Lehren aus der Finanzkrise

17.05.2009 01:44 - Fiat Economy Agnostic by Frank Schäffler - 31 Kommentare

Derzeit erleben wir eine neue Welle von Protektionismus und Interventionismus in längst nicht mehr geglaubtem Umfang. Weltweit werden derzeit nicht nur die nationalen Banken gestützt, sondern im Weiteren greift der Staat in das Marktgeschehen ein, um den Absatz der heimischen Industrie gegenüber Importen zu fördern. Diese Entwicklung ist verheerend, weil sie zu einer weltweiten Spirale eines neuen Protektionismus werden kann. Die FDP bekennt sich zum Freihandel. Sie weiß, dass die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts gerade durch Protektionismus und Interventionismus befördert und verlängert wurde.

Die Lehre daraus ist für die FDP, für offene Märkte, die Beseitigung von Handelsbarrieren und für einen ordnungspolitischen Rahmen zu kämpfen, der Markteingriffe des Staates unterlässt und die Stabilität des Geldes wahrt. Das wäre das beste Konjunkturprogramm, denn es fördert die Effizienz der Märkte und schafft damit Wohlstand für alle.

Deutschland hat mit der Deutschen Mark die stabilste Währung der Welt aufgegeben, um dieses Vertrauen in eine neue europäische Währung, den Euro, einzutauschen. Der Euro sollte genau so stabil sein wie die Deutsche Mark und damit die Grundlage für Sicherheit und Wohlstand in Europa schaffen.

Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise stellt Europa vor ganz neue Herausforderungen. Die Haushaltsdefizite der Nationalstaaten waren seit der Euro-Einführung noch nie so groß wie heute. Der Zinsunterschied zwischen staatlichen Anleihen in Europa war noch nie so groß wie derzeit. Der Leitzins der EZB noch nie so niedrig wie aktuell. Und die Geldmenge war noch nie so groß wie 2009. Diese Entwicklung birgt die Gefahr einer Destabilisierung des Geldwertes des Euro.

Wer die Geldwertstabilität in Frage stellt, untergräbt damit das Vertrauen in die marktwirtschaftliche Ordnung. Die derzeitige Krise ist keine Krise der marktwirtschaftlichen Ordnung, sondern ein Versagen staatlichen Handelns. Nur der Staat kann über seine Notenbanken die Geldmenge bestimmen und die Kreditvergabemöglichkeiten der Banken beeinflussen. Nur der Staat kann dadurch die Geldschöpfung anregen und damit Konjunkturpolitik betreiben. Nur der Staat kann über Jahrzehnte mehr ausgeben als er einnimmt. Nur der Staat kann seine Währung als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel definieren. Schon deshalb ist er für die wirtschaftlichen Verwerfungen, die sein Handeln verursacht, verantwortlich.

Beschluss des FDP-Bundesparteitages in Hannover am 15.05.2009

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31 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

F.Alfonzo, 17.05.2009 03:03

Hallo Frank,

Grundsätzlich nett, ohne Zweifel, allerdings kann ich die Kritik am Euro und der EZB-Politik nicht ganz nachvollziehen; denn erstens weiss niemand, ob die DM heute auch noch die stabilste Währung wäre, und zweitens halte ich das Zentralbanking durch die EZB an Stelle nationaler Banken für eine Verbesserung.

Als die EZB das Ruder übernommen hat, war ich mir auch nicht sicher, was wohl in Zukunft passieren würde; allerdings war mir an dem Tag, an dem der damalige Bundesfinanzminister Lafontaine (unglaublich!) mit seiner Bitte nach Zinssenkungen bei der EZB auf Granit gestoßen ist, der Vorteil einer internationalen Zentralbank auf Anhieb klar. Darüberhinaus hat die EZB im Vergleich zur Fed seit Gründung immer eher einen konservativen Kurs gefahren; ich denke, das hat sich ausgezahlt und war richtig.

Man kann über das Prinzip Fiat Money streiten, aber von allen Fiat-Währungssystemen weltweit scheint mir jenes der EZB noch am meisten Sinn zu machen; es ist angesichts des weltwirtschaftlichen Umfelds alles andere als unwahrscheinlich, dass der Euro den Dollar in den nächsten Jahren als internationalen Standard ablösen wird.

