Kirche, Liberale, Beliebigkeit
dagny t., 04.02.2009
Anfangs war die Dagny lediglich etwas irritiert als sie die Artikelserie auf ef-online zur Entscheidung des Papstes wahrnahm. Anschliessend hat sie die sich abzeichnende Debatte mit einem Ohr verfolgt und ist verwundert, entsetzt, enttäuscht, auch neugierig und erstaunt – der Tenor der eifrei ist: Der Papst und damit die kath. Kirche zieht sich aus einer von pseudoliberaler Beliebigkeit geprägten Haltung, Everybodies Darling sein zu wollen zurück, besinnt sich in Terms of Economics auf seine theologische Kernkompetenz und schärft dabei das eigene Profil – auch wenn dies nicht dem herrschenden Mainstream vulgo Zeitgeist gefällt.
Anfangs hielt ich die Berichterstattung noch der Tradition geschuldet, von anderen verschwiegene Meinungen aus der Wertschätzung der Meinungsfreiheit zu veröffentlichen. Das Interview mit Udo Voigt von der NPD entstand sicherlich aus dieser Motivation.
Die Rückname der Exkommunikation der vier Anhänger von Marcel Lefebvre hat darüber hinaus, die Papst-Kritiker-Industrie auf den Plan gerufen, wie es Jost Kaiser in seinem Politik-Blog nennt.
Nun denn, was schreibt Wikipedia über Marcel Lefebvre:
In einer seiner letzten Predigten am 1. November 1990 in Ecône fasste Lefebvre abermals seine Position zusammen:
Wegen des Abfalls vom Glauben, der in Rom herrscht, müssen wir mit ansehen, wie die Seelen in Massen der Hölle zustreben. […] Der Atheismus beruht auf der Erklärung der Menschenrechte. Die Staaten, die sich seither zu diesem offiziellen Atheismus bekennen, befinden sich in einem Zustand dauernder Todsünde. […] Mit Recht können wir daher sagen, dass sich diese Massen zur Hölle hinabbewegen. […] Er will Gott bleiben, nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden. Deshalb will Er für seine Armee Soldaten.“
(So Lefebvre, Anm. d. Autors)In seinem offenen Brief an verwirrte Katholiken im Jahr 1986 übte er scharfe Kritik an der Position von Papst Johannes Paul II. im interreligiösen Dialog. Er lehnte sowohl den Besuch des Papstes in der römischen Synagoge ab, als auch Weltgebetstreffen in Assisi, wo sich auf Initiative des Papstes Vertreter unterschiedlicher Religionen trafen, um dort für den Frieden in der Welt zu beten. Des Weiteren enthielt der Brief eine Ablehnung der in der Konzilserklärung Nostra aetate postulierten Religionsfreiheit. Nach Lefebvre könne diese Religionsfreiheit nicht auf falsche Religionen angewendet werden.
Oder über die Haltung zur autoritären Staaten:
In der Predigt jener Messe zu Lille rühmte Lefebvre jedoch die Militärjunta von Argentinien und die Regierung in Chile unter Augusto Pinochet als vorbildliche Regierungen.
Ähnlich der Tenor auf der englischen Webseite von Wikipedia:
Condemnation of the 1789 French Revolution, and what he called its “Masonic and anti-Catholic principles”. His protégé, Bishop Richard Williamson, has reported that, as a supporter of absolutist monarchy, he spoke approvingly of the stance of Henri, Comte de Chambord during the constitutional wrangles in the early days of the French Third Republic.
-Support for the “Catholic order” of the authoritarian French Vichy régime (1940-1944), which collaborated with Nazi Germany and whose leader, Philippe Pétain, was later sentenced to death as a traitor.
-Support for other fascist or authoritarian governments. In 1976, Lefebvre praised the regimes of Jorge Videla in Argentina and Augusto Pinochet in Chile, and in 1985 he spoke approvingly of the governments of Francisco Franco of Spain and Antonio Salazar of Portugal, noting that their neutrality in World War II had spared their peoples, including their Jewish populations, the suffering of the War.
