Nicht für die Schule lernt ihr, für’s Leben, Kids
Als ich Ende der Sechziger die Grundschule besuchte, war es hip, mit Murmeln zu spielen (auch wenn wir das damals nicht so nannten). Die etwas weniger Geschicklichen unter uns konnten sich durch kluges Handeln erkleckliche Säcklein der bunten Glaskugeln erarbeiten. Später waren dann Quartettkarten mit Fussballern oder Rennautos angesagt. Kein Lehrer wäre auch nur im Traum auf die Idee gekommen, dieses Einüben sozialer Kompetenzen als “Glücksspiel mit Suchtgefahr” zu bezeichnen und verbieten zu wollen, wie das nun hinsichtlich sogenannter “Wrestling-Chips” auf diversen Schulhöfen durchgesetzt wird – ok, einmal bekam ich Zehne mit dem Bambus, weil ich während des Unterrichts mit Murmeln warf :-)
Bei allem autoritären Mief der sechziger Jahre, gegen den die 68′er Generation zurecht rebellierte, mir scheint, dass diese Gesellschaft auf einen Neo-Autoritarismus zusteuert, der sich mehr denn je in der Geschichte der Bundesrepublik Umerziehungskompetenz gegenüber seinen Bürgern anmasst. Während konservative Spiesser lediglich den schönen Schein wahren woll(t)en, geht es den Neuen Spiessern um den neuen, sozial nivellierten, Menschen.
Tauschspiele an Schulen zu verbieten passt hervorragend in dieses Schema, die Kids werden so durch sinnlose und unreflektierte Verbotskampagnen auf das Leben im Nanny-State des 21. Jahrhunderts vorbereitet.
Brauchen wir ein neues 68?







Ist doch klar, In diesem Land gibt es ein Glücksspielmonopol, und das wird vom Staat, der es besitzt, eben mit Zähnen und Klauen gegen alles verteidigt, was dieses anzuknabbern droht.
Ob das nun ein Glücksspiel ist oder nicht.
Und immer schwebt darüber der gute Vater, der seine Untertanen davor bewahrt, mit ihrer Freiheit sich selbst zu schaden.
Um ein – finanziell motiviertes – Glückspielmonopol geht es da IMHO überhaupt nicht, Rayson. Und: Nicht “guter Vater”, sondern aufgeblasener, machtgeiler Umerziehungspolitiker… die Schuldirektoren spiegeln nur gesellschaftlich, was auf der staatlichen Ebene vorxerziert wird. Warte ab, bald beginnen sie zu diskutieren, ob man die “betroffenen” Kids nicht zur sozialtherapeutischen Beratung schicken muss…
Ein bisschen muss man das verstehen. Heute haben viele politische Akteure von Sippen-, über Stadt-, Land- bis Bundes- und EU-Ebene das Gefühl, dass sie bei den bedeutenderen der aktuellen Fragen nur noch Spielball irgendwelcher sehr gewaltigen und sehr dunklen Interessen (vulgo: Kapitalinteressen) sind, da verlegt man sich dann auf die noch verbliebenen Regalien und wirkt dort zum Wohle der anvertrauten Herde.
Das sind die Hegeinstinkte, die sitzen den Menschen in den Genen. Und wenn sie’s im Großen nicht dürfen, dann machen sie’s im Kleinen. Das kann ihnen kein Liberaler austreiben, der – so gesehen – nur eine Mutation mit Genschaden ist.
Immer wieder nett zu erfahren, was Du für einer warst …
Ansonsten: natürlich Schwachsinn, das Verbot. Aber sollte es einen verantwortungsvollen Liberalen nicht alarmieren, wenn soooo widerlicher Geschmack auf dem Schulhof einzieht? Kenne nichts Widerlicheres als Wrestling-Stars … eine Murmel ist dagegen eine von widerlichen Assoziationen freibleibende, zeitlose Schönheit. Und verboten ist sie bis heute nicht :-)).
Lustig übrigens das Symbolbild bei SpOn. Stone Cold Steve Austin und Domino? Okay, das sind Wrestler. Aber Plankton aus Spongebob Schwammkopf? Wie passt der in die Reihe, bitte schön?