…wir haben m.E. in Deutschland echt andere und wesentlich dringlichere Probleme als schlechte Geldpolitik (die sich, nebenbei bemerkt, sowieso nicht verhindern ließe, selbst wenn das die höchste Priorität im Koalitionsvertrag der nächsten Regierung hätte).

Grüße,
F.Alfonzo

alex, 17.05.2009 10:32

Ich kann keine Kritik am Euro oder an der EZB erkennen. Es ist doch vor allem eine Kritik an den Nationalstaaten, die meinen, Einfluss auf die Politik der EZB nehmen zu müssen. Selbst G. Schröder hat ja mal eine Senkung des Leitzinses gefordert. Unmöglich!

Linke, Italiener und Franzosen sehen es als eine Lösung von Problemen, wenn sie Geld drucken und den Leitzins senken. Natürlich ist es keine Lösung, wenn die Steuereinnahmen genauso verprasst werden wie vorher.

Ich bin froh, dass die EZB in der Tradition der Bundesbank steht.

 
Michel, 17.05.2009 19:41

Dass ist die große Frage, ob die angeblichen dringlicheren Probleme sich nicht auf schlechte Geldpolitik zurückzführen lassen. Geldpolitik bleibt der am meiste unterschätzte Bereich der Politik.

F.Alfonzo, 18.05.2009 00:07

Lieber Michel:

Es ist nicht die Schuld der Geldpolitik, dass wir hier Sozialversicherungssysteme haben, die nicht funktionieren. Und es ist auch nicht der Zantralbank anzulasten, wenn eine Regierung hunderte Milliarden Euro an Steuergeldern an Subventionen verschleudert.

Das sind m.E. die Dinge, die man als erstes angehen sollte, weil viele Menschen davon betroffen sind. Aber genau deswegen traut sich auch keine Regiereung, hier was zu verändern.

Schöne Grüße,
F.Alfonzo

Michel, 18.05.2009 15:06

Woher denkst du beziehen, die “Sozial”versicherungssysteme ihre Rechtfertigung? Die Menschen sind von der Rentenversicherung abhängig, da ihre Ersparnisse entwertet werden. Die Arbeitslosenversicherung ist eine Folge der künstlich verstärkten Konjunkturzyklen. Die Rufe nach Umverteilung werden dadurch genährt, dass die hohen Einkommen sehr viel stärker inflationiert werden als mittlere und niedrige. Usw. usf.

 
 
 
Kuschel, 18.05.2009 11:33

Wenn jemand mit dem Geldmarkt Politik macht, dann sind das die USA und ich kann nicht behaupten, dass sie keinen Erfolg damit hätten. Es gibt wohl keinen weiteren Staat auf dieser Welt, der bei ähnlichen Außenhandelsbilanzen noch ähnliche Creditability hat. Ich glaube es gibt schon keinen anderen Staat mit ähnlich verheerender Außenhandelsbilanz. Naja, was schert’s die Shareholder.

 
 
Max, 17.05.2009 10:34

@Alfonzo:

Jups, sehe ich mit der EZB auch so. Was passiert wenn ein einzelner Staat seine Geldbank kontrolliert, sieht man ja gerade in den USA. Dort haben die Feds nen freifahrtschein zum Geld drucken…

Leider ist das mal wieder typische FDP Rhetorik: Große Worte, keine Aktionen.

Solange sie nicht klar gegen den LIsabonner Vertrag sind, können sie mit ihrer “Globalisierungs”-Polemik voll rhethorischer Phrasen (sie sind ja nicht ernst gemeint) keinen Blumentopf gewinnen. Man kann nicht einen EU-Staat haben mit Protektionismus und gleichzeitig mit einem straight face für Liberalismus stehen…

F.Alfonzo, 18.05.2009 00:15

Ja, ich denke, man muss die Europäisierung differenziert sehen:

Es macht definitiv Sinn, eine gemeinsame Währung/Zentralbank zu führen, weil dann einfach kein großer, politischer Einfluss mehr möglich ist. Die beste Fiat-Währung ist eine, die (faktisch) von Privatleuten kontrolliert wird, ohne den Einfluss irgendwelcher Regierungsärsche, die nach Zinssenkungen fragen, um ihre Neuverschuldung zu entwerten.

