Die Party ist aus. Der letzte macht das Licht aus, Hugo!
Passend zur (nur in Deutschland geführten) Systemdiskussion angesichts der aktuellen Rezession berichtet Bloomberg aus Venezuela, dem Land das dank Ölreichtums in den Sozialismus des 21. Jahrhunderts aufgebrochen ist.
Wurde vor nicht allzulanger Zeit noch gedroht, dem Teufel Bush den Ölhahn abzudrehen, sieht es jetzt ganz anders aus. Bush hat eine Finanzkrise und Rezession inszeniert und das gloreiche und sozialen Werten (Ethik des Dienstes am Volk -soweit man das deutsche Wikipedia in dieser Frage ernst nehmen darf) verpflichtete Regime der Bolivarischen Volksdemokratie hat ein Problem, das an den alten Witz aus Sowjetzeiten erinnert:
Was passiert wenn die Sozialisten die Sahara übernehmen?
Erstmal nichts, aber nach drei Jahren geht der Sand aus.
Genug der Polemik, hier ein Auszug aus dem Bloomberg-Bericht:
“Poverty will inevitably grow,” said Pedro Benitez, a professor of economic history at Central University of Venezuela in Caracas. “In the past, governments have preferred to devalue than to cut spending.”
und
“You have a country [Venezuela] with an oil boom, that doesn’t know how to save, doesn’t know how to set up productive industries that generate jobs, and goes into debt,” said Elsa Cardozo, a professor of political science and international relations at the Universidad Central de Venezuela. “Then oil prices fall and the party ends.”
Der ganze Bericht findet sich hier.
Die Bloomberg-Autoren deuten an, Venezuela könnte die Währungsreserven einsetzen um den Rückgang in den Öleinnahmen eine Weile auszugleichen. Sollte die Rezession nebst niedrigen Rohstoffpreisen weiter anhalten – oder sich der hohe Ölpreis rein einer politischen Blase geschuldet zeigen – ist Venezuelas Sozialismus bald am Ende.
Die Zeche werden dann nicht die Funktionäre zahlen, die Ihren Anteil am Volksvermögen in Sicherheit gebracht haben, sondern die Mittelschicht nach Währungsabwertung.








Guten Morgen!
Berichte wie dieser waren in den vergangenen Tagen in der liberalen und konservativen Presse zuhauf zu lesen. Dabei ist die Argumentation ziemlich schräg.
Denn was ist wirklich geschehen?
Die neoliberale Verbrecherbande hat die Welt in einem einmaligen Zusammenspiel aus verantwortungslosen Politikern (e.g. Westerwelle/FDP) und hemmungslosen Bankern (e.g. Ackermann/Deutsche Bank) an den Rand des Ruins gebracht. Anstatt sich jetzt beschämt in die Ecke zu stellen – vorzugsweise in die der Gefängniszelle, in die sie Kommissar Ehrlicher gesteckt hat –, reagieren sie und ihre Schreiberlinge nun mit solchen Kommentaren nach dem Motto: Wir wissen von nichts und außerdem, ätsch, haben unsere Kritiker jetzt auch keine Kohle mehr.
Dabei sind Beiträge in diesem Stil, von denen in der US-amerikanischen, europäischen und lateinamerikanischen Presse derzeit einige zu lesen sind, weitgehend faktenfrei. Auch Sie zitieren nur Meinungen aus dem Bloomberg-Text.
Bei einem zweiten Blick, den sich Blogs in den Farben der Splitterpartei FDP aus verständlichen Gründen sparen, trifft man dann auf andere Äußerungen der venezolanischen Regierung, die auf eine relative Gelassenheit schließen lassen. Das Land hat die höchsten Liquiditätsreserven der vergangenen Jahrzehnte, umgerechnet rund 40 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich: Die neoliberalen Regime vor Chávez haben Venezuela MItte der 1980er Jahre (unter Luis Herrera Campins, Christdemokrat) in den Staatsbankrott und die Inflation Mitte der 1990er Jahre (unter Rafael Caldera, Christdemokrat) zeitweise auf über 194,3 Prozent manövriert.
