Ein Ex-Biobauer packt aus: Was sie nicht im Oekoladen erfahren
dagny t., 27.01.2009
Die Achse des Guten* weisst auf folgenden Bericht in der WELT hin, in der ein Ex-Oekobauer ueber seinen Versuch berichtet, auf Bio-Landwirtschaft umzusteigen:
Von einem Schlachthofkontrolleur habe ich erfahren, dass man von vier Fünfteln der Bioschweine die Lebern und die Lungen wegwerfen muss, weil sie von Würmern zerfressen sind. Ist das tiergerecht? Es kann doch nicht im Sinne der Tiere sein, wenn sie krank und voller Parasiten sind. Bioschweinehaltung hat nichts mit Tierschutz zu tun, sondern mit ideologischen Richtlinien, die ohne Rücksicht auf Verluste durchgesetzt werden. Hauptsache, die Tiere liegen hübsch im Stroh und fressen nicht das böse Gen-Soja.
oder
Ich glaube, die Menschen in Deutschland wissen immer weniger von der Landwirtschaft. Sie machen sich ein falsches Bild. Tiere werden wie Menschen betrachtet. Da spukt viel Unsinn in den Köpfen.
Es ist zum Beispiel sehr fraglich, ob Tiere die Freiheit lieben. Als wir mal über Nacht die Tür zu einem der Ställe aufgelassen haben, lagen die Schweine am anderen Morgen alle an ihren Plätzen. Sie sind nur ein paar Schritte in den Hof gelaufen, haben den Sack mit dem Hundefutter geplündert und kehrten zurück in ihren Stall.
Zwei Anmerkungen
Erstens, ernst: Ich halte es fuer richtig, Dinge auszuprobieren. Aber man muss ueber das Ergebnis ideologiefrei diskutieren und gegebenenfalls das Experiment beenden.
Zweite Anmerkung, augenzwinkernd: Ob zwischen den meisten Menschen und den Schweinen im zweiten, von mir zitierten Absatz so viel Unterschied ist?
antibuerokratieteam.net






>Zweite Anmerkung, augenzwinkernd: Ob zwischen den meisten
>Menschen und den Schweinen im zweiten, von mir zitierten Absatz
>so viel Unterschied ist?
–> Schweine sind ziemlich reinlich, das könnte doch ein Unterschied sein ;)
>Erstens, ernst: Ich halte es fuer richtig, Dinge auszuprobieren.
>Aber man muss ueber das Ergebnis ideologiefrei diskutieren und
>gegebenenfalls das Experiment beenden.
–> Wie kann man in einem ideologisch überfrachteten Bereich (wie es leider die gesamte Landwirtschaft ist) ohne Ideologiediskutieren?
Ich hätte anstelle von Herr Miersch einige Dummheiten weggelassen, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Viel Ahnung hat der Bauer anscheinend nicht
dass man den Mutterkorn-Pilz aussieben kann, denn er ist größer als die Getreidekörner. Das stimmt aber nicht immer.
Soso, so geht das also und Miersch ist so naiv und gibt das auch noch weiter. So einfach ist es in der Tat nicht und die Mühle oder Futtermittelbetrieb, der so fahrlässsig bei Mutterkornbefall handelt, verliert die Betriebsgenehmigung.
Diesen laxen Umgang mit Stroh und Futter kenne ich auch von konventionellen Bauern. Die sind damit natürlich nicht erfolgreich und müssen Preisabschläge hinnehmen. Viel mehr Ferkel als üblich sterben bei denen auch.
Wenn ich ihn richtig verstehe, dann behauptet er ja gerade das Gegenteil. Der Bauer selbst hat das verstanden, nur eben die anderen nicht.
Mich überrascht allerdings, dass Mutterkorn überhaupt noch ein Thema ist. In der konventionellen Landwirtschaft ist es das im Futter zumindest nicht mehr. Was er über die Lungen der Schweine schrieb ist wirklich ein Skandal.
Also die Viecher müssen unbedingt Gen-Soja bekommen, um nicht jede Menge Würmer zu kriegen? “Normales” Soja, wie es vor ein paar Jahren, als es noch keine Gen-Technik gab, auch von herkömmlichen (also Nicht-Bio-)Bauern verfüttert wurde, reicht nicht aus?
Ah ja.
“Öko” ist ungesund, das weiss doch jeder; mit “Öko” wird der Mensch im Durchschnitt maximal 40 Jahre alt.
Die armen “Öko”-Schweine!
Nun, ich bin auf dem Gebiet absoluter Laie, kann mich allerdings an eine witzige Reportage im Fernsehen erinnern:
Da ging’s um eine bestimmte Form der Legehennen-Haltung (vermutlich Freilandhaltung), die in etwa so aussieht:
Die Hühner laufen also den ganzen Tag im Stall rum, und zweimal täglich öffnet sich eine Seitenwand des Stalls, so dass die Tiere ins freie laufen können. Die mindest-Freilauffläche richtet sich nach der Hühnerzahl.
