Heil Obama!
dagny t., 25.10.2008
Während die AkademikerBILD SPON noch darüber rätselt, wie viel Sarah Palins Kosmetik kostet (die Zahl allein sagt nichts aus, denn sie sollte ins Verhältnis etwa zu Schröders Brioni-Anzügen gesetzt werden), beschäftigt sich Zettel mit Obamas Heilsvorstellung.
Seit ich die ersten Auftritte Obamas in der Pose des Erlösers sah, habe ich mich immer wieder gefragt, ob das alles nur die Show eines begnadeten Schauspielers ist, oder ob der Mann es ernst meint damit, daß er der Erlöser ist. Nach der Lektüre des Interviews von 1995 halte ich es für möglich, daß er es ernst meint.
Die Obama-Werbeartikel, etwa dieses T-Shirt, greifen das Bild der Lichtgestalt Obama ebenfalls auf. Auf eine Gegenüberstellung mit anderen Politiker, die sich als Heilsbringer in Szene setzten, verzichte ich.
In der eifrei Onlineausgabe wird unter dem Titel Entstehung einer linksfaschistischen Massenbewegung darüber berichtet, dass der in Kanada lebender Ex-Iraner Ali Sina Obama eine narzistische Verhaltensstörung diagnostiziert und Parallelen zu Khomenei aufzeigt, welchen Sina noch selbst erlebt hat.
Würde Obama einen Job als Parkeinweiser auf dem Presseparkplatz des Weissen Hauses bekommen?
Sofern er sich dafür der Sicherheitsüberprüfung für Staatsbedienstete unterziehen müsste, vermutlich nicht, erklärt heplev-abseits vom mainstream und nennt einige pikante Details aus Obamas Lebenslauf.
Das System der Checks an Balances sollte selbst bei einer Wahl eines narzistisch gestörten Heilsbringers Innenpolitisch schlimmeres verhindern. (Leider gilt dies nur eingeschränkt für die Aussenpolitik) – Dennoch wundere ich mich dass in unserer Ach so aufgeklärten Gesellschaft ein Politiker derart als Heilsbringer verehrt wird?
antibuerokratieteam.net





Wenn sonst nichts mehr hilft (Obama zu verhindern), dann dessen symbolische Einweisung in die Anstalt, dann eben “NPD”?
Im verlinkten ef-Artikel heisst es: “Jeder Mensch hat narzisstische Anteile. Und wer so einen schrecklichen Beruf wie den des Politikers ausübt, braucht ziemlich hohe narzisstische Anteile.”
Dann hat er genau, was er braucht, bzw. “what it takes” – von mir aus auch im ‘Übergang in die narzisstische Verhaltensstörung’, um wie jeder Politiker seinen Willen zur Macht auszuleben. Ich erwarte nichts anderes als die notwendige Intelligenz für das Amt, und die wird er erst beweisen können, wenn er es hat. Gleichzeitig kann ich, wenn ich es wollte, nicht verhindern, dass sie, die Amerikaner (wir wählen hier übrigens nicht!), ihm und seiner wahltechnischen Zauberformel ‘Change’* geschlossen auf den Leim gehen. Ihm aber am Ende noch eine “Krankheit” anhängen zu wollen, widert mich nur noch an.
*Passt: “Der Glaube an eine grössere und bessere Zukunft ist einer der mächtigsten Feinde gegenwärtiger Freiheit” (Aldous Huxley). Stand g’rad rechts oben an der Blogkante, per Zufall. Die gegenwärtige ‘Freiheit’ sehe ich durch einen Präsidenten Obama nicht mehr und nicht weniger gefährdet als durch das, was sein Vorgänger Bush aktuell hinterlässt …
Das noch:
…schreibst Du, , und hängst noch ein Fragezeichen hinten dran; mich wundert das auch, ich bin aber ganz sicher, dass dem “Heilsbringer” der offenen, sich (wirtschaftlich) globalisierenden Gesellschaft die Hände gebunden sind … entsprechend der Zwangsjackenverordnung, die gerade mal wieder lebhaften Zuspruch findet …
Eines muss man manchen von diesen nervtötenden Bush-Bashern lassen: Sie haben Bush nicht psychopathologisiert als er noch nicht amtierte.