-Support for the French far-right leader Jean-Marie le Pen. In 1985, the French periodical Présent quoted Lefebvre as endorsing Le Pen, on the grounds that he was the only leading French politician who was clearly opposed to abortion.
-Opposition to Muslim immigration into Europe. In 1990, Lefebvre was convicted in a French court and sentenced to pay a fine of 5,000 francs when he stated in this connection that “it is your wives, your daughters, your children who will be kidnapped and dragged off to a certain kind of places as they exist in Casablanca”.
Wusste der Papst bzw. der Vatikan dies und warum wurde die Exkommunition ausgerechnet um den Holocaust-Gedenktag herum aufgehoben? Nur ein dummer Zufall oder bewusste diplomatische Provokation? Immerhin ist der Papst bzw. Vatikan nicht nur das Oberhaupt der katholischen Kirche, sondern auch eine politische, diplomatische Institution.
Stefanolix weist bei den bissigen Liberalen darauf hin, dass
Das war mir schon unheimlich, als ich fast noch ein Kind war. Alte Leute flüsterten sich damals zu Karfreitag zu, dass die Juden bis in unsere Zeit »dafür« büßen müssten. Das könne man doch an all den Verfolgungen sehen — »und jetzt wieder, die Palästinenser«. Es ist 30 Jahre her, aber es hat sich tief eingeprägt.
es bei der Frage ob die Messe im neuen oder vorkonzilianischen Ritus gelesen werden soll, eventuell nicht um ein Verwenden des Lateinischen aus – nennen wir es traditionellen Gründen geht, sondern auch um das Verhältnis zu den anderen Religionen insb. dem Judentum. –
Beim A-Team soll es aber nicht um Glaubensfragen gehen, sondern um Liberales. Die zitierten Äusserungen mögen politisch unkorrekt sein, es mag die Rücknahme der Exkommunikation eine “innere Angelegenheit” der kath. Kirche (der ich aber angehöre) sein – und dennoch: dem Credo ‘ich werde alles dafür tun, dass Sie ihre Meinung sagen dürfen‘ ist ein ‘Ich teile ihre Meinung nicht‘ vorangestellt.
Und das streitbare Eintreten für die Werte des Liberalismus wollen wir angesichts des zweiten Halbsatzes nicht vergessen.
antibuerokratieteam.net





Dies bleibt hoffentlich mein einziger Kommentar zu diesem Thema – aber der verwundert-verwundete Tonfall in diesem 1000. “Hey, eifrei ist irgendwie nicht mehr das, was es mal war”-Erkenntnis-Artikel provoziert mich zumindest zu diesem:
Es ist doch wirklich ein absurdes Affentheater, dass es um den indiskutablen Schritt Ratzingers ernsthaft eine Diskussion in der “Libersphäre” gibt. Schlimm genug, dass die deutsche “libertäre Szene” inzwischen so eng umschlungen mit der rechtsnationalen Szene ist, dass beide nicht mehr zu trennen sind. Jetzt setzt der reaktionäre Fringe schon die Themen, welche unter bloggenden Liberalen diskutiert werden.
Vor wenigen Tagen stellte Anthony de Jasay bei einem Auftritt am Liberalen Institut fest, dass der Liberalismus wohl jene Ideologie mit dem schwächsten Abwehrsystem gegen “fremde” Elemente ist (http://www.libinst.ch/?i=buchpremiere-von-liberale-vernunft-soziale-verwirrung). Diese Feststellung gilt doppelt und dreifach für den deutschen Liberalismus, der bisher noch bei jedem ideologischen Gegenwind eingeknickt ist.
