Wir haben hier kürzlich etwas über Leistungsträger geschrieben und ein paar Kommentare ausgelöst. Wir wurden auch gefragt, ob denn die Behauptung, höchstens zehn Prozent seien diesen zuzurechnen, empirisch zu unterlegen sei.

Nein, ist sie nicht. Es handelt sich um einen persönlichen Erfahrungswert. Aber freut euch: Immerhin kann man festhalten, dass es in Deutschland doch rund acht Millionen Leistungsträger gibt, das sind einige mehr als sagen wir – in der Schweiz.

Allerdings hat Deutschland schon ziemlich Stress mit seinen Eliten. Eine Drohung, wie sie Herr Steinbrück ausspricht, wäre in England oder in Frankreich völlig undenkbar. Erst recht in den republikanischen USA.

Wer in Frankreich eine Spitzenposition in Wirtschaft oder Politik erreichen will, muss eine der Écoles besucht haben und in diese Elite-Schmieden kommt nur hin, wer die Hürden der Concours überwunden hat. In England macht man das mit Geld und über Privatschulen. In den USA dito. (In der Schweiz läuft das über die Staatsschulen, wie gesagt, hier wird eher das Mittelmass gepflegt.)

Diese Aversion gegen die Leistungselite in der BRD kontrastiert für den aussenstehenden Betrachter auffällig mit der Ehrfurcht vor Adelstiteln, obwohl die schon längst abgeschafft wurden. Da gibt es Grafen und Freifrauen also ob die Monarchie noch irgendwie bestand hätte. Und eine ganze News-Industrie lebt von Adels- und Glamour-Eliten, die ihre Konten in der Schweiz oder sonstwo (Guernsey?  Monaco?) bunkern. Wir lernen, Eliten werden in Deutschland nur auf Hochglanz bewundert.

Aber irgendwie passt das zur Stimmung in einem Land, dass in die DDR abzudriften scheint, wo eine Mehrheit der Meinung ist, die letzte Diktatur sei eigentlich gar nicht so schlimm gewesen (der Teil meiner deutschen Verwandtschaft, der das Naziregime überlebte, sagte noch bis tief in die Siebziger hinein, einiges sei unter Adolf auch gut gewesen).

Interessant scheint mir eine Studie, die vor Jahren gemacht und damals in der DLF-Sendung „Campus und Karriere“ besprochen wurde. Die ist mir geblieben und die ging so: Man wollte wissen, welche Uniabgänger aus welchem Milieu denn in Deutschland Karriere machen. Und Eiderdaus, trotz  Gesamtschule und Unterschichtenförderung sind es noch immer die Sprösslinge aus Akademikerfamilien und anderen Führungsschichten, die später Führungspositionen in Unternehmen bekleiden. Einzige Ausnahme: Akademische Berufe, wo Kommissionen über die Besetzung der Stelle entscheiden.

Da dieses Ergebnis nach all den Jahren der Chancengleichheit nicht schmeichelte, hängte man eine vertiefte Befragung von Personalchefs an. Und die sagten, dass am Ende das Auftreten, die Persönlichkeit entscheidend sei. Ich sage das ganz profan: Wer nicht mit Messer und Gabel umzugehen weiss, hat keine Chance auf eine Führungsposition. Lachhaft? Von mir aus. Doch es ist wohl kaum ein Zufall, dass man in vielen Unternehmen genau dies den Mitarbeitern beibringt. Mühsam. (Für Auswanderungswillige: Ist in der Schweiz nicht anders.)