Der Begeisterung, bei manchen mit leicht hysterischen Untertönen, die Barack Obama während des Wahlkampfes bis zu seiner heutigen Amtseinführung als 44. Präsident der USA begleitet hat, findet ihr Gegenstück in den – mit wenigen nachdenklicheren Ausnahmen – einseitigen bis bösartigen und hämischen Pressekommentaren zur vergangenen Präsidentschaft von George W. Bush als „schlechtester aller Zeiten“.

Eine lang andauernde Kampagne der Massenmedien, die GWB wahlweise als Deppen und/oder Verbrecher titulierte – und die sich in der Blogosphäre fortsetzte – wird nun sukzessive ihr Ende finden.

Diese spezifische Art der „Auseinandersetzung“ hat mich immer ein wenig an den Umgang der Journaille mit Helmut Kohl erinnert: auch er hatte, manchmal ebenfalls nicht ganz ohne eigenes Zutun, viel zu ertragen aus dieser Richtung. Er hat’s ebenso wie Bush mit Fassung und oft sogar Humor hingenommen.

Und ohne die Analogie überstrapazieren zu wollen: auch Helmut Kohl wurde nach Jahren der Erstarrung von einem „Hoffnungsträger“, der eine andere politische Generation verkörperte, abgelöst (der im Folgenden allerdings aussenpolitisch mit seinem Nationalpazifismus der transatlantischen Partnerschaft schweren Schaden zufügte und dessen „Agenda 2010“ innenpolitisch als Reformprogramm trotz einiger positiver Deregulierungs-Ansätze keinen Bestand hatte).

Ich wünsche Barack Obama, dass er eine glücklichere Hand haben wird. Viele seiner Aussagen scheinen ja darauf hinzudeuten, dass er moderater agieren wird als konservative Kritiker ihm das im Wahlkampf (ebenfalls manchmal mit leicht hysterischen Untertönen) unterstellt haben. Und dass er sich seiner Verantwortung als Repräsentant der westlichen Führungsmacht im Kampf gegen den globalen Terrorismus durchaus bewusst ist.

Ich hoffe aber auch, dass er sein Wahlversprechen wahr machen wird, unverzüglich eine Initative zur Überarbeitung des Patriot Act in Gang zu setzen, um die Einschränkungen der Bürgerrechte im Namen des „War on Terrorism“ aufzuheben.

Nachtrag: Auf Zettels Raum findet sich eine wie immer kluge, differenzierte und ausführliche Analyse zur Präsidentschaft von George W. Bush als Rückblick auf die Amtszeit des unzeitgemässen Präsidenten.