Positionspapier: Liberale Referenzposition zur Schulbildung
Aufgeschreckt von den Ergebnissen der PISA-Studien überschlagen sich die Diskussionen zu einer Schulreform in Deutschland.
Sozialisten verweisen auf das Beispiel von Finnland, das bei den PISA-Studien mit einer Einheitsschule gut abgeschnitten hat, und fordern auch für Deutschland die Umstellung auf Gesamtschulen. Konservative setzen sich für den Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems ein, die FDP will ein zweigliedriges Schulsystem.
Gemeinsam ist allen Parteien, dass sie über die Bildungspolitik und eine Schulpflicht vorgeben wollen, wie Bildung für alle auszusehen hat.
Unter dem Titel “Liberale Referenzposition zur Schulbildung” stellt die libertäre Plattform in der FDP in einem Positionspapier zur Bildungspolitik dem eine konsequent liberale Argumentation entgegen und versucht liberale Alternativen aufzuzeigen (hier als PDF-Download – weiter unten dokumentiere ich den Text komplett).
Lesenswert für alle, die sich mit Thema näher auseinandersetzen wollen.
Mir gefällt besonders, dass nicht lediglich moralisierend und (schein-)radikal gegen “den Staat als Wurzel allen Übels” polemisiert wird, sondern – wenigstens ansatzweise – im Sinne einer Annäherung des Status quo an die liberale Referenzposition versucht wird, konkrete Positionen zu dessen Transformation in Richtung frei(erer) Bildung zu entwickeln.
Übrigens: dass das im Positionspapier erwähnte ursprünglich von Milton Friedman entwickelte Konzept der Bildungsgutscheine, als Mittel Marktprozesse in der Bildung zu etablieren, brandaktuell und praktikabel ist, noch dazu in einer Gegend Europas wo zumindest ich das nun überhaupt nicht erwartet hätte – dazu mehr beim Kollegen von Letter of Intent: Friskola heisst freie Schule auf …
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Dokumentation: Liberale Referenzposition zur Schulbildung – Ein Positionspapier
Die Situation der Schulbildung in Deutschland
Aufgeschreckt von den Ergebnissen der PISA-Studien überschlagen sich die Diskussionen zu einer Schulreform in Deutschland.
Sozialisten verweisen auf das Beispiel von Finnland, das bei den PISA-Studien mit einer Einheitsschule gut abgeschnitten hat, und fordern auch für Deutschland die Umstellung auf Gesamtschulen. Konservative setzen sich für den Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems ein, die FDP will ein zweigliedriges Schulsystem.
Gemeinsam ist allen Parteien, dass sie über die Bildungspolitik und eine Schulpflicht vorgeben wollen, wie Bildung für alle auszusehen hat. Lehrpläne werden dabei von Beamten nach deren Sicht in Bezug auf Wahrheit und die Relevanz von Inhalten aufgestellt, der Mensch wird zum uniformiert gebildeten Staatsbürger.
Es wird argumentiert, dass in der Gesellschaft ein einheitliches Normen- und Wertesystem geschaffen werden müsse, welches für das Zusammenleben unverzichtbar sei, dass ohne Kontrolle durch die Regierung unterschiedliche moralische, religiöse, weltanschauliche und politische Inhalte vermittelt würden, die zu einer Unvereinbarkeit untereinander führten; bis hin zu sich feindlich gesinnten Parallelgesellschaften, dass „die“ Wirtschaft standardisierte Abschlüsse brauche und dass für die Zukunft jedes Einzelnen Bildung so entscheidend sei, dass man sie nicht dem Zufall überlassen dürfe.
Bei dieser Argumentation wird ignoriert, dass die meisten Länder in Europa und auf der Welt keine Schulpflicht haben. Hierzu gehören Länder wie die Schweiz, Australien, Holland, Dänemark, Schweden, Frankreich, England, Österreich, Kanada, Irland, Schottland, Neuseeland, Spanien, Portugal, Italien, Belgien, die Tschechische Republik, Ungarn, Polen, Russland, Norwegen, die Slowakei, die USA – und auch Finnland.
In diesen Ländern stehen die öffentlichen Schulen im Wettbewerb mit privaten Bildungseinrichtungen, dort gibt es Hausunterricht oder selbstständiges Lernen („Unschooling“), zum Teil eine Bildungspflicht, aber keine Schulpflicht.
Ignoriert wird auch, dass eine Befreiung von der Schulpflicht auch in Deutschland in Ausnahmefällen möglich ist, mit Resultaten, die die Schulpflicht als generelle Vorschrift in Frage stellen.
In Deutschland hilft es, einer „Boygroup“ anzugehören, um frei unterrichtet werden zu können. Die Behörden erkennen damit an, dass es Situationen gibt, in denen die Schulpflicht anderen Bestrebungen im Wege steht, die als wichtig genug erachtet werden, die Schulpflicht in diesen Fällen hintenanzustellen.
Erstaunlicherweise wird aber nicht zugelassen, dass Kinder außerhalb der Schule unterrichtet werden, wenn als Begründung nur die bessere Qualität der Lernergebnisse im jeweiligen Fall angeführt wird. Somit ergibt sich die absurde Situation, dass Schulbehörden Eltern und Kinder zu einer schlechteren Bildung zwingen können.
Auch im umgekehrten Fall, wenn durch Pflichtbeschulung ein Mindestniveau an Bildung sichergestellt werden soll, ist erfolgreiche schulische Bildung gegen den Willen der Beschulten kaum möglich, wie die Situation an mancher Hauptschule eindrucksvoll zeigt.
Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Prof. Vernor Muñoz, äußerte sich in einem 2007 veröffentlichten Bericht besorgt darüber, dass die restriktive deutsche Schulpflicht die Inanspruchnahme des Rechtes auf Bildung mittels alternativer Lernformen wie Hausunterricht kriminalisiert. Hierbei gehe das speziell deutsche Verständnis einer Schulpflicht zu weit.
Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD) mahnt in ihrem jüngsten Bildungsbericht, das Verbot des Heimunterrichts in Deutschland zu lockern.
Die Schulpflicht setzt voraus, dass der Bürger der Regierung schuldet, von ihren Organen gebildet zu werden. Das ist mit einem modernen Empfinden von Demokratie und Freiheit unvereinbar – „die Bürger bilden den Staat – nicht umgekehrt!“
Zusätzlich zur Schulpflicht ist zu verzeichnen, dass Schulen in ihrer Lehre offiziell einheitlich ausgerichtet werden. Selbst in Fragen der Politik und der Parteien ist offiziell Pluralismus gefordert – in Fragen der Bildung wird die Vielfalt davon abweichend als Bedrohung dargestellt.