Selbe Kategorie: ‘Widerlich’ :-)) …
Diddels waren noch schlimmer (gottseidank hat sich auch das wieder gegeben bei meinem Nachwuchs)
Wir haben noch in der Schule um Geld Doppelkopf oder Poker gespielt.
Ich hab noch in der Abiturklasse einen verschärften Verweis erhalten, weil wir beim Watten erwischt wurden (ok, ich will das nicht weiter breittreten, es war während des Unterrichts *lol*)
Wir hatten einen Lehrer, der als wir im Unterricht schafkopften uns die Runde noch fertig spielen liess.
(Wir waren mit irgendwas schneller fertig als andere und haben dann die Karten rausgezogen. Er hat uns die Zeit für die bleibenden 3 Stiche gegeben, ehe es dann wieder weiter ging.)
Bei war das mal so, dass mein Lehrer mich beim Skat spielen, kurz vor dem Unterricht, direkt nach dem Reizen erwischt hat. Nach einem kurzen Bilck auf mein Blatt konnte er mich überzeugen statt Grand Null ouvert zu spielen, so dass das Spiel sofort beendet war und ich in den Unterreicht konnte. Beeindruckend.
Skat war bei uns zwar offiziell verboten, aber die meisten Lehrer haben es toleriert und manche haben sogar auf der Klassenfahrt mit uns Skat gespielt.
Zum Thema ‘verschärfter Verweis’ fällt mir gerade ein, dass ein Freund von mir mal einen für die unkontrollierte Sprengung einer Toilettenschüssel erhalten hat (Bart Simpson taugt tatsächlich nicht zum Vorbild, lol).
Jedenfalls würde ein Schüler mit so einer Aktion heutzutage vermutlich in der Terror-Kartei landen.
Ich muss zugeben, dass man mich in der Grundschule mindestens einmal beim Werfen von Pflaumenkernen erwischt hat und dass die Konsequenzen auch schmerzhaft waren ;-)
Lehrer, Erzieher und manche Eltern waren bisher über jede neue Modewelle entsetzt: da gab es die Pokemon-Karten, das Tamagotchi, die japanischen Comic-Bilder, die Sternenkriegsfiguren und so viel anderes. Irgendjemand wird wohl immer öffentlichkeitswirksam aufjaulen und freut sich vielleicht über ein paar Zeilen in der Lokalpresse. Das lese ich überhaupt nicht zu Ende, es rutscht in meinem Kopf sofort in die Ablage für sinnlose Kommentare ;-)
Bonuspunkte: Nihil novi sub sole.
Danke, hab ich mich doch richtig erinnert, dass es früher doch schon ein vergleichbares Spiel gab.
68 hatte viele positive Impulse. Gescheitert ist es, weil es seinen Frieden mit dem Staat machte.
Der Liberalismus hatte viele positive Impulse. Gescheitert ist er, weil er seinen Frieden mit dem Staat machte.
Der Nazismus hatten viele positive Impulse. Gescheitert ist er, weil er seinen Frieden mit dem Staat machte. ????
DDH’s Teletubbies-Liberalism (“Alles Schlampen ausser Murray”) geht mir auch öfter mal auf den Keks… aber Dein Gedankenkurzschluss passt jetzt irgendwie trotzdem nicht so ganz.
“jetzt irgendwie trotzdem nicht so ganz”
Lese ich hier Unsicherheit heraus oder will man schon einmal im Voraus den moderaten User abgeben, der Godwins law erahnt ?
Sind Usenets, Foren und hier Blog-Comments zu empfindlich für das Thema? Ich meine, sind sie immer noch so empfindlich? Für mich ist das einfach die logische Schlussfolgerung dieser subjektiv anarchistischen Einstellung.
DDH ist Linklibertärer, also findet er die Einstellung der 68er bestimmt toll, sich nicht von den konservativen Spießern Vorschriften machen zu lassen. Sie lagen seines Erachtens nur “falsch”, da sie es nicht “libertär” umgesetzt haben.
Genauso könnten Konservativ-Libertäre einige Positionen der damals Intellektuellen (v.a. deren Veröffentlichung vor Hitlers Machtübernahme) des Nazismus unterstreichen, und im darauf folgenden Satz aber ihre Umsetzung verurteilen und kritisieren, da sie sich ja staatlich und kollektiven Mitteln hergaben und einen der grausamsten Diktatoren an die Macht hievten.
