Nibelungentreue, Ypsilanti, Schröder und Hessen
dagny t., 18.01.2009
Es ist ein bisschen Schade, dass das Theater in Hessen jetzt wohl in die geordneten Bahnen einer Schwarz-Gelben Koalition mündet. Nicht, weil ich diese nicht sympatischer finde als die Linksallianz, sondern weil das Theater einen gewissen Unterhaltungswert hatte.
“Hessische Verhältnisse” nannte die Presse die Situation, dass die Exekutive keine nibelungentreue Legislative beiseite gestellt bekommen hat. Andere nennen es Demokratie oder Gewaltenteilung.
Frau Ypsilanti scheint, wenn ich die Berichte aus Deutschland richtig interpretiere, die Verantwortung für das Debakel Ihrer Partei zu übernehmen. Nun, dafür ist sie ja auch Vorsitzende und Fraktionsführerin.
Persönliche Fehler will sie aber nicht sehen, dabei war der zugrundeliegende Fehler, das Patt der Wahl 2008 in einen Sieg umzudeuten.
Wer erinnert sich nicht an das Bild vom in sich lächelnden Roland Koch, während seine zur persönlichen Herausforderung hochstilisierte Gegnerin den Wahlsieg im Fernsehen reklamierte.
Eine Niederlage in einen Sieg umzudeuten, hat Gerhard Schröder in der berühmt-berüchtigten Elefantenrunde 2005 zwar vorexerziert, aber Koch hat nicht den Merkel gemacht und Ypsilanti ist kein Schröder.
Die Niederlage der SPD dürfte gross genug sein, damit die konservativeren gegenüber dem linken Flügel wieder etwas Auftrieb bekommen. Der Denkzettel galt Ypsilanti-TSG, aber auch etwas verspätet Kurt Beck und Andrea Nahles und deren Linkskuschelkurs.
Die Farbenlehre des Abends ergibt einen grossen Erfolg für die FDP, den es hoffentlich in liberale Politik umzusetzen gelingt. Horst Köhler kann beruhigter seiner Wiederwahl entgegensehen und die Grosse Koalition verliert Ihre Bundesratsmehrheit und ist auf Zustimmung von Koalitionslandesregierungen angewiesen. Für die Bundestagswahl ist Hessen dagegen keine Richtungsentscheidung, auch wenn das Bundes-FDP und Bundes-Grüne vermutlich anders sehen.
Darüber hinaus nichts neues in Ihrem Politzirkus.
antibuerokratieteam.net






Die Farbenlehre des Abends ergibt einen grossen Erfolg für die FDP
Man sollte den Respekt vor der Koch-CDU nicht unterschlagen, die es geschafft hat die Prozente zu halten, obwohl die linken Parteien und die linke Presse in ihrer Lügilanti-Ekstase schon seit der letzten Wahl konstant einen Anti-Personenkurs gegen Koch gefahren haben. Ein anderer Mann hätte sich sicher nicht so gut gehalten.
Der Denkzettel galt Ypsilanti-TSG, aber auch etwas verspätet Kurt Beck und Andrea Nahles und deren Linkskuschelkurs.
Alles was man über das Rückgrat der Linken wissen muss, zeigt sich daran, dass der Zauberlehrling TSG seine Meisterin untergehen lässt, statt Rückgrat zu zeigen und sich auch selbst endlich aus der Politik zurückzuziehen. Wie egoistisch muss man sein, nach so einer Niederlage allen Ernstes die Partei weiter führen zu wollen.
Gleiches gilt in nicht geringerem Maße für Tarek Al-Wazir von den Grünen. Eine bessere Möglichkeit um Prozente von der SPD zu angeln, hätten die Grünen gar nicht bekommen können, da muss man das Endresultat als das sehen, was es ist: Die Abstrafung der Ökostalinisten durch die Wähler.
Das Experiment der Linksdiktatur, egal ob sie sich nun unter dem Signet rot oder grün tarnt, ist gescheitert. Hätten CDU oder FDP so erbärmlich abgeschnitten, die linksgrüne Kamarilla hätte geschlossen den Rücktritt des Führungspersonals gefordert. Vielleicht sollte man sich jetzt mal an den eigenen Maßstäben messen lassen.