Das aktuelle Spektakel, in welchem die Junge Freiheit die Diskussionshoheit über den libertären Stammtischen übernimmt, ist einfach nur noch unwürdig. Aber irgendwie auch typisch. Und noch immer wollen viele nicht erkennen, woher der Winde weht. Du, dagny, hast jetzt zumindest offenbar den Kopf aus dem A**** gezogen. Gratuliere.
beim gesamten “eifrei” Kontext handelt es sich in erster Linie um Geschäftsleute, deren Kundenkreis einen ausgeprägten Bedarf an scheinbar libertären, in Wirklichkeit jedoch sektiererisch, dh. unausgewogenen und extremen, der Selbstaufwertung dienlichen, elitären Ansätzen zeigt, die stets versteckt kollektivistisch im Sinne von Familie und Volk sind und sich nur scheinbar auf das Individuum als Frame of Reference beziehen. Das lässt sich auch Baader nachweisen, dessen reaktionäres kollektivistisches Gedusel von der Familie anödet und dessen Votum für die Monarchie, als geringeres Übel als eine Demokratie, zutiefst bedenklich ist.
Der “eifrei” Kontext weist allerdings noch eine zweite Eigenschaft auf, nämlich sich in guter Tradition zu den Rechten zu befinden, welche ein liberales Feigenblatt stolz vor sich her tragen, womit ihre eigene Freiheit gemeint ist, ihr sektiererisches Gedankengut ungestört verbreiten zu können.
Eine dritte Eigenschaft soll auch noch Erwähnung finden. Der Aktivist entspringt typischerweise dem Intellektuellentum und zwar in der unsympathischen Bedeutung des Begriffs. Da mögen sie tausendmal auf ihr doch nur geisteswissenschaftlich angegangenes Volkswirtschaftstudium und angebliche unternehmerische Aktivitäten, jenseits reiner Schreiberlingtätigkeit, hinweisen, es ändert nichts daran, dass der “eifrei” Kontext auch mit dieser Eigenschaft erstaunliche Parallelen zur typisch deutschen Form des elitären Linksektierertums mit deutlich geisteswissenschaftlicher Ausrichtung aufweist. Das sich des Mittels der Produktion von Text bedienende Möchtegern-elitäre Wesen ist das gleiche. Nur die momentane Ausrichtung ist noch verschieden. Sie könnten auch genauso gut Marxistische Blätter zur kritischen Theorie der Gesellschaft verlegen, mit denen sie sich selbst und ihren Kunden das selbstaufwertende Gefühl geben einer elitären Avantgarde dazugehörig zu sein. In den 60ern hätten sie es garantiert gemacht. Da war es noch “In”.
Die sind schon längst aus meinem Feedreader entfernt worden. Mich interessiert das Geplärre dieser Leute nicht. Reine Zeitverschwendung.
> Mich interessiert das Geplärre dieser Leute nicht.
Was einen nicht interessiert sollte man auch nicht kommentieren. Irgendwie scheinen die (sicherlich etwas zweifelhaften) Eifrei-Brüder hier einen Nerv getroffen zu haben.
Deine Argumentation ist zudem langweilig, zu standardisiert, ohne Blick auf ein Gesamtsystem “Eifrei” (das es naturgemäss gibt).
Liberalismus wird übrigens, wenn Werte angenommen werden, schnell zu Konservativismus. Das ist nun mal so, setzt aber voraus, dass wir es hier mit richtigem Konservativismus zu tun haben, der den Liberalismus sowieso bereits implitziert hat.
Eifrei ist natürlich mit Vorsicht zu geniessen, aber sicherlich eine angenehme Abwechslung zum Mainstreamdreck.
@dagny
dem Credo ‘ich werde alles dafür tun, dass Sie ihre Meinung sagen dürfen‘ ist ein ‘Ich teile ihre Meinung nicht‘ vorangestellt.
Danke!
To disagree ist manchmal zu zurückhaltend. Manche Meinungen muß man nicht nur ablehnen, sondern erbittert bekämpfen.
@Christian Hoffmann
Die Analyse von Anthony de Jasay ist zutreffend. Die Therapie ist schwach. “kühle Rationalität” ist ein Florett, daß er allen Ernstes gegen Gewappnete einsetzen will. Was will er tun, auf eine Panzerung einschlagen. Selbst ein Franzose müßte wissen, daß das lächerlich ist, mit einem niedlichen Florettle auf eine Panzerung einzuschlagen. Davon verspricht er sich Durchschlagskraft?
