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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Gummersbacher Thesen – das Netz als “freundliches Kommunikationsmillieu”

Boris Eichler, 28.01.2009

1. Politisch interessierte Menschen wollen in ihrer Mehrzahl durch Mediennutzung ihre politischen Ansichten nicht durch Kritik erschüttert sehen, sondern festigen. Sie stellen sich deshalb ein Medienportfolio zusammen, das aus ihrem politischen Spektrum kommt.

2. Politische Journalisten wollen in ihrer Mehrzahl Rezipienten im Sinne ihrer politischen Auffassungen beeinflussen, scheitern darin aber im Regelfall, weil sie auf Rezipienten stoßen, die in ihrer Mehrzahl durch Mediennutzung ihre politischen Ansichten festigen wollen.

3. Das Internet und Blogs als solche sind nicht evident besser geeignet, politisch Interessierte gerade anderer Lager zu erreichen, als herkömmliche Medien. Für liberal-freiheitlich orientierte Nutzer bieten Internet und Blogs allerdings den Vorteil, Publikationen in seinem Sinne zu erhalten, die in herkömmlichen Medien bislang deutlich unterrepräsentiert sind.

4. Die Nutzung eines selbst zusammengestellten Medienportfolios aus dem eigenen politischen Spektrum dient vor allem dazu, sich seiner Meinung zu versichern (Sicherheitsgewinn I), die Barrieren für die aktive Kommunikation der eigenen Meinung zu verringern, indem sie Argumentations- und Formulierungshilfen bietet (Sicherheitsgewinn II) sowie Ängste abbaut, die Meinung auch außerhalb des eigenen Spektrums zu vertreten (Sicherheitsgewinn III). Eine spezifische (z.B. liberale) Blogosphäre ist also ein freundliches Kommunikationsmilieu, das die Bewegung in die und in der allgemeinen Blogosphäre (feindliches Kommunikationsmilieu) erleichtert. Ein solches freundliches Kommunikationsmillieu kann eine „Schweigespirale“ (Noelle-Neumann) zuungunsten dieser politischen Richtung bremsen und aufhalten.

5. Die Abwesenheit von publizistischen Schleusenwärtern (Miersch) im Internet führt zu einer weitaus stärkeren Verbreitung meinungsorientierter Beiträge. Deren Autoren können sich eine im Vergleich zu herkömmlichen Medien besondere Glaubwürdigkeit erarbeiten, da sie gerade in Blogs auch persönliche Informationen und private Sichtweisen preisgeben, die es dem regelmäßigen Leser erleichtern, Vertrauen zum Autor aufzubauen. Nachdem sich die Mediennutzung bisher vor allem am Ruf des Mediums orientiert hat, besteht nun die Möglichkeit, gezielt die Veröffentlichungen bestimmter Autoren zu verfolgen. Dies führt zu einer Blüte des Autorenjournalismus.

6. Die Möglichkeit des Internet, Quellen nicht nur zu nennen, sondern durch Hyperlinks auch zu belegen, kann die Nutzergewohnheiten dahingehend verändern, dass dies von den Lesern auch verlangt und damit für die Glaubwürdigkeit des Autors von grundlegender Bedeutung wird.

7. Das Internet wirkt grundsätzlich aufgrund seiner Möglichkeiten dem in den Massenmedien vorherrschenden Trend zur Verkürzung und plakativen Darstellung entgegen, nach dem für ausgiebige Diskurse kaum noch Raum war. Die Wiederbelebung solcher Diskurse wird nur für Eliten direkt bedeutsam sein. Ein möglicher positiver Effekt wird es sein, dass sich Meinungsführer künftig stärker als bisher argumentativ geprägten Auseinandersetzungen zu stellen haben.

8. Das Internet wird sich aufgrund seiner Möglichkeiten als Leitmedium im politischen Raum durchsetzen. Startvorteile dabei haben nicht die Organisationen, die dies theoretisch erkannt haben, sondern diejenigen, in deren Führungsschichten internetaffine Vertreter zu finden sind, die das Medium auch selbst nutzen.

