Mißfelder missfällt wieder
Oliver Luksic, 20.02.2009
Mit seiner Aussage, Hartz IV Empfänger würden die Erhöhung des ALG-II nur für Schnaps und Zigaretten ausgeben, fällt JU Chef Mißfelder zum wiederholten Mal durch dumpfe Vorurteile und unsägliche Verallgemeinerungen auf. Ob das ganze gezielt von “Parteifreunden” an die Presse kam, da er als NRW-Vize kandidieren will?
Jetzt verschlimmbessert er seine Aussage jedenfalls statt sich klar zu distanzieren und sich zu entschuldigen. Einer sachlichen Debatte über Mißbrauch und Fehlentwicklungen bei Hartz IV hat er auch einen Bärendienst erwiesen mit seiner diffamierenden Pauschalkritik. Mit seiner billigen Stimmungsmache hat sich Mißfelder selber disqualifiziert.
antibuerokratieteam.net





Das ist ja nicht mal sonderlich originell.
Auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebter mache, als ich es eh schon bin:genauso habe ich das während meines Studiums der sozialen Arbeit und ff. oft erlebt. Sollte sich daran etwas geändert haben?
Selbstverständlich ist das nicht originell… Ein JU-Politiker versucht, witzig zu sein… das kann ja nur in die Hose gehen.
…grundsätzlich hoffe ich, dass diese Kommentare seine Karriere vernichtet haben; wir brauchen nicht noch mehr Versager, die von nichts Ahnung haben und sich durch die Partei-Instituturionen schleimen. Jeder politisch tote JUler ist ein guter JUler.
HartzIVler investieren zusätzliches Einkommen also dort, wo aus ihrer Sicht der Grenznutzen am höchsten ist – wer hätte das gedacht. Bei einigen scheinen das alkoholische Getränke und Tabakwaren zu sein. Ob diese Personen nun einen bedeutenden Anteil an der Gesamtheit aller HartzIVler ausmachen, möchte ich aus Mangel an verlässlichen Daten lieber nicht beurteilen. Ob Herr Mißfelder da bessere Daten oder nur eine unfundierte Meinung hat, erschließt sich mir ebenso wenig.
Genauso wie ich mir nicht anmaße, zu beurteilen, ob das Geld “bei den Kindern ankommt”. Vielleicht sind HartzIV-Eltern im Nikotin- und Alkoholrausch ja bessere, zufriedenere Eltern, die ruhig auf der Wohnzimmercouch sitzen und sich vom Fernseher berieseln lassen, statt aus Frust ihre Kinder zu vermöbeln, weil Schluck und Kippen schon wieder alle sind?
Für einen paternalisitschen Konservativen wie Mißfelder mag es eine Rolle spielen, wie die Transferleistungen des Sozialsystems verwendet werden, weil er bestimmte Präferenzen darüber hat, wofür andere Leute ihr Geld ausgeben sollen. Aus liberaler Sicht sehe ich jedoch keinen Grund, mir darüber Gedanken zu machen. Kernstück einer Demokratie ist die Vorstellung, daß alle stimmberechtigten Bürger rational in ihrem Interesse handeln (können). Wer das negiert und unterschwellig postuliert, ein Teil dieser Bürger sei dazu nicht fähig und müßte bevormundet werden, der sollte folgerichtig auch fordern, diese Bürger vom Wahlrecht zu entbinden und unter (staatliche) Aufsicht zu stellen. Wenn man einem Menschen nicht einmal zutraut, die ihm überlassenen Mittel adäquat zwischen Drogen und Bildung aufzuteilen, so halte ich es für fahrlässig, solche Menschen indirekt an Entscheidungen über Krieg und Frieden, Reaktorsicherheit, Kapitalmarktregulierung oder Arzneimittelzulassungen zu beteiligen. In diesem Punkt wünsche ich mir von Herrn Mißfelder eine konsequentere Argumentation. Wenn er HartzIVlern für unfähig erachtet, ihr eignenes Budget “rational” zu disponieren, sollten sie vorher schon von ihrem Einfluß auf die staatlichen Haushalte “befreit” werden.
