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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

eifrei, Preussen und andere Barbaren

dagny t., 22.04.2009

Warum müssen wir (Alt-)Bayern eigentlich mit den Preussen und Norddeutschen in einem Staat leben? München ist nicht nur geographisch näher an Mailand, sondern teilt auch die römische Vorgeschichte mit dem Süden und nicht mit dem Norden: Merke, während in Castra Regina und Augusta Vindelicorum fliessend Wasser sich in Thermen und Brunnen ergoss, lebten die Barbaren Germanen quasi noch auf den Bäumen.

Die Variusschlacht ist demnach nicht der Erfolg eines verklärten Freiheitskampfes, sondern eine Niederlage der Hochkultur.

P.S. Im Web ist es ein leichtes und auch üblich, Thesen mit Links zu belegen und sich somit von Printmedien durch Nachvollziehbarkeit der Quellen abzuheben.



18 Kommentare zu “eifrei, Preussen und andere Barbaren”

  1. Max

    Eine Hochkultur, ja, aber auch eine dekadente Kultur. Denn während die Anfangs- und Blütezeit des römischen Reiches durchaus von freiheitlichen Strukturen durchzugen war (bis hin zur einfachen Demokratie), änderte sich dies doch spätestens mit Julius Cäsar.

    Technischer Fortschritt sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Römer alles andere als freiheitlich waren. So gesehen hat die Eifrei schon recht. Wenn sie heir Freiheitskämpfer gegen Imperialisten stellt.

    So gesehen könnte man auch das Eingreifen der USA in allen Staaten aussenherum als Eingriff einer “Hochkultur” darlegen. Macht es jedoch nicht weniger schrecklich oder falsch.

    Eifrei ist manchmal etwas platt, aber immerhin glorifizieren sie nicht den Römer Staat, wie es leider ein bisschen in den Köpfen vieler Menschen (Filme helfen da nur allzu oft) ist.

  2. SG

    München ist nicht nur geographisch näher an Mailand

    Genau, und nachts ist es kälter als draußen. Und Kiel ist näher am Nordpol.

  3. Adrian

    @ Max
    Lieber eine multikulturelle imperialistische, “dekadente” Zivilisation als eine barbarische, primitive Blut- und-Boden-Stammesgesellschaft.

  4. marc

    …überflüssiger Erguss.

  5. R.A.

    > Warum müssen wir (Alt-)Bayern eigentlich mit den Preussen
    > und Norddeutschen in einem Staat leben?
    Weil die Vorfahren der Altbayern aus Nord- und Mitteldeutschland (und Böhmen) kommend Castra Regina und Augusta Vindelicorum und Umgebung erobert haben, die Wasserleitungen und Bauwerke als Steinbruch verwendet haben, mit den romanisierten Vorbewohnern kein MultiKulti betrieben, sondern sie größtenteils vertrieben, erschlagen oder versklavt haben.

    So etwas kommt vor in der Geschichte.
    So müssen z. B. die Türken Istanbuls mit den Türken Ankaras in einem Staat wohnen, nicht mit den Griechen Athens …

  6. FG

    Und zur römischen Vorgeschichte Münchens hätte ich dann doch gern noch weitere Ausführungen unserer Heimatkundlerin. (bin ja nur Zugereister mit NRW-Abi.)

  7. VolkerD

    Nicht ganz richtig, denn die ollen Germanen hatten etwas gegen das Wohnen in den Städten und liesen diese meist in Ruhe. So ist in manchen Römerstädten kein Siedlungsabbruch sondern eine Kontinuität festzustellen (z. B. in Speyer, Mainz usw.).

    Ob das auch für die Städte im heutigen Bayern gilt weiß ich nicht.

    Allerdings ist es schon sehr amüsant, für was Arminius so alles herhalten muß … mich würde es nicht sehr überraschen, wenn sein Aufstand deswegen vonstatten ging, weil er und seine Kumpane mal wieder so richtig plündern wollten.

  8. califax

    Das wahrscheinlichste Motiv ist das Streben nach einem Königreich nach dem Vorbild Marobods. Der hatte hohes Prestige, wurde von Rom ernstgenommen und sicherte sein Königreich nach innen und außen mit einem stehenden Herr.
    Arminius wird einen ähnlichen Status angestrebt haben.

  9. R.A.

    > denn die ollen Germanen hatten etwas gegen das
    > Wohnen in den Städten …
    Verständlich.
    Solange das Umland nicht die Nahrungsmittel ranschafft und die Sklaven das große kalte Steinhaus in Schwung halten, ist das Leben in einer nach römischen Muster gebauten Stadt wenig lustig.

    Römer und Germanen hatten eben zu unterschiedliche Wirtschafts- und Sozialstrukturen.

