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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Goldiges* und Werte

dagny t., 15.04.2009

Eins Vorweg: Ich muss mich entschuldigen. Und zwar dafür, dass ich die letzten Jahre an verschiedenen Stellen immer wieder für einen Goldstandard eingetreten bin. Die These, wonach der Goldstandard fast alle Probleme lösen könnte, wurde und wird in Libertären Kreisen ja gerne vertreten.

Erinnert sei an die beiden Weltkriege**, die ohne Abkehr vom Goldstandard (1914) nicht finanzierbar waren oder an die Sozialprogramme, welche über die künstliche Ausweitung der Geldmenge nicht möglich wären.

Meine Zweifel, ob Geldschöpfung in einem libertären Umfeld, sprich ohne staatliche Kontrolle, nicht doch möglich, ja nötig wäre, haben in den letzten Monaten zugenommen und werden von Gerhard Bökenkamp in ef-online in einer Weise zusammengefasst, in der ich meine Gedanken nicht besser ausdrücken hätte können.

Gelschöpfen ist ein Prozess der dem Geschäftsmodell Bank inhärent ist. Eine beliebige Mindestreserve (und sei es 100%) ist ein Markteingriff, welcher nur durch den Staat durchgeführt werden kann. Im Gegenteil: Es kann jede andere Quote durch freie Vereinbarung erreicht werden.

Allerdings bleibt Kritik an dem staatlichen Monopol auf Geld. – Goldgeld müsste sich mit all seinen Eigenschaften, Vor- und Nachteilen, auf dem Markt anderen Geldformen stellen. Zur Werterhaltung kann (Papier) Geld dienen, muss es aber nicht – Selbst Sachanlagen verlieren an Wert, etwa wenn sich der Wert den die Mitmenschen diesen Dingen zuschreiben ändert.

Die Feuersteinmine eines Frühzeitlichen Vorfahren hat heute keinen grossen Wert mehr, auch wenn der Neanderthal-Anlageberater allen Grund hatte, Investitionen in ein solches Projekt zu empfehlen.
Gleichwohl wäre der Goldschatz eines wohlhabenden Ägypters, Römers oder Griechen zumindest nie völlig wertlos gewesen.

*In der SZ von gestern fand sich im Wirtschaftsteil auf der ersten Seite ein Kommentar, der die Papiergeld -Spendabilität der Politik kritisch beleuchtete und auf Gold als Alternative verwies.
**Der 30-jährige Krieg war ähnlich vernichtend und umfassend und wurde trotz Goldstandard finanziert.



15 Kommentare zu “Goldiges* und Werte”

  1. Max

    Vielleicht eine Idee noch, ich verstehe nicht warum man so stark auf Gold rumreitet. Es könnte doch ein Warenkorb aus verschiedensten recht stabilen Werten gewählt werden können. Edelmetalle haben zwar inheränt einen hohen eigenen Wert, allerdings sind auch sie einer hausse und baisse ausgeliefert (siehe Industrienutzung)….

  2. dagny t.

    Moment – Wovon ist in Deinem Beispiel die Rede? Ein Wahrenkorb wofür genau? Für privates Geld oder für staatliches Geld?

    Die physische Deckung soll das Vertrauen und die Stabilität des Geldes erhöhen: Es muss wohl etwas sein, das man in die Hand nehmen kann, teilen kann, aufbewahren kann ohne auf zu grosse technische Hilfen angewiesen zu sein – man möchte ja gerade vom blinden Vertrauen in das Papier wegkommen.

    Öl kann einfach verbrennen, Silber (und andere Metalle) laufen an oder oxidieren, Uran ist radioaktiv? Diamanten oft Einzelstücke und für den Laien nicht zu bewerten, Kupfer hat eine zu geringe Wert-Dichte für grössere Beträge, Grund und Boden wurde schon mal (Rentenmark) zur Geld-Deckung verwendet (Imho haben über eine Zwangshypothek).

    Allerdings hast Du natürlich recht: Der Markt soll selber entscheiden, welchem und wessen Geld mehr Vertrauen geschenkt wird.

