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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

It feels bad being a libertarian

jo@chim, 02.02.2009

Imagine spending two decades warning that government policy is leading to a major economic collapse, and then, when the collapse comes, watching the world conclude that markets do not work. [...]

It is human nature to want to shoot the messenger bearing unwelcome tidings. And so, for the sin of continually pointing out that the emperor has no clothes, libertarians are attacked as heartless bastards devoid of compassion for the less fortunate, despicable flacks for the rich or for business interests, unthinking dogmatists who place blind faith in the free market, or, at best, members of the lunatic fringe.

Cassandra’s curse was to always tell the truth about the future, but never be believed. If you add to that curse that she would be ridiculed, derided, and shunned for making her predictions, you have a pretty fair approximation of what it feels like to be a libertarian.

Da hat sich einer den libertären Frust von der Seele geschrieben: Ach, wie gut ich ihm nachfühlen kann.



33 Kommentare zu “It feels bad being a libertarian”

  1. Bodo Wünsch

    So ist es.

  2. Thearcadier

    “It is human nature to want to shoot the messenger bearing unwelcome tidings”

    Hab ich daas richtig verstanden, dass es in der menschlichen Natur liegt, dass man den erschießen möchte, der schlechte Nachrichten ausspricht? Wenn ja, stimmt das nicht ganz. Zumindest dann nicht, wenn es um schlechte Nachrichten bezüglich der Natur geht. Die können nämlich gar nicht schlecht genug sein…

  3. Lina

    Cassandra’s curse was to always tell the truth about the future, but never be believed.

    Now – after several early & uneffective calls from the US-Housemarket – she finally is ((-; …

    http://de.youtube.com/watch?v=u2UP86bciVA

  4. Die Stimme aus dem Off

    Die Kapitalismuskritik alleine ist es ja noch nicht einmal. Besonders unerträglich finde ich, mit was für einer Selbstverständlichkeit die Politiker sich im Moment als die Retter der Nation aufspielen und mit Milliardenbeträgen um sich geworfen wird.

    Und das alles scheint der Öffentlichkeit gar nicht aufzufallen. Erinnert sich noch jemand um die Diskussion um die Rentenerhöhung? Was die sich da gesträubt haben die Rente zu erhöhen und wie viel es für den Rentner gab? Dass es den Leuten überhaupt nicht auffällt, dass man erst für ein paar Millionen kein Geld hatte und jetzt aber meint, dass keine “Hilfsmaßnahme” zu teuer wäre.

    Dieser Wiederspruch muss den Leuten doch auffallen. Das kommt doch alles von denselben Politikern.

  5. Dagny

    Dieser Wiederspruch muss den Leuten doch auffallen. Das kommt doch alles von denselben Politikern.

    Doppeldenk.

  6. Schlens

    Vielleicht ist das Wahlvieh nicht in der Lage, die Zusammenhaenge zu erkennen. Dass die Renten aus den Rentenbeitraegen bezahlt werden, ist relativ einleuchtend. Dass das Geld fuer die ganzen Rettungsaktionen aber auch irgendwoher kommen muss, scheint ihnen nicht so ganz klar zu sein.
    Strom kommt ja schliesslich auch aus der Steckdose.

  7. Heizpilz

    Die Leute haben alle im Hinterköpfchen den Abbücker zu machen, wenn die Schuldenfalle entgültig steht. Die Idee besteht darin solange zu saugen bis es nicht mehr geht und dann abzureisen. Nicht nur Immigranten denken so.

    Das ist der einzige Grund warum viele Wähler auf “Sozialdemokratisches” stehen. Man erhofft sich den kurz- bis mittelfristigen Vorteil bei Nichtannahme des langfristigen Nachteils.

    Dummerweise ist diese Logik falsch, wenn nicht rechtzeitig abgereist wird, was ja oft der Fall ist, der richtige Zeitpuinkt verpasst wird, andere Gründe vorliegen etc., aber die meisten haben einen geringen Planungshorizont und merken nicht einmal wie es abgeht, vgl. auch:
    http://www.focus.de/karriere/berufsleben/gehalt/warnstreik-wie-viel-verdient-ein-u-bahn-fahrer_aid_366263.html
    (alles im Prinzip auf Hartz IV- und Siebzigerjahre-Niveau, _wenn_ eine Familie ernährt werden muss)

  8. Die Stimme aus dem Off

    Danke, die ersten Sätze reichten schon:

    Wenn ein Gewerkschaftsmensch definiert, was der gerechte Lohn für eine Arbeitsleistung ist und damit den Kunden entmündigt.

