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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Deutscher Duck Test

dagny t., 09.02.2009

Spricht Deutsch. Lebt in Deutschland. Spielt für den DFB. Ist Deutscher:

Wer in dritter Generation in Deutschland lebt, einen deuschen Pass hat und des Kaisers Rock des DFBs Triko trägt, ist wohl Deutscher.

Auch wenn das im Herkunftsland der Grosseltern ungern gesehen wird. (Via BILD, die echte)



33 Kommentare zu “Deutscher Duck Test”

  1. Christian S.

    Zuviel eifrei gelesen? Peinlicher Artikel.

  2. Heizpilz

    Integration ist immer auch ein wenig peinlich.

  3. jo@chim

    Christian, mit Verlaub, ich denke Du hast überhaupt noch kein ef gelesen – man kann denen sicher Manches vorwerfen, aber nicht dass sie das kulturalistische pi-Geblubber mitmachen.

    Und wenn ich Dagny recht verstehe, mokiert sie sich gerade über (in diesem Falle türkischen) Nationalismus als Integrationshindernis.

    Also: where’s the problem?

  4. Christian S.

    Bei ef gebe ich Dir recht: habe ich wirklich noch nicht viel gelesen. Ich fand die Beispiele hier immer recht abschreckend.

    Zu dem Artikel: mir missfällt die Aufzählung “Wer ist dritter Generation in Deutschland lebt, einen deuschen Pass hat und des Kaisers Rock des DFBs Triko trägt” – denn es ist doch viel einfacher: wer einen deutschen Pass hat, ist Deutscher. Die einfachste Sache der Welt.

    Warum man wegen Gästebuch-Schmierereien dann so ein Fass aufmachen muss, verstehe ich nicht. Was bei der BILD-Lektüre hängen bleibt, ist doch: “Die Türken mögen Deutschland nicht, die Deppen!” Typisches BILD-Niveau, klar – aber das muss doch nicht hier rezipiert werden.

  5. Heizpilz

    Schwer zu sagen, was mit Leuten ist, die mehrere Pässe haben. Das ist ein ernstes Thema, da Rechte und Pflichten sehr ungleich verteilt werden können und im Vergleich zu Einpassnutzern ernsthafte Ungleichheiten entstehen können.
    Letztlich reibst Du Dich am Konzept des Einstaatenzugehörigkeit, gell.
    Bzgl. Integrationsfragen kann man natürlich anderer Meinung sein, Parallelgesellschaften bspw. sind m.E. grundsätzlich unproblematisch, es sollten aber keine Gegengesellschaften sein. In diesem speziellen Fall stösst der Druck übel auf, der aus der Türkei heraus auf den “Deutschen” ausgeübt wird, das scheint mir der Hauptkritikpunkt zu sein: Gegengesellschaft.

  6. NUB

    @Christian S.

    Also mit Verlaub, die Variante “Hat deutschen Pass, möchte aber gar kein Deutscher sein” musst Du wohl auch noch wahrnehmen können, so viel Realitätssinn sollte sein.

  7. Dagny

    Was ist an “XY mit deutschem Pass” so schwer zu verstehen / akzeptieren? Als ob das Stück Pappe mit dem Bundesadler drauf jemandem zum integrierten Deutschen macht – ganz im Gegensatz zu “in dritter Generation hier” und “DFB-Triko”, welches gewiss nicht als ausschliessende Liste geschrieben ist. Aber das ist ja auch nur ein pragmatischer Duck-Test und keine Soziologiehausarbeit.

  8. Christian S.

    Natürlich gibt es diese Varianten auch, aber der Regelfall ist es meiner Meinung nach nicht. Ich kenne einige Türken, die lange warten bzw. gewartet haben mit dem Schritt, die deutsche Staatsbürgerschaft anzustreben. Ich habe keine Statistik, denke aber, dass das oft der Fall ist.

  9. Christian S.

    Du schreibst aber nicht von “integriertem Deutschen”, sondern einfach nur von “Deutschen”. Und um “Deutscher” zu sein, dafür reicht nun einmal ein deutscher Pass. Dafür braucht man keinen deutschen Schäferhund im Stammbaum.

    Überhaupt stellt sich hier auch die Frage, wann man ein “integrierter Deutscher” ist. Muss man dafür regelmäßig in die Eckkneipe gehen oder reicht es schon, BILD-Zeitung zu lesen?