Die Regierung Chávez – Inflation bei rund 20 Prozent bei massiven staatlichen Investitionsprojekten – hat den Ölreichtum in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu verwendet, eine produzierende Industrie und Landwirtschaft aufzubauen, was unlängst in Bezug auf die Nahrungsmittelproduktion selbst von der UNO-Organisation FAO anerkannt wurde. Und schließlich: Als Chávez antrat, betrug der Ölpreis zwölf US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Explodiert ist er erst durch die Kriege der USA, die auch von Schwester Westerwelle & Co. unterstützt wurden und werden. Venezuela hat sie abgelehnt.
Caracas´ Außenminister Nicolás Maduro forderte am vergangenen Wochenende am Rande einer Konferenz in Paris einen “gerechten Preis” für Erdöl. Auf Nachfrage, was dies bedeute, nannte er eine Spanne „zwischen siebzig und achtzig US-Dollar pro Barrel“. Mit diesem Preis könnten beide Seiten – Förder- und Konsumentenstaaten – leben. Und darauf wird es wohl hinauslaufen.
Und schließlich sieht es derzeit so aus, dass diejenigen Staaten, denen in den vergangenen Jahren eine Abkopplung vom neoliberalen System gelungen ist, unbeschadeter aus der Krise rauskommen.
Ergo: Weniger Häme, aber mehr Selbstkritik wäre hier angebracht. Soviel von mir aus der Katergorie “Sinnlose Apelle beim ersten Morgenkaffee”.
Beste Grüße
Harald Neuber …
… der folgende Links empfiehlt
http://www.amerika21.de
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25525/1.html
Die Zahlen koennen in dem Bloomberg-Artikel nachgelesen werden. Ich habe diese nicht zitiert, da man es dem interessierten Leser zumuten kann, auf den Link zu klicken.
Dort findet sich dann etwa:
Economists’ estimates of the minimum oil price Chavez needs to sustain his economic policies range from $120 a barrel to $65. Oil fell 93 cents, or 1.4 percent, to a 17-month low of $63.22 a barrel today on the New York Mercantile Exchange.
oder
The government, which has historically calculated its spending plans based on a conservative forecast for oil prices, is projecting a $60-a-barrel average for the 2009 budget, and output well above today’s level. Oil options contracts to sell crude at $50 by December almost tripled Oct. 24.
oder
Venezuela spent $4.4 billion on 12 contracts for Russian weapons, the Kremlin said. The agreements include deals to buy 100,000 Kalashnikov rifles, 50 military helicopters and 24 Su-30 fighter jets, according to a U.S. Defense Intelligence Agency report. Russia last month offered Venezuela a $1 billion line of credit to buy more weapons.
Die Kreditlinie spricht nicht zwingend fuer die Liquiditaet Venezuelas und die genannten Zahlen zum Oelpreis machen das Problem deutlich, sofern der Oelpreis dauerhaft unter 60-65 bleibt.
Es liegt mir ja denkbar fern, Herrn Westerwelle zu verteidigen – aber wenn den Etatisten schon nichts besseres mehr einfällt, als die Finanzkrise ausgerechnet diesem völlig unbedeutenden, semi-liberalen deutschen Politiker in die Schuhe zu schieben, dann kann es um ihre Ideologie nicht allzu gut stehen… Ich habe schon viele dämliche Begründungen für die Finanzkrise gelesen, aber “Westerwelle” ist ziemlich sicher die dämlichste.
In punkto Chavez können sich die Kritiker m.E. recht entspannt zurücklehnen. Die planwirtschaftliche Wirtschaftspolitik dieses Herren hat noch nie, nirgends auf Welt funktioniert. Sie wird auch in Venezuela scheitern. Wahrscheinlich wird Herr Neuber dieses Scheitern dann ebenfalls Herrn Westerwelle in die Schuhe schieben :-D
Ganz sicher. :-))
Stimmt. Traurig, dass sich die Venezuelaner nicht so entspannt zurücklehnen können sondern das erneute Scheitern des alten, dummen Experiments am eigenen Leibe erfahren müssen.
“Und schließlich sieht es derzeit so aus, dass diejenigen Staaten, denen in den vergangenen Jahren eine Abkopplung vom neoliberalen System gelungen ist, unbeschadeter aus der Krise rauskommen.”
Welche Staaten sind das denn?
Eine umfangreichen, in El País veröffentlichten Vergleich der Effekte der Krise auf Lateinamerika, kommt zu komplett anderen Ergebnissen als der liebe Experte von der Jungen Welt:
Venezuela will die Staatsausgaben um 23% erhöhen. Finanziert werden soll das mit einem höheren Erdölexport. Die OPEC drängt aber niedrigere Förderquoten. Paradoxerweise hat sich Hugoslawien im letzten OPEC Meeting für eine Senkung der Förderung ausgesprochen.
