Der Spiegel der Parallelgesellschaft
Daniel Drungels, 08.02.2009
Es heißt, Rapmusik sei ein Spiegel der Gesellschaft. Insbesondere Straßen- bzw. Gangsterrap reflektiere das Lebensgefühl der Jugendlichen aus der Unterschicht, aus den sozialen Brennpunkten. Auf die Kritik an den durchaus fragwürdigen Inhalten ihrer Texte reagieren die Künstler dann mit dem Hinweis darauf, dass sie lediglich das beschrieben, was ihnen tagtäglich begegne. Nur allzu gern präsentieren sich Rapper als Stimme der Entrechteten, als Anwälte der Armen, denn auch sie seien ein Produkt ihrer Umwelt. Sie liefern den Kids den Soundtrack für ein Leben als Opfer der gesellschaftlichen Umstände und sie verdienen Geld damit.
So auch der Kölner Rapper Eko Fresh, dessen 2006 erschienenes Album “Hart(z) IV” ein besonders anschauliches Beispiel dieser Ghettoromantik ist. Mittlerweile läuft es nicht mehr ganz so gut für den deutschsprachigen Rapper türkischer Abstammung, der sich einst als König von Deutschland selbst feierte – und je erfolgloser Eko ist, desto türkischer scheint er sich zu fühlen.
Sie erinnern sich an die Worte des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan auf dem World Economic Forum in Davos? Nein? Bitte sehr:
Wenn es ums Töten geht, mit dem Töten kennt ihr euch sehr gut aus.”
Der iranische Präsident Ahmadinedschad war begeistert, ob der Hasstiraden Erdogans. Aber nicht nur Ahmadinedschad, auch Eko Fresh und sein Protege´ Summer Cem klatschen Beifall:
Der “German Dream” applaudiert seinem Präsidenten. Seltsam, ich dachte, Horst Köhler sei der Präsident. Mein Fehler.
antibuerokratieteam.net





Super! Daniel ist ein publizistischer Volltreffer. Endlich mal ein wenig Kultur abseits des üblichen polit-philosophischen Einheitsbreis. Ich freue mich wirklich auf seine Beiträge.
Kannst ja ‘nen Disstrack über Eko schreiben, am besten feat. KKS. Das wär mal ein Stück politischer Kultur, das auch ansonsten weniger interessierte Gruppen erreichen könnte.
So weit kommt es noch…
[...] über gesellschaftliche Entwicklungen und politische Einstellungen erzählt, meint das Antibürokratieteam am Beispiel des Rappers Eko Fresh zu erkennen: Sobald ein Migrantenkind in Deutschland nicht mehr erfolgreich ist, verfällt es Hasstiraden [...]
Liebe Eva,
Eko Fresh ist nicht irgendein Migrantenkind, sondern ein Rapper und als solcher eine Person der (zumindest Szene-) Öffentlichkeit und er verfällt besagten Hasstiraden nicht, sondern saugt sie auf und spuckt sie wieder aus.
Nun gibt es drei Möglichkeiten dies zu erklären.
1. Erdogans Worte spiegeln Ekos persönliche Meinung wider und er hat diesen Song veröffentlicht, um uns daran teilhaben zu lassen, wie es die Zeile “Ich hab dieselbe Meinung, also leck mich mal” erahnen lässt.
2. Erdogans Worte spiegeln nicht Ekos persönliche Meinung wider aber er hat diesen Song veröffentlicht, weil er vermutet, dass sie die Stimmung seiner Hörerschaft treffen, was ihm ein bisschen Aufmerksamkeit bescheren würde. Die Zeile “Das ist für jeden, der die Rhymes auf dem Schulhof kickt” könnte so interpretiert werden.
3. Erdogans Worte spiegeln beides, Ekos persönliche Meinung und die Stimmung seiner Hörer, wider und er hat diesen Song veröffentlicht, um sich und seinen Hörern Gehör zu verschaffen. Die Zeile “Hört auf diese Raps. Ihr müsst aufstehen jetzt” könnte ein Indiz dafür sein.
