HRE: Die Deutsche Sub-Prime Krise?
dagny t., 08.02.2009
Eine Diskussion über die Ursache der Finanzkrise mit Freunden hat folgende Anekdote in meine Erinnerung zurückgespult:
Mitte der 90er Jahre erzählte die (Chef-)Sekretärin eines mittelständischen Unternehmens stolz, sie haben eine Immobilie im Osten erworben, welche zu 100% finanziert wäre.
Damals hielten wir die Behauptung der 100%-Finanzierung für eine Schutzbehauptung, mit der die Dame ihre Vermögensverhältnisse den Arbeitskollegen gegenüber im Unklaren lassen konnte.
Heute sehe ich das anders. Die HypoRealEstate wurde wohl als Bad Bank konzipiert, um die Altlasten der Kohlschen Sonderabschreibungen Ost zu übernehmen und später wurde die HRE noch so weit aufgeblasen, dass sie “systemrelevant” wurde.
Die Eskapaden der HypoVereinsbank in den 90er Jahren – Finanzierung völlig überteuerter Ost-Immobilien für nicht ausreichend solvente “Anleger” – zahlt nun der Steuerzahler und keiner merkt es …
Die Quellenlage ist etwas dünn. Obiges Zitat ist von hier.
Manager-Magazin zum Börsengang der HRE
Ein Bericht in der SZ von 2005 über die Fusion der Hypo und Vereinsbank in den späten 90ern.
Alles Spekulation? Oder ist ein Teil der Krise hausgemacht und nicht aus den USA importiert?
antibuerokratieteam.net





Üblicherweise wurde nicht nur der Kaufpreis zu hundert Prozent, sondern der Gesamtaufwand zu 100% finanziert. Der Gesamtaufwand ist Kaufpreis plus weiche Kosten (Darlehensvermittlung, Mietgarantie, etc.). Der Anteil des Kaufpreises am Gesamtaufwand lag bei 75 %. Im Kaufpreis war meist eine sog. Innenprovision versteckt, d.h. aus dem Kaufpreis flossen weitere ca. 18 % des Gesamtaufwands (!) versteckt für den Anleger an den Vertrieb. Der Vorwurf der durch Schrottimmobilien geschädigten Anleger geht dahin, dass die handelnden Banken (neben der damaligen Bay. Hyp. insb. die Deutsche Bank) von der Innenprovision wussten. Vertrieben wurden diese Immobilien per Prospekt im Strukturvertrieb als “bankgeprüfte” Altersvorsorge. Die Rechtsprechung hat sich hier i. Ü. wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert.
Und solch ein Institut darf unter keinen Umständen in die Insolvenz gehen, denn sonst käme die ganz Sch** der vergangenen Jahrzehnte ans Tageslicht. Lieber eine “Verstaatlichung” mitsamt Enteignung der Aktionäre und Schutz der Gläubiger. Man sieht einmal mehr: zu viel Staatsnähe schadet einfach jeder Bank!
Was hätte das Wissen der Bank um die Vermittlungsvergütung geändert? Oder ein Versuch die “Gier” aufs Schnelle Geld im Osten zu vertuschen ;) ?
Imho haben einige Prominente und tausende normale Anleger Geld verloren, da sie von marktverzerrenden politischen Entscheidungen zu investitionen im Osten ermuntert wurden.
Hat damals eigentlich die BILD erklärt, wie das Geschäft mit den Ostimmobilien geht? Ist üblicherweise der beste Kontraindikator für eine Dienstmädchen-Hausse.
Es ist, zumindest für mich, unklar, in welcher Höhe, wann und bei wem die Schrottimmos abgeschrieben worden sind. Es kann sein, dass sie bei der HVB verblieben sind, es kann sein, dass die Kredite an Lone Star verkauft worden sind, es kann sein, dass sie bei der Abspaltung auf die HRE verlagert worden sind. An anderer Stelle habe ich dazu geschrieben:
Hier und hier.