…im Gegensatz zur EU-Kommission, die mehr oder weniger nach dem gleichen Prinzip funktioniert, und letztendlich eine Diktatur für jeden EU-Bürger darstellt.

Grüße,
Alfonzo

 
 
Lemmy Caution, 17.05.2009 22:48

Kann mir bitte einmal einer erklären, wo zur Zeit Handelsprotektionismus stattfindet?
Aus Sicht Deutschland würd das eh keinen Sinn machen, da unsere Wirtschaft in weiten Teilen auf den Export ausgerichtet ist. Selbst die Regierung Obama wirkt beim Thema Handelsrestriktionen bislang erstaunlich prinzipienfest.
Und bezüglich des Themas der Geldmenge befinden wir uns aktuell in einer Depression mit dysfunktionalen Finanzsektor. Und da macht es einfach Sinn, die Leitzinsen zu senken. Das hilft den Banken bei der Refinanzierung und erleichtert dringend benötigte Investitionen.
Aktuell besteht nach wie vor eher die Gefahr einer Deflation (das schlimmste wo gibt).
Wenn die Wirtschaft wieder anspringt, werden die Zentralbanken die Geldmenge nicht kontrolliert genug zurückfahren können. Also wird es eine Inflation geben, die wieder mit Hochzinspolitik heruntergefahren werden muß. Wichtig ist, dass die Zentralbanker dann entschlossen agieren (nicht wie Greenspan 2003). Aber das ist ein hypothetisches wenn auch wahrscheinliches Problem des Jahres 2011.

Die Krise wurde erstmal vor allem dadurch verursacht, dass die Banken die Risiken der von ihnen gehaltenden Papiere systematisch unterschätzt haben. Natürlich gibt es auch Fehler der Zentralbanken und interessante Gesetzgebung in den USA für die Unterstützung von Hauskäufen. Nur wär eben die Krise mit Banken mit einem risikobewußteren Anlagen/Finanzierungen wesentlich begrenzter gewesen. Im übrigen hat sich auch kein Banker und keiner der von denen angestellten Volkswirte über die (falsche) Niedrigzinspolitik der Jahre 2003 bis 2005 beschwert hätte. Warum auch? Jedes Wirtschaftssubjekt sucht halt nach Profit nach Maßgabe der Anreizstrukturen. Niedrige Zinssätze sind halt gute Geschäftsbedingungen für Banken.
Im übrigen waren es unterregulierte Banken, die diese toxischen Niedrigzinshypothekenkreditie an Leute, die sich das nicht leisten können, überhaupt erst erzeugt haben. Ist von der ihrer Seite auch richtig. Deshalb benötigt der Bankensektor nach der Krise auch einen neuen (und strengeren) Regulierungsrahmen.

Ich halte diesen Beschluß für hochgradig populistisch.

Dagny, 18.05.2009 11:59

Es war und ist politisch gewollt, Leuten die sich das eigentlich nicht leisten konnten, mit (Konsumenten-) Krediten zu versorgen. In den USA ist das bei Freddie und Fannie geschehen, bei uns etwa nach der Deutschen Einheit.

Darueber hinaus nimmst Du irrtümlich an, dass es für eine Zentralbank möglich sei, die optmimale “richtige” Geldmende bzw. den “richtigen” Zinssatz zu kennen. Dem ist nicht so, siehe Hayek, Anmassung von Wissen.

Lemmy Caution, 18.05.2009 12:45

Liebe Dagny,

ich würde niemals annehmen, die Zentralbank könnte einen mathematisch richtigen Zinssatz kennen.
Ganz im Gegenteil, hab ich oben geschrieben

Wenn die Wirtschaft wieder anspringt, werden die Zentralbanken die Geldmenge nicht kontrolliert genug zurückfahren können.