Dreh es wie Du willst, Eva. Nur annehmen, das eine hätte mit dem anderen nichts zu tun und ein Rapper wie Eko Fresh veröffentlichte einen solchen Song im luftleeren Raum, kannst Du nicht.
Wenn ich das richtig im Kopf habe, ist Eko auch kein wirklich entschiedener Gegner der Grauen Wölfe. In seinem Umfeld scheint deren Symbolik öfters mal aufzutauchen.
“Migrantenkind” ist gut für jemanden, der in D geboren worden ist und in der nten Generation als “Migrant” hier lebt.
Genau das ist ja das Problem, wenn so einer den türkischen Präsidenten als den seinen bejault. Wer solche “Migrantenkinder” töfte findet, der muss sich nicht wundern, wenn es in D weiter den Bach runtergeht; u.a., weil er selbst das Problem ist.
Wenn es ums Töten geht, kennt sich die Türkei doch sehr gut aus. Völkermord an den Armeniern zum Beispiel. Oder die Folter und Tötung von Kurden welche auf einen eigenen Staat beharren.
Die “Ehrenmorde” zählen selbstverständlich nicht dazu- das sind staatlich sanktionierte Erziehungsmaßnahmen einzelner.
Der Beitrag thematisiert aber nicht den Völkermord an den Armeniern, Folter und Tötung von Kurden oder Ehrenmorde. Er wirft lediglich die Frage auf, ob man aus diesem Song Rückschlüsse auf Ekos Zielgruppe ziehen kann.
Das man daraus Rückschlüsse auf die Zielgruppe ziehen kann ist IMHO unbestreitbar. Nachdem ich mir jedoch Erdogans Müll nochmals durchlas, sah ich mich gezwungen auch auf diese Seite hinzuweisen.
Okay, dann hatte das falsch verstanden. Nichts für ungut.
Erdogans Müll? Als einziger, der sich getraut hat Wahrheiten auszusprechen, ist Erdogan bitte zu respektieren.
Und als einziger, der den Mut hat auch noch einen Track darüber zu machen ist bitte Eko Fresh ebenfalls zu respektieren.
“Mein Präsident” ist Erdogan gemeint und nicht Horst Köhler, da Türkische Mitbürger sich dem Präsidenten ihres Heimatortes angezogener fühlen.
Ich bitte um etwas mehr Verständnis und Hintergrundwissen, bevor sie so einen Artikel posten.
Danke
Erstens habe ich Erdogans Äußerungen gar nicht kommentiert, auch wenn ich sie sehr zweifelhaft (um es freundlich zu formulieren) finde.
Zweitens liegt es mir fern, Eko Fresh das Recht abzusprechen, einen solchen Song zu machen. Genauso habe ich aber auch das Recht ihn dafür zu kritisieren.
Danke für den Hinweis. Eko Fresh ist in M’Gladbach geboren und aufgewachsen.
Klären Sie mich doch bitte auf. Wofür soll ich Verständnis zeigen? Für die Hasstiraden Erdogans oder dafür, dass Eko Fresh ihm applaudiert?
Der wollte nur Respekt einfordern. Sacharbeit und Argumente wie bei uns normalerweise üblich kannst Du m.E. nicht erwarten.
Aber lustig ist, dass wenn ein respektloses Verhalten wie das Erdogans oder von diesem Eko Fresh kritisiert wird, diese Kritik ausgerechnet wiederum mit der Forderung nach Respekt beantwortet wird.
Ich bin mit Der Stimme aus dem Off einer Meinung. Mh. :)
Allerdings: anerkennen muss man, dass Eko Fresh von dem “großartigen Land” rappt, in dem er “prominent werden” konnte. Und Merkel loswerden will. Das ist schon ok. ;)