Wenn Lehrpläne einheitlich aufgestellt werden, um das „richtige“ Gedankengut zu vermitteln und das „falsche“ auszuschließen, muss auch die Frage gestellt werden, wer die Ersteller der Lehrpläne in ihrer thematischen Auswahl und Ausrichtung kontrolliert: Wer kontrolliert die Kontrolleure?
Durch den Einfluss der Politik auf die Schulbildung wird eine bestimmte Art von Bildung erzwungen, auch wenn diese nicht mit der Lebensanschauung der Eltern und Kinder übereinstimmt. Beispiele dafür sind:
- die Ablehnung verschiedener Unterrichtsmethoden und -inhalte von unterschiedlichsten Gruppierungen, die größte Gruppierung stellen hierbei die Alternativlerner, die politisch tendenziell „grün“ oder „links“ einzuordnen sind.
- die negative Darstellung von Unternehmen und Unternehmern in Schulbüchern und im Unterricht
- die Ablehnung einzelner Unterrichtsinhalte wie z.B. Schwimmen, Sexualkunde oder Evolutionstheorie von konservativer oder religiöser Seite
- die Ablehnung von erzwungenem sozialen oder geschlechtlichem Umgang von konservativer oder religiöser Seite
Als Argument für die einheitliche Beschulung wird angeführt, dass die Kinder in einer freiheitlichen Gesellschaft gerade vor der einseitigen Sicht der Eltern geschützt werden müssten.
Diese Argumentation vernachlässigt mehreres:
- das Recht der Eltern auf Weitergabe des von ihnen bisher als richtig Erkannten
- es wird davon ausgegangen, dass die Eltern ohne schulische Korrektur ihre Glaubenssätze unverändert an die Kinder weitergeben könnten. Die Erfahrung lehrt, dass Kinder trotz der Erziehung der Eltern zu eigenen Auffassungen kommen, und dass gerade eine einseitige Erziehung oft die größte Gegenreaktion zeitigt.
- dass man den Eltern konsequenterweise ihre Kinder ganz entziehen müsste, um sie vor Einflüssen zu schützen, die mit der jeweiligen mehrheitskonformen Auffassung von Bildung nicht übereinstimmen, wenn man das Recht der Eltern auf Weitergabe ihrer Einstellung nicht respektiert.
- den Schutz von Kindern vor einer einseitigen Sicht der Bürokratie: die Kultusministerien ersetzen nur die Sichtweise der Eltern durch die Sichtweise von Ministerialbeamten, einen individuellen Glauben durch den „Staatsglauben“ über „Richtig“ und „Falsch“. Die Lehrinhalte sind dabei tendenziell deckungsgleich mit den Sichtweisen, die zur jeweiligen Zeit als politische Mehrheitsmeinung gelten können.
Bildung hilft, das Leben zu bestreiten. Allerdings: Lernen findet immer statt – schon das Leben bildet, auf jegliche Weise. Es darf nicht übersehen werden, dass jede Bildung auch Opportunitätskosten in dem Sinne aufweist, das die für die jeweilige Art von Bildung aufgewendete Zeit für andere Arten der Bildung nicht mehr zur Verfügung steht.
Um eine Schulpflicht zu begründen, müsste die Schule zumindest der einzige und beste Ort zum Lernen sein. Bildung ist aber unabhängig von Schulpflicht und Beschulung, und auch das Angebot von öffentlichen Schulen lässt sich daraus nicht ableiten.
Um dem Bildungsauftrag auch gerecht werden zu können, müssten Schulen ein Ort der Geborgenheit sein. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Angesichts der Missstände an deutschen Schulen, mit Gewalt, Mobbing und fehlender individueller Berücksichtigung, schadet Schule – so wie sie ist – zudem vielen Kindern. Schulen sind oft nicht in der Lage, die Unversehrtheit der Kinder sicherzustellen.
Es gibt auch Kinder, für die Schule – egal wie sie ist – nicht der angemessene, geschweige denn der bestmögliche Lernort ist. Die Situation in Deutschland verletzt also tatsächlich nicht nur die Rechte von Eltern, sondern auch die Menschenrechte von Kindern.
Es wird trotzdem verlangt, dass Eltern ihre Kinder notfalls mit Gewalt in der Schule abliefern, ein Ort, der für sie vielleicht nicht der beste Lernort ist und wo ihnen Gewalt durch Mitschüler droht. Solange die Grundbedingungen nicht gewährleistet sind, könnte man aus der Fürsorgepflicht der Eltern auch ableiten, dass sie ihre Kinder zu schützen und nicht mehr der Anstalt Schule auszuliefern haben.
Gleichzeitig wirft der bundesweite Schülerprotest vom November 2008 weiteres Licht darauf, welche Probleme entstehen können, wenn Schulbildung zwangsweise monopolisiert, öffentlich finanziert und zentral gesteuert wird. Bundesweit demonstrieren Schüler wegen der gleichen Probleme, obwohl Bildung Ländersache ist. Immer wieder genannt werden dabei die Punkte „mangelhafter Zustand der Schulen“, „veraltetes Lehrmaterial“, „zu große Klassen“, „Ausfallstunden“ und die „zu große Belastung durch Pflichtstunden“.
Der Grund, dass Alternativen zur öffentlichen Beschulung nicht gelebt und geplant werden, hat vier hauptsächliche Ursachen:
1. Die Finanzierung durch Steuergelder, d.h. das vermeintlich kostenlose Angebot von Schulbildung, führt dazu, dass Alternativangebote einem eklatanten Wettbewerbsnachteil unterliegen. Die Tatsache, dass dennoch Eltern bereit sind, die Schulbildung Ihrer Kinder „doppelt“ zu finanzieren, lässt die Einschätzung der Eltern in Bezug auf das gegenwärtige System erkennen.
2. Behördliche Zuweisungen zu einer bestimmten Grundschule, mit schlichtem Verbot von Wahlmöglichkeiten.
3. Der Schulzwang, der in Ergänzung zur Schulpflicht in der zwangsweisen Zuführung der Schüler zur Schule resultiert, wenn diese ihrer Schulpflicht nicht freiwillig nachkommen.
