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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Das eigentliche Problem des Herrn Steinbrück

M.M., 20.11.2008

Zahl deutscher Zuwanderer bricht alle Rekorde: Über 14’000 Deutsche sind innerhalb eines Jahres in den Kanton Zürich gezogen. Allein im Zeitraum von August 2007 bis August 2008 sind laut dem Bundesamt für Migration in Bern 14 332 Deutsche in den Kanton Zürich gezogen.

Und es kommen die Besten: Mehr als 1’300 Unternehmer, Direktoren und leitendende Beamte, gut 300 Ärzte, 600 weitere Angehörige aus Pflege- und Gesundheitsberufen, plus 240 Professoren und wissenschaftliche Assistenten liessen sich im letzten Jahr im Kanton Zürich nieder. Überhaupt befinden sich unter den Deutschen besonders viele Angehörige spezialisierter Berufe.

Doch nicht nur Zürich, auch Basel-Stadt erlebt einen Einwahnderungsboom aus dem Nachbarland. Erstmals wurde der Negativsaldo bei der Einwohnerzahl der letzten Jahre in ein Plus gedreht. Guess why.



65 Kommentare zu “Das eigentliche Problem des Herrn Steinbrück”

  1. jpj

    In der Schweiz herrscht Freiheit und somit Wohlstand. Deutschland dagegen gehört zur EU. Der Schweiz widerfährt jetzt das, was Westdeutschland bis zum August 1961 erfuhr: die Fleissigen und Gebildeten, sprich: Produktiven, machen ‘rüber.

    Um diese Entwicklung anzuhalten gäbe es zwei Möglichkeiten: entweder die Schweiz tritt selber dem Brüsseler Pakt bei, oder sie wartet darauf, dass Merkel erklärt, niemand habe vor, eine Mauer zu bauen.

  2. Medea

    Kein Wunder, dass sich Herr Steinbrück ärgert.

    Nur, was halten die Schweizer selbst von dieser “Einwanderung”? Wie ich gelesen habe, sind sie nicht begeistert von der “Germanisierung”.

  3. Lina

    Das eigentliche Problem des Herrn Steinbrück

    Sie schiessen sich ein ((-: ?

    Gut, Steuerausfälle. Aber sollte nicht eher der Arbeitsminister alarmiert sein, ist er nicht zunächst der Geschädigte, wenn ihm die Schweiz noch die wenigen Fachkräfte abwirbt, die seine AA aufzubieten hat? Wie ich (im Kommentarbereich) lese, ergeht nicht selten ein werblicher ‘Ruf’ von Schweizer Firmen und/oder Unis, was wiederum bedeuten würde, dass die Schweiz den eigenen Bedarf nicht decken kann. Nicht so doll für’s Schweizer Image, oder ;) ?

  4. drbuffo

    “Den eigenen Bedarf nicht decken zu können” gilt gemeinhin als sicherer Indikator für eine gediegene Wirtschaftslage.

    Steinbrück degeniert aber in der Tat immer mehr zur Witzfigur, seine Appelle für weltweite Konjunkturprogramme bspw. sind sehr bemerkenswert. Zudem scheint er irgendwie auch Merkel am Kostüm zu haben, LOL.

  5. Lina

    Was heisst das: *Merkel am Kostüm haben*?

    (Falls so ernste Fragen an Buffo-Doktores überhaupt erlaubt sind … ;)

  6. drbuffo

    Merkel degeneriert anscheinend in den sozialdemokratischen Etatismus, vermutlich ist sie dem eckigen Charme des Hamstergesichts erlegen.

  7. Lemmy Caution

    Gibt Deutsche, mit denen ich zusammenarbeite, die in der Schweiz gearbeitet haben. Ausserdem hatte ich letztes Jahr einen Schweizer Kunden, den ich aber nie face to face getroffen hab.
    Positiv wird vermerkt, dass die Bezahlung im Verhältnis zur erwarteten Arbeitsleistung sehr atraktiv ist. Problemlos ist nur, dass das Leben eben nicht nur aus Arbeit besteht und privat werden viele in der Schweiz nicht glücklich.
    Steinbrücks Bemühungen um eine Harmonisierung der Bankengesetzgebung find ich gut. Mit dieser Meinung werd ich mir hier aber keine Freunde machen ;-)

  8. Dagny

    Eine einheitliche Bankengesetzgebung wuerde ich auch begruessen.