Das dumme an der Sache (und man konnte das im Beitrag sehen): Die Hühner wollten gar nicht raus.
Laut Angaben das Bauern hatte das 2 Gründe: Erstens ist es ihnen zu kalt (was wohl an der Rasse liegt), und zweitens haben sie Angst, Raubvögeln zum Opfer zu fallen :-)
Allerdings spielt es für das Prädikat ‘Freilandhaltung’ wohl überhaupt keine Rolle, ob das Huhn seine garantierten 4qm Auslauf überhaupt nutzt oder nicht, es geht nur darum, ob es KÖNNTE oder oder nicht…
Interessant sind auch die Kommentare zum Artikel. Ich war ja schon immer der Meinung, dass Bioanhänger zynisch und malthusianisch sind, aber dass die das so offen zeigen hätte ich nicht gedacht.
Und noch eine Anmerkung: Die Organe von Menschen und Schweine sind sich zimelich ähnlich. Wieso sollte es es also Menschen, die sich ausschließlich ‘ Bio’ ernähren anders gehen, als den armen Öko-Versuchsschweinen im Artikel? Ich kann mich ganz einnern, dass zwei meiner Jugendfreunde, deren Eltern gerade auf dem Öko-Trip waren ziemlich krank wurden, wegen Pfusch bei der Ernährung. Einer hatte sogar eine Bleivergiftung, da der ‘ Bio’-Bauer eine Weile mit Klärschlamm dünkte, der mit Blei belastet war. War in der Gegend dort, bayerisches Oberland, ein ziemlicher Skandal in den 80er Jahren.
Nach der Logik müsste sich ja das “Problem” Bio-Bauer schnell erledigen: Die Viecher sterben einfach aus.
Da wundert mich nur, wie es sein kann, dass es Bio-Bauern schon ein paar Jahrzehnte gibt. Die müssen ja irgendwas falsch machen, wenn ihre Schweine nicht auch dauernd krank sind und reihenweise wegkrepieren …
Igitt. Also kein Fleisch vom Bio-Bauern, woll ? Aber das Grünzeug von dem schmeckt dafür immer noch besser als das holländische.
Ein Marktteilnehmer wollte neue Pfade beschreiten, ist jedoch gescheitert. Das ist in Ordnung und kein Grund zur Schande: Scheitern gehört zu unserem Wirtschaftssystem genauso dazu wie Erfolg. Den Sinn dieses Artikels verstehe ich jedoch nicht. Will die WELT künftig jeden erfolglosen Unternehmer zu Wort kommen lassen?
Welch ein Schwachsinn. Mit Verlaub. Öko ist Manufaktur – nicht mehr und nicht weniger:
Wenn Du Dir Deine Kommode bei Ikegaga kaufst, kannst Du Dir sicher sein, dass der Pressspan zusammenpasst, wg. Qualitätsmanagement. Und Du bekommst es auch zu Discounterpreisen.
Wenn Du zum Handwerker gehst, kriegste zum dreifachen Preis (falls Du es Dir leisten kannst)… nun ja… wahrscheinlich – kommt immer darauf an wie einkaufskompetent Du bist *lol* – entweder eine richtige Kommode, in Handarbeit aus echtem bei Vollmond geschlagenen Öko-Holz hergestellt… oder es eben ist der Wurm drin.
Manufaktur ist teuer, edel, aber auch fehleranfällig – Industrieware ist preiswert und qualitätsoptimiert. Das gilt bei Kommoden, Schweinderln oder auch Tomaten. Mit dem ganzen Bio- (oder Anti-Bio-) Gewäsch hat das jedenfalls herzlich wenig zu tun.
Kenne mich da ganz gut aus – einer meiner besten Freunde ist Biogärtner (übrigens aus anarchistischer Überzeugung unsubventioniert).
However: Schön dass wir wählen können (das nennt sich “Marktwirtschaft”, afaik).
@jo@chim
etwas problematischer ist’s dann doch. öko ist manufaktur mit nem gewaltigen ideologischen Unterbau. Das führt dazu, dass die lieben Tierchen keine Antibiotika bekommen, wenn nötig, auf Obstwiesen mit Schwermetallen wie Kupfer, statt Pestiziden gespritzt wird (weil Schermetalle was “natürliches” sind) oder die grüne Gentechnik verteufelt wird.
Problematisch ist das, weil hierdurch Pseudowissenschaft und Wissenschaftsfeindlichkeit gefördert werden, und das geht weit über ÖKO hinaus.