    Ich werde meinem Kneipenkumpel, der für 1823 Euro netto im Monat 160 Stunden die Woche als Maschinenführer malocht, sich dabei einen nicht als Berufskrankheit anerkannten Blasenkrebs eingefangen hat, eine an MS erkrankte Frau und zwei kleine und sehr kostenintensive Töchter zu ernähren hat, erklären, dass er doch besser Hartz IV beantragen soll und das lieber mit Schwarzarbeit ergänzen soll. Der hat dann mindestens 500 Euro mehr im Monat, bei Ausschlafen bis 10:00 Uhr und halber Arbeitsbelastung.

    Es macht in diesem Land für die Menschen in diesen Gehaltsgruppen keinen Sinn mehr zu arbeiten. Diese Menschen müssen und kommen sich unglaublich verarscht vor. Für die macht es wirklich gar keinen Sinn mehr arbeiten zu gehen. Der fühlt sich auch schon nur noch als Sklave, während irgendwelche Betriebsräte über Existenzfragen über seinen Kopf hinweg entscheiden und sich ihr Dasein fürstlich entlohnen lassen.

    Und Schuld an der ganzen Misere sind am Ende die Kapitalisten. Ich kann das nachempfinden, was der arme Prof. erleidet. Es macht wirklich keinen Spaß sich damit zu befassen.

  9. Heizpilz

    Wer mit 1,8k nettofrisch und Familie in D noch arbeitet muss verrückt sein.

  10. daniel

    “der für 1823 Euro netto im Monat 160 Stunden die Woche”
    lol*, mit den Jungs vom ATeam kann man’s ja machen…

  11. Daniel Fallenstein

    der […] 160 Stunden die Woche […] malocht

    Da eine Woche 7*24=168 Stunden hat, vermute ich Übertreibung als Stillmittel. Es sei denn, er schläft eine Stunde pro Nacht.

  12. jo@chim

    Man könnte auch einfach ‘n Einschubfehler vermuten, anstatt mit seinen Kenntnissen in höherer Mathematik zu protzen (lass mal “die Woche” raus…) und müsste dann kein Stillmittel verabreichen. Mundet nicht jedem, sowas. Obwohl ich mir bei dSado gut… aber lassen wir das ^ ^

  13. Die Stimme aus dem Off

    Ne, es waren natürlich 160 Stunden den Monat, bei einer 40 Stunden Woche.

    Soweit ist es noch nicht. :-)

  14. Lemmy Caution

    Ich find das libertäre Gejammer höchst wehleidig.
    Reiner Libertarismus ist eh nicht mehrheitsfähig. Es gibt doch von US-Libertären bereits Überlegungen Plattformen ins Meer zu entsenden, um auf den freien Weltmeeren eine libertäre Republik zu gründen. Das wäre eine konsequente Alternative zum Jammern. “Geht doch nach Hochsee”.

    Die grundsätzliche Richtung der Politik der letzten Jahre war in der Fiskalpolitik eine Abnahme der progressiven Besteuerung, auf den Finanzmärkten eine Deregulierung und im Handel der weitere Abbau von Restriktionen.
    Bin zumindest nicht gegen letzteres.
    Aber seine Versprechen von trickle down effect hat der Neoliberalismus in weiten Teile nicht erfüllt.
    Selbst diese ja nicht richtig libertäre Linie ist in einer Demokratie einfach schwer durchzuhalten und in einigen Punkten nicht einmal sinnvoll.
    Auch wenn ich die sogenannte Kapitalismuskritik vielfach übertrieben und häufig sehr dumm halte, find ich so Sachen wie Ha-Joon Chang: Bad Samaritarians, Stiglitz und Paul Krugman, The Conscience of a Liberal für absolut sinnvolle Lektüre.
    Ich komm zu dieser Meinung u.a. auch durch wieder verstärkte Kontakten mit der chilenischen Realität, das ja oft als Beispiel für den Erfolg des Neoliberalismus genannt wird. Ja, es ist ein Erfolg. Durch noch stärkere Bemühungen des Staates in der Sozialpolitik und insbesondere in der Bildungspolitik der sozial Benachteiligten gibts da aber noch eine Menge Potential.

