Liberaler Klartext

Die Steinbrücks und Sarkozys dieser Welt wollen den Banken zeigen, wo das wahre Wissen sitzt. Doch sie unterschlagen, dass diese unappetitliche Suppe letztlich die Politik angerichtet hat.

Der ehemalige Finanzminister der Schweiz und FDP-Mitglied Kaspar Villiger hat gestern Abend Klartext geredet.

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43 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

NUB, 12.11.2008 09:04

Es ist sicher richtig, auf die Fehlentscheidungen in der Politik hinzuweisen. Bei den Landesbanken hat sich auch niemand mit Ruhm bekleckert, von der KfW ganz zu schweigen. Z.T. hätte die Bankenaufsicht mehr Befugnisse gebraucht, und da sind wir wieder bei den Banken. Eine Politik, die sich möglichst raushält, war im Sinne der Banken. Wir kommen immer wieder zu dem Punkt: Wo sollte der Staat sich raushalten und wo nicht. Er sollte sich nicht raushalten, wenn Bilanzen geschönt, Finanzprodukte verschleiert, betrügerisch agiert wird, sich darum zu kümmern, ist Kernbestandteil des Sinns eines Staates überhaupt. Heißt aber eben nicht, dass der Staat die Aufgabe hätte, Banker zu spielen. Anstatt also ideologische Gefechte zu starten und sich gegenseitig den Schwarzen Peter unterzuschieben, sollten sich alle Verantwortlichen überlegen, was man verbessern könnte. Staat und die Banken haben versagt.

Dagny, 12.11.2008 09:54

Ein Privatunternehmen hat jedes Recht der Welt zu ‘versagen’. Und Krisen sind inhärent für freie Märkte, da sie Fehlentwicklungen aufzeigen und Korrekturen ermoeglichen.

NUB, 12.11.2008 13:35

Natürlich. Solange dies in den Bilanzen nicht absichtlich verschleiert wird. Und solange keine Produkte gehandelt werden, von denen man weiß, dass sie heiße Luft sind. Die Banken trauen sich ja nicht mehr über den Weg, nicht ohne Grund. Auch nach liberalen Vorstellungen ist ein Betrüger eigentlich immer noch ein Betrüger.

 
Libero, 17.11.2008 12:41

für freie Märkte vielleicht, aber echte (TM) sich selbstorganisierende Systeme überleben selbst massive Störgrößen ohne Zusammenbruch. Versuche mal die schweren Verletzungen zu überleben, die eine Katze oder ein Hund überlebt. Die freien Märkte sind zwar sich selbst organisierende Systeme, aber hinsichtlich der selbstregulierung und der selbstheilung im Pampersstadium. Das ist bei Babies entzückend, bei erwachsenen Männern wirkt es lächerlich.

 
 
R.A., 12.11.2008 10:18

> Z.T. hätte die Bankenaufsicht mehr Befugnisse
> gebraucht, …
Noch mehr Befugnisse? Wozu denn das?
Die Aufsicht hat doch seit Bestehen von allen Problemen immer nur hinterher aus der Zeitung erfahren – obwohl ihr alle relevenaten Infos vorlagen.

> Eine Politik, die sich möglichst raushält, war
> im Sinne der Banken.
Und im Sinne der Bürger.
Dann wären uns die Schrott-Kredite erspart geblieben, und damit die ganze Krise.

> Wo sollte der Staat sich raushalten und wo nicht.
Das Strafrecht sollte er in der Tat einhalten, und damit auch gegen Betrug etc. vorgehen.
Nur daß es halt leider nach Gesetz kein Betrug ist, wenn ein Staatsunternehmen Kredite nicht nach banküblichen Standards vergibt, sondern nach politischen Vorgaben.

Die Stimme aus dem Off, 12.11.2008 14:45

Nur daß es halt leider nach Gesetz kein Betrug ist, wenn ein Staatsunternehmen Kredite nicht nach banküblichen Standards vergibt, sondern nach politischen Vorgaben.

So ist das zwar richtig, blendet aber die Folgen aus.

Es gab da schon eine ganze Reihe von Verhaltensweisen, die ich als Betrug bewerten würde. Insbesondere wenn Anlegern systematisch Zertifikate mit falschen Versprechen aufgeschwatzt wurden.

Auch die Ereignisse um Porsche lassen diesbezüglich Raum für Zweifel.

 
 
 
Lina, 12.11.2008 10:21

Also, lieber M.M., das kann’s ja wohl nicht sein! Längst hat sich herumgesprochen, dass ganz Amerika seit Dekaden über seine Verhältnisse, also auf Pump lebt. Der Autobauer GM z. B., so eine Experte (dessen Namen mir leider entfallen ist … ), sei im Prinzip seit Entstehen bankrott, so miserabel sei von jeher die Eigenkapitaldeckung gewesen. Solches Wirtschaften, unternehmerisch oder privat, muss irgendwann scheitern, odrrr? Nehme ich den kostenträchtigen Bush-Krieg (des klugen Herrn Weimer) und die Casino-Mentalität vieler Banker hinzu, kann ich mich der Ursachenforschung des Herrrn Villiger mit seinem «Doch sie unterschlagen, dass diese unappetitliche Suppe letztlich die Politik angerichtet hat.» nicht anschliessen.

Sie, die Banken, hätten gegen kurzsichtige staatliche Vorgaben protestieren können, die Bedingungen nicht eingehen müssen, ihren ökonomischen Sachverstand dagegensetzen sollen! Statt dessen haben sie zu ihrem Vorteil GENUTZT, was ihnen politisch eröffnet wurde. Also bitte: wenn das kein Indiz gegen ein alleiniges Verschulden der Politik ist!

F.Alfonzo, 13.11.2008 03:58

Hallo Lina,

“Längst hat sich herumgesprochen, dass ganz Amerika seit Dekaden über seine Verhältnisse, also auf Pump lebt.”

Das ist richtig und ein entscheidender Teil des Problems. Die Frage lautet nur: Warum ist das so? Warum haben sich die Amerikaner über 10-20 Jahre in Schulden gestürzt, ohne darüber nachzudenken, dass diese Schulden mal beglichen werden müssen? Ich sehe da in erster Linie die Fed in Verantwortung.

“Der Autobauer GM z. B., so eine Experte (dessen Namen mir leider entfallen ist … ), sei im Prinzip seit Entstehen bankrott, so miserabel sei von jeher die Eigenkapitaldeckung gewesen.”

Du meinst nicht zufällig Bill Ackman, den hedge fund manager?
Bloomberg: General Motors Corp., the biggest U.S. automaker, should file for bankruptcy rather than taking money from the government, hedge fund manager Bill Ackman said. “It has been hamstrung for years because it has too much debt and it has contracts that are uneconomic,” Ackman, manager of the Pershing Square Capital Management LP hedge fund in New York, said on the Charlie Rose show yesterday. “The way to solve that problem is not to lend more money. They should do prepackaged bankruptcy.”

Immer noch Expertenfan? :-) Am Rande: Was der Mann in der Vergangenheit so orakelt hat, hat sich i.d.R. als Tatsache erwiesen. Das ist sein Job, damit verdient er sein Geld.