Chile hat in den fetten Jahren sehr viel Geld gespart. Im Bankensektor gibts keine Probleme, weil es schon seit der Krise von 1982 strenge Richtlinien galten. Die Börsen sind ziemlich abgestürzt und das hat durch das kapitalbasierte Rentensystem AFP auch Auswirkungen auf die zu erwartenden Renten. Jedoch gibts da 5 unterschiedliche Typen und jeder AFP Kunde kann innerhalb von höchstens 6 Tagen auf einen Typ mit geringeren oder überhaupt keinen Aktienanteil wechseln. Die Typen mit hohem Aktienanteil haben dabei sowieso von dem starken Anstieg der Börsenkurse der letzten Jahre profitiert.
Von den liberaleren Ländern siehts eigentlich nur für Mexiko wirklich düster aus.
Gerade im Hinblick auf die frühere Krisenanfälligkeit der lateinamerikanischen Ökonomien ist das bemerkenswert.
El Berlino (Harald Neuber) schrieb:
Alí Rodríguez, venezolanischer Finanzminister, Ex-Guerillero, der in jüngeren Jahren in den Straßen seines Landes tapfer für den Sieg des Kommunismus kämpfte, ist also ein neoliberaler Verbrecher?
Wenn Sie mit “Liquiditätsreserven” die Währungsreserven der Zentralbank meinen: Warum sollten diese hier irgendeine Bedeutung haben? Meinen Sie etwa, die Zentralbank solle diese zum Ausgleich zurückgehender Gewinne aus dem Ölgeschäft verteilen?
Es ist wenig aussagekräftig, Chavez’ Wirtschaften mit demjenigen seiner Vorgänger zu vergleichen. Bei Castro würden Sie das ja auch nicht tun. Und die Wirtschaftspolitik von Chavez’ Vorgängern mit dem Neoliberalismus, also z.B. der freien Marktwirtschaft Hayeks oder der Sozialen Marktwirtschaft Alfred Müller-Armacks zu vergleichen halte ich für wenig überlegt. Genausowenig wie man IMHO diese vergleichen kann mit einem System der Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol sowie wohlfahrtstaatlichen “New Deal”-GSE-Ungetümen wie Fannie Mae und Freddie Mac, die die gegenwärtige Finanzkrise auslösten.
20 prozent (offizielle) Inflationsrate sollen also ein Sieg sozialistischer Wirtschaftsplanung sein? Eine solche Inflationsrate bedeutet, dass Menschen mit konstanten Einkommen und Vermögen alle vier Jahre um die Hälfte ärmer werden.
Chavez und seine Junta sind also gelassen. Das wäre angesichts des sehr schlechten Jahres aber schwer verständlich: Erst die Aufdeckung ihrer Zusammenarbeit mit den Schutzgelderpressern, Entführern und Mördern der FARC. Dann zog der “Valijagate”-Skandal das Ausmass der Korruption unter Chavez ans Tageslicht.
Und nun bleiben durch den Rückgang des Ölpreises auch noch die Mittel für staatliche Grosszügikeit aus. Es ist richtig, dass Chavez sich darüber nach Außen gelassen gibt. Was soll er auch sonst tun? Was Sie zu erwähnen vergessen ist, dass die Hälfte der Staatsausgaben aus dem Ölverkauf finanziert werden. Domingo Maza Zavala, ehemaliger Chef der venezolansichen Zentralbank, sieht unterhalb eines Preises von 70 US$ pro Barrel die Wirtschaft Venezuelas gefährdet. Wenn die Krise, die durch die Planwirtschaft der amerikanischen Zentralbank und die politisch gestützten GSEs ausgelöst wurde anhält, rechnen Analysten mit einem Preis von 50-60 US$. Doch im Angesicht dessen gönnten sich die oberen Staatsfunktionäre Einkommenserhöhungen von über 40%.
Am 23 November sind Lokal- und Regionalwahlen in Venezuela. Chavez’ Popularität ist durch Korruption, Misswirtschaft, steigende Kriminalität und hohe Inflation schwer angeschlagen. Aber er ist ja gelassen. Hierzu Chavez’ Gesten der Gelassenheit:
1. Die “Ley de Inteligencia y Contrainteligencia”:
- Für Abhörmaßnahmen werden keinerlei richterliche Anordnungen mehr benötigt
- Priester, Journalisten oder Ärzte können vor Gericht kein Berufsgeheimnis oder Informantenschutz mehr geltend machen.