  10. Dagny

    Kommt immer aufs Milleau an.

  11. fpk

    @Christian S.

    “Überhaupt stellt sich hier auch die Frage, wann man ein “integrierter Deutscher” ist.”

    Fang doch ganz simpel mal mit den Deutschkenntnissen an (und ja, ich weiß, die Bayern …).
    Die türkische Nationalmannschaft ist, finde ich, symptomatisch für die Integrationsfreudigkeit der trükischen Einwanderer. Da wunder sich noch einer, dass das die am schlechtesten integrierte Gruppe ist.
    Wie das von türkischen Medien und dem türkischen Staat begleitet wird ist nicht wirklich hilfreich, sondern unterminiert die Sache gewaltig. Erinnert mich immer ein wenig an die Auswandererdebatte im Deutschland des 19. Jh.. Da konnte man sich auch nicht damit abfinden, dass die Leute weg waren. Einmal Deutscher immer Deutscher. Die ssogenannten Aussiedler sind ein Nachhall dieser Mentalität.
    Und ganz nebenbei: Doppelte Staatbürgerschaft fänd ich toll. Ich seh darin kein Integrationshinderniss, sondern im Gegensatz eher ein Integrationsangebot. Außerdem passt sie doch etwas besser in unsere globaslisierte Welt.
    Ein Hoch auf die nationale Promiskuität!

  12. FAB.

    Simple Kategorienvermischung. Deutscher i.S.
    a) der Staatsangehörigkeit
    b) der Volkszugehörigkeit (Nationalität)
    ist eben nicht dasselbe. Wobei es auf die Frage, inwieweit das eine mit dem anderen deckungsgleich sein sollte, natürlich verschiedene Antworten gibt.
    Allzu weit sollte m.E. von einer weitgehenden Deckungsgleichheit nicht abgewichen werden, denn ansonsten läßt bekanntlich bereits ein Blick in ein beliebiges Geschichtsbuch die gewisse Wahrscheinlichkeit zukünftiger unerfreulicher bis blutiger Auseinandersetzungen erkennen – verzichtbar.

  13. Heizpilz

    Aber dass da irgendwas nicht stimmt, wenn hier aus der Türkei oder von deutschen Mitbürgern (türkischer Herkunft) oder von türkischen Mitbürgern gemobbt wird ist schon klar, gell.
    Dann stellt sich nur noch die Frage, ob die Thematisierung dieses anscheinend rassistisch motivierten Vorfalls hier angebracht ist oder nicht.
    Könnte ja doch ein Regelfall oder ein häufig vorkommender Einzelfall sein, könnte ja doch irgendwie thementauglich sein.

  14. Christian S.

    Ich finde die Idee einer doppelten Staatsbürgerschaft auch gut. Bin dahingehend Deiner Meinung.

    Und ja, Deutschkenntnisse sind unabdingbar. Gar keine Frage. Es muss das Ziel sein, dass Kinder, die in die Grundschule kommen, Deutsch beherrschen, damit sie sich verständigen können.

    Meiner Meinung nach ist dieses Ziel erreichbar über eine Kindergarten- und vielleicht sogar eine Kinderkrippenpflicht. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Sprache erlernt wird.

  15. dagny t.

    Deutschkenntnisse werden nicht mit einer Kindergarten, Krippen oder Praenatalsprachkurspflicht erzwungen, sondern durch den Markt bzw. das Interesse der Eltern an wirtschaftlichem Aufstieg – sofern der Staat diesen nicht verhindert.

  16. Christian S.

    Und wenn die Eltern kein Interesse an wirtschaftlichem Aufstieg haben, dann haben die Kinder eben Pech gehabt?

  17. dagny t.

    Wenn Du hochbegabt fuer Fussball waerst und Deine Eltern daran nie interesse hatten, was machst du dann?

    (Kann mir nicht so recht vorstellen, dass Eltern nie Interesse an wirtschaftlichem Aufstieg haben. Allein die allgegenwaertige Werbung macht diesen doch schmackhaft. Oder wurde der “Konsumterror’ mit der Krippenpflicht auch abgeschafft?)

  18. Christian S.

    Das ist schön für Dich, dass Du anscheinend im rosaroten Wolkenkuckucksheim lebst, wo alle vorankommen wollen, Fakt ist aber: viele Eltern unterstützen ihre Kinder nicht ausreichend.