“Sie, die Banken, hätten gegen kurzsichtige staatliche Vorgaben protestieren können, die Bedingungen nicht eingehen müssen, ihren ökonomischen Sachverstand dagegensetzen sollen! Statt dessen haben sie zu ihrem Vorteil GENUTZT, was ihnen politisch eröffnet wurde. Also bitte: wenn das kein Indiz gegen ein alleiniges Verschulden der Politik ist!”

Nehmen wir folgendes Beispiel an: Du hast eine Firma, die Lina Halsabschneider AG, gegründet. Du verleihst Geld. Was machst du also? Du versuchst herauszufinden, ob ein Kreditnehmer seine Schulden zurückzahlen kann, und organisierst bestimmte Kreditnehmergruppen (aus versicherungstechnischen Gründen) in ‘Pools’.
Jetzt kommt Madame Merkel und sagt: “Liebe Lina, wir wollen, das jeder einen Kredit bekommt. Dashalb geben wir dir die Garantie, dass wir für Kreditausfälle deinerseits geradestehen. Du kannst also mehr Geld verdienen, ohne irgendein Risiko einzugehen”
Was würdest du machen?

Lina, 13.11.2008 07:13

@ Hi, F. Alfonzo!

Was würdest du machen?

Ich sag’ Dir, was ich prinzipiell nicht machen würde: meine Bank nicht Halsabschneider AG nennen, mich mit Frau Merkel nicht duzen, und (auf meiner Unabhängigkeit beharrend) keine Staatsgarantien für meine Verleihgeschäfte annehmen, also nicht bestechlich sein wollen.

Das mag recht idealistisch klingen, aber würde ich mich nicht frei und unabhängig von staatlichen Übergriffen behaupten wollen, hätte ich auch keine Bank; ich hab’ übrigens auch keine ;-)

PS: Bill Ackman war’s nicht, sondern (ja!) ein Volkswirt der Deutschen Bank; der machte aber unlustigerweise auch keinen so originellen Sanierungsvorschlag … das hat so einer scheinbar nicht drauf.

 
 
F.Alfonzo, 13.11.2008 04:10

Wer ist nun Schuld: Die Politik oder der Banker?

Deiner Meinung nach sollte es also so sein, dass die Politik Anreize bietet, die die Banker nicht annehmen sollten? Was ist dann überhaupt der Sinn und Zweck von Politikern?

Die Politik hat Anreize geboten, die für den Banker undwiderstehlich waren, aber für die Volkswirtschaft verheerend.

Ein Banker aber hat nicht die Aufgabe, durch seinen Job ein volkswirtschaftliches Wohlfahrtsmaximum zu gewährleisten. Er hat in erster Linie den Job, für seine Firma möglichst viel Geld zu verdienen (wie jeder andere Angestellte auch).
Der Staat hat diese Aufgabe. Und aus politischen Gründen würden Dinge getan, von denen heute niemand mehr was wissen will. So einfach ist das, nicht wahr?

Lina, 13.11.2008 07:58

Was überhaupt Sinn und Zweck von Politikern ist, fragst Du; da lass’ ich mal Jürgen Habermas aus der ZEIT sprechen:

“Jetzt mit dem Finger auf Sündenböcke zu zeigen, halte ich allerdings für Heuchelei. Auch die Spekulanten haben sich im Rahmen der Gesetze konsequent nach der gesellschaftlich anerkannten Logik der Gewinnmaximierung verhalten. Die Politik macht sich lächerlich, wenn sie moralisiert, statt sich auf das Zwangsrecht des demokratischen Gesetzgebers zu stützen. Sie und nicht der Kapitalismus ist für die Gemeinwohlorientierung zuständig. (…)”

Das finde ich OK; er sagt aber auch:

“Ich hoffe, dass die neoliberale Agenda nicht mehr für bare Münze genommen, sondern zur Disposition gestellt wird. Das ganze Programm einer hemmungslosen Unterwerfung der Lebenswelt unter Imperative des Marktes muss auf den Prüfstand.(…)”

Find’ ich auch OK. Was nun?

http://www.zeit.de/2008/46/Habermas

Lina, 13.11.2008 08:14

PS: In losem Zusammenhang finde ich auch dieses interessant:

“So einfach ist das. Statt das Geld mit sinnlosen Konjunkturprogrammen zu verpulvern oder weiter von den Zentralbanken sinnlos in den Markt zu pumpen, sollte die überflüssige Geldmenge endlich durch höhere Zinsen stillgelegt werden. Gleichzeitig führt man das Merzsche oder Kirchhoffsche Steuermodell rückwirkend zum 1. Januar 2008 ein und schickt dem Steuerbürger einen Scheck über die Differenz zwischen alter und neuer Steuer. Das Ganze ist bewährt, garantiert erfolgreich und hat einen Namen: Reaganomics.” (DFOG / euckenserbe)

Es wird doch mal möglich sein können, wrtschaftliche und politische Vernunft in der Krise zusammenzuführen … ?!

 
jpj, 13.11.2008 12:04 Subscribed to comments via email

Fällt Ihnen der Widerspruch hier nicht auf? Einerseits schuf der Staat die Marktverzerrungen, auf die die Marktakteure zunächst wie gewünscht reagierten. Und nun, da die Realität in in den politisch verzerrten Markt einbricht wird als Konsequenz noch mehr Kompentenzen für den Staat gefordert. Man fühlt sich an mittelalterliche Quacksalber erinnert, die am Bett des Patienten murmeln, “hm, die Arsentherapie schlägt nicht an. Darum verschreiben wir noch mehr Arsen.”

Lina, 13.11.2008 15:18

Wenn Marktakteure “wie (politisch) gewünscht” reagieren, beschuldige ich sie, verursachend (mit-)gewirkt zu haben; ich wiederhole mich, aber sie hätten nicht mitwirken müssen!

Wäre ein freier (Finanz-)Markt das, was er nach der Theorie sein soll, dürfte er, bzw. seine Teilnehmer nicht mit dem Staat kooperieren, sich nicht mit ihm verflechten, sich nicht gemein machen mit ihm. Dass es geschah, laste ich konsequenterweise denen an, die die Idee des Kapitalismus derart in Verruf gebracht hat, dass die Medikation nun paradoxerweise* auf noch mehr Arsen hinausläuft.

*Wobei das Paradoxon der Funktionsfähigkeit eines freien kaptalistischen Marktes weniger im derzeit viel bemühten “Systemischen” als in der untauglichen Natur seiner Teilnehmer liegen dürfte … um an der Wurzel des Übels anzudocken ;-).

Libero, 17.11.2008 11:53

Um die Öffentlichkeit zur Vorsicht zu mahnen, ließ ich mir die Herausgeber und Verleger der bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften einzeln kommen und forderte sie auf, systematisch das Land vor der Spekulation und den unangemessen hohen Aktienkursen zu warnen. Die meisten von ihnen entsprachen auch meinem Wunsch mit scharfen Leitartikeln. Dies hatte jedoch keine spürbare Wirkung.”