Liebe Dagny,
im Hessischen Fernsehen war vorhin eine Umfrage unter den Wählern der FDP zu sehen – u.a. warum sie die FDP gewählt hätten. Am häufigsten genannt wurde Unzufriedenheit mit Roland Koch (!), aber schon an zweiter Stelle wurde Guido Westerwelle genannt.
Das Ergebnis könnte also auch einen bundespolitischen Trend andeuten. Westerwelle (ich kann nicht sagen, daß ich ihn besonders schätze) hat es offenbar zielstrebig geschafft, die FDP (oder sagen wir ihr Image) von der etwas verschnarchten Honoratiorenpartei zu einer modernen, besonders auch für jüngere Wähler attraktiven Partei zu machen.
Die CDU hat sich (in der Großen Koalition mehr oder weniger gezwungenermaßen) seit 2005 nach links entwickelt und damit in der Mitte Platz gemacht für die FDP. Das könnte entscheidend sein für das Ergebnis am 27. September.
Herzlich, Zettel
Das ist interessant. Mein Eindruck war immer, dass Westerwelle bei nicht-FDP Anhänger, Frauen und vielen jungen Menschen auf entschiedene Ablehnung stösst.
Aber vielleicht hat sich da die letzten Jahre etwas in der Wahrnehmung Westerwelles geändert?
Meine Frau (SPD-Lagerwählerin) überlegt mittlerweile ernsthaft, FDP zu wählen. Unter anderem wegen Westerwelles Reden und natürlich wegen der zunehmend radikalen Hinwendung der SPD zum Kommunismus. Sie hofft nur noch auf die Vernunft der Bundesebene. Ich selber bin schon übergelaufen. Vor wegen der SPD, aber eben auch weil Westerwelle nicht mehr diesen abstoßenden, arroganten Eindruck macht. Wenn die FDP jetzt nur außen- und sicherheitspolitisch mehr auf der Linie von Stinner wäre…
Gückwunsch an die FDP, 16,2% ist schier unglaublich. Möglicherweise FDP-Rekord?
Viele hatten im allgemeinen keinen Bock mehr auf die sozialdemokratischen Leistungen (der CDU) und im speziellen auf Koch. Schade eigentlich, Koch ist doch einer der CDU-Besten.
Die FDP hatte 1950 in Hessen 30%.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ergebnisse_der_Landtagswahlen_in_Hessen
Auch die FDP selbst hat ja gestern im Wesentlichen “Verlässlichkeit” und “Wort halten” als Gründe für ihren Erfolg angegeben. Kein Wort davon, dass Liberalismus wieder Einzug hält in Deutschland oder dass eine liberale Grundhaltung als politische Strömung mehr Bedeutung gewinnen würde. Wer verbindet die FDP eigentlich tatsächlich mit Freiheit? Und wem würde dann nicht die tatsächliche Politik der FDP in den Regierungskoalitionen mit SPD und CDU in den letzten 40 Jahren entgegengehalten? Ich freue mich auch über das gute Wahlergebnis der FDP. Aber ich würde mich erheblich mehr freuen, wenn damit tatsächlich ein Plädoyer der Wählerinnen und Wähler für freiheitliche Politik verbunden wäre.
“Alles was man über das Rückgrat der Linken wissen muss, zeigt sich daran, dass der Zauberlehrling TSG seine Meisterin untergehen lässt, statt Rückgrat zu zeigen und sich auch selbst endlich aus der Politik zurückzuziehen. Wie egoistisch muss man sein, nach so einer Niederlage allen Ernstes die Partei weiter führen zu wollen.”
uneingeschränkte Zustimmung!
Ach, so pathetisch würde ich das gar nicht betrachten – TSG hat den “Ausputzer” gespielt und für das Fiasko, in das Frau Ypsi…who? die Hessen-SPD hineingeritten hatte, die Veranwortung übernommen (nicht einmal dazu war sie fähig). Dafür erhält er jetzt die Gratifikation.
Eigentlich ein ganz normaler Vorgang im Politzirkus.