    Sprache erlernt man am leichtesten im Kindesalter, und da haben momentan nun einmal einzig und allein die Eltern etwas zu melden. Wenn diese ihre Kinder lieber daheim erziehen und mit ihnen nur türkisch/russisch/etc. sprechen, dann sind die Chancen des Kindes bedeutend schlecher, als wenn es einen Kindergarten besucht, wo es die Möglichkeit hat, mit anderen gemeinsam eine neue Sprache zu erlernen.

  19. dagny t.

    Bleib doch mal bei einem Szenario: Entweder der Kritik am Ist-Zustand oder der Kritik an meinem Loesungsvorschlag, aber zwischen beiden Dingen hin und her springen gilt nicht.

  20. Christian S.

    Wo genau steht denn Dein Lösungsvorschlag?

  21. Rayson

    Interessant ist ja, dass einige der am besten integrierten Einwanderer gar keine doppelte Staatsbürgerschaft zu brauchen scheinen.

    Vielleicht sollte man zuerst doch an etwas anderem ansetzen?

  22. jo@chim

    und da haben momentan nun einmal einzig und allein die Eltern

    Ach Christian, wir sind uns ja einig darin, dass das Kindeswohl hoch anzusetzen ist – aber in Nebensätzen wie diesem klingt wieder allzusehr das Bedauern des Politikers in spe über lästige Grundgesetzregelungen wie dem Schutz der Familie (es heisst eben nicht: Schutz des Staatseinflusses auf die Familie) durch.

    Dass wir hier viele Migranten haben, die nicht gekommen sind, um aufzusteigen (und ihren Kindern auch die entsprechenden Werte mitgeben), sondern um an unserem Sozialsystem… äh… ich sage mal: teilzuhaben (und ihren Kindern ebenfalls die entsprechenden Werte mitgeben) ist zwar ein ganz anderer Bahnhof – man sollte das aber im Auge behalten, wenn man beginnt, im angeblichen Interesse der Kinder Hand an die Rechte der Eltern zu legen.

  23. Libero

    Kann mir nicht so recht vorstellen, dass Eltern nie Interesse an wirtschaftlichem Aufstieg haben.
    Das glaube ich dir aufs Wort. Es zeigt, welche Arbeits- und Lebensbereiche du noch nicht kennengelernt hast.
    Selbst wenn sie Interesse haben, wissen sie häufig nicht, was sie persönlich tun können.
    Oder sie sind es gewohnt, der Autorität im Sinne von Autoritär des Lehrers zu gehorchen. Solche Lehrer hatte ich auch noch kennengelernt, die Backpfeifen verteilten und dich blutig schlugen. Wenn auch nur die Nase, aber das reicht doch, oder? Das merkwürdige in der Rücksicht ist, das keiner meiner Mitschüler das als sonderlich tragisch empfand. Die kannten das von ihren Eltern ja auch. Nur meine Eltern haben die Herren zum Tänzchen gebeten.

  24. Shin

    National- und Territorialstaaten sind ein irreführendes Konzept. Man ist Bürger des Staates, an den man Steuern zahlt. Punkt. Die Kulturzugehörigkeit ist etwas gänzlich anderes und kann nicht nach diesem einfachen schwarz-weiß-Muster bestimmt werden.

  25. Dagny

    Steuern sind Diebstahl. Auch Punkt.

  26. Shin

    Das schließt sich ja nicht aus, aber damit wäre diese ganze Diskussion obsolet ;-) Denn ohne Steuern kein Staat.
    Wenn Staaten aber nicht territorial wären und man sich seinen Staat ohne Wechsel des Wohnortes und andere Schwierigkeiten aussuchen könnte, sähe es anders aus.

  27. dagny t.

    Historisch gesehen ist ein Pass doch sowas wie ein Versicherungsschein? Die Bestaetigung des Landesherren, dass es sich um einen untadeligen Buerger seines Gerichtsstandes handelt – zugespitzt formuliert. Mit Steuern hat das erstmal nichts zu tun.

  28. Christian S.

    Erstmal: ich bin kein Politiker in spe. Ich bin rein ehrenamtlich tätig, das wird sich auch nicht so schnell ändern, falls es sich überhaupt jemals ändert.

    Weiter: wir sind uns anscheinend einig, dass es genug Eltern gibt, die an wirtschaftlichem Aufstieg ihrer Kinder kein Interesse haben bzw. die nicht verstehen, dass dieser Aufstieg normalerweise nur über Bildung passieren kann.