Nein, die hat man nur dann, wenn man die Menschen erreicht, bevor sie sich mit diesen Alternativen wappnen und wenn man ihre Wahrnehmungen, die zur Wappnung führen, ernst nimmt.
Bürger fallen nicht vom Himmel, Liberale auch nicht. Man muß etwas dafür tun, daß Heranwachsende Liberal und Offen werden. Bevor sie durch andere Ideologien geprägt und gewappnet sind. Das ist ohne Zweifel anstrengend, richtige harte Arbeit. Viel weniger anstrengend ist es, Bücher wie the road to serfdom zu schreiben. Mächtig gewaltig und schwer beeindruckend, aber im Endeffekt wirkungslos. Es gibt immer noch viele Sozialisten und Konservative.
Langsam wundert mich nicht, daß der Liberalismus so blass ist. Das liegt nicht am Liberalismus, das liegt an den Liberalen.
> Langsam wundert mich nicht, daß der Liberalismus so blass ist. Das liegt nicht am Liberalismus, das liegt an den Liberalen.
Der Liberalismus scheint Dir nur blass, was daran liegt, dass Du blass bist; zudem werden manche blass, wenn sie Deine Nachrichten lesen.
Was aber richtig ist: Es gibt eine Krise der liberal-bürgerlichen Kräfte in D. Artikulationsfähigkeit, Verständigkeit, rhetorische Fähigkeiten, die Bereitschaft sich zu exponieren, all das fehlt denjenigen, die sich seit vielleicht 40 Jahren von Langhaarigen (man beachte die Metaphorik) die Butter vom Brot nehmen lassen.
“Es ist doch wirklich ein absurdes Affentheater, dass es um den indiskutablen Schritt Ratzingers ernsthaft eine Diskussion in der “Libersphäre” gibt.”
Ein Skandal: Benedikt XVI. ist kein Liberaler.
Emmett Grogan, 04.02.2009 06:30
“beim gesamten “eifrei” Kontext handelt es sich in erster Linie um Geschäftsleute, deren Kundenkreis einen ausgeprägten Bedarf an scheinbar libertären, in Wirklichkeit jedoch sektiererisch, dh. unausgewogenen und extremen, der Selbstaufwertung dienlichen, elitären Ansätzen zeigt, die stets versteckt kollektivistisch im Sinne von Familie und Volk sind und sich nur scheinbar auf das Individuum als Frame of Reference beziehen. Das lässt sich auch Baader nachweisen, dessen reaktionäres kollektivistisches Gedusel von der Familie anödet und dessen Votum für die Monarchie, als geringeres Übel als eine Demokratie, zutiefst bedenklich ist.
Der “eifrei” Kontext weist allerdings noch eine zweite Eigenschaft auf, nämlich sich in guter Tradition zu den Rechten zu befinden, welche ein liberales Feigenblatt stolz vor sich her tragen, womit ihre eigene Freiheit gemeint ist, ihr sektiererisches Gedankengut ungestört verbreiten zu können.”
So ähnlich denke ich auch über die EF. Vor allem seit ihren armseligen Artikeln über Rauchverbote. In mir kam damals auch das Gefühl auf, dass die Patriarchen sich in ihrer Selbstgefälligkeit die dicke Zigarre in der Öffentlichkeit nicht verbieten lassen wollen. Mein Haus, mein Boot, mein Porsche, meine Zigarre meine Alte.
In dieser Reihenfolge.
Der eigenen Gier nach Selbstdarstellung (gerne auch Individualismus genannt), werden dann auch schon mal liberale Prinzipien geopfert.
Diese Woche lernte ich allerdings, dass das noch nicht so schlimm war und es noch heftiger geht. Andere Liberale opfern sogar die körperliche Unversehrtheit durch Gewalteinwirkung auf dem Altar ihrer Eitelkeit. Dieser Eitelkeit werden dann sogar tausend Jahre modernes Strafrecht geopfert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Lieber Christian, die ef repräsentiert schon lange nicht mehr “die libertäre Szene” – nicht in dem engen Sinn, den viele, auch Du, verwenden, und schon gleich gar nicht im weiteren Sinn eines radikalen und konsequenten Liberalismus (so wie ich das präferiere). Übrigens auch nicht mehr in ihrer Selbstdarstellung.
