Der wahre Trailer zu Operation Walküre
jo@chim, 22.01.2009
“Deutschland – ein Wehrmachtsmärchen”: eine gut gemachte Persiflage auf den Orginal-Trailer zu Operation Walküre – das Stauffenberg-Attentat, die dem Heldenkult um Claus Graf Schenk von Stauffenberg einige Bemerkungen zur historischen Wahrheit anfügt.
Auf ef-online habe ich mir übrigens eine Diskussion mit einigen erlaubt angetan, die sich meines Erachtens mit mehr Recht auf die Stauffenberg’sche Tradition berufen, als Liberale und Demokraten.
(Hattip: pantoffelpunk)
antibuerokratieteam.net





nett gemacht. Sobald ich de Film gesehen hab, im UK laeuft er erst morgen an, schreibe ich mehr dazu. Achims Meinung teile ich vermutlich nicht – man muss nicht immer alles schlecht reden und nach den inneren Widerspruechen suchen.
“man muss nicht immer alles schlecht reden”
Dass ausgerechnet Du das schreibst finde ich lustig. :)
Mein Beileid übrigens zu dieser Diskussion bei ef-online. Fürchterlich, was da für Leute rumlaufen.
Geschichtliche Fakten kann man nicht “schlecht reden”, sondern nur nennen, bewerten und einordnen.
Vielleicht hast Du mich missverstanden, liebe Dagny? Zum Film habe ich mich, da noch nicht gesehen, überhaupt nicht geäussert, sondern zur Tauglichkeit des Grafen von Stauffenberg als Vorbildcharakter und Held aus liberaler Sicht.
Ich gehe mal davon aus, dass der Film handwerklich gut gemacht ist – aber zur Verstrickung Stauffenbergs und der Wehrmacht in das nationalsozialistische Eroberungs- und Vernichtungsprogramm wenig bringt.
Sonst wäre wohl Herrn Steins Bewertung im von mir verlinkten ef-Interview anders ausgefallen ;-)
Gottseidank nicht nur.
Und wenn sie CvS für sich reklamieren, haben die ja wie gesagt vollkommen Recht, imho ;-)
Mich nervt ein wenig diese Schwarz-Weiß-Sicht.
Für mich ist Stauffenberg gerade deswegen eine Art Held, weil er das geschafft hat, was viele andere eben nicht hinbekommen haben, nämlich die “Tugenden” und Ziele zu hinterfragen, die bei den meisten hohen Wehrmachts-Offizieren in einer fortwährenden Unterstützung Hitlers resultiert haben.
Das ist, vom jeweils erheblichen persönlichen Mut auch anderer Attentäter abgesehen, eine Leistung, die jemand mit einer Ideologie, die ihn schon immer in Gegnerschaft zu Hitler und den Nazis gebracht hat, nicht erbringen muss.
Gerade das, nämlich sich angesichts von als untragbar empfundenen Ereignissen in Gegensatz zu allem zu stellen, was man bisher vertreten hat und was die Leute um einen herum weiterhin vertreten, passierte viel zu wenig.
Es ist m.E. ziemlich unwichtig, welches Ideal Stauffenberg für die spätere Zeit vorgeschwebt hat. Wichtig ist allein dieser Entschluss. Wenn ich von Helden verlangte, dass sie auch noch Liberale sein müssen, wird die Auswahl verdammt klein…
Was die “Verstrickung in das Vernichtungsprogramm” angeht, scheint mir in diesem Interview manches gesagt zu werden, was der kolportierten Rolle von Stauffenberg als jemandem, der nur wegen der drohenden Niederlage gehandelt hat und ansonsten alles mitgemacht und auch so gewollt hat, nicht stützt.
Da kann ich Rayson nur voll zustimmen.
Insbesondere konnten bei so einem Putsch nur noch Leute dabei sein, die NICHT von Anfang an offen gegen Hitler opponierten (die saßen nämlich alle im Knast oder im Exil).