Die Deutsche Bank gesteht mittlerweile zu, von der Innenprovision gewusst zu haben. Die Höhe kannte sie aber angeblich nicht. Den Anlegern gegenüber wurde lediglich eine Vermittlerprovision in Höhe von 3 % auf den Gesamtaufwand plus MwSt. offen gelegt. Es wurde der Eindruck vermittelt, dies sei die einzige Vertriebsprovision. Wenn die Banken die Innenprovision kannten und wussten, dass diese den Anlegern gegenüber verheimlicht wird, so ist der Weg zum Betrug bzw. der Mittäterschaft an diesem nicht fern.
So ganz verstehe ich es immer noch nicht: Der Anleger muss einen Kredit über 100 000 Mark aufnehmen, diesen mit dem Objekt und ggf. weiteren privaten Verpflichtungen absichern. Der Notarvertrag über die Immobilie enthält einen Kaufpreis von 75 000 Mark und Du meinst, der Anleger konnte nicht ausrechnen, dass da eine Differenz von 25 000 Mark entsteht?
Auch wenn die Banken oder Anlageberater für die Ostimmobilien Werbung gemacht haben – kleinen Kindern erklärt man mitunter, dass jede Werbung erstmal lügt. Aber so wie die Überaschungseier, vor der Supermarktkasse aufgestellt, das Kundenbedürfnis wecken, scheint mancher ähnlich blind beim Hauskauf / Immobilienkauf einfach zuzulangen?
Es geht so:
Dem Anleger wird eine “Kapitalanlage” vermittelt. Er nimmt einen Kredit über DM103.000 auf. 100.000 entfallen auf den Gesamtaufwand. 3000 sind Vertriebsprovision (Außenprovision). Dafür erhält er eine Immobilie vom Bauträger zum Kaufpreis von 75.000. Weitere 25.000 sind für Steuerberatung, Notar, Mietgarantie, FInanzierungsvermittlung, Zinsgarantie etc. Das ist, was dem Anleger im Prospekt mitgeteilt wird.
Jedoch: Aus dem Kaufpreis fließt eine weitere Provision, die versteckte Innenprovision, an den Vertrieb, wovon zwar mglw. die Bank, nicht aber der Anleger weiß. Anstatt dass der gesamte Kaufpreis auf den Konten des Bauträgers landet, werden gute 18 % des Gesamtaufwands an den Vertrieb überwiesen. Das sind 18.000. Der Anleger weiß also nicht, dass er in Wahrheit die Immobilie nicht mit 75.000, sondern 58.000 bezahlt.
M.a.W.: Der Anleger bezahlt 103.000 und erhält eine Immobilie zum Kaufpreis von 58.000.
In Wirklichkeit ist es noch ein wenig komplizierter, u.a. wegen eines üblichen Eigenkapitaleinsatzes, der rechtlichen Konstruktion über einen angeblichen Treuhänder und dem Umstand, dass auch die Kaufpreise bereits damals häufig nicht dem Verkehrswert entsprochen haben. Es handelt sich eben nicht nur um Schrottfinanzierungen, sondern Schrottimmobilien. Das Internet ist voll von Berichten geschädigter “Anleger”.
Alles richtig.
Es war einmal… Ein einsamer Beamter trifft in der Karibik zufällig einen Typen, der ihn einlädt für ihn zu arbeiten. Dieser Typ weiß nicht, mit wem er es zu tun hat.
Der Ermittler wird nach Berlin eingeladen, um an einem “Vortrag” in einem Nobelhotel nur einen Katzensprung vom Kaufhaus “Lafayette” teilzunehmen. Der Ermittler lässt sich darauf ein.
Nach dem Vortrag im Hotel werden beim Bier mögliche Vorgehensweisen beratschlagt möglichst hohe Umsätze zu machen.
Zwei Tage später geht die Reise nach Plauen. In Plauen weden ganze Busladungen von “Investoren” herumkutschiert, denen über Mikrofon wie bei einer Kaffeefahrt Immobilien aufgeschwatzt werden. Die Leute lassen sich die Immobilien zum “Spottpreis” mit der Erklärung andrehen, es gäbe sie angeblich über Steuervergünstigungen und Mietgarantien umsonst. Das Hirn ist bei diesen “Investoren” – sofern überaupt vorhanden – komplett ausgeschaltet.
