Spassguerilla-Kollateralschaden

14.01.2009 23:12 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 24 Kommentare

Da erlauben sich der US-amerikanische Porno-Industrielle Larry Flynt (der sich selbst als Libertären bezeichnet und auch schon mal zu den kalifornischen Gouverneurswahlen kandidiert) und sein Kollege Joe Francis einen kleinen Scherz mit dem sie den Wahnsinn des real existierenden Stamokap in den Farben der USA sarkastisch kommentieren:

Es ist Zeit für den Kongress, den sexuellen Appetit Amerikas wieder aufzufrischen. Der einzige Weg dahin ist die Unterstützung der Pornoindustrie – und zwar rasch

lässt Flynt seinen Sprecher erklären und fordert vom Kongress 5 Milliarden US$ Finanzspritzen – adäquat anderer wichtiger Industriezweige. CNN verbreitet’s weiter und die MSM kolportieren die Aktion als seriöse Nachricht: Mission accomplished.

Aber auch in einem ehemals libertären (Online-)Magazin – das allerdings schon länger auf dem Weg ist, der Piefigkeit abgemagerte Beute zu werden – wettert Alexander Kissler, Kulturjournalist, u.a. bei der “Süddeutschen Zeitung” und der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” gegen die Produzenten der Perversionen und konstatiert bierernst:

Einem Staat, der verrückt genug ist, zum Mehrheitseigner börsennotierter Banken zu werden, wäre tatsächlich zuzutrauen, dass er auch noch die bisher beihilfefreien Beischläfereien in die eigenen, die zittrigen Hände nimmt. Davon abhalten wird ihn vermutlich nur ein Verdacht: Bei weitem nicht das ganze Volk liebt seine Pornos.

*LOL* Zumindest nicht öffentlich.

Wie bezeichnet man so was? Spassguerilla-Kollateralschaden?

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24 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

microgod, 15.01.2009 07:55

Die Pornoindustrie bleibt ein Faszinosum. Sie steigert jährlich ihre riesigen Umsätze, obwohl sich kein Mensch dafür interessiert.

 
Lina, 15.01.2009 08:02

… dass idealiter alle Branchen auf Kosten der Steuerzahler reanimiert werden.(ef / Kissler)</

Hätte der mal lieber die gestrige TV-Talkshow ‘Hart aber fair’ beobachtet, dann hätte er die zahllosen ‘Branchen’ deutscher Bedürftiger und Benachteiligter kennengelernt: Jetzt, wo der Sack schon mal geöffnet ist, will jeder was haben, staunt, wieviel da drin ist und ist sich nicht zu schade, persönlich bei Papa Staat anzuklopfen und einzufordern. Charity sells … even better than sex?

(Ein Highlight des ÖRR war das übrigens wieder, bei dem ein kleiner Junge Erwachsenenfragen an die Übervater-Substituten stellen durfte, so z. B.: ob er die Schulden denn mal zurückzahlen müsse; ‘aber nicht doch’, konnte er beruhigt werden … )

 
Oliver Luksic, 15.01.2009 13:05

In der Tat lustig… Ich schlage auch zur Ankurbelung der Industrie eine Prämie für das Verbrennen oder besser noch das ökologisch korrekte Recycling alter Porno Hefte vor!

 
chrisv, 15.01.2009 14:34

Ach komm, , nur wegen dem einen Artikel muss man ja nicht gleich auf der ef insgesamt rumhacken. Ja, der eine Artikel war, sagen wir mal, etwas suboptimal, und vor langer, langer Zeit gab es mal ein paar, die man mit einem Hauch bösen Willens missverstehen konnte. Aber das heisst ja noch lange nicht, dass ef nicht immer noch eine ganze Menge makelloserzlibertärerAutoren zu bieten hätte (die Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit).

Wobei ich keineswegs ausdrücken will, dass man die Artikel nicht kritisieren darf, ganz im Gegenteil, ein klares Feedback trägt durchaus zur Orientierung von Autoren und Redaktion bei :-)
Nur das mit dem “ehemals libertär” und so nervt schon etwas, das wird zum einen durch ständige Wiederholung auch nicht wahrer, zum anderen ärgert man damit vorwiegend die (deutliche Überzahl der) freiheitlich orientierten Autoren, denn wer sich nicht der Freiheit verpflichtet fühlt, dem gehen solche Anwürfe im Zweifel eh am Hintern vorbei.

