Volkszaeh(l/m)ung.

03.12.2008 19:39 - dagny's tags by dagny t.

Die Bundesregierung setzt natuerlich nur eine Vorgabe aus Bruessel durch, wenn 2011 eine Volkszaehlung durchgefuehrt werden soll.

Offenbar brauchen die Planer in Bruessel diese Daten, auf einen Freien Markt und Preissignale zur Planung von Investitionen nach Angebot und Nachfrage wollen und koennen sich Buerokraten ja bekanntlich nicht verlassen.

Die letzte Volkszaehlung ist auf massiven Protest gestossen. Datenschutz und so.

Heute kraeht da kaum ein Hahn mehr danach.

Uebrigens: Die Kritiker der SED Linkspartei an der Datensammelei akzeptieren, dass Daten fuer die gesellschaftliche Planung erhoben werden muessen. Nur der Umfang wird kritisiert.

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22 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Oliver Beckmann, 04.12.2008 08:29

Mmh, aber benötigt man nicht einen gewissen Überblick über Bevölkerungsstrukturen, um Kindergärten- und Schulplätze zu genügend und zielgerichtet anbieten zu können? Oder um eine effektive Sozialpolitik zu betreiben (ohne jetzt das Fass der Notwendigkeit von Sozialpolitik aufmachen zu wollen), die nicht auf statistische Schätzungen basiert, die wiederum auf anderen Schätzungen aufbaut und dies nun seit 1987? Braucht man nicht in gewissen Abständen eine Totalerhebung, um tatsächlichen und künftigen Bedarf an Krankenhäusern etc. zu ermitteln?
Wie könnte der “freier Markt” dies alternativ gewährleisten?

Beste Grüße

stefanolix, 04.12.2008 09:51 Subscribed to comments via email

Dass Infrastruktur geplant werden muss, ist zunächst einmal unumstritten. Es geht erstens um die Ebene und zweitens um den Umfang der Datenerfassung.

Schulen, Kindergärten und Ausbildungseinrichtungen sind Sache der Länder und Kommunen. Sie sollten autonom entscheiden können, wann sie ihr Volk zählen und ihnen sollte auf die Finger geschaut werden, in welchem Umfang sie Daten erfassen.

Die Daten, die der Bund wirklich braucht, können die Länder an ihn weitergeben. Es ist für die Planungen des Bundes, soweit ich das sehen kann, nur eine Teilmenge der Daten aus Kommune und Land notwendig.

Dagny, 04.12.2008 11:10

Na, so wenig Vertrauen in den Markt und seine Preissignale?

Woher weiss denn der Planer, ob die X_1 Eltern für ihre X_2 Kinder überhaupt Kindergärtenplatze wollen? Und welcher Art diese Plätze seien sollen?

Mit anderen Worten: Wie hoch ist die Nachfrage nach Kindergärtenplätzen?

Der Markt würde diese Frage über den Preis beantworten. Selbiges gilt für Krankenhäuser, Schulen etc. pp.

Lina, 04.12.2008 12:06

Der Markt würde diese Frage über den Preis beantworten. Selbiges gilt für Krankenhäuser, Schulen etc. pp. …

… wie für’s ganze Leben, dessen Preis bekanntlich der Tod ist, der das Leben kostet ;-)))) …

Wo nimmst Du bloss Deine demonstrative Zuversicht her, Dagny? Was macht Dich nur so beneidenswert sicher, dass ein Gemeinwesen, wie es nun mal besteht, ohne statistische Bedarfsermittlungen auskommt? Weil DER MARKT tatsächlich alles besser weiss? Was der so alles anbahnt, wird zwar (wie es nachträglich heisst), stets ‘vorausgesehen’, aber leider dann auch erlebt … sorry!

FG, 04.12.2008 12:44

>Wo nimmst Du bloss Deine demonstrative Zuversicht her, Dagny? Was macht Dich nur so beneidenswert sicher, dass ein Gemeinwesen, wie es nun mal besteht, ohne statistische Bedarfsermittlungen auskommt?

Dagny geht es nicht um ein Gemeinswesen, wie es besteht, sondern um ein gemeinswesen, wie er sich das idealerweise vorstellt. Wenn das Risiko, dass die eigenen Thesen auf den praktischen Prüfstand gestellt werden, überschaubar ist, dann lässt es sich leicht zuversichtlich sein. Kostet nix, also her damit. Preissignale gibts auch auf dem Meinungsmarkt.

Lina, 04.12.2008 12:56

OK, ‘kostet nix, also her damit’, richtig, einverstanden!