Boris Eichler
Online-Referent
Redaktion der Freiheit



32 Kommentare zu “Gummersbacher Thesen – das Netz als “freundliches Kommunikationsmillieu””

  1. dagny t.

    Cool. Genau so ist es, zumindest was die ersten Punkte angeht. Die Dagny greift in der Frueh zu ‘ihren’ Blogs, wie andere zu Lippenstift, Wimperntusche und Nagellack.
    So, und nach einer Dosis liberale Blogosphaere in der Frueh, kann der Tag dann starten.

  2. Heizpilz

    Schön formuliert.
    Nur dieser eine Punkt, also dass sich die Medienkonsumenten sich ihrer Weltanschauung versichern wollen, das glaube ich nicht so recht.
    Beim alten Heizpilz zumindest besteht dbzgl. nicht der geringste Bedarf und das Meiden der Standard- oder Systemmedien geht ausschliesslich darauf zurück, dass ihm politisch linke und oft inkompetente Journalisten massiv auf die Nerven gehen mit ihren Botschaften.

  3. Die Stimme aus dem Off

    1. Politisch interessierte Menschen wollen in ihrer Mehrzahl durch Mediennutzung ihre politischen Ansichten nicht durch Kritik erschüttert sehen, sondern festigen. Sie stellen sich deshalb ein Medienportfolio zusammen, das aus ihrem politischen Spektrum kommt.

    Solche Gedanken mache ich mir gar nicht. Ich hoffe eigentlich immer, dass ich irgendwo jemanden finde, der meine Ansichten schlüssig widerlegen kann. Nur am konstruktiven Streit kann man meiner Meinung nach wachsen.

    Am ehesten können das die Liberalen. Ich vermisse Statler.

    Zu Punkt 2 habe ich keine Meinung. Ich käme aber nie auf den Gedanken, dass sich ein Journalist ernsthaft anmaßen könnte irgendetwas besser zu wissen als seine gebildeten Leser. Die meisten Journalisten sind doch wesentlich schlechter ausgebildet. Sind die wirklich so größenwahnsinnig? In meinen Augen sind Journalisten vor allem damit beschäftigt Sachverhalte zu erfassen und dann wiederzugeben. Für Erklärungen sind sie meistens nicht gut genug ausgebildet und haben dazu auch wegen der begrenzten Kapaziäten gar nicht die Möglichkeiten. Der Platz in den Zeitungen und Magazinen ist begrenzt.

    Zu Punkt 3 stimme ich zu.

    Punkt 4 verwundert mich. Wer hat denn bitte Ängste seine politische Meinung zu äußern? Wozu bedarf es eines Sicherheitsgewinns?

    Zu Punkt 5 stimme ich zu.

    Zu Punkt 6 stimme ich zu. Allerdings kann das auch nach hinten losgehen, wenn nämlich für die selbstverständlichsten Ausführungen Quellen verlangt werden. Die Wikipedia ist dafür ein Beispiel, dort verfasste Artikel werden häufig wegen fehlender Quellenangaben verändert, obwohl die darin enthaltenen Aussagen sich rein deduktiv erschließen lassen.

    Zu Punkt 7 stimme ich zu.

    Zu Punkt 8 stimme ich zu.

  4. Lina

    Das macht die Lina auch – nur: eine Tasse (sowieso lippenstiftunverträgliche) heisse Schokolade darf nicht fehlen … wenn die Endorphine kreisen wollen – oder auch sollen ;-) …

    Gefallen mir gut, die Thesen! Vor allem die Möglichkeit des Verlinkens von Quellen & Bezügen gibt den Blogs den Kick nach vorne, da, wo Zeitungen i. d. R. nicht hinkommen.

    Trotzdem: Papier in der Hand ist auch was Schönes (im ÖV z. B.) – und nicht immer nur Schlechtes. Dass Journalisten, deren Quellen man sich gerne bedient, meistens ziemlich schlecht wegkommen in den Blogs, stört mich; ich finde das zumindest ‘kollegial’ unfair.

  5. dagny t.

