? Wenn das an Deutschland liegt, müßte es ja egal sein, aus welchem Land eine Ware nach Deutschland geliefert wird, nicht wahr?

    Wie ich Sie kenne, haben nur dieses eine Beispiel.

    Ich glaube, hier erübrigt sich jeder Kommentar.

    Wie recht Sie doch haben.

  9. Bodo Wünsch

    Bestenfalls, Thorsten, waren Käufer (und vielleicht der Verkäufer) schlicht überfordert mit der Tatsache, dass zwischen Ihnen noch eine kostentreibende (Staats-)Instanz kommt.

    Der Verkäufer nimmt hier niemanden in Sippenhaft. Der Staat verhindert ein Marktgeschehen – zu welchem Ergebnis das führe, haben wir nicht zu bewerten (bestenfalls zu beschreiben); Bewerten wiederum i.S.v. (“war das jetzt ein Nutzen für mich oder nicht?”) können (und müssen) nur die am Geschehen Beteiligten.

    Danke auch für den Hinweis mit PayPal – wieder ein Marktteilnehmer (hier: als Dienstleister), der am Ende des Tages _erfolglos_ dasteht.

  10. Bodo Wünsch

    Libero, ich habe _ein_ Beispiel angeführt dafür, dass Staatsinterventionismus in einem besonderen Fall einen zugegeben geradezu lächerlichen Marktakt verhinderte. Ansonsten habe ich die Ebay-Suchkriterien benutzt: Suche mir das günstigste Angebot weltweit. Ich _hätte_ ja den Kostentreiber Staat mit einkalkuliert, aber der Verkäufer zieht es vor, aus genanntem Grund nicht nach Deutschland zu liefern.

    Nicht mehr lächerlich ist, dass der Staatsinterventionismus global zu Nutzenausfällen führt, die im Elend genau jener mündet, die man vorher “schützen” wollte…

    Wie ich Sie nach Ihrem Posting oben einschätze, sehen Sie nur, was Sie sehen wollen.

  11. Thorsten

    Der Staat verhindert ein Marktgeschehen

    Nein. Ein spezieller Verkäufer in Japan hat aus freiem Willen die Entscheidung getroffen, mit Einwohnern bestimmter Staaten keine Geschäfte zu machen.

    Aber wie ich Sie nach Ihrem Posting unten einschätze, sehen Sie nur, was Sie sehen wollen.

  12. Libero

    Nein, ich stelle nur höhere Ansprüche an die Beweisführung. Sie haben einen Anbieter für ihre Aussage und schließen von vornherein aus, daß die Erfahrungen des Anbieters am Verhalten des Anbieters selbst liegen könnten. Wenn es so wäre, wie sie sagen, dann müßten ja eine signifikante Anzahl von Anbietern nicht nach Deutschland liefern. Dann nehme ich ihre Aussage ernst.
    Das es für kleine Krauter schwierig ist, nach Deutschland zu exportieren, weiss ich selbst. Trotzdem gibt es genug kleine Krauter, die das tun, z.B. aus den USA. Auch wenn bei mir andere preiswertere Güter als bei Ihnen sind.

    sehen Sie nur, was Sie sehen wollen
    Gehen Sie vor den nächsten Spiegel, betrachten Sie den Menschen, den Sie dort sehen und dann sagen Sie laut den Satz Auf mich trifft dieser Satz nicht zu. Eigenartigerweise bin ich der Meinung, daß dieser Satz ausgezeichnet auf Sie zutrifft.

  13. Dagny

    Da steht aber nicht: “Kein Handel mit Negern, Frauen und Deutschen”, sondern “keine Lieferung nach D. da die Transaktionskosten, die der Staat verursacht zu hoch sind”.

  14. Thorsten

    Die Transaktionskosten, die der deutsche Staat verursacht, betreffen nur den Käufer in Deutschland. Was der Verkäufer mitbekommt, ist die Reaktion des deutschen Käufers.