“…. die New Yorker Bankiers machten sich alle über den Gedanken lustig, daß der Markt nicht “gesund” sei. Sie waren sicher, wir befänden uns in einer “Neuen Ära”, auf die sich die alten Wirtschaftserfahrungen nicht anwenden ließen.Um es zu beweisen, schrieb mir Thomas Lamont vom Bankhaus Morgan eine lange Denkschrift, die sich heute recht seltsam liest.”

President Hoover in Band 3 seiner Memoiren. Der fettgedruckte Satz erinnert mich an Aussagen der Jetztzeit. Wie sich die Bilder gleichen

 
 
 
 
 
F.Alfonzo, 13.11.2008 04:25

P.S.: Da fällt mir ein: Die Deutsche Bank hat GM auch analysiert. Resultat: Aktienziel = 0$
Vielleicht meintest du die.

 
jpj, 13.11.2008 12:19 Subscribed to comments via email

Lina schrieb:

Sie, die Banken, hätten gegen kurzsichtige staatliche Vorgaben protestieren können, die Bedingungen nicht eingehen müssen, ihren ökonomischen Sachverstand dagegensetzen sollen! Statt dessen haben sie zu ihrem Vorteil GENUTZT, was ihnen politisch eröffnet wurde.

Richtig.

Also bitte: wenn das kein Indiz gegen ein alleiniges Verschulden der Politik ist!

Ich spreche im Zusammenhang ökonomischer Fragen nicht gerne über Schuld oder Unschuld. Ich spreche lieber über Ursache und Wirkung. Und da liegen die Dinge sehr klar: Ohne die zahlreichen Verzerrungen der Politik (Kartellisierung der Bewertungsagenturen, Fair Lending Laws, Fannie Mae & Freddie Mac, Planwirtschaftliche Zinsfestlegung durch die Zentralbank) wären die Bankmanager nicht auf die Idee gekommen, leichtfertig immer neue Darlehen aus dem Nichts zu erschaffen und teilweise an bonitätsschwache Eigenheimkäufer zu vergeben. In einem freien, selbstregulierenden Markt wäre ihnen die bloße Idee absurd vorgekommen.
Die Konsequenz aus der Krise kann nicht sein, der Politik noch mehr Macht für noch mehr Marktverzerrungen einzuräumen. Politik ist nicht die lösung. Politik ist das Problem.

 
Eva Ziessler, 16.11.2008 15:59

@Lina

Liebe Lina,

wie wäre es, wenn Sie mal zwischen notwendigen und hinreichenden Bedingungen unterschieden?–Bei der Frage, wer eine mißliche Situation hervorgerufen hat, ist es doch sinnvoll, nach den notwendigen Bedingungen Ausschau zu halten. Sind die notwendigen nicht zugleich auch hinreichende Bedingungen, dann wäre zwar die mißliche Situation ohne zusätzliche Handlungen nicht eingetreten; sie wäre aber -ohne daß man überhaupt einen Gedanken an die zusätzlichen Handlungen verschwenden müßte- auch dann nicht eingetreten, wenn nicht zuerst die notwendigen Bedingungen erfüllt worden wären.

Wenn Kaspar Villiger recht hat, dann war die “easy money”-Politik der Zentralbanken notwendige Bedingung für die Finanzkrise, mit anderen Worten: OHNE diese Politik hätten auch noch so gierige Banker keine Krise herbeiführen können. Wenn Villiger also recht hat -und daran besteht kein Zweifel-, dann sollten wir uns nicht länger um Schuldverortungen bei irgendjemanden außerhalb der Politik kümmern, weil das überflüssiges moralinsaures Gehabe ist, das überdies von den wirklichen Ursachen nur ablenkt und jede Möglichkeit verbaut, solche Krisen in Zukunft zu vermeiden.

Ein Gedankenexperiment, um die Sache noch einmal deutlich zu machen: Nehmen wir an, in einem Land habe sich innerhalb eines Jahres die Zahl der Vergewaltigungen verdoppelt. Bei der Ursachenforschung stößt man auf ein vor einem Jahr erlassenes Gesetz, das jede Vergewaltigung mit 5000 Dollar prämiert. Nun kann man sich fürchterlich echauffieren über die bösen und gewissenlosen und gierigen Vergewaltiger, dann Zwangstherapien für Vergewaltiger ins Leben rufen und alle Männer umfassend in ihren Bewegungen überwachen. Wird das helfen, das Übel abzustellen? Gibt es nicht einen einfacheren Weg?

Lina, 17.11.2008 08:21

OHNE diese Politik hätten auch noch so gierige Banker keine Krise herbeiführen können.

Aber MIT dieser Politik haben die gierigen Banker sie herbeigeführt. Indem sie KOOPERIERTEN. Wenn ein Markt frei sein will, sich also vorgeblich frei behaupten will, muss ich kein Verständnis dafür haben, dass er mit ‘Feind’ Staat gemeinsame Sache macht. Ich hätte mir gewünscht, dass er doch einmal beweisen könne, ohne staatliche Interventionen nur nach eigenen Regeln zu funktionieren. Die sog. ‘Unsichtbare Hand’ hat ihre (Finanzmarkt-)Chance gehabt – und vertan. Nagelprobe gescheitert. Ich bedaure aufrichtig.

Was Ihr Gedankenexperiment angeht, liebe Eva, greife ich tapfer zu einer Formulierung, die gerne genommen wird: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Wenn Sie also schon prämienträchtige Vergewaltigung (Staat lockt!) mit gewinnträchtiger Spekulation (Markt lockt!) gleichsetzen wollen und daraus eine geradezu zwingende ‘Liason dangereuse’ zu gemeinschaftlicher Vergewaltigung, bzw. Spekulation konstruieren wollen: bitte! Das beweist nur, dass Markt keine anonyme Nummer, sondern echt menschengemacht ist …

 
 
 
Lina, 12.11.2008 10:24

Also, lieber M.M., das kann’s ja wohl nicht sein! Längst hat sichherumgesprochen, dass ganz Amerika seit vielen Dekaden über seine Verhältnisse, also auf Pump lebt. Der Autobauer GM z. B., so eine Experte (dessen Namen mir leider entfallen ist … ), sei im Prinzip seit Entstehen bankrott, so miserabel sei von jeher die Eigenkapitaldeckung gewesen. Solches Wirtschaften, unternehmerisch oder privat, muss irgendwann scheitern, odrrr? Nehme ich den kostenträchtigen Bush-Krieg (des klugen Herrn Weimer) und die Casino-Mentalität vieler Banker hinzu, kann ich mich der Ursachenforschung des Herrrn Villiger mit seinem «Doch sie unterschlagen, dass diese unappetitliche Suppe letztlich die Politik angerichtet hat.» nicht anschliessen.