    Bankgeheimnis und Nummernkonto fuer alle und nicht nur die reichen Bonzen!

    *lol*

  9. Lemmy Caution

    … dafür gibts keine Mehrheit

  10. drbuffo

    LOL, aber mal davon abgesehen, das was hier durchscheint ist der Glaube daran dass man 1.) viel regulieren sollte und wesentlich interessanter, 2.) durch Standardisierung von Normen und am besten gleich weltweiter Angleichung Positives wird erreichen können.

    Dieser Internationalismus, der insbesondere in der BRD, aber auch in anderen europäischen Ländern sehr verbreitet ist, ist auf einen Denkfehler zurückzuführen. Da stellen sich welche vor, dass es dem Weltsystem gut gehen würde, wenn die Standards internationalisiert sind und eine Weltregierung (mit ein wenig Föderalismus) herrscht, das Gegenteil ist der Fall, unterschiedliche Systeme werden immer miteinander konkurrieren müssen. Standardisierung führt zu Stagnation und natürlich auch zu Ausbrüchen aus dem Zwang.

  11. john j

    Vielleicht aendert sich ja alles wieder wenn das Volksbegehren fuer das Verbot der Zulassung von SUVs und anderen emissionsstarken Automobilen in CH Erfolg hat – oder die Deutschen lassen dann einfach ihre SUVs in D zu waehrend die Schweizer auf Golfs und Minis umsteigen muessen.

  12. Lina

    …mir hier aber keine Freunde machen ;-)

    Doch, mich. Da ich in jeder Beziehung für Harmonisierung bin, soll sie m. E. auch für die Bankengesetzgebung gelten. Enklaven wie die Schweiz, Liechtenstein oder Monaco etc. leisten der Steuerhinterziehung Vorschub, der ich – solange Steuern genommen werden – keinerlei Sympathien entgegenbringe; nicht mal Schadenfreude dem ausgetricksten Einzieher gegenüber verspüre ich da … geschweige denn Neid angesichts der belohnten Trickser.

    Schliesslich fehlt doch das Geld dem bestehenden Gemeinwesen, in dem es (unter Einsatz und auf Kosten ‘dritter’ Zahler) erwirtschaftet und dem es entzogen wurde und dem es nicht mehr nützen kann. Natürlich setze ich voraus, dass es sinnvolle Verwendung findet … ‘will’ allerdings mehr davon ausgehen, als ich es tatsächlich kann…

  13. Lemmy Caution

    Standardisierung führt zu Stagnation und natürlich auch zu Ausbrüchen aus dem Zwang.

    Wegen mir können Leute, die keine Steuern zahlen wollen in die Raumfahrt investieren und Kolonien auf dem Mond oder Mars gründen.

  14. DDH

    off topic: Gratuliere zum Rücktritt Eures EU/NATO-hörigen Berner Kollaborateurs Sämi Schmid!!!

  15. Florian

    Lina:

    “Da ich in jeder Beziehung für Harmonisierung bin,”

    Ach ja, wirklich?
    Na, dann werden wir mal konkret:
    Wie wäre es mit Harmonisierung im Arbeitsrecht?
    Auch noch dann dafür, wenn die weltweite Angleichung sich sagen wir mal an der amerikanischen oder an der chinesischen Rechtslage orientiert?

    Oder ist Angleichung dann auf einmal nicht mehr so klasse, wenn das auch einmal bedeuten kann, dass sich wir Deutsche an das Ausland angleichen müssen?

  16. drbuffo

    Wer keine oder wenig Steuern zahlen will geht nach Delaware, in die Schweiz oder woanders hin.
    Dir (und den Sozen) ists egal, es kommen ja auch viele rein nach D, das kompensiert sich alles, LOL.
    (Q: Steuerwettbewerb? – A: Nö, wir exportieren einfach unsere Standards.)