    Ich selbst habe schon öfters Waren über eBay.ch von der Schweiz in die EU verkauft. Dabei nehmen Franzosen, Belgier, Italiener und Spanier die Mwst, soweit sie fällig wird, äusserst gelassen in Kauf. Um eine rechthaberische Diskussion darüber zu erleben, wer Schuld an den Zollkosten ist, dafür muss man schon an einen deutschen Käufer verkaufen.

    Vielleicht liegt die Gemeinsamkeit zwischen Deutschland und Nigeria weniger an Ihrem Staatswesen, als am sympatischen Wesen ihrer Einwohner, das die Geschäfte mit ihnen so angenehm macht.

  15. jo@chim

    Bodo, da Du nicht alle Daten, die von außen auf Dich einwirken, gleichzeitig verarbeiten kannst, und da Wahrnehmung auf Muster-Erkennung beruht, muss jede Wahrnehmung selektiv sein.

    Ein Vorwurf könnte sein, falsch zu verallgemeinern – aber nicht die Aufnahme von Informationen zu filtern.

    Menschen, die dazu nicht fähig sind, werden Autisten genannt.

  16. Lina

    Oh, ein Interpret für das Implizite! (Danke, das klappt nämlich nicht immer :)

    Ja, Bodo weiss, was Lina will: sie will individuelle Risikovermeidung plus deren Kosten SOZIALISIEREN. Warum? Weil es gerade mal so wahnsinnig im Trend liegt ;)!

  17. Libero

    Moment, so geht das aber gar nicht. Bodo wünscht, kein Kalauer, eine meßbare Größe und einen ihm lieben Verursacher der Hemmnisse. Das haben wir zu respektieren.
    Wir können doch hier nicht anfangen, über das sympathische Wesen der Deutschen an sich nachzudenken. Das führt nur unnötig in die Irre!

  18. Die Stimme aus dem Off

    Geiler Artikel! Sofort in die Ewig-Besten-Liste aufgenommen!

  19. john j

    Nein, das steht da nicht, sondern: keine Lieferung nach D weil der Zoll Steuern verlangt (ohne das weiter zu erlaeutern), und es (angeblich) zu Diebstahl gekommen sein soll. Ohne Belege, ohne Beweise, und nur das Wort eines anonymen japanischen Ebay-Verkaeufers – und wir alle wissen dass sich auf Ebay NUR reinste Herzen und Gewissen tummeln – reicht Bodo W. schon um weitreichende Anschuldigungen zu erheben gegen den boesen, boesen Staat.

    Wie viele andere japanische Ebay-Anbieter liefern nicht nach D? Wieviele deutsche Ebay-Anbieter liefern nicht nach Japan? Aus welchem Grund?

    Ausserdem schliesse ich mich anderen Kommentatoren hier an: Die deutsche Ebay-Community ist eine seltsame Truppe…um ein paar % zu sparen wollen viele Verkaeufer bspw Ueberweisung statt PayPal – dass ihre Kontodaten damit irgendwo in die weite Welt gehen ist ihnen das anscheinend wert.

  20. Sonja

    Postbeschiss:
    Ich hab auch schon mein unfreiwilliges Jizah-Erlebnis gehabt:
    Da ich viel an PC arbeite, hab ich mir im I-Net 4 günstige spezielle Rad-Mäuse bestellt.
    Hab dann nach ein paar Tagen eine Abholbenachrichtigung für
    die nächste Tanke im Briefkasten und wundere mich, da das
    noch nie der Fall war.
    Egal, ich denke ist ja gar nicht falsch weil die Tanke 24 Stunden
    auf hat.
    Also hin, und ich bekomme das Paket von einem arabischen ca. 25-jährigen in die Hand gedrückt, es ist komischerweise schon geöffnet.
    Ich gucke rein, 4 Mauspackungen drin, also denk ich mir nix dabei
    und zu Hause nehm ich nach ein paar Wochen die erste Maus
    zum benutzen raus.
    Vor kurzem, ein Jahr später, will ich die nächste Maus rausnehmen,
    und als ich auspacke, seh ich, das ist gar nicht die Mausart die
    ich bestellt habe.
    Ich guck mir noch die anderen beiden Mäuse im Karton an,
    auch nicht die richtigen:

    Vermute, die sind in der Tankstelle gegen Billigmäuse ausgetauscht worden in Kooperation mit Briefträger.
    Reklamation nach dem Zeitraum natürlich zwecklos.
    Tolle Post.

