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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Finanzkrise erklärt

jo@chim, 28.02.2009


Die Finanzkrise kurz und bündig. Teil II liegt noch nicht vor (staatliches Finanzkrisenmanagement kurz und bündig: Abhängprämie, Subventionen für die Bierdeckel-Industrie und die Verstaatlichung der Kneipe).



38 Kommentare zu “Finanzkrise erklärt”

  1. Lina

    Sehr schön, besser geht’s nicht – und zur Herstellung der richtigen Proportion zur Kriiiise genügt der Hinweis, dass das auch mit Häusern geht, nicht bloss mit Drinks …

  2. Martin Eisenhardt

    Was mir noch fehlt ist ein Hinweis darauf, dass die Regierung den Wirt mehr oder weniger dazu gezwungen hat, auch Leuten Bier auszuschenken, denen er das früher (als er noch seiner eigenen Erfahrung vertrauen durfte) niemals getan hätte – und noch dazu zu Konditionen, die niemals das Risiko abdecken, dass der Bierdeckel bei Fälligkeit nicht bezahlt wird.

    Stichwort: Community Re-investment Act (Danke, Bill Clinton!)

  3. stefanolix

    Schön und schaurig ;-)

  4. Lemmy Caution

    Mir fehlt der Hinweis darauf, dass die Angestellten der aufkaufende Bank und der Rating-Agenturen mit den Wertpapier-Hütchenspielen deutlich mehr Geld verdient haben als die sympathischen Trinker Schulden gemacht haben.
    In der realen Welt konnten nur 6% der Trinker ihre Schulden nicht zurückzahlen. Die Kneipe müßte also mit 38 normalen und 2 Schuldentrinkern bemannt sein. Schon seltsam, dass dies die gesamte Wirtschaftsszene in den Abgrund stürzt, oder?

    Es fehlt deutlich ein Hinweis auf den politischen Druck in Richtung eines Abbaus von Gesetzen, welche die Hassardeurs-Geschäfte der Banken in der Vergangen erschwerten. Im Namen des freien Unternehmenertum und wider bessere Erfahrung in den USA 1929, Chile 1982, Japan 1990, Spanien 1990, Schweden 1992, Mexiko 1995, Thailand/Südkorea/Malaysia/Indonesien 1997.
    (Danke Ronald Reagan, Magaret Thatcher, Augusto José Ramón Pinochet Ugarte!)

  5. CfG

    Die sehr lange Klammer macht den Satz übrigens nur schwer lesbar. Das kleine “Teil II” davor rechtfertigt nicht den imposanten Einschub, lieber einen Nebensatz oder zweiten Hauptsatz.

  6. fpk

    Schön. Kann mich aber nur Martin anschließen. Wie zu oft vergessen, dass Papa Staat dem Wirt erst dazu animiert hat, so kreativ zu werden und die Kundschaft dazu, auf Pump zu leben und Geld in Bier anzulegen. Sprich: Community Reinvestment Act, steuerliche Bevorzugung von Immobilien vor anderen Investitionen, Zentralbankzinsen für eine gefühlte Ewigkeit extrem niedrig …

  7. Lina

    Wie zu oft vergessen, dass Papa Staat dem Wirt erst dazu animiert hat, so kreativ zu werden

    ‘Zu oft vergessen’? Sorry, so war’s nicht, denn genau dieses Argument fand nach Eintritt der Krise von Anfang an von wirtschaftsliberaler Seite geradezu inflationäre Verwendung – als ob man sich ausgerechnet in diesem Lager von Staats wegen zu Kreativität animieren lassen wolle oder müsse … prinzipiell, meine ich.

    Praktisch aber schon, denn man hat’s (ohne Zwang!) getan, und zwar prospektiv gewinnmaximierend + damit gegen jede ökonomische Vernunft, die man sich ansonsten so überlegen ans Revers heftet …

  8. jo@chim

    Hast Recht. Habe den Satz etwas entzerrt :-)

  9. jo@chim

    Wer sagt, dass Markthandlungen per se “ökonomisch vernünftig” sein müssen?
    Der Markt ist doch eben das Entdeckungsverfahren, ökonomisch nicht tragfähige Konzepte zu eliminieren.
    Umso problematischer, wenn das im Namen “ökonomischer Vernunft” vom Staat (vorhersehbar!) ausgehebelt wird.