  17. Lina

    Zu dumm aber auch von mir, dass ich den Smiley dahinter vergessen habe … da kommt er: ;-)

    Um konkret zu werden: Harmonisierung übersetze ich eher mit ‘Annäherung’, und in einem Rechtsstaat westlicher Prägung gehe ich davon aus, dass Globalisierung national erkämpfte soziale Rechte nicht aushebeln kann. Globale Geldgeschäfte aber verlangen m. E. neue, gemeinsam vertretbare Standards – als Resultat aus einer jüngst geplatzten Blase …

  18. drbuffo

    Aber Du hast schon die hier nahe- und dargelegten Analysen zur amer. Bankenkrise um den
    http://en.wikipedia.org/wiki/Community_Reinvestment_Act
    zur Kenntnis genommen?

  19. Dagny

    In einem liberalen Staatswesen würde Eigentum und Bankgeheimnis eine Selbstverständlichkeit sein und Verfassungsrang haben. Ein Grundrecht, dass auch dann Bestand haben muss, wenn sich eine Mehrheit dagegen ausspricht.

  20. john j

    Die USA schreiben dann “life, liberty, secret bank accounts, and the pursuit of happiness” rein, und Deutschland “Die Wuerde des Menschen und seine Bankkontodaten sind unverletzlich”…

    Allein schon die Tatsache dass rund 90% aller etablierten Demokratien nie daran gedacht haben das Bankgeheimnis in den Verfassungsrang zu heben sollte zu denken geben – wenn man vor lauter Ideologie noch kann.

  21. David Harnasch

    Andersrum wird ein Schuh draus: Die Existenz der Steuerparadiese sorgt grade dafür, dass Du es hier noch einigermaßen aushalten kannst. Wenn es keine Konkurrenz durch die Schweiz etc. gäbe, würden die EU-Finanzminister völlig durchdrehen. Selbst wenn Du selbst gar nicht erwägst, dorthin zu ziehen bzw. Dein Vermögen dorthin zu verlagern, schützt Dich alleine die Möglichkeit dazu vor den allerschlimmsten Auswüchsen der Fiskalpolitik.

  22. Lina

    Wenn es keine Konkurrenz durch die Schweiz etc. gäbe, würden die EU-Finanzminister völlig durchdrehen.

    Meinst Du? Das glaube ich nicht. Gäbe es die ‘etc.’s nicht, dann hätten sie doch gar keine Veranlassung dazu, ausser Landes nach hinterzogenen und/oder transferierten Steuergelder zu fahnden …

    Übrigens: unter dem Kopfkissen ist immer noch beste Platz; der ist total privat ;-) …

  23. xela

    Es ist wirklich traurig, wie die Bürokratie in Deutschland unsere Wirtschaft zugrunde richtet. Mit Bürokratie nicht nur staatliche Bürokratie, sondern alles, was in die Arbeit in Deutschland mit sich bringt: Personal- und Managementabteilungen zum Beispiel. Die vergessen manchmal, dass sie zum Unternehmenserfolg im Prinzip nichts beitragen. Und Manager sind keine Unternehmer mit einem gewissen Visionen. Diese Abteilungen aber sind sehr arrogant; man muss sich nur mal als Hochschulabsolvent, als frischgebackener Diplominformatiker, bewerben.

    Ich krieg es ja mit, dass selbst Marktführer nicht den Schneid haben, einen anständigen Informatiker und Programmierer anzustellen, sondern lieber mit “Hobby”-Programmierern arbeiten, die nicht mal die grundlegensten Eigenschaften z. B. von Java kennen, aber Java einsetzen. Hat man Angst, jemanden einzustellen, der seine Kollegen in der Pfeife raucht? Gibt es eigentlich in anderen Ländern den Terminus “überqualifiziert”?

  24. F.Alfonzo

    Das schöne in der Schweiz ist ja, dass sich die Leute relativ gewaltig und kurzfristig gegen Politik wehren können, die ihnen nicht gefällt, da sehe ich kein Problem.

    Fakt ist aber, wie im Beitrag erwähnt, dass i.d.R. solche Leute in die Schweiz auswandern, die dort gerne gesehen sind.
    Der DDR-Vergleich passt eigentlich ganz gut: Wer nix kann, bleibt daheim und lässt sich vom Sozialismus aushalten; die anderen, die vom Sozialismus ausgebeutet würden, suchen halt das Weite.

    Es ist (noch) nicht so extrem wie in der DDR, aber m.E. deutet alles darauf hin, dass es in Zukunft in Deutschland in diese Richtung gehen wird.