  21. Bodo Wünsch

    >Bodo, da Du nicht alle Daten, die von außen auf Dich einwirken, gleichzeitig verarbeiten kannst,

    Hast Du ‘ne Ahnung, was ich täglich “verarbeite” … ;-)

    Dazu wollt ich mir ja den dämlichen Wecker kaufen, damit ich mal sehe, wie lange ich für was brauche.

    Nicht in diesem Leben schaffe ich, einigen Leuten hier den einzigen Kapitalismus nahezubringen, der wirklich das Gemeinwohl hebt: Den in der Laissez-faire-Variante.

    Dann wären nämlich Omegas in Deutschland die günstigsten. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

  22. Bodo Wünsch

    Ihre _Meinung_ schert mich einen Dreck (zumal über mich ;-)) — Ihre _Argumente_ interessieren mich. Nur haben sie noch keine geliefert, um zu entkräften, dass ja ein einziges Beispiel vollkommen genügt, um das Vorhandesein allgemeiner Rahmenbedingungen (die sind, wie sie sind), aufzuzeigen.

    Richtig: Hier geht es um die Entscheidung _eines_ Anbieters, nicht nach D zu liefern – aus bestimmten Grund. Mich trifft sein “Bann”, denn ich HÄTTE die Uhr auch inklusive allen Aufgelds ja gekauft! (sie wäre immer noch ein günstiges Angebot gewesen). Die Rahmenbedingungen, so der Anbieter aus Japan, reichen nicht, sein Geschäftsrisiko unter den erwarteten Gewinn zu senken. Die sind offensichtlich nicht so, wie sie sein könnten: No customs, no taxes, no theft (by authorities [?]). Woraus hier einige ableiten, der deutsche Käufer sei als solcher kein guter Gechäftsparnter (Steuernörgler usw…), ist mir schleierhaft.

  23. Lina

    Nicht in diesem Leben schaffe ich, einigen Leuten hier den einzigen Kapitalismus nahezubringen, der wirklich das Gemeinwohl hebt: Den in der Laissez-faire-Variante.

    Dann wünsche ich viel Glück im nächsten, ganz ehrlich! Bedaure nur, dass ich dessen gemeinwohlmeinende Praxis nicht mehr miterleben darf; wär nämlich ein Traum von mir :)!

  24. Thomas Wolf

    Das verstehe ich jetzt nicht. Wieso muss das Öffnen des Pakets denn in Kooperation mit dem Briefträger geschehen sein? Kann das nicht der Tankstellenmitarbeiter allein gemacht haben? Davon abgesehen, dass auch der Versender die falschen Mäuse geliefert haben könnte.

    Und überhaupt: Vollständigkeit und Richtigkeit der Lieferung zu überprüfen ist ja wohl Ihre Aufgabe, erst recht, wenn Ihnen das Paket geöffnet (!) ausgehändigt wird.

    Kurzum: Grund, sich zu ärgern, haben Sie ja. Warum Ihr Ärger sich aber zuvörderst gegen die Post richtet anstatt gegen Sie selbst sowie vielleicht noch gegen den mutmaßlich schusseligen Versender bzw. den mutmaßlich diebischen Tankstellenmitarbeiter, das will sich mir nicht recht erschließen. Ebensowenig übrigens der Zusammenhang mit dem hier diskutierten Thema.