Ist halt ein übler Populist, aber Recht hat er natürlich.
Wie ich aus Gesprächen erfahren habe, ist das wohl nach wie vor aktuell. Ist Herr Mißfelder also nur das Opfer des “Kill the Messanger”-Phänomens?
Missfelder hat doch recht, solange er nicht von den meisten und nicht von allen Hartz-IV-Empfängern spricht. Und wahrscheinlich hat er es besonders betont, dass viele Hartz-Vierler Geld in Alkohol umsetzen, nur gibt es leider Menschen, die den Unterschied nicht kennen oder bewusst ignorieren.
Es ist auch meine Erfahrung, dass Alkoholmissbrauch bei Hartz-Vierlern weit verbreitet ist. Was ist aus liberaler Sicht dazu zu sagen? Man sieht Sozialleistungen kritisch, weil sie, wie im Falle von Hartz-IV und eines bestehenden Alkoholmissbrauchs des Leistungsempfängers, das Problem verschärft. Ist das eine liberale Einstellung oder wie oben erwähnt, Geld zu verteilen und darauf hoffen, dass der Empfänger das Geld objektiv gesehen vernünftig ausgibt und er Selbstachtung gewinnt, weil er frei entscheiden darf.
Er sprach von der Gesamtheit, natürlich hat er recht, wenn er die Korrelation “Hartz IV-Erhöhung=>Konsumsteigerung beim Tabak und Alkohol” feststellt.
Ist ja auch nicht beleidigend.
Ein Musterbeispiel politischer Korrektheit, bei dem auch OL gerne mitmacht, vermutlich eine Politikerkrankheit.
Nein. Er ist ein Populist. Die pauschalisierende Aussage war in dieser Form eine Steilvorlage an die Umverteiler-Lobby – wie auch das hysterische Gekreische von Drohsel et all. zeigt.
Ist das nun sachlich richtig, oder nicht?
“Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.”
Ich denke, dass ja: Ja, so ist es.
Der Rest geht in Deiner Fantasie und in der OLs ab.
Der einfache Bürger, die schweigende Mehrheit so zu sagen, weiss das auch alles.
Letztlich gehts hier um Tabus, Tabubrüche und Rituale.
Das sollte dem Leser so mitgeteilt werden, sonst kommt der noch auf merkwürdige Ideen. :–)
Nun ja, wir sind hier bei einer Frage angekommen, wo der Liberale sich nicht mehr aufs Liberalsein zurückziehen kann, sondern beweisen muss, dass er darüber hinaus auch über ein ethisches Koordinatensystem verfügt: Wie hältst du’s mit dem Kinde? Oder mit Schutzbedürftigen allgemein?
Ist es liberal, anderen Menschen die Freiheit zuzugestehen, ihre Kinder vor die Hunde gehen zu lassen?
Also Gedanken sollte der Liberale sich da schon machen, auch wenn die Lösung nicht direkt auf der Hand liegen mag.
Strenggenommen gilt seine Aussage sogar auch dann, wenn es sich da um eine Minderheit handelt, so lange diese Minderheit nicht vollkommen unwesentlich ist.
Das was hier allgemein erregt ist die simple Feststellung, dass Hartzies mehr in Tabak und Alkohol investieren, wenns mehr Hartz gibt. Das dem so ist, sollte klar sein.
Einige Sozialverbände argumentieren mit Missfelder und regen einen stärkeren Sachleistungsbezug an. Hier wirds dann langsam illiberal. Aber das soll hier nicht diskutiert werden.
Die liberale Lösung wäre hier ein bedingungsloses Grundeinkommen, das niedrig angesetzt ist und Anreiz bietet hinzuzuverdienen. So wie es jetzt ist mit dem Riesenüberbau “Sozialstaat” und den ganzen Sozialfuzzies und dem expliziten Nichtanreiz zu arbeiten [1] kanns ja nicht weitergehen.
[1] Eine Familie mit zwei Kindern = gesamte Leistungshöhe geschätzt 2.400,-EUR => Papi bleibt besser zu Hause und trinkt Oettinger
>Wie hältst du’s mit dem Kinde? Oder mit Schutzbedürftigen allgemein?