    Ich werde dann in der Schweiz leben und arbeiten (falls mich die einschlägigen Karibik-Staaten nicht haben wollen:-))

  25. xela

    Sehe auch so:

    Warum sollte ein Bankkonto einen so hohen Schutz genießen? Natürlich sollte nicht jeder Finanzbeamte da hineinschauen können, aber was manche Fundamentalisten da verlangen, finde ich übertrieben. Wir nehmen ja auch Hausdurchsuchungen mit richterlicher Erlaubnis hin und es gibt gute Gründe dafür. Trotzdem sollte die Wohnung primär geschützter Bereich sein.

    Gegen Steuerhinterziehung hilft eigentlich nur die Schaffung von Transparenz im Steuerrecht und die Reduktion der allgemeinen Steuerlast. Der Bürger hat heute immer den Eindruck, dass er mehr zahlt, als er müsste. Leute, die sich Steuerberater leisten können, haben es da schon einfacher, aber selbst die transferieren ihr Geld nach Lichtenstein.

  26. F.Alfonzo

    @ Lina:

    Erstens ist es extrem gut für die Schweiz, wenn sie mehr Arbeitskräfte suchen als zur Verfügung stehen; das zeigt, dass die Wirtschaft (und offensichtlich, wenn ich dir glauben darf, auch die Forschung) dort funktioniert und führt indirekt zu Lohnerhöhungen der Einheimischen.
    Letztendlich genau das, was in Deutschland immer beklagt wird.

    …und, grundsätzlich:
    Alarmiert sein sollte jeder Minister, wenn er solche Auswanderungszahlen sieht. Aber aus Gründen, die ich nicht nachvollziehen kann (vermutlich eine Mischung aus Populismus, Lügen und Wahlkampf) passiert folgendes:

    Anstatt dass man realisiert, dass das System in Deutschland für ‘Supderduperqualifizierte’ uninteressant ist, versucht man, die Staatsausgaben aus den noch verbleibenden Bürgern rauszupressen. Das führt halt zu einer Auswanderungswelle enorman Ausmaßes und damit auch zu einer Verstärkung der Probleme, die es in Deutschland sowieso schon gibt. Wer soll denn die Rentner und Arbeitslosen bezahlen, wenn jeder Gutverdiener abhaut, weil er nicht geschröpft werden will?

    Ich kapier’s einfach nicht. Hätten wir nur annähernd ein System wie in der Schweiz (mit Steuerwettbewerb und Privatsphäre), hätte kein Millionär einen Grund, in die Schweiz auszuwandern.
    Un würde man das ‘Gesundheitswesen’ dergestalt reformieren, dass es dort wieder sowas wie Wettbewerb geben würde, dann würden z.B. nicht alle Ärzte reihenweise aus Deutschland abhauen.

    Off-topic: Ein guter Freund von mir ist Mediziner, er wohnt inzwischen in Kanada. Ratet mal, was der Mann im deustchen Krankenhaus für einen Stundenlohn hatte? Dafür geht kein Hartz IV-Empfanger auf die Baustelle.

    Done ranting.

  27. xela

    Glaubst du wirklich, dass Steinbrück so intelligent ist, auf den Druck durch Steuerparadiese angemessen und intelligent zu reagieren. Wenn der Betreiber einer Imbissbude merkt, dass immer weniger Kunden kommen und dann auch noch die falschen, geht er entweder pleite oder er verändert etwas, z. B. wird freundlicher, raucht nicht mehr vor den Kunden Zigaretten oder macht mehr Körperpflege. Steinbrück dagegen wird noch unfreundlicher.

  28. Lemmy Caution

    Im Hinblick auf Argumentationen wie der deinen hab ich den Eindruck, dass Wettbewerb ein genauso unscharfer Begriff wie Neoliberalismus im linken Feld wird.
    Steuergesetzgebung dient nicht nur dem Zweck, ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum zu ermöglichen, sondern auch den Wettbewerb letztlich dadurch zu fördern, dass ähnliche Ausgangsbedingungen für unterschiedliche Schichten geschaffen werden.
    Die Schweiz und ähnliche Kleinstaaten sind Trittbrettfahrer, die dadurch einen hohen Wohlstand bei recht weichen Leistungsanforderungen für ihre Bürger erzielen, indem sie durch in anderen Ländern illegales Verhalten 30% aller Privatvermögen attrahieren.
    Der effektivere Wettbewerb sähe ich in der möglichst nachhaltigen Durchsetzung der Steuergesetzgebung zwischen verschiedenen Staaten.
    Liechtensteiner Banken diskriminieren ja bereits geographisch, indem sie US-Steuerbehörden mit Informationen versorgen, europäische aber nicht.