Zwischen WW I und WW II haben Intellektuelle wegen des nihilistischen Zerfalls für konservative und patriotische Werte gestritten. Familien und so. Ein Vergleich dieser Aufsätze mit einigen Texten in der EF, den sogenannten Konservativ und Rechtslibertären weist da manchmal Ähnlichkeiten auf.
Für mich ist es einfach die Verblendung der Anarchisten und Libertären ala “Ich bin für Anarchismus, da so mein Weltbild am besten funktioniert.” Und wenn es sich in Libertartistan doch nicht durchsetzt? Also die Familientradition oder auf anderer Seite die Befreiung von den gemeinen Spießern? Wäre man dann doch bisschen bereit für härtere Mittel? Das ist auch eine Frage an DDH.
Den gleiche Wahnwitz findet man auch gerade auf opponent.de.
Warum sollte es im Anarchismus nicht zu Plünderungen kommen? Genau, weil ja “richtige” Anarchisten das Eigentum anderer respektieren und richtige Anarchisten ja nur mit dem Geist des Libertarismus korrekte Anarchisten sind. Dürfte zwar nur für 1 % der weltweiten Anarchos zutreffen, aber das stört solchen Leuten in ihrer Wunschinterpretation nicht. Für mich ist Marco Kanne absolut irrational. Er verwechselt seinen “individuellen” Anarchismus wohl mit Kapitalismus, aber etikettiert ihn als Anarchismus.
Was diese Re jetzt mit meinem Beitrag oder den Kommentaren hier zu tun hat, erschliesst sich mir nicht ganz, lieber “neocool” (vielleicht würde es helfen, wenn Du versuchen würdest, etwas Struktur in Deinen Text zu bringen und am diskutierten Thema zu bleiben?).
Ich bin übrigens keineswegs Anarchist. Und wenn Du Marcos Weisheiten diskutieren möchtest, tu das bitte bei ihm. Dankeschön.
Das (opponent) war einfach nur noch ein weiteres Beispiel für die sogenannten Anarchisten, welche die anderen verurteilen, da sie ja nicht von richtigen “anarchischen Mitteln” Gebrauch genommen haben.
Warum passt denn nun mein erster Gedankenschluss nicht? Er hat sich konsequent in die Liste des DDH eingereiht. Wer A sagt muss auch B sagen. Er hat es nicht getan, also wollte ich mit einem weiteren Beispiel aufzeigen, wie bekloppt doch so eine Aussage ist. Nicht, dass das die meisten hier nicht schon selber bemerkt hätten. Und unkommentiert stehen lassen wollte ich das auch nicht!
“68 hatte viele positive Impulse. Gescheitert ist es, weil es seinen Frieden mit dem Staat machte.”
Das ist doch typisch für gewisse Libertäre. Das ist die Betrachtung von links und ich habe als weiteres Beipiel die ausführliche Betrachtung von rechts gegeben, da du ja meintest mein Gedankenschluss passt nicht. Der RE ging also erst von dir aus und da war ich doch so fein und wollte es erläutern.
Richtig, mit den Beitrag hat das herzlich wenig zu tun, aber das haben hier ehrlich gesagt auch so manch andere Kommentare nicht.
Welche Relevanz sollten Anarchisten für die Ausgestalltung einer anarchistischen Gesellschaft haben, die über die von Kriminellen hinausgeht?
Der Trick am Anarchokapitalismus ist doch der, dass keine Instanz, also auch nicht der Anarchokapitalist, Allgemeinverbindliche Regeln durchsetzten kann, die über das NAP herausgehen.
neocool: Anarcho-Libertäre lehnen Zwang ab. Immer. Das Ergebnis dieses Zwangsverzichts in allen sozialen Interaktionen interessiert sie nicht sonderlich (außer dem späten Hoppe, aber das hat persönliche Gründe). Ich weiß also nicht, was Du mit “funktioniert” meinst?
Wenn ich Aggressionen auf mein Selbst-Eigentum nicht zulasse, dann bin ich selbstverständlich auch bereit zur Wehrhaftigkeit. Aber nicht, um irgendjemandem meinen Lebensstil aufzuzwingen, sondern um selbst einen Übergriff auf mich abzuwehren. Das ist völlig unideologisch. Die “Durchsetzuung von Weltbildern” überlassen wir getrost den Staazis.