Viele die dieses Magazin, das der Vorreiter bei der radikal liberalen Vernetzung in Deutschland war, mitgegründet, mitgetragen und unterstützt haben, sind inzwischen ausgestiegen. Dafür bekamen sie von AFL, der sich nun zunehmend zum Hiwi übelster reaktionärer Sektierer macht und deren “konservative Kulturrevolution” propagiert, ein freundliches “Spinner” oder “Blogblubberer” hinterhergeworfen. Das ist schon traurig, ich kann gut verstehen, wenn sich Dagny oder Deltafoxtrot darüber ärgern. Mir geht es da nicht anders.
Umsomehr, als ja auch weiterhin profilierte Liberale dort mitarbeiten und damit dieser absurden Allianz Legitimation verschaffen. Tatsächlich nicht erkennen (wollen?), woher der Wind weht. Ich denke, man sollte die sehr wohl an ihren eigenen libertären Ansprüchen packen. Die Reaktionen in der Vergangenheit zeigten ja, dass dem einen oder anderen von denen durchaus nicht mehr ganz so wohl ist, und dass dann im Einzelfall sogar “Gegenartikel” zu offensichtlich reaktionärer Grütze verfasst werden. Nicht “wir” reagieren also (nur) – wir agieren.
Für eine “deutsche Reason” als Printmedium, das einen Libertarianism vertritt, der sich weder als Wurmfortsatz rechter Randständiger noch – wie bei manchen “Linkslibertären” – linker Fundis begreift, reichte offensichtlich bisher in der Tat die liberale Vernunft nicht. Aber das kann ja noch werden.
Bis dahin gibt es gottlob eine wachsende liberale und libertäre Blogosphäre, die das reaktionäre Geblubbere, das ein Teil der ef-online-Autorenschaft absondert und als Liberalismus verkaufen will, kritisiert, karikiert und dem eigene – liberale! – Inhalte entgegensetzt.
Bitte auch das Label antibuerokratieMAGAZIN beachten, das fuer den Beitrag verwendet wurde. Trotz des eifrei-aufhaengers soll der Artikel weniger als Kritik an der eifrei, denn als Positionsbestimmung und Meinungsbildung bezueglich der katholischen Ultras gelten. (Hab einen Link zu einem lesenswerten Beitrag der FAZ eingestellt)
@Heizpilz
der Liberalismus als Weltbild ist farbig, die deutschen Liberalen sind es nicht. Schade, das ein so ein faszinierendes Weltbild so langweilige Menschen anzieht. Das marxistische Weltbild zieht ja auch langweilige und zudem denkfaule Menschen an, aber das ist ja auch langweilig.
Wann trifft den ein durchschnittlicher Heranwachsender das erste Mal einen Liberalen? Auf wenn trifft er oder natürlich sie vorher, schlimmer noch, STATTDESSEN. Westerwellchen im Fernsehen ist da kein Ersatz.
Welche Typen von Heranwachsenden werden ihr ganzes Leben auf keinen leibhaftigen Liberalen treffen, stattdessen aber auf leibhaftige Rattenfänger oder Despoten oder staatliche Kümmerer und sonstige Schnarchnasen, die ihre mangelnde Fähigkeit zur Eigenverantwortung für sich nutzen. Nur solche Menschen brauchen nützliche Handlager. Was soll ein Liberaler mit Handlangern anfangen?
Ihr seid schon ein Völkchen voll auf den Erfolg programmiert. Schade, das ihr keine Marxisten seid. Ihr bei den Linken und 6 Monate später ist diese Partei paralysiert.
Besoffen?