4. Monopolisierung des Berechtigungswesens: Wenn der Zugang zu gesellschaftlichen Institutionen über Zertifikate wie die staatlichen Schulabschlüsse geregelt ist, werden die Institutionen, die die Lizenz zur Vergabe der Zertifikate haben, zu Monopolisten.
Den vereinzelten Versuchen, alternative Bildungsmöglichkeiten anzubieten und auszuprobieren, wird mit Unverständnis, Bürokratie und Gewalt begegnet. Das gegenwärtige System wird geschützt, obwohl dessen Mängel offensichtlich sind.
Der Schulzwang hat dabei auch in Deutschland eine noch junge Geschichte. 1825 hieß „Schulzwang“ noch die Pflicht der Kommunen, Schulen anzubieten, um Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Erst 1938 wurde der physische Schulzwang durch die nationalsozialistische Regierung mit dem Reichsschulpflichtgesetz eingeführt.
150 Jahre nach der Einführung des Schulzwangs ist das Schulwesen bereits vollständig verstaatlicht und Bildung für Heranwachsende monopolisiert.
Referenzsituation: Ein freies Bildungssystem
Der gegenwärtigen Situation in Deutschland stellen wir die „liberale Referenzsituation“ entgegen, als Maßstab zur Beurteilung von Vorschlägen der politischen Parteien und Eingriffen der Regierungen.
Basis der liberalen Referenzsituation ist die Freiheit und das Selbsteigentum des einzelnen Menschen. Der Mensch ist frei geboren; die ungehinderte freie Entfaltung in allen Lebensbereichen ist nicht nur Voraussetzung für eine bestmögliche Persönlichkeits- und Wohlstandsentwicklung des Einzelnen, sondern zugleich Voraussetzung für die bestmögliche Entwicklung der Gesellschaft insgesamt. Die Schranken der Freiheit des Einzelnen finden sich in den Persönlichkeits- und Eigentumsrechten des jeweils Anderen.
Bildung ist auf dieser Grundlage Privatsache.
Die liberale Referenzsituation zur Bildung zeichnet sich durch die vollständige Abwesenheit von Zwang aus:
- Bildungsangebote entstehen aufgrund der Wünsche der Bürger durch Angebot und Nachfrage am Markt. Jeder hat die Chance, sich selbstbestimmt zu bilden und sein Leben zu gestalten. Nur die Eltern der Kinder und altersentsprechend die Kinder selbst entscheiden über ihre Erziehung und Bildung, über deren Inhalte und Methoden, einschließlich der Wahl der Bildungseinrichtungen.
- Der Erwerb von Bildung wird durch ihre Nutzer, deren Familien, anderen Nutznießern sowie durch Spender und Stifter finanziert.
- Die Bildungseinrichtungen entscheiden selbst über die Aufnahme von Schülern.
Durch den sich entwickelnden Wettbewerb würde das Bildungsangebot bedürfnisgerechter und – bei gleichem Leistungsniveau – preiswerter. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass sich Eltern bei freier Wahl der Bildung auch für ein höheres Niveau an Bildung entscheiden würden und bereit wären, dafür mehr Geld als im derzeitigen System auszugeben.
Kinder und junge Erwachsene brauchen für ihre Bildung, schulisch oder nichtschulisch, eine Vielfalt verschiedener Angebote an Lernorten und Wissensvermittlern, sie brauchen den Kontakt zum wirklichen Leben, von dem sie als Zwangsbeschulte systematisch ausgeschlossen sind. Der Markt ermöglicht nachfragegerechte Angebote – und dies auch preiswerter als jede andere Organisationsweise. Warum sollte man sich auf eine, zwei oder drei Schulformen beschränken, wenn der Markt in der Lage ist, entsprechend den Bedürfnissen der Bürger 10, 100 oder 1000 verschiedene Bildungsmöglichkeiten bereitzustellen?
Wie sind die unterdurchschnittlichen PISA-Ergebnisse deutscher Schüler mit der nicht nur überdurchschnittlichen, sondern hervorragenden Position Deutschlands in der Weltwirtschaft und der hohen Exportquote vor allem des Mittelstandes in Einklang zu bringen? Die Diskrepanz zeigt auf, dass das dazu notwendige Wissen auch aus Quellen außerhalb der bestehenden öffentlichen Bildungseinrichtungen gekommen sein muss. Dies zeigt deutlich den Sinn praktischer und lebensnaher Bildung.
Andererseits hat das gute Abschneiden Japans bei den PISA-Ergebnissen das Land nicht vor der Krise Anfang dieses Jahrhunderts bewahren können. Auch für das 19. Jahrhundert kann man in Untersuchungen schon keinen direkten Zusammenhang zwischen Bildung und Wohlstand feststellen.
Der Bildungs- und Wissenserwerb wird durch neue Technologien wie die Digitalisierung und das Internet immer leichter. Auch vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwieweit das Festhalten an alten und starren Formen der Bildung als einzig zugelassener Form gerechtfertigt werden kann.
Aus Sicht der liberalen Referenzsituation ist der Schul- und Bildungszwang ein unzulässiger Eingriff in die persönliche Freiheit, verbunden mit Indoktrinationspotential von Seiten der Politik.
Regierungen haben den Menschen nicht vorzugeben, wie sie sich zu bilden haben. Liberale wollen keinen Einheitsmenschen nach dem Wunsch einer Regierung. Liberale wollen einen Menschen, der frei ist in seinem Glauben, einen Menschen, der seine Meinung frei äußern kann. Dies ist die Grundlage einer freien Gesellschaft.
In diesem Sinne strebt der Liberalismus die Trennung von Staat und Bildung an; folgerichtig ist das derzeitige Schulsystem zu privatisieren.
Liberale Politik auf dem Weg zum freien Bildungssystem
Deutschland weist in Bezug auf Gesellschaft, Wirtschaft und Politik einen Status quo auf, der die sofortige Einführung von freier Bildung im Sinne der liberalen Referenzsituation ohne Änderung auch anderer Rahmenbedingungen erschwert. So wären z.B. aufgrund der Politik der Vergangenheit viele Familien heute finanziell nicht in der Lage, selbst für eine kostenpflichtige Bildung ihrer Kinder aufzukommen. Deshalb ist umso bemerkenswerter, dass Familien, die ihre Kinder selbst unterrichten wollen, eine kostenlose Bildung ihrer Kinder durch Heimunterricht verwehrt wird, obwohl es auch im Interesse der anderen Bürger wäre, öffentliche Hilfe wie in anderen Bereichen erst bei wirklichem Bedarf zu gewähren.