    Die alte Arbeiterklasse war sich dessen bewusst und gründete Arbeiterbildungsvereine: natürlich nicht nur, um den eigenen Arbeitswert in der Arbeitswelt zu steigern, sondern auch, um allgemein mehr Bildung zu erfahren. Bildung wurde als hohes Gut angesehen, insbesondere in den unteren Schichten.

    Dies ist heute anders: nicht nur Migrantenfamilien, auch deutsche Familien haben sich vom Gedanken an Aufstieg verabschiedet. Ein Flachbildfernseher ist mittlerweile für jeden erschwinglich, ebenso eine Nintendo Wii. Dazu noch das Dschungelcamp, und wir haben Brot und Spiele der Moderne.

    Sprache ist hierbei ein Riesenhindernis: wer sich nicht artikulieren kann, hat keine Chance. Ich kenne durch ehrenamtliche Arbeit Jugendliche, die im Alter von 12-14 einen einfachen Text nur mit viel Mühe lesen können – keine Migranten, sondern schlicht und ergreifend Haupt- und Realschüler.

    Um dies zu vermeiden, braucht man so früh wie möglich umfassende Sprachförderung. Das geht am einfachsten im Kindergarten, wo Kinder gemeinsam mit anderen spielen, lernen und sprechen können.

    In einer perfekten Welt würden Eltern alles dafür tun, dass ihre Kinder vorankommen und wir bräuchten keine staatliche Bevormundung. Wir leben aber nicht in einer perfekten Welt und müssen deshalb etwas tun, wenn wir diesen Missstand korrigieren wollen.

  29. Heizpilz

    Der “Versicherungsschein” beinhaltete immer Rechte und Pflichten, ein wenig mehr als von einer Versicherung zu erwarten wäre.
    Steuern haben was mit dem offiziellen Wohnort zu tun, das ist ein anderes Thema, mit “Steuern=Diebstahl” wird man hier aber nicht glücklich, wenn man erörtern möchte.
    Shin liegt natürlich auch völlig daneben.

  30. jo@chim

    nicht nur Migrantenfamilien, auch deutsche Familien haben sich vom Gedanken an Aufstieg verabschiedet.

    Schon mal überlegt, ob nicht eben der allumfassende Wohlfahrtsstaat am Niedergang des Leistungs- und Aufstiegswillens weiter Kreise der Bevölkerung Schuld sein könnte?

    In einer Welt, in der staatliche Absicherung nur noch für nicht selbst versicherbare Lebensrisiken gewährt würde, würden Eltern alles dafür tun, dass ihre Kinder vorankommen und wir hätten keine staatliche Bevormundung.

    Perfekt wäre diese Welt nicht, aber sie böte eine Perspektive jenseits des früher oder später kommenden Zusammenbruchs des Pyramidenspiels “Staatsverschuldung”…

  31. Libero

    In einer Welt, in der staatliche Absicherung nur noch für nicht selbst versicherbare Lebensrisiken gewährt würde, würden Eltern alles dafür tun, dass ihre Kinder vorankommen und wir hätten keine staatliche Bevormundung.

    Aus einer solchen Welt ist Europa entstanden. Es gibt solche und solche Eltern und die, denen das Fortkommen ihrer Kinder völlig gleichgültig ist, gibt es mit und ohne Wohlfahrtsstaat. Sie sind leider gar nicht so selten. Richtig ist, das der Wohlfahrtsstaat für das Fortkommen der Kinder solcher Eltern wenig vermag.

    Da gebe ich dir vollkommen recht. Aber das hast du leider nicht gemeint!

  32. Subjektivitaeten

    Integration, Sprache, Einwanderung, Bildung…

    Bei den Antibürokraten geht es gerade um die deutsche Staatsbürgerschaft, um Sprache, um Einwanderung und dergleichen. Ich diskutiere dort fleißig mit, möchte mein eigenes Blog aber nicht vergessen: ……

  33. antibuerokratieteam.net » Avantgarde A-Team

    [...] auf ca. 140 Zeichen. Idealerweise tagesaktuell. Dagny’s Tags sind schnell hingeworfene Geistesblitze und Assoziationen beim Lesen des Blaetter-, pardon beim Lesen des digitalen Hintergrundrausschens. Die [...]

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