Der Grosse Modelleisenbahnraub
dagny t., 18.02.2009
Wenn von Heuschrecken und Investmentfonds die Rede ist, schrillen meistens die Alarmglocken der Marktwirtschaftler, da mal wieder ein Anschlag auf das Eigentum von Aktionären, Unternehmern und Investoren geplant ist.
Diesmal schreibt aber die Financial Times Deutschland darüber, wie Märklin ausgenommen wurde. Vielleicht kann mir einer der Leser erklären, wer hier versagt und warum die Investmentfirma nicht daran interessiert ist, Gewinne zu erzielen?
antibuerokratieteam.net





WENN die FTD-Darstellung stimmt (muß man ja nicht alles blind glauben), dann haben in der Tat die Kontrollinstanzen beim Investor versagt.
Daß ein CEO einem Freund lukrative Aufträge zuschanzt, kann ja vorkommen – da müssen dann normale Mechanismen von Kontrolle und Strafrecht greifen.
An der Märklin-Pleite selber dürften diese Vorgänge nur wenig Anteil haben.
Es ist in der Branche bekannt, daß die Firma seit Jahren eine hanebüchene Geschäftsstrategie verfolgt – eigentlich war sie ja schon pleite, die Investoren hatten sie für eine Zeitlang gerettet.
Ich will zwar nicht behaupten von der Thematik viel Ahnung zu haben, aber ich frage mich, wie eine “Heuschrecke” wie Calhoun in Märklin überhaupt erst an die Position gelangen konnte, die es ihm ermöglichte, die Firma so auszuplündern. Irgendwie muss Märklin ja in die Hände von Kingsbridge geraten sein, und wer bei Märklin die dafür verantwortliche Entscheidung getroffen hat, hat offenbar einen Fehler gemacht. Oder wie siehst du das?
Die FTD ist immer für linke Ausfälle gut.
Was kann passiert sein?
1.) Märklin war möglicherweise bereits beim Einstieg der “Investoren” wertlos. Wer baut in Europa noch Spielzeug?
2.) Das Sterben Märklins wurde so zu sagen von allen gewollt ein wenig aufgehalten, die Beraterhonorare sind natürlich recht hoch gewesen, vermutlich gabs nicht mehr viel zu beraten und es wurde gesaugt.
3.) Die Eigentumsverhältnisse bleiben merkwürdig unbeleuchtet im FTD-Machwerk.
Nachtrag:
Vergessen, der eigentliche Wert könnte auch in der Marke “Märklin” bestehen, hier ist zu prüfen, wies damit weiter geht.
Sieht so aus, als ob Goldman Sachs übers Ohr gehauen worden ist. Aber man müsste wirklich die veröffentlichen(?) Mehrheitsverhältnisse kennen. Auch die Märklin-Vorgeschichte bis GS und Hink kamen.
Was heißt versagt. Das ist doch offensichtlich im Bereich Wirtschaftskriminalität anzusiedeln.
Wollte übrigens eigentlich zum einfallsreichen Titel gratulieren und musste dann enttäuscht feststellen, dass die FTD den gleichen nutzt. :(
Naja, wirklich überraschend ist das nicht. Wie ist denn Märklin bitte aufgestellt? Sie verkaufen immer noch das gleiche Schema:
- detaillierte handgebaute teure Eisenbahnen und Zubehör
Das Problem ist, dass die Kundschaft langsam zu alt wird und die chinesische Konkurrenz zu gross. Die Marke Märklin wird deshalb jedoch noch nicht verschwinden, aber in der jetzigen vorm sind sie halt Pleite gegangen…
Sehe da jetzt nur schlechtes Management, aber noch keinen Ausverkauf oder Raub.
> 1.) Märklin war möglicherweise bereits beim
> Einstieg der “Investoren” wertlos.
Wertlos nicht – aber pleite.
> Wer baut in Europa noch Spielzeug?
Z. B. Firmen wie Lego oder Playmobil – und denen geht es sehr gut.
Für hochwertiges Spielzeug gibt es immer noch gute Absatzchancen.
Das Problem bei Märklin war, daß es eben KEIN Spielzeug mehr war, sondern immer stärker Luxusartikel für Sammler.
Modelleisenbahnen waren nie ein billiges Spielzeug – aber wo sich die normale Mittelschichtsfamilie vor 30 Jahren noch eine Märklin-Anlage leisten konnte, ist dies inzwischen fast ausgeschlossen.