Wenn die Angehörigen sich nicht angemessen darum kümmern können: Ab ins Heim! Oder eine Pflegefamilie.
Wenn Eltern ihre Prioritäten eher in ihrem (legalen) Drogenkonsum als in ihrem Nachwuchs sehen, dürfte es bei ihnen auch bei Zuteilung von Lebensmittelgutscheinen oder Ähnlichem den Anreiz geben, diese Gutscheine zu Geld und anschließend dieses zu Alkohol zu machen.
Ich fordere lediglich, daß Herr Mißfelder den Gedanken konsequent zu Ende bringt, den er da angedacht hat. Wenn jemand nicht in der Lage ist, Dinge zu regeln, die er selbst sehen und anfasssen kann, wie Bargeld und die dafür gekauften Waren, halte ich es für fast ausgeschlossen, daß diese Person über hochabstrakte Sachverhalte wie Bankenrettungspakete oder die EU-Verfassung ein fundiertes Urteil abgeben kann. Gleichwohl soll er indirekt (über die Auswahl der “Volksvertreter”) dabei mitentscheiden können. Herr Mißfelder sollte da eine klarere Position beziehen: Entweder ist jemand geistig/charakterlich zu “beschränkt”, dann gehört er entmündigt und unter Aufsicht gestellt. Oder jemand ist in der Lage, selbst für sich zu sorgen. Sicher gibt es auch Fälle, die irgendwo dazwischen liegen.
Die Position von Herrn Mißfelder ist nun aber, daß es Leute gibt, die einfache Dinge nicht können und dort Bevormundung brauchen, die aber bei komplizierteren Entscheidungen weiter volles Mitspracherecht haben sollen (was er nicht explizit sagt). In meinen Augen ein logischer Widerspruch und eines der Grundprobleme jeder auf Majoritäten aufbauenden politischen Verfassung, das einer Lösung bedarf. Entweder betrachte ich den HartzIV-Versäufer als gleichwertigen Bürger, der mit seinem Geld seine Interessen verfolgen kann, wie es ihm paßt, oder ich sehe ihn als lebensuntüchtigen Zurückgebliebenen, dann muß ich ihn entmündigen.
Warum sollte sich das?
Haben Politiker aufgehört Lügner und Heuchler zu sein?
Sind Manager nicht mehr gierig?
Warum sollten menschliche Schwächen aufgehört haben zu existieren?
Es gibt also Menschen, deren einziger Lebenssinn es ist zu fressen und zu saufen?
Im übrigen ist es gerade von einem Politiker wie Mißfelder infam, so eine Behauptung aufzustellen. Gerade er hat durch seine kollektivistische Politik jahrelang dazu beigetragen, dass sich solche Zustände entwickeln konnten.
Ein Politiker, wie er im Buche steht: Die Wandlung ist schnell vollzogen, plötzlich steht er auf der Seite der Guten und nimmt sich das Recht heraus Menschen dafür zu kritisieren, dass sie die Folgen seiner Politik erleiden.
Wenn man dann noch Politiker der Jungen Union ist und selbst noch nichts im Leben auf die Beine bekommen hat, dann sollte man besser die Fresse halten und seine Kritik unterdrücken.
Sonst macht man sich lächerlich.
Ob es deren einziger Lebenssinn ist, muss man nicht wissen. Dass das Konsumieren von Genussmitteln einen großen Teil im Leben vieler Menschen einnimmt, dürfte hingegen Fakt sein. Wobei sich daran natürlich die Frage anschließt, warum das der Fall ist, welche Umstände also zu solchen Existenzen führen.
Deine Kritik daran, dass ausgerechnet Mißfelder als Teil der politischen Klasse sich eine solche Kritik anmaßt, kann man allerdings teilen.
Meines Erachtens braucht ein Großteil der ALG-II-Empfänger viel dringender als Geld mitmenschliche Zuwendung. Aber gerade die wird von einem Sozialstaat in einem Dickicht aus Vorschriften und Abgaben erstickt.