Auch wenn freie Bildung aufgrund der bestehenden Rahmenbedingungen nicht sofort möglich ist und manche politischen Vorschläge zur Bildungspolitik aufgrund der Abweichung von liberalen Grundsätzen für sich gesehen nicht als liberale Position bezeichnet werden können, ist jede Maßnahme positiv zu sehen, die den Status quo im Sinne einer Annäherung an die aufgezeigte Referenzposition verbessert. Eine solche Politik kann im weiteren Sinne als liberal bezeichnet werden.
Welche weiteren Gründe sprechen gegen die Akzeptanz der liberalen Referenzsituation als Grundlage für die Schulbildung in Deutschland? Würde man eine Liste der beliebtesten Begriffe in der bildungspolitischen Diskussion erstellen, käme „Chancengerechtigkeit“ wahrscheinlich auch innerhalb der FDP auf den ersten Platz. Chancengerechtigkeit wird dementsprechend auch als Begründung für fast alle Eingriffe in den Bildungsmarkt herangezogen, auch wenn sich dahinter oft eine andere Motivation für die Eingriffe verbergen mag.
Chancengerechtigkeit wird allerdings als Konzept auch von Liberalen kontrovers diskutiert, weil der Begriff bei genauerer Betrachtung schon in der Theorie nicht unproblematisch und in der Praxis kaum umzusetzen ist.
Versteht man Chancengerechtigkeit so, dass bei öffentlicher Finanzierung alle das formale Recht auf Zugang zu bestimmten Bildungsgängen haben sollen, müsste der tatsächliche Zugang trotzdem gesteuert werden, damit das Recht auf Bildung die Finanzierbarkeit durch die öffentlichen Haushalte und den tatsächlichen Bedarf nicht sprengt. Unabhängig von der Frage, ob eine Gesellschaft wirklich 100% Abiturienten oder Hochschulabsolventen benötigt, stießen die Etats schon heute schnell an finanzielle Grenzen, wenn alle das formale Recht auf Abitur und Studium auch wahrnehmen wollten.
In der Praxis können die Behörden die Beschränkung des formalen Rechtes über die Variation von Zulassungshürden steuern, vorab über Zulassungsbeschränkungen oder, wenig erfreulich für die Betroffenen, über den Schwierigkeitsgrad der Abschlussprüfungen nach erfolgter Ausbildung. Dieses Vorgehen kann heute schon in Fächern mit Staatsexamina festgestellt werden, in denen der Anzahl der Studenten nur eine durch Regierungen und Behörden festgesetzte und begrenzte Anzahl von Arbeitsplätzen gegenübersteht.
Versteht man Chancengerechtigkeit so, dass allen der Zugang zu einem gleichen Bildungsniveau offenstehen soll, müsste das Bildungsniveau tatsächlich gedeckelt werden, damit nicht das oberste denkbare Bildungsniveau das Recht aller auf gleiche Bildungschancen definiert und die Finanzierbarkeit durch die öffentlichen Haushalte sprengt. Im derzeitigen Schulsystem können tatsächlich Elemente einer Deckelung festgestellt werden, die aber nicht ausreichen, das „Ideal“ der Gleichheit des Bildungsniveaus zu erreichen. Wollte man die Deckelung des Bildungsniveaus wirklich konsequent durchführen, um Bildungsunterschiede zu vermeiden, müssten Regelungen angewendet werden, die nur in totalitären Staaten vorstellbar sind:
- Kinder mit größeren Begabungen müssten daran gehindert werden, ihr Potential auszuschöpfen.
- Eltern mit einem höheren Bildungsniveau müssten daran gehindert werden, Ihre größeren Kenntnisse an ihre eigenen Kinder weiterzugeben. Lehrerkinder dürften in der Schule nicht besser sein als andere Kinder, Eltern mit besonderen Sprachkenntnissen dürften mit ihren Kindern nur Deutsch sprechen.
- Eltern mit größeren finanziellen Ressourcen dürften diese nicht dafür verwenden, ihren Kindern eine bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen.
- Eltern mit gleichen finanziellen Ressourcen wie andere Eltern dürften nicht einen größeren Teil ihres Geldes in die Ausbildung ihrer Kinder investieren, wenn sie dies als wichtiger erachten als anderweitigen Konsum.
So absurd diese Vorstellungen im Beispiel scheinen mögen, unterliegt doch einigen Begründungen für öffentliche Schulen, die das Bildungsniveau nicht zu weit auseinanderfallen lassen soll, diese Vorstellung der Deckelung des Bildungsniveaus. Man kann dies auch in der öffentlichen Diskussion feststellen, wenn es als „ungerecht“ bezeichnet wird, wenn manche Eltern, vor allem „die Reichen“, ihren Kindern eine bessere Ausbildung ermöglichen könnten.
Die Gegenfragen liegen nahe:
Ist es für eine Gesellschaft schlecht, wenn es große Abweichungen Einzelner nach oben gibt? Ist ein Einstein von Nutzen oder von Schaden für die Gesellschaft?
Muss die Bildung gedeckelt werden, d.h. muss Einstein in seinen Kenntnissen beschränkt werden, damit er nicht über die anderen hinausragt?
Oder brauchen wir im Rahmen der Chancengerechtigkeit 100% Einsteins? Müssen dann alle anderen unter Einsatz aller Ressourcen auf das Niveau von Einstein gehoben werden? Und müsste Einstein aus Gerechtigkeitsüberlegungen wieder zwangsweise gedeckelt werden, wenn die anderen Kinder trotz der Anstrengungen doch nicht das Niveau von Einstein erreichen?
Ist es zu bemängeln oder zu behindern, wenn Eltern ihren Kindern eine bestmögliche Bildung mit auf den Weg geben wollen, selbst wenn sie dafür größere Ressourcen zur Hand haben als andere Eltern?
Wenn man es als ungerecht empfindet, dass manche Eltern größere Ressourcen zur Hand haben als andere – müsste man auch verhindern, dass Eltern zugunsten der Ausbildung ihrer Kinder im Vergleich zu anderen Eltern einen größeren Verzicht auf anderweitigen Konsum tätigen?
Müsste man auch verhindern, dass Eltern ihre Kinder bestmöglich fördern, indem sie überdurchschnittliches Wissen weitergeben, das von ihrer finanziellen Ausstattung unabhängig ist? Ist diese Art der Wissensweitergabe anders zu beurteilen, als Eltern, die die Bildung ihrer Kinder durch Bezahlung externer Bildungseinrichtungen fördern?