Ich habe mich nie mit dieser Sache beschäftigt, vermute aber auch, dass die Motive des Herrn von Staufenberg nicht so edel waren, wie landläufig behauptet.
Sah er das Ende kommen und wollte er vielleicht gar seinen Arsch noch schnell an die Wand bekommen?
Wollte er gar selbst die Macht mit seiner Truppe übernehmen?
War er Demokrat oder doch eher Royalist?
Ich weiß nicht viel darüber, aber seine Briefe von der Ostfront lassen nichts Gutes vermuten. Theoretisch könnte es natürlich sein, dass er mit Postzensur rechnete und deshalb log, aber das wäre schon extrem unwahrscheinlich.
Das sind ziemlich überzeugende Argumente.
Der “20. Juli” ist in meinen Augen längst nicht das wert, was aus ihm in der BRD gemacht wurde und gemacht wird. Seit der Reaktion der Nazis auf das so späte Attentat insofern eine ganz eigene Art der Tradition…
Das beste, was ich in den letzten Jahren zum Thema lesen konnte, sind die “Betrachtungen zum 20. Juli” von Jürgen von Kempski (in: Recht und Politik, Stud. z. Einheit der Sozialwissenschaften, suhrkamp, Frankfurt, 1. A., 1992).
Die Vorgänge sind überhaupt nicht so luzide, wie sie dieser im Grunde wertlose Film suggeriert.
Die wahren “Helden” sind all jene, die erkannt haben und sich nach Kräften entzogen haben.
Rayson, Dein Kommentar und meine Position (insbesondere auch das, was ich in dem verlinkten antibuerokratieteam.de-Beitrag geschrieben habe) widersprechen sich doch überhaupt nicht. Danke für die Ergänzung und Klarstellung.
Ich spreche CvS nicht das Heldenhafte seiner Tat ab. Es gibt doch auch viele Kommunisten, die während des Faschismus als Helden gehandelt und/oder fürchterlich gelitten haben – als Vorbilder für Anhänger des demokratischen Rechtsstaates und der Offenen Gesellschaft taugen die aber ebenfalls nicht (aus ganz ähnlichen Gründen).
Eine Anmerkung allerdings: Der in der FAZ interviewte Stauffenberg-Biograph Peter Hoffmann hat auf Telepolis behauptet, dieser habe “während der ganzen Zeit der Weimarer Republik nie etwas auf die Republik kommen lassen”.
*LOL* Ausser der Unterstützung von Hitler gegen Hindenburg 1932. Und seiner ausdrücklichen Gratulation zu Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 vielleicht. Aber da war die Republik dank Stauffenbergs vorheriger tatkräftiger Mithilfe ja schon am Ende…
… sorry so’n Hofhistoriker kann ich nicht wirklich ernstnehmen.
Kempskis Kernthesen?
“Operation Walküre” sollte ein vollständiger Staatsstreich sein, ein wohlorganisierter Putsch einer Gruppe. Der “20. Juli” ist nicht fokussiert auf eine herausragende, gar spontane “tapfere” Einzeltat – so ‘tapfer’ das bloße (Fehl-)Platzieren eines nicht verdämmten (!)Sprengkoffers in Form einer weichen ledernen Aktentasche nun mal sein kann. Der Staatsstreich ist gründlich misslungen. Es ist dabei zu biliig, auf v. Stauffenbergs braune Pöbeleien zu verweisen – ja, das war (und ist, nach wie vor, wenn auch in anderer Form, leider) “Mainstream”.
v. Kempski nimmt in historiographischer Weise die Funktion und die Struktur des nationalsozialistischen Führungsapparates unter die Lupe, insbesondere die Heeresorganisation(en).