Sie, die Banken, hätten gegen kurzsichtige staatliche Vorgaben protestieren können, die Bedingungen nicht eingehen müssen, ihren ökonomischen Sachverstand dagegensetzen sollen! Statt dessen haben sie zu ihrem Vorteil GENUTZT, was ihnen politisch eröffnet wurde. Also bitte: wenn das kein Indiz gegen ein alleiniges Verschulden der Politik ist!

drbuffo, 14.11.2008 18:02

“Längst hat sichherumgesprochen, dass ganz Amerika seit vielen Dekaden über seine Verhältnisse, also auf Pump lebt.”

Hüstel, das war inhaltlich wie grammatikalisch aber sehr gewagt.
BG!

Lina, 14.11.2008 19:14

Stimmt, denn “ganz Amerika” – so als Kontinent genommen – erhält natürlich keinen Kredit. Du aber (von mir) auch nicht, denn Deine Comments erscheinen mir, wenn ich die Luft ablasse, zu buffonesk, um sie als Sicherheiten zu nehmen…

BG :)) !

 
 
 
jpj, 12.11.2008 15:22 Subscribed to comments via email

Kaspar Villinger trifft IMHO den Nagel auf den Kopf.
NUB schrieb:

Z.T. hätte die Bankenaufsicht mehr Befugnisse gebraucht, und da sind wir wieder bei den Banken.

Die US-Banken standen unter einer Buchstabensuppe überwachender und regulierender Behörden: OFHEO, SEC, HUD, FDIC, OTS usw.

Eine Politik, die sich möglichst raushält, war im Sinne der
Banken.

Die Politik hielt sich schon sehr lange nicht mehr aus dem Bankengeschäft heraus. Beispielsweise unterminierte sie bewußt und systematisch durch “Fair Lending Laws” (sprich: Quoten für Darlehen an kreditunwürdige Wähler) die Bontitätsprüfungen der Banken. Beispielsweise erschuf sie mit Fannie Mae und Freddie Mac jene “Staatsgeförderten Rechtspersonen”, die den Banken die Immobiliendarlehen im Milliardenmaßstab abkauften. Und dann wäre da noch die Kleinigkeit einer Zentralbank – ein rein politisches Konstrukt.

(Der Staat) sollte sich nicht raushalten, wenn Bilanzen geschönt, Finanzprodukte verschleiert, betrügerisch agiert wird, sich darum zu kümmern, ist Kernbestandteil des Sinns eines Staates überhaupt.

US-Banken reagierten auf die Verzerrungen des Staates zunächst genau so wie beabsichtigt: Bonitätsschwache Wähler erhielten Eigenheimdarlehen, diese wurden zur Bündelung an die “Staatsgeförderten Rechtspersonen” der Politik weitergereicht, planwirtschaftlich verringerte Zinsen ernährten die blasengefütterte Scheinblüte der Konjunktur.
Die überwachenden und regulierenden Behörden erkannten die Finanzkrise nicht, die durch die Blase erzeugt werden musste. Geschweige verhinderten sie diese. Sie halfen im Gegenteil mit. Wer dem Staat Generalabsolution erteilt und die Schuld stattdessen einem angeblich freien Bankenwesen zuschreiben möchte muss folgendes unter den Teppich kehren:
– Staatlich kartellisiertes Bankenwesen unter einer planwirtschaftlich agierenden Zentralbank
– Politisch motivierte Unterminierung der Bonitätsprüfungen der Banken bei Immobiliendarlehen
– Privilegien und staatliche Garantien für “Staatsgeförderte Rechtspersonen” wie Fannie Mae und Freddie Mac, welche ausdrücklich die Vergabe von Immobiliendarlehen künstlich ankurbeln sollten
– Überwachung und Steuerung der Immobilen- und Finanzmärkte durch eine ganze Buchstabensuppe an Behörden: OFHEO, SEC, HUD, FDIC, OTS usw.
– Blindheit jener Behörden vor der Krise und Verhinderung der Liquidierungen als diese eintrat
In einem freien Markt dagegen
–  hätten Einleger die Freiheit, ihr Geld zu Banken mit hoher Teilreserve und niedrigem Risiko zu tragen, statt zu solchen, die durch niedrige Teilreserven ihre Einlagen gefährden.
– Der Zins wäre ein Marktpreis, d.h. bei stabiler Geldmenge würde eine höhere Nachfrage zu höheren Zinsen führen.
– Es herrschten die Bonitätsregeln des Marktes statt jene der Politik.
– In einem freien Markt herrschte das Verlustprinzip: Wer im Wettbewerb schlecht agierte, der würde durch die unweigerlich folgenden Verluste diszipliniert; egal wie groß er sei. In einem freien Markt gingen die Unternehmen solcher Versager in Konkurs, damit ihre Aktivposten liquidiert, d.h. unter die Kontrolle besser wirtschaftender Unternehmer gebracht werden könnten.
Wie Fannie Mae und Freddie Mac in den USA sind auch in Deutschland die Institute, die durch die Blase die gewaltigsten Verluste erlitten Instrumente der Politik: WestLB, SachsenLB, BayernLB, IKB. Die gegenwärtige Sozialisierung derer Verluste kann ebenfalls kaum als Folge eines freien Bankenwesens bezeichnet werden. Sie ist die Folge eines durch und durch politisierten
Finanzmarktes.
Es waren Verteidiger der Marktes, welche den Zusammenbruch der Hypothekenblase vorhersahen, und zwar schon ab 2002. Sie haben die Politischen Klasse geradezu ausgezählt (z.B. North 2002, Shostak 2003, Vogt 2004, Thornton 2004, Schmidt 2005, Karlsson 2005) insbesondere auf Seiten wie Mises.org und Lewrockwell.com. Entschuldiger des Staates erklären sich die Finanzkrise größtenteils erst nachdem sie begonnen hatte und leugnen jedwede Verantwortung der Politik für die Folgen derer Manipulationen.
Kaspar Villinger dagegen trifft den Nagel auf den Kopf. Politik ist nicht die Lösung. Politik ist das Problem
Links
Frühe Warnung: North, Gary (2002): The Lure of Making It Big, Early, and Fast. Lewrockwell.com (5.10.2002)
Vorhersage des Absturzes der Eigenheimpreise: Shostak, Frank (2003): Housing Bubble: Myth or Reality? Mises.org (4.3. 2003)
Frühe Analyse in Deutschland: Vogt, Claus (2004): Die US-Immobilienblase. In: Eigentümlich Frei 43(Juni 2004), S.30
Sehr frühe Vorhersage des Banken-Freikaufs: Thornton, Mark (2004): Housing: Too Good to be True. Mises.org (4 Juni 2004)
Frühe, sehr systematische Analyse in deutsch: Schmidt, Artur P. (2005): Sich selbst verstärkende Seifenblasen. In: Telepois (5.1.2005)
Karlsson, Stefan (2005): The Mess Greenspan Leaves. Mises.org (26.12.2005)

xNWO, 12.11.2008 17:17

Fragt sich nur noch, warum die Privaten trotz aller Warnungen (und ihrer ohnehin entwickelteren Rationalität) den Schrott wie bekloppt aufgekauft haben.

 
xNWO, 12.11.2008 19:39

Hm … sehr schön! Bleibt nur noch die (nebensächliche) Frage zu beantworten, warum die nicht-staatlichen Investmenthäuser und Banken sich trotz allem wie bekloppt auf den Ramsch und Schrott gestürtzt haben.

jpj, 12.11.2008 22:35 Subscribed to comments via email

xNWO schrieb:

Bleibt nur noch die (nebensächliche) Frage zu beantworten, warum die nicht-staatlichen Investmenthäuser und Banken sich trotz allem wie bekloppt auf den Ramsch und Schrott gestürtzt haben.

