antibuerokratieteam.net

Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Maggie Thatcher and the Scotsman

dagny t., 07.05.2009

Where there is discord, may we bring harmony. Where there is error, may we bring truth. Where there is doubt, may we bring faith. And where there is despair, may we bring hope

Franz von Assisi, zitiert von Margaret Hilda Thatcher bei ihrem Einzug in Downing Street No. 10.

Vor 30 Jahren, am 4. Mai 1979 trat Margaret Thatcher das Amt der britischen Premierministerin an. Ich möchte den Jahrestag nicht dafür nutzen, ein Loblied auf Ihre marktwirtschaftliche Haltung und Bewunderung Hayeks anzustimmen. Im Kabinett soll sie einst einem Minister eine Ausgabe von “Road to Serfdom” auf den Tisch mit den Worten “That’s what we belief in” geworfen haben. Von welchem zeitgenössischen Politiker könnte man dies schon behaupten?

Auch liegt es mir fern in ihrem Wirken die Keime für den New Labour Staat zu sehen. Der Economist rückte das Bild insofern bereits 1990 zurecht, als dass Labour nach Thatcher vom Sozialismus Abstand nahm. Das Labour-Programm wurde dementsprechend geändert [1,2]. Der Falkland-Krieg, der Golfkrieg [3], Ihre harte Haltung im Kalten Krieg (der Spitzname Iron Lady wurde von Radio Moskau ins Spiel gebracht als sie die bolschewistische Sowjetunion verbal angriff) und vielleicht Ihre skeptische Haltung bezüglich der deutschen Wiedervereinigung böten auch genug Anlass zu Kritik, Diskussion und Würdigung.

Ein in Deutschland weitgehend unbekannter Aspekt ist die Wahrnehmung der Eisernen Lady in Schottland. Das Verhältnis der Engländerin Thatcher auch zu den Konservativen in Schottland war und ist ambivalent, wovon sich die Autorin dieses Artikels in einer Diskussionsrunde mit Libertären und Konservativen in Dun Eideann unlängst überzeugen konnte.

David Torrence, ein Free Market / Right of Centre Journalist hat jüngst in seinem Buch “We in Scottland, Thatcherism in a Cold Climate” ausführlich über Schottland im Thatcherism recheriert und einige der Mythen entkräftet, die der Premierministerin North of the Border vorgehalten werden.

Die Einführung einer Flat Tax (“Community Charge” oder “Poll Tax” genannt), wurde Ihr zum Beispiel übel genommen. Schottland hatte den Eindruck als Experimentierfeld dienen zu müssen und die Marginalisierung der Konservativen in Schottland in der Wahl von 1997 wird diesem Umstand zugeschrieben. Allerdings ist der Turn Out der Tories in Schottland von der Wahl 1987 zu der 1992 gestiegen.

Thatcher introduced a new system for the government to raise revenue; she replaced local government taxes with a Community Charge or ‘Poll tax’, in which property tax rates were made uniform, in that the same amount was charged to every individual resident, and the residential property tax was replaced with a head tax whose rate would be established by local governments. Thatcher’s revolutionary system was introduced in Scotland in 1989 and in England and Wales the following year.

(Wikipedia)

Weiterer Rückhalt ging gegenüber der Kirche verloren. Die Speech to the General Assembly war zumindest mir völlig unbekannt. 1988 sprach die Premierministerin vor der General Assembly der Church of Scottland und hielt eine politische Rede, als “Sermon on the Mound” bekannt ist (Bericht in der BBC, Originalrede).

Christianity is about spiritual redemption, not social reform“. This was a speech that emphasised personal responsibility, wealth creation and the danger of an overly-active state. Reading it now, you may wonder what all the commotion was about back in 1988. That’s a sign of how much the political landscape of Britain, and Scotland for that matter, has changed since then.

Diese Rede ist auch vor dem Hintergrund des Berichtes Faith in the City zu sehen, in der der Erzbischof von Canterbury einige Jahre zuvor Thatchers Politik für geistige und materielle Armut verantwortlich gemacht hatte (zur Kontroverse – aus Kreisen der Regierung wurde von “purem Marxismus” gesprochen, Unterstützung für Thatchers Position kam aber auch vom Oberrabbiner Grossbritanniens – siehe die engl. Wikipedia-Seite)

Darüber hinaus hat eine englische Frau mit englischem Oberklasse-Akzent in Schottland einfach einen schweren Stand:

“Why was she unpopular in Scotland? For three reasons. First of all, she was a woman; secondly, she was an English woman; and thirdly, she was a bossy English woman.

(Quelle)

Nach Ihrem Rücktritt wurde Margaret Thatcher 1992 ein Peer im House of Lords und bereits 1990 mit dem Order of Merit und 1995 mit dem Lady Companion of the Order of the Garter, dem höchsten Ritterorden des Vereinigten Königreiches ausgezeichnet.

Im Februar 2007 wurde Ihr als erstem Prime Minister die Ehre zuteil, zu Lebzeiten mit einer Statue im Parlament ausgezeichnet zu werden. Die bronzene Figur steht Ihrem grossen politischem Vorbild, Sir Winston Churchill gegenüber und wurde im Beisein Lady Thatchers enthüllt. Sie nützte diese Gelegenheit für eine kurze Ansprache in der Lobby des Unterhauses: I might have preferred iron — but bronze will do… It won’t rust.

Anmerkungen:

[1]One certain beneficiary of Mrs Thatcher’s radicalism has been the Labour party. She hoped to kill it, and, by 1983, it indeed seemed close to death. Instead, fear chastened it into accepting the disciplines of its new leader, Mr Neil Kinnock. True, Labour’s 1983 humiliation owed much to the defection of right-wingers to form the Social Democratic party; but, in a sense, that too was her doing. Now, after years of gloomily watching her reverse the socialist ‘ratchet’, the Labour party has transformed itself. It has ditched unilateralism, hostility to the European Community and zeal for nationalisation. Labour as socialism is dead; as a political machine it is alive and well—and justifiably optimistic. The Economist (24 November 1990), p. 19.

[2]http://en.wikipedia.org/wiki/Clause_IV

[3]Bush asked her, “Margaret, what is your view?” She recalled in an interview that she felt “that aggressors must be stopped, not only stopped, but they must be thrown out. (Wikipedia)



Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2014 by: antibuerokratieteam.net • Template by: BlogPimp • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.