Kurz: Wenn das “Dritte Reich” eins bewiesen hat, dann doch die Tatsache, dass es sich als totalitäres Regime praktisch von innen und von vornherein (!) praktisch unangreifbar gemacht hat, in Legislative und Exekutive, in der gesamten Hierarchiestruktur. V. Stauffenberg hatte von Beginn an Kenntnis der inneren Struktur. Ob er “Nazi” war oder nicht, ist im dabei beinahe unerheblich. Der Staatsstreich _musste_ scheitern. V. Stauffenberg hatte lediglich seinen Part wie geplant ausgeführt, Ein Gen. Fellgiebel hat völlig versagt. Äußerst rätselhaft bis heute auch, weshalb es nicht gelang, (wie geplant), Rundfunkt und Ministerien zu okkupieren.
Zieht man dann noch in Betracht, dass es keiner der “Männer” um den ’20. Juli’ es geschafft haben, sich persönlich mit eigenem Leben zu ‘opfern’(eine Tatsache, die es nicht zu bewerten giltI), sich also samt Tasche H. entgegenzuwerfen, um sicher zu stellen, dass diese ‘richtig’ platziert sei, ein Akt, den heute beinahe ungezählte Selbstmordattentäter radikalislamischer Provenienz, viel jünger, viel ‘überzeugter’ in ihren Motiven, immer vorführen, nimmt mE der “Operation Walküre” den Wert, der ihr leider heute staatstragend beigemessen wird.
Fazit: VOR ’33 wäre massiver, nachhaltiger Widerstand zu leisten gewesen – und zwar gegen den Aufstieg der NSDAP und ihrer Führer, aber diese Diktatur war GEWOLLT und sie war SO gewollt & geduldet, von der überwiegenden Mehrzahl der Deutschen. Stand seit ’25 zu lesen in einem in Festungshaft verfassten Machwerk, das damals nur wenige zur Kenntnis nahmen, dafür aber heute eigenartigerweise auf dem BRD-Index steht. Das ist es, wozu selbst kluge Leute sich nicht (warum?) zu bekennen vermögen, selbst über 60 Jahre nach Kriegsende nicht.
Herzlichen Dank lieber Bodo! Den “Nazi-Vorwurf” an CvS kolportiert ja die extreme Linke gerne. Das ist natürlich historisch unsauber – und die merken nicht einmal, dass sie sich damit dem IMHO eigentlichen Zweck der “Stauffenberg-Verehrung”, nämlich die Wehrmacht von ihrer Verantwortung für die Expansions- und Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten reinzuwaschen, auch noch als ideologischer Wasserträger andienern.
Zustimmung. Insbesondere die maßlose Dummheit, mit der der Sprengstoff platziert wurde. Es handelte sich immerhin um Berufsoffiziere, die wussten doch ganz genau wie Sprengstoff wirkt. Eine Stahlkassette mit Muttern und Nägeln hätte man damals schon in der Tasche verstecken können. Waren die wirklich so inkompetent? Ich vermute leider schon.
Es hätte ja noch nicht einmal eines Selbstmordanschlags bedurft, obwohl man von wahren Helden auch das hätte erwarten können.
Hitler bewegte sich doch praktisch nur in militärischen Kreisen, oder nicht? Es muss doch möglich gewesen sein in Hitlers Nähe eine Sprengfalle zu deponieren oder ihn aus nächster Nähe zu erschießen. Man hätte eine Mine nehmen können oder einen ganzen Straßenabschnitt mit Sprengstoff unterfüttern können. Dann wäre die ganze Eskorte mit in Luft geflogen.
Ich bin froh, dass Du das Versagen so offen und direkt ansprichst. Normalerweise erwähne ich sowas ja immer recht offen, aber in dieser Sache wollte ich mal aus politischen Gründen ein wenig Zurückhaltung wahren.
Gut, der Mann und viele andere haben ihr Leben verloren. Davor habe ich Respekt. Ich habe auch einen gewissen Respekt davor, dass der Mann sich später doch eines besseren besonnen hat.
Was ich aber für vollkommen unvertretbar halte ist, dass man v. Stauffenberg jetzt zu einer Ikone heraufsetzen will. Sicher, wer ein Kind seiner Zeit, aber doch trotzdem niemand, den man wirklich als nachahmenswerten Menschen betrachten könnte. Immerhin gab es auch damals schon Jazzmusik und freien Geist. Es gab auf der ganzen Welt Intellektuelle und Amerika war Vorbild einer freien Gesellschaft. Für all’ das stand aber v. Stauffenberg ja gerade nicht. Oder habe ich da was falsch verstanden?