(Klassische) Liberale (d. 19.Jh) und 68er hatten – je zu ihrer Zeit – einen emanzipatorischen und individualistischen Impetus. Beide haben sich davon entfernt, weil sie sich ums “Funktionieren” zuviel Gedanken gemacht haben. Und so kam statt Dutschke Fischer und statt Richter Naumann. Und Guido. Dumm gelaufen. Naumann war denn auch für die Niederschlagung des Boxeraufstands und Fischer der interventionistischste Außenminister der BRD-Geschichte. Und das obwohl die Ursprünge des Liberalismus (Cobden, Bright, Bastiat) und der 68er jeweils radikal pazifistische waren. Frieden mit dem Staat = Bereitschaft zum Krieg!
Korrekt. Sollten sie sich deshalb nicht von Politik – der Methodik des gesellschaftlichen Funktionierens – tunlichst fernhalten?
(Der Einzige, der das halbwegs konsequent durchzieht, ist Andreas von der Freiheitsfabrik)
Und beiseite treten und Euch Eure Übergriffe einfach machen lassen?
Die Debatte kann man übrigens hier weiterführen:
http://dominikhennig.blogspot.com/2008/12/our-enemy-state-vs-letat-cest-moi-et.html
Nach seinem Paleo-Turn hat auch Murray genug Unsinn verzapft. Es ist ja nicht so, daß ich Hagiograph wäre! Winki winki! ;)
Fühlte sich Rothbard nicht schon immer der “Old Right” zugehörig, Dominik?
Nicht “schon immer”, aber am Anfang und gegen Ende wieder. Zwischendurch arbeitete er sehr produktiv mit der “New Left” zusammen. Wobei “Old Right” ein weites Feld ist und die Frage, ob das alles wirklich “rechts” ist, was bspw. Mencken vertrat, würde von Evangelikalen in der GOP heute verneint.
Ein neues 68? Quasi eine Entachtundsechzigerfizierung?
Dieser Paternalismus, der den Ideen der ehemals Antiautoritären zu eigen ist, ist in der Tat anmaßend. Fernsehen macht dumm, Konsole macht gewalttätig, Internet macht verdorben, Werbung verführt, Bohlen macht gefühlskalt und absolut alles macht süchtig und muss deshalb von den Kids ferngehalten werden.
Dieter Nuhr hat einen sehr schönen Text zum Thema Staat verfasst: Zitat:
Das geht ja immer mehr ins Private. Die Herrschaft des Staates wird ja immer totaler. Weil die Menschen immer mehr Angst haben, zu Recht, denn das Leben ist gefährlich. Freiheit ist da eher nebensächlich… Tempolimit kommt auch bald. Richtig so! Aber warum bei 130? Bei 70 wäre alles noch mal so sicher und umweltfreundlich. Und bei 30 erst. Oder dass man überhaupt erst fahren darf, wenn im Radio die Meldung kommt. „Achtung: Auf der A 40 zwischen Duisburg und Dortmund, keine Kinder auf der Fahrbahn. Sie können los!“
Muss man sich überhaupt fortbewegen? Jede Bewegung birgt ein im Grunde untragbares Verletzungsrisiko. Jeder Atemzug birgt die Gefahr, er könnte der letzte sein. Ein Sterbeverbot muss her. Denn Sterben ist bei uns eine der häufigsten Todesursachen. So viele Menschen haben ihren Tod nicht überlebt, das ist doch selbstverständlich, dass der Staat da gesetzgeberisch eingreift… Na los! Nichts wie ran!
P.S.: Ich habe meine Magic-Karten Sammlung damals für 200 DM verkauft. Das erklärt auch, warum aus mir so ein schlechter Mensch geworden ist.
Deine Magic-Karten Sammlung war nur 200DM wert, da kannst du nicht lang dabei gewesen sein. Heute sind schon die Karten aus einem vernünftigen Deck mindestens eine zentel Feinunze wert.
