Als ich Ende der Sechziger die Grundschule besuchte, war es hip, mit Murmeln zu spielen (auch wenn wir das damals nicht so nannten). Die etwas weniger Geschicklichen unter uns konnten sich durch kluges Handeln erkleckliche Säcklein der bunten Glaskugeln erarbeiten. Später waren dann Quartettkarten mit Fussballern oder Rennautos angesagt. Kein Lehrer wäre auch nur im Traum auf die Idee gekommen, dieses Einüben sozialer Kompetenzen als „Glücksspiel mit Suchtgefahr“ zu bezeichnen und verbieten zu wollen, wie das nun hinsichtlich sogenannter „Wrestling-Chips“ auf diversen Schulhöfen durchgesetzt wird – ok, einmal bekam ich Zehne mit dem Bambus, weil ich während des Unterrichts mit Murmeln warf :-)

Bei allem autoritären Mief der sechziger Jahre, gegen den die 68’er Generation zurecht rebellierte, mir scheint, dass diese Gesellschaft auf einen Neo-Autoritarismus zusteuert, der sich mehr denn je in der Geschichte der Bundesrepublik Umerziehungskompetenz gegenüber seinen Bürgern anmasst. Während konservative Spiesser lediglich den schönen Schein wahren woll(t)en, geht es den Neuen Spiessern um den neuen, sozial nivellierten, Menschen.

Tauschspiele an Schulen zu verbieten passt hervorragend in dieses Schema, die Kids werden so durch sinnlose und unreflektierte Verbotskampagnen auf das Leben im Nanny-State des 21. Jahrhunderts vorbereitet.

Brauchen wir ein neues 68?