  3. Kuschel

    “Allerdings hast Du natürlich recht: Der Markt soll selber entscheiden, welchem und wessen Geld mehr Vertrauen geschenkt wird.”

    Wäre ja auch zu schade, wenn man zukünftig mit gebündelten Hypothekenpapieren kein(e) Geld/Gold/Kaurimuscheln mehr verdienen könnte.

  4. Christian S.

    Ich habe die Gold-Anhänger nie verstanden und werde sie wohl auch nie verstehen. Gold glitzert sehr schön und sieht toll aus, aber essen kann man es nicht.

    Da trete ich ja lieber für den Zigaretten-Standard ein – damit kann man wenigstens was anfangen. ;)

  5. Max

    Ist doch schön, wenn man Gold essen könnte, dann wäre es bald unbezahlbar =)

  6. dagny t.

    Sag mal, spinnst Du? Privates Geld made by Phillip Morris, Marlboro und co. ? Wie ist denn sowas mit dem Sozialdemokratengewissen vereinbar?

    ;)

  7. Christian S.

    ist jedenfalls erschwinglicher für den “kleinen Mann” als Goldbarren. :D

  8. dagny t.

    Silber ist als “Gold des kleinen Mannes” bekannt. Eine Unze in Münzform so ab 10-15 Euro. Was kostet denn die Schachtel / Stange Rauchwahre zur Zeit? (Mir ist der Steueranteil bei der Zigarettenwährung zu hoch)

  9. Christian S.

    Wenn man sich wirklich in Silber eindecken will, ist es am einfachsten und auch am sichersten, Euro-Sondermünzen zu kaufen: die sind aus Silber und gleichzeitig gesetzliches Zahlungsmittel. ;)

  10. dagny t.

    Stimmt (aber nur im ausgebenden Land). DIe Tage kommt / kam mal wieder eine Serie heraus.

  11. Michel

    Natürlich würde es in einem libertären Umfeld zu Geldschöpfung kommen und zwar genau in dem Umfang der nötig ist um die Geldwertstabilität aufrechtzuerhalten. Siehe Friedrich August von Hayek, Denationalisation of Money.
    Eigentlich ist ein Goldstandard in einem libertären Umfeld nur ein Übergangsstadium, bis stabilere Übereinkünfte gefunden werden.

  12. Daniel

    Hayeks gutes Stück kann man übrigens beim IEA herunterladen, gemeinsam mit vielen interessanten anderen Büchern.

  13. Michel

    Liebes Akismet, sei brav und spuck mein Posting wieder aus!

  14. Alrik

    Gold ist IMHO zu wertvoll um es in den Tresoren der Zentralbanken für den hypothetischen Fall eines Umtauschs verschimmeln zu lassen ;-)

    Gold & Silbermünzen als gesetzliches Zahlungsmittel laden gerade zu zur Falschmünzerei ein. Als sie noch verwendet wurden ist es keineswegs unüblich gewesen die Münzpresse anzuwerfen wenn der Staat Geld brauchte.
    Die Münzen sind dann halt etwas kleiner gewesen oder wurden mit anderen Metallen gestreckt…

    Was die Oxidation angeht:
    Bei Gold, Silber, Kupfer dürfte der Wertverlust dadurch vernachlässigbar sein. Kupfermünzen in der Hosentasche können beim Waschen eine ziemliche Sauerei anrichten, das ist es aber auch schon.
    Grundsätzlich müssen alle drei Metalle eh legiert werden, um für eine Verwendung als Zahlungsmittel ausreichende Härte zu erreichen, Je nach Legierungspartner wird dadurch auch die Neigung zum Anlaufen / Oxidieren verringert.

  15. dagny t.

    @Oxidation (gilt nicht für Gold), es ging mir nicht um den Wertverlust, sondern um die generelle Haltbarkeit, die Vertrauen ausstrahlen soll. Nimmt man einem unbekannten eine oxidierte Münze ab oder nicht?

    @Falschmünzerei
    Ein Verändern des Inhaltsstoffes oder ein Verändern der Münzengrösse lässt sich allerdings nachweisen.

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