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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Resonanzkatastrophe

dagny t., 14.03.2009

Es fällt mir immer ein bisschen schwer, physikalische – und damit mathematisch begrifflich sauber definierte – Objekte auf gesellschaftliche Phänomene zu übertragen.

Und dennoch erinnert mich die Bankenkrise zunehmend an das, was man Resonanzkatastrophe nennt. Ein System ist eigentlich so angelegt, dass Energie (in diesem Fall das Risiko einer Insolvenz) dissipiert (hier: gestreut) wird.

Aufgrund von Resonanzen ist es aber möglich, dass das Risiko nicht gestreut wird, sondern sich an bestimmten Punkten kumuliert – Etwa wenn die Energie, die Wind auf eine Brücke überträgt, nicht im Fundament abgefedert und dissipiert wird, sondern zum Aufschaukeln und Einsturz der Brücke führt.

Der Artikel in der eifrei über einen Vortrag zu den Ursachen der Finanzkrise legt diese Vermutung nahe.

P.S.
Resonanzen bzw. Resonanzkatastrophen sind auch im Brückenbau bekannt – Systemkrisen sind dies aber nicht, Brücken werden immer noch gebaut.



9 Kommentare zu “Resonanzkatastrophe”

  1. Heizpilz

    Das liest sich recht gut, danke für den Webverweis.
    Inwieweit die Niedrigzinspolitik hier eine Rolle gespielt hat, nunja, aber der CRA war die Ursache, wurde klar benannt, gut.
    “Resonanzen”? Du meinst den Run auf die Banken, wenn es dunkel wird? Tja, der eine oder andere schlaue Mensch wird sicherlich schon in Sachwerte investiert haben, kann ich auch nur jedem raten. Denn wenn jetzt wieder falsche Weichenstellungen und Gesoze (CRA war Gesoze) folgen, dann wird die nächste Krise das Wirtschaftssystem vielleicht ganz “resonant” abgeigen lassen.

  2. Die Stimme aus dem Off

    Na, Achim?

    Du erinnerst Dich?

  3. jo@chim

    Ich erinnere mich immer, an alles Mögliche… bekomme aber den Zusammenhang zu diesem Beitrag im Moment nicht gebacken…

  4. Lemmy Caution

    … und um in Zukunft das System robuster gegen solche Risiko-Kulmulationen (spell.?) zu machen, wirds nun ordentlich Regulierungen geben. Verschiedene Regierungen und der IWF arbeiten ja an den entsprechenden Vorschlägen.
    Lest die beiden letzten Bücher von Krugman (“The Return of Depression Economics and the Crisis of 2008″ und ” The Conscience of a Liberal: Reclaiming America from the Right”), Wiliam H. Dohan, bestellt A Failure of Capitalism: The Crisis of ’08 and the Descent into Depression von Richard A. Posner.

  5. Kuschel

    Ob das Bild so passt? Demnach wäre unsere Wirtschaft wie eine Brücke, über die immer nur ein paar wenige gehen dürfen und das nicht im Gleichschritt …

    Die Kreditmasse wäre vermutlich kein so großes Problem geworden, wenn die Amerikaner die Kreditsumme selber gestemmt hätten. Leider hat das Außenhandelsdefizit dazu geführt, dass die Kredite zunehmend mit Geld aus dem Ausland gegeben wurden.

    Man darf gespannt sein, wie lange die Amerikaner (trotz neuem Messias) stillhalten, wenn sie nur noch die Gegenwerte dessen konsumieren dürfen, was sie auch erarbeiten. Die nächsten Monate wird per Weltkonsens noch feste Schulden gemacht, aber was kommt danach?

  6. dagny t.

    Die Bruecke ist was das angeht in der Tat stabiler, wenn eine grosse Menge sich ungeordnet, gar anarchistisch, ueber sie hinueberbewegt.

    Die Amerikaner sind keineswegs allein die Boesen – die Landesbanken und die HRE sind hausgemachte Probleme.

  7. Kuschel

    Vielleicht sollte man sagen: “Die Brücke hält länger, wenn…”

    Ein Bau-Ingenieur würde aber eh sagen: “Wenn man die Brücken anders baut…”

    Zu Landesbank: Bleiben wir sachlich, die Landesbanken und alle europäischen Kreditinstitute halten sich bei der Keditvergabe seit Jahren an die Basel 2-Vorschriften und Amerika verweigert sich seit Jahren (vgl. Brückenbau). Die intransparenten Kreditpakete wären vor ein paar Jahren in Deutschland noch gar nicht handelbar gewesen (vgl. Brückenbau/Begehungsvorschriften). Gleiches gilt für Amerika bis in die 70er.

    Und zu HRE: Die Depfa der HRE bekommt halt keine neuen Kredite für ihre auslaufenden Kurzläufe, mit denen Langläufer finanziert wurden. Das liegt natürlich am klemmenden Kreditmarkt, und der klemmt, weil alle Angst vor implodierenden amerikanischen Krediten haben. Wer sich daran stört, schlägt vielleicht eine bessere Eigenkapital-/Golddeckung vor. Willst du das? Da wären wir wieder beim Thema Brückenbau.

    Amerikaner die Bösen? Das würde ich so nicht sagen. Sie sind halt in allem, was sie sagen und machen drastischer. Natürlich gibt es Vorteile bei angewandte Drastik. Das Händling kann in der Tat einfacher werden. Aber ist das das Erfolgskonzept, nach dem die bisherige menschliche kulturelle Entwicklung stattfand? Sind einfache Autos erfolgreicher? Sind einfache Häuser beliebter? Sind einfache Maschinen leistungsfähiger?

    Bei allem Verständnis für Einfachheit und Drastik, ich sehe die eigentliche Aufgabe des vom Überlebensdruck befreiten Menschen im 21sten Jahrhundert nicht darin, möglichst viele arme Menschen für möglichst lange unten zu halten oder runter zu bringen, damit der Wohlstand zwischen möglichst wenigen aufgeteilt werden kann. Ein bisschen komplexer und dem Wohlergehen möglichst vieler Menschen verpflichtet dürfen die Zukunftskonzepte für meinen Geschmack schon sein.

    Natürlich hieß es die letzten acht Jahre bei uns gerne mal “die Amerikaner”. Es war aber in ganz besonderem Maße die amerikanische Regierung selbst, die unablässig bemüht war, die Welt in Freund und Feind zu teilen. Denn ein Feindbild ist ein notwendiger Bestandteil einer einfachen und drastischen Welt.

  8. dagny t.

    Die HRE, das hatten wir schon mal angedeutet, ist wohl die Bad Bank in der sub-prime Immobilienkredite aus der alten Hypobank, spaeter HypoVereinsbank deponiert wurden.

  9. Kuschel

    Die Hypobank hatte schon früher Trouble mit Krediten. Die Hypobank hat auch schon früher ganz gerne Kreditnehmer in den Privatkonkurs getrieben (wie man das jenen amerikanischen Banken im Bill und Melinda-Stiftungsfond vorwirft). Die HRE hat derzeit ihr Hauptproblem aber mit der Depfa. Die braucht die Milliardenbürgschaften. Das andere ist Kleinviehmist.

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