Tja, da wurde ich wohl abgezockt ;)
Hab gerade mal geschaut, was ein Black Lotus heute wert ist. Damals waren´s 450DM. Heute müsste man mindestens einen Tausender (€) hinlegen…Angebot und Nachfrage…
Mal abgesehen davon, dass die total überzüchteten Karten der frühen Serien die heutigen Magic-Karten total abledern würden.
Das stimmt wohl. Schön zu sehen, dass Magic sich heute noch großer Beliebtheit zu erfreuen scheint. Seit ein paar Monaten hat auch mich wieder das Fieber gepackt. Diesmal habe ich mir allerdings nur vorgefertigte Decks zugelegt. Das reicht mir zum zocken…
Btw.: warum sprengt man Toilettenschüsseln? Um einen neuartigen Unterwassersprengstoff zu testen? Um das männliche ‘Gewaltmonopol’ in Sachen Sachbeschädigung zu bestätigen?
Mädchen verstehen und machen sowas nicht … d. h., ein Staat mit nur weiblicher Bevölkerung bräuchte auch keine Terrorkartei. (Ach, warum müssen wir nur das Land mit Euch teilen ;-) …
@ F.Alfonzo // Sorry, falsch platziert.
Warum? Ich würde sagen aus Neugier. Freude am Experiment. Vielleicht ist das der Grund, warum die meisten Naturwissenschaftler männlichen Geschlechts sind?
Ab und zu geht dann halt mal etwas in die Brüche, aber das ist der Preis des Fortschritts, nicht wahr? ;-)
Besagter Freund ist heute übrigens Ingenieur. :-)
Ja. Ist wohl auch der Grund, warum die meisten Politiker männlichen Geschlechts sind und schon mal was in die Brüche geht – wie z. B. ihr Freiheitsbegriff. Die allermeisten Verbote, die grösste Bevormundung kommen tatsächlich von Männern … oder sind die etwa nur der verlängerte Arm von Mutter Staatin? Hier herrscht noch Klärungsbedarf ;-) …
Die gleichen doch nur aus, dass sie daheim nichts zu melden haben :D
Der Unterschied ist, dass wenn anstatt ein Mann eine Frau bevormundet, diese oft nicht weiß, dass sie es tut.
Die wissen sehr genau, was sie tun, glaub mir das.
Ja, aber mehr als DAS ist doch gar nicht verlangt :) =
http://www.youtube.com/watch?v=-v5XYt0Cvxo&feature=related
Wenn dem so ist, dann bedenke bitte die Proportion dieser Übertragung!!! Ist das noch gerecht ;-)) ?
touché…
zumindest zum Teil.
Die Freude am explodierenden Experiment wirst du den Männern nicht absprechen wollen, oder?
Und ich stimme zu: Frauen in der Politik (ok: sagen wir: in der Außenpolitik, der Rest ist sowieso nur Unsinn) könnten wir wirklich brauchen.
Obwohl: Maggie Thatcher war auch ne Frau (zumindest geht man heutzutage davon aus), und was war los? Krieg gegen Argentienien.
Ja, die Welt wäre so viel besser, wenn sie von Frauen regiert würde.
DAS wäre das Letzte, was ich gesagt haben wollte, believe me ;-)! Dass öffentliche Bevormundung nicht direkt von ihnen ausgeht, liegt möglicherweise nur daran, dass sie ‘vorne’ nicht mehrheitlich mitmischen … aber an gedeihlichen politischen Absprachen hapert’s halt.
Ach, Maggie Thatcher, Tansu Ciller, Benazir Bhutto, Condi Rice, Madelene Albreit.
Alles Friedensengel in Person.
Auch wenn Madeleine Albright m.W. selten breit war – bei dieser Liste würde ich sagen: Frauenpower, warum nicht?
;-)
Witze die Rassismus zum Inhalt haben (hier Geschlechterrassismus) sind geschmacklos. Es gibt genug Verrückte die solche Sprüche ernst meinen und entsprechend handeln.
Btw.: warum sprengt man Toilettenschüsseln?
Ist eine gangbare Methode, um über die Kanalisation aus einem Hochsicherheitsgefängnis auszubrechen. Da Männer aufgrund ihrer genetisch veranlagten Gewalttätigkeit sowieso mit erhöhter Wahrscheinlichkeit früher oder später in einem solchen landen, üben sie halt vorher schonmal, wie sie dann wieder rauskommen.