Also: Auch im Grabenkampf bitte in Zukunft etwas genauer zielen – danke!

jo@chim, 15.01.2009 22:16

Lieber Chris,

der Abgesang stammt nicht von mir, sondern von AFL himself. Dagny hat das hier vor einigen Wochen, nicht aus dem “Graben” heraus, sondern durchaus sachlich kommentiert.

Nein es geht nicht um irgendwelche “Kämpfe” – schon gleich gar nicht gegen die erzlibertären Autoren bei ef. Ich schätze viele von ihnen (Euch). Mit Carlos Gebauer nimmt einer am Blogosphäre-Seminar in Gummersbach teil.

Aber es schreiben – insbesondere auch auf ef-online – eben auch die Erzreaktionäre und journalistischen Nullnummern wie der Herr Kissler mit. Und das rechtskonservative (um es einmal zurückhaltend auszudrücken) Institut für Staatspolitik sitzt namens Frau Kositza inzwischen in der Redaktion.

HHH’s Bündnis libertärer Kräfte mit der extremen Reaktion wird im Metakontext der ef Schritt für Schritt Realität – was sich nicht nur in einer Verlagerung des politischen Schwerpunktes in Richtung eines “antietatistischen Konservativismus” und einer zunehmenden Minimierung nichtkonservativer Einsprengsel ausdrückt, sondern leider auch (oder vielleicht gerade deswegen) in einem gewissen Niveauverlust und zunehmender Piefigkeit der Zeitung:

Die wirklich possierliche Art und Weise, wie hier einer in einem ehemals libertären Magazin einem libertären Hoax aufgesessen ist, ist da kein Ausreisser, sondern nur ein weiterer trauriger Meilenstein.

Das nervt mich (auch wenn es Dir vielleicht “am Hintern vorbei” geht).

Aber tröste Dich damit, dass ich mich nicht aufregen würde, wenn ich das Blatt nicht nach wie vor als einen gewichtigen Faktor im libertären Diskussionszusammenhang betrachten würde…

chrisv, 16.01.2009 09:33

Aber es schreiben – insbesondere auch auf ef-online – eben auch die Erzreaktionäre und journalistischen Nullnummern wie der Herr Kissler mit. Und das rechtskonservative (um es einmal zurückhaltend auszudrücken) Institut für Staatspolitik sitzt namens Frau Kositza inzwischen in der Redaktion.

Zwischen mitschreiben und die Richtung bestimmen sehe ich da schon noch einen gewissen Unterschied, auch angesichts der Mehrheitsverhältnisse (mal ganz abgesehen davon, dass ich die Kositza-Artikel überhaupt nicht schlimm finde, sondern z.T. sogar recht amüsant und treffend – vielleicht täte es der Diskussion allgemein gut, wenn man sich mehr auf Inhalte und weniger darauf, wer mit wem verheiratet ist und deswegen wasauchimmer vertritt, konzentriert).

Vor allem aber: Selbst unter den Genannten sind mir bislang noch keine etatistischen Anwandlungen aufgefallen – genau der wäre aber IMHO nachzuweisen, um das “ehemals libertär” zu begründen – jedenfalls wenn das Wort “libertär” im politischen Kontext betrachtet wird.

Nichts anderes beschreiben übrigens auch die besagten beiden Artikel von André, wenn man sie nur genau liest: Darin wird keinesfalls der antietatistische, freiheitliche Grundkonsens aufgegeben, sondern es wird lediglich bezweifelt, ob der Begriff “libertär” das noch treffend bezeichnet. Ob das clever war, mag dahingestellt sein (und ich bin vermutlich nicht der einzige, der das, was die Begrifflichkeiten und den strategischen Nutzen einer klaren Bezeichnung angeht, etwas anders sieht), aber es macht André nicht zum Etatisten und die ef nicht zu einer etatistischen Zeitung. Dein “ehemals libertär” legt aber genau das IMHO nahe, zumal ich ja weiss dass du das “libertär” genauso interpretierst wie ich, nämlich als “radikalliberal”.

Dagny, 16.01.2009 11:27

Es ist schade und gleichzeitig bezeichnend, dass der Schulterschluss mit – zugegeben ebenfalls antietatistischen – Konservativen dazu fuehrt, dass der gelungene und treffende Scherz der Pornoindustrie um staatliche Beihilfen ernst genommen wird.

