Anfangs war die Dagny lediglich etwas irritiert als sie die Artikelserie auf ef-online zur Entscheidung des Papstes wahrnahm. Anschliessend hat sie die sich abzeichnende Debatte mit einem Ohr verfolgt und ist verwundert, entsetzt, enttäuscht, auch neugierig und erstaunt – der Tenor der eifrei ist: Der Papst und damit die kath. Kirche zieht sich aus einer von pseudoliberaler Beliebigkeit geprägten Haltung, Everybodies Darling sein zu wollen zurück, besinnt sich in Terms of Economics auf seine theologische Kernkompetenz und schärft dabei das eigene Profil – auch wenn dies nicht dem herrschenden Mainstream vulgo Zeitgeist gefällt.

Anfangs hielt ich die Berichterstattung noch der Tradition geschuldet, von anderen verschwiegene Meinungen aus der Wertschätzung der Meinungsfreiheit zu veröffentlichen. Das Interview mit Udo Voigt von der NPD entstand sicherlich aus dieser Motivation.

Die Rückname der Exkommunikation der vier Anhänger von Marcel Lefebvre hat darüber hinaus, die Papst-Kritiker-Industrie auf den Plan gerufen, wie es Jost Kaiser in seinem Politik-Blog nennt.

Nun denn, was schreibt Wikipedia über Marcel Lefebvre:

In einer seiner letzten Predigten am 1. November 1990 in Ecône fasste Lefebvre abermals seine Position zusammen:

Wegen des Abfalls vom Glauben, der in Rom herrscht, müssen wir mit ansehen, wie die Seelen in Massen der Hölle zustreben. […] Der Atheismus beruht auf der Erklärung der Menschenrechte. Die Staaten, die sich seither zu diesem offiziellen Atheismus bekennen, befinden sich in einem Zustand dauernder Todsünde. […] Mit Recht können wir daher sagen, dass sich diese Massen zur Hölle hinabbewegen. […] Er will Gott bleiben, nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden. Deshalb will Er für seine Armee Soldaten.“
(So Lefebvre, Anm. d. Autors)

In seinem offenen Brief an verwirrte Katholiken im Jahr 1986 übte er scharfe Kritik an der Position von Papst Johannes Paul II. im interreligiösen Dialog. Er lehnte sowohl den Besuch des Papstes in der römischen Synagoge ab, als auch Weltgebetstreffen in Assisi, wo sich auf Initiative des Papstes Vertreter unterschiedlicher Religionen trafen, um dort für den Frieden in der Welt zu beten. Des Weiteren enthielt der Brief eine Ablehnung der in der Konzilserklärung Nostra aetate postulierten Religionsfreiheit. Nach Lefebvre könne diese Religionsfreiheit nicht auf falsche Religionen angewendet werden.

Oder über die Haltung zur autoritären Staaten:

In der Predigt jener Messe zu Lille rühmte Lefebvre jedoch die Militärjunta von Argentinien und die Regierung in Chile unter Augusto Pinochet als vorbildliche Regierungen.

Ähnlich der Tenor auf der englischen Webseite von Wikipedia:

Condemnation of the 1789 French Revolution, and what he called its „Masonic and anti-Catholic principles“. His protégé, Bishop Richard Williamson, has reported that, as a supporter of absolutist monarchy, he spoke approvingly of the stance of Henri, Comte de Chambord during the constitutional wrangles in the early days of the French Third Republic.
-Support for the „Catholic order“ of the authoritarian French Vichy régime (1940-1944), which collaborated with Nazi Germany and whose leader, Philippe Pétain, was later sentenced to death as a traitor.
-Support for other fascist or authoritarian governments. In 1976, Lefebvre praised the regimes of Jorge Videla in Argentina and Augusto Pinochet in Chile, and in 1985 he spoke approvingly of the governments of Francisco Franco of Spain and Antonio Salazar of Portugal, noting that their neutrality in World War II had spared their peoples, including their Jewish populations, the suffering of the War.
-Support for the French far-right leader Jean-Marie le Pen. In 1985, the French periodical Présent quoted Lefebvre as endorsing Le Pen, on the grounds that he was the only leading French politician who was clearly opposed to abortion.
-Opposition to Muslim immigration into Europe. In 1990, Lefebvre was convicted in a French court and sentenced to pay a fine of 5,000 francs when he stated in this connection that „it is your wives, your daughters, your children who will be kidnapped and dragged off to a certain kind of places as they exist in Casablanca“.

Wusste der Papst bzw. der Vatikan dies und warum wurde die Exkommunition ausgerechnet um den Holocaust-Gedenktag herum aufgehoben? Nur ein dummer Zufall oder bewusste diplomatische Provokation? Immerhin ist der Papst bzw. Vatikan nicht nur das Oberhaupt der katholischen Kirche, sondern auch eine politische, diplomatische Institution.
Stefanolix weist bei den bissigen Liberalen darauf hin, dass

Das war mir schon unheimlich, als ich fast noch ein Kind war. Alte Leute flüsterten sich damals zu Karfreitag zu, dass die Juden bis in unsere Zeit »dafür« büßen müssten. Das könne man doch an all den Verfolgungen sehen — »und jetzt wieder, die Palästinenser«. Es ist 30 Jahre her, aber es hat sich tief eingeprägt.

es bei der Frage ob die Messe im neuen oder vorkonzilianischen Ritus gelesen werden soll, eventuell nicht um ein Verwenden des Lateinischen aus – nennen wir es traditionellen Gründen geht, sondern auch um das Verhältnis zu den anderen Religionen insb. dem Judentum. –

Beim A-Team soll es aber nicht um Glaubensfragen gehen, sondern um Liberales. Die zitierten Äusserungen mögen politisch unkorrekt sein, es mag die Rücknahme der Exkommunikation eine „innere Angelegenheit“ der kath. Kirche (der ich aber angehöre) sein – und dennoch: dem Credo ‚ich werde alles dafür tun, dass Sie ihre Meinung sagen dürfen‚ ist ein ‚Ich teile ihre Meinung nicht‚ vorangestellt.

Und das streitbare Eintreten für die Werte des Liberalismus wollen wir angesichts des zweiten Halbsatzes nicht vergessen.