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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Valküren im Südwestfunk, Stauffenberg und Fussball

dagny t., 26.01.2009

Valkyrie ist auch im UK im Kino angelaufen, Dagny hat sich den Film am Wochenende angesehen und kann den Thriller, eine packende und mitreissende Story über den militärischen Widerstand gegen Hitler nur empfehlen.

Meinem historischen Wissen nach scheint der Film stimmig; die historischen Figuren werden gut getroffen; den perfekt englisch sprechenden Wehrmachtsoffizieren fehlt hier und da das zackige, preussische “Achtung, Stillgestanden!”, was der Handlung aber keineswegs schadet. Ganz im Gegenteil, The Scotsman points out:

Intriguingly, Valkyrie revives the cliché of Nazis with British accents. The most notable exception is Hitler himself, played by Lancashire’s David Bamber, who speaks English but with a full-on Donner Und Blitzen accent.

Claus Graf Schenk von Stauffenbergs moralische politische* Eignung als Vorbild für Liberale wurde hier ja des öfteren kontrovers diskutiert. In der Presse ist der Zwiespalt auch angekommen:

One problem is that Valkyrie is unwilling to tackle complexity and character. Until late on, the real Von Stauffenberg’s frustration was with Hitler’s war strategies rather than Nazi obsession with the master race

(The Scotsman, again)

Ob Vorbild oder nicht, Witze zu machen und über den Rummel rund um den Film lachen zu dürfen, ist erfrischend. Unverkrampft sein und sich selber nicht ganz so ernst nehmen eine tolle Sache: Oliver Pocher eckt beim Südwestrundfunk mit seinem Auftritt im Stauffenberg-Kostüm an (via Soldatenglueck.de).
Im englischen Fernsehen wurde Tom Cruise übrigens nach seinen Furzgewohnheiten gefragt – ein bisschen mehr Lockerheit würde den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkschreibtischgenerälen auch gut tun.

Ändert der Film das Bild der Deutschen oder des Deutschen Widerstands gegen Hitler? Bleibt es bei der Einschätzung Winston Churchills, es handle sich um einen inner-nationalsozialistischen Machtkampf, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen? Ein Versuch die Endniederlage abzuwenden, wie es auch Achims Trailer suggeriert?
(Wikipedia.de über die zeitgenössischen Einschätzungen aus dem Ausland. Die Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation ohne Aussicht auf Separatfrieden im Westen, um ein weiteres Vordringen der Kommunisten zu verhindern wird dem Widerstand auf Seiten der Militärs eher nicht entgegengekommen sein)

Vielleicht hätte die Geschichte über den 20. Juli aus der Perspektive Henning v. Treschkows erzählt werden sollen. Der General war seit dem Röhm-Putsch 1934 ein Gegner des Regimes, sein Lebenslauf für einen Militär damals ungewöhnlich, arbeitete er doch von 1920 bis 26 u.a. in einer Bank und machte eine Weltreise. Wie sein Versuch Hitler 1943 mit einer Bombe zu töten scheiterte, wird im Film Eingangs gezeigt. Im Abspann wird auf wenigsten 14 weitere bekannte Attentatsversuche hingewiesen.

Ändert der Film das Bild vom bösen deutschen Nazi?

Einer meiner Bekannten aus Indien meinte am Wochenende anerkennend über Deutschland: Oh, Ihr baut so tolle Autos und ihr habt Michael Schuhmacher, Franz Beckenbauer und Steffi Graf.

Abschliessend noch ein Hinweis auf das Buch
“Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg”, geschrieben von v. Stauffenbergs Tochter über das Leben Ihrer Mutter nach dem Attentat. Eine bewegende Geschichte und das Portait einer starken Frau.

*Ich hatte urspruenglich moralische Eignung geschrieben und nach Klarstellung Achims, dass es in seiner Kritik nur um das politische Vorbild ging, das Adjektiv geaendert. Mir ist der Unterschied erst im Laufe der Debatte deutlich geworden.



13 Kommentare zu “Valküren im Südwestfunk, Stauffenberg und Fussball”

  1. VolkerD

    >Ändert der Film das Bild vom bösen deutschen Nazi?
    –> Vielleicht.

    Innerhalb Deutschlands zeigen allerdings einige Beiträg in den Medien, dass sich wohl viele deutsche Publizisten nicht damit abfinden können, dass in anderen Ländern die Deutsche Geschichte nicht als etwas besonderes angesehen wird.

  2. tigerbeer

    Ich meine igendwo gelesen zu haben, dass im letzten Kriegsjahr allein auf deutscher Seite ungefähr soviel Menschen starben, wie in den ersten 5 Kriegsjahren.