Ich weiß nicht viel über Obamas Absichten, aber mich macht es stutzig, wenn ein Politiker wie ein Heilsbringer gefeiert wird. Politiker sind Arschlöcher, das gilt meiner Meinung nach Ausnahmslos. Jedenfalls so lange, bis ich mal einen Politiker treffe, der mehr ins Amt gezwungen wird als das er da hinein möchte. Jemand mit so viel Machtstreben sollten den Menschen zuwider sein, Misstrauen hervorrufen. Stattdessen versammeln sich in Berlin einige hunderttausend Menschen und feiern ihn prakisch als Superstar. Er sieht sich ja schon selbst in dieser Rolle.
Das ist für einen Politiker unangemessen.
Na, Lina, Zwischen Achim und mir sollten doch ein paar Unterschiede festzustellen sein, oder nicht. Immerhin bin ich in der (nach Schönheit) geordneten Teamliste ganz unten und Achim ganz oben ;)
Ja wie kannst Du nur, Lina ;-)
Zum ef-Artikel: Psychopathologisierung und Dämonisierung des politischen Gegners sagen immer mehr über denjenigen, der sie vornimmt, als über den den sie treffen sollen. Diese Art der Auseinandersetzung ist IMHO ebenso niveaulos wie Kampagnen gegen Frau Palin als “kreationistisches Dummerle” (bei den paxx:ies habe ich mich ausführlich über derlei beschwert).
Der Kult um Obama kommt bei mir eher wie Popkultur rüber; Obama und seine Kampagneplaner nutzen die Medien und auch das Web 2.0 um den Hype zu generieren. Dass es eine ganze Menge Leute gibt, die die Inszenierung für die Realität nehmen – nun ja, die Welt ist voll von Narren.
Auf der anderen Seite spiegeln Gegner Obamas den “Heilsbringer”-Kult lediglich, wenn sie ihn zur Gefahr für Amerika hochstilisieren.
Neulich nebenan Mao und Stalin, jetzt hier Khomenei und ein klassischer schnörkelloser Godwin gleich noch in der Überschrift. Da hat der gute Barack ja seinen designierten Amtsvorgänger schon um Längen überholt, bevor er überhaupt seinen Amtseid leisten konnte. Es scheint ja wirklich Schreckliches aufzuziehen über dem land of the brave.
So sorry, Dagny … und auch wieder nicht :-D … !!!
Du scheinst die zwischen Euch bestehenden Unterschiede (welche?) perfekt verwischt zu haben; wie käme ich sonst drauf, ihn statt Deiner anzusprechen?
Auf der anderen Seite spiegeln Gegner Obamas den “Heilsbringer”-Kult lediglich, wenn sie ihn zur Gefahr für Amerika hochstilisieren.
Völlig richtig.
Und entsprechend werden sie sauer sein und “Betrug” schreien, wenn er nach der Wahl, wenig Kult begünstigend, (s)eine Blut-, Schweiß- und Tränenrede hält.
Ja, darauf hoffe ich auch ;-)
Linksfaschismus und Islamfaschismus sind die zwei großen Probleme unserer Zeit…Linksfaschismus steht nicht für Freiheit sondern für mehr Staat…Linksfaschismus ist der außenpolitische Helfer des Islamfaschismus…Amerika wird am Abgrund stehen wenn es den Sozialisten Obama wählt…Der Vergleich der beiden Heilsbringer Obama und Khomenei trifft es genau auf den Punkt.
