Google Gratuliert Heuss

01.02.2009 01:18 - ∆Foxtrot by Daniel Fallenstein - 24 Kommentare

Das ist ein netter Zug des Suchmaschinenanbieters.

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24 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Christian S., 01.02.2009 01:41

Suchmaschinenanbieters

Understatement 2.0? ;)

 
 
Die Stimme aus dem Off, 01.02.2009 09:35

In seinem Lebenslauf steht gar nichts über den ersten Weltkrieg? Musste er nicht kämpfen?

Dagny, 01.02.2009 11:00

From 1912 to 1918 he was editor in chief of the Neckarzeitung (Neckar Newspaper) in Heilbronn.

(wikipedia.com)

Scheinbar nicht? Gab es eigentlich damals eine Wehrpflicht??

Marco, 01.02.2009 13:15

Ja, gab es natürlich. Aber Heuss wird sich, wie viele Wohlhabenden, darum gedrückt haben und an seiner statt einen anderen in den Tod geschickt haben. Aber das ist nur meine Spekulation. Vielleicht tue ich diesem “Ehrenmann” auch Unrecht.

Hardy, 01.02.2009 20:21

Für einen 30jährigern, verheirateten Mann bestand keine Wehrpflicht mehr. Der sollte lieber neue Soldaten zeugen.

Dagny, 01.02.2009 21:30
 
Marco, 01.02.2009 22:37

Oh, richtig. Heuss ist ja 1884 geboren wurden.

 
 
R.A., 02.02.2009 12:06

> Aber Heuss wird sich, wie viele Wohlhabenden,
> darum gedrückt haben …
Das ist nicht nur im konkreten Fall Heuss Unsinn, sondern auch allgemein.
Gerade im ersten Weltkrieg haben sich die “wohlhabenden” Schichten als Freiwillige geradezu danach gedrängelt, in der ersten Reihe zu sterben.

Aber Hauptsache mal ein paar Vorurteile rausrülpsen …

jo@chim, 02.02.2009 12:42

Danke R.A., hatte ich mir auch gedacht, wollte mich aber nicht aufregen…

 
Marco, 02.02.2009 12:54

Japp, ich gebe zu, dass ich hier gerülpst habe. Allerdings war es Ende des 19. Jahrhunderts üblich, sich vor dem Wehrzwang zu drücken, wenn man genug Kohle hatte. Da wurde dann ein so genannter “Einsteher” bezahlt. Im 1. WK mag das ob der allgemeinen patriotischen Begeisterung für den Krieg (nicht nur in Deutschland) anders gewesen sein.

Naja, jedenfalls ist es schon so, dass auch ich Vorurteile habe, so wie jeder andere Mensch auch. Und manchmal verleiten die mich zu Aussagen über einen Menschen, den ich pers. nicht kenne und die ich vielleicht im Nachhinein bedaure.

Aber um den Bogen zum Anlass des Beitrags hier zu spannen: Die Ehrung eines T. Heuss ist völlig daneben. Der Mann hat dem Ermächtigungsgesetz der braunen Sozialisten unter deren allgemeinem Druck zugestimmt. Das sollte man nicht verdammen, weil’s eine ganz normale menschliche Reaktion ist, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Aber ihn zu ehren, kommt ja wohl auch nicht in die Tüte. Und was hätte Heuss sonst geleistet? Er war Bundespräsident. Die Bekleidung eines Staatsamtes ist aus meiner Sicht nun wirklich nichts Ehrenhaftes.

Aber vielleicht irre ich mich ja auch nur und der Mann ist ein ganz großer Held gewesen.

Die Stimme aus dem Off, 02.02.2009 14:48

Das mit dem Ermächtigungsgesetz wusste ich noch gar nicht. Ein Skandal.

Für mich ist jetzt auch klar, wie man einige Jahre später dazu kommen konnte den Verträgen zur Europäischen Union zuzustimmen, ohne das Volk vorher zu befragen.

So etwas scheint Tradition bei uns zu haben.

 
Florian, 02.02.2009 17:36 Subscribed to comments via email

Heuss war sicherlich kein Superheld.
Die Sache mit dem Ermächtigungsgesetz ist z.B. in der Tat unschön.

Aber man sollte Geschichte immer aus der Zeit heraus beurteilen.
Und als 1949 Heuss Bundespräsident wurde, da gab es in Deutschland zum Beispiel noch keine gefestigte Demokratie.
Diese musste erst durch Übung erarbeitet werden.

Und da hat Heuss sicher schon seine Verdienste.

Zum Beispiel in der defensiven Art, wie er sein Amt geführt hat (und was dann Standard für alle seine Nachfolger wurde).
Ganz so selbstverständlich ist das nicht und lässt sich auch nicht zwingend aus der Verfassung ableiten.
Selbst Adenauer (Präsident des parlamentarischen Rates und damit DER Vater des Grundgesetzes) hatte ja eine Zeit lang (als er selbst Präsident werden wollte) die Ansicht vertreten, dass der Bundespräsident sozusagen das Tagesgeschäft der Regierung überwachen darf, an Kabinettssitzungen teilnimmt, etc.