- Öffentliche Stellen, die in jüngster Zeit wegen Korruption angeprangert wurden, können sich dem Gesetz zufolge jeder Anfrage unter Berufung auf “geheime Informationen” entziehen.
- Jeder kann nun aufgrund von geheimen, nachrichtendienstlichen Beweisen festgenommen werden.
2. José Miguel Vivanco, Direktor der Amerika-Sektion von Human Rights Watch, kritisierte die Menschenrechtspolitik der Regierung in einer Pressekonferenz. Vivanco musste daraufhin das Land verlassen. (http://www.argenpress.info/2008/09/venezuela-expulsado-jos-miguel-vivanco.html)
3. Chavez droht mit Militäreinsatz und Verhaftung des Oppositionspolitikers Manuel Rosales — den Chavez bezichtigt, ihn ermorden zu wollen — sollte letzerer die Wahlen in der Ölprovinz Zulia gewinnen. (http://www.elnuevoherald.com/213/story/309602.html)
Es ist Ihr gutes Recht, an den Sieg des Sozialismus in Venezuela glauben zu wollen. Ich hoffe Sie verstehen, dass es mir schwerfällt, Ihren Glauben zu teilen.
touché.
Hirnlose Parolen vs. Faktenanalyse: 0:1
Alles richtig! Aber dennoch leben wir in einer Zeit, in der Paulson, die Fed und auch Sarkozy und Gordon Brown die Wirtschaft schneller verstaatlichen, als man “Hugo Chávez” buchstabieren kann. Die Kritik wäre glaubwürdiger und überzeugender, wenn wir im “freien Westen” nicht den gleichen Prinzipien huldigen würden wie Hugo, wenn auch in einer lascheren Form als er.
@DDH: Das find ich irgendwie polemisch und weit oben in den Lüften. Die Verstaatlichungen im Zusammenhang der Krise sind temporär. Der Staat hat kein Interesse, wirklich das Ruder der in Probleme geratenen Unternehmen zu übernehmen.
Chávez verstaatlicht dagegen argentinische Stahlwerke und mexikanische Asphaltfabriken, um sie in den Dienst der bolivarischen Robolution zu stellen.
Darauf lasse ich mal Sheldon Richman antworten:
Quelle: http://www.amconmag.com/article/2008/nov/03/00017//
DDH, da benutzt du den polemischen Diskurs ultrakonservativer US-Amerikaner, um deine eigene eher “linke” Linie zu unterfüttern. Halte das für problematisch.
Eine Marktlösung bestände darin die Banken einfach crashen zu lassen. Seit der Krise von 1929/32 hält man das für keine gute Idee mehr. Marktwirtschaftliche Systeme sind halt lernfähig.
Die Pin8 Diktatur hat 1982 übrigens die Banken auch übernommen. Danach wurden dort sehr scharfe Regulationen für Kreditgeschäfte eingeführt, die Gott sei Dank bis heute in Kraft sind. Als sich die Lage zwischen 83 und 85 sehr schnell normalisierte, ging der Staat aus den Banken raus. Und das hat bis heute sehr gut gehalten. Ähnlich wirds hier jetzt auch laufen.
In Venezuela werden dagegen in den verstaatlichten Unternehmen wirtschaftliche Ziele bolivarisch-politischen Zielen untergeordnet. In Venezuela sind Mitarbeiter staatlicher Unternehmen verpflichtet, an pro-chavistischen Demonstrationen teilzunehmen. Im übrigen werden Jobs gemäß der Gesinnung vergeben. Es gibt frei zugängliche Widgets, mit denen du die Sozialversicherungsnummer eines Venezuelaners eingibts und seine Wahlentscheidungen der letzten Wahlen erhalten kannst. Zunächst verfügte nur die Regierung über die entsprechenden Datenbanken. Die wurden aber inzwischen von der Opposition gekapert.
Du vergleichst Äpfel mit Birnen.
Extrem problematisch wird von vielen venezuelanischen Lehrern btw. auch die Verschlechterung des Bildungssystems gesehen. Hier gibts in anderen lateinamerikanischen PISA-Teilnehmern sehr ermutigende Ergebnisse.