  10. stefanolix

    Die Abhäng-Prämie sollte aber eigentlich eine Wegschütt-Prämie sein: wer nachweislich jeweils die zweite Hälfte seines Bierglases wegkippt, bekommt 50 Cent Rabatt beim Bestellen des nächsten Glases ;-)

    Und hier haben wir auch keine Auswirkungen auf die Schrottpreise. Allenfalls muss der örtliche Abwasserbetrieb eine neue Klärstufe einbauen …

  11. Lina

    Der Markt ist doch eben das Entdeckungsverfahren …

    Ahhhhhhhhhhh und gnihihihi : dann scheint der Staat den Markt als ebensolches verstanden zu haben? Und wenn schon: Trial & Error eben! Nobody is perfect ;-) …

    Hätte er mal die all die trickreichen ‘Nullnummern’ ausgehebelt! Nur sie waren m. E. im ökonomischen Casinobetrieb vorhersehbar unvernünftig.

  12. Thearcadier

    Es gab ja bisher schon einige Erklärungs-Versuche in Sachen Finanzkrise. Aber diese hier ist mit Abstand die beste, die mir begegnet ist, kurz und bündig eben. Vielleicht liegts auch am vertrauten Terrain des Beispiels…

  13. Cologne

    Naja, ganz nett. Irgendwie fehlt’s mir hier seit Statlers Abgang aber doch ein wenig an ökonomischer Kompetenz. Eine ausführlichere Erklärung der Finanzkrise gibt’s übrigens hier:

    http://www.thislife.org/Radio_Episode.aspx?episode=355

    Viel Spaß damit!

  14. fpk

    @Lina
    Vergessen von wirtschaftsliberaler Seite sicher nicht. Aber die meisten Erzählungen in den Medien sind halt nicht von Wirtschaftsliberalen geschrieben.
    Dort beginnt die Geschichte meist im zweiten Akt mit der Gier der Banker. Dass die Immobilienblase in der Form, und damit die Vorraussetzung für die irren Finanzprodukte, nicht ohne kräftige Mithilfe des Staates möglich gewesen wäre, wird selten erwähnt.
    Der Staat hat Anreize gesetzt ohne die viele Akteure wohl etwas anders und vorsichtiger gehandelt hätten.
    Die Hybris der Banker und der Wahnwitz ihrer Produkte bleibt unbestritten.

  15. Lina

    Dort beginnt die Geschichte meist im zweiten Akt mit der Gier der Banker.

    Das ist richtig – und gut gesagt! Die Sache ist ein Drama in 1, 2, 3, 4, 5 und mehr Akten, das derzeit und vermutlich noch länger weltweit en suite gespielt wird …

    Richtig ist aber auch (und dabei bleibe ich ! ;-), dass die erfolgte staatliche Animation durch Anreize in ihrer Wirkung durchschaut und nicht hätte realisiert werden müssen – von den theoretisch so überzeugend argumentierenden Eingeweihten des Wirtschaftsliberalismus …

  16. Florian

    Lina:

    Auch wenn das durchschaut wurde, ändert das nichts:
    ein Akteur hat Anreize und handelt entsprechend.

    Wenn ein Immobilienkäufer ein 100%-Darlehen bekommt und er aufgrund der Gesetzeslage weiß, dass er für dieses Darlehen nicht persönlich in Haftung genommen werden kann, dann ist es für ihn rational, das Darlehen in Anspruch zu nehmen – selbst wenn er erkennt, dass er mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit in eine Blase investiert.

    Und wenn eine amerikanische Geschäftsbank per Gesetz gezwungen wird, einen bestimmten Prozentsatz ihrer Kredite an Minderheiten (mit geringer Bonität) zu vergeben, dann wird sie das machen.
    Speziell dann, wenn daran die Möglichkeit genüpft ist, die Kredite bei der halbstaatlichen Fannie Mae zu refinanzieren.

    Und wenn eine amerikanische Investmentbank Kreditportfolios für problematisch hält, dann ist es dennoch rational sie zu kaufen, wenn sie weiß, dass (staatliche) deutsche Landesbanken die Portfolios aufkaufen werden.