Oder auch Heuss’ Verdienst, die nationalen Kräfte in die parlamentarischen Demokratie integriert zu haben.
Denn die FDP war ja nach dem Krieg (mehr noch als die CDU) durchaus ein Sammelbecken für die deutschnationalen Kräfte gewesen. Dass die FDP trotzdem klaren Demokratie-Kurs gehalten hat, lag eben auch an deren Führungspersonal, nicht zuletzt auch Heuss.

Aus heutiger Sicht mag es selbstverständlich sein, dass sich die FDP zur parlamentarischen Demokratie bekennt.
Aus damaliger Sicht (und Heuss hat eben in SEINER Zeit gehandelt) war es das nicht.

 
jo@chim, 02.02.2009 18:00

Eine Auseinandersetzung auf höherem Niveau* von Karl Stritzinger auf F.M.R.

*P.S.: damit meine ich natürlich nicht Dich, Florian.

Daniel Fallenstein, 02.02.2009 18:33

Mich etwa? :-p

jo@chim, 02.02.2009 18:42

Nö, den auf den ich geantwortet hab…

 
 
 
jo@chim, 02.02.2009 18:54

Bei Zettel noch ein weiterer lesenswerter Beitrag zu Theodor Heuss… schade dass der eine (Karl) nicht dessen unzweifelhafte Verdienste erwähnt und der andere (Zettel) die Zustimmung des Politikers Heuss zur Machtübergabe an die nationalen Sozialisten euphemistisch unter “innere Emigration” subsummiert…

Dagny, 02.02.2009 19:22

Vielleicht etwas weit hergeholt, weil die Folgen keineswegs von aehnlicher Dimension sind: Aber ich musste bei dem Hessen-Theater oft dran denken, ob sich die konservativen SPDler nicht ein wenig so vorkamen, wie die demokratischen Abgeordneten damals in Weimar?
Eine Welle ungehaeuren Ausmass kommt auf einen zu und man sieht alle Daemme brechen – in Deckung gehen und schauen, dass man das Gewitter moeglichst uebersteht?

jo@chim, 02.02.2009 19:57

Ich denke nicht, dass man das so vergleichen kann.

Nicht unerhebliche Teile konservativen und leider auch des liberalen Bürgertums haben vor der Machtergreifung lange mit den Nationalsozialisten kollaboriert oder ihnen zumindest keinen Widerstand entgegengesetzt, weil sie dachten, diese wären das “geringere Übel” im Vergleich mit den Kommunisten:

In Wahrheit glaubten die konservativen Helfershelfer Hitlers ihre Absichten bei ihm auf eine zwar vulgäre, aber wirksame Weise aufgehoben, und viel zu spät erst wurden sie gewahr, dass er ihnen und der Welt, die sie zu bewahren hofften, nur auf andere, doch nicht wenig radikale Weise entgegengesetzt war als Thälmann auch

(Joachim Fest, Hitler – eine Biographie)

Umsomehr ehrt es Liberale wie Theodor Heuss oder Konservative wie Konrad Adenauer, dass sie nach der Befreiung vom Faschismus aus diesem Irrtum die nötigen antitotalitären Folgerungen gezogen haben.

Dagny, 02.02.2009 20:47

Ach, es ist eine Unsitte aus dem Aufzeigen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden (volgo Vergleich) ein Gleichsetzen zu machen. Mathematisch ist ‘>’ und ‘<’ genauso ein Vergleich wie ‘=’ oder ‘ungleich’.

Das Gemeinsame, nach dem ich suche (keine Ahnung ob es wirklich gegeben ist) waere der Umgang mit einer (aggressiv auftretenden) (Mehrheits)meinung oder kollektiven Stroemung, welche zumindest die (kurzfristige) Stimmung beherrscht?

Oder – ich denke oft in physikalischen Begrifflichkeiten – wie geht ein eher Individualist mit einer sich anbahnenden Resonanzkatastrophe, einer kollektiven Anregung, um?

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Chripa, 01.02.2009 21:37

Google macht glaube ich oft bei solchen Aktionen mit, weil sie ihre Startseite mal ein bisschen auflockern wollen. Eine ernsthafte politische Aussage würde ich darin nicht sehen.

 
Libero, 02.02.2009 07:42

@marco

Die Theodor-Heuss Schule in Reutlingen hat einen kurzen Lebenslauf auf ihrer website.

Heuss war ausgemustert. Er hatte sich bei der Abiturfahrt eine Schulterluxation zugezogen und konnte aus diesem Grund auch nicht in eine schlagende Verbindung in Tübingen eintreten. Weshalb er in München studiert.

 
Florian, 02.02.2009 17:27 Subscribed to comments via email

Google verziert ja öfter das Logo nach aktuellen Anlässen.

Unter Marketing-Gesichtspunkten ist das übrigens absolutes no-go.
Da gilt ja gemeinhin das eigene Logo als das Allerheiligste, an dem man auf keinen Fall herumspielen darf.

Google kümmert sich um diesen Grundsatz aber nicht – und zeigt m.E. sehr schön, dass man einen schönen Marketingerfolg haben kann, wenn man eherne Marketingregeln ganz bewusst bricht.

 

[...] Happy Birthday, Theodor Heuss! sagen Zettels Raum und offensichtlich auch die Suchmaschine Google. [...]

 

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