Z.B. ist ja das größte Unternehmen Chiles, der Kupferkonzern Codelco, staatlich. Nur wird der ganz anders gemanaged als die verstaatlichten venezuelanischen Unternehmer.
Staatlich und staatlich ist eben nicht unbedingt das gleiche (Äpfel und Birnen).
Sheldon Richman ist (auch wenn er im Amconmag publiziert) kein “Ultrakonservativer” sondern einer der führenden LEft-Libertarians!!!
Im übrigen ist 1929/32/32 nicht zuwenig, sondern zuviel Interventionismus (zunächst des Hoover-Regimes!) ausschlaggebend für die Verschärfung der Krise gewesen!
Zorry.
Kenn mich bei Libertarians nicht so aus.
Glaub trotzdem nicht, dass die Banken-Rettungsaktionen darauf abzielen, den Bankensektor zu verstaatlichen.
Also, erstmal muss man hier dir ein bisschen Faulheit und offensichtlich Unkentnnis der Sachlage unterstellen. Es ist mir neu, dass Herr Westerwelle in irgendeinerweise Neoliberal ist. Wenn dann ist er Liberal-sozialistisch (also so was wie der Arbeitgeberflügel der CDU ohne Wertekonservative Haltung).
Auch interessant, dass immer nur der Banker Ackermann genannt wird, ist dieser Knilch doch einer jener Banker, die gerne nach Staat schreien, wenn das eigene Unternehmen betroffen ist. Also auch kein wirklicher Neoliberaler.
Ach ja, auch in den USA hat man trotz der Wahnzeichen sich monatelang recht gelassen gegeben, ist also kein Argument, dass die Regierung “gelassen” ist. Der Ölpreis spielt auch keine Rolle, ausser sie wollen damit zeigen, dass auf Grund staatlicher REssourcenplanung eben davon ausgegangen wurde, dass Ölboom = unendlich ist. Tja, der Markt hätte für Alternativen gesorgt.
Auch waren die beiden Vorgänger von Herrn Chavez alles andere als “neoliberal”. Übrigens: Chile schlägt sich sehr gut mit seinen “neoliberalen” Institutionen, im gegensatz zu Brasilien, dass immer noch (trotz langsamer liberalisierung) arge Probleme hat.
Apropos abgekoppelte Staaten:
Iran – argks
Nord Korea – urks
China vor der Liberalisierung der Märkte – haiaiaiai
Afrika – anyone?
Tut mir leid, keine sehr überzeugenden Beweise…
Rafael Caldera:
- Einführung der Demokratie (ja, das kann für sie schon ein Ärgernis sein)
- Regieren ohne Mehrheit (kaum Veränderung möglich)
Ach ja, und schliesslich nutze er ein Keynsianisches Finanzinstrument, um seine Banken zu retten… ja, das klingt doch sehr neoliberal…
Seh das in 2erlei Hinsicht anders.
Erstmal ist Chile nicht so irsinnig neoliberal. Gibt insbesondere im Landwirtschaftsbereich eine Menge industriepolitik-artige Ansätze. Ausserdem ist das – gnadenlos gescheiterte – Transtiago Verkehrsprojekt zu nennen. Daneben wurd in letzter Zeit viel Geld in produktivere Infrastruktur-Projekte gesteckt. Und gott-sei-dank auch endlich massiv in die Bildungspolitik. PISA mässig gings schon 2006 kräftig nach vorne und ich erwarte einen Sprung für 2009. Das Bewußtsein der Bevölkerung ist in der Tat für lateinamerikanische Verhältnisse überdurchnittlich liberal. Konservative Parteien konnten in den Gemeindewahlen des letzten Wochenende z.T. ziemlich gewinnen, gerade in für chil. Verhältnisse größeren Städten. Gerade auch wg. Ärger über Planungs-Katastrophen wie Transtiago. Die Concertación-Politiker entfremden sich vielleicht mit ihrem imho berechtigten Stolz über die Überwindung der Pin8-Diktatur von den Alltags-Problemen vieler Chilenen.
Brasilien hat sich in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht wirklich gut entwickelt. Wirtschaftswachstum und ein bemerkenswerter Anstieg der Mittelschicht. Lula da Silva hat aber auch Respekt vor marktwirtschaftlichen Prinzipien.
Beide Länder sind auch in vielerlei Hinsicht (demographisch, kulturell, Größe, etc.) ziemlich unterschiedlich.