    Trotzdem: Papier in der Hand ist auch was Schönes (im ÖV z. B.) – und nicht immer nur Schlechtes.

    iphone.

  6. Marco

    SadO,

    Ich käme aber nie auf den Gedanken, dass sich ein Journalist ernsthaft anmaßen könnte irgendetwas besser zu wissen als seine gebildeten Leser. Die meisten Journalisten sind doch wesentlich schlechter ausgebildet. Sind die wirklich so größenwahnsinnig? In meinen Augen sind Journalisten vor allem damit beschäftigt Sachverhalte zu erfassen und dann wiederzugeben. Für Erklärungen sind sie meistens nicht gut genug ausgebildet und haben dazu auch wegen der begrenzten Kapaziäten gar nicht die Möglichkeiten. Der Platz in den Zeitungen und Magazinen ist begrenzt.

    es gibt mehrere Untersuchungen/Befragungen verschiedener Unis, wonach dt. Journalisten in der Mehrheit der Meinung sind, ihre Aufgabe wäre es, den Leser zu erziehen. Sie präferieren auch bei nicht als Meinungsartikeln erkennbaren Texten das Einfließenlassen der eigenen politischen Haltungen (etwa durch Weglassen von Infos). Nur eine Minderheit sieht seine Aufgabe in der möglichst objektiven, neutralen, wertungsfreien Darstellung von Sachverhalten. Eine besondere Bildung ist dafür nicht notwendig. Im Gegenteil, ist zu beobachten, je weniger Leute über bestimmte Themen wissen, sich ihre politische Haltung um so mehr verfestigt. Das gilt natürlich auch für Journalisten. Man siehe sich nur die aktuelle “Krisenberichterstattung”, in der allenthalben vom “Versagen des Marktes” schwadroniert wird.

  7. Die Stimme aus dem Off

    es gibt mehrere Untersuchungen/Befragungen verschiedener Unis, wonach dt. Journalisten in der Mehrheit der Meinung sind, ihre Aufgabe wäre es, den Leser zu erziehen.

    Ich bin erschüttert und muss zugleich auch bei dem Gedanken lachen.

    Mir ist schon des öfteren aufgefallen wie unsicher viele “professionelle” Journalisten im Umgang sind. Ich vermute, dass das an einer eher niederen sozialen Herkunft liegt. Vermeintliche Aufsteiger haben wohl oft das Gefühl irgendeine Form der Ettikette nicht zu beherrschen, was auch oft der Fall ist.

    In Deutschland haben wir ja keinen eigenen sprachlichen Akzent dafür, aber im Englischen kann man das sehr gut erleben, wenn diese Leute versuchen im feinsten Oxford-Englisch zu sprechen und dabei immer mal wieder in die sprachliche Gosse abgleiten.

    Bislang hielt ich diesen Schreibstil für zum Teil dem Pressekodex geschuldet oder aber auch für mangelhafte journalistische Kompetenz – was dieser Schreibstil ja auch darstellt -.

    Dass das allerdings vorsätzlich geschieht, das hätte ich nicht gedacht.

    Wieder was gelernt, vielen Dank dafür.

  8. Lina

    Ah, Du meinst das Ding, das im Öffentlichen nach allen Seiten dicht macht? Ja, um sich möglicher und/oder notwendiger Kommunikation zu entziehen, ist allerhand Material auf dem Markt – während sich über den Zeitungsrand hinweg immerhin noch konventionell kommunizieren liesse ;-) …

    Ehrlich: mir fällt das alles eher unangenehm auf …

  9. Heizpilz

    Journalisten sind nicht im üblichen Sinne, also wertschöpfend, aktiv und haben dbzgl. also oft Defizite im Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge.
    Wer sich als SozPäd fühlt, kriegt viele Zusammenhänge nicht mit, das Geld kommt von der oder den Institution(en) und die Emfängerzufriedenheit ist wichtig.
    Nur so ist bspw. der Sachverhalt zu erklären, dass sogar von Leuten wie Broder und Posener wenig kommt in Sachen der Wirtschaft; einfach keine Ahnung, immer nur kommentieren hilft eben nicht.
    Aber wie bereits erkannt, die meisten wollen auch nicht besser.