Es haben sich bei weitem nicht alle privaten institutionellen Anleger auf den US-Immobilienmarkt gestürzt. Mir fällt spontan Euro Pacific Capital Inc ein, die genau das Gegenteil taten. Dennoch stellen Sie eine gute Frage. Die Antwort lautet, dass jene, die sich dennoch auf die Immobilienzertifikate stürzten, können glaubwürdig vortragen, sie hätten sich auf die Urteile der Bewertungsagenturen verlassen. Jener Bewertungsagenturen, die sich seit ihrer Kartellisierung durch den US-Kongress im Jahre 1975 – alles im Namen des staatlichen Verbraucherschutzes – vor effizienter Konkurrenz nie wieder fürchten mussten.

 
F.Alfonzo, 13.11.2008 04:21

Ich würde sagen, das hat 2 Gründe:

1) Die Ratings, jpj hat das ja beschrieben. Da gibt’s ein großes Moral Hazard Problem. Ratring-Agenturen sollten von denjenigen vergütet werden, die ein Produkt nachfragen, nicht von denen, die ein Produkt anbieten.

2) Betrug seitens der Emittenten dieser Papiere: Es dürfte inzwischen klar sein, dass diverse Investmentbanken einen Teil ihrer eigenen Schrottpapiere in offshore-Tochterfirmen ausgelagert haben, um ihre Bilanzen und den Wert dieser Papiere ‘schönzureden’. Das ist m.E. ein Fall für den Staatsanwalt.

 
 
 
xNWO, 13.11.2008 18:37

Haben die Banker, sofern es sich nicht um einen “Fall für den Staatsanwalt” (Alonzo) handelt, die Aufforderung Hayeks zu “konstitutionellem Unwissen” also irgendwie missverstanden und ihren Verstand bzw. ihre hoch bezahlten Experten einfach bei den Ratingagenturen abgegeben?

drbuffo, 13.11.2008 22:29

Hier ist in D zu unterscheiden zwischen den Landesbankern (“vertrauensselig” und der Politik lauschend bzw. aus dieser kommend) und den normalen Bankern. In den Staaten lief die Chose ja grundsätzlich so ab: Leitzinsen tief, Refinanzierung billig, Boni attraktiv, nach uns die Sintflut. In D wurden einige Banken in Mitleidenschaft gezogen, da sie indirekt involviert waren. Die Krise trat zu Tage und die Banken liehen sich untereinander nur noch sehr zögerlich Geld, das Vertrauen war weg, die Politik griff ein, Sozen aller Farben witterten Morgenluft, den Rest kennt man ja.

Banker folgen ansonsten natürlich dem üblichen Motivationsimperativ, hier ist der Vorschlag der Politik Boni für kurzfristige Erfolge den Börsenwert betreffend zu verbieten, durchaus interessant. Nicht jedes Marktinstrument ist auch markttauglich.

 
 
M.M., 14.11.2008 14:37

Herr Villiger liegt eben schon richtig. Man muss sich einfach mal in die Vorgeschichte vertiefen.

Im September 1999 berichtete die New York Times, dass die Clinton-Administration heftigen Druck auf den inzwischen verstaatlichten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und 24 andere Banken ausübte, Kleinverdienern und Angehörigen von Minderheiten mit billigen Krediten zu einem Eigenheim zu verhelfen.

Schon damals wurde davor gewarnt, dass früher oder später der Staat einspringen muss. Später war dann 2008.

Für die, die es interessiert, habe anfangs Oktober was dazu geschrieben:

Die Wurzel allen Übels: Bill Clinton.

john j, 15.11.2008 20:24

Herr Villiger liegt eben nicht richtig. Die Krise begann nicht mit Freddie und Fannie, sondern mit privaten brokers und lenders die meinten im dem Dreieck zwischen niedrigen Zinsen (die ja erst seit 2001 so richtig fielen, also zur Bush-Zeit), stetig steigenden Immobilien-Werten, und neuartigen mortgage bzw loan vehicles Profit vermuteten. Wer’s nicht glaubt kann ja mal unter interest only mortgages etc nachschauen – und die wurden nicht von Freddie und Fannie angeboten, sondern von den Privaten. Freddie und Fannie sprangen auf diesen Zug erst auf als er schon in voller Fahrt war.

Die Politk hat hier nix “angerichtet”, sondern das unverantwortliche Zockerverhalten von privaten brokern und lendern, gekoppelt mit passiven Bankern und gutglaeubigen Investoren ist fuer die Krize verantwortlich. Der Staat hat hoechstens nicht genau genug hingeschaut.

jpj, 17.11.2008 14:29 Subscribed to comments via email

John J schrieb:

(D)ie (Tilgungslosen Eigenheimdarlehen) wurden nicht von Freddie und Fannie angeboten, sondern von den Privaten.
Fannie Mae und Freddie Mac spielten generell nicht die Rolle der Erzeuger irgendwelcher Darlehen. Fannie Mae und Freddie Mac spielten die Rolle staatlich gestützter Abnehmer und Verbriefer für Eigenheimdarlehen; am Ende hielten bzw. verbrieften Sie 50% dieses Marktes. Diese Rolle übersehen staatsfreundliche Ökonomen und Publizisten wie z.B. Paul Krugman in ihren Erklärungsversuchen. Stattdessen legen diese jenen, die die Krise seit langem vorhersagten die Behauptung in den Mund, Fannie Mae und Freddie Mac hätten solche Darlehen direkt vergeben. Das können Fannie Mae und Freddie Mac laut ihren Statuten nicht und das behauptet auch niemand.
Die Politk hat hier nix “angerichtet”(…)
Was die Politik anrichtete war eine Mischung aus Interventionen, die einen gesunden Wettbewerb unter Finanzinstituten unterminierte. Ein IMHO nicht unangebrachter Vergleich wäre der Einsatz von Doping unter professionellen Radfahrern. Wenn einige anfangen, die Mittelchen anzunehmen und Erfolg haben, müssen andere es ihnen nachmachen oder sich zurückziehen. Der “Dopingcocktail”, den die Politik den Bankiers anbot wurde war die durch die Zentralbank unter Greenspan wuchernde Geldmenge, ihre Bestimmungen zu Teilreserven und die staatlich gestützte Abnahme der Eigenheimdarlehen durch Fannie Mae und Freddie Mac. Hinzu kam die Drohung der regulierenden Behörden und politischer Gruppen mit dem CRA.
Der Staat hat hoechstens nicht genau genug hingeschaut.
Der Staat in Gestalt seiner Zentralbank, Finanzkraturen (Fannie Mae und Freddie Mac) sowie der Buchstabensuppe an überwachenden Behörden (OFHEO, SEC, HUD, FDIC, OTS usw.) haben nicht nur sehr genau hingeschaut. Er hat durch seine Marktverzerrungen die Krise überhaupt erst heraufbeschworen. er verstand bloß nicht, was er da anrichtete und versucht nun, die Schuld für die Folgen seiner Inkompetenz anderen in die Schuhe zu scheiben. Da er sich dabei auf die Mithilfe der alten Medien veralssen kann, hat er auch einigen Erfolg.

john j, 17.11.2008 18:54

“Fannie Mae und Freddie Mac spielten generell nicht die Rolle der Erzeuger irgendwelcher Darlehen.”