Por favor. Qué no nos toma el pelo, Haraldito (Bitte. Verarsch uns nicht, kleiner Harald).
Harald, das kann doch beim besten Willen nicht dein ernst sein, oder.
Selbst Heinz Dieterich hat sich doch inzwischen von dem fetten Mann aus Miraflores getrennt. Pro-Chavista Blogs kritisieren insbesondere die “Wirtschaftspolitik” des Chávez Regimes heftig.. (http://oilwars.blogspot.com).
Gemäß Umfragen trauen nur noch 35% der Venezuelaner Chávez zu, dass er die gewaltigen Probleme des Landes lösen wird. Gleichzeitig mögen ihn 58% der Venezuelaner. Ich find auch, dass er in alopresidente nett mit Kindern umgeht.
Du Arsch. Während in Chile gewaltige, nachhaltige und erfolgreiche Anstrengungen unternommen werden, die Schulbildung auf ALLEN Ebenen zu verbessern, werden in Venezuelas Schulen die Niveaus von unterirdisch auf geht-gar-nicht gesenkt. Warum nimmt dieses Land nicht an PISA teil wie beispielsweise Chile? Auf die Ergebnisse wär ich gespannt. In venezoelanischen Oppo-Blogs tummeln sich ja einige Lehrer.
Und bitte. Als Chávez an die Macht kam, lag der Ölpreis auf 18$. Und wo stand er all die Jahre. Und bitte. Könnte es nicht sein, dass Devisenreserven und Ölpreis in einem Land, das inzwischen export-mässig früher sehr-sehr und nach 12 Jahren Socialismo Siglo XXI völlig vom Erdöl abhängt, in einer gewissen positiven Korrelation stehen? Hm. Haraldito?
Und wie stehts mit dem Abbau der Armut in dieser Phase hoher Ölpreise und der der 70er, hm?
Über welche produzierende Industrie und Landwirtschaft redest du? Die vorher existierende Autozulieferer-Industrie ist zerstört. Chavistas reden seit Jahren von geheimnisvollen Traktoren-Fabriken… Nur Traktoren hat bisher niemand gesehen. Landwirtschaftliche Güter werden massivst importiert… bei den zentral festgelegten Preisen, lohnt es sich auch nicht, in Landwirtschaft zu investieren.
In dem üblichen Farm-der-Tiere Zyklus einer populistischen Regierung ist doch Chávez inzwischen schon in den letzten Kapiteln angekommen, Haraldito. Die Lohnzuwächse von Politikern und Führungskadern übersteigen bereits ganz offen die von wirklich arbeitenden Beamten.
wir werden sehen…
Chávez hat die existierenden Ausgleichfonds für Terms of Trade Schwankungen in Zeiten hoher Terms of Trade massiv geplündert. Und du glaubst im ERNST, dass dieses Kartenhaus den verschlechterten Terms of Trade BESSER durchkommt als Chile mit seinen prall gefüllten Ausgleichsfonds. ;-)
Während du Arsch deine Socialismo Siglo XXI Droge an mutlose Hartz 4 Empfänger von morgen verteilst, besuch ich im Januar noch selbstbewußter werdende Aufsteiger der chilenischen Mittelschicht. Weißt du was die über Venezuela sagen, hm? Das gleiche wie ich: Cada ano ese Chávez se vuelve más loco (Chávez wird jedes Jahr verrückter). Nur den Preis für den Wahnsinn, wirst du nicht zahlen. Den wird das venezoelanische Volk zu zahlen haben. Dann wirst du dir einen neuen und zunächst schlankeren Dritte Welt Macho suchen, den du den Schwanz lutschen kannst degenerado … und dich dabei auch noch als Journalist bezeichnen.
Zorry für die deftige Sprache, aber ich habs schon entschärft.
“Die neoliberale Verbrecherbande ..Westerwelle/FDP..Ackermann/Deutsche Bank” – sag mal, hast du ein Problem?
Ja, das habe ich ja oben geschildert.
Der Herr Neuber schreibt auch für die Junge Welt. Alles klar?
Die Junge Welt ist immer wieder mal einen Blick wert, denn da steht das drinnen, was die Abgeordneten der Kommunisten in Hessen, ab kommender Woche quasi Regierungspartei, denken.
Im übrigen erledigt dich das Thema Neuber doch schon, wenn man von “Schwester Westerwelle” liest. Die vielen Worte drumherum können dann kaum noch vom unterirdischen Niveau dieses Herrn ablenken.