    Und wenn deutsche Landesbanken wissen, dass ihre staatliche Gewährträgerhaftung ausläuft, dann ist es rational, sich davor noch bis unter die Halskrause billig frisches Geld ins Haus zu holen.
    Speziell dann, wenn sie weiß, dass sie das Geld zu höheren Zinsen weiter verleihen kann und für dieses Geschäftsgebahren von den Ministern im Aufsichtsrat ihr ok bekommt.

    Jeder einzelne reagiert rational auf die Anreize, die ihm der Staat setzt.

    Natürlich war “Gier” im Spiel.
    Nur: Gier ist seit Anbeginn der Menschheit im Spiel. Staatliche Regeln sollten so gestrickt sein, dass sie trotz (oder sogar wegen) der Gier der Menschen funktioniert.
    Regeln die nur funktionieren, wenn Menschen ihre eigenen Interessen ignorieren sind halt nicht so besonders clever.

  17. Martin Müller

    Für jeden staatlichen Bock findet sich ein privatwirtschaftlicher Gärtner, der diesen genüsslich bewirtschaftet. So was müsste sich der Staat, der ja immer alles besser weiss, halt schon auch überlegen.

  18. Die Stimme aus dem Off

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal einen Politiker der CDU inhaltlich unterstützen könnte.

    Ganz meine Meinung zur Finanzkrise.

  19. Lemmy Caution

    Kannst du mir bitte erklären, warum die Immobilienblase die Voraussetzung für die Differenzierung der Finanzprodukte war?
    Das ganze ist kein sequentieller sondern ein paralleler Prozess. Der risiko-averse Finanzmarkt bildete sich parallel zu der übermässigen Vergabe von Hypotheken-Krediten in den US o A.
    Imnsho wurden die Anreize für den Risiko-blinden Finanzmarkt doch wohl eher durch eine Abschaffung vernünftiger Regulierungen im Finanzsektor und eine systematische Nicht-Beachtung von black swan Krisen (black swan = unerwartet und groß) in den Risiko-Modellen vieler privater Banken gelegt.

  20. Lemmy Caution

    Aha.
    … und wenn unter dem Druck hoher Rendite-Erwartungen arbeitende Bankangestellte gestützt auf mathematisch smarte aber höchst unvollständige Risikomodelle massiv Geld in extrem risikoreiche Geschäfte arbeiten sie rational und nicht gierig.
    Schliesslich erhalten sie ihre Boni für die Geschäfte. Und wenn nicht, dann bezahlen eben die Steuerzahler.

    … und wenn ganze Staaten wie Island, Irland, Estland, etc. ihre Ökonomien auf windelweichen Bankenregulierungen aufbauen werden sie über Jahre vom Cato Institut, der Heritage Foundation, etc. in höchsten Tönen als nordische, keltische oder semi-tundrische (?) Tiger gelobt. In der modernen happy-happy Welt ist Geld verdienen so einfach. Man muß einfach nur deregulieren. Über ein paar Jahre gibts dann Wohlstand für alle… und wenns dann den Bach runtergeht, kann man ja mal versuchen die dummen vorsichtigeren Volkswirtschaften anschnorren.

  21. fpk

    @Lemmy
    nicht die Voraussetzung für die Finanzprodukte, da hab ich mich mißverständlich ausgedrück. Aber die Vorraussetzung, dass mit diesen so großer Sch*** gebaut werden konnte.

  22. Lemmy Caution

    fpk,
    du meinst also, dass ohne die Immobilienblase mit Finanzmarktpapieren mit einem extrem hohen Hebel kein Sch*** gebaut werden kann?
    Dann hätten die Agenten in den Banken sich immer für ein hinreichend sicheres Anlage-Portfolio entschieden, obwohl es auch in vielen privat geführten Banken Anreizsysteme in eine ganz andere Richtung existierte?

  23. Lina

    *aufatem* – you’ve got it.

    Wobei mir der ‘semi-tundrische Tiger’ an besten gefällt :-D …

  24. fpk

    @Lemmy
    Ich meine, dass die Krise niemals so schlimm ausgefallen wäre, wenn die Blase am Immobilienmarkt nicht so groß geworden wäre. Und an deren Entstehen hatte Papa Staat durch verschiedenste Maßnahmen und Institutionen großen Anteil. Ich sage nicht dass es dann keine gegeben hätte.