Mich hinderte früher vor allem der cholerische Antisemit Möllemann daran, die FDP zu wählen. Westerwelle nahm ich wiederum übel, daß er sich nicht ausreichend von Mölle distanzierte (wenn überhaupt) und insgesamt wirkte er total unreif auf mich. Möllemann hatte sich dann erledigt und Westerwelle hat entweder an Substanz dazugewonnen oder er hatte sie schon immer, nur daß ich sie erst nach & nach entdeckt hab. (?)
@Wullenwever:
Ich freue mich auch über das gute Wahlergebnis der FDP. Aber ich würde mich erheblich mehr freuen, wenn damit tatsächlich ein Plädoyer der Wählerinnen und Wähler für freiheitliche Politik verbunden wäre.
Das sehe ich genauso!
@Dagny:
Das ist interessant. Mein Eindruck war immer, dass Westerwelle bei nicht-FDP Anhänger, Frauen und vielen jungen Menschen auf entschiedene Ablehnung stösst.
Aber vielleicht hat sich da die letzten Jahre etwas in der Wahrnehmung Westerwelles geändert?
Ja, bei mir auf jeden Fall.
Bestes Ergebnis in einer Landtagswahl seit 1956.
Eigentlich müßte die FDP die stärkste Partei in den deutschen Landtagen und im Bundestag sein. Projekt 40+ sozusagen. Das halte ich für ein realistisches Ziel.
Dummerweise besteht die FDP aus real existierenden Liberalen, die nicht darüber nachdenken, warum die FDP weniger Wähler als die CDU hat und warum es überhaupt eine Minderheit gibt, die SPD oder Pseudolinks wählt. Muß das so sein, ist es unabänderliches Schicksal, daß es eine Partei wie die SPD in Deutschland Wähler findet. Nein, das ist nicht unabänderliches Schicksal, auch kein Naturgesetz.
Weiter oben steht das Wort Lagerwählerin. Das trifft es reicht gut. Man wächst in einem politischen Lager heran. Menschen anderer politischer Überzeugungen, die ein Heranwachsender als Vorbild akzeptiert, sind bei so einem Lebensweg eher selten.
Es ist doch völlig uninteressant, daß Ihr 150 oder 1000 %-ige Anhänger der FDP seid. Viel wichtiger ist, daß die Nochwähler der Linken, der Grünen und der SPD liberaler und freier werden. Das sind eure neuen Wähler in 4, in 8, in 12 Jahren. Das ist wichtig, nicht das ihr liberal seid. Das ist notwendig, aber nicht hinreichend.
Welches Konzept hat Ihr, das sie euch wählen?
Zur FDP:
Ähnlich äußerte sich Merkel. Sie betonte zugleich, von der FDP werde nach der Wahl in Hessen “ein Stück mehr staatspolitische Verantwortung” erwartet. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass die FDP diese Möglichkeiten überschätzt oder überreizt”, so Merkel zum Einfluss der Liberalen im Bundesrat. Das würde “bei der deutschen Bevölkerung nicht gut ankommen”. (n-tv.de)
Vermutlich hat sie recht. Ein Krawall-Blockade-Kurs wird vielleicht bei den Castortransportblockierenden Angaengern der Gruenen goutiert aber nicht bei den FDPlern.
Faktisch ja. Aber würde es nicht bedeuten – wenn sie darüber nachdenken würden – dass ihr Programm einige Korrekturen hin zum Konservativen erfahren müsste, die freiheitlichem Denken zuwiderlaufen?
Die Mehrheit der Wähler ist eben (leider) nicht ‘freiheitsfähig’, behaupte ich … weshalb eine liberale Partei, wenn sie nachgedacht hat und konsequent sein will, doch immer Minderheit bleiben wird …
Liebe Lina
sagen wir es anders.
Die Mehrheit der Wähler hat recht früh einen Lebensweg eingeschlagen, der nicht sie nicht befähigt, freiheitsfähig zu sein. Das sehe ich auch so.
Es gibt Menschen, die brechen aus ihrer freiheitsfeindlichen Lebenswegen aus und werden als Erwachsene zu Liberalen. Soll ich hier bei einigen auch der Fall sein.
Man kann damit natürlich zufrieden sein. Wären Naturwissenschaftler und Ingenieure und nicht zuletzt die Natur damit zufrieden, würden viele chemische Reaktionen viel langsamer ablaufen. Aber es gibt Stoffe, die beschleunigen oder ermöglichen erst Reaktionen. Man nennt sie Katalysatoren.