Nenn mir bitte EIN LAND (ausser Venezuela), in denen die Regierung nicht versucht die Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken laxer zu gestalten. Und dafür gibts die oben aufgeführten guten Gründe:
- Verhinderung einer Deflation
- Kredite für Investitionen in der Depression erleichtern
- Refinanzierungsmöglichkeiten für Banken erleichtern

 
 
 
R.A., 18.05.2009 11:42

@Lemmy:
> Kann mir bitte einmal einer erklären, wo zur Zeit
> Handelsprotektionismus stattfindet?
Im Beschluß steht nicht Handelsprotektionismus, sondern ganz allgemein Protektionismus.
Und der findet massiv statt, wenn die Staaten “ihre” Unternehmen mit Milliarden subventionieren.

> Und bezüglich des Themas der Geldmenge befinden
> wir uns aktuell in einer Depression mit dysfunktionalen
> Finanzsektor.
Depression und “Dysfunktionalität” aber eben wegen einer zu hohen Geldmenge und zu niedrigen Zinsen!
Weitere Zinssenkungen sind wie reichliche Benzingaben in ein Großfeuer.

> Aktuell besteht nach wie vor eher die Gefahr einer
> Deflation (das schlimmste wo gibt).
Weder aktuell zu erwarten, noch “schlimmste wo gibt”.

> Wenn die Wirtschaft wieder anspringt, …
Kann noch eine Weile dauern, weil die Politik ja alles tut, um Marktanpassungen zu verhindern und die Krise zu stabilisieren.

> Die Krise wurde erstmal vor allem dadurch verursacht,
> dass die Banken die Risiken der von ihnen gehaltenden
> Papiere systematisch unterschätzt haben.
Nicht “die” Banken, sondern manche Banken. Das ist ein sehr wichtiger Unterschied.

> Natürlich gibt es auch Fehler der Zentralbanken und
> interessante Gesetzgebung in den USA …
Nicht “auch”, sondern das war die Hauptursache. Weil damit erst die Risiken geschaffen wurden, die dann gehandelt und von manchen Banken unterschätzt wurden.

“Interessante Gesetzgebung” ist auch ein merkwürdiger Euphemismus für eine komplett miese Politik.

> Im übrigen waren es unterregulierte Banken, die diese
> toxischen Niedrigzinshypothekenkreditie an Leute, die
> sich das nicht leisten können, überhaupt erst erzeugt
> haben.
Nix “unterreguliert”. Diese Banken haben mit diesem Geschäftsgebaren genau das umgesetzt, was der Staat von ihnen forderte.

> Deshalb benötigt der Bankensektor nach der Krise auch
> einen neuen (und strengeren) Regulierungsrahmen.
Im Gegenteil.
Die Krise hat gezeigt, daß die bestehende Über-Regulierung überhaupt nichts bringt, aber das normale Marktgeschehen (incl. besserer Risikoabschätzung) massiv behindert.

 
Lemmy Caution, 18.05.2009 12:35

Und der findet massiv statt, wenn die Staaten “ihre” Unternehmen mit Milliarden subventionieren.

Das ist ein völlig normales Verhalten, solange das in einem vernünftigen Rahmen bleibt. Unternehmen agieren auch nicht anders. Beispielsweise subventioniert Daimer zur Zeit seine Autohäuser. Die Opportunitätskosten dieses in-Beschäftigung-bleiben sind ohnehin sehr gering. Das wär dann nämlich Arbeitslosigkeit.

Weitere Zinssenkungen sind wie reichliche Benzingaben in ein Großfeuer.

Welches Feuer denn bitte? Es gibt keine Inflation.

Weder aktuell zu erwarten, noch “schlimmste wo gibt”.

Dank der niedrigen Geldmarktzinsen und der expansiven Fiskalpolitik gibt es aktuell keine Deflation. Eine Deflation bewirkt, dass Geld in t+1 real mehr Wert ist. Dies führt zum Horten von Geld. Investitionen und Konsum werden nach hinten aufgeschoben. Dies würde die Krise weiter verschärfen. In den USA gabs in der 30er Jahre Krise eine deflationäre Phase mit katastrophalen Auswirkungen.

Kann noch eine Weile dauern, weil die Politik ja alles tut, um Marktanpassungen zu verhindern und die Krise zu stabilisieren.

Die Krise ist zu tief, als dass die automatischen Stabilisatoren ausreichen würde.