Das erinnert mich an einen Loriot-Sketch Wähler fragen, Politiker antworten. Kommentar des FDP-Vertreters: “Im liberalen Sinne heißt liberal nicht nur liberal”. ;-)
man mag mir ja mit guten Gründen einen gewissen bias vorwerfen, aber trotzdem: In dem verlinkten ef-Artikel geht es doch überhaupt nicht um eine wie auch immer geartete “Allianz” mit erzkonservativen Katholiken, sondern um den Anspruch der mainstreammedialen PC-Meute, dem Papst vorzuschreiben wen er in seinen Verein aufnehmen darf und wen nicht.
Diese linke Medien-Kamarilla ist ganz offensichtlich mindestens genauso totalitär wie die Piusbrüder, geniesst im Gegensatz zu diesen aber die unbeschränkte Unterstützung der Politmafia, was sie insbesondere in Verbindung mit dem von letzterer beanspruchten Gewaltmonopol denn doch um einiges gefährlicher erscheinen lässt – zumal sie ja auch noch auf ganz anderen Gebieten (Klima-Lüge, Hetze gegen den freien Markt, …) aktiv ist und da exakt die gleichen Muster zu beobachten sind.
Insofern könnte man sich schon mal die Frage stellen, was “libertärer” ist: Für das Recht (auch) von Katholiken einzutreten, ihre eigenen Angelegenheiten unter sich regeln zu dürfen, oder -sei es absichtlich oder unbeabsichtigt- linken Hetzkampagnen Vorschub zu leisten, indem man deren “Argumente” weiterträgt.
Dass das Diekmann, “IM Erika” und Konsorten es nicht dabei belassen werden, dem Papst Vorschriften über seine Privatangelegenheiten zu machen, sondern dieselbe Masche früher oder später gegen jeden fahren werden, der -warum auch immer- nicht auf Regierungslinie liegt, ist eine Erkenntnis, für die es wahrlich keine Nähe zum Katholizismus braucht, sondern nur die Fähigkeit, 1 und 1 zusammenzuzählen.
Lieber Achim, meines Erachtens macht dieses argumentative Pingpong-Spielen mit eifrei nur deutlich, welche doch offenbar noch bedeutende Rolle ihr unter Libertären beigemessen wird. Auch wenn es sich um berechtigte Kritik handelt, erzeugt doch jeder der zuletzt immer absurderen Artikel dort zuverlässig eine Reihe von Reaktionen unter liberalen Online-Schreibern. Merkt man dabei eigentlich nicht, dass man sich von eifrei immer noch die Agenda diktieren lässt?
Wie du richtig schreibst, definiert sich eifrei selbst ja nichtmal mehr als libertäres Magazin. Dann sollte es auch so behandelt werden. Es wird ja in der Libersphäre auch nicht jeder Gedankenpfurz der Jungen Freiheit besprochen (und grosse Unterschiede gibt es da in der Tat nicht mehr).
Was die “profilierten Liberalen” angeht, so trennen diese sich in zwei Gruppen: 1. solche, die den Kurs gutheissen und 2. solche, die das Magazin nie lesen und die geistigen Abgründe nicht mitbekommen. Dies ist wohlgemerkt keine Vermutung sondern beruht auf Eigenaussagen der Betreffenden.
Die Libersphäre sollte sich darauf konzentrieren, eigenständig liberale Akzente zu setzen. Der Liberalismus ist eine grossartige, positive, fortschrittliche und begeisternde Idee. Bei eifrei kann man dies leider nicht mehr erkennen. Umso wichtiger ist, dass mediale Alternativen dies verdeutlichen. Sehr positiv sehe ich hier z.B. die Entwicklung der Schweizer Monatshefte.
Was eifrei angeht, denke ich immer wieder an einen Beitrag der Freiheitsfabrikanten: Wer sich immer nur von einem Gegenüber distanziert, wird letztlich durch dieses definiert – und ihm immer ähnlicher.
Aha, Rauchverbote sind also seit neuestem liberal?! Vielen Dank für die Klarstellung, das wäre mir als selbstgefälligem Patriarchen ja gar nicht aufgefallen, so von wegen Selbstbestimmung und Eigentumsrecht und so.
Ja, sind sie. Aus einem einfachen Grund: Du kannst auch mit den Rauchverboten rauchen, solange Du es in Deinen Räumen machst und niemanden störst.