    Ohne Beiträge sozialdemokratisch motivierter Politiker wäre West-Europa-as-we-know-it und Nordamerika nicht denkbar.
    Es ist so einfach, sich weitgehend zweifelsbefreit auf das Podest von die Realität eh völlig verzerrenden Theorien zu stellen.

    Disclaimer: Ich verdiene gut und bin mit m.e.i.n.e.n. Perspektiven in dieser, unserer Welt bis auf weiteres zufrieden.

  15. Lina

    Ich find das libertäre Gejammer höchst wehleidig

    Ich auch, und verdächtig* – im Bezug auf Wirtschaft; ansonsten pflegen sie einen aufgeklärten Humanismus, der durchaus zu würdigen ist – IMHO – und sich nicht nur auf libertären Plattformen auf dem Ozean gut machen würde ;-)

    *z. B. im Sinne von Stiglitz’: „Für viele Leute ist die Wirtschaftswissenschaft auch mehr eine Religion. Da gibt es einen ganz festen Glauben, und dann wird gesehen, dass möglichst nur solche Fakten zugelassen werden, die den Glauben bestätigen. Das erklärt, warum viele Ökonomen das Problem der globalen Ungleichgewichte gar nicht wahrgenommen haben oder noch immer nicht wahrnehmen.“

  16. Albert

    Hey lemmy Caution, super beitrag. gegen libertäre konformisten!

    Was mich an diesem text auch stört: der behauptete zusammenhang ist einfach nur behauptet. jeder Neolib, kommunist oder libertäre kann das selbe sagen:
    1. es ist alles doof(woran sieht man das eigentlich? Ich lebe zwischen “unter” und “mittelschicht”, manche meiner Freunde sind seit monaten Depressiv, für andere hat sich NICHTS geändert und “krise” ist für sie eine halluzination. ??)
    2. ich weiß wieso/wusste schon immer wieso

    Und was jetzt? ich kann auch eine Erich-Von-Däniken Alien-partei gründen und ebenfalls so ein weinerlichen Text schreiben, in dem ich einfach irgendwas behaupte, und wenn ich dann genug Freunde habe, die mitmachen, sieht es aus wie eine position, und wenn wir dann mit unsere gelichgeschalteten psycischen pathologien unter uns sind, gibt es keinen wiederspruch mehr und die Welt ist klar. Ach wie schön ist es ein Konformist zu sein.

    Im Prinzip gehts etwas ähnliches wie Lemmy. Das ist alles so kindisch, genau wie die naiven linken anfang der 60ties, einfach nur wunsch gelabber

  17. Albert

    letzter Abschnitt: geht es UM…BEI

  18. Lemmy Caution

    Danke.
    Auf soner modellhaften Ebene, seh ich da auch einen grundsätzlichen Denkfehler:
    Eine reine Marktwirtschaft gibt es sowieso nicht. Die Staaten müssen an vielen Stellen eintreten, damit überhaupt erstmal sowas wie ein Markt entsteht! Ohne wirksam durchgesetzte rechtsstaatliche Prinzipien (unter vielen anderen) gibts überhaupt keinen Markt. Oder zumindest einen viel segmentierteren als wie wir ihn kennen.
    Die sogenannten Liberalen sind also überhaupt nicht für gar-kein-Staat. Und wenn staatliche Maßnahmen zur Bereitstellung des öffentlichen Gutes “Recht und Ordnung” eine positive Wirkung besitzen, warum dann Sozial- oder Industriepolitik eine grundsätzlich schlechte? Zumal es für beides in der Geschichte Beispiele gibt, die belegen, dass sie den Wohlstand einer Nation eben nicht abgewürgt haben (Paul Robin Krugman: The Conscience of a Liberal -> USA 1936 bis Mitte 70er) oder auf beeindruckende Weise überhaupt erst ermöglicht haben (Ha-Joon Chang: Bad Samaritarians -> Südkorea).
    Das bedeutet natürlich nicht, dass jede Sozial- oder Industriepolitik zu jeder Zeit gut ist. Aber eben auch, dass zu gewissen Zeiten Sozial- und Industriepolitik positive Auswirkungen haben können. Nach dem sowieso eher auf Plausibilitätsüberlegungen beruhenden xTreme Libertärismus ist dies wider die “Naturgesetze”. In der Empirie nicht.

  19. Rayson

    Ich glaube, die beste Antwort auf diese “pragmatische” Sichtweise stand schon vor einiger Zeit hier im Blog: Statlers “Wir Rückenmarksliberale”.