    Was immer die Motivation von Stauffenberg und seinen Leute war, ein erfolgreiches Attentat, hätte auf jeden Fall Millionen von Menschen das Leben gerettet.

  3. Die Stimme aus dem Off

    Ich habe den Trailer gesehen, als ich mir “sieben Leben” gab. *hüstel* (An dieser Stelle möchte ich gleich vor diesem Film warnen, geht da bloß nicht rein, sonst werdet ihr gar selbst suizidal. Ich brauchte mehrere Bier um das zu ertragen.)

    So toll fand ich den Trailer aber auch auf der großen Kinoleinwand nicht. Ich ringe noch mit mir, ob ich mir den Film geben soll oder nicht. Eigentlich hatte ich mich schon dagegen entschieden, aber jetzt kommt dagny t. mit seiner Empfehlung.

    Es wird aber wohl doch nur die DVD werden. Ich bin Hitler und Co. mittlerweile nur noch satt auch Tom Cruise wird da kein Interesse mehr wecken können.

  4. jo@chim

    Den Film werde ich mir sicher ansehen, gerade auch nach Deiner Kritik liebe Dagny!

    Eine wichtige Anmerkung noch: meine Zweifel an Staufenbergs Eignung als Vorbild für Liberale bezogen sich keineswegs auf moralische Kategorien, sondern waren politisch gemeint. Sein Leben zu opfern, im Versuch einen Tyrannen von der Macht zu entfernen, ist imho in jedem Fall heldenhaft und, moralisch gesehen, mit Hochachtung zu begegnen – gleich ob der Täter wie CvS aus dem System selbst kommt oder wie Georg Esser einmal Kommunist war.

    Den Streit ums “Erbe Stauffenbergs” im Sinne eines politischen Vorbilds sollten wir aber IMHO als Liberale getrost Rechtskonservative wie Dieter Stein und Herrschaften, wie sie in der ef-Diskussion aus dem erzreaktionär-antidemokratisch-monarchistischen Sumpf hervorgeblubbert sind, unter sich führen lassen.

  5. Dagny

    Mit der Unterscheidung ‘moralisch – politisch’ kann ich gut leben und wuerde das Adjektiv im Beitrag nach dieser Klarstellung gerne aendern.

    Gleichwohl sei angemerkt, dass ein politisch – nicht moralisch – erzreaktionaeres, monarchistisches, antidemokratisches Regierungssystem liberaler sein wird, als die (totale) Demokratie. (Die Verschwoerer haben das Ende der Weimarer Republik, wie es die SZ vormuliert, als Bankrotterklaerung der Demokratie empfunden – bei Zustimmungen zu Hitler in Abstimmungen mit 95 + X% vielleicht nicht ganz zu unrecht)

    Von v. Boeselager ist der Ausspruch uberliefert „Die Überlebenden einer Tragödie sind niemals deren Helden.“ – vielleicht im Zusammenhang mit dem sich etwa in der Suedwestfunkdiskussion abzeichnendem Heldenkult etwas, das man im Gedaechtnis behalten sollte. (Weitere v. Boeselager zugeordnete Zitate machen deutlich, warum sich das Nachkriegsdeutschland zu jeder Zeit mit dem 20. Juli schwer tun wird, stehen die vielen Beteiligten aus dem Adel doch am ehesten in der Denkschule eines Davila und lassen sich keineswegs fuer irgendwelche politischen Ziele instrumentalisieren.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Freiherr_von_Boeselager#Zitate )

  6. jo@chim

    [...] als die (totale) Demokratie.

    Wenn ich von Demokratie schreibe, bitte immer [rechtsstaatlich verfasste, begrenzte] Demokratie im Sinne F.A. von Hayeks mitdenken:

    Der Liberalismus befasst sich mit den Aufgaben des Staates und vor allem mit der Beschränkung seiner Macht. Die demokratische Bewegung befasst sich mit der Frage, wer den Staat lenken soll. Der Liberalismus fordert, alle Macht, also auch die der Mehrheit, zu begrenzen. Die demokratische Theorie führte dazu, die Meinung der jeweiligen Mehrheit als einziges Kriterium für Rechtmäßigkeit der Regierungsgewalt zu betrachten.