    Hab Taleb auch gelesen und finde überzeugend, was er zu der Tauglichkeit der Risikobewertungsinstrumente der Banker zu sagen hat. Da wurden Kartenhäuser errichtet und Risiken massiv unterschätzt.

    Frage ist, ob Regulierungen wirklich der Weisheit letzter Schluss sind. Gerade bei der Finanzindustrie sehe ich da eine Hase und Igel-Problem. Zudem besteht die Gefahr, dass durch starke Regulierung wirtschaftliche Dynamik abgewürgt wird. Gerade neue innovative Industrienen brauchen Investoren, die hohe Risiken eingehen.

    Besser wäre es, wenn wirtschaftlich unkluges Handeln wieder bestraft werden würde, wie das in ner Marktwirtschaft sein sollte. Durch den Bankrott. Wäre sinnvoll zu überlegen, wie man wieder zu so ner Ordnung kommen kann.

  25. Libero

    Gerade neue innovative Industrienen brauchen Investoren, die hohe Risiken eingehen.

    In den letzten 20 Jahren ist nur ein Bruchteil der Investitionen in neue Technologien gegangen. Wenn ein nahezu unverschämtes Risiko eingegangen wurde, dann für Finanzwetten und Spielereien wie Cross Border Leasing.

    Es reicht auch nicht die Bereitschaft, hohe Risiken einzugehen, sondern es fehlt das Know-How, sie überhaupt zu erkennen und vor allem, sie durchstehen zu können. Eine bahnbrechende Technologie braucht von der Idee bis zur Marktreife 10 bis 30 Jahre. In den ersten 10 Jahre investiert man nur, danach kann man annähernd seine Kosten erwirtschaften. Wenn man Pech hat, ist man vor Erreichen des Marktes finanziell so ausgelaugt, daß das Geld für den Aufbau der Produktion und das Marketing fehlt. Dazu braucht man Investoren, die nicht nach 5 oder 10 Jahre nach Exit schreien. Diese Finanzinvestoren sind nicht solche Investoren und werden es auch nie sein. Die glauben allen Ernstes, Innovationen sind ähnlich wie im Softwarebereich. Ihr Zeithorizont ist ab 3 bis 5 Jahren überlastet. Mit so einem Zeithorizont kann man keine bahnbrechende Innovationen bewältigen.

    die vierte Generation der Kernreaktoren wrd 30 bis 50 Jahre brauchen. Es fehlen also noch ein paar Jährchen.

  26. Die Stimme aus dem Off

    Volle Zustimmung.

  27. Libero

    Nana keine Übertreibung. Sagen wir einfach Zustimmung.

    Wenn ich mir die Entwicklung der Startups in den USA ansehe, fällt mir auf, daß die x-te Generation von Unternehmern der ersten Generationen profitiert, die ihre Unternehmen zum Erfolg führten und nun mit Know-How und Kapital in die Crews der x-te Generation einsteigen. Es ist eine Gründerszene entstanden, die sich bisher selbst regenieren konnte und die in dieser Form in Deutschland nicht stark genug ist.

    Bleibt abzuwarten, wie sich der Kapitalverlust dieser Gründer auf die Startups auswirkt, die gerade gegründet werden oder die noch Kinderkrankheiten zu überwinden haben.

  28. Lemmy Caution

    Hallo fpk,

    Hab Taleb auch gelesen

    Ich kenn Taleb nicht und habs wohl anderswo gelesen. Is aber egal.

    Ich meine, dass die Krise niemals so schlimm ausgefallen wäre, wenn die Blase am Immobilienmarkt nicht so groß geworden wäre. Und an deren Entstehen hatte Papa Staat durch verschiedenste Maßnahmen und Institutionen großen Anteil. Ich sage nicht dass es dann keine gegeben hätte.