Könnte man nicht mit gleicher Berechtigung fragen, ob nicht z.B. diejenigen Eltern benachteiligt sind, die Ihren Kindern selbst wenig Wissen weiterzugeben haben und dies mit teurer externer Ausbildung kompensieren müssen?
In einer Gesellschaft, in der Pluralität gewünscht wird und in der der Wohlstand auf Arbeitsteilung beruht, ist es kontraproduktiv, wenn das Bildungssystem auf das gegensätzliche Prinzip der Vereinheitlichung ausgerichtet wird und Differenzierung nicht erlaubt. Abweichende Ausnahmeleistungen von Einzelnen, die wie im Falle Einsteins von Nutzen für die gesamte Gesellschaft sind, wären in einem solchen System systemfremde Zufallsprodukte, statt zugelassen und gefördert zu werden.
Freie Menschen halten Unterschiede nicht nur aus, sie sehen, dass Unterschiede die Voraussetzung für Handlungsfreiheit – für alle – sind. Oder umgekehrt ausgedrückt: Handlungsfreiheit führt immer zu Unterschieden, weil jeder seine eigenen unterschiedlichen Vorstellungen verwirklichen kann. Mit Unterschieden, die sich nicht auf Geld gründen, muss sogar im Sozialismus umgegangen werden.
Berücksichtigt man das Recht der Eltern, ihren Kindern eine möglichst gute Bildung zu vermitteln, sowie die Finanzierbarkeit und den gesellschaftlichen Bedarf an Bildung, kann es im Grunde bei der Forderung nach Chancengerechtigkeit also nur darum gehen, ein Mindestniveau an Bildung zu definieren, zu dem alle Zugang haben sollen.
Akzeptiert man als Liberaler diese Forderung, so rechtfertigt dies jedoch noch nicht die bestehenden steuerfinanzierten Aktivitäten und Eingriffe im Bildungswesen, geschweige denn weitergehende gewünschte politische Maßnahmen wie die Einführung einer einheitlichen Schule für alle.
Der Zugang zu einer nicht kostenlosen Mindestbildung hängt dabei hauptsächlich von einem Punkt ab – der Finanzierbarkeit der am Markt erhältlichen Bildungsangebote für den Einzelnen.
Dieser Punkt kann durch eine reine Bezuschussung oder Kreditgewährung für die Bildungswilligen gelöst werden, die die definierte Art der Grundbildung nicht selbst bezahlen können. Die grundlegende Bildung würde dann nicht mehr von der finanziellen Ausstattung des Einzelnen oder seiner Familie abhängen, und der bürokratische Apparat zur Gewährung der öffentlichen Unterstützung ließe sich auf eine rein finanzielle Hilfe beschränken, ähnlich der Gewährung von Wohngeld oder ergänzender Sozialhilfe. Die Errichtung und der Betrieb von öffentlichen Schulen oder die kostenlose Bereitstellung von Bildung ist für den Zugang zu einer definierten Grundbildung nicht notwendig.
Es darf aus liberaler Sicht aber nicht außer acht gelassen werden, dass auch mit einer Subventionierung von Bildung die bekannten negativen Folgen von Subventionen verbunden sind, wie die zentralplanerische Definition eines Bedarfsniveaus mit Beeinflussung der individuellen Nachfrage und der Verzerrung des Preisniveaus. Hinzu kommen die Bevorzugung individueller berechtigter Bildungsanbieter, falls den Subventionierten nicht völlig freie Hand bei der Verwendung der Subventionen gelassen wird, und die Verhinderung oder Verschleppung von Strukturwandel bei der Definition der zu subventionierenden Leistungen.
Aus liberaler Sicht stellt die Bezuschussung eines definierten Bildungsniveaus allerdings noch den geringsten Eingriff in den Bildungsmarkt dar, wenn man diese nicht unproblematische Abweichung von der liberalen Referenzsituation in Kauf nehmen will. Die Herausforderung besteht darin, wie immer, wenn Eingriffe zugelassen werden, der Ausweitung des Instrumentes entgegenzuwirken und die Abweichung möglichst klein zu halten. Das bedeutet, dass erstens das geforderte Mindestniveau an Bildung auf einem Niveau gehalten wird, das noch als „Mindestniveau“ im Wortsinn gelten kann, dass zweitens freie Bildung als wählbare Alternative zugelassen wird und gleichzeitig der Rest der Gesellschaft so liberalisiert wird, dass der Anteil der Bürger, die Zuschüsse benötigen, kleinstmöglich wird. Für den verbleibenden Rest der Bürger, die sich unter diesen Rahmenbedingungen das Mindestniveau an Bildung nicht leisten könnten, stellt sich dann aber die Frage, ob noch öffentliche Hilfe notwendig wäre oder ob nicht ausreichend Bürger und private Institutionen zur Verfügung stünden, die durch freiwillige Solidarität anderen ein Mindestmaß an Bildung ermöglichen wollen. Die Politik generiert selbst kein Einkommen und finanziert sich aus den Einkommen der Bürger. Öffentliche Hilfe ist deshalb nur über den zwangsweisen Einzug von Einkommensteilen der nicht hilfsbedürftigen Bürger möglich. Deshalb muss öffentliche Hilfe immer in dem Sinne legitimiert sein, dass die Bürger sich nicht selbst helfen können oder ihnen durch dieselben Bürger, die zwangsweise über Steuern helfen müssten, nicht schon freiwillig geholfen wird.
In Sinne der oben behandelten Fragestellung einer Annäherung des Status quo an die liberale Referenzposition sind die folgenden stichpunktartig aufgeführten bildungspolitischen Positionen, die in der öffentlichen Diskussion vernommen werden können, als liberal einzuordnen. Die aufgeführten Punkte sind dabei nicht als Programm der Libertären Plattform zu verstehen, sondern als Einordnung von Vorschlägen, die von verschiedenen Seiten vorgebracht werden. Im Anschluss daran sind bildungspolitische Positionen aufgeführt, die im weiteren Sinne als nicht liberal einzustufen sind, weil sie von der liberalen Referenzsituation wegführen.
Annäherung an die liberale Referenzsituation
1. Deregulierung und Privatisierung
- Keine Einmischung des Bundes in Bildungsangelegenheiten
- Übertragung von bisherigen Bildungsaufgaben der Landesregierungen auf die Kommunen
- Übertragung von Bildungsaufgaben der Kommunen auf die Schulen.