Menschen können auch Katalysatoren für den Lebensweg anderer Menschen sein. Manche Erwachsene sind als Eltern ihrer Kinder dazu fähig. Die meisten eher nicht. Das ist leider so und wahrscheinlich steckt da auch ein Sinn dahinter, der die Loslösung aus der Umwelt der Kindheit begünstigen soll.
Wenn die meisten ihren Lebensweg ehrlich rekapitulieren, werden sie feststellen, daß es auch in ihrem Leben Menschen gab, die wie Katalysatoren wirkten und noch wirken. Bei manchen, die sehr kopflastig sind oder im Augenblick der Begegnung für das Denken aufnahmebereit sind, sind es nur die Bücher von Denkern, die auf sie katalytisch wirkten. Gar nicht mal die Denker selbst, die manchmal schon gar nicht mehr leben.
Ich glaube die üblichen Möglichkeiten, durch diese Katalysatoren den Wandel eines Menschen zum Liberalen zu begünstigen, sind erschöpft. Allenfalls durch die negativen Erfahrungen mit Hemmern und den von ihnen produzierten Hemmnisse können weitere Menschen zu Liberalen konvertieren. Leider entstehen durch Hemmer und Hemmnisse eher nichtliberale Menschen.
Hemmern begegnet man zum Beispiele während der Schulbildung, oft auch während der Berufsausbildung und dem beruflichen Alltag. Freiheit und Liberalismus muß man nicht preisen in Wahlreden, sondern für nichtliberale Menschen wahrnehmbar vorleben. Und wenn es notwendig ist, sie bei ihrem Lebensweg so früh möglich begleiten und vor Hemmern und Hemmnisse abschirmen. Eben als lebende Katalysatoren.
Eigenartig ist, der Gedankengang ist nachvollziehbar. Es ist eine Übertragung eines weitverbreitenden Phänomens aus dem Bereich der Naturwissenschaften in den Bereich der Sozialwissenschaften. Mit einigen Abstrichen natürlich. Eigentlich nur ein Bewußtwerden, daß dieses Phänomen im eigenen Leben wirkte und wirkt und im Leben anderer eben nicht. Wieso ist es so schwer, es wahrzunehmen und daraus die richtigen Schlußfolgerungen zu ziehen. Natürlich für einen Menschen wie Westerwelle ist das ganz schwer. Aber Gott sei Dank leben eigentlich auch andere Menschen.
Hieran kann man die FDP doch schön messen:
Deine Katalysatoren-Analogie trifft es wie immer gut, Libero! Der Inschenjööör, der hat’s eben nicht schwööör, solche tauglichen Vergleiche zu ziehen (-: …
Ach, du wirst doch nicht den Sozialwissenschaftlern Methodik der Techniker /Naturwissenschaftlern nahelegen wollen. Da kommt doch am Ende nur wieder ein wuestes Verwenden von Korrelationsfunktionen heraus, mit denen sich alles und nichts zeigen laesst. :)
Legt dieser Gedanke nicht nahe, dass die Katalysatoren zu einer Advantgarte gehoeren, die den Traegen gegenueber das moralische Recht, ja sogar die Pflicht hat, diese zur Erlaeuchtung zu fuehren?
Eine Argumentation der die Linkspartei und die Gruenen wohl zustimmen wuerden, die aus Liberaler Sicht die Eigenverantwortung verneint??
Durch Hemmer werden wohl nur die wenigsten liberal, ich denke, dass Liberalismus nur in Teilen gelernt werden kann, Katalysatoren hin oder her, der beste “Katalysator” ist das Verstehen, dass unser gegen gegenwärtiges System gut ist, warum es gut ist und was schlecht ist.
Was tun wir denn alle Anderes als ‘missionieren’ – letzten Endes? Oder anders gefragt: wo kommt Dein Impetus her, mit Blog-Beiträgen immer wieder kritisch darauf hinzuweisen, was Dir falsch erscheint und was richtig sein könnte?