    Ich sehe die Immobilienkrise als Anlaß und die strukturellen Probleme des Bankensektors als Ursache. Diesen immer weiter hypertrophierende Bankensektor hätte irgendwann ein anderer Anlaß umgehauen. Die Robustheit des Gesamtsystems war durch die hier privatwirtschaftlichen initiierten Innovationen im Finanzsektors angeschlagen. Die Hypothekenkrise war aus meiner Sicht nicht der entscheidende Punkt!
    Rayson hat in bissige-liberale diesen Artikel verlinkt: http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=615 . Sehr lesenswert. Dieser Artikel stammt von einem offenbar klugen Experten, dem marktwirtschaftliche Ordnungsprinzipien sehr wichtig sind. Für mich sagt er aus, dass im heutigen Bankensektor normale marktwirtschaftliche Reinigungskräfte nicht greifen. Er sucht deshalb nach neuen Spielregeln für den Bankensektor.
    Die Stärke der Marktwirtschaft und Demokratie war für mich immer die Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Gegegebenheiten.
    Die Welt hat sich in den letzten 12 Monaten verändert und wir müssen sie neu entdecken.

  29. tigger

    Die Grenze zwischen “rationalem Gewinnstreben” und “gier” ist dann überschritten, wenn ich dabei auf staatliche Zusicherungen vertraue ?

  30. Libero

    dann ist es für ihn rational, das Darlehen in Anspruch zu nehmen – selbst wenn er erkennt, dass er mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit in eine Blase investiert

    Nehmen wir Herrn Merkle. Er investierte mit Krediten in Heidelberger Zement und diese expandierte mit Krediten.

    Das war rational.

    Sein Verwandter, der Herr Schleicher, vorher Hauptanteilseigner der Heidelberger Zement und selbst mit der Schwenk-Gruppe m Baustoffsektor tätig, war vorsichtig und reduzierte seinen Anteil.

    Das war irrational.

    Herr Schleicher ist noch als Unternehmer aktiv. Herr Merckle war rationaler.

    Ein anderer rationaler Unternehmer im Baustoffsektor ist Don
    Zambrano. Er verhandelt gerade ganz lässig und entspannt und vor allem strikt rational mit seinen Banken.

    Manchmal kann man auch zu rational sein und schafft es mit einem traumhaft eleganten Huftschwung ohne Überschwang in die Dummheit.

  31. Lemmy Caution

    @Lina: Unsere flauschigen Freunde mit der flat tax wär auch keine schlechte Umschreibung für semi-tundrische Tiger ;-)

    @tigger: Wenn du dich auf mich beziehst, verstehe ich nicht so recht, was du mit deiner Frage meinst
    .
    Als Praktiker kann ich dir versichern, dass ich ex-ante nicht unbedingt in der Lage bin, die Grenze zwischen “rationalem Gewinnstreben” und “Gier” zu ziehen. Das ist eben Teil des Entdeckungsverfahrens. Nur werd ich bei meinen IT-Projekten durch Wochenendarbeit oder peinliche Nachverhandlungen und pekuniäre Einbußen bestraft, wenn ich eine überoptimistische “klar-geht-das-in-x-Tagen”-Aussage abgegeben hab.
    Die Banker und ganze Volkswirtschaften wurden aber im aktuellen institutionellen Rahmen für zu wenig risiko-averses Verhalten eben nicht mehr bestraft.

    Kopf: ich gewinn und verdien eine Menge Geld
    Zahl: ich verlier und jemand anders räumt den Dreck weg.

  32. Libero

    @LemmyCaution

    Typisch Praktiker, keinen Sinn für die wirklich großen, die bewegenden Gedanken. Du gehst da völlig falsch heran.

    Ende des Kommunismus, des kalten Krieges, der Bedrohung durch den wirtschaftlichen Winter. Anschluß des russischen Einflußgebietes und Chinas an die Weltwirtschaft. Nur ein paar unwichtigen Staaten verharren im Abseitsstehen. Gigantisch, Phänomenal!

    Was heisst das?

    Wirtschaftliches Feuerwerk mit Händels Musik.
    Das muß man hören, das muß mal fühlen. Außer man ist Vertreter der Wiener Schule. Dann fühlt und hört man nichts.

    Das bedeutet den immerwährenden wirtschaftlichen Sommer. Keinen wirtschaftlichen Herbst und erst recht keinen wirtschaftlichen Winter mehr.

    Diesen Gedanken mußt du auch dich lange und intensiv wirken lassen. Lass es zu, daß er Besitz von dir nimmt, dann bist du auf dem richtigen Trip. Ein leichter Hauch einer Prise Ignoranz und fertig ist der Joint der Sorglosigkeit.

