Kinder-Kapitalismus

23.11.2008 14:10 - dagny's tags by dagny t. - 21 Kommentare

Da die Wirtschaft keine neuen Unternehmer hervorbringt, sondern nur noch Manager und Verwalter, tun es unsere Kinder: Kinder zu Unternehmern.

Der Spiegel berichtet über ein Politprojekt von Judith Wilske.

Die Webseite kommt zwar auf den ersten Blick etwas abschreckend in rot daher, aber die Selbstbeschreibung liest sich wie ein vielversprechendes Grasswurzelkapitalismus-Projekt. Die Unterscheidung “Unternehmer vs. Verwalter” finde ich lobenswert.

Die verbleibenden Großkonzerne werden nicht mehr vom klassischen Unternehmer, sondern von professionellen Managern geführt. Erich Gutenberg, der Begründer der deutschen Betriebswirtschaftslehre, schrieb 1929: „Die Unternehmung entsteht durch den schöpferischen Akt des Menschen, der die Dinge, die wir wirtschaftlich als Güter bezeichnen, bindet und bewegt.“

Ayn Rand lässt grüssen.

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21 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Lina, 24.11.2008 12:29

Ja, nett. Und was lernen sie dabei? Was sich lohnt und was nicht, dass alles seinen Preis hat und dass nicht unbedingt jede kreative Anstrengung für Gewinn steht. Das markttechnische ABC also. Und, was mir am Experiment gut gefällt, die Moral, beim Tiereverleihen aufzupassen!

Ja, Kinder haben sie noch, diese dem Markt (unter Lebendigem) vorzuschaltenden Vorbehalte, für die der Erwachsene später die Vertragsform braucht – will er nicht verraten und verkauft werden … im Ausnahmefall, versteht sich ;-)

Ich hatte eine unbelastete Kindheit …

F.Alfonzo, 25.11.2008 05:12

@ Lina:

“Und was lernen sie dabei? …dass nicht unbedingt jede kreative Anstrengung für Gewinn steht.”

Schön gesprochen. Das Glas war schon immer leer, und es kann nur noch leerer werden. Nun gut, deine Ansicht.
Was sie vor allem lernen könnten ist doch, dass Gewinn NUR durch kreative Anstrengung erzielt werden kann, oder nicht? (Wenn du eine andere Möglichkeit weisst, dann bitte ich um Mitteilung, ich lieg nämlich auch gerne am Strand während sich das Bankkonto von selbst füllt).
Dass im Umkehrschluss nicht jede Anstrengung zu Gewinn führt, weiss vermutlich sogar ein 4-jähriges Kind, welches mehrmals versucht hat, die auf 1,5m Höhe stehende Keksdose zu erreichen.

Worum geht’s denn hier? Das Trial & Error Prinzip neu zu erfinden?

Ich denke alles, was die Kreativität von Kindern fördert wird sich für diese auszahlen, wenn auch nicht unbedingt mit viel Geld. Wo ist Problem?

Lina, 25.11.2008 09:52

@ F.Alfonzo

‘Wo Problem ist’? Kann ich Dir nicht sagen. Ich habe keines, sondern arglos konstatiert … dass früh sich übt, wer ein Meister auch des Ökonomischen werden will. Oder soll … ?

Kreativität findet in der Tat überall eine Anwendung.

Kuschel, 25.11.2008 12:14

Schaut man mal bei den Erwachsenen, dann sind es höchst selten die Kreativen, die gut bis bestens entlohnt werden, sondern die Verwalter.

Wenn die Verwalter neue Geschäftsfelder brauchen, werden die eingekauft. Kapitalismus ist steng genommen unverträglich mit Kreativität. Wenn ein Markt gesättigt ist, brauchts natürlich eine Innovation, die muss aber nicht der Kapitalist hervorbringen. Wer Geld verdienen will, braucht Umsatz und keine Geistes- oder Herzensbildung. Coca Cola oder Microsoft sind nicht wegen ihrer Kreativität groß geworden, sondern wegen ihrer Vertrags-/Promotion- und Positionierungsschläue. Das ist Vermarktung und nicht Kreativität.

Nur wenn die Kinder und Jugendlichen lange genug aus dem kapitalistischen System rausgehalten werden, alimentiert werden und sie auf Schulen und Unis gehen können, nur dann kann sich überhaupt eine Gesellschaft entwickeln, die Kreativität als – wenn auch immateriellen – Wert anerkennt.

Mat. dazu: Heute Abend, Pro 7, Seewolf 2.