    > und liesen diese meist in Ruhe.
    Das nun nicht – eine ordentliche Ausplünderung wurde schon gewährleistet.
    Und einige Alteinwohner haben das jeweils überlebt bzw. wurden nicht versklavt und konnten dann einen Rest von Siedlungskontinuität wahren.

    > Ob das auch für die Städte im heutigen Bayern gilt
    > weiß ich nicht.
    Für die zwei genannten m. W. schon.

    > mich würde es nicht sehr überraschen, wenn sein
    > Aufstand deswegen vonstatten ging, weil er und seine
    > Kumpane mal wieder so richtig plündern wollten.
    Es ging ihm wohl in erster Linie darum, die Plünderungen (“Steuererhebungen”) der Römer zu stoppen.
    Natürlich wrude nach der Schlacht erbeutet, was die Varus-Legionen dabei hatten – aber es gab m. W. keine Versuche, nach dem Sieg in römisches Gebiet nachzustoßen um dort zu plündern.

  10. Rayson

    Soll das jetzt eine Renaissance der Neocons einläuten?

    “Im Namen der Hochkultur, ergebt euch!”

  11. neocool

    * Träum

  12. Christian S.

    Der ef-Artikel ist so seltsam wie die Erwiderung hier.

  13. Dirk F.

    Die Fortschrittlichkeit einer Zivilisation macht sich sicher nicht an dem Vorhandensein von fließend Wasser, oder allgemeiner gesprochen: materieller Versorgung, fest.

    Deine Kritik an den fehlenden Quellen teile ich.

  14. Dagny

    Hmmmm, sag das mal Deiner Frau… ;)

    Fliessend Wasser (und Entsorgung von Abwasser), Architektur (Aquädukte, Brücken, Häuser), Strassen, Wissen über den Kalender und damit Astronomie und Navigation, Schiffbau, Mathematik, Rechnen, Schrift und codifiziertes Recht, Literatur, Kunst sind doch durchaus Kennzeichen der Fortschrittlichkeit einer Zivilisation.

  15. Emmett Grogan

    @ Adrian. “Lieber eine multikulturelle imperialistische, “dekadente” Zivilisation als eine barbarische, primitive Blut- und-Boden-Stammesgesellschaft.”

    Volle Zustimmung!

  16. Scrutograph

    Lustig sind im eifrei-Artikel die vielen lateinischen Fremdwörter – feine Selbstironie. Interessant ist übrigens, dass sich Nord – und Süddeutsche genetisch stark unterscheiden, auch dies eine Folge der Niederlage des Varus.

  17. john j

    “München ist nicht nur geographisch näher an Mailand, sondern teilt auch die römische Vorgeschichte mit dem Süden…”

    Und auch mehr als nur die “römische Vorgeschichte” – zur Zeit Napoleon’s reichte Bayern bis nach Trient, der Gardasee war ein “bayrisches Meer” und Orte mit Namen wie Rovereto hatten bayrische Amtsstuben.

    Leider hatten bspw die Tiroler was gegen diesen “Sieg der Hochkultur” (aufgeklaerte, saekulaere Franzosen und Bayern gegen rueckstaendige, kirchlich-traditionsverhaftete Tiroler, sozusagen die katholischen Alpen-Taliban des 19 Jhdts…) und wehrten sich. Dabei brachten sie in ihrem “verklaerten Freiheitskampf” der “Hochkultur” ein paar ordentliche Niederlagen bei bis sich die “Hochkultur” dann doch, fuer ein paar Jahre allerdings nur, durchsetzen konnte.

    Es zeugt von feiner Ironie und einem geradezu instinktsicheren Geschichtssinn (haette ich Dagny so gar nicht zugetraut) die Achse Muenchen-Mailand ausgerechnet im Andreas Hofer-Gedaechtnisjahr mal wieder ins Spiel zu bringen. Trient muss wieder bayrisch werden! Oder zur Abwechslung Muenchen mal italienisch, ist ja egal…

  18. Scrutograph

    Römische Sklavenhaltergesellschaft als Hochkultur? Wenn nicht von den Neocons und antiimperialistischen Linken Rom mit den EU oder USA gleichgesetzt würde, hätte die Debatte kaum einen Stellenwert. Die USA halten aber keine Sklaven, sondern haben die Sklaverei abgeschafft. Auch errichten sie in Ländern, deren Märkte sie gewaltsam geöffnet haben, auch keine Steuerregime.
    Jedenfalls ist die Schlacht am Teutoburger Wald historisch ungeheuer folgenreich gewesen. Die friedliche zivilisatorische Durchdringung auch Nordosteuropas hat die Schlacht aber letztlich nicht aufhalten können.

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