  29. Medea

    “Oder ist Angleichung dann auf einmal nicht mehr so klasse, wenn das auch einmal bedeuten kann, dass sich wir Deutsche an das Ausland angleichen müssen?”

    Vor allen Dingen dann nicht, wenn die Angleichung schlechter für uns ist. Dann ist das Teufelszeug ;-)

  30. Medea

    “Die Existenz der Steuerparadiese sorgt grade dafür, dass Du es hier noch einigermaßen aushalten kannst. Wenn es keine Konkurrenz durch die Schweiz etc. gäbe, würden die EU-Finanzminister völlig durchdrehen.”

    Das sehe ich genau so. Es gehört aber zur deutschen Romantik anzunehmen, die Finanzminister geben das Geld sinnvoll aus.

    Und wenn versteuertes Geld nochmal versteuert wird wie bei Sparguthaben, Erbschaftssteuer etc., dient ein Steuerparadies schon allein zur Kapitalsicherung.

  31. drbuffo

    Bzgl. der Schweiz haben wir durchaus eine ähnliche Meinung, allerdings ist die Sichtweise, dass es das _Recht_ anderer Länder ist andere Steuergesetzgebungen zu haben, nicht zu widerlegen.
    Es sei denn man holt die Wehrmacht raus, LOL. Du setzt wohl eher auf die rote Armee.

  32. drbuffo

    “Wenn es keine Konkurrenz durch die Schweiz etc. gäbe, würden die EU-Finanzminister völlig durchdrehen.”

    LOL, wenn man nicht mehr weg kann, dann haben die FM Dich endgültig, klingt logisch.

  33. drbuffo

    “attrahieren” für “anziehen” ist aber ziemlich sick.

  34. quer

    “…Und wenn versteuertes Geld nochmal versteuert wird wie bei Sparguthaben, Erbschaftssteuer etc., dient ein Steuerparadies schon allein zur Kapitalsicherung.”

    Völlig richtig!
    Wenn angesichts der erneut verfassungswidrigen Erbschaftssteuerphantasien es z.B. mittelständische Familienunternhmen (gleich welcher Größe) immer noch in D. festhält, muß man bei den Eigentümern und deren potentiellen Erben auf ein gerüttelt Maß an Masochismus und auch Verantwortungslosigkeit schließen. Mit Vernunft hat das jedenfalls nichts mehr zu tun.

  35. Medea

    In Österreich wurde die Erbschaftssteuer abgeschafft, weil sie zuviel Bürokratie mit sich bringt. Und einige deutsche Unternehmer haben schon ihren Wohnsitz nach Österreich verlegt.

    Wie will man beispielsweise bei der Erbschaftssteuer den Wert eines Hauses ermitteln?
    Angenommen, das gleiche Haus steht in Niedersachsen auf dem Land, das andere in München Stadt. Der Wert ist dann sehr unterschiedlich. Bei der Erbschaftssteuer werden die Anwälte sicher das meiste Geld verdienen ;-)

    Und Betriebe sollen 10 Jahre oder 15 Jahre? weiter betrieben werden, ansonsten müssen sie Erbschaftssteuer zahlen. Und was passiert, wenn der Betrieb nach 5 Jahren Pleite geht?

    Ich denke mal, Österreich hat nicht umsonst die Erbschaftssteuer abgeschafft. Es ist ja nicht so, als wolle der dortige Staat nicht auch gern Steuern einnehmen. Offensichtlich lohnt es sich aber nicht, Erbschaftssteuer zu erheben.