  25. Libero

    Edler Herr Bodo

    Welch unverhoffte Gelegenheit, den Schleier zu lüften. Dafür danke ich Ihnen

    ein Menetekel in der Inschrift eines japanischen ebay-Anbieter verstörte Sie begreiflicherweise und Sie suchten nach einer für Sie stimmige Deutung der Inschrift. Sie fanden sie und teilten sie uns mit. Leider hatte ich heute Morgen wenig Zeit, um Ihnen eine alternative Deutung anzubieten.

    Es beginnt mit der Mahnung meines alten Lehrmeisters Randbedingungen beachten und mit dem Satz des edlen Bastiat Was man sieht und was man nicht sieht.

    Die Randbedingung ist klar, es ist das ebay-Universum mit Anbietern und Kunden. Es scheint mir, sie kennen keine ebay-Anbieter privat, sonst wäre Ihnen das was ich gerade schreibe, längst bekannt.

    Ich kenne einige, auch Anbieter hochwertiger Gebrauchgüter. Diese brauchen ein dickes Fell. Warum? Weil man unausweichlich nicht nur den allgemeinen, sondern auch den gemeinen ebay-Kunden kennenlernt.

    Der gemeine ebay-Kunde ist unzweifelhaft ein Absolvent der Schule der Höflichkeit und jederzeit in der Lage, den Beweis anzutreten, daß GEDULD, RESPEKT und vor allem HÖFLICHKEIT zu seiner zweiten Natur geworden ist. Sie glauben gar nicht, edler Herr Bodo, welch erlesene Formen des Schriftsverkehrs den Erfahrungshorizont des ebay-Anbieters bereichern.

    Nun reicht der ebay-Horizont bis nach Japan. Sie erwähnten, daß sie diesen Anbieter fanden, weil sie nach dem billigsten Anbieter suchten. Gerade unter den Kunden, denen diese Sehnsucht ebenfalls eigen ist, finden Sie signifikant mehr deutsche Absolventen der Schule der Höflichkeit als es auf ebay üblich ist.

    Ihnen ist vielleicht aufgefallen, daß sich Deutsche hinsichtlich der Direktheit der Kommunikation von vielen anderen Nationen unterscheiden. Das war eine der wichtigsten Lernerfahrungen für unsere japanischen Postdoc. Kurz gesagt, auf alltägliche Japaner wirken schon alltägliche Deutsche etwas gewöhnungsbedürftig. Erst recht jene in der Sumoklasse der Schule der Höflichkeit, die virtuos den Fettnäpfchentango zu zelebrieren verstehen.

    Zweifelsohne werden in der schriftlichen Kommunikation zwischen deutschen Kunden und japanischen Anbieter auch die Wörter Zoll und Steuer und Diebstahl aufgetaucht sein.

    Das war sicherlich eine Erleichterung für den japanischen Anbieter. Es fiel Ihm ein Stein vom Herzen.

    So konnte er es vermeiden, seinerseits so grob unhöflich zu sein, zu schreiben, daß zuviele deutsche Kunden die Schule der Höflichkeit erfolgreich absolviert haben und er auf einen weitere deutschen Kunden nicht unbedingt Wert legt. An Kunden wird es ihm nicht mangel. Der Bann trifft Sie zu unrecht. Woher soll er aber wissen, daß Sie ein höflicher junger Mann sind, der mit Geduld und Respekt mit anderen Menschen umgeht?

    Abwehrendes schrieb er nicht von Österreichern oder Schweizern. So ist es Ihnen ein leichtes, über dortige Freunde, die ihnen vertrauen und denen sie vertrauen, an die begehrte Uhr zu gelangen.

    Libero

  26. Die Stimme aus dem Off

    Bei mir sind auch regelmäßig Pakete geöffnet, das Strafverfahren verlief ergebnislos und ich hatte auch nicht wirklich erwartet, dass jemand ermitteln würde.