    Und wenn staatliche Maßnahmen zur Bereitstellung des öffentlichen Gutes “Recht und Ordnung” eine positive Wirkung besitzen, warum dann Sozial- oder Industriepolitik eine grundsätzlich schlechte?

    Das ist der Grund, warum Libertäre an ihrem Absolutismus festhalten. Weil sie genau dieses “Argument”, das logisch ja kein Ende kennt – irgendwo auf der Wegstrecke steht z.B. der Herr Schäuble – kommen sehen.

  20. Libero

    Einer der Best of Statler

  21. jo@chim

    Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, lieber Lemmy, wenn Du Dich kritisch auf die Aussage des zitierten Textes bezogen hättest: nämlich dass die Libertären mit ihren Warnungen vor dem major economic collapse offensichtlich Recht hatten.

    Und, mit Verlaub lieber Rayson, Statler hatte Unrecht. Nicht mit seiner Kritik am Utopismus mancher Fundamental-Libertärer, aber offensichtlich mit den volkswirtschaftlichen Stillhalteparolen, die er auch hier verbreitete.

  22. Rayson

    Welche “Stillhalteparolen” meinst du konkret?

  23. jo@chim

    Sowas oder sowas zum Bleistift, ganz schnell im Vorbeigehen. Aber Google kannst Du doch auch, Rayson?

    Wohlgemerkt: das ist weniger Kritik an Statler, als vielmehr an denjenigen, die immer noch nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass die Österreicher mit ihren Kassandra-Rufen offensichtlich doch Recht hatten.

    Vielleicht wird man als studierter Marktwirtschaftsklempner ja manchmal etwas betriebsblind? Ich masse mir nicht wirklich an, das abschliessend beurteilen zu wollen.

    Tue hier nur kund, was mein Rückenmark meldet, sozusagen ;-)

  24. Libero

    Das hat du erst einmal recht, , diese Schwächen teilt er aber mit vielen Anderen.

    Waren die Österreicher die einzigen, die vor platzenden Blasen warnten?

    Folgt aus der Tatsache, das die Österreicher recht hatten mit der Krise, das auch ihre Erklärungen der Ursachen stimmen?

  25. Rayson

    Nach was hätte ich denn in Unkenntnis dessen, was du meinst, googeln sollen? Nach “Statler Durchhalteparole”? ;-)

    Richtig, besonders im ersten von dir genannten Link ist eine Fehleinschätzung die Zukunft betreffend enthalten. Ich weise zwar gerne selbst darauf hin, dass die Österreicher eine massive Krise vorhergesagt haben, aber das hat nicht nur damit zu tun, dass ich einige ihrer Ansätze interessant finde (wiewohl mir vieles da zu oberflächlich bleibt), sondern vor allem damit, den anderen Krisengurus, die jetzt mit ihrem “Hab ichs doch schon immer gesagt” kommen, zu etwas mehr Bescheidenheit zu raten.

    Generell sagt die richtige Prophezeihung einer Krise noch lange nichts über die Richtigkeit einer Theorie aus. Erstens lassen sich im Rückblick dank der großen Zahl immer Propheten finden, zu deren Gunsten man dann auch gerne vergisst, dass sie jahrzehntelang falsch gelegen haben. Und zweitens würde dann auch irgendein Verrückter, der böse Geister oder Ufos im Spiel sieht, die an einer von ihm vorhergesagten Krise schuld sein sollen, jetzt als berufener Experte gelten müssen.

    Nein, so leid es mir für alle tut, die es sich einfach machen wollen: Man kann aus falschen Gründen das Richtige prophezeihen, so wie man als Experte eine Entwicklung übersehen kann.

    Für den Link auf den längeren Beitrag Statlers bin ich dir aber sehr dankbar, denn er stellt, obwohl er wegen der Ignoranz der Geschehnisse auf den Finanzmärkten, die ich sehr gut verstehen kann, weil ich sie bislang teilte, die falschen Schlüsse zog, den richtigen Zusammenhang her. Nach meiner aufgrund eifriger Lektüre inzwischen sich herauskristallisierenden Meinung hat die Finanzkrise nämlich fundamental etwas mit der US-Verschuldung zu tun, deren Spiegelbild die riesigen Gläubigerpositionen sind, die vor allem China und die erdölexportierenden Länder aufgebaut haben.