- Selbstverwaltung der Schulen mit Aufstellung des Lehrplans und autonomer Entscheidung über die Einstellung und Kündigung von Lehrern
- mehr Gestaltungsspielraum für Lehrpläne auf möglichst schülernaher Ebene
- Erlaubnis der simultanen Gründung privater und freier Schulen
- Privatisierung oder Übertragung von Bildungseinrichtungen – Kommentar: Eine Übertragung ist z.B. als „GmbH“ oder „Genossenschaft“ in das Eigentum z.B. der jeweiligen Lehrer möglich. In der Praxis kann z.B. auf das funktionierende Beispiel der Wohngenossenschaften verwiesen werden, bei denen die Nutznießer des Genossenschaftszwecks gleichzeitig Eigentümer und Entscheider sind.
- Registrierungsmöglichkeit von bestehenden und zu gründenden Einrichtungen als Bildungsstätte ohne Erlaubnis oder Lizenz oder Beurteilung der Bildungsstätte durch Regierungen
- Erlaubnis von Lernen zu Hause („Homeschooling“) und freiem Lernen
- Aufhebung des Beamtentums bei Lehrern
- Mehr Konkurrenz unter Schulen auch auf lokaler Ebene
2. Finanzierung von Bildung
- Bildungskosten werden selbst getragen, ggfs. Bezuschussung von Familien, die die Kosten nicht selbst tragen können
- Ausgabe von Bildungsgutscheinen mit einheitlichem Wert, die Eltern für jedes Kind erhalten. Mögliche Effekte und Ausgestaltungen:
- Einlösung der Gutscheine bei einem Lern- und Bildungsanbieter der Wahl, inklusive öffentlicher Schulen
- Bildungsgutscheine ermöglichen allen die Bestreitung der Kosten, die mit Bildung verbunden sind.
- Durch den Bildungsgutschein hätten Eltern die Freiheit, für ihre Kinder die Bildungsform zu wählen, die ihren ethischen und pädagogischen Vorstellungen entspricht.
- Öffentliche wie private Schulen erhalten Geld in Relation zu der Menge an Gutscheinen (Schüler), die sie haben.
- Durch die bestehenden Verrechungssätze für die Schulen wäre ein Gutscheinsystem relativ einfach einzuführen, da bereits eine Verrechnungsbasis vorhanden ist. – Kommentar: Ein unbürokratischer Weg zur Umsetzung des Gutscheinprinzips wäre die Verrechnung über Steuern, mit Auszahlung der Differenz, wenn die Steuerschuld kleiner ist als der Bildungssatz. Dies entspräche einer negativen Einkommenssteuer.
Aus liberaler Sicht weisen Bildungsgutscheine folgende Nachteile auf: Es wird ein Anreiz für ein bestimmtes Bildungsniveau und eine Richtung gesetzt, auch wenn dieses Niveau individuell und gesamtgesellschaftlich nicht optimal sein muss (Beispiel „Abiturientenquote“). Bildungsgutscheine stellen aus liberaler Sicht eine bürokratische Kompromisslösung zur reinen Bezuschussung von Bedürftigen dar. Unter derzeitigen Rahmenbedingungen hätte man aber zumindest den Effekt, dass alle steuerzahlenden Familien einen Teil der bereits gezahlten Steuern auf diesem Wege wieder zurückbekämen.
3. Ordnungspolitik
- Regelung eines verpflichtenden Basispaketes, das alle Bildungsanbieter anbieten müssen (analog dem Vorschlag für die Krankenversicherungen). – Kommentar: Aus liberaler Sicht weist ein verpflichtendes Basispaket folgende Nachteile auf:
- Eingriff in die Lehrinhalte und Wahlfreiheit
- Verschwendung von Ressourcen, wenn nicht alle Bildungsnachfrager das identische Bildungspaket benötigen
Definition von standardisierten „Staatsabschlüssen“, die Schulen zusätzlich zu ihrer Ausbildung anbieten können (freiwillig oder vorgegeben). – Kommentar: Aus liberaler Sicht weisen standardisierte Abschlüsse folgende Probleme auf: Eingriff in die Lehrinhalte bei verpflichtendem Angebot von „Staatsabschlüssen“, dadurch Vereinheitlichung des Bildungsangebotes, Aufrechterhaltung der Aufsicht von Behörden über die Bildung, Verschwendung von Steuergeldern durch Aktivität der Regierung bei nicht verpflichtendem Angebot von „Staatsabschlüssen“
- Weniger oder keine Regeln für Grundschulen. – Kommentar: Eine Alternative zu verpflichtenden Basispaketen oder staatlichen Abschlüssen wäre, höhere Bildungseinrichtungen eigenständig über die Aufnahme von Schülern nach Aufnahmetests oder Abschluss einer akzeptierten Schulform entscheiden zu lassen. Dadurch werden die Anforderungen an die vorhergehenden Bildungseinrichtungen automatisch gesetzt. Dieses Prinzip würde auch greifen, wenn die Grundschulbildung nicht oder weniger geregelt wäre. In den bei PISA führenden Ländern Schweden und Finnland beschränkt sich die Politik auf grundsätzliche Fragen und die zentrale Verwaltung auf die Bewertung und Beratung von Bildungsinstitutionen.
4. Detailverbesserungen des bestehenden Systems
- Berücksichtigung von Bildungserfahrungen in anderen Ländern (Stichwort „Benchmarking“) und Einführung der entsprechenden besseren Komponenten, Test der Neuerungen auf schulischer Ebene vor Einführung in den Bundesländern
- Jede Schule erhält Personal- und Sachmittelbudgets in Abhängigkeit von ihrer Schülerzahl (Kommentar: Verbesserung, aber schlechtere Lösung als Gutscheinsystem oder Direktsubvention der Schüler)
- Einführung von Transparenz: Vollständige Information über Jahrgangsquoten und Erfolge etc., Erleichterter Zugang für externe Vergleichsanbieter (z.B. Stiftung Warentest u.a.).
- Steuerabzug: Abzug der Bildungsausgaben von der Steuerlast, da Bildung die Investition in zukünftiges Einkommen ist, das der Steuer unterliegt. Investitionen in die berufliche Bildung – von Einzelnen sowie von Unternehmen – und Investitionen in Sachkapital müssen gleichgestellt und damit auch der gleichen steuerlichen Behandlung unterworfen werden.