    Ich kenne aus eigener Erfahrung einen Fall, bei dem der Diebstahl von über dreißig Luxus-PKW nicht ausermittelt, sondern verwaltet wurde. Die Anzeige wurde abgeheftet, das war es dann aber auch. Wenn Zoll oder Post was unterschlagen ist die Sache von Anfang an aussichtslos. Jedenfalls im Normalfall.

  27. Michel

    Wer ist gerade dabei sich eine Geschichte auszudenken, um unliebsamme Fakten nicht in sein Weltbild aufnehmen zu müssen?
    Dem Geschäftsmann dürfte es ziemlich egal sein, womit sich seine Servicemitarbeiter rumschlagen.

  28. Thorsten

    @Michael:
    Einem Geschäftsmann dürfte auch ein Diebstahl ziemlich egal sein, denn Uhren im Wert von $2.000 wird er kaum unversichert versenden. Und die deutsche Mehrwertsteuer dürfte ihn auch nicht wirklich stören, die zahlt nämlich sein Kunde beim Zoll. Wenn die Mehrwertsteuer das Problem wäre, dann müssten wir doch eher eine Verknappung der Nachfrage und nicht des Angebots beobachten.

    Was einem Geschäftsmann aber vielleicht weniger egal ist, das sind Kunden, die auf der Suche nach dem billigsten Schnäppchen mit profunden Kenntnissen über Original- und Fakeuhren um die halbe Welt surfen, aber mit dem Konzept der Mehrwertsteuer dermassen “überfordert” sind, dass sie sich dann von dieser “interventionistischen Staatstätigkeit” gegen den Verkäufer “aufgehetzt” fühlen. Am eigenen gierigen Tunnelblick kann es schliesslich nicht liegen, denn man ist doch nicht blöd.

    Und wenn der Schnäppchenjager dann kalte Füsse bekommt, die Uhr beim Zoll einfach liegen lässt und statt dessen sein Geld zurückfordert, dann kann der Verkäufer erst mal schauen, wie er seine Uhr und seine Kosten für den Hin- und Rückversand wiederbekommt. Vom Schaden, der dem Verkäufer durch negative Bewertungen oder Rückstufungen im Paypal Programm entsteht ganz zu schweigen.

  29. Bruno

    Warum lassen sie die Pakete dann nicht mit einem anderen Anbieter verschicken? Es gibt neben der Deutschen Post ja auch noch andere Anbieter für den Versand von Paketen.
    Zugegebenermaßen – diese bieten zum Teil keinen Versand in alle Länder, vermutlich zu hohe Transferkosten.

  30. Bruno

    Thorsten hat versucht zu erklären warum es Studiengänge wie Interkulturelle Kommunikation gibt, und deren Absolventen von Unternehmen, die global tätig sind, eingestellt werden.
    Dem Geschäftsmann dürfte es nicht egal sein, womit er seinen ausländischen Geschäftspartner eventuell beleidigt.

  31. Die Stimme aus dem Off

    Könnte ich machen, nur sind die von anderen Diensten gelieferten Pakete manchmal auch geöffnet. Ich habe meine eigene Vorstellung davon, wer dort hineinschaut.

    Die offizielle Begründung ist “Transportschäden” – merkwürdigerweise führen diese dazu, dass der Karton an den Falz- und Klebekanten nach außen gedrückt ist, so als ob man ein Endoskop eingeführt hätte. :-) Auch bin ich ja nicht auf den Kopf gefallen und habe mir mal den Spaß gemacht die Verpackung des Inhaltes mit einem berührungsempfindlichen und unsichtbaren Spray besprühen zu lassen, mit dessen Hilfe man Schmierbewegungen feststellen kann, hehe.

    Damit muss man im Jahr 2008 wahrscheinlich leben.

    Erstaunlich ist nur, dass man allen ernstes glaubt in diesen Paketen etwas finden zu können. Als ob ich Drogen, Waffen oder Sprengstoff mit Paketdiensten verschicken (lassen) würde.

    Den Spaß mir ein Kilo farbiges Weizenmehl zukommen zu lassen werde ich mir aber wohl mal machen.

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