@Lina
sie waren im Gegenteil sympathisch bescheidend zurückhaltend. Eigentlich hätte ich bei einem Exil-Iraner die Behauptung erwartet, daß sich Obama für den verborgenen Iman hält
Was mich nur wundert, daß man ausgerechnet auf ef die narzistische Verhaltensstörung diagnostiziert. Bei einigen sehr eifrigen ef Kommentatoren habe ich den Eindruck, die existieren nach dem Motto ein bißchen mehr als ein bißchen Narziss schadet nie.
Du nimmst dabei an, Obama spiele seine Rolle je nach Bedarf. Kann sein, dass es so ist, muss es aber nicht.
Und ob man so ein Verhalten begrüsst oder nicht ist nochmal eine ganz andere Frage.
Gefahr für Amerika sehe ich nicht unittelbar – da stehen ja die Checks and Balances im Weg.
Andererseits sollte man auch genau hinsehen, wenn sich jemand ein Tshirt mit irgendeinem Konterfei überzieht und der damit verbundenen Message.
Hintergründe und Verbindungen zu beleuchten kann nützlich sein. Aber die Art und Weise wie das der Autor auf ef macht ist überzogen und verzerrend.
Und bescheuerte T-Shirts für Vollhonks gibt es sicher auf beiden Seiten genügend.
Naja, Ron Paul wurde von seinen Anhängern auch zum Messias hochstilisiert und im Internet gehyped, und viele seiner Anhänger sind ebenfalls Fanatiker – als Amerikaner hätte ich ihn wohl trotzdem gewählt.
Dass Palin ein “kreationistisches Dummerchen” ist, lässt sich meines Erachtens nicht leugnen, unabhängig davon, wie man die gegen sie geführten Medienkampagnen bewertet.
Ein unschönes Beispiel: Frau Palin beschwert sich über die Geldverschwendung des Staates durch willkürliche Privilegierung (zu Recht), doch statt sich eventuell auf aktuelle Ereignisse zu beziehen, stellt sie nur ihre Ahnungslosigkeit in Bezug auf wissenschaftliche Forschung zur Schau. Fruchtfliegen sind einer der wichtigsten Modellorganismen in der Genetik, und der Forschung an ihnen haben wir tausende wichtiger Ergebnisse zu verdanken. Wer die Mittel für Grundlagenforschung streichen will, ohne was davon zu verstehen, während der Staat an anderen Stellen wesentlich größere Summen für den letzten Blödsinn rauswirft, hinterlässt zumindest bei mir keinen guten Eindruck.
Die 150.000 $, die Frau P. für Fummel und Hairstyling verbraten hat, sind belegt, ergo keine SPON-Rätsel.
Der Vergleich mit Brioni-Schröder hinkt gewaltig. Der Ungefärbte hatte niemals 4.700 $ für Haarfärbemittel ausgegeben.
«Ich will mein Geld zurück», zitierte die Online-Zeitung «Politico» am Mittwoch (Ortszeit) einen Geldgeber, der anonym blieb.
Ausserdem:
Das Sauberfrau-Image der Sarah Palin bekommt neue Risse: Als Gouverneurin von Alaska hat sie der Staatskasse die Kosten für Reisen mit ihren Töchtern verrechnet – selbst wenn ihr Nachwuchs gar nicht offiziell eingeladen war.
Die Alaska-Tussi ist Obamas bester Wahlhelfer!
Der Vergleich hinkt überhaupt nicht. Ob 150 000 Euro viel oder nicht viel sind, hängt immer von mindestens einer weiteren Grösse ab.
Es ist viel im Vergleich zu?
Der Brioni-Anzug ist nur ein Beispiel um dies zu verdeutlichen. Passende Bezugspersonen müssten in der US_Politik zu suchen sein. Hillary Clinton, Michelle Obama etc.
Du nimmst dabei an, Obama spiele seine Rolle je nach Bedarf. Kann sein, dass es so ist, muss es aber nicht.