Ein Sterbeverbot finde ich nicht so sinnvoll, alleine schon wegen der Demographie. Mir schwebte da eher die steuerfinanzierte Zwangsmitgliedschaft bei Exit vor. Bei gleichzeitiger Schliessung aller Pflegeheime, wohlverstanden. Für Deutsche würde sich Dignitas besser eignen, da Exit nur Schweizer aufnimmt.
@Jo@chim:
Vielen Dank für diesen Beitrag!
Als ich das letzte Woche in unserer Lokalzeitung las, hatte ich das völlig illiberale Gefühl, ich müßte diversen Schuldirektoren mal einen kräftigen körperlichen Verweis erteilen …
Lieber ,
vielleicht brauchten wir eine neue 68er Zeit; aber kommen wird sie nicht.
Die weltweite Jugendrevolte in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre war aus meiner Sicht die Reaktion der Nachkriegsgeneration darauf, daß es ihr so gut ging wie keiner Generation zuvor: Aufgewachsen im Frieden und in wachsendem Wohlstand, wollte man noch mehr von allen diesen schönen Dingen. Man hatte ein gutes Leben, und man wollte das Paradies.
Und man rebellierte gegen die Moral der Eltern und Großeltern, die in mehr als 30 Jahren Krieg, Unsicherheit und Dikatur entstanden war. Diese harte Moral, diese überhaupt nicht hedonistische Moral stand dem eigenen Hedonismus im Wege.
Dabei waren man diesen Eltern und Großeltern in vielem immer noch ähnlich – unduldsam, in den Kategorien von Freund und Feind denkend, auch brutal. Die RAF führte die Mentalität der SS fort, so wie die Straßenkämpfer à la Joschka Fischer in der Tradition der SA standen.
Davon ist heute kaum noch etwas übrig; außer ein paar Gestalten an den beiden extremen Rändern.
Und es gibt ja auch nicht mehr die Generation der autoritären Väter, gegen die man antiautoritär aufbegehren konnte.
Der heutige, zunehmend repressive Staat ist nicht Vater Staat, sondern Mutter Staat. Er befiehlt uns nicht im Namen der Moral, sondern er erdrückt uns im Namen der Fürsorglichkeit.
Dagegen ist ungleich schwerer anzukämpfen.
Herzlich, Zettel
Die Standardverteidigung gegen Fürsorglichkeit, ist das man das Nest verlässt und hier scheinen die Deutschen keine Defizite zu haben.
Ist das Problem nicht vielmehr, dass gar nicht viele dagegen überhaupt ankämpfen wollen? Zumindest die Fürsorglichkeit, die einem selber zu Gute kommt, soll doch bleiben. Die anderer kann natürlich weichen.
Per Definition kann eine Demokratie, in der die Mehrheit irgendeine Art Nanny-State möchte, nur eine Art Nanny-State sein.
Lieber Zettel,
danke für Deinen Kommentar – Du bist der erste, der die Murmel in den Kern meines Beitrages wirft ;-)
Aber: Ich stimme Dir in der Beurteilung der führenden Köpfe der “68′er” z.B. in Deutschland oder in Frankreich zwar vollkommen zu, doch dass diese Konzentration auf die selbsternannte(n) Avantgarde(n) des Proletariats, die sich an die Spitze der Jugendbewegung gestellt haben, zu kurz greift, zeigt schon der Blick über den Teich nach USA – die Bürgerrechtsbewegung oder die Entstehung der Libertarian Party aus der Anti-Kriegsbewegung fallen in den selben Zeitraum.
Gegen Deine Argumentation als “Wohlstandsrevolte” (wenn ich das recht verstehe) spricht auch die Freiheitsbewegung des “Prager Frühlings” in der CSSR – auch der Liberale Vaclav Havel ist ein 68er…
Nein, bestimmend war nicht der – sicher vorhandene, und für mich im Übrigen keineswegs negativ konnotierte – Hedonismus, sondern das antiautoritäre Moment. Wenn die skandierten “unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren”, dann war das zwar gemein und wohl auch übertrieben – aber sie hatten Recht. In den folgenden Jahren wurden überall verknöchterte, verbräste Verhältnisse aufgebrochen, auch und gerade in der Provinz. Ich habe die “Nachwehen” zu Beginn meiner Politisierung in den 73/74ern noch mitbekommen: es war eine Befreiung!