    Der Pressekodex ist natürlich ein Unding.

  10. S.

    Tablet-PC! ;)

  11. Lina

    Schon besser … ;-) !

  12. XiongShui

    Das ist ja schön und gut, gilt allerdings genauso für Rechte und Linke. Die genanntn Punkte stellen nichts als eine Innenansicht der (liberalen) Szene dar. Jede andere poltische Richtung wird ihr ‘Innenklima’ auch als freundlich empfinden.

    So wie in linken Blogs (rechte suche ich so gut wie nie auf, da sie sich noch nicht einmal den Anschein von Meinungsfreiheit geben), jeder verbissen wird, der nicht der vorgegebenen Meinung beipflichtet, habe ich das auch schon in liberalen Blogs erlebt. Also ist Kritik, bzw. Meinungsvielfalt immer ein zweischneidiges Schwert. In diesem Sinne halte ich die oben genannten Punkte für eher naiv.

    Auf der anderen Seite bringt es auch nicht viel, eine liberale Plattform zu bieten, da jene, die dort abweichende Meinungen äußern, sich meist unmittelbar zurückziehen, wenn man sich nicht ihrer Meinung anschließt.

    Das grundlegende Problem scheint die in Deutschland fehlende Streit- bzw. Diskussionskultur zu sein. Immer dann, wenn die eigene Meinung rhetorisch angegriffen wird, fühlen sich die Menschen hier persönlich angegriffen und so gleiten solche Diskussionen dann auch regelmäßig ins Persönliche ab. Das ist schade und dient nicht der poltischen Reife, ließe sich aber nur durch eine grundlegende ‘Erziehungsreform’ ändern, deren Früchte erst spätere Generationen ernten würden.

  13. R.A.

    > Das ist ja schön und gut, gilt allerdings
    > genauso für Rechte und Linke.
    Das ist richtig.
    Nur haben diese nicht das Problem, alleine auf die Blogs angewiesen zu sein.

    Es gibt bei den klassischen Medien sowohl links wie rechts eine große Auswahl.
    Liberale Medien gibt es dagegen in Deutschland überhaupt nicht. Da hat die Blogosphäre einen großen Fortschritt gebracht.

    > Das grundlegende Problem scheint die in
    > Deutschland fehlende Streit- bzw.
    > Diskussionskultur zu sein.
    Das ist leider richtig.
    In den angelsächsischen Ländern gibt es ein viel breiteres Meinungsspektrum (da sind viele Positionen dabei, die würden in Deutschland wg. “Igitt, das darf man nicht” in keinem Medium erscheinen dürfen).
    Und gleichzeitig geht man viel konstruktiver und höflicher miteinander um. Zumindestens im Parlament, in Mediendiskussionen und im akademischen Bereich.
    Man bemüht sich sehr stark, die Position des Anderen wirklich zu verstehen, Mißverständnisse auszuräumen – um den dann verbliebenen Differenzen mit Argumenten beizukommen.

    In Deutschland dagegen geht es oft nur um ein “Schwarzer-Peter”-Spiel. Man versucht den Gegenüber in eine Schublade zu stecken, ihm irgendeine der “verbotenen” Positionen unterzuschieben – um dann seine ganze Meinung ohne inhaltliche Widerlegung abtun zu können.

  14. dagny t.

    Am deutschen Wesen soll die Welt genesen – da kommt halt der Preussische Oberlehrer zum Vorschein. :)

  15. Heizpilz

    Die mangelhafte Debattenkultur in D hängt eng mit dem Versagen der bürgerlich-liberalen Kräfte zusammen.
    Allerdings glaube ich, dass liberale Platformen sich hier deutlich positiv absetzen, zumindest von den linken Platformen. Was dort geboten wird ist meist unannehmbar.
    Machen kann man dbzgl. nur etwas über die Bildungssysteme, aber man weiss ja welche Leute dort sitzen.