Nicht “die” Banken, sondern manche Banken. Das ist ein sehr wichtiger Unterschied.

Sämtliche Großbanken waren in amerikanische Hypotheken-Kredite, default-swaps und ähnliches Zeugs investiert, dass massiv an Wert verloren hat. Sämtliche Großbanken wären illiquide geworden, hätten die Regierungen die von der FDP aus populistischen Motiven propagierte hands-off Politik gefolgt wäre.

Nix “unterreguliert”. Diese Banken haben mit diesem Geschäftsgebaren genau das umgesetzt, was der Staat von ihnen forderte.

Die Banken haben selbst die Kredite vergeben (und gekauft). In einer marktwirtschaftlichen Ordnung ist man für die Konsequenzen seines Tuns schon verantwortlich. Da kann man sich nicht einfach hinter staatliche Empfehlungen zurückziehen.
Aufgrund hoher Prämien für kurzfristige Gewinne bestanden halt Anreizstrukturen, noch in diese Hypotheken-Kredit-Papiere zu investieren als seit 2005 in Zeitschriften wie dem Economist vor einem Crash des US-Hypothekenmarkts schlüssig gewarnt wurde. Zum Schutze gegen die Generierung solcher disfunktionaler Anreizstrukturen, sollte nun ein neuer Regulierungsrahmen geschaffen werden.

Märkte sind in aller Regel ein effizientes Mittel zur Allokation von Ressourcen. Aber eben nicht immer. Ähnlich wie privatisierte Versorgungsunternehmen mit hohen Skalenerträgen einen guten Regulierungsrahmen benötigen brauchen den halt auch Banken.

Dieser all-or-nothing approach bezüglich Marktregulierungen :
-> SED: alles verbieten
-> FDP: Marktversagen leugnen.
ist es einfach nicht.

Rayson, 18.05.2009 13:18

die von der FDP aus populistischen Motiven propagierte hands-off Politik

Wer? Wann?

 
Rayson, 18.05.2009 13:42

Zum Inhaltlichen:

Unternehmen agieren auch nicht anders.

Wenn Unternehmen Geld verpulvern, geht das deren Eigentümer etwas an und sonst keinen. Wenn aber der Staat Zwangsabgaben dazu verwendet, um zugunsten ausgewählter Unternehmen die Preise hoch und den Wettbewerb klein zu halten, dann geht das alle Verbraucher etwas an.

Welches Feuer denn bitte? Es gibt keine Inflation.

Aber jede Menge Geld im Umlauf, was, wenn es nicht rechtzeitig wieder eingesammelt wird (womit ich auch nicht rechne), entweder Inflation oder die nächste Blase programmiert.

Dank der niedrigen Geldmarktzinsen und der expansiven Fiskalpolitik gibt es aktuell keine Deflation.

Die expansive Fiskalpolitik hat bisher nirgendwo angefangen zu wirken. Bleibt also das Öffnen der Geldschleusen, aber auch das ist auf den Märkten nicht so richtig angekommen, denn die Banken legen das Geld lieber in Staatspapieren an oder deponieren es wieder bei der Zentralbank.

Sämtliche Großbanken

In Deutschland also die beiden verbliebenen privaten und ansonsten jede Menge staatliche…

In einer marktwirtschaftlichen Ordnung ist man für die Konsequenzen seines Tuns schon verantwortlich. Da kann man sich nicht einfach hinter staatliche Empfehlungen zurückziehen.

Das ist eine andere Ebene. R.A. will ja nicht die Banken exkulpieren, sondern die Konsequenzen staatlicher Anreize aufzeigen. Wenn die Banken also genau das getan haben, was die Politik von ihnen gefordert hat, dann bleibt es zwar immer noch deren Problem, aber auch die Politik muss dann zu ihrer Verantwortung stehen.

Ähnlich wie privatisierte Versorgungsunternehmen mit hohen Skalenerträgen einen guten Regulierungsrahmen benötigen brauchen den halt auch Banken.