Elitäre Überredung ist das nicht, finde ich, und die immer im Wachsen begriffene Eigenverantwortung bleibt davon unberührt;
es wird ohnehin niemand eigenverantwortlich geboren – IMHO; die Freiheit muss er sich schon nehmen wollen … wenn er kann, wie gesagt (-; …
(Hab’ ich Dich richtig verstanden? Weiss nicht recht … ?)
Also “was an unserem System schlecht ist” war natürlich gemeint.
Sonst klänge es zugegebenermassen ein wenig hohl.
@Heizpilz
sich durch Hemmer und Hemmnisse eingeengt zu fühlen und sich von diesen Fesseln lösen zu wollen, dürfte bei nicht wenigen der erste Schritt bei der Wandlung zum Liberalen gewesen sein. Das sich eine Lebenshaltung schrittweise entwickelt, sehe ich auch so.
@Dagny
Liberalismus ist nach deinem Verständnis vor allem eine Denkhaltung von Erwachsenen. Menschen kommen nicht als Erwachsene auf die Welt, schon vergessen. Eigenverantwortung im Sinne der Erwachsenen gibt es nicht immer, vor allem nicht durchgehend bei Heranwachsenden. Da herrscht oft ein verklärtes Bild der eigenen Jugend, das sich spätestens dann auflöst, wenn man selbst dem eigenen Nachwuchs gegenübersteht.
@Dagny
Es ist eher so, daß im menschlichen Miteinander Vorgänge eine Rolle spielen, die man in der unbelebten Natur in Form der Katalyse wiederfindet. Die Analogie ist natürlich nicht 100 % stimmig.
Ich weiss ja nicht, wer dich auf deinem Lebensweg beeinflußt hat. Ich hatte Wahlverwandte, von denen ich mich beeinflußen liess, ohne das umgekehrt der Wille zu beeinflußen bestand. Dieses Wahlverwandten habe ich gesucht und wenn du so willst zu Begleitern meines Lebens gemacht.
Wenn du der Meinung bist, du bist ein herrlich heroisches Produkt deiner Selbst und niemanden sonst, ist das natürlich dein gutes Recht.
Legt dieser Gedanke nicht nahe, dass die Katalysatoren zu einer Advantgarte gehoeren, die den Traegen gegenueber das moralische Recht, ja sogar die Pflicht hat, diese zur Erlaeuchtung zu fuehren?
Eine Einengung der Wirkung von Menschen auf Menschen, die die nachfolgenden Generationen zu bloßen Abziehbildern degradiert. Das ist natürlich nicht gemeint.
Anders als derart negativ, derart sozialistisch kannst du dir die Wirkung von Menschen auf Menschen nicht vorstellen? Dann solltest du deine Kinder gänzlich isoliert von dir und erst recht von anderen Menschen aufwachsen lassen. Unter normalen Umständen, das heisst in Abwesenheit einer gesellschaftlichen oder familiären Tyrannei, suchen sich kinder und Heranwachsende die Menschen, die sie ein Stück ihres Lebens begleiten sollen. Das kann man nicht planen und erst recht nicht steuern.
Wobei du mit der Eigenverantwortung natürlich fein raus bist. Dann ist es die Schuld der Menschen, wenn sie nicht zu freien und offenen Menschen werden. Aber warum soll man nicht religiöse Wertvorstellungen auf diese Art und Weise in die Neuzeit integrieren. Natürlich gibt es Eigenverantwortung, aber eben nicht nur.
Ist der kurze Satz so missverstaendlich?
Es ist doch eine Idee der Kommunisten / Sozialisten die sich auch bei den Gruenen findet, dass die Advantgarde, die es besser weiss als die breite Mehrheit, die die Katalysatorfunktion erfuellt, alle anderen zu ihrem Glueck zwingen muss oder darf.
Eine solche Anmassung von Wissen koennte man durch das Katalysatorbeispiel auch rechtfertigen und dieser Interpretation moechte ich widersprechen.
Dass es in der persoenlichen Entwicklung eines Menschen Vorbilder geben kann, die eine solche Wirkung haben, bestreite ich nicht, auch wenn ich selber im politischen kein liberales Erweckungserlebnis anfuehren moechte.
Ist es klug, die Eigenverantwortung vorauszusetzen?