Nur so mal ein paar aktuelle Beispiele:
http://www.haertle.de/modelleisenbahn/spur+h0/lokomotiven+spur+h0/37774+dieseltriebzug+svt04+db+ep+iii+maerklin+spur+h0.html
http://www.haertle.de/modelleisenbahn/spur+h0/lokomotiven+spur+h0/39120+e+lok+e10+3+maerklin+spur+h0.html
Mit dieser Strategie hat das alte Management Märklin in die Sackgasse gefahren.
Die Firma war pleite, und die Investoren stiegen ein.
Und WENN die FTD recht hätte, und irgendwelche Berater hätten abgesahnt – dann auf Kosten eben der Investoren.
zufällig kenne ich mich in der Spielwarenbranche ein wenig aus.
Und jetzt mal ganz im Ernst:
Ich hätte niemandem geraten, im Jahr 2006 noch bei Märklin einzusteigen.
Das Produkt “Modelleisenbahn” hat sich einfach überlebt. Da muss man gar nicht nach Managementfehlern suchen – es reicht, wenn man sich den Markt anschaut. (Wer von Euch kennt denn auch nur ein einziges Kind, dass sich in den letzten Jahren zu Weihnachten noch eine Modelleisenbahn gewünscht hat? Niemand, würde ich wetten).
Es gibt einfach Produkte, die sich überlebt haben.
Irgendwann einmal war die Eisenbahn High-Tech und jeder Junge wollte Lokomtivführer werden. Aber die Zeiten sind vorbei und kommen auch nicht wieder. Und die älteren Herrschaften, die mit diesem Hobby ihre Kindheit nachspielen sterben halt auch langsam aus.
Es ist deshalb eigentlich ein Witz, ausgerechnet im Falle Märklin dem Investor einen Vorwurf zu machen. Wenn der nicht 2006 eingestiegen wäre, wäre Märklin schon damals tot gewesen.
Dass er eingestiegen ist, war hingegen echter unternehmerischer Mut (wenn auch vielleicht nicht unbedingt unternehmerischer Instinkt).
Märklin ist daher alles andere als ein klassischer Heuschrecken-Fall!
Raub sowieso nicht, wenn, dann Untreue. Im Fall Märklin spricht schon einiges für strafrechtlich relevantes Verhalten.
In den meisten Fällen sind diese Leute aber vorher strafrechtlich beraten worden, sodass die Ermittlungen vermutlich nach Jahren von Schweiß und Mühe im Sande verlaufen oder aber wegen der langen Prozessdauer später die Strafe drastisch herabgesetzt wird.
Viel wirksamer ist es bei solchen Konstruktionen das Finanzamt auf den Plan zu rufen. Das hat den Vorteil, dass die Beweislast umgekehrt wird. Irgendwo in diesem Wald von (Unter-)Gesellschaften, Stellvertretungen und Beraterverträgen hat irgendwer zu irgendeinem Zeitpunkt vergessen etwas anzugeben.
Das ist der Punkt zum ansetzen. Erwischt man einen von diesen Typen bei einer Steuerhinterziehung gewährt man ihm für den Fall einer Aussage einen Strafnachlass.
Dann kann man sich die anderen holen.
Man muss auch unbedingt daran denken Tatmittel einzuziehen. Darunter können übrigens auch ganze Villen und andere Vermögenswerte fallen.
Florian
“Das Produkt “Modelleisenbahn” hat sich einfach überlebt.”
Tja, Schießer und Märklin sind deswegen Pleite gegangen, weil es einfach nicht mehr genug Männer im Feinripp gab, die mit der Eisenbahn gespielt haben ;-)
Achso, die Loks kosten locker mal eben 200 und mehr EURO, dann wird die Abgeige nachvollziehbar.
Die FTD hat einige brauchbare Leute und vglw. viele, die links daherplappern, vermutlich braucht man die wegen der Abnehmerschaft. Ich lese dort ungerne, man kann zu falschen Schlussfolgerungen verleitet werden. In diesem Fall ist GS geschädigt, diese Investoren streuen ihre Investitionen manchmal etwas blind, betreut wird die Investition dann oft von irgendwelchen Jungkräften. Obs Staatshilfe geben wird?