Die hier am Ideal gemessene und aktuell kommentierte und KRITISIERTE Erhebung findet allerdings (noch) im bestehenden Gemeinwesen statt ;-) …

 
 
Dagny, 04.12.2008 13:11

Was macht mich so sicher:
Da fällt mir der Song von Wir sind Helden ein: *gg*
http://www.youtube.com/watch?v=B632pjFldow

Auf dem Markt wird durchaus Statistik zur Bedarfsermittlung getrieben: Marktforschung, nennt sich das dann. Aber für die muss ich keine Steuern bezahlen, an Marktforschung muss ich nicht teilnehmen, bei Marktforschung sehe ich die Gefahr einer Superdatenbank in der der Gläserne Konsument gespeichert ist, wesentlich geringer, auch macht die Wirtschaft Ihre Marktforschung meist effektiver als der Staat seine Volkszählung und die marktforschenden BWL-Praktikantinnen sind freundlicher als der volkszählende Beamte.

FG, 04.12.2008 13:28

“bei Marktforschung sehe ich die Gefahr einer Superdatenbank in der der Gläserne Konsument gespeichert ist, wesentlich geringer, ”

Ui, was wissen denn die unfreundlichen Beamten denn nach der Volkszählung alles über Dich? Soll ich’s sagen? Nix. Gar nix. Weil die Daten schlicht und ergreifen nicht personenbezogen aufbereitet werden. Und da sitzen auch keine finstren Schergen in dunklen Wiesbadener Kellern, die nix besseres zu tun haben als zu kucken ob Dagny jetzt in einer Zwei- oder Dreizimmerwohnung lebt.
Über die Effizienz der Aktion kann man sicher diskutieren, aber das Marktforschungsinstitut, das eine ausreichend verlässliche demographische Struktur der Gesamtbevölkerung ermittelt (ohne auf daten der amtlichen Statistik zurückzugreifen), mit der dann Lebens-, Kranken- und sonstige Versicherungen planen und kalkulieren können, das muss noch gegründet werden.

(und außerdem kenn ich die obervolkszählerin persönlich und die ist verdammt freundlich)

 
FG, 04.12.2008 13:59

Und noch ne Ergänzung: Wie glaubst Du kommen die Marktforschungsinstitute von ihren repräsentativen (i.d.R. eher quota-gefitteten) Stichproben zu ihren hochgerechneten Ergebnissen? Woher kommt die demografische Struktur, die die verwenden? Na? Genau. Frag mal einen führenden Mitarbeiter eines einigermaßen seriösen Instituts was er von der Notwendigekeit einer neuen Volkszählung hält.

Lina, 04.12.2008 14:26

Woher kommt die demografische Struktur, die die verwenden?

Danke, dass Du mir die Frage abgenommen hast, die Dagny damit

Aber für die muss ich keine Steuern bezahlen …

aufgeworfen aufgeworfen hat. Soviel zu Zahlern, Nutzern und Helden …

Dagny, 04.12.2008 15:03

Sehr schön. Ein Unternehmen benötigt etwas für die eigene Arbeit und der Staat stellt dies auf Steuerzahlerkosten bereit.

Warum stellt der Staat mir nicht eine Yacht bereit? Für meine Arbeit, mein Wohlbefinden und meine Funktion der Gesellschaft gegenüber ist dies ebenfalls wichtig.

FG, 04.12.2008 16:01

Jetzt müssen wir aber aufpassen, dass wir uns argumentativ nicht überschlagen. Deine Ausgangsthese war - vereinfacht gesagt - Zensus ist bäh, weil Planwirtschaft und ein kleiner Schäuble kuckt auch noch aus den Löchern. Später ergänzt Du, dass das der Markt auch alleine ganz brauchbar zur Verfügung stellt. zu letzterem merke ich an, dass der das ohne den I-bah-zensus auch nicht kann. Ob die MFIs dafür zahlen oder nicht ist zweitrangig (soweit ich weiß zahlen sie sogar dafür) entscheid ist, dass Merktforschung und demographie ohne hinreichend verlässliche Strukturdaten überhaupt nicht möglich wären. Mir ist bisher kein realisiertes Konzept bekannt, dass diese Strukturdaten ohne staatliche Erhebungen (einschließlich der diabolischen Auskunftspflicht) gestrikt werden konnten. Alle einigermaßen entwickelte Länder machen das so.
Das kann man natürlich ablehenen, wenn man mag. aber dann muss man auch die konsequenz ziehen, dass eine wesentliche Datengrundlage flöten geht, und zwar sowohl für staatlich Planungen als auch für zahlreiche privatwirtschaftliche Aktivitäten. Und gehen wir weg von der Volkszählung und hin zum Thema Wirtschaftsstatistik. Frag mal einen empirischen Wirtschaftsforscher, wie sich seine Erkenntnismöglichkeiten ohne die amtliche Statistik und ihren Erhebungen mit Zwangscharakter ändern würden.
Wie gesagt, man kann das alles als teufelszeug ablehnen. aber man soll doch bitte nicht so tun, als ließen sich die Folgen durch Marktlösungen beheben.