“er war ein Kind seiner Zeit” soll das heißen
Was spielt das für eine Rolle? Egal welche Motive, Ansichten und Pläne Stauffenberg gehabt hat, es sollte die Tat zählen.
Die Kommentare bei ef werden ohne Zweifel immer abgründiger.
Die Tat, der Mut, die Entschlossenheit zählen ja auch. Aber, ich wiederhole mich, das taugt, wenn man die Rolle von CvS differenziert und im Gesamten betrachtet, nicht als Grundlage eines Heldenkultes. Schon gleich gar nicht für Liberale.
Aber sehr aufschlussreich, gerade in der aktuellen Diskussion!
*Haargenau* dSado!!
(Ich hoffe, Du wirst jetzt nicht als “Neuer Rechter” exkommuniziert… *lol*… wasst scho wassi maan)
Es überrascht nicht im Anbetracht der letzten Jahre. Schade, es war mal anders geplant. In einer Diskussion erwähnte jemand mal, daß ökonomische Motive Andrés Rechtsruck erklären. Das ist nicht die ganze Wahrheit.
Es ist ja nicht nur Lichtschlags Irrweg…
Achja… die Schubladen. :-) Vielleicht hätte ich Maurer werden sollen. *lach* ;-) Oder Kraftsportler *nochlauterlach*. ;-)
Genau dieses Hervorheben von angeblichen Helden und diese merkwürdige Betrachtung der Geschichte, die mit einer Umkehrung der Täter-Opfer-Stellung einhergeht, hat mich schon vor langer Zeit bewogen mein Abo der Jungen Freiheit zu kündigen. Waren es am Anfang noch viele gute Artikel zu Fragen der Bevölkerungsentwicklung, bei der auch heikle Themen angeschnitten wurden, so schrieb man später leider immer öfter irgendeinen Quatsch über die deutschen Opfer und das Unrecht der Alliierten.
Sicher, auch Deutsche wurden zu Opfern und auch die Alliierten haben Verbrechen begangen. Die Relationen und die Kausalitäten sollten dennoch nicht unerwähnt bleiben. Was die Junge Freiheit um den Herrn Stein da macht, das geht entschieden zu weit. Man relativiert, wiegelt ab, berichtet einseitig über deutsche Opfer und erwähnt die Verbrechen allenfalls am Rande.
Trotzdem fand ich es gar nicht mal so schlecht, dass die EF dem Herrn Stein eine Plattform bot. Er scheint ja durchaus fundierte Kenntnisse über v. Stauffenberg zu haben. Nichts desto Trotz hätte ich den Herrn Stein gerne mal gefragt, was er eigentlich zu meinem oben formulierten Widerspruch sagt. Wie man nämlich v. Stauffenberg als Vorbild präsentieren will, während in den USA der freie Geist die Welt revolutionierte und die Comedian Harmonists im Radio einen Welterfolg nach dem anderen feierten.
Aber Herr Stein wird dafür wohl auch keine Antwort parat haben.
Nichts gegen Andrés Entscheidung. Sein Eigentum, seine Entscheidung. Ich finde es nur schade, beim Start 1998 gab es fast niemanden in Deutschland der sich selber als Libertarian bezeichnet hätte. Alleine bei Facebook Dt. wimmelt es heute von deutschen Libertarians. Ich kenne einige davon persönlich und da ist keiner dabei, welcher in die konservativ-libertäre Allianz irgendwie reinpassen würde. In den Kommentaren bei ef tummeln sich nur krude Leute mit reaktionären Ideen.
Time for a change. ;-)
Die Tat ist vorbildlich. Aber ist es nicht immer so, daß Vorbilder durch Ihre Taten und nicht durch Ihre Motive glänzen?