Nun, ich dachte, ich passe mich dem hier vorherrschenden Niveau an. Aber Sie haben Recht, Boche. Ab sofort werde ich Herrn Westerwelle in diesem Blog nur noch als GRÖLIAZ bezeichnen – Größter Liberaler aller Zeiten. Siehe http://www.antibuerokratieteam.net/2008/09/20/klare-worte-zum-zwogroecaz/
Für sowas bin ich ja zu begeistern… ich hoffe Du nimmst es mir nicht allzu übel.
Ich liebe Dich so wie ich bin. :-)
An allem Übel dieser Welt ist offensichtlich Bush und Ackermann schuld. Ich kann es nicht mehr hören.
Die Deutsche Bank wackelt nicht, ebenso wenig die Commerzbank, noch die Dresdner. Marode sind die Staatsbanken von der Bayern LB bis Sachsen LB, dazu KfW (IKB), die unter Aufsicht des Finanz- und Wirtschaftsministeriums stand. Im Aufsichtsrat sitzen 21 Politiker, darunter auch Lafontaine.
Herr Ackermann hat auch nicht nach dem Staat “geschrien”, sondern vor Monaten die Finanzkrise gesehen und gesagt, der Markt schafft es nicht mehr allein. Damals wurde er ausgelacht. Und ein Herr Steinbrück hatte noch keine Ahnung und meinte noch vor vier bis fünf Wochen “Wir haben keine Finanzkrise”.
Der Staat ist keine Lösung. Der Staat ist immer Teil des Problems.
> “Der Staat ist keine Lösung. Der Staat ist immer Teil des Problems.”
“Ohne Staaten keine Probleme.” wäre auch ein wenig zu hohl gewesen.
Und dieser Berliner Journalist sollte weiter bevorzugt für die linksradikalen Medien schreiben statt hier neue Tiefpunkte zu setzen.
Bei der Jungen Welt schreiben und von Niveau sprechen. Das hat einen gewissen skurrilen Charme.
Ich glaube, Boche, Sie haben sich da auf etwas eingeschossen …
Ich schieße nicht. Ich staune.
Der offizielle Kurs des Dollars beträgt 2,15 Bolivares Fuertes.
Der Kurs des allgegenwärtigen Schwarzmarkts für den Dollar schwankt zwischen 5 und 6 Bolivares Fuertes.
Noch Fragen?
Ja, erlaubt die venezolanische Regierung den Bürgern den Umtausch in US-Dollar zu diesem subventioniertem Kurs? ;-)
Oder ist man schon bei Devisenbeschränkungen angekommen?
Beides. http://tinyurl.com/6elcau
“Der Herr Neuber schreibt auch für die Junge Welt. Alles klar?”
mit seinem personifizierenden verschwörungstheoretischen Geschwurbel von der “neoliberalen Verbrecherbande” hat Genosse Neuber den festen Boden des Marxismus-Leninismus zugunsten von Mussolini, Hitler&Co verlassen. Genosse Gysi hat noch viel zu tun, um revisionistische Abweichler vom Schlage des Genossen Neuber wieder auf Linie zu bringen.
Hm. Lande im Spam-Filter. Aber spätestens seitdem ich regelmässig Jaime Bayly en mega schaue, fällt es mir echt schwer über den matón in zivilisierten Worten zu sprechen.
Hier die Kurzfassung zu dem Einlauf von El Berlino. Heisst es nicht eher El Berlinés? Naja Feinheiten wie ein gewisses Sprachgefühl ist wohl auch ein eher bürgerliches Vergnügen. Deshalb paßt El Berlino schon recht gut.
Na super. Ein unter Chávez praktisch nur noch Erdöl-exportierendes Land rumbo al Socialismo ist also in der Lage Devisen-Reserven aufzubauen. Glückwunsch. Ein Schimpanse statt eines Gorillas als Staatschefs würd das auch schaffen ;-)
Selbst die verdrehte offizielle Inflationsrate bewegt sich seit einiger Zeit bei eher 30 als 20%. Früher waren die Löhne stärker an der Inflationsrate indexiert. Gerade für die Armen sind die 30% ein großes Problem. Das als Erfolg zu feiern…
wie belieben? Nahrungsmittel werden wie nie in der Geschichte Venezuelas importiert. Du willst doch nicht ernsthaft die Produktivität der bolivarischen Landwirtschaft mit der chilenischen, argentinischen, brasilianischen, costaricanischen oder kolumbianischen vergleichen? Huguito redet zwar immer von ganz dollen Investitionsprojekten, aber selbst langjährige harcore-chavistas glauben nicht mehr daran. (http://oilwars.blogspot.com). Die vorher existierende Automobil-Zulieferindustrie ist nicht mehr. Das Geld wird hauptsächlich an Funktionäre ausgestreut. Den bolivarischen Massen wird was von Traktoren-Fabriken erzählt. Nur wartet die Welt seit Jahren auf irgendwelche realen Ergebnisse.