Menschen kommen zwar mit einem Sinn für Eigenverantwortung auf die Welt, aber es gibt genügend Einflüsse anderer Menschen in den ersten Lebensjahre, die den Sinn für Eigenverantwortung entweder stärken oder eben schwächen.
Wenn dieser Sinn für Eigenverantwortung geschwächt wird, ist es klug, dann achselzuckend zu sagen, haben halt keine Eigenverantwortung und das wars.
Ich halte dieses Denken für die größte anzunehmende Dummheit, denn die Menschen leben ja trotz mangelnder Eigenverantwortung weiter. Sie sind dann einfach zu rekrutierende Erfüllungsgehilfen für Machtmenschen linker oder rechter totalitärer Systeme, die Liberale wie dich heiss und innig lieben.
Was man denkt und was man nicht denkt
Manchmal ist man sich dessen nicht bewußt, weil das Erweckungserlebnis nicht ein Damaskuserlebnis ist, sondern die Wirkung zeitlich verzögert auftritt. Das müssen nicht direkte Kontakte mit Menschen sein, bei dir könnte ich mir gut vorstellen, daß es Bücher waren. Und diese Bücher haben natürlich Verfasser.
Westerwelles hohe Zeit kommt noch.
Abwarten… vielleicht wird er noch zum deutschen Obama erklärt.
Schöner Einwurf, gefällt mir!
@Libero
Du wolltest wohl hier kommentieren. Das A’Team wird nicht gewählt und muss sich folglich auch nicht um Wähler bemühen.
Man muss die Aussage Merkels vom Politikersprech ins Deutsche übersetzen: “Nickt unsere Vorgaben gefälligst ab!”
Ein Katalysator verändert sich nicht. Ein Mensch, der uns als Vorbild dient, wirkt oft dadurch, dass wir seine Veränderungen respektieren. Aber prinzipiell ist die Analogie nicht schlecht. Ich hatte einige Lehrer und Bezugspersonen, die so auf mich gewirkt haben.
“Hessische Verhältnisse” nannte die Presse die Situation, dass die Exekutive keine nibelungentreue Legislative beiseite gestellt bekommen hat. Andere nennen es Demokratie oder Gewaltenteilung.
Das ist so vollkommen falsch. Wir haben in Deutschland nunmal ein gewaltenverschränkendes parlamentarisches Regierungssystem, in dem die Regierung von einer Mehrheit im Parlament gewählt und danch logischerweise auch unterstützt wird. Das heißt aber keineswegs, dass die Abgeordneten der Regierungsfraktionen ihr Gehirn ausschalten und in “Nibelungentreue” verfallen. Stattdessen werden Konflikte meistens nur hinter den Kulissen ausgetragen, damit die Öffentlichkeit (und die politischen Gegner) nichts davon mitbekommen. Wie man in Hessen ja an der, nunja, ungewöhnlich offenen Diskussionskultur der SPD gesehen hat, erwartet der Wähler (zu Recht) von Parteien Geschlossenheit.
Anders ist es im (streng gewaltenteilenden) präsidentiellen Regierungssystem (USA). Da hat die Regierung durch die Direktwahl eine ganz andere Stellung als bei uns. Demokratischer ist weder das eine noch das andere, es sind eben nur zwei ganz unterschiedlich funktionierende Systeme.
Zumindest nicht Abgeordnete wie Dagmar Metzger et al. …
Und wie man in Hessen gesehen hat, erwarten die Wähler nicht so sehr Geschlossenheit, sondern vielmehr Verlässlichkeit und Ehrlichkeit
Stimmt, wobei ich auch denjenigen Abgeordneten, die Ypsilanti unterstützt haben, zugestehe, dass sie es gemacht haben, weil sie der Meinung waren, das es für das Land Hessen, für die SPD und für sie selbst das beste ist.
Mein Eindruck ist, dass Verlässlichkeit & Ehrlichkeit und Geschlossenheit sich nicht ausschließen, sondern zusammengehören. Natürlich will der Wähler einer ehrlichen und verlässlichen Partei seine Stimme geben, aber wenn eine Partei so wenig geschlossen auftritt wie z. B. die SPD in Hessen, dann ist diese Partei eben nicht verlässlich, weil niemand sagen kann, was die Partei nach der Wahl tun wird.