Der von Achim und anderen hier immer wieder kritisierte Vorwurf ist ja nicht, dass die eifrei ploetzlich staatsnah geworden ist, sondern dass, wie aus der Redaktion auch kommuniziert, ein konservatives – erzreaktionaeres – Wertevesterstaendnis Einzug gehalten hat.

chrisv, 16.01.2009 11:29
jo@chim, 16.01.2009 11:34
 
Dagny, 16.01.2009 14:42

Ganz nett. Wenn die SS-Verteufelung der Erotikbranche nicht waere – wo bleibt die Verbindung 33 – 68 ? – waere der Scherz sogar gelungen :)

 
 
chrisv, 16.01.2009 15:37

…der Schulterschluss mit – zugegeben ebenfalls antietatistischen – Konservativen…

Provokant gefragt: Wäre es freiheitlich(er), einen antietatistischen Konservativen auszugrenzen, nur weil er (wohlgemerkt: als Diskussionsbeitrag und ohne ausdrücklich oder unterschwellig einen Zwang zu fordern) Ansichten vertritt, die nicht dem Mainstream entsprechen?

Ich persönlich glaube nicht, dass der Libertarismus je irgendwie funktionieren kann, solange nicht die Einsicht reift dass das eben keine Bewegung mit einheitlicher (Gegen-)kultur ist und auch nicht sein kann, sondern dass die Gemeinsamkeit eben vordergründig nur darin besteht dass man niemanden zu etwas zwingen und auch selbst nicht zu etwas gezwungen werden möchte – weder zu freier Liebe noch zu zölibatärer Keuschheit, weder zu Herzlosigkeit noch zu “Solidarität”, weder zu Abstinenz noch zum Drogenkonsum usw. usf.

Geht man dagegen mit dem Vertrauen, dass die jeweils “andere Seite” einem weder die Pornohefte wegnehmen noch die eigene Frau wider Willen auf eine Gangbangparty verschleppen möchte, an ein Gespräch heran, dann stellt man u.U. sogar fest dass auch Menschen mit einer ganz anderen kulturellen Prägung und einem ganz anderen Geschmack manchmal ganz gute und erhellende Argumente haben können. Und genau das macht mE den wahren Liberalen aus, nämlich die Fähigkeit, Attribute wie “konservativ”, “libertin”, “freizügig” oder “verklemmt” nicht zur Macht- oder Zwangsfrage hochzustilisieren, sondern als das zu erkennen was sie sind: reine Geschmackssache.

Dagny, 16.01.2009 18:57

Provokant geantwortet: Es geht nicht um die Kritik an konservativen Antietatisten. Es geht um Kritik der Aufgabe der Marktplatzposition.
Ich habe das in dem von Achim zitierten Beitrag ausgeführt.

chrisv, 16.01.2009 23:26

@Dagny
Das was in dem Artikel steht, stimmt so einfach nicht – “Aufgabe der Marktplatzfunktion” heisst nicht, dass es nun eine wie auch immer geartete konservative Linie gibt, sondern es heisst lediglich dass auf seitenlange Selbstbespiegelungen, die für den Durchschnittsleser völlig uninteressant sind, verzichtet wird. Wie es sich für ein Magazin mit einem einigermaßen professionellen Anspruch gehört.

Ob jemand einen “unordentlichen Lebensentwurf” hat, ist dabei genausowenig von Interesse wie der private Geschmack, die sexuelle Orientierung oder die Schamhaarfarbe. André hat das in einem anderen Artikel wie folgt ausgeführt:

Beleuchtet werden Themen der Zeit aus einer ungewöhnlichen, in anderen Medien nicht oder kaum zu findenden Sicht. Ausgewählt werden Artikel und Autoren vom Herausgeber, nicht nach vermeintlicher Zugehörigkeit zu irgendwelchen Gruppen.

Man könnte auch sagen, Artikel werden dann angenommen wenn sie für ein breiteres Publikum interessant sind. Das lässt zwar zugegebenermassen einen gewissen Interpretationsspielraum, aber dafür ist ein Chefredakteur schliesslich da (und ich hatte bislang nie den Eindruck, dass dies für gute Artikel, egal in welcher Richtung, eine ernsthafte Hürde darstellt).