Selbst Heinz Dieterich hat sich vor einem Jahr von Chavez getrennt und das will wirklich was heissen. Du weißt es. Ich weiss es. Warum klammerst du dich so dran?
Der Ölpreis wwird aber nicht von Maduro sondern vom Weltmarkt festgelegt, companero. Und angesichts der kreativen Buchführung und der vielen Bonus-Töpfchen glaubst du doch nicht im ernst, dass irgendjemand in Miraflores ausrechnen kann, welcher Ölpreis für den Unsinn ausreicht.
Richtig wütend werde ich, wenn in venezoelanischen Oppo-Blogs die Verschlechterung des Schulsystems zur Sprache kommt. Während Chile, Brasilien und andere lateinamerikanische Länder sich auch in Folge der Partizipation an PISA mal ernsthaft Gedanken machen, wie man die für nicht alle aber viele jahrzehntelange lateinamerikanische Bildungsmisere mal zur Abwechslung nachhaltig angeht, geben die Rothemden anspruchslosere Schulbücher an die Schulen raus. Reicht ja aus, um im Guevara T-Shirt an den richtigen Stellen zu klatschen, wenn die Vorturner ihre Haßtiraden ausstossen.
Echt, lieber berlino berlinés. Diese “Party” ist fast vorbei. Und es gibt eine Menge Opfer. Das gute Geld der hohen Ölpreise hätte echt sinnvoller investiert werden können. Und du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ein Land mit ausgeplünderten Terms-Of-Trade Ausgleichsfonds wie Venezuela besser durch die Krise kommt als beispielsweise Chile.
Hör bitte auf einen Subkontinent mit einer Menge sympathischen Mensche zur w?x-Vorlage deiner schmutzigen Theorie-Phantasien zu machen. Se agradecería mucho
Sorry wenn Du so lange auf die Freigabe aus dem Spam-Filter warten musstest. Hab das Doppelposting gelöscht.
Die haben da paar ganz schöne Scherzkeckse in der Reigierung. Man schaue sich nur mal Einsichten wie die des Planungsminister Haiman el Troudi an, der meinte, die Venezuelaner sollten nur noch
“konsumieren, was sie brauchen, und nicht auf die Werbung hereinfallen, die sie dazu bringt, über ihren Bedarf zu konsumieren”
Zuerst Preiskontrolllen einführen und den entstehenden Mangel dann auf die bösen Werbung schieben. Böse kapitalistische Werber verführen das Volk…
http://www.stern.de/politik/ausland/:Venezuela-Regierung-Konsumverzicht/638120.html
…Kommt mir bekannt vor: Gegen den Konsumterror war doch bei uns in den 80ern mal hipp.
… unsere Konsumterror-Kritiker der 80er konsumierten wenig … in einem sozialistischen Land trinken Konsumterror-Kritiker importierten Wiskey und Austern. Kritiker des Latifundismus werden selbst zu Latifundisten (z.B. gehören Chávez seiner Familie inzwischen umfangreiche Ländereien).
… für jedes Problem gibts eine bolivarische Lösung … zur Inflationsbekämpfung forderten sie die Bürger zum Feilschen auf. Ich feilsche selbst, aber wie soll das bitte in einem Supermarkt funktionieren? Und viele der Preiserhöhung betrafen zu der Zeit Lebensmittel.
Irgendwie werd ichs vermissen, obwohl ich der Bevölkerung Venezuelas von ganzen Herzen wünsche, dass die massenhafte Verschwendung bald ein Ende hat … offensichtlich vollgekokste mittelalte Chavista-Frauen wie Linda Ron mit ihren hysterisch-aggressiven Ausfällen vor laufenden Fernsehkameras … zumindest hatte die bolivarische Revolution immer mehr Unterhaltungswert als die DDR oder Kuba zu bieten.