Stauffenberg Junior
dagny t., 12.02.2009
Der Scrutograph weist in einem Beitrag über den neuen Wirtschaftsminister v. Guttenberg auf dessen (etwas konstruierte) Verbindung zu Graf Stauffenberg hin.
Graf Stauffenberg jun. zieht derzeit, wie der Fokus berichtet, gegen den Vertrag von Lissabon zu Felde.
Das Interview mit dem selbstbewussten, ehemaligen CSU-Europaabgeordneten ist unbedingt lesenswert. Etwa wenn v. Stauffenberg erklärt
Nein. Mein Vater hätte von seinen Kindern erwartet, dass sie keine Berufshinterbliebenen werden und keine Gralshüter, sondern selbst ihren Mann oder Frau stehen. Ich bin nicht aus andächtiger Verehrung meines Vaters in die Politik gegangen, sondern wegen der Irrwege meiner Altersgenossen aus 1968.
oder
Das [Lafontaine und DIE LINKE, Anm. d. Verf] sind Profiteure einer rein ethisch-politischen Dekadenz in unserer Gesellschaft, aber keine Mitstreiter für mich. Die wollen siegen. Ich will Recht und Demokratie.
Recht und Demokratie statt Supranationaler Bürokratie! Zum Lissabon-Verfahren in der FAZ.
antibuerokratieteam.net





Dieses Verfahren erinnert mich in zweierlei Hinsicht an den 20. Juli 1944:
Erstens bildet sich eine “Querfront” von Konservativen bis hin zur Linkssozialdemokratie,
zweites geht das Ringen auch gegen das absehbare Erlöschen der nationalen Souveränität Deutschlands.
Das “Erlöschen der nationalen Souveränität” würde mir ja kalt am Allerwertesten vorbeigehen, ehrlich gesagt.
Problem ist, dass es nicht mit einer Rückgabe von Verantwortung und Entscheidungsfreiheit an die Objekte jener Souveränität einhergeht, sondern im Gegenteil mit einer Machtübergabe an den noch viel fetteren (EU-)Leviathan.
In einer Situation, in der der Verlust der nationalen Souveränität nicht zu Lasten der Bürger gehen würde, würde ich Dir sogar Recht geben.
Leider ist zu befürchten, dass ein zunehmender Verlust der nationalen Souveränität eher auch zu einem allgemeinen Verlust der Freiheit der Bürger einhergeht.
Das überkommene Modell “Staat” ist leider in anderen Regionen Europas und der Welt noch sehr viel angesagter als bei uns und die Stimmung in vielen anderen Staaten geht eher dahin, nationale Schwächen in Nachbarländern zum vermeintlich eigenen Vorteil auszunutzen.
Auch wenn ich gegen den Vertrag von Lissabon bin, bin ich doch trotzdem für Europa, denn nur über die EU ist es möglich diesen überkommenen Nationalismus wirksam einzudämmen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen wieder in einem Europa zu leben, in dem ich an jeder Grenze kontrolliert werde und keine Waren aus anderen Staaten kaufen kann oder meinen Wohnsitz dort nehmen könnte.
Über die vernichtende Wirkung für die deutsche Wirtschaft brauche ich auf diesem Blog wohl nichts zu schreiben. Auch wenn Europa im Moment in der Kritik steht, sollten wir uns doch davor hüten es zu sehr zu kritisieren. Es ist noch immer sehr zerbrechlich.