Dagny, 17.01.2009 03:59

Ganz subjektiv gesagt: Vor einigen Jahren, ich bin so seit 2003 Eifrei-Leser, hab ich das Heft noch auf dem Weg vom Briefkasten in meine Wohnung komplett verschlungen.
Heute blättere ich durch, überfliege die Artikel, ärgere mich über (kultur-) pessimistische Stimmung und lege es mit einem “Jaja, der Staat ist Schuld, die 68er sind Schuld und alles wird ganz schlimm” unbefriedigt beiseite.

Es ist ja nicht so, dass ich jeden einzelnen Schritt der Entwicklung des Magazins nicht nachvollziehen kann. Den Verlust des “Marktplatz- Untertitels” bedaure ich sehr, da er mein Verständiss eines libertären Magazins sehr schön ausgedrückt hat. Auch die strategische Allianz mit den Konservativen war richtig (ab 2005), nur wurde damals auch darauf hingewiesen, dass die Motivation den Einfluss des Staates zurückzudrängen, eine unterschiedliche sein kann und die libertäre, zahlenmaessig kleinere, Seite mit Ihren Interessen nicht unter die Räder kommen darf.
Wenn von einer “konservativen Kulturrevolution” die Rede ist, fürchte ich aber dass genau das passiert ist.

jo@chim, 17.01.2009 10:21

Dagny, ich kann dem Gerede über “strategische Allianzen”, gleich mit wem, nichts abgewinnen.

Am Ende steckt da nur das Denken in Machtkategorien dahinter, statt eines evolutorischen Ansatzes, der auf Veränderungen im Denken und kulturelle Hegemonie setzt…

(Worauf auch Deine Bemerkung von der “zahlenmaessig kleineren Seite” hinweist oder die wirklich albernen, offensichtlich in Schüben auftretenden, Parteigründungshoffnungen die von ef transportiert werden)

Und: lass das “Kultur” weg bei den Bündnispartnern von IfS, JF et all. – das sind konservative Revolutionäre, die beim Titel Verfassung der Freiheit an Carl Schmitt denken, garantiert nicht an Hayek.

 
 
 
 
jo@chim, 16.01.2009 23:49

Und genau das macht mE den wahren Liberalen aus, nämlich die Fähigkeit, Attribute wie “konservativ”, “libertin”, “freizügig” oder “verklemmt” nicht zur Macht- oder Zwangsfrage hochzustilisieren, sondern als das zu erkennen was sie sind: reine Geschmackssache.

Sehe ich genauso Chris! Sprechen wir uns also deutlich gegen Positionen aus, die uns geschlechts-, familien-, heimat-, glaubens- und wertebewusste “neue Reaktionäre” als Bannerträger einer libertären “Kulturrevolution” verkaufen wollen…

Heizpilz, 17.01.2009 11:23

Da gibts jetzt wohl ein Interview auf EF zum Stauffenberg-Film mit dem JungeFreiheit-Mann und viel deutsches Kulturguut.

jo@chim, 17.01.2009 11:53

Stein ist ja noch harmlos in seiner Elogie auf den Triumph des Willens – schau Dir erst mal die Diskussion dort an:

Der Name v. Stauffenberg wird entehrt, wenn er dem Munde eines Liberalisten und/oder Pseudorechten entfleucht.

*lol* Ich glaube, ich muss da auch mal ne Duftmarke setzen…
;-)

Heizpilz, 17.01.2009 12:33

Ich bin EF-kritisch, also kann ich da nicht einsteigen, aber einige Sachen, die der Stein rausgehauen hat waren schon zum Brüllen.
Die Allianz zwischen der Rechten und EF ist mir sehr unklar, ich will da aber wirklich nicht einsteigen. Muss für Dich ja “etwas” nervig sein.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Stitch, 16.01.2009 18:55

Offenbar ist da auch die deutsche Pornoindustrie drauf reingefallen: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/195/454875/text/

 
chrisv, 16.01.2009 23:29

Hmpf, “Fortbildungen”, wie unkreativ. Aber der Vergleich mit Opel passt schon, die haben auch keine guten Ideen :-)

jo@chim, 17.01.2009 10:51

Naja Chris, die Zielgruppe von Opel sind ja auch nicht gerade die Kunden mit kreativem Ideenpotenzial *lol*

 
 
 

[...] im Jahr 2003 hat im Sonnenstaat übrigens mit dem hier hoch geschätzten Larry Flynt ein profilierter libertärer Unternehmer für das Amt [...]

 

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