  16. XiongShui

    Zumindest im englischen Parlament kommt es gelegentlich sogar zu Prügeleien…

    Richtig ist natürlich, daß die Medien wenig Interesse an liberalen Inhalten zeigen, eine Folge der Konzentrationen und der Fokussierung auf ‘gängige’, sprich anzeigenträchtige Berichterstattung. Daher sind natürlich Blogs ein wichtiges Medium, leider sind die Blogs nicht so verbreitet in der öffentlichen Meinungsbildung, wie es wünschenswert wäre. Vielleicht gelingt es ja der FDP, den gegenwärtigen Aufwärtstrend in der Meinung der Bevölkerung zu nutzen, um liberale Positionen breiter bekannt und verständlich zu machen. In den letzten Jahr(zehnt)en ist es ihr allerdings immer wieder gelungen, solche Trends selbst abzuwürgen.

    Zum Beispiel täte eine sachliche Aufklärung über wirtschaftliche Zusammenhänge gut. Denn das allgemeine Wissen über Wirtschaft liegt in Deutschland ebenso im Argen, wie die Streitkultur. Nur darum haben diese Pfui- Neoliberale!- Kampagnen überhaupt Erfolg. Wenn den Menschen klar wäre, daß einzig freie Märkte den Menschen Wohlstand schaffen und erhalten können – und warum, hätte solche Kampagnen keine Chance.

  17. Dagny

    2/3 der Journalisten in D. fuehlt sich der SPD oder den Gruenen zugehoerig, wie eine Umfrage eines Journalistenverbandes vor einigen Jahren belegte.

    http://www.gegenstimme.net/2009/01/18/der-gruene-wahlsieg-in-hessen-ist-ein-sieg-der-medien/

  18. Michel

    Da die Journalisten mit großer Mehrheit grün Wählen ist eher das Gegenteil anzunehmen: die Journalisten rekrutieren sich aus gutsituierten, staatnahen Kreisen, die magnels echter Herausforderungen die Welt retten müssen. Dazu passt die ganze Überheblichkeit. Rücksichtlose Weltverbesserung war schon immer ein Wohlstandsproblem.

  19. Marco

    Japp, ganz genau. Das sind sehr, sehr häufig Kinder aus Akademiker-, Beamten- und Staatsangestelltenfamilien, also Leute, die mit den (durch staatliche Bevormundung und Ausbeutung geschaffenen) Widrigkeiten des täglichen Lebens einfacher, hart arbeitender Leute nichts, aber auch überhaupt nichts verbindet. Journalisten sind meist extrem arrogant und meinen, die Leser seinen dummer Dreck, dem sie mal ziegen müssten, wo der Weg langgeht.

  20. Die Stimme aus dem Off

    Jetzt würde ich “gutsituiert” oder “staatsnah” aber nicht unbedingt mit höherer Herkunft verbinden.

    Das würde ich eher der gehobenen Mittelschicht zuordnen, also Personen deren Eltern so irgendwo am Beginn des Menschseins im öffentlichen Dienst besoldet werden (Rat bis Direktor, alte Besoldungsordnung A13-A15).

    Journalisten und Lehrer sind doch eigentlich typische Aufsteigerberufe, oder nicht?

  21. Michel

    Bei Aufsteigern denke ich eher an kaufmännische und technische Berufe, wie Selbständige, Handwerksmeister und Ingenieure. Das wichtigste Merkmals eines Aufsteiger ist, dass er sich die Igitt-Geld-Attitüde noch nicht angeeignet hat. Aber gerade diese Attitüde ist typisch für Journalisten und Lehrer.

  22. jo@chim

    Journalisten und Lehrer

    Die tun aber nur so ^^ (Sind doch normalerweise Geringverdiener, oder?)

  23. Die Stimme aus dem Off

    Aber gerade diese Attitüde ist typisch für Journalisten und Lehrer.

    Meinst Du? Ich habe eher den Eindruck, dass die auch um die kleinsten Beträge fanatisch streiten.