Die Starterpackungen(mit allem was man zum Anfang braucht) sind ab 98,-€ erhältlich. Nach oben hin ist natürlich alles offen. Große Magasets für 500,-€ etc.. Ist aber bei allen guten Herstellern so.
Danke fuer alle Antworten. Als Eisenbahnmanagerin fehlt mir bei Märklin halt der sachliche Blick ein wenig.
Die Preise sind ganz schön gepfeffert, selbst wenn es Mark und nicht Euro wären. Sammler hin oder her: So gewinnt man keinen neuen Kundenstamm.
> Das Produkt “Modelleisenbahn” hat sich
> einfach überlebt.
Das würde ich nicht sagen.
Das ist immer noch ein attraktives Spielzeug, und eigentlich gibt es ja heute viel mehr Familien, die sich so etwas leisten könnten.
Aber eben eine als Spielzeug konzipierte Eisenbahn, wo nicht ein irrer Aufwand betrieben wird, um genau ein historisches Modell bis zur letzten Niete nachzubauen.
> Wer von Euch kennt denn auch nur ein einziges
> Kind, dass sich in den letzten Jahren zu
> Weihnachten noch eine Modelleisenbahn
> gewünscht hat?
Meine beiden ;-)
Ansonsten hast Du natürlich völlig recht, was die Investoren betrifft.
> Meine beiden ;-)
Na, dann ist ja in der Familie Arnemann (?) alles zum besten.
Aber glaub mir: da seid Ihr wirklich eine Ausnahme.
Um etwas auszuholen:
Der Spielwarenmarkt wird immer schwieriger.
Hauptproblem ist noch nicht einmal, dass es weniger Kinder gibt (das wird dadurch kompensiert, dass das Budget, dass Eltern und Großeltern für ihre Kinder und Enkel zur Verfügung haben ja in etwa gleich bleibt – und sich das Geld dann einfach auf die wenigen vorhandenen Kinder konzentriert).
Das Problem ist vielmehr, dass Kinder immer früher reif werden.
Vor 20 Jahren konnte man einen (sagen wir mal) 12-jährigen Jungen noch mit einem Lego-Baukasten eine Freude machen.
Heutzutage sind 12-Jährige längst dem Lego-fähigen Alter entwachsen (von Ausnahmen abgesehen).
Es gibt daher nur sehr wenige Jahre, in denen man Kinder überhaupt noch mit eigentlichem Kinderspielzeug umsorgen kann.
Sehr bald beginnt dann schon die Computer-, Handy-, Klamotten- etc.Phase. Diese Nachfrage erreicht dann aber die klassischen Spielwarengeschäfte und Spielwarenproduzenten nicht mehr.
Zudem gibt es ein sehr viel breiteres Angebot als früher.
Der (ohnehin schrumpfende) klassische Spielwarenmarkt ist in hohem Maße ausdifferenziert.
Der einzelne Artikel kann nur noch einen kleinen Teil der Stückzahlen auf sich vereinen wie das früher noch möglich war, als (mehr oder weniger) alle Jungen die gleichen Interessen und Wünsche hatten.
Anbieter die breit aufgestellt sind (wie Kosmos, Ravensburger oder Hasbro) können das ggf. kompensieren – irgendeines ihrer Produkte wird das Kind schon wollen. Wenn nicht das Brettspiel, dann halt den Elektrobaukasten.
Ein Anbieter mit einem sehr speziellen Sortiment wie Märklin tut sich da sehr schwer.
Es bleibt dann für Märklin der Ausweg, eben nicht mehr schwerpunktmäßig auf den (aus genannten Gründen unvermeidlich) schrumpfenden Kindermarkt zu setzen sondern auf den “Erwachsenen-Spiele-Markt”.
Das hat Märklin auch einigermaßen erfolgreich viele Jahre lang praktiziert. Aber auch da stößt man eben an seine Grenzen, weil die erwachsenen Eisenbahner mittlerweile langsam wegsterben und von unten nicht mehr viel nachkommt.
Man sollte in der ganzen Angelegenheit aber nicht vergessen, daß die Haftungsbegrenzung durch Kapitalgesellschaften dem liberalen Prinzip der Haftung für sein Handeln widerspricht. Ich könnte mir schon vorstellen, daß da einige Teilnehmer im Wissen um die begrenzte Haftung die vorhandenen Möglichkeiten ausgereizt haben – um’s mal vorsichtig auszudrücken…