War doch nur ein Denkanstoss.
Dennoch: Mit “Naturmedizin” würde hier keiner alt.
Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass die Spanplatten keinen Tag länger halten als unbedingt notwendig. Qualitätsmanagement kann auch bedeuten, dass die Qualität nicht zu hoch wird ;-)
Wenn ein Ex-Bio-Bauer auspackt, kommt mir der Gedanke an »anekdotische Evidenz« und wenn es ein gescheiterter Ex-Bio-Bauer ist, dann ist mir schon klar, dass ich seine Ausführungen mit Vorsicht genießen werde.
Mit Vorsicht genieße ich auch mein tägliches Essen: ich meide potentiell problematische Nahrungsmittel und ich kaufe möglichst von vielen potentiell vertrauenswürdigen Anbietern. Auch bei der Ernährung vermeide ich ein »Klumpenrisiko« (zuviel BIO aus einer Hand kann auch zum Risiko werden). Sollte sich dann im Nachhinein herausstellen, dass ein Produkt X doch nicht so gut war, muss mir das keine schlaflosen Nächte bereiten.
fpk, d’accord, ein ideologischer Unterbau ist immer ein schwaches Fundament – gerade auch, wenn er als Wissenschaftsfeindlichkeit daher kommt (oder im Extremfall als Kuhhorn-vergrabende Esoterikspinnerei *lol*).
Es sind aber längst nicht alle so, das ist inzwischen eigentlich ein ganz normales Geschäft. “Bio” ist meist schlicht ein Marketing-Instrument, um mit regionalen Produkten gegen industriell gefertigte Ware konkurrieren zu können.
Die Aussagen von dem ehemaligen Biobauer sind mehr als seltsam: das fängt schon mit den Parasiten an. Erstens kann man schon mal nicht behaupten, dass ein Parasitenbefall nicht “tiergerecht” sei, weil das für Wildtiere der Normalfall ist (und bis vor 100 Jahren auch für Menschen).
Des weiteren werden Tiere auf einer Landwirtschaft immer Entwurmt – auch auf Biobetrieben. Der einzige Unterschied ist, dass der Biobetrieb danach länger warten muss, bevor er das Tier schlachten darf (bis das Entwurmungsmittel abgebaut ist).
Auch das mit dem Mutterkornbefall kann ich nicht recht glauben. Von sowas hab ich noch nie gehört und in unserem Dorf sind etliche Biobauern. Bio-Futter ist teurer als normales, aber nicht grundsätzlich anderes (vielleicht bekommt man Futter schlechterer Qualität billiger – keine Ahnung).
dass ein Parasitenbefall nicht “tiergerecht” sei, weil das für Wildtiere der Normalfall ist (und bis vor 100 Jahren auch für Menschen).
In dem Sinne waere dann zurueck zu 5-8 Kindern / Frau, Saeuglichkeitssterblichkeit von 40%, Lebenserwartung 45 Jahre auch ‘Bio’?
> Da wundert mich nur, wie es sein kann, dass es
> Bio-Bauern schon ein paar Jahrzehnte gibt.
Guter Punkt.
Die Antwort ist wohl schlicht: Es gibt solche und solche.
Man kann “Bio” genau wie “konventionell” gut oder schlecht machen. Man kann Erfolg haben oder scheitern.
Was bedeutet, daß ein “Bio”-Siegel letztlich keine Sicherheit bietet und mehr ein Marketing-Gag ist.
Aber wenn man einen guten Anbieter findet, sollte man sich auch nicht aus ideologischen Gründen am “Bio” stören.
Im übrigen ist es natürlich so, daß “Bio” immer noch eine Nische ist, Luxusprodukte, die sich die meisten Menschen gar nicht und einige wohlhabende ab und zu leisten.
Einen größeren Einfluß auf die Gesundheit wird man da nicht feststellen können.
Das hat nix mit Bio zu tun. Man kann nur einfach nicht behaupten, dass ein Parasitenbefall nicht Tiergerecht sei.
… dann ist Parasitenbefall also tiergerecht? Da haben wir wahrscheinlich unterschiedliche Auffassungen.
Sind Masern, Röteln, Kinderlähmung, Tetanus menschengerecht, weil es die Natur so eingerichtet hat? Auf in den Urwald …
Zwischen Tieren und Menschen ist immer noch ein Unterschied. In der Landwirtschaft – egal ob Bio oder nicht – werden Tiere i.A. nur dann mit Medikamenten behandelt, wenn die Gabe von Medikamenten wirtschaftlich sinnvoll ist. Ganz bestimmt gibt man Tieren in der Landwirtschaft nicht Medikamente, weil es angeblich tiergerecht ist.