Dagny, 25.11.2008 12:19

Oh, Bill Gates, Larry Ellison, Ernesto Bertarelli, Warren Buffet oder die Aldi-Brueder sind alle als Verwalter in bestehende Cash-Cows eingestiegen und haben keine Marktluecke entdeckt und nicht zuletzt vermarktet.

Die grossen Verwalter profitieren nicht selten von der Naehe zum Staat. Big Business und Big Gouvernment halt.

 
Lina, 25.11.2008 12:42

Das ist Vermarktung und nicht Kreativität.

Widerspruch! Gerade Vermarktung erfordert hohe Kreativität, ein Höchstmass derselben dann, wenn ein Markt eigentlich als übersättigt anzusehen ist. Dann ist allerhöchste Kreativität gefragt, erst mit ihr kommt es zu so genialen Ausbrüchen wie ‘Geiz ist geil’ oder ‘Ich bin doch nicht blöd’ etc.pp … irgendwie muss das Zeug doch loszuschlagen sein, wenn’s schon mal da ist. Doch, kreativ muss Vermarktung schon sein – und ist es auch!

Kuschel, 26.11.2008 09:20

‘Geiz ist geil’ und ‘Ich bin doch nicht blöd’ wurde von ‘Werbefritzen’ erfunden. Dann wurde die Kammpagne den ‘Entscheidern’ erklärt und dann von ihnen angenommen. Erklär mir den kreativen Teil, bitte.

Lina, 26.11.2008 10:04

Muss ich? Im Prozess der Vermarktung selbst sind doch die Elemente “Werbefritz” und “Entscheider” enthalten; sie alle zusammen erweisen sich als kreativ – wenn sie nicht blöd sind …

Kreativität kommt nicht nur aus dem Malkasten, oder ;-)?

 
 
 
Die Stimme aus dem Off, 25.11.2008 14:16

Kapitalismus ist steng genommen unverträglich mit Kreativität.

Hmm.

Also wenn ich Florenz mit Bukarest vergleiche…
oder New York und Moskau im Jahr 1989…
oder London und Ostberlin im selben Jahr…

Wenn ich mir dann noch anschaue was der Kapitalismus alles so an kreativen Produkten hervorgebracht hat…
da kann die Planwirtschaft nicht mithalten!

Hast Du diesen Unsinn auf einer staatlichen Schule gelernt?

drbuffo, 25.11.2008 15:42

Diesen Unsinn bringt man normalerweise von der Schule mit oder horcht ihn woanders ab. Für Selbstentwicklung reicht es bei diesen Meinungsträgern offensichtlich intellektuell nicht (um ein “Marx” zu sein benötigt es doch einige PS).
Wer Lust hat kann sich ja mal den Dreck durchlesen, den Schulfächer wie Ethik oder Sozialwissenschaften oder Philosophie generieren. Da meint man oft das ND in der Hand zu haben.

Kuschel, 26.11.2008 09:35

Is klar. Worin besteht denn der Unsinn, Herr Lehrer?

drbuffo, 26.11.2008 09:46

Vielleicht verstehst Du unter Kreativität nicht die Wertschöpfung oder das Erschaffen sondern “Progressivität”?!
In diesem Sinne ist die Marktiwrtschaft in der Tat selten progressiv, sondern bewahrend und organisch wachsend, Marx oder die Ökologisten sind sicherlich progressiver. Andere auch.
Die Marktwirtschaft bzw. die Teilnehmer an derselben sind allerdings zivilisationsbestimmend und kreativ, nimm die technischen Errungenschaften (nein, das Internet wäre auch ohne dem amer. Militär gekommen) und die gegebenen pol. Systeme.

 
 
 
Kuschel, 26.11.2008 09:33

Die beeindruckendsten Prachtbauten wurden von Fürsten und Königen oder auch mal reichen Kaufleuten bezahlt nicht geplant. Naja gut, Ludwig hat den Plan zu Neuschwanstein selber aus abgeguckten Versatzstücken zusammengestöpselt. Das wars dann aber auch mit der Schöpfungshöhe.