Jah, Man :-)
Dann wäre also Ernst Röhm ein Vorbild, weil er die “zweite Revolution” gegen Hitler starten wollte und deshalb sterben musste?
Ach komm. Das ist doch jetzt wirklich kein Vergleich.
Ach geh… check da time… ok, ich mach jetzt Schluss, muss ja heute morgen um 5 raus Richtung Gummersbach…
ef-online? Wussta gar nicht, dass du so masochistisch drauf bist.
Weniger Masochismus, eher Abhärtung, so wie Eisbaden :D Und die Diskussion war doch interessant: dass ich Kommunist wäre, hat mir schon seit zwanzig Jahren niemand mehr vorgeworfen…
Genau so ist das. (aber wie war das noch mit rinks und lechts? ;-))
Sowas hängt immer von der Perspektive des Wertenden ab. Ich habe mir ja neulich auch zum ersten Mal das Designat des eiskalten Neoliberalen[TM] abholen dürfen.
Joachim, lies die einfach mal die Stauffenberg-Biographie von Hoffmann durch. Ein Hofhistoriker sieht wirklich anders aus. Und auf 700 Seiten lässt sich sehr viel tiefgründiger darstellen und analysieren als in einem Telepolis-Interview.
Den von Dir gerne zitierten Brief findet man bei ihm übrigens auch.
Der m.E. ganz entscheidende Punkt ist hierbei, ob eher eine Person oder ihre Tat als vorbildlich verehrt wird. Wird ein Heldenmythos um eine Person gestrickt, muss normalerweise die Absicht der Person “rein” sein, so vorbildlich wie ihre Tat. Wird die Tat mehr in den Vordergrund gerückt, können die Absichten der Person fragwürdig und zweifelhaft sein, im Ergebnis kann die Tat ja trotzdem gut, richtig, vorbildlich gewesen sein. Je mehr also zu einem Personenkult Stauffenberg beigetragen wird, anstatt den Widerstand als solchen in den Fokus zu nehmen, desto weiter entfernt man sich von der Lehre, die aus der Geschichte zu ziehen ist. Dass es nämlich nicht darauf ankam, einen Helden zu haben, auf den sich ähnlich wie auf den sog. Führer alle verlassen konnten, sondern dass jeder in seinem Bereich mehr aktiv oder auch passiv zum Widerstand gegen Unrecht aufgerufen war. Womit sich jeder Deutsche deutlich gegenüber eines Kadavergehorsams hätte abgrenzen können.
[...] http://www.antibuerokratieteam.net/2009/01/22/der-wahre-trailer-zu-operation-walkuere/ [...]
Der Kern des Handels von Stauffenberg und seinen Mitverschwörern war, dass sie ihren Eid in besonders schwerwiegender Weise brachen, indem sie die Person, auf die sie diesen Eid geleistet hatten, zu töten versuchten. Man kann gar nicht überbewerten, was das für einen Wehrmachtsoffizier bedeutete.
Und das ist es auch, was Bundeswehrsoldaten beigebracht wird: Befehle, die mit dem individuellen Gewissen nicht vereinbar sind, haben keine bindende Wirkung und müssen nicht verfolgt werden. Sind sie gegen die Normen des Grundgesetzes gerichtet oder hätten sie eine Straftat zur Folge, dürfen sie nicht einmal befolgt werden. In diesem Sinne werden die Verschwörer des 20.Juli als Vorbilder aufgeführt.
Dass die Verschwörer zu einem großen Teil antipluralistische Militaristen waren, wird in der Offizierausbildung der Bundeswehr ebensowenig verschwiegen, wie der Fakt, dass die Wehrmacht zum Teil schuldhaft in Kriegsverbrechen verstrickt war. (Der “Trailer” suggeriert das Gegenteil!)
