1. Politisch interessierte Menschen wollen in ihrer Mehrzahl durch Mediennutzung ihre politischen Ansichten nicht durch Kritik erschüttert sehen, sondern festigen. Sie stellen sich deshalb ein Medienportfolio zusammen, das aus ihrem politischen Spektrum kommt.

2. Politische Journalisten wollen in ihrer Mehrzahl Rezipienten im Sinne ihrer politischen Auffassungen beeinflussen, scheitern darin aber im Regelfall, weil sie auf Rezipienten stoßen, die in ihrer Mehrzahl durch Mediennutzung ihre politischen Ansichten festigen wollen.

3. Das Internet und Blogs als solche sind nicht evident besser geeignet, politisch Interessierte gerade anderer Lager zu erreichen, als herkömmliche Medien. Für liberal-freiheitlich orientierte Nutzer bieten Internet und Blogs allerdings den Vorteil, Publikationen in seinem Sinne zu erhalten, die in herkömmlichen Medien bislang deutlich unterrepräsentiert sind.

4. Die Nutzung eines selbst zusammengestellten Medienportfolios aus dem eigenen politischen Spektrum dient vor allem dazu, sich seiner Meinung zu versichern (Sicherheitsgewinn I), die Barrieren für die aktive Kommunikation der eigenen Meinung zu verringern, indem sie Argumentations- und Formulierungshilfen bietet (Sicherheitsgewinn II) sowie Ängste abbaut, die Meinung auch außerhalb des eigenen Spektrums zu vertreten (Sicherheitsgewinn III). Eine spezifische (z.B. liberale) Blogosphäre ist also ein freundliches Kommunikationsmilieu, das die Bewegung in die und in der allgemeinen Blogosphäre (feindliches Kommunikationsmilieu) erleichtert. Ein solches freundliches Kommunikationsmillieu kann eine „Schweigespirale“ (Noelle-Neumann) zuungunsten dieser politischen Richtung bremsen und aufhalten.

5. Die Abwesenheit von publizistischen Schleusenwärtern (Miersch) im Internet führt zu einer weitaus stärkeren Verbreitung meinungsorientierter Beiträge. Deren Autoren können sich eine im Vergleich zu herkömmlichen Medien besondere Glaubwürdigkeit erarbeiten, da sie gerade in Blogs auch persönliche Informationen und private Sichtweisen preisgeben, die es dem regelmäßigen Leser erleichtern, Vertrauen zum Autor aufzubauen. Nachdem sich die Mediennutzung bisher vor allem am Ruf des Mediums orientiert hat, besteht nun die Möglichkeit, gezielt die Veröffentlichungen bestimmter Autoren zu verfolgen. Dies führt zu einer Blüte des Autorenjournalismus.

6. Die Möglichkeit des Internet, Quellen nicht nur zu nennen, sondern durch Hyperlinks auch zu belegen, kann die Nutzergewohnheiten dahingehend verändern, dass dies von den Lesern auch verlangt und damit für die Glaubwürdigkeit des Autors von grundlegender Bedeutung wird.

7. Das Internet wirkt grundsätzlich aufgrund seiner Möglichkeiten dem in den Massenmedien vorherrschenden Trend zur Verkürzung und plakativen Darstellung entgegen, nach dem für ausgiebige Diskurse kaum noch Raum war. Die Wiederbelebung solcher Diskurse wird nur für Eliten direkt bedeutsam sein. Ein möglicher positiver Effekt wird es sein, dass sich Meinungsführer künftig stärker als bisher argumentativ geprägten Auseinandersetzungen zu stellen haben.

8. Das Internet wird sich aufgrund seiner Möglichkeiten als Leitmedium im politischen Raum durchsetzen. Startvorteile dabei haben nicht die Organisationen, die dies theoretisch erkannt haben, sondern diejenigen, in deren Führungsschichten internetaffine Vertreter zu finden sind, die das Medium auch selbst nutzen.

Boris Eichler
Online-Referent
Redaktion der Freiheit