Danach geht die Fahrt weiter nach Bamberg. In der Nähe von Bamberg hat ein Boss eine Art Landsitz mit Restaurant und eine ganze Kartbahn gemietet. Nach einem üppigen Mahl verlassen die Verkäufer in Porsche 911 und die “Investoren” in Bussen das Restaurant in Richtung Kartbahn. Dort warten halbnackte junge Damen, die für die weitere Belustigung der “Investoren” zuständig sind. Für das Ausfüllen von Fragebögen werden den Leuten Urlaubsreisen in die Karibik versprochen, diese werden teilweise auch geleistet.
Wieder zurück in seiner Dienststelle nimmt der Ermittler Kontakt mit einer Fachdienststelle auf und bittet um Überprüfung. Die Antwort ist barsch und abweisend: Das alles sei völlig legal und nicht zu beanstanden. Der Ermittler habe wohl zu viel gearbeitet und würde Gespenster sehen. Von seinen Vorgesetzten erhält der Ermittler eine Rüge, er solle sich besser auf seinen Bereich konzentrieren und beschränken, sonst käme man vielleicht noch auf die Idee, dass die eigene Dienststelle nicht genug zu tun hätte.
Warum allerdings die Typen aus diesem Netz sich in die Karibik aufmachten und dort mit für Geldwäsche typischen Verhaltensweisen agierten, kann und will niemand erklären. Das ist legal, damit basta.
Der Ermittler fragt sich, wer eigentlich John Galt sei.
Ein paar Monate später erzählen Vorgesetzte dem Ermittler stolz, dass sie sich jetzt Immobillien gekauft hätten, die sich angeblich von alleine bezahlen würden.
Im Grunde müsse man die erteilte Rüge wieder streichen, weil man ohne die Eigenmächtigkeit des Ermittlers nie auf diese fabelhafte Idee gekommen wäre eine Immobilie quasi umsonst zu bekommen.
Der Ermittler glaubt wieder an die Gerechtigkeit und tut wie ihm befohlen.
>Alles richtig.
Nicht ganz. Ich habe mich verrechnet, es sind 57.000 :-)
> Es war einmal…
Alle Fälle, die ich kenne, sind solche, in denen die Anleger das Objekt nie gesehen haben, weil bewusst im Norden Immobilien aus dem Westen und im Süden Immobilien aus dem Norden feil geboten wurden.
Die ganze Schrottimmo-Oper ist eine des Staatsversagens. Erstens die ständigen Änderungen des Steuerrechts, die aus Bauherrenmodellen für Zahnärzte die Erwerbemodelle für Wenigverdiener gemacht haben, zweitens die Idiotie und Wirkungslosigkeit des Verbraucherschutzes (HTWG, VerbrKrG), drittens die Illusion unabhängiger Notare, viertens die mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit der Rechtsprechung, in diesen juristisch hochkomplizierten Fällen Gerechtigkeit walten zu lassen, fünftens die Untauglichkeit des deutschen Beweisrechts.
Beim ökonomisch ungebildeten Staazschulabgänger, der politisch zur eigenverantwortlichen Altersvorsorge gedrängt wird, ist die geringste Schuld zu suchen.
Faule Kredite sind nicht das Problem der HRE. Vielmehr ist es die Refinanzierung, also das Folgeproblem der Finanzkrise.
Faule Kredite haben Auswirkungen auf das Pfandbriefgeschäft der HRE – und daher auf die Refinanzierung. Ich habe dazu am Samstag bei ef-magazin.de geschrieben und auch hier verlinkt, nur leider ist dieser Kommentar im Datennirvana verschwunden. Vielleicht findet ihn ja im Filter.
Ich fand ihn im Filter :)
Der eifrei-Artikel ist gut. Vielen Dank dafür.
(Andererseits wundere ich mich nach wie vor, warum jemand eine Immobilie kauft, die er nicht angeschaut hat? Kann man sicher machen, aber doch nicht wenn man so hohe Schulden dafür aufnehmen muss?)