Auf einem Blatt steht allerdings, wie die Bundeswehrführung mit Soldaten umgeht, die sich tatsächlich auf ihre Gewissensfreiheit berufen. Der Fall des Majors Florian Pfaff sorgte vor wenigen Jahren bundesweit für Aufsehen. Dieser hatte seine Arbeit an einer Logistik-Software eingestellt, weil ein Vorgesetzter nicht ausschließen konnte, dass diese Software auch von den US-Streitkräften im Zusammenhang mit dem Irakkrieg eingesetzt werden könnte. Man ließ ihn daraufhin auf seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen und ein Truppendienstgericht degradierte ihn zum Hauptmann. Das Bundesverwaltungsgericht rehabilitierte ihn allerdings und stellte klar, dass das Grundrecht auf Gewissensfreiheit auch bei einem Soldaten nicht eingeschränkt werden darf.
Ich bin auch nicht dafür, dass man die dunklen Seiten dieser Leute einfach übergeht. Aber andererseits kann man bei fast allen historischen Persönlichkeiten irgendwelche Sachen finden, die aus heutiger Sicht total inakzeptabel sind- George Washington war Sklavenhalter usw. Wenn man das konsequent durchzieht, steht man ziemlich bloß dar.
Valküren im Südwestfunk, Stauffenberg und Fussball…
Valkyrie ist auch im UK im Kino angelaufen, Dagny hat sich den Film am Wochenende angesehen und kann den Thriller, eine packende und mitreissende Story über den militärischen Widerstand gegen Hitler nur empfehlen.
Meinem historischen Wisse…
kritisiert die aus einem frühen Brief sprechende Gesinnung des heißherzigen Stauffenberg, in dem dieser von der Front aus über Polen schimpft, weswegen er nicht als Vorbild für Liberale tauge, empfiehlt dann aber den Kommunisten Georg Elser – so geht das nicht.
Man kann den Widerstand nicht ausschließlich an Stauffenberg messen – der hätte in der Regierung nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Liberale Vorstellungen finden sich aber sehr wohl auch bei Stauffenberg.
Die Frage, die diese Geschichte an uns stellt, ist, ob es allgemein-menschlich vorbildhaft ist, sein Leben gegen aus jedwedem humanitärem Ruder laufende Entwicklungen einzusetzen.
Einer
(http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolph-Christoph_Freiherr_von_Gersdorff)
hat es ja versucht, aber Hitler ging schneller aus der Austellung, als er die Bombe am Körper zünden konnte.
Suicide Bombing also schon damals.
spricht Stauffenberg wegen seiner Gesinnung, die aus einem seiner Briefe spricht, jegliche Vorbildfunktion für Liberale ab, andererseits empfiehlt er in der Diskussion bei eifrei den Kommunisten Georg Elser. So geht das nicht. Das sind Reflexe eines Ex-Kommunisten.
Liberale Vorstellungen finden sich auch bei Stauffenberg, wenn auch beim “Hof-Historiker” Hoffmann zitiert. (Wessen “Hof” eigentlich?) Die Frage der Westorientierung des militärisch-bürgerlichen Widerstands halte ich auch für wichtig, und sie ist gegeben, da die 20.-Juli-Leute auf einen Teilfrieden im Westen hofften.
Die Frage, die Stauffenberg an Liberale heute stellt ist, welchen Widerstand sie gegen Fehlentwicklungen und Feinde des Westens zu leisten bereit sind.
Komischerweise muss es damals im Widerstand ganz ähnliche Diskussionen gegeben haben, ob denn dieser Stauffenberg vertrauenswürdig sei…
Elser war 28/29 im RFB und ist dann ausgetreten. Ich habe ihn auch nicht als Vorbild, sondern als “tatsächlichen Helden” bezeichnet, da er – ganz im Gegensatz zum Herren Stauffenberg et all. – nicht am Aggressionskrieg der Nazis beteiligt war.
Den Versuch einen Separatfrieden zu schliessen, als “Westorientierung” zu bezeichnen, ist schon ein starkes Stück – die Westalliierten sind auf derlei aus gutem Grund nicht eingegangen.
Und wer hier aufgrund welcher “Reflexe” argumentiert – dazu sage ich mal nichts.