Parasitenbekämpfung ist i.A. notwendig, da ab einer bestimmten Menge Tiere auf einem genügend kleinen Raum die Parasiten überhand nehmen und die Tiere alle sterben würden (das gilt auch für einen Biobetrieb).
Dass Du bei Deinem Hund/Katz andere Motivationen hast ist mir schon klar, aber hier gehts ja um Landwirtschaft.
Ich glaube, das kannst Du vergessen. Die Masse der Gesellschaft ist zu derartigen ethischen Erwägungen nicht mehr in der Lage. Die Menschen begreifen nicht, dass man für Tiere kein Geld ausgeben sollte. Sie bewerten den Tierschutz höher als z.B. den Kinderschutz.
Anders ist es nicht zu erklären, dass immernoch soviel Geld für Tiere ausgegeben wird.
Du musst Dir ja nur einmal angucken wieviel Geld so mancher für einen verlausten Hund oder eine verschnupfte Katze ausgibt. Die werden ja sogar aus Spanien nach Deutschland gebracht, damit es ihnen hier bei Pal und Chappi gutgeht.
Man könnte die Viecher besser an Ort und Stelle totschlagen und das Geld einem Kinderheim oder einem Krankenhaus spenden.
Diesen Unterschied will auch keiner verwischen. Es ist jedoch völlig klar, dass unnötige Schmerzen zu vermeiden moralisch geboten, die Befolgung ideologischer Richtlinen hingegen nicht. Da kann man auch nicht mit Mutter Natur argumentieren.
Der ehemalige Biobauer hätte zwar einige Dinge stärker optimieren können und einige Schwierigkeiten vermeiden können, bei den Parasiten und Mutterkorn nehme ich das an, aber eben nicht alle. Die Pilztoxine lassen sich meines Wissens ohne chemische Gegenmaßnahmen nicht vermeiden.
Der ehemalige Biobauer hat einen Namen. Die Informationen, die Miersch in seinem Artikel verwendet hat, stehen seit November 2001 auf der website der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands
Aus Tierschutzgründen nicht mehr Ökobauer
http://www.schweine.net/cms/search.php?search=Nachdem+ich+selbst+meinen+Betrieb+seit+9+&lang=de&match=2&searchsection=&searchfrom=1004569200&searchto=1004569200&lookin4=1&lookin1=1&lookin2=1&lookin8=1&lookin10=1&lookin3=1
Nachfolgend berichtet Jürgen Donhauser über seine Erfahrungen mit der ökologischen Schweinehaltung. Herr Donhauser stammt allerdings nicht aus Hessen, sondern aus der Oberpfalz. Er lebt im Kreis Amberg in Moos
Herr Donhauser hat 2001 seinen Namen preisgegeben und 2009 sagt Herr Miersch nichts über seinen Namen?
Hat Herr Miersch schon vergessen, daß er in der Sendung Alles Bio – Alles Schwindel in SWR Nachcafe vom 11.07.2008 neben ihm sass? (siehe Bilder ganz unten)
http://www.swr.de/nachtcafe/-/id=200198/vv=printall/nid=200198/did=3564750/dk03gl/index.html
oder Video
http://www.swr.de/nachtcafe/-/id=200198/did=3564750/pv=video/gp1=3744954/nid=200198/nhlpez/index.html
Herr Miersch, ein alternder Journalist hat es halt schwer. Dafür habe ich Verständnis.
Wie kommst du eigentlich auf die Idee, dass Donhauser der einzige ist, der diese Probleme hat?
Vergleiche einfach den Text von 2001 und von 2009 in der Welt.
Bin gerad hier hin verwiesen worden. Habe mich auch mal mit dem Artikel auseinandergesetzt:
http://roterhai.wordpress.com/2009/01/30/miersch-aufgepasst/
Zusammenfassend muss ich sagen, dass der Artikel völlig überzogen und daneben war.
Dank an Libero. Mein Verständnis für alternde
JournalistenPropagandisten hält sich allerdings in Grenzen. Der Artikel dient genau dem was hier, völlig zu recht, gegeißelt wird. Der Ideologisierung der Diskussion um die Landwirtschaft.Wer sich mal auf einer etwas anspruchsvolleren Ebene mit der Gesamtproblematik beschäftigen möchte, dem empfehle ich einen Blick in die Sammlung wissenschaftlicher Arbeiten bei organiceprints
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Ein ehemaliger Biobauer, der zwar auch seine Probleme mit der Umstellung hatte diese aber weitestgehen bei durchschnittlichen Aufzuchtverlusten von weniger als einem Prozent bewältigen konnte.
Ich kann nicht fassen, wie jemand so was von sich geben kann. In einem hat er Recht: Zwischen Tieren und Menschen ist ein Unterschied. Kein Tier käme auf den Gedanken, sich selbst über alles zun stellen.