Es ist ein bisschen Schade, dass das Theater in Hessen jetzt wohl in die geordneten Bahnen einer Schwarz-Gelben Koalition mündet. Nicht, weil ich diese nicht sympatischer finde als die Linksallianz, sondern weil das Theater einen gewissen Unterhaltungswert hatte.

„Hessische Verhältnisse“ nannte die Presse die Situation, dass die Exekutive keine nibelungentreue Legislative beiseite gestellt bekommen hat. Andere nennen es Demokratie oder Gewaltenteilung.

Frau Ypsilanti scheint, wenn ich die Berichte aus Deutschland richtig interpretiere, die Verantwortung für das Debakel Ihrer Partei zu übernehmen. Nun, dafür ist sie ja auch Vorsitzende und Fraktionsführerin.
Persönliche Fehler will sie aber nicht sehen, dabei war der zugrundeliegende Fehler, das Patt der Wahl 2008 in einen Sieg umzudeuten.

Wer erinnert sich nicht an das Bild vom in sich lächelnden Roland Koch, während seine zur persönlichen Herausforderung hochstilisierte Gegnerin den Wahlsieg im Fernsehen reklamierte.

Eine Niederlage in einen Sieg umzudeuten, hat Gerhard Schröder in der berühmt-berüchtigten Elefantenrunde 2005 zwar vorexerziert, aber Koch hat nicht den Merkel gemacht und Ypsilanti ist kein Schröder.

Die Niederlage der SPD dürfte gross genug sein, damit die konservativeren gegenüber dem linken Flügel wieder etwas Auftrieb bekommen. Der Denkzettel galt Ypsilanti-TSG, aber auch etwas verspätet Kurt Beck und Andrea Nahles und deren Linkskuschelkurs.

Die Farbenlehre des Abends ergibt einen grossen Erfolg für die FDP, den es hoffentlich in liberale Politik umzusetzen gelingt. Horst Köhler kann beruhigter seiner Wiederwahl entgegensehen und die Grosse Koalition verliert Ihre Bundesratsmehrheit und ist auf Zustimmung von Koalitionslandesregierungen angewiesen. Für die Bundestagswahl ist Hessen dagegen keine Richtungsentscheidung, auch wenn das Bundes-FDP und Bundes-Grüne vermutlich anders sehen.

Darüber hinaus nichts neues in Ihrem Politzirkus.