Entfernung von der liberalen Referenzsituation:
In Bezug auf die liberale Referenzposition sind folgende Vorschläge als nicht liberal einzustufen:
- Jede weitere Zentralisierung der Bildung (z.B. Verlagerung von Kompetenzen weg von den Ländern zum Bund)
- Beibehaltung der Schulpflicht
- Nichtzulassung freier Schulen durch gesetzliche und behördliche Vorgaben
- Einführung einer Gesamtschule, wenn gleichzeitig andere Schulsysteme als Alternative abgeschafft werden
- Zuordnung von Kindern zu bestimmten Schulen abhängig vom Wohnort
- Anhebung der Pflichtschulzeit, Erhöhung der Anzahl der Schulstunden und der zu unterrichtenden Fächer. – Kommentar: Dadurch würde die Zeit, die Schülern und Familien für bisher freie Bildungsentscheidungen und Lernen außerhalb der Schule zur Verfügung steht, weiter eingeschränkt.
Verpflichtendes Angebot von Religionsunterricht durch öffentliche Schulen statt durch die Religionsgemeinschaften selbst.
Die Libertäre Plattform unterstützt jegliche Initiative, die sich in Deutschland für das natürliche Recht des Einzelnen, über seine Bildung selbst zu bestimmen, einsetzt.
Diese Initiativen beruhen oft auf persönlichen Erfahrungen von Eltern und Schülern mit dem bestehenden System. Die Libertäre Plattform hofft, dass diese Erfahrungen, die zum Wunsch nach mehr Selbstbestimmung bei der eigenen Bildung geführt haben, auch auf andere Bereiche übertragen werden, in denen man selbst nicht betroffen ist. Selbstbestimmung ist innerhalb eines politischen Systems nur möglich, wenn sie als generelles Prinzip jedem Bürger in jedem Bereich zugestanden wird.
Die Libertäre Plattform ruft jeden Liberalen und jede liberale Organisation dazu auf, auch bildungspolitische Vorschläge konsequent an liberalen Grundsätzen auszurichten und auf Positionen zu verzichten, die kurzfristige Vorteile zu versprechen scheinen oder der eigenen Auffassung der Lebensführung entsprechen, die im Grundsatz aber nicht liberal sind. Liberale Politik kann nur insgesamt glaubwürdig und erfolgreich sein. Die Leitlinien liberaler Politik müssen für alle in jeder liberalen Position klar und erkennbar sein.
Der Staat ist ein System, gesteuert durch Politik, mit dem die freie Entscheidung eines Einzelnen durch eine Zwangsbestimmung ersetzt werden kann. Es ist deshalb für eine freie Gesellschaft überlebensnotwendig, dass jeder Eingriff in die Freiheit des Einzelnen nur legitimiert werden kann, wenn eine Alternative nicht zu erkennen ist.
Wird wie bei der Schulbildung auch über diejenigen bestimmt, die öffentliche Hilfe weder wollen noch brauchen und blickt man gleichzeitig auf die erfolgreicheren und freieren Regelungen in anderen Ländern, kann von einer fehlenden Alternative nicht mehr gesprochen werden.
Die gesetzlichen Vorschriften zur Schulbildung in Deutschland und insbesondere die deutschen Sonderregelungen zu Schulpflicht und Schulzwang können aus liberaler Sicht nicht legitimiert werden und stellen einen schwerwiegenden Eingriff in die Lebensführung der einzelnen Bürger dar.
Literatur
Greenberg, Daniel: Ein klarer Blick – Neue Erkenntnisse aus 30 Jahren Sudbury Valley School. Leipzig 2006.
Holt, John: Aus schlauen Kindern werden Schüler … Von dem, was in der Schule verlernt wird. Weinheim 2004.
Pousset, Raimund: Schafft die Schulpflicht ab!. Frankfurt a. M. Eichborn 2000.
Rest, Franco: Ein Schritt zur Anpassung des deutschen Erziehungs- und Bildungswesens an die Menschenrechte. bildungsfreiheit.org/?id=4651, 1.3.2008.
Stern, Bertrand: Schluß mit Schule! Das Menschenrecht, sich frei zu bilden. Leipzig 2006.
Sedlaczek, Stefan: Lernen privat: Alternativen zum staatlichen Bildungsmonopol. bildungsfreiheit.org/?id=3603, 28.10.2006.
Sedlaczek, Stefan: Eine Schulpflicht gibt es nicht. bildungsfreiheit.org/?id=4379&q=Eine+Schulpflicht+gibt+es+nicht, 12.7.2007.
Sedlaczek, Stefan: Menschenverschmutzung. www.menschenverschmutzung.de, Aug. 2008.
Sedlaczek, Stefan: Wo lernst Du denn.de? Schule, Sozialisation, Streetschooling, Homeschooling und Unschooling. www.wo-lernst-du-denn.de, 2008.
Tofall, Norbert F.: Bildungspolitik unter den Strukturbedingungen der modernen Gesellschaft. Vorbemerkungen zur Entwicklung einer wettbewerblichen Bildungspolitik. bildungsfreiheit.org/?id=4443, 31.8.2007.
Internetseiten
de.wikipedia.org/wiki/Schulpflicht
schul-kritik.de
schulzwang.info (mit weiteren Quellenhinweisen zum Thema)
initiative-schulkinderbetreuung.de
bildungsblogs.de







Und nun darf man nur hoffen, dass den Text auch die Tante FDP aufgreift oder zumindest an sich ranlässt. Wäre auch schon mal ein ganz wichtiger Schritt…
Antworten vom comment-Automaten: ‘Mit grossem Interesse gelesen’ + ‘Zustimmung’ + ‘Danke, CEO!’ (-:
Aufforderung an die D-Länder: ‘Einführen, sofort’!
Wenn du es wirklich gelesen hättest, dürftest du noch gar nicht fertig sein. Das gilt natürlich erst recht für den anderen.
TL/DR SCNR!
Vielleicht hat Lina einfach eine schnellere Auffassungsgabe als du?
(scnr, too *lol*)
Bei mir ist bei ca. 1.000 Worten Schluss, Festplatte voll, da kommt dann der unvermeidbare Blackout, LOL.
Schreiben könnte ich sowas, nur eben nicht konsumieren.