(Einschub in dem Zusammenhang: die “Moral unserer Eltern und Grosseltern” ist IMHO nicht durch Krieg, Unsicherheit und Diktatur entstanden, sondern die Verabsolutierung deutscher Sekundärtugenden machte umgekehrt Krieg, Unsicherheit und Diktatur erst möglich.)
Könnte es nicht sein, dass die Unwahrscheinlichkeit eines “neuen 1968″ – im Sinne einer Revolte gegen die autoritären Väter (oder meinetwegen überfürsorglichen Mütter) – vielleicht überhaupt nicht an der Übermacht des repressiven Staates liegt, sondern daran, dass wir als Liberale und Libertäre den freiheitlichen Kern der Bewegung den zu Mächtigen gewordenen Protagonisten von damals kampflos überlassen?
Hätten wir nicht jede Chance zu zeigen, dass der grundsätzliche Denkfehler war, mehr Freiheit in reaktionärem Denken (nämlich im Rückgriff auf sozialistische Utopien) zu suchen, anstatt in einer Befreiung des Kapitalismus von korporatistischen und ständischen Überbleibseln?
Äh, ja, gut beobachtet, erst noch was zu Zettels Kommentar, dieser ist (wieder mal) zu gradlinig ausgefallen, die Parallelen zur SS und zum Nazideutschland mögen zwar am Rande vorhanden gewesen sein, aber die 68er waren eher Stalinisten, Utopisten und Spassmacher als SSler. (Wers nicht glaubt kann sich ja mal die Muskik dieser Zeit anhören. ;–)
Den so genannten Prager Frühling würde ich in _keinem_ Zusammenhang mit den 68ern sehen, ausser in einem zeitlichen.
Es soll ja mal Treffen gegeben haben bei denen die Leute nichts miteinander anfangen konnten bzw. die Tschechen sich über die Idioten aus dem Westen wunderten. Die Tschechen sind halt schlaue Leute und wollten den Kommunismus verbessern, also letztlich loswerden, mehr wars nicht damals.
@Joachim:
> der Blick über den Teich nach USA …
… hilft hier wenig weiter, weil sich die deutschen 68er maximal beim Outfit oder den Protestformen an den USA orientiert haben – inhaltlich leider fast nicht.
Und noch weniger hilft der Verweis auf Prag und Havel – die Freiheitsrevolte dort fand zwar auch 1968 statt, das war es aber auch schon an Gemeinsamkeiten.
In Folge haben sich die deutschen 68er ja eher mit den Unterdrückern in Prag gemein gemacht.
> Wenn die skandierten “unter den Talaren der
> Muff von 1000 Jahren” …
Dann war das die 68er-typische Fixierung auf Äußerlichkeiten.
Die Talare wurden abgeschafft – und mit ihnen ziemlich alle Traditionen, die in einer Universität Gemeinschaft stiften können. Und heute sehen wir neidvoll nach England oder anderen Ländern, wo diese Traditionen noch intakt sind und mühsam wird mit neuen Feiern versucht, wieder etwas Stil und akademischen Geist zu installieren.
Der Muff dagegen blieb weitgehend derselbe, bzw. wurde zeitgeistig durch anderen Muff ersetzt.
Die Autoritätsfixierung der “Studentenrevolte” blieb die klassische, nur die Autoritäten wurden gewechselt. Der Anspruch auf Kritikfähigkeit beschränkte sich auf Übernahme von Kritikritualen, eigenständiges Denken war verpönt.
Auch heute noch geht es ja politisch korrekt nur um Äußerlichkeiten.
Da kann einer der fieseste Chauvinist sein – solange der brav die Sprachkonventionen und das Binnen-I verwendet, geht er als Feminist durch.
Und wer den angesagten Öko-Ritualen huldigt, braucht sich über echten Umweltschutz keine Gedanken mehr zu machen.
Die wirklichen gesellschaftlichen Fortschritte wurden nicht wegen, sondern trotz der 68er-Übertreibungen durchgesetzt.
Ein neues 68 wäre das Letzte, was wir jetzt brauchen – wir haben die Schäden des letzten 68 immer noch nicht überwunden.