Dankeschön, Du Mann mit den coolen Initialen.
Wie beim Arzt und Patient ist das Wissensgefälle zwischen Anlageberater und Anleger groß. Deshalb läßt man sich beraten. Dazu schließt man einen Beratungsvertrag. Verletzt man dessen Pflichten oder täuscht den anderen Teil, so haftet man.
Ups, schon wieder eine Matheschwäche von mir. Das kommt davon, wenn man zu leichtgläubig ist. ;-)
In Plauen war das damals anders, es wurde nämlich halb Plauen verkauft. Die Leute wurde damals durch einige wenige sanierte Villen geführt, in denen drei oder vier Eigentumwohnungen leerstanden und angeblich nur auf den Einzug der Mieter warteten.
Plauen ist in der Schrott-Immo-Szene ein Begriff.
Der Regelfall war aber sicher ein anderer: Im Normalfall wurde das Opfer zunächst in seiner Wonung besucht und dann in das Unternehmensbüro eingeladen, um die damals hochkommenden Haustürwiderrufsregelungen gleich schon im Ansatz abzuwürgen.
Wo man die Verantwortung suchen will ist immer so eine Sache. Ich finde es zu billig immer alles auf Staatsversagen zu schieben, das Individuum war hier schon in der Verantwortung mal sein Hirn einzuschalten. Bei diesen Typen damals konnte man förmlich riechen, dass etwas an der Sache stinkt.
Die Gier aber war stärker. Man konnte schließlich “Steuern sparen” und da wurde auch der absurdesten Rechnung gefolgt. Auf ein blindes Vertrauen wie ich es oben an den Tag gelegt habe, können sie sich nicht berufen. ;-)
Trotzdem hätte die Finanzaufsicht damals reagieren müssen. Es wussten eine Menge Leute darüber bescheid, was vor sich ging. Aber so erging es mir schon öfter. Was in Deutschland fehlt ist eine zentrale Dienststelle zur Informationsauswertung. Soetwas gibt es bei den englischen Polizeien in Form der “Intelligence Units”. Da sitzen Leute, die Erkenntnisse aller Art entgegennehmen, weiterleiten und auf Einschätzungen von Experten warten. Die machen nichts anderes, als sicherzustellen, dass die erlangten Informationen auch tatsächlich von irgendjemanden bewertet werden und es eben nicht zu den von mir oben geschilderten bürokratischen Reflexen kommt.
nein, es braucht keine zentrale, staatliche Instanz.
Verbraucherschutzvereine, Interessensverbaende, vielleicht auch ein Besuch bei einem ortsansaessigen Makler oder einem Architekten koennen weiterhelfen. Wenn es um ‘Steuern sparen’ geht, hilft der Steuerberater.
All die Personen haben zwar sicher auch eigene Interessen, aber es ist doch eher unwahrscheinlich, dass man von keinem aus diesen Personenkreis eine warnenden Auskunft oder Hinweise auf moegliche Risiken bekommt.
(Internet gabs damals ja noch nicht in dem Umfang von heute)
Du schreibst über etwas völlig anderes als ich es tat.
Ich meine nicht eine zentrale Behörde für Bürger, sondern zentrale Dienststellen für Beamte. Solche Dienststellen gibt es zur Zeit noch nicht.
Achso. Auch das sehe ich skeptisch – wichtiger waere aber, nicht einen Beamten ueber die zulaessigkeit einer Massnahme auf dem (Grauen) Kapitalmarkt entscheiden zu lassen, sondern auf dem Markt ein grosses Angebot an verschiedenen Beratungsstellen auch fuer den kleinen Mann zu haben – Wobei diese Beratung nicht durch einen Sachbearbeiter sondern durch einen Unternehmer erfolgen sollte -
Es soll auch kein Beamter über die Zulässigkeit entscheiden, sondern lediglich sicherstellen, dass Hinweisen auf strafbare Handlungen nachgegangen wird und sie nicht aus unsachlichen und selbstsüchtigen Gründen von Bürokraten im Aktennirvana verschwinden.