    Allerdings sind die Finanzmärkte, und zwar sowohl die “gierigen”, aber fein entwickelten in den USA, als auch die praktisch nicht vorhandenen in den Gläubigerstaaten, ein wichtiger Grund dafür, dass die Krise so stattgefunden hat, wie sie stattgefunden hat. Vielleicht aber hätte das über lange Jahre aufgebaute globale Ungleichgewicht auf jeden Fall zu einer Krise geführt.

  26. stefanolix

    @Joachim: Dein Rückenmark auch? Muss am Wetter liegen;-)

    Es ist sehr schade, dass Statler ausgerechnet zu dem Zeitpunkt aufgehört hat, an dem es interessant geworden wäre. Es gab von ihm noch ein paar Kommentarzeilen bei »shifting reality« und seitdem nichts mehr. Und mehr als »es ist sehr schade« soll hier bitte auch nicht hineininterpretiert werden.

    Unbehaglich war mir immer dann, wenn bestimmte Praktiken auf den Finanzmärkten als »ganz normal« bezeichnet wurden. Dazu zählte z.B. auch das bewusste Ausbluten von Unternehmen, die mit ganz geringem Eigenkapital und ganz viel Fremdkapital gekauft wurden [ja, ich weiß, es gab auch einige nachhaltig denkende Finanzinvestoren].

    Man ahnte schon, dass mit Milliarden spekuliert wurde. Aber das war ja nicht mal ein ehrliches Casino. Heute liest man, dass wohl in manchen Fällen mit nichts Realem, aber voll auf Kredit, gehandelt worden ist und dass dieses »überhaupt nichts« schmerzhafte Verluste gebracht hat. Konnte man nicht hellhörig werden, wenn man wusste, dass 1998 der erste große Hedge-Fonds kaputtging? Sollte Fachleuten nicht klar gewesen sein, dass sich das mindestens wiederholen könnte?

  27. Rayson

    @stefanolix

    Dazu zählte z.B. auch das bewusste Ausbluten von Unternehmen, die mit ganz geringem Eigenkapital und ganz viel Fremdkapital gekauft wurden

    Sorry, dass ich da wieder einhaken muss: Ein “Ausbluten” kann nicht im Interesse der Investoren liegen. Deswegen ist das weniger “normal” als vielmehr eine falsche Interpretation dessen, wie Finanzinvestoren aus ihrer eigenen Sicht idealerweise agieren. Dass das nicht immer klappt und dass durch die Niedrigzinspolitik die “Hebel” viel zu hoch waren, ist eine andere Geschichte.

    Heute liest man, dass wohl in manchen Fällen mit nichts Realem, aber voll auf Kredit, gehandelt worden ist und dass dieses »überhaupt nichts« schmerzhafte Verluste gebracht hat.

    In einem “fractional reserve banking system” darf man sich nicht wundern, wenn über Kredit auch spekuliert wird. Das ist an sich auch nicht anrüchig. Nicht die Spekulation als solche (alles unternehmerische Handeln ist letztlich Spekulation), sondern das Ausmaß des Kredits ist das Problem.

    Konnte man nicht hellhörig werden, wenn man wusste, dass 1998 der erste große Hedge-Fonds kaputtging?

    Wer ist “man”? Bei den Akteuren hat das eher für die Sicherheit gesorgt, dass im Notfall die Scherben ihres Tuns schon jemand anderes aufsammeln wird. Der Hedge-Fonds ist zwar verschwunden, aber seine Geldgeber profitierten von einer Garantie, die sie von da an als gegeben betrachteten.

    Sollte Fachleuten nicht klar gewesen sein, dass sich das mindestens wiederholen könnte?

    Klar doch. Und dann kommt Papa Staat, und alles ist wieder gut. Es ist kein Zufall, dass die Pleite von Lehman die Krise erst so richtig auslöste: Von da an galten die alten Sicherheiten plötzlich nicht mehr.

  28. Lemmy Caution

    @Achim,
    Ex post ist man immer schlauer. Auch im Hinblick auf die Ursachen der Krise.
    Sicher spielte die hier oft erwähnte Subventionierung der US-Häuslebauer eine Rolle. Fragt sich nur wie groß deren Gewicht in den Ursachen war, etwa im Vergleich zu dem Abbau und Unterlaufen der in der ersten Hälfte des 20. Jhdts. aufgebauten Bankenregulierungen. Letzteres ist ein Befund dafür, dass staatliche Regulierungen nicht per se schlecht sein müssen.