    Dann glaubst du auch, daß es nur eine Richtung der wirtschaftlichen Entwicklung geben kann, die nach oben. Alles steigt, Wachstum und die Preise für Häuser und andere Vermögenswertgegenstände. Das kann gar nicht schief gehen, völlig unmöglich.

    Natürlich gibt es immer wieder Miesepeter, kleingeistige Zweifler, die einfach nicht wahrhaben wollen, daß es nicht mehr den geringsten Grund für einen wirtschaftlichen Herbst geben kann. Querulanten. Was macht man mit solchen Menschen? Man ignoriert sie beharrlich.

    Es wird mehr, es wird mehr, es wird mehr. Wenn du nur von Menschen umgeben bist, die das auch glauben, kann das gar nicht schief gehen. Alle sind gut drauf.

    Ich amüsiere mich ja immer, wenn ich die Vertreter der Wiener Schule lese und ihr strikt rationales Denken. Sind die eigentlich auch sonst solche Langweiler? Das sind die richtigen Antizykler. Kinder, ihr wisst doch, seid schön artig und benimmt euch. Langweiler eben.

    Die glauben allen Ernstes, daß man mit strikt rationalen Denken auch nur eine Innovation zur Marktreife bringt. Die verstehen gar nicht, wie Menschen hirnen,was sie antreibt. Das ist doch nicht rationales Denken, Erwartungen sind nie rationales Denken.

    [/ironie]

  33. tigger

    Die Banker und ganze Volkswirtschaften wurden aber im aktuellen institutionellen Rahmen für zu wenig risiko-averses Verhalten eben nicht mehr bestraft.

    Ja. Anything goes. Der Unterschied zwischen deregulierten Märkten, und staatlich behüteten Märkten liegt unter anderem darin, dass in letzteren das Wort “Risiko” fremd ist. Damit will ich nicht sagen, dass es kein Risiko gibt, aber wenn der Staat mitspielt, trägt es halt der Steuerzahler.

  34. fpk

    @Lemmy
    sind wir uns zumindest einig, uneinig zu sein, was die Rolle der Immobilienblase betrifft.
    Die These des Artikels ist ja genau meine. Es ist zweifelhaft, wie wirkungsvoll detaillierte Regelungen zu Finanzprodukten sein können – Hase und Igel-Problematik, es ist zu befürchten, dass die Regulierer dem Finanzsektor wie schon vorher immer nur hinterherhinken – daher lieber darüber nachdenken, wie ein neuer Rahmen aussehen könnte, der auch für den Bankensektor marktwirtschaftliche Reinigungsmechanismen ermöglicht – Banken bankrott gehen können, ohne dass das ganze System den Bach runter geht.
    Nassim Nicholas Taleb hat ein Buch geschrieben, das The Black Swan geschrieben, daher dachte ich du beziehst dich darauf. Lesenswert. Hier ein längeres Interview dazu mit ihm:
    http://www.charlierose.com/view/interview/9713

  35. fpk

    Eontalk hatte vor einiger Zeit auch ein längeres Gespräch mit Taleb:
    http://www.econtalk.org/archives/2007/04/taleb_on_black.html

  36. BlackEye

    Es gibt doch überhaupt keinen Beweis dafür, dass das Zusammenbrechen einer großen Bank oder Versicherung zu einer Katastrophe führen würde. Würde die Politik auf die Meinung der Mehrheit der Bürger hören (die in diesem Fall ausnahmsweise liberal und vernünftig denkt) hätten wir die Krise auf marktwirtschaftliche Art und Weise bewältigt.

  37. Lemmy Caution

    @fpk:
    Hab Black Swan afaik erstmals in drunkandretired gehört, die econtalk Folge wohl auch. Publizisten in den USA benutzen den Ausdruck black swan Krise für die aktuelle. Das Buch “hab ich allerdings nicht gelesen und der Name des Autors war mir nicht geläufig.
    Hab mir erstmal Posner, A Failure of Capitalism: The Crisis of ’08 and the Descent into Depression bestellt. Kommt zwar erst im Mai raus, erwarte mir davon aber einen sachlichen Überblick.

  38. Die Finanzkrise kurz und bündig | Bloger Net

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