Richtig – das waren die Privaten in ihrem “gesunden Wettbewerb unter Finanzinstituten”. Interest only loans, payment options loans, ninja loans usw – keine Finanzierungsform war zu absurd um nicht auf den Markt geworfen zu werden – eben WEIL Freddie und Fannie anfangs eben nur GSE standard loans uebernahmen (conforming vs non-conforming loans). Und genau hiermit nahm die subprime mortgage crisis ihren Lauf. Der Rest, wie die CDOs und MBSs in den Haenden von investment banks und dann Investoren landeten, ist ja bekannt. Dass Fannie und Freddie eine Rolle gespielt haben als sie dann non-conforming loans uebernahmen bestreitet keiner. Nur waren sie niemals der Ausgangspunkt der Krise. Wenn man lange genug an den Haaren zieht kann man sie natuerlich in den Mittelpunkt der Krise stellen.

“Hinzu kam die Drohung der regulierenden Behörden und politischer Gruppen mit dem CRA.”

Den CRA gibt es seit den spaeten 70ern und im Grossen und Ganzen hat er in rund 30 Jahren keine Probleme verursacht – bis 2008. Und wer glaubt eigentlich dass die USA mit dem Verweis auf den CRA eine auslaendische Bank wie bspw UBS dauz bringen kann hochriskante Darlehen zu vergeben bzw abzusichern? Wuerde die Bank nicht eher ihre US-Lizenz zurueckgeben als Milliarden in der Zukunft abschreiben zu muessen?

Und AIG wurde auch von der Regierung unter Druck gesetzt?

“…Buchstabensuppe an überwachenden Behörden (OFHEO, SEC, HUD, FDIC, OTS usw.)…”

Tja, trotz der Buchstabensuppe von FBI, ATF, Secret Service, DEA und state und local police gibt es in den USA immer noch bspw Einbrueche. Liegt das dann auch am Staat und ist das eine der “Folgen seiner Inkompetenz”? Oder vllt doch eher an den Einbrechern?

“Da er sich dabei auf die Mithilfe der alten Medien veralssen kann, hat er auch einigen Erfolg.”

Die Medien sind natuerlich auch von der Partie – eine gute alte Verschwoerung made in USA mal wieder. Das FBI macht auch mit, genauer gesagt die rund 180 Ermittler die momentan mit der Krise befasst sind…

jpj, 19.11.2008 11:31 Subscribed to comments via email

Ich schrieb:
> Was die Politik anrichtete war eine Mischung aus Interventionen, die einen gesunden Wettbewerb unter Finanzinstituten unterminierte.
John J schrieb:
(Die Erzeuger der Darlehen) waren die Privaten in ihrem “gesunden Wettbewerb unter Finanzinstituten”
Wenn Sie meinen, es hätte trotz der durch die Zentralbank wuchernde Geldmenge, trotz ihrer Bestimmungen zu Teilreserven, trotz der staatlich gestützte Abnahme der Eigenheimdarlehen durch Fannie Mae und Freddie Mac sowie trotz der staatlichen Quoten für Darlehen an bonitätsschwache Wähler noch ein “gesunder Wettbewerb unter Finanzinstituten” geherrscht, dann müssen Sie das schon begründen statt es einfach vorauszusetzen.
Was Tilgungsfreie Darlehen oder solche mit variablem Zinssatz angeht, diese waren Folge der Eigenheimblase, nicht deren Ursache: Als Eigenheimbesitzer sahen, dass der Wert ihrer Immobilien stieg, zapften einige von ihnen diese Wertsteigerung durch Hypotheken an; sie wählten hierzu Darlehen zu den günstigsten Zinsen, die sie fanden. Andere kauften teurer gewordene Eigenheime mit den billigsten Darlehen, die sie kriegen konnten. Es war nicht, wie Sie nahelegen, umgekehrt: Dass erst die Eigenheimbesitzer und -Käufer plötzlich massenhaft leichtsinnig wurden und dadurch die Eigenheimpreise hochtrieben.
Den CRA gibt es seit den spaeten 70ern und im Grossen und Ganzen hat er in rund 30 Jahren keine Probleme verursacht – bis 2008.
Es ist nicht so, dass der CRA und seine Durchsetzung 30 Jahre lang unverändert blieb. Tatsächlich lockerten die Banken ihre Bonitätskriterien zunächst nicht wie gewünscht. Der Staat änderte daher den CRA Ende der 1990er Jahre. Den Banken wurden nun konkrete Vorgaben über Darlehen an Bonitätsschwache Wähler gemacht und überprüft. Weiterhin konnten nicht nur abgewiesene Darlehensbewerber wegen CRA-Verstößen klagen, sondern auch Organisationen wie die o.g. ACORN. Diese traten den Banken gegenüber bald als “Vermittler” für CRA-Darlehen auf. Um die behördlichen Vorgaben zu erfüllen wurden CRA-Darlehen nun in einem sekundären Markt unter Banken gehandelt, z.B. von Bear Stearns. Fannie Mae und Freddie Mac erhielten von Behörden wie der HUD Vorgaben über das Volumen der CRA-Darlehen, die sie den Banken abnahmen. Ein Bericht der Fannie Mae Foundation lobte eine weitere Bank ganz besonders für ihre enge Zusammenarbeit mit Fannie Mae und bemerkte anerkennend, dass sie die “flexibelsten Bonitätskriterien anlegte, welche noch erlaubt seien.” Bei dieser Bank handelte es sich um Countrywide Inc, damals die größte private Hypothekenbank in den USA.
> Buchstabensuppe an überwachenden Behörden (OFHEO, SEC, HUD, FDIC, OTS usw.)
John J schrieb:
Tja, trotz der Buchstabensuppe von FBI, ATF, Secret Service, DEA und state und local police gibt es in den USA immer noch bspw Einbrueche. Liegt das dann auch am Staat und ist das eine der “Folgen seiner Inkompetenz”?
Es gab zahlreiche, frühzeitige Warnungen vor der Finanzkrise: beispielsweise hier, hier, hier, hier, hier und hier. Die Behördensuppe dagegen sah die Folgen ihrer Eingriffe nicht voraus, sondern heizte noch kräftig ein. Beispielsweise drängte die HUD aus politischen Gründen Fannie Mae und Freddie Mac immer wieder zur Ausweitung des CRA-Marktes.
Wenn Sie bei Ihrer Analogie bleiben wollen: Wenn FBI, ATF, Secret Service, DEA und state und local police Einbrüche nicht nur nicht verhindern, sondern sogar unterstützen durch z.B. Verzicht auf Streifendienst in nächtlichen Innenstädten oder Vororten, Verboten privaten Waffenbesitzes usw.; wenn währenddessen private Versicherer im Einzelnen eine Einbruchswelle vorhersagen; und wenn dann diese Welle wie vorhergesagt über die Menschen rollt: Würden Sie dann von Ihren Mitmenschen immer noch verlangen, Sie sollten sich unter den Schutz der genannten Behörden geben?
> Da (der Staat) sich (bei der Verschleierung seiner Verantwortung) auf die Mithilfe der alten Medien verlassen kann, hat er auch einigen Erfolg.
John J schrieb:
Die Medien sind natuerlich auch von der Partie – eine gute alte Verschwoerung made in USA mal wieder.
Es gibt keine Verschwörung zwischen alten Medien und Staat. Was es gibt ist eine gemeinsame Ideenwelt, in der sowohl Staat als auch weite Teile der alten Presse leben: Sie wissen besser, was gut für uns ist; wir können das nicht wissen, sondern können und sollen ihnen unbedingt vertrauen. Alles, was dieses Vetrauen in Staat und Medien stören könnte, schieben diese daher gerne beiseite. Das ist nur menschlich: Wenn die Konfrontation gewisser Tatsachen das Selbstbild (oder gar das Einkommen) in Frage stellt, dann werden diese Tatsachen nicht konfrontiert. Es ist daher nicht nötig, an eine organisierte Verschwörung zu glauben, um das Ausblenden der Rolle des Staates in den alten Medien zu verstehen.