    (“Liberalismus”, Tübingen, 1979)

    Dass es zu einer in diesem Sinne demokratisch vefassten Gesellschaft keine freiheitliche Alternative gibt (wenn man denn einmal von der anarchistischen Utopie, die sich bei Hoppe zur Dystopie wandelt, absieht), bezweifle nicht nur ich, sondern z.B. auch Erich Weede:

    Im 20.Jahrhundert gab es eigentlich nur noch zwei Alternativen zur Demokratie. In den Industriegesellschaften war das die totalitäre Parteidiktatur, ob nationalsozialistischer oder kommunistischer Art. […] Die zweite Alternative finden wir vorwiegend in Entwicklungsländern, die Miltitärdiktatur. Freiheitlich sind diese Regierungen nie. Einige – beispielsweise in Südkorea und Taiwan – haben allerdings ihre Länder in den Wohlstand geführt und damit auch der Demokratie den Boden bereitet. Über die meisten Militärdiktatoren können höchstens Schweizer Banken etwas Positives sagen.

  7. dagny t.

    Gutgut, nur ist der Antidemokratismus eines Stauffenbergs wohl eher vor dem totalen Demokratiebegriff zu sehen. Diese Demokratie hat in der Tat am Ende der Weimarer Republik die demokratisch, per Volks- und Poebelentscheid legitimierte, Selbstabwicklung vorgenommen. Man koennte Stauffenberg vielleicht zugute halten, dass er keine anderen Alternativen kannte?

  8. R.A.

    Als Held oder Vorbild zu gelten bezieht sich ja meist nur auf gewisse Lebensbereiche oder Aktivitäten.

    Man kann hohen Respekt vor Mutter Teresa haben, und ihren Glauben trotzdem ablehnen.
    Man kann jemanden als Helden anerkennen, weil er ein Kind unter Lebensgefahr aus dem reißenden Fluß gerettet hat – egal welche politische Überzeugung dieser Held hat.

    In diesem Sinne sind die Männer des 20. Juli Helden. Und auch moralische Stützen des heutigen Deutschlands, weil sie bewiesen haben, daß es auch in der schlimmsten Zeit deutscher Geschichte Mut und Anständigkeit gab, in bewußter Anlehnung auch an positive preußische/deutsche Traditionen.

    Politische Vorbilder sind sie nicht (u. a. weil viele von ihnen auch recht unpolitisch waren) oder nur teilweise.
    Man sollte aber auch nicht vergessen, daß Stauffenberg sehr bewußt demokratische Politiker wie Leber und Leuschner nicht nur als Bündnispartner gesucht hat, sondern diese auch in einer entscheidenden politischen Rolle nach dem Putsch haben wollte.

    D.h. die eher konservativen bis anti-demokratischen Militärs ging es nicht um ein blindes Zurück zur Monarchie nach ihren persönlichen Vorstellungen, sondern sie waren sehr wohl bereit, die Wiedererrichtung der Demokratie zu akzeptieren und zu fördern.

  9. jo@chim

    Vergiss nicht, dass es der Antidemokratismus eines Militaristen war, nicht die Demokratieskepsis eines Liberalen. Stauffenberg hat IMHO die (Schein-)Alternative autoritäre Militärdiktatur vs. Hitlers Volksstaat vertreten.

  10. Die Stimme aus dem Off

    Oha, LOD (lady on deck)!

    Das hätte mir doch jemand sagen können. Ich ging immer davon aus, dass das A-Team ein reine männliche Angelegenheit sei und der Name dagny t. lediglich ein Bewunderer dieser litearischen Figur sei. Ich konnte ja nicht ahnen, dass Lina von ihrem Thron gestoßen wurde und nun sogar im A-Team die Frauen die Macht an sich gerissen haben.

    Bitte höflichst um Entschuldigung. :-)

  11. jo@chim

    R.A., stimme Dir zu, dass die Motive und das Wollen der verschiedenen an der Operation Walküre Beteiligten durchaus differenzierenswert sind.

    Der Minimalkonsens aller Beteiligten war aber afaik nicht die “Wiedereinrichtung der Demokratie”, sondern der Sturz des Tyrannen und der Stopp der Shoah, wohl auch Wiederherstellung eines Mindestmasses an Rechtsstaatlichkeit. Allein das wäre ein gigantischer Fortschritt gewesen.

  12. Lina

    @ DSadO

    … dass Lina von ihrem Thron gestoßen wurde …

    Wo stand denn (m)einer? Wenn dann doch im Zuschauerraum und nicht oben auf der Bühne der Autoren, wo ‘dagny t.’ seit Urzeiten (weiblich) thront. Nicht mitgekriegt? Na also … !?!

    Btw: Ich persönlich wünschte mir viel mehr weibliche Beteiligung, weiss nicht, woran es liegt, dass nur wenige Frauen so tapfer und zäh sind, sich von Männern auch mal in ‘Grund und Boden’ argumentieren zu lassen ;-D …

  13. stefanolix

    @Lina: Wo es doch im wahren Leben oft genau andersherum ist;-)

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