Es ist populistischer Schwachsinn. “Der einfache Bürger, die schweigende Mehrheit so zu sagen” möchte seinen Teil vom Umverteilungskuchen (all die Eigenheim-, Ökodingsbums-, Abwrack-, Flächenstilllegungs-, Milchvieh- etc. pp. Prämien, zuzüglich Förderung von “Kultur und Bildung” und Staatsfunk, zuzüglich Industriesubventionen für seine unfähigen Chefs) möglichst gross halten und von möglichst vielen Beamten in möglichst vielen Lebensbereichen möglichst umfassend versorgt werden. Da muss man schon hinsehn, wo das enteignete Geld hinfliesst! Sekt beim Opernball ist schliesslich ein wesentlich höheres Kulturgut als Doppelkorn am Faschingsball!
“Tabubruch”? *LOL* Missie betreibt lediglich klassische Klientelpolitik, die sich in nichts vom rituellen Aufschrei der Betroffenheitsindustrie unterscheidet.
Die Bewertung der Sinnhaftigkeit von Freizeitgestaltungen ist schwierig. Aus der Sicht von Umberto Ecco sind wir hier wahrscheinlich alle dumme Asoziale, die ihre Zeit verschwenden. Selbst wenn wir das Geld verdienen, das wir ausgeben, so könnten wir doch besseres und sinnvolleres tun als das, was hier machen.
Uns fehlt eben nur die Intelligenz das zu erkennen und der Charakter um darüber dauerhafter und ernsthafter nachzudenken.
In der griechischen Mythologie wird dieses Phänomen mit dem Titanen Koios umschrieben, der von Zeus mit den anderen Titanen in die Unterwelt verbannt wurde.
Den Menschen bliebt dann nach der Verschlingung der weisen Metis durch den Göttervater Zeus nur die “Intelligenz” der Athene, die sich lediglich in in ihrer politischen Handlungsklugheit offenbarte, da sie nämlich auch nur dem Zeus untergeordnet war.
Kurz: Eine beschränkte Sicht der Dinge, die einen Zusammenhang fürs Ganze vermissen lässt und von Selbstdarstellungssehnsüchten getrieben ist.
Es kommt mir in keiner Weise darauf an, ob Herr Mißfelder im Recht ist, oder nicht. Ein Schnösel wie Mißfelder kann keine Position beziehen, die ich unterstützen würde. Im fehlt dafür Lebenserfahrung, Lebensleistung und – insbesondere als junger “aufstrebender” Politiker – Charakterstärke.
Eine solche Person kann auch inhaltlich nicht im Recht sein, weil es ihr unmöglich ist eine richtige Position zu beziehen. Von der Richtigkeit der eigenen Position kann man in dieser Situation aber gar nicht überzeugt sein. Als Wähler – dem Dank das Listenwahlsystems zugemutet wird sich auch von solchen Politiker vertreten lassen zu müssen – kann ich doch nicht ernsthaft darauf vertrauen, dass Herr Mißfelder die Tragweite politischer Entscheidungen erfassen kann.
Um das Niveau zum Abchluss noch etwas Herrn Mißfelder anzupassen: Dummes Geblubber, das mal anscheinend richtig und mal anscheinend falsch ist, aber immer von einer Person kommt, die nicht gesellschaftsfähig ist.
Ein Tabubruch ist es offensichtlich, weil die bekannten Rituale wieder geübt werden.
Natürlich wird dieses Tabu (“Kommentiere nie die Hartzies!”) selbst auch immer wieder gebrochen, zum Glück!
Aberr Recht hat unser Mann mit seiner Aussage, auch wenns von mir aus populistisch war.
Reicht immerhin zu einem Blogeintrag hier, vom, äh, geschätzten OL.
> Es gibt also Menschen, deren einziger Lebenssinn es ist zu fressen und zu saufen?
LOL, ganz sicher, die Drogen nicht vergessen.
Das hat Mißfelder aber nicht gesagt. Du bist doch eigentlich kein Wortverdreher.
Schnapps und Zigaretten.
Ist die eine Dummheit klüger als die andere?