  36. drbuffo

    Die Erbschaftssteuer ist bekanntlich ineffizient, wird aber bspw. auch in CDU-Kreisen gerne gesehen. Die Idee ist – wie bei den progressiven Steuersätzen – langfristig soziale Ungleichheiten einzuebnen. Stichwort: soziale Gerechtigkeit

  37. Rayson

    Einfach nur Geld zu kassieren und anderes auszugeben, trägt aber auch nicht zwangsläufig zum Unternehmenserfolg bei. Da braucht es schon ein paar Leute, die ein Auge darauf haben…

  38. Rayson

    “Warum sollte ein Bankkonto einen so hohen Schutz genießen? ”

    Warum sollte die Privatsphäre einen so hohen Schutz genießen?

    Ich würd’s ja auch nicht gerade zuerst am Bankkonto festmachen, aber das gehört eben auch dazu.

  39. Rayson

    Wer in Sachen Steuern von “die Schweiz” redet, sollte sich vielleicht nochmal kundig machen…

    Das Ganze hat nicht nur formal mit Steuern, sondern auch mit Dezentralität und Selbstbestimmung zu tun.

  40. Rayson

    “Einebnen” passt sehr gut. Viel besser als “soziale Gerechtigkeit”, ein Begriff, der konkretisiert komischerweise immer auf “Ergebnisgleichheit” hinausläuft.

  41. drbuffo

    Gerechtigkeit kommt ja von Richtigkeit. Damit das auch wirklich jeder vergisst hat die pol. Linke das Konzept der “sozialen Gerechtigkeit” entwickelt, also soz. eine subjektive Komponente eingebracht. Der Linke bestimmt wann etwas “gerecht” ist, dabei droht er gerne auch mit dem “sozialen Frieden”, der auch konzeptionell bemerkenswert ist.

  42. Dagny

    Achja. Steuern sind ohnehin Diebstahl, eines der Mantras die wir hier gelegentlich vor uns hertragen. :)

  43. Lemmy Caution

    Lieber Dr:
    in sooo vielen Bereichen ist die nationalstaatliche Gesetzgebung gebunden an internationale Verträge.

    @raison:
    diese schöne Dezentralität und Selbstbestimmung führt doch nun echt zur Gettoisierung.
    Da fühlt sich ein Enterprise Software Freelancer mit durchschnittlichen monatlichen Einkünften von 7 bis 8 tausend € als Proletariat. Die “kostengünstige” 2-Zimmerwohnung kostet 1.400 €.
    Leute mit niedrigerem Einkommen können sich das Leben in bestimmten Kantonen gar nicht mehr leisten.

    Ich halte das für nicht so erstrebenswert.

  44. drbuffo

    Nunja, der gemeinte Punkt ist wohl der, dass die Schweiz generell Steuerhinterziehung nicht als Straftat wertet und keine internationale Amtshilfe leistet, selbstverständlich gibt es dort ganz beträchtliche Unterschiede bei der Besteuerung, es gibt dort ja auch Linke.

  45. drbuffo

    Wer Lust hat kann sich auch folgenden “gut leserlichen” Text reinziehen:
    http://www.abrakat.de/main/05_mandanteninfo_det.asp?Nummer=164

  46. Rayson

    Leute mit niedrigerem Einkommen können sich das Leben in bestimmten Kantonen gar nicht mehr leisten.

    Hat München niedrigere Steuern als der Rest Deutschlands?

    Aber mal ehrlich: Dass eine höhere Besteuerung dazu dienen soll, Reiche fernzuhalten, ist ein ungeheuer originelles Argument.

  47. drbuffo

    Was ist denn ein “Enterprise SW Freelancer”?

  48. Lemmy Caution

    Jemand, der als Freelancer sein Geld damit verdient, dass er im Laufe der Zeit eine Art Intuition entwickelt hat, die es ihm ermöglicht mit im Laufe der Jahre völlig verbauten und unnötig verkomplizierten Softwareprodukten so zu agieren, dass Budgetverantwortliche glauben, er stellt etwas damit an, das ihnen nutzt.

  49. drbuffo

    Ja, exakt. Das “Enterprise” hat mich etwas hellhörig werden lassen. Gute IT-Systementwickler sind natürlich immer auch Philosophen und in gesellschaftlicher Hinsicht Hochleister.

    “Enterprise” riecht stark nach Herstellung von Abnehmerzufriedenheit und Marketing, es gibt nur sehr wenige, die sich so bezeichnen.

  50. Lemmy Caution

    Ist es eigentlich liberal, wenn man zu allen Themen direkt eine Wertung hat?