  29. stefanolix

    Doch. Ein Ausbluten liegt dann im Interesse der Investoren, wenn sie lediglich kurzfristig »Beute machen« wollen und überhaupt nicht am langfristigen Bestehen des Unternehmens interessiert sind.

    Beispiel: Ein Familienunternehmen geht auf die Erbengeneration über. Die Erben möchten nicht als Unternehmer tätig sein und verkaufen das gesunde Unternehmen an Finanzinvestoren. Die Finanzinvestoren stecken 5% Eigenkapital hinein und nehmen den Rest als Fremdkapital auf. Die Investoren verkaufen alle Werte des Unternehmens und belasten es gleichzeitig noch mit Krediten. Die Banken schauen bei den Sicherheiten nicht so genau hin, weil es ihnen vor allem um die Ausweitung ihres Geschäftsvolumens geht.

    Selbstverständlich dürfen die Erben verkaufen und selbstverständlich dürfen Finanzinvestoren ein Unternehmen zerlegen (solange sie es mit eigenem Geld oder mit einem abgesicherten Kredit tun). Aber dass eine Kreditblase aus Milliarden und Abermilliarden aufgebaut werden konnte, ist ein Fehler im System aus Staat und Banken.

    Und in der letzten Zeit des Anwachsens dieser Blase ging es doch nur noch darum, immer noch einen größeren Dummkopf zu finden, der die »Finanzprodukte« noch abgenommen hat. Das hat doch mit dem — in einer Marktwirtschaft unbedingt notwendigen — Kreditgewerbe nichts mehr zu tun gehabt.

  30. R.A.

    @Stefanolix:
    > Die Finanzinvestoren stecken 5% Eigenkapital
    > hinein und nehmen den Rest als Fremdkapital auf.
    > Die Investoren verkaufen alle Werte des
    > Unternehmens und belasten es gleichzeitig noch
    > mit Krediten.
    Es wird bestimmt Einzelfälle geben, die so gelaufen sind.
    Aber das wäre überhaupt nicht “normal”, sondern krasse Fehlleistung seitens der Fremdkapitalgeber und der Kreditgeber.

    Und wenn Leute so blind Geld vergeben (was als Fehler immer wieder vorkommen kann), dann hat das eigentlich wenig dem Prinzip Finanzinvestor/Hedge Fonds zu tun. Eine solche Dummheit hätten sich genauso die Erben zunutze machen können, um möglichst viel aus dem ererbten Betrieb rauszuholen.

    Der Normalfall ist natürlich ein ganz anderer: Wenn der Betrieb wirklich gesund ist, dann landet er am Ende bei Eigentümern, die ihn produktiv bewirtschaften.

  31. Rayson

    Stimme da R.A. komplett zu. Und möchte ergänzen, dass mir kein einziger Fall bekannt ist, bei dem die Investoren nicht zum Ziel gehabt hätten, den Betrieb als Ganzes weiterzuveräußern,

    Alles andere ist auch unwahrscheinlich, wenn diejenigen, die ihnen einen kerngesunden Laden verkauft haben, nicht völlig bescheuert gewesen sind oder ihr Berater gerade gefehlt hat, als “Unternehmensbewertung” auf dem Lehrplan stand.

  32. Libero

    Das aufgebührdete Fremdkapital ist eine Sache (Beispiel Pro 7), die drastisch erhöhten Beraterkosten (Beispiel Märklin) eine andere.

    Sind die Herren geneigt, ein Unternehmen zu nennen, wo nicht die Fremdkapitalquote drastisch anstieg und die Eigenkapitalquote unter 10 % sank

  33. Norbert

    Na prima, jetzt wissen wir alle, dass ohne Staat kein Markt zu haben ist :-) und das Liberale gar nicht für “kein Staat” sind weil die auch wissen, dass es ohne Staat keinen Markt gibt.

    Nach der häufigen Verwendung von gestelzten Fremdwortkummilaten :-) schliesse ich das der Verfasser zumindest mittlere Reife hat, deshalb empfehle ich ihm seine Weisheiten über den Markt doch mal mit den Fakten zu vergleichen. So viel Nonsens über die WIrtschaft habe ich schon lange nicht mehr in so wenigen Sätzen gelesen.

    Viel Spass beim überprüfen der Fakten :-)

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