@dSadO
Auf dein Urteilsvermögen kann man sich verlassen.
Ja, nur auf mein Firefox-Texteingabe-Verschlimmbesserungsplugin nicht.
Ich suche noch nach einer Möglichkeit Openoffice irgendwie so zu gestalten, dass man diese ganzen Befehle (Blockquote, etc.) für die Gestaltung der Kommentare auch dort hat, habe aber leider noch keinen Weg gefunden.
Aber gerade die wird von einem Sozialstaat in einem Dickicht aus Vorschriften und Abgaben erstickt.
Minister und Abgeordnete sind bisher, wie die meisten von euch, mehr oder weniger Angestellte.
Sie sind nicht Selbständige, aber warum sollten sie nicht wie Selbständige behandelt werden.
Das bedeutet kein ALG I bei Verlust von Amt und Würden.
Verlieren Selbständige Lebensunterhalt und Erspartes, erhalten sie die ALG II Vorzugsbehandlung.
Es bedürfe natürlich erst einmal eine erklecklichen Zahl von Ex-Politikern, die diese Erfahrung fürs Leben machen müßten, aber danach würde sich vieles in diesem Staate ändern. Ich bin da guten Mutes, daß diese Lehrerfahrung ausgesprochen hilfreich wäre. Nichts prägt mehr als das Selbst Erlebte.
Man müßte natürlich Schlupflöcher wie Aninstitute und dergleichen schliessen.
dem Dank das Listenwahlsystems zugemutet wird sich auch von solchen Politiker vertreten lassen zu müssen
Da muß man doch nur einen kleinen Überraschungsmoment einbauen.
Wählen bedeutet bisher, ich gebe eine Stimme einem persönlichen Kandidaten und eine Stimme einer Partei des Bundeslandes
Warum soll man nicht drei Stimmen auf der Landesliste haben, die man zum Beispiel nur einem Kandidaten einer Partei geben kann?
Warum soll der Wähler nicht die Möglichkeit haben, Kandidaten auf den Landeslisten der Parteien durchzustreichen? Sagen wir 5 Kandidaten.
Es gibt zwar einige Umdeutungen der Mißfelder-Aussage, vgl. bspw. http://www.fr-online.de/top_news/1679392_Missfelder-verteidigt-Hartz-IV-aeusserung.html, aber “nur Schnaps und Zigaretten” ist eine Projektion, derer einige anheim gefallen sind.
Aus Sicht des Systematikers ist eine Aussage über eine Sache immer eine Aussage einer Person, die über eine Sache aussagt. Diese Urwahrheit hilft in der Regel dem Textverständnis und natürlich bei der Bearbeutung (wie hier) inszenierter Aufgeregtheiten.
Darum geht es nicht.
Mißfelder ist nicht in der Position derartige Kritik zu äußern.
Der Wahrheitsgehalt seiner Aussage ist irrelevant, vollkommen irrelevant. Es ist ein Problem der Form, nicht des Inhalts. Die schlechte Form macht die Aussage inakzeptabel. Eine schlechte Form ist noch schlimmer als eine Lüge, denn die Lüge kann ja auch Verlegenheit offenbaren, was auf Schamgefühl und Intelligenz schließen lässt. Schlechte Form aber offenbart nur Dreistheit und Dummheit.
Leider fehlt es in der deutschen Mehrheitsgesellschaft an einem Bewusstsein für den Wert von Form und Etikette. Man bedient sich ihrer nur, um sich vermeintlich nach unten abzugrenzen. Ein Beispiel dafür findet sich hier:
http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/02/20/vanity-fairendet-oder-vom-tod-eines-schlechten-dieners.aspx
Der Blödsinn darf sogar in der FAZ erscheinen. Der Schreiberling meint, mit ein paar geschwollenen Worten und ein paar Bemerkungen über Modemarken eine Abgrenzung nach unten vornehmen zu können. Sitten und vermeintliche Umgangsformen und Verhaltensweisen der Oberschicht aus der Froschperspektive erklärt.
