Guido Westerwelle [1] forderte einst den Abschied von der Gesässgeographie – und zielte in den 1990ern damit auf eine Abkehr vom Bindestrich-Liberalismus. Er meinte damit die Bindestriche mit denen sich Liberale selbst zurechtstutzen und als LinksLiberal, RechtsLiberal, WirtschaftsLiberal, NationalLiberal, GesellschaftsLiberal, SozialLiberal, NeoLiberal, OrdoLiberal, RadikalLiberal, LiberalImEigentlichenSinne, KlassischLiberal, (Erstaunlicherweise gibt es kein ÖkoLiberal)… bezeichneten.

In seinem Buch „Neuland – Einstieg in einen Politikwechsel“ wendet sich der damalige Generalsekretär der F.D.P. gegen das Rechts-Links Denkmuster und verwendet stattdessen ein Dreieck mit den Ecken Gleichheit – Freiheit – Ordnung. Liberale sitzen hauptsächlich im Freiheitseck, Konservative im Ordnungseck und Sozialdemokraten im Gleichheitseck.

So ein Dreieick macht deutlich, dass Liberale nicht zwischen Konservativen und Sozialdemokraten stehen, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite, sondern immer gleichweit von diesen entfernt.
Politische Mehrheiten ergeben sich wahlweise mit den einen, wahlweise mit den anderen Ecke des gleichseitigen Dreiecks.

Individuelle Positionen sind nie eindeutig in der Spitze, sondern oft auf den Kanten und im Inneren des Dreiecks anzufinden. Die einzelnen oder individuellen Positionen haben immer Anteile aller drei Werte, nur überwiegen bei Liberalen die Anteile der Freiheit vor den Anteilen von Gleichheit oder Ordnung.

Dennoch ist es mitunter sinnvoll, Begriffe weiterzuentwickeln und Unterschied zu herauszuarbeiten. Etwa dann, wenn der Begriff ‚liberal‘ nicht mehr scharf und als eigenständige Ecke wahrgenommen wird. So hat sich in den letzten 10 Jahren die Begriffe KlassischLiberal, RadikalLiberal oder aus den USA, Libertär eingebürgert, um die Menschen an und in der Nähe der Spitze „Freiheit“ des Dreieck von denen weiter im inneren abzugrenzen.

Die eifrei hat dieser Dreiecksform jahrelang mit dem Untertitel Marktplatz für Liberalismus, Anarchismus und Kapitalismus Rechnung getragen.

Leider scheint [2] der damit verbundene Konsens, gegen den Staat als Ausueber von Zwang zu sein, nicht mehr zu gelten. Die Eifrei hat sich entschieden, die Kante Freiheit-Ordnung zu besetzen und die Kante auf der sich LinksLibertäre mit „unordentlichen Lebensentwürfen“ tummeln nicht mehr miteinzubeziehen.

Dies hat sich die letzten Monate, vielleicht auch Jahre angedeutet – ich will mir nicht anmassen, diesen Kurswechsel zu bewerten, zu begrüssen oder zu verdammen, auch mein Abo kündige ich nicht. Es ist aber schade, denn es sollte dem Markt, der Evolution, dem Zahn der Zeit überlassen bleiben, ob sich in einem RadikalLiberalen Umfeld eher konservative oder eher progressive (alternative) Lebensmodelle durchsetzen.

Und solange keine Richtung mit Zwang die andere bekehren will, haben wir Liberale doch auch kein Problem damit?

[1] Guido Westerwelle, Neuland, Econ Verlag, 1996
[2] Andre Lichtschlag, ef-online, Libertäre: Abgesang auf eine „Bewegung“