Das erinnert mich an den bei den Bloggies vorgestellten Phrasengenerator. ;-)
keine Sorge, ich kenn den Text schon ein paar Tage länger…
Mann, Mann, warum müssen das nur immer solch ellenlange Elaborate mit der für jedes Zoon Politikon wohl typischen verquasten Sprache sein? So erreicht man außer der politischen Klasse ohnehin niemanden. Und die politische Klasse weiss ganz genau, was sie nicht will: Freiheit für alle. Schließlich gilt dort die Redewendung: “Wo kämen wir denn da hin?”
Das tut mir leid, wenn der Text zu lang ist für Dich Marco.
Das muss Dir durchaus nicht leid tun, zumindest nicht für mich. Ich muss nicht überzeugt werden. Aber die vielen Menschen, die jeden Tag aufstehen und ihrer Arbeit nachgehen, die einfach nur das Beste für ihre Familie, ihre Kinder wollen, die aber weder Zeit, noch Lust haben, sich solche Elaborte durchzulesen und deshalb denen nachlaufen, die ihnen einfach und nachvollziehbar erklären, was sie wollen – so falsch und freiheitsfeindlich dies in der Konsequenz auch sein mag. Mal ganz davon abgesehen, dass die wohl gar nicht wissen werden, was “libertär” eigentlich meint [wissen ja viele "Libertäre" nicht mal] und dass es da ‘ne Plattform in der FDP gibt, die sich als eine solche bezeichnet.
Aber mal ehrlich: Wen interessiert das schon? Hauptsache man hat wieder mal ‘ne Runde pseudointellektuell herumgespielt in dem (beruhigenden?) Wissen, damit am status quo ja doch nichts zu ändern. Ist wohl auch besser so, denn was würden die ganzen “liberalen” und “libertären” (haha) Professoren, Anwälte, Zahnärzte etc. wohl machen, ohne den Staat?
Um hier nicht von falschen Erwartungen auszugehen: Der Adressat der Positionspapiere der LP ist die Politik. Die LP tritt ja an, um konsequent freiheitliche Positionen in die programmatische Basis der Parteien, insbesondere der FDP, einzubringen. Und für einen Referenten, der das Thema Bildung innerhalb einer Partei bearbeitet, ist ein 20-seitiges Basispapier durchaus ein les- und nutzbare Quelle.
Danke für die Klarstellung. Okay, das erklärt’s dann natürlich. Politker sind schließlich keine normalen Menschen und teilen nicht auch nicht deren Sorgen. Ich dachte, die LP wollte vorrangig die Menschen ansprechen, bei denen es noch Hoffnung gibt, wirklich was zu erreichen. Statt dessen wird sich lieber mit Positionspapieren in der Parteipolitik zerrieben. Das ja für angeblich “konsequent Freiheitliche” schon die letzten paar Jahrzehnte gut geklappt.
So wie ich die LP-FDP sehe, geht es darum, IN der FDP Programmatik und Positionen in Richtung Freiheit zu schubsen.
Fuer den Familienvater ist sowas nicht geschrieben, sondern fuer die Parteifunktionaere. Das kann man kritisieren, aber ich halte es fuer besser so, als laufend irgendwelche neuen Parteien zu gruenden und dann an der parteipolitischen Funktionaersrealitaet zu scheitern.
Dagny,
oh, sicher, das mit den Parteien klappt nicht. Wenn das System falsch ist, ist es ja wohl irrsinnig zu glauben, dei Probleme im und mit dem System zun ändern. Parteien gründen oder die FDP in Richtung Freiheit “schubsen” zu wollen, muss daher scheitern. Wenn ich mir das Geblubber auf’m Dreikönigstreffen reinziehe, geht’s ja gerade wieder verstärkt Richtung Sozialdemokratie. Aber ganz ehrlich, selbst wenn Guidos Liberalala-Truppe morgen wieder verbalradikaler auftreten würde, darauf geb’ ich nichts. Das Wesen einer Partei an sich siegt immer über Prinzipien. Macht korrumpiert, das Macht-wollen ebenfalls. Was ist die Freiheit schon wert, wenn die warme Sessel eines Ministers, Staatssekretärs oder Ministerialdirigenten winkt?
Marco, hast Du schlechte Erfahrungen gemacht? ;)
Nein, wir werden uns nicht zerreiben. Wir haben die LP gegründet, um wieder konsequent freiheitliche Programmatik in die Politik zu bringen und weil es sich besser anfühlt, etwas in die eigene Richtung zu verändern als nur hinzunehmen oder zu schimpfen. Die Alternative wäre, sich gar nicht mehr um Politik zu kümmern, sondern sein Leben zu leben, aber sich dann auch nicht mehr über die Politik zu ärgern. Auch das finde ich eine akzeptable Position. Für mich selbst funktioniert das aber nicht, weil ich es fast unmöglich finde, die negativen Einflüsse der Politik aus dem eigenen Leben herauszuhalten.
Wir glauben auch, dass Veränderung außerhalb der Politik stattfindet, aber es ist gut, zumindest noch eine Partei zu haben, die diese freiheitlichen Positionen aus der Bevölkerung auch aufnehmen kann und auch von innerhalb des politischen Systems auf dasselbe Ziel zuarbeitet, selbst wenn man das System an sich fragwürdig findet.
Wir stellen damit auch eine Plattform für alle, die sich zwar selbst nie politisch aktiv beteiligen würden, aber ihre Stimme zur Verfügung stellen, um der Freiheit im bestehenden System ein größeres Gewicht verleihen. Auf dem Weg zu größeren Zielen verschaffen ja auch schon Detailverbesserungen zumindest Erleichterungen.
Im Saarland dürfen die Raucher seit heute übrigens wieder rauchen…
Mit Politikern und Parteien? Na klar, auch wenn ich Gott sei Dank nie den Fehler gemacht habe, in ‘ne Partei einzutreten.
Okay, akzeptiere ich. Ich halte allerdings direkte Aktionen und zivilen Ungehorsam für sinnvoller, erfolgversprechender und … naja, attraktiver und weniger *gähn*. Freiheit muss wieder sexy sein. Oder was glauben denn alle, warum die meisten jungen Leute sich als “irgendwie links” begreifen? Es geht auch um Lifestyle!
@Marco:
Es ist doch aber gut, wenn es beide Stoßrichtungen gibt – die einen, die versuchen die Parteien in die richtige Richtung zu schubsen und dann eben solche wie du, die parteiungebunden den Lifestyle transportieren…
Und am besten ist es sogar, wenn letztere sich auch hin und wieder an Ersterem beteiligen und wenns nur projektbezogen ist… ;-)