 
Lina, 04.12.2008 16:04

Wär’ ein bisschen zuviel verlangt, Dagny, findest Du nicht auch? Ist doch die ‘Soziale Marktwirtschaft’ (vermutlich) schon der Hammer für Dich und Deinen ideen- und parolengestützten Frei-Flug, hmm?

Aber bleib’ doch mal bitte kurz auf dem Teppich: Das, wovon FG spricht, also von der erkennbar nutzbaren Kooperation von Staat und Wirtschaft, ist nicht zu widerlegen. Und das weisst Du auch. Wie es anders und besser gehen könnte, überlasse ich gerne Deiner konstruktiven Phantasie :-) …

 
 
 
 
 
 
 
 
 
stefanolix, 04.12.2008 11:30 Subscribed to comments via email

Momentan werden Kindergärten, Schulen und andere Bildungseinrichtungen durch den Staat finanziert (auch die freien Träger und die Privatschulen erhalten in der Regel Geld vom Staat). Das muss geplant werden. Dass ein anderes Bildungssystem denkbar wäre, will ich ja überhaupt nicht in Abrede stellen. Aber heute und in den nächsten 20 Jahren muss jedenfalls geplant werden ;-)

 
Albert, 04.12.2008 15:12

Zum teil ist das doch ohnehin nur eine Ersatz diskussion, die den ohnmächtigkeits und langweile gefühlen der leute Spielraum gibt.

Dass ist semi-zynisch gemeint, weil ich die hinter solchen Diskussionen Steckenden Impulse gut verstehen kann, aber dieMenschen trauen sich halt nicht, das heiße Eisen anzufassen(aktuelles Bsp: wieviel Liberale schlürfen jetzt entspannt Wein, während sie dem FreiMarkt-ideologisch notwendigen Zusammenbruch der Märkte zusehen, und wieviele retten sich jetzt in das durch Steuern erhobene gelt von papa Staat? Aber wie sagst der Liberale Gott: Was auch immer du tust, sei bi-gott! ; )

stefanolix, 04.12.2008 17:29 Subscribed to comments via email

Ich denke, die Diskussion sollte hart geführt werden, welche Daten wirklich notwendig sind und Liberale sollten sich für ein Minimum an Daten einsetzen. Wenn ich überzeugt bin, dass dieses Minimum notwendig ist, dann fülle ich meinen Bogen auch aus. Ganz angstfrei ;-)

Zu den Anspielungen auf die Religion: Du sollst doch nicht immer die alten Nörgler-Polemiken lesen, irgendwann muss das ja auf’s Gemüt schlagen ;-)

Dagny, 06.12.2008 01:25

Liberale sollten ….. keine Sätze schreiben, die mit “Liberale sollten” anfangen. ;)

Und nein. Ich will keine harte Diskussion darüber, welche Daten wirklich notwendig sind - wer will das schon abschliessen wissen oder bewerten?

Ich will schlicht NICHT GEZWUNGEN werden an einer Befragung teilnehmen zu müssen.

FG, 06.12.2008 08:56

>Ich will schlicht NICHT GEZWUNGEN werden an einer Befragung teilnehmen zu müssen.

Das lustige ist ja: Du wirst (sehr wahrscheinlich) auch gar nicht befragt. Aber um das zu wissen, hättest Du Dich mit der Sache etwas inhaltlich auseinandersetzen müssen ;-)

Dagny, 06.12.2008 12:38

Oh, Neben den Fantaliberalen jetzt noch der St. Florians-Liberale: Lieber Staat, nimm nicht meine Daten, sondern die meines Nachbarn?

Lina, 06.12.2008 13:49

… the libertarian ‘Iron Lady’ says.

Schönes Wochenende, liebe Dagny :-) !

 
 
 
 
 
 

[...] habe ja kuerzlich schon mal die Frage in den Raum gestellt, warum Volkszaehlung boese, Meldepflicht aber gut oder zumindest akzeptiert ist. Bis jetzt habe ich keine schluessige Antwort [...]

Dagny, 08.12.2008 12:20

Meldepflicht (und Personalausweisdokument-Besitzpflicht) sind genauso boese. Beides sind Instrumente des Schnueffelstaates.

 
 

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