Mißfelder ist ein Taugenichts, der nicht einmal die Charakterstärke hatte sich nicht in den Bundestag wählen zu lassen. Er mutet der Bevölkerung die politische Vertretung durch einen Abiturienten ohne Sinn für Form und ohne jede eigene Lebensleistung oder -erfahrung aus rücksichtslosem Karrierestreben zu.
Wieviel Geld bekommt dieser Schmarotzer für seine unverschämten und dummdreisten Äußerungen als Bundestagsabgeordneter jeden Monat überwiesen? 8.000 Euro? Und diese intellektuelle Lumpenproletariat meint sich über die Verhaltensweisen von anderen Menschen äußern zu müssen?
Respekt!
> Darum geht es nicht.
> Mißfelder ist nicht in der Position derartige Kritik zu äußern.
> Der Wahrheitsgehalt seiner Aussage ist irrelevant, vollkommen irrelevant.
Huch, lese jetzt mal besser nicht weiter, sonst rege ich mich noch auf. Das liest sich ja wie in leninistischen “Diskussionen”.
Nur, wenn man nicht verstand, was zuvor geschrieben stand.
Der Unterschied zwischen meiner Auffassung zur Wahrheit und der der Leninisten ist, dass die Leninisten die Wahrheit nicht wegen der Bedeutung der Form als Garant der Wahrheit ablehnen, sondern wegen der von ihr ausgehenden Gefährdung der eigenen Machtergreifung.
Form IST Wahrheit. Die Verletzung der Form ist daher eine Verletzung der Wahrheit.
Dieser Zusammenhang sollte sich im Beispiel Mißfelder eigentlich von alleine aufdrängen.
Form IST Wahrheit? Ohne Erläuterung ist es schwer verständlich.
Ist es nicht so, daß Form und Wahrheit miteinander verbunden sind und eine Wahrheit, bei der die Form beachtet wird, nicht zu fürchten und auch nicht zu beanstanden ist? Außer von denen, die jede Wahrheit fürchten müssen.
> Form IST Wahrheit. Die Verletzung der Form ist daher eine Verletzung der Wahrheit.
> Dieser Zusammenhang sollte sich im Beispiel Mißfelder eigentlich von alleine aufdrängen.
LOL, also ich habe Deine zugegebenermassen oft etwas rechtwinkligen Kommentare bisher eigentlich geschätzt.
Nun löst Du Dich aber anscheinend irgendwie auf. Schade, eigentlich.
Es gibt Leute, auf die Missfelders Aussage zutrifft. Das wissen wir. Wir müssen entscheiden, ob wir uns der Diskussion stellen wollen, weil wir etwas gegen diese Missstände und für die Kinder tun wollen oder ob wir, weil es ein heißes Eisen ist, das Thema lieber beiseite schieben und zur Tagesordnung übergehen.
Diese Antwort brauchen wir nicht lange zu suchen. Insofern könnte man Missfelder für seine “diffamierende Pauschalkritik” sogar dankbar sein.
Natürlich ist die Aussage zutreffend, man reibt sich ja auch in liberalen Kreisen eher an der Form.
Zur Form und Sprache merken wir uns: Die Sprache ist nur ein Protokoll.
Wir dürfen aus diesem Satz schliessen, dass der Inhalt Vorrang hat, dass Interpretation und Politische Korrektheit etwas für die anderen sind.
Vermutlich sollte hier (durch den Blogger) die Chance genutzt werden einem altersähnlichen Kollegen aus einer anderen Partei an die Karre zu fahren. Ich finds bedauernswert, dass das auch geschieht, wenn die Position grundsätzlich geteilt wird.
Der freundliche und geneigte Leser darf diesen Blogeintrag gerne als Exempel für das seit einigen Jahrzehnten feststellbare politische Versagen des Bürgertums auffassen. Solche Leute lassen sich immer wieder die Butter vom Brot nehmen von den Linken.
CDU im September abwählen !
Nein, hier wird viel verwechselt.
Form und Struktur haben einen gesellschaftlichen Zweck, sonst würden sie nicht existieren.
Formenbrüche werden in Deutschland viel zu schnell toleriert. Vor allem dann, wenn sie vermeintlich einem höheren Zweck dienen. Es fehlt an Formbewusstsein, dass ist vermutlich das wesentliche Problem in der deutschen Geschichte.