Ah ja. Unfalsifizierbare Andeutungen und apokalyptische Visionen tragen immer sehr zur Versachlichung bei. Was würde es denn deiner Meinung nach bedeuten, dass es nicht so ist? Will Obama die USA in einen Gottesstaat mit sich selbst als Gott verwandeln? Lol. Wenn ein republikanischer Kandidat eine ähnliche Massenwirkung entfalten würde, würdest du dich doch wohl vor Begeisterung überschlagen und jede Kritik als vergrämten, rückwärtsgewandten Antiamerikanismus identifizieren. Über Bushs ganz konkrete Auserwähltheitsvisionen hat sich hier ja auch noch keiner aufgeregt, hehe.
Im Übrigen: Ich nehme an, dass McCain als Präsident nicht den dritten Weltkrieg anstreben würde.
Kann sein, dass es so ist, muss es aber nicht.
Seid auf der Hut, Leute!
Meine Prognose entgegen allen Pythias: Jede Wette: McCain gewinnt diese Wahl! Und nach kurzem Triumphgeheul wird es bei Euch halbliberalen aber vollblutrechten Bürgersöhnchen viel Heulen und Zähneklappern geben. Ihr werdet an Churchill denken (“Wir haben die falsche Sau geschlachtet!”).
Obama wäre ein Übel geworden, sogar ein ziemlich großes! Aber Euch nicht groß genug!
Könntest Du die Begriffe “vollblutrechts” und “Bürgersöhnchen” definieren oder zumindest erklären? Mir ist echt nicht klar, was Du damit meinst.
Erinnert mich alles ein wenig an die Euphorie bei der Carter-Wahl, es gibt rel. große Ähnlichkeiten zwischen diesen Politikern.
Verlang nicht sowas. Der gute DDH copy&pastet seine kindischen Beleidigungen in viele verschiedene Blogs. Da müsste er die Erläuterungen dazu ja auch an vielen Stellen nachreichen.
Das mit dem Obama als Heilsbringer sehe ich eher als Sache eines Teils der amerikanischen Jugend, gewiser militanter amerikanischer Farbiger und der Deutschen. In den Interviews und Debatten schlägt sich Obama jedenfalls sehr gut und besser als Mc Cain. Deshalb wird er auch gewinnen. Hoffentlich.
Im übrigen verkörpert er den amerikanischen Traum.
Verlassen von seinem Vater,
zunächst verschleppt von seiner Hippi-Mutter nach Indonesien,
dann von ihr zurückgeschickt an die Oma
gelingt ihm ein guter Jura-Abschluß an den besten Universitäten
und wird schliesslich Präsident der Vereinigten Staaten.
Man stelle sich vor, bei uns würde ein Halbtürke, dessen Mutter zeitweise in einem muslimischen Land gelebt hat, Bundeskanzler.
Only in America.
In den wirtschaftlichen und außenpolitischen Fragen hat er vernünftige und moderate Ansichten (z.B. Hugo Chávez ist ein Diktator). Hoff jedenfalls, dass der gewählt wird.
Sarah Palin benimmt sich dagegen teilweise weniger intelligent als die Eisbären. Ohne Automatik-Gewehr hätte sie gegen die keine Chance gehabt.
“Heil Obama” auf A’Team, “linksfaschistische Bewegung” auf ef – aber wehe, der pöhse DDH zieht seinerseits Faschismus-Analogien. Denn wenn DDH das macht, ist das unstatthaft, wenn Neoliberale und Rechtslibertäre das machen, isses zulässige Polemik. Quod licet iovi…
Deutsche Politiker könnten sich eigentlich ruhig mal ein bisschen was bei Obama abgucken, so zumindest behauptet dieses Buch, das ich gestern in die Hände bekommen habe: http://www.von-der-botschaft-zur-bewegung.de/ ,,,klingt aus meiner Sicht überzeugend, Obama macht eben einen extrem modernen und emotionalisierten Wahlkampf, seine Ziele sind aber imho deswegen nicht fragwürdig. Der Begriff vom “Heilsbringer” stammt aber ganz sicher nicht von ihm selbst, sondern von eben denen, die von ihm überzeugt sind, geht also durch, schätze ich ;).