    Ich kenne die Anträge zum Bundesreisekostengesetz ja nun leider aus eigener, sehr leidvoller Erfahrung. Früher gab es öffentliche Formulare noch nicht als PDF zum download. Nicht genug, dass man sich da früher durch mehrere ekelhafte Vordrucke kämpfen musste, die in roter Farbe eng bedruckt waren und mit Durschlagpapier gleich vierfach ausgefüllt werden mussten, nein, es gab tatsächlich eine Menge von Leuten, die sich diese Formulare auch für geringste Beträge antaten und dann auch noch die Bescheide penibelst überprüften, ggf. beanstandeten und sich auch nicht zu schade waren für Centbeträge notfalls den Rechtsweg zu beschreiten.

    Ich habe auf die Erstattung oft verzichtet, nicht weil ich Krösus persönlich bin, sondern weil mich diese Formulare an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gebracht hätten.

    Insbesondere diese A13-A15 Leute sind meiner Erfahrung nach von einer Angst getrieben doch irgendwie zu kurz im Leben gekommen zu sein und versuchen bei jeder Gelegenheit noch etwas Geld herauszuschlagen.

    Diese Igitt-Geld-Attitüde (der Begriff gefällt mir), wird zwar gerne vorgespielt, ist aber meiner Erfahrung nach ganz und gar nicht vorhanden. Eher das genaue Gegenteil.

    Finanzbeamte können mit Anekdoten ganze Abende füllen. Was da so mancher als Kosten für das Arbeitszimmer oder als beruflich veranlasste Fortbildung absetzen wollte…

  24. NUB

    Warum soll nicht jemand vom “Versagen des Marktes” reden? Jedes Versagen setzt eine Erwartung voraus, die nicht erfüllt wurde. Wer eine Erwartung unrealistisch genug formuliert, kann nur enttäuscht werden bzw. versagen. Erwartet man vom Markt jetzt mal vereinfacht gesagt die Herstellung sozialer Gleichheit, muss der Markt daran wohl versagen. Da es ihm zu Eigen ist, Unterschiede herauszuarbeiten, Anpassung an die Nachfrage zu belohnen, Nichtangepasstsein quasi zu bestrafen u.s.w. Die Aussage, der Markt habe versagt, ist nicht für sich genommen wahr oder falsch, die eigentliche Frage ist doch woran? Bei was? Und wenn man diese Frage stellt, muss natürlich oftmals der Staat in den Fokus gerückt werden. Die Forderung, dass der Markt irgendetwas gewährleisten solle, ist aber zunächst durchaus legitim, weil dies bei politischen Forderungen nun mal so ist. Aber realistisch ist das nicht immer.

  25. Lina

    Journalisten sind meist extrem arrogant und meinen, die Leser seinen dummer Dreck, dem sie mal ziegen müssten, wo der Weg langgeht.

    Also diesem Humbug, den Ihr hier (und Du ganz besonders, Marco) über Journalisten verzapft, muss ich aus eigener Erfahrung widersprechen. Lediglich ein mehr oder weniger ausgeprägter Hang zur Weltverbesserung ist ihnen (wie Euch!) allen eigen – warum sollten sie sich sonst auch die Mühe machen, Politikern von der Lokal- bis zur Landes- und Republikebene auf den Fersen zu bleiben? Ständig mobil + gehetzt zu sein – Redaktionsschluss plus Verleger immer im Nacken? Glaubt ihr, das ist ein Spass, denen hinterherzuhecheln, ihnen beim Schwadronieren zuzusehen und ihnen ihre Lügen abzunehmen, diese im Anschluss zu enttarnen, um veröffentlichen zu können, was eigentlich Sache ist.

    Was macht Ihr denn? Ihr macht Eure Analysen ohne Zeitdruck aus dem Material, das sie recherchiert haben, bedient Euch bei Ihnen, bereitet neu auf oder dreht um, was nicht nach Eurem politischen Geschmack berichtet oder kommentiert wurde. Praktisch in allem profitiert ihr von ihrer Arbeit, sei es (selten genug) per Zustimmung, sondern eher im steilen Affront, der Euch schon mal aus dem Sessel reisst. Kurzum: Ihr hängt informationshalber an ihrem Tropf wie der Sterbliche an der Blutspende. Seid dankbar ;-) !