Es ist schwer im Rahmen eines Kommentareintrages die Bedeutung der Form für die Wahrheit herauszuarbeiten. Soviel sei aber geschrieben:
Die Sicherheit der Form gewährt uns die Möglichkeit eine Lüge zu erkennen. Ist die Lüge erkannt, so verliert sie ihre Gefährlichkeit und bekommt eine andere Bedeutung. Eine Bedeutung der Scham und des Respekts. Ja, eine Lüge bedeutet eben manchmal auch Respekt. Das ist freilich nicht bei jeder Lüge so und man muss auch unterscheiden, aber die Tendenz ist so wie ich es schrieb.
Erlebt man andere Kulturen – meistens aus südlicheren Ländern -, so stellt man schnell fest, dass die Lüge einen festen Platz in den tagtäglichen Ritualen hat. Die Leuten wissen sie eben richtig zu deuten.
Als Deutscher verirrt man sich da schnell, uns wird nicht umsonst eine sehr direkte Art nachgesagt.
Andersherum bedeutet es aber auch, dass “die Wahrheit” nicht immer wahr sein muss. Äußert z.B. eine Person wie dieser Mißfelder derartige Kritik, so bekommt sie einen politischen Gehalt. Es ist aber ausgeschlossen, dass Herr Mißfelder die Tragweite seiner Äußerungen erfassen kann. Er ist gerade erst 29 Jahre alt und hat noch keinerlei Kämpfe im Leben ausstehen müssen. Er kann folglich immer nur Vermutungen äußern, die mal richtig und mal falsch sind.
Es ist daher vollkommen egal, was er zu diesem Thema geäußert hat. Er hat sich schon alleine deswegen disqualifiziert, weil er diesbezügliche Kritik überhaupt geäußert hat. Hätte er Charakter und Weitsicht, dann hätte er sich mit diesen Voraussetzungen doch niemals in den Bundestag wählen lassen.
Ihm zuzuhören ist Zeitverschwendung. Ihn als Abgeordneten zu haben eine Geldverschwendung.
“Die Sicherheit der Form gewährt uns die Möglichkeit eine Lüge zu erkennen.”
Diesen Satz muss man auch auch mehrere Arten lesen:
Lüge meint zunächst den Wortsinn: Eine Lüge.
Lüge meint aber auch den übertragenen Sinn: Eine “Wahrheit” kann unmittelbar war sein, aber mittelbar eine Lüge darstellen.
Die Form bewahrt uns vor Leichtgläubigkeit und Schnellgläubigkeit. Vor Scharlatanen und Populisten.
In einer formbewussteren Gesellschaft ist die Nutzung des populistischen Sinngehaltes der Äußerungen von Mißfelder praktisch unmöglich.
Du bist soeben zum Opfer in einer meiner Kurzgeschichten geworden.
Sie hat den Titel “Heizpilz in Griechenland” und handelt über einen jungen Mann, der an der Komplexität der griechischen Gesellschaft verzweifelt und erst nach langen Leiden vom Baum der Erkenntnis nascht.
Mißfelder hat das Recht auf Provokation, ebenso wie Sarazzin sie hatte. Und wie hier die Kritik zeigt, hat er ja auch eine Diskussion darüber angeregt.
Du bist gelernter (bzw. studierter vielmehr) Sozialarbeiter, Achim? Hätt’ ich jetzt nicht gedacht.
Wenn Du das so meinst, dass man auch sagen könnte, dass Arbeitnehmer und Aktionäre mehr in Tabak und Alkohol investieren, wenns mehr Lohn bzw. Gewinnausschüttungen gibt, dann kann ich Dir nur vorbehaltlos zustimmen.
Ich habe die Beobachtung gemacht, dass das Konsumieren von Genussmitteln, namentlich Alkohol, auch ein wesentlicher Lebensinhalt einer ganzen Reihe von Kommunalpolitikern ist… :)
Hab ja anschliessend noch einen anständigen Beruf erlernt ;-)