  51. drbuffo

    Sacharbeit lebt von Wertungen und Meinungen, wichtig ist die Distanz zur eigenen Meinung, das Wissen um die eigene Fehlbarkeit. Aber Du hast recht, kompetitiver Kommunikationsstil wird in D wenig gepflegt (was auch dadurch zum Ausdruck kommt, das kein deutsches Wort dafür da ist).
    Lass Dich nicht nerven!

  52. Lemmy Caution

    Kein Problem. Vielleicht haben wir eine ähnliche Mentalität.
    Rote Armee seh ich als “batch of honor” im deutschen politischen Internet.
    Nachdem ich schon als “Schäubler on Crack” bezeichnet wurde und andere mich als Provokateur neoliberaler Netzwerke zu enttarnen glaubten. Ich sag das ohne Ironie: Danke dafür.

    Ich benutze Enterprise IT sehr verschieden: ironisch als verwurstet und überteuert.
    Kann aber auch bedeuten, dass man sich die Zeit nimmt und ernsthaft über Administrierbarkeit, Ausfallsicherheit, Sicherheit, Integrierbarkeit, Robustheit nachdenkt.
    Oder beides zusammen :-)

  53. drbuffo

    Wenn ich noch ergänzen darf: Die meisten IT-Systeme leiden unter schlechter Wartbarkeit, immanenten Einschränkungen bzgl. der Weiterentwicklung und natürlich auch schlechter Skalierbarkeit.
    Ursächlich hier in der Regel der Abnehmer, der unfähige Manager, der Hey-Joe Entwicklungsarbeit wünscht, dabei aber nicht einmal weiss was er will. Diese “Enterprise Manager” sind sehr verbreitet, ich bin sogar geneigt ein grundsätzliches Missverstehen zwischen Abnehmern und Entwicklern festzustellen.

    BTW – Telegehirn hat Dich mehrfach gelobt.

  54. EconProf

    Viele Deutsche wandern zwar nicht aus, sondern werden Schweizer i.K (im Konto): Ich fand diesen Ausdruck herrlich, stammt er doch von unserem Freund Don Alphonso (http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1270652/), der in seinem blog offen seine Kapitalflucht schildert…..
    Die Schweiz scheint somit auch unter Linken (well, unter Linken, die genuegend Geld haben) Freunde zu finden!

  55. neocool

  56. Lemmy Caution

    Die Weichheit von IT-Systemen gegenüber nicht-funktionalen Anforderungen werden eigentlich durch menschliche Schwächen aller beteiligter Akteure verursacht.
    Menschen neigen halt dazu, komplexe Anforderungen dadurch zu vereinfachen, dass bestimmte aktuell nicht so sichtbare Anforderungen unter den Tisch gekehrt werden. Das machen Entwickler, Projektmanager oder Kunden. In bestimmten Phasen ist das sogar sinnvoll. Es ist aber schwierig, zu dem richtigen Zeitpunkt die entsprechenden nicht-funktionalen Anforderungen ausreichend getestet umzusetzen.

  57. drbuffo

    Niemand hat etwas gegen gelegentliches marktnahes “Hey Joe”, aber nach meinen Erfahrungen sind IT-Systeme oft im Kern verhunzt. Das liegt bspw. daran, dass die mitspielenden Entitäten von Anfang an falsch designt worden sind. Und der Grund dafür wiederum ist oft, dass die Anforderungslage bereits zu Projektbeginn unklar/dynamisch war.
    Zudem wäre es hilfreich, wenn die Abnehmer IT-Sacharbeit und IT-Sacharbeiter langsam beginnen würden ernst zu nehmen. Da gibts Mängel, das meinte ich.

  58. xela

    Aber wirklich den absoluten Schutz? Tatsache ist, dass in Wohnungen und mit Bankkonten Verbrechen begangen werden. Der Wohnraum ist laut GG geschützt, kann aber auf richterlichen Beschluss ausgesetzt werden. Genau das stelle mir für Bankkonten auch vor. Ich will ja gerade nicht, dass jede Finanzbeamte einfach so Zugriff hat, ich will aber auch nicht, dass man Geldwäschern, Drogenhändlern und Betrügern Unterstützung leistet durch eine Restriktivität, wie sie in Lichtenstein oder in der Schweiz vorherrscht.