john j, 19.11.2008 20:02

Was ich meine ist dass ein “gesunder Wettbewerb unter Finanzinstituten” (ihre Formulierung uebrigens) durch die absurden loan products, die die Privaten auf den Markt und an den Mann brachten gar nicht mehr existierte. Dass das eine Folge der Nichteinmischung des Staates in diesen voellig ausser Kontrolle geratenen loan market war, zeigt ein kurzer Blick nach Kanada wo CMHC eine aehnliche Rolle wie Fannie und Freddie spielt, und Immobilienpreise zwischen 2000 und 2006 aehnlich stark wie in den USA stiegen. Niedrige prime rates gab’s auch – nur die hochriskanten mortgages bzw loans, die gab’s nicht. Und daher gibt’s dort auch keine subprime mortgage crisis. Die Krise ist eine Folge der unserioesen Finanzierungsmodelle, die die Immobilienblase anheizten, und nicht umgekehrt. Dazu kommt noch dass diese unserioesen mortgages dann unter Zuhilfenahme aller moeglichen Buchhaltungstricks als serioese Wertanlagen umdeklariert wurden. Das Risiko wurde dabei bewusst verschleiert – was ja inzwischen vom FBI untersucht wird.

“…zapften einige von ihnen diese Wertsteigerung durch Hypotheken an; sie wählten hierzu Darlehen zu den günstigsten Zinsen, die sie fanden. Andere kauften teurer gewordene Eigenheime mit den billigsten Darlehen, die sie kriegen konnten.”

Richtig – und das ist schon seit dem Beginn von private homeownership so dass equity als Hebel fuer Darlehen genutzt wird und dass Kaeufer das billigste Darlehen suchen. dara ist nix falsch – ausser wenn auf einmal unseriose Modelle dafuer angeboten werden. Noichmal der Blick nach Kanada wo mortgages reguliert werden und viele dieser Modelle verboten sind.

Zu ihrem letzten Absatz: potato – potahto. Sie glauben dass irgendwie der Staat und die Masenmedien zusammenarbeiten weil sie angeblich eine gemeinsame Basis dafuer haben, und dabei die Wirklichkeit verzerren bzw umdeuten. Ich sage “Verschowerung” und sie sagen etwas in rund 100 Worten das aufs Gleiche rauskommt.

 
 
 
Parker8, 17.11.2008 20:57

Freddie and Fannie weren’t even securitizing subprime mortgages en-masse until 2005:

The subprime boom was led by investment banks and mortgage brokers, not by government-sponsored enterprises. Fannie and Freddie became unhinged in the middle of this decade when they tried to play catch-up. Their shareholders and managers pushed them to recover the securitization market share they had lost to unregulated investment banks getting absurd AAA ratings for packaging subprime dross. From 2005 to 2008, Fannie Mae purchased or guaranteed $270 billion in loans to risky borrowers — triple the amount in all its earlier years combined.

Source

 
Parker8, 18.11.2008 13:11

Fannie Mae und Freddie Mac spielten die Rolle staatlich gestützter Abnehmer und Verbriefer für Eigenheimdarlehen

Aber ab wann haben sie die schlechten Risiken verbrieft? –>

Freddie and Fannie weren’t even securitizing subprime mortgages en-masse until 2005:

The subprime boom was led by investment banks and mortgage brokers, not by government-sponsored enterprises. Fannie and Freddie became unhinged in the middle of this decade when they tried to play catch-up. Their shareholders and managers pushed them to recover the securitization market share they had lost to unregulated investment banks getting absurd AAA ratings for packaging subprime dross. From 2005 to 2008, Fannie Mae purchased or guaranteed $270 billion in loans to risky borrowers — triple the amount in all its earlier years combined.

Source

jpj, 19.11.2008 09:45 Subscribed to comments via email

Es verbleiben zu viele Schuldner, deren Kredit gerade einen Tick unter dem ist, was unsere Bonitätsprüfung verlangte und die dazu verurteilt wurden, bedeutend höhere Darlehensraten in dem sogenannten Suprime-Markt zu zahlen. (Franklin D. Raines, Vorstandvorsitzender von Fannie Mae im Jahre 1999)