Mit Deiner Argumentation wäre auch das StGB nicht liberal.
@DSadO
Nicht schon wieder…
Du kannst einen Club aufmachen, in dem Leute ausgepeitscht werden, ohne dass dies unter das StGB fallen würde. Als Gastwirt kannst du aber keine reine Raucherkneipe aufmachen.
Erzähl mir mal, das wäre liberal.
Nachtrag: Die Tendenz, andere dafür verantwortlich zu machen, dass man selbst nicht den Biss hat, es bis zu Weib, Haus, Boot und Porsche bringen, kommt mir auch merkwürdig bekannt vor. Und zwar von einer gewissen, notorisch zukurzgekommenen Klientel, die ihre Stimme nur zu gerne demjenigen leiht, der für die geringste Eigenleistung das größte Heilsversprechen aufzubieten vermag.
Man könnte ja fast den Eindruck kriegen, das Off, aus dem die besagte Stimme erklingt, wäre in Wahrheit an einer schlecht belüfteten Stelle unter dem Rocksaum des großen Vorsitzenden aus Saarbrücken zu verorten.
Also mit dem Auspeitschen hast Du mich jetzt auf eine Idee gebracht. Das ist wahrscheinlich eine Marktlücke.
Wie sieht es denn mit den sog. “Raucherclubs” aus? Wir da nicht geraucht?
In der DDR hatten sie auch so einen Oppositionellenclub, da konnte man hin wenn man offen seine Meinung sagen wollte. War sogar richtig edel gemacht, mit ganz soliden Türen und Fenstern und so.
Das muss ja dann der liberalste Staat gewesen sein, den es je auf deutschem Boden gegeben hat.
Wir sind also schon wieder am Ende der Diskussion angekommen; diesmal in der Variante “Honecker”.
Wir koennen jetzt drueber streiten, ab wann eine Ansammlung Baeume ein Wald ist und wie viele Aestchen einen Baum ausmachen – in dem angesprochenen Artikel geht es in der Tat nicht mehr um eine wie auch immer geartete Allianz, der Artikel IST die Allianz.
Ginge es nur um die zweite Haelfte des Voltaire-Zitat koennte man das in den entsprechenden Artikeln auch deutlich machen oder eine ausgewogenere Berichterstattung waehlen – wenn der Chefredakteur dreimal selber in die Buett steigt, muss geschlussfolgert werden, dass der erste Halbsatz nicht zutrifft.
(Selbstredend duerfen wir Katholiken unsere Angelegenheiten selber regeln, aber es entstehen auch Konsequenzen und Wirkungen nach aussen. Ich halte die Entscheidung des Vatikans inhaltlich fuer bedenklich, je mehr ich darueber erfahre.)
Nein Chris, der Feind meines Feindes ist nicht mein Freund.
Lefebre ist ein antiliberales Arschloch, ebenso wie die von Dir angesprochenen. IMHO.
Eine Marginalisierung der konservativen und der linken Parteien und ein dementsprechendes Erstarken liberaler alleine regierungsfähiger Partein ist erst einmal ganz wertfrei eine Aufgabe. Zugegeben eine schwierige Aufgabe.
Wie man diese Aufgabe meistern kann ist rationales Überlegen. Die Frage “Wie kann” führt zu Antworten und zu weiteren Fragen “Wie kann” usw. Das Ergebnis ist eine road map, die sich natürlich während des Wandels durch die Erfahrungen verfeinert.
Als geselliger Mensch sieht man sich dann um, mit wem man dieses Aufgabe bewältigen kann. In diesem Fall tragischerweise muss. Mögliche Kandidaten wären die Liberalen. Wer da keinen Schock erleidet, ist hart im Nehmen.
Um zu glauben, daß man diese Aufgabe mit den vorhandenen Liberalen bewältigen kann, muß man wahrscheinlich wirklich sturzbesoffen sein. Ich bin trotzdem nüchtern. Hilft ja nichts, man muß nehmen, was man findet. Bessere sind nicht vorhanden und es gibt ja auch einige Ausnahmen.