  26. Heizpilz

    Journalisten sind zu ca. 75% links, haben nie klassisch Wertschöpfung betrieben, sind oft mit Halbwissen durchsetzt und haben ein erzieherisches und höchst unangenehmes Sendungsbewusstsein, was sich in der Vermischung von Nachricht und Kommentar auf das Übelste niederschlägt.
    Zudem ist die Neigung zur Mittelmässigkeit da.

  27. netbitch

    Journalisten sind zu 97% Dienstleister, die Nachrichten als Ware behandeln und ausschließlich die Wertschöpfung ihres Mediums im Blick haben.

  28. Marco

    Ich bin zu meiner Einschätzung auf der Grundlage eigener Erfahrung und empirischer Daten gelangt, beispielsweise dieser Studie (PDF).

    Ein homogenes Kollektiv gibt es bei Journalisten natürlich so wenig, wie unter den Kommentator hier, weshalb ich gerade Dich freundlich bitten, Deine kollektivistische Denke an der Rezeption des A*teams abzugeben. Danke.

  29. Lina

    ‘Japp’ ))-; … und aus dieser durchaus interessanten Studie bist Du zu der Auffassung, bzw. zu Formulierungen gelangt wie der, dass ‘diese Leute mit den Widrigkeiten des täglichen Lebens einfacher, hart arbeitender Leute nichts, aber auch überhaupt nichts verbindet” … etc.pp. (will Dich nicht wiederholen müssen). Schon das Durchlaufen der Ressorts in Form eines Praktikums (was allerdings mit dieser ‘Schreibe’ und ihren Ausdrucksmöglichkeiten ziemlich chancenlos wäre) würde Dich mit Sicherheit eines Anderen belehren. Learning by doing … otherwise you never learn.

    Mich hat die Verächtlichkeit Deiner Aussagen provoziert, wünschte aber, sie einfach übergangen zu haben, anstatt zu einer ausufernden Verteidigungsrede ausgeholt zu haben; mein Fehler.

    Ausserdem: Wo ich meine ‘Denke’ abgebe, empfehle ich mir zu überlassen, danke! Oki?

  30. Lina

    Die BILD ist nicht ‘die Presse’ und schon gar nicht nicht ‘die Journalisten’ ;-) …

    Und die angestellten Journalisten der Printmedien sind keinesfalls das Exekutivkommando des Verlegers; zu behaupten, sie hätten ausschliesslich die Wertschöpfung ihres Mediums im Auge, halte ich für falsch; richtig wird sein, dass sie wegen der Überlagerung ihrer Tätigkeit durch den inneren (missionarischen) Auftrag, den die meisten von ihnen mit sich herumtragen, erst daran erinnert werden, wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren …

  31. Heizpilz

    Das muss bestritten werden, mein Eindruck ist eher, dass der, der nicht in die Wirt- oder Wissenschaft geht, oft Lehrer wird oder eben Journalist. Das ÖR in D hat ja auch einen Bildungsauftrag, da dürfen und sollen sich Journalisten dann ganz offiziell ihrer Parteibuchkarriere widmen.
    Beim SPIEGEL, STERN oder der FAZ bspw. sind in der Tat biegsamere Gestalten am Werke, ganz vermutlich aus Gründen des Marketings, hier darf dann in der Tat vermutet werden, dass der “Erziehungsauftrag” gelegentlich einmal zurückgestellt wird. Würde hier auf ein 50:50 Verhältnis zwischen den Flexiblen und den Dummen und Betonköpfen tippen.
    Wenn Du natürlich auch die Wald- und Wiesenjournalisten zusammenzählst, die als Freie oder so am Tuch nagen, da kommt dann mehr raus, schon klar.

  32. Die Legitimationskrise von Politik und Medien « Freiheit und Optimismus

    [...] neuer Qualität, der Positionen unbeeinflusst durch die Schleusenwächter (frei nach Boris Eichler und Michael Miersch) verbreiten kann. Dann führen die Probleme, die Standartetatismus und [...]

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