Parker8 schrieb:
Aber ab wann haben sie die schlechten Risiken verbrieft? (snip Artikel zu Subprime)
Die Autorin des von Ihnen zitierten Artikels benutzt den Begriff ‘Subprime’, ohne ihn zu definieren. Wenn damit der Markt für Darlehen an Bewerber mit niedrigem Einkommen (LMI, ‘low- to moderate-income’) gemeint ist: Es ist das von der Politik ausdrücklich vorgegebene Ziel Fannie Maes und Freddie Macs, Darlehen für den Eigenheimkauf an diese Zielgruppe zu ermöglichen.
Im übrigen befand sich der gesamte Eigenheimmarkt der USA in einer Blase, nicht nur der LMI-Markt. Er befand sich in einer Blase, weil Fannie Mae und Freddie Mac – beides Kreaturen der Politik – eine aufgeblähte Nachfrage nach Eigenheimdarlehen erzeugten. Sie kauften den Banken solche Darlehen ab, die mir dem Erlös sofort neue Darlehen erzeugten, um diese wieder an Fannie Mae und Freddie Mac weiterzuverkaufen. Fannie Mae und Freddie Mac bündelten die Darlehen zu ‘Hypothekengestützten Verbriefungen’: den berüchtigten Mortgage Backed Securities.
Damit sie ihre Nachfrage nach Eigenheimdarlehen solchermaßen aufblähen konnten, wurden Fannie Mae und Freddie Mac von der Politik mit Privilegien ausgestattet, u.a. mit der impliziten Garantie, dass die Politik den Steuerzahler für Verluste geradestehen liesse – eine Garantie, die inzwischen explizit umgesetzt wurde. Diese Aktivitäten Fannie Maes und Freddie Macs auf dem Grossteil des Eigenheimmarktes – besonders auf dem LMI-Markt – wurden auf Druck der Regierung ab 1999 ausgeweitet. Diese Aktivitäten wurden zur Vorhersage der nun eingetretenen Krise herangezogen, und das lange vor 2005.
Was den Subprime-Markt angeht, der mit dem übrigen Eigenheimmarkt wucherte: Sicherlich könnte man den Banken vorwerfen, hier die ‘flexibelsten’ Bonitätskriterien anlegten, die gearde noch erlaubt waren. Die Bonitätkriterien, die die Banken für Eigenheimdarlehen anlegten, wurden jedoch aus politischen Gründen unterminiert. Sie wurden unterminiert, um Bonitätsschwache Darlehensbewerber zu dankbaren Wählern zu machen. Mittel hierzu war nicht nur die ausdrückliche Politik Fannie Maes und Freddie Macs, sondern auch die ‘Fair Lending’ Gesetze, welche den Banken Quoten für Eigenheimdarlehen an bonitätsschwache Bewerber auferlegten.
Die Banken reagierten auf die durch Fannie Mae und Freddie Mac aufgeblähte Nachfrage, auf die durch die Zentralbank planwirtschaftlich aufgeblähten Geldmenge sowie auf die Darlehensquoten der ‘Fair Lending’ Gesetz. Sie reagierten wie von der Politik gewünscht: Ein künstlicher Boom auf dem Eigenheimmarkt belebte die Konjunktur und erschuf dankbare Wähler.
Doch diese Verzerrungen wurden als Ursache einer Finanzkrise erkannt, z.T. lange bevor die Feststellung einer kommenden Finanzkrise in Mode kam. Warum sollen wir jetzt jenen Gehör schenken, die uns nachträglich die Krise erklären und verlangen, wir sollten dabei die Rolle Fannie Maes und Freddie Macs, der Zentralbank und der Fair Lending Gesetze übersehen?

 
 
 
 
 
Parker8, 15.11.2008 14:19

“A source of mild entertainment amid the financial carnage has been watching libertarians scurry to explain how the financial crisis is the result of too much government intervention, not too little. [...] But libertarian apologists fall wildly short of providing any convincing explanation for what went wrong. Like all true ideologues, they interpret mounting evidence of error as proof that they were right all along.”
J. Weisberg

Michel, 16.11.2008 22:26

Es ist reichlich schwachsinnig dennen, die die Krise vorhergesehen haben, vorzuwerfen ihre Weltanschauung sei in der Krise widerlegt worden.

 
 
jpj, 16.11.2008 22:47 Subscribed to comments via email

Für Beispiele von libertären Erklärungen dessen, was verkehrt lief statt blosser ‘Interpretation sich häufender Anzeichen von Fehlern als Beweis, das sie die ganze Zeit richtig lagen’ beschränke ich mich auf Erklärungen des Crashs, die abgegeben wurden, bevor er endlich eintrat

Es gibt solche Beispiele von Juni 2002 (Ron Paul), Oktober 2002 (Gary North), August 2003 (Christopher Meyer), Juni 2004 (Mark Thornton) oder Dezember 2005 (Stefan Karlsson). Zahlreiche Bücher wurden über das Warum und Wie der (damals noch) bevorstehenden Krise geschrieben, z.B. Bonner, William: Financial Reckoning Day oder Schiff, Peter D.: Crash Proof.

Alle diese Autoren haben zweierlei gemeinsam: einmal, sie folgten den Methoden Ludwig von Mises der Wiener Schule der Nationalökonomie. Zweitens, sie wurden von den alten Medien entweder ignoriert oder herablassend abgetan. Doch in der Zeit, die man braucht, um z.B. den oben zitierten Newsweek-Artikel zu lesen, kann man eine Google-Suche über Mises.org oder Lewrockwell.com durchführen und Artikel wie die oben verlinkten finden — wonach man IMHO wesetntlich besser informiert wäre.

Parker8, 17.11.2008 18:12

Ja, aber sind das nicht Leute, die at any given point in time den Crash voraussagen, solange nicht das G-G-G-Gold die Herrschaft übernommen hat?

jpj, 17.11.2008 22:14 Subscribed to comments via email

Parker8 schrieb:

Ja, aber sind das nicht Leute, die at any given point in time den Crash voraussagen, solange nicht das G-G-G-Gold die Herrschaft übernommen hat?

Wer weiss? Sie könnten natürlich ganz mutig die angebotenen Verknüpfungen anklicken und es selber herausfinden. Dabei würden Sie feststellen, dass nur der letzte der genannten Autoren einer Edelmetallwährung das Wort redet; und das mit Argumenten, die IMHO so einfach nicht zu widerlegen sind.
Was eine “Herrschaft” von “G-G-G-Gold” angeht: Keiner der Autoren verlangt, jenen eine auf Gold fussende Währung aufzuzwingen, die eine solche nicht gebrauchen wollen. Sie argumentieren stattdessen – zumeist an anderer Stelle – für ein freies Währungssystem, d.h. eines, in dem Anbieter die Freiheit haben, freiwilligen Einlegern Tauschmittel ihrer Wahl anzubieten. Sie begründen, dass in einem solchen freien System Gold und/oder Silber sich als universelle Tauschmittel durchsetzen würden.
Mit anderen Worten: Wenn Sie, Parker8, und genügend andere das heutige Bankensystem bevorzugen, dessen Währung auf Schuldscheinen des Staates fusst, dann sollen Sie diese Freiheit haben. Sie könnten wie bisher solches Nominalgeld von Banken annehmen die von einer Planwirtschaftlich steuernden Zentralbank gestützt werden.
Doch der Staat solle nicht mehr die Gewalt haben, friedliche Bürger zur Annahme seines Monopolgeldes zu zwingen. Wie erwähnt würde dann sehr wahrscheinlich die Mehrheit sicheres, nicht endlos vermehrbares Geld bevorzugen, und das wäre aus verscheidenen Gründen am besten ein Goldwährung. Dann würde der Staat im Bankensystem keinen garantierten Markt mehr für seine Schulden finden. Dann müßte der Staat sich jener Disziplin beugen, die freie Marktteilnehmer leichtfertigen Schuldnern auferlegten.
Und genau deswegen wird die Politik mit ihren Hofökonomen und Schoßjournalisten ein solches System niemals freiwillig erlauben. Stattdessen tut sie alles, um die durch sie erzeugte Krise als Krise eines “zu freien” Währungssystems hinzustellen. Es ist unsere Entscheidung, ob wir ihr das erlauben wollen.

 
 
 

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