  59. Medea

    @xela

    Und du klaust Liechtenstein immer das “e”. Gönn ihnen doch noch den richtigen Namen ;-)

    Im übrigen darf hier das Finanzamt Konten einsehen und die Zahl, die an Bankkonten eingesehen werden, erhöht sich ständig.

    Auch bei Abhörung von Telefonen wurde uns erst gesagt, das gilt nur für Kriminelle. Diese Abhörung von Telefongesprächen hat sich seit den Anfängen auch erheblich erhöht. Du musst halt nur bestimmte Wörter sagen, dann geht schon eine Maschine an.

    Und die Überwachung schreitet weiter, bis alle Bürger kontrolliert werden, ohne dass sie das wissen. Der Staat misstraut seinen Bürgern, daher ist ihnen auch das Internet ein Dorn im Auge.

    Liberal ist eine immer stärker werdende Kontrolle der Bürger jedenfalls nicht.

  60. Lemmy Caution

    Du erscheinst mir diesbezüglich zu optimistisch.
    Was ist “falsch designed”?
    Zu Beginn des Projekts ist eben das Wissen um die wirklichen Anforderungen nicht klar. Deshalb ja dieses starke Interesse an agile. Stabile Anforderungen zu Beginn eines Projekts sind ein Wunschdenken.
    Und dir bleibt dann auch nur fingerpointing auf Abnehmer von IT-Sacharbeitern.
    In der Realität da draussen überlebst du als IT-Sachbearbeiter nicht. Du mußt auch etwas von Psychologie, Orga und Management verstehen.

  61. drbuffo

    Dann wären wir bei der Betreuungsschicht, die jedes IT-Team umgibt. Die hier erforderlichen pastoralen Bemühungen werfen kein gutes Licht auf die kaufmännischen Schichten, vom Vertrieb ganz zu schweigen.
    In den Staaten soll das tendenziell besser sein, obwohl auch dort Vitamin B und Inkompetenz wirkt. Wobei wir auch schon eine passende Erklärung für die Bankenkrise haben. :)

    Meiner Erinnerung nach wirkst Du im Consulting und hast auch staatliche Abnehmer, was die Sache wohl noch erschwert und das Betreuerische noch wichtiger werden lässt. (Womit ich nicht gesagt haben will, dass der Blaumann immer im Schrank bleibt.)

  62. Lemmy Caution

    Ich arbeite oft ziemlich technisch (sprich als Java/JEE-Programmierer), aber auch als Consultant. Hatte nicht so viele staatliche Kunden.
    In sehr großen Projekten benötigst du natürlich eine Betreuerschicht. Zur Zeit bin ich in so einem mit Kollegen in Indien, China, Rumänien, USA und Deutschland. Diese Betreuer sind aber auch gut geschult und haben keine Profilierungs-Probleme. Dies ist für mich DAS große Problem mit der Betreuerschicht in IT-Projekten.
    Für kleinere Projekte haben wir in der Consulting keine dedizierten Admins oder Projektmanager. Das switchen des mindsets erzeugt zwar auch Kosten, jedoch ists sehr schwierig für die Aufgabe kompetente Leute ohne Profil-Neurose zu bekommen. Imho MÜSSEN Programmierer heutzutage PM skills besitzen. Ausser vielleicht, du arbeitest wirklich im forschungsnahen Bereich oder in Großprojekten (für mich ab 100 Leute, die zumindest 50% ihrer Zeit auf das Projekt buchen).

  63. F.Alfonzo

    @ Lina: Geld unterm Kopfkissen mach nur dann Sinn, wenn die Regierung von Land XY keinen Einfluss auf die Geldpolitik hat…. das ist kein Naturgesetz…
    Ich hab hier als Andenken noch ein paar ’10 Billionen Mark’ Noten, von meinem Opa vererbt…

  64. Lina

    … noch ein paar ‘10 Billionen Mark’ Noten …

    … die Du vielleicht in ein, zwei Jahren nochmal einsetzen kannst ? Schlägt ja nicht gleich durch, so eine WW-Krise :-)) …

  65. netbitch

    Die Frage ist nur, aus was für Gründen. Ein Linker wie Che würde wahrscheinlich sagen, “weil man da toll klettern kann” ;-)

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