Die Planer oder Innovatoren sind andere, die meist nicht im Geld schwimmen. Du weißt das ja auch selber, sonst würdest du nicht die argumentative Flucht über den Kapitalismus antreten, der von der Ideenarmut der Kapitalisten selbst wegführt.

drbuffo, 26.11.2008 09:39

Die These, die Marktwirtschaft sei nicht kreativ, wird weiterhin aufrecht erhalten?
Nun, die Marktwirtschaft, die im Rahmen des Zusammenlebens der Menschen aus dem Tausch von Leistung oder Sache entstanden ist (einen zentralen Platz, einen Markt benötigt es streng genommen nicht :–) und auch heute nichts anderes darstellt als den Tausch, als nicht “kreativ” (schöpfend) zu bezeichnen ist schon ein starkes Stück.
“Investoren, die nicht in Geld schwimmen”, hmm, immerhin leidest Du nicht an Ideenarmut, LOL.

 
 
 
F.Alfonzo, 01.12.2008 06:08

Kühne These: Vielleicht werden die kreativen von den Verwaltern aufgekauft?
…um mal in einem Bereich zu argumentieren, den ich kenne: Große Firmen (vor allem Unternehmensberater, je nach Ausbildung auch Investmentbanken o.Ä.) bieten ein sehr verlockendes Gehalt für kreative Menschen… wenn sie der Ansicht sind, dass die Kreativität ihnen zugute kommt. Dabei geht’s nicht nur um Wirtschaftsabsoventen (ganz im Gegenteil: die Not besteht eher in einem Defizit bzgl. Fachleuten für verschiedene Bereiche)

Man hat natürlich immer auch die Option, nein zu sagen und selbst irgendetwas zu machen…

Ich persönlich kenne nur 2 Arten von wirklicklich kreativen Menschen:
1) Diejenigen, die ihr Talent für irgendeine Firma einsetzen und sich dafür fürstlich bezahlen lassen, und
2) diejenigen, die sich nicht verkaufen wollen.

Beides ist aus meiner Sicht super. Es ist aber Unsinn zu behaupten, dass die ‘Verwalter’ alles entscheiden. Die Verwalter sind nur Verwalter. …und können jederzeit abgelöst werden.

DrB, 01.12.2008 08:23

Übrigens ist auch und gerade Verwaltung (sogar Buchhaltung) eine Kunst. Die Versuche über Sozialverhalten (vgl. “2 Arten von …”) die Schaffenskraft zu bestimmen sind nicht zielführend.

 
 
 
 
 
Dagny, 25.11.2008 12:49

…Unbelastete Kindheit…

Ob die kreativen kleinen Koepfe, die voller Tatendrang eigene Werke schaffen und sich an der echten, nicht geheuchelten Wertschaetzung dieser Werke, ausgedrueckt in klingender Muenze seitens fremder, begeisterter Kunden, erfreuen eine weiterhin unbelastete Kindheit empfinden, wenn Sie mit Besteuerung, Gewerbeaufsicht, Tarifvertraegen, Ladenschluss, Lebensmittelrecht und der EU konfrontiert werden?

Die Stimme aus dem Off, 25.11.2008 13:12

Wenn man Kinder beim spielen beobachtet fällt einem schnell die hochkomplexe und von vielen Regularien durchsetzte Handlungsstruktur auf.

Über eine halbe Stunde Kinderspiel mit dem Tauschen von Bauklötzen, der Eigentumsaufgabe an Spielzeug, der gewillkürten Form eines Rechtsgeschäfts – die immer und immer wieder geändert und aufgehoben wird – und schließlich zivilprozessualer Elemente – nämlich der Zeugenbeiziehung oder das Bilden einer Streitgenossenschaft – lässt ohne Probleme eine Habilitationsschrift verfassen.

Die kindliche Welt ist weit komplexer als es das in der Nachbetrachtung den Anschein erweckt. Indes hat man als Erwachsener eine andere Wahrnehmung bekommen, nämlich eine sich weit mehr an den gegebenen Verhältnissen orientierende, die vermutlich daran hindert die Komplexität dieser Handlungen von damals zu erkennen.

Objektiv betracht und kategorisiert ist Kinderspiel eine hochkomplexe Angelegenheit.

Die sind nicht umsonst immer so früh müde.

Dagny, 25.11.2008 13:16

War es nicht so, dass das Hinzuziehen des Staates, pardon, der Eltern auf Teufel komm raus vermieden wurde?

Die Stimme aus dem Off, 25.11.2008 13:23

Das war nur bei den harten und selbstständigen Kindern so. Die anderen rannten immer zu Mutter oder Vater.

Das sind auch die gewesen, die später zur SPD oder SED gingen und heute noch nach dem Staat rufen. ;-)

 
 
 
 
 
daniel, 24.11.2008 15:16

Cool, Dagny mag Kinderarbeit…

 

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