Alles beginnt wie immer damit das man die richtigen Fragen stellt. Die erste Frage wäre “Wie erreicht man es, daß konservative und linke Parteien bei Wahlen bedeutungslos werden”
Ist das utopisch? Nein, es dauert nur und erfordert harte Arbeit, wenn man alle Antworten und seine road map beisammen hat. Und natürlich Entschlossenheit und Zuversicht, das Ziel zu erreichen.
Gesellschaftliche Veränderungen in Richtung mehr Freiheit und weniger Staat wird es ausschliesslich dann geben, wenn parteiübergreifend ein Umdenken einsetzt, Libero. Dabei können und müssen Liberale eine hervorragende Rolle spielen.
Mit “Marginalisierung” gleich welcher Partei hat das eher weniger zu tun, IMHO.
Anders denken ist das richtige Stichwort. Der Wandel beginnt in den Köpfen, da hast du recht.
Mit Parteien hat das nicht viel zu tun, es dominiert das von Mensch zu Mensch. Zu Anfang dieses von Mensch zu Mensch ist politischen Denken nicht von Bedeutung. Das ist Jahre später “nur” das Ergebnis.
Behaupte ich das irgendwo?
War, wennschon (der Mann ist seit 17 Jahren tot). Ansonsten: kein Widerspruch von mir (über die Wortwahl mag man streiten). Und jetzt? Ausbuddeln und einsperren?
Irgendwo schon komisch, hätte ich gefordert dass man Ernst Zündel und Germar Rudolf freilässt (was mE richtig wäre, weil die nix verbrochen haben), hätte das hier wohl kaum jemanden aufgeregt. Aber (erzreaktionären) Katholiken darf man dasselbe Recht (der freien Meinungsäußerung) nicht zugestehen, ohne dass einem gleich unterstellt wird, sich deren Vorstellungen zueigen zu machen.
Ein böser Mensch könnte gar behaupten, es wäre neuerdings in Mode, sich einen Liberalismus der höchstpersönlichen Ausnahmen zusammenzubasteln. Einen für militante Nichtraucher, einen für militante Nichtkirchengänger usw. usf. – immerhin, den speziell für Ärzte und Apotheker gibt’s ja schon länger, also vielleicht doch nicht ganz so modern.
Gesellschaftliche Veränderungen in Richtung mehr Freiheit wird es dann geben, wenn ein Umdenken über den Beitrag von Parteien (bzw. Politik insgesamt) zum Status Quo stattfindet, und daraus die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden. Ist ja nicht so, als ob wir in den letzten Jahren von gelb-rot über gelb-schwarz, rot-grün, rot-schwarz, schwarz-grün und rot-rot nicht schon alles durchprobiert hätten, mit dem immergleichen Ergebnis: Mehr Staat, mehr Steuern, weniger Freiheit.
Lieber Chris, ich habe das durchaus nicht im sozialdemokratischen cducsuspdfdpgrünen-systemimmanenten Sinne gemeint. Habe da eher auf Hayeks Theorie evolutorischer Regelentwicklung angespielt. Der Marxist Gramsci hat ähnlich Interessantes auch in seinem Konzept der “kulturellen Hegemonie” ausgearbeitet. Eure Kooperationspartner bei IfS und JF haben das sehr gut begriffen und nutzen die Denkanregungen für ihre Neuauflage der “konservativen Revolution”.
Blogger Bischof Williamson
http://dinoscopus.blogspot.com/
Blog von Bischof Williamson: Was der Dinosaurier im Netz notiert http://www.ftd.de/politik/international/:Blog-von-Bischof-Williamson-Was-der-Dinosaurier-im-Netz-notiert/470434.html
Die wissen einfach nicht Bescheid…
Zuerst die Sache mit Herrn Williamson und jetzt auch noch Herr Vasella! Letzterer ist der oberste Chef der in Basel ansässigen Novartis und Katholik. Und weil er das ist, hätte er Woche für Woche einen Kommentar für Radio Vatikan …