Die Frage ist nur, wie der aussehen soll. Die o.g. Erfahrungen mit politisch gewollten Anreizen, ahnungslosen Behörden und letztlich auch Banken, die (mehr Regulierung geht nicht) sich in Staatshand befinden, erforderten einen grenzenlos naiven Optimismus, verspräche man sich von den üblichen, dem Problem nacheilenden Regulierungen mit vor allem mehr Bürokratie eine Versicherung für die Zukunft. Den Wettlauf mit dem marktlichen Entdeckungsverfahren kann keine Behörde dieser Welt gewinnen.

Man muss hier am “moral hazard” ansetzen, sonst geht es gerade so weiter. Das Problem ist, dass durch die staatlichen Rettungsaktionen davon noch jede Menge dazugekommen ist. Jeder Bankmanager weiß jetzt, dass er sich nur um die Regulierungen herumwinden muss, um wieder neue Geldgeber anzulocken, und die Geldgeber kommen bereitwillig und fragen nicht nach Risiken, weil der Staat, wenn es doch mal schiefgehen sollte, sie ja wieder herauspaukt.

Neben dem Steuerzahler sind aber auch die Eigentümer der Banken die Gekniffenen, denn im Gegensatz zu den Gläubigern verlieren sie in solchen Finanzkrisen den Großteil ihres Vermögens. Wenn also zu den neuen Regeln auch gehören soll, dass die Banken mehr Eigenkapital vorhalten müssen, dann muss man sich auch Gedanken darüber machen, warum eigentlich die Eigentümer nichts gegen die Risiken unternommen haben, die letztlich ihr Vermögen kosteten. Ohne dass auf dieser Ebene mehr Bewusstsein für die Probleme institutionalisiert wird, wird es m.E. nicht funktionieren.

Vielleicht hilft es ja, wenn Vorstände von Banken einen bestimmten Eigenkapitalanteil einzahlen müssen, so wie das von Managern, die von Private-Equity-Eignern berufen werden, in der Regel auch verlangt wird.

FDP: Marktversagen leugnen

Du hast ein viel zu positives Bild von der FDP ;-)

 
 
Lemmy Caution, 18.05.2009 13:46

Na gut. Da hab ich mich vergallopiert. Sicher nicht von der FDP. Dies war eher eine Replik auf R.A.

, weil die Politik ja alles tut, um Marktanpassungen zu verhindern und die Krise zu stabilisieren.

In dem Artikel wird der Regierung Verantwortung für Dinge gegeben, die zu weiten Teilen eine Folge einer aus meiner Sicht in den Grundsätzen sinnvolle Reaktion auf einen externen Schock darstellen (hohe Geldmenge, niedrige Zentralbank-Zinsen, hohe Neuverschuldung).

Nur der Staat kann über seine Notenbanken die Geldmenge bestimmen und die Kreditvergabemöglichkeiten der Banken beeinflussen.

Die Kreditvergabemöglichkeiten der Banken sind zu weiten Teilen auch eine Entscheidung der Banken selbst. Keiner hat sie gezwungen dermassen viel leverage zu nehmen wie sie es getan haben.

Schon deshalb ist er für die wirtschaftlichen Verwerfungen, die sein Handeln verursacht, verantwortlich.

Nach für mich überdurchschnittlich angestrengten Nachdenken, kann ich dem sogar zustimmen.
Die Lösungsoption kann aber nicht nur auf dem staatlichen Monopol auf Definition des Zahlungsmittel bestehen, sondern aus meiner Sicht eher in einer Re-Regulierung des Bankensektors.

BlackEye, 18.05.2009 15:10

Es gab keine externen Schock. Wir sind weder von Außerirdischen überfallen worden noch gab es eine Pandemie noch ist der dritte Weltkrieg ausgebrochen. Und es gibt keine einzigen BEWEIS dafür dass unser Finanzsystem ohne die neuerlichen Ausgabenorgien in den USA und Europa (z.B. HRE) kollabiert wäre.

Lemmy Caution, 18.05.2009 15:55

Die massive Neubewertungen der mit verschiedenen vom privaten Bankensystem geschaffenen und in sie investierten Finanzprodukte aufgrund systematischer Unterbewertung der Risiken vorher kann sehr wohl als externer Schock bewertet haben.

Und es gibt keine einzigen BEWEIS dafür dass unser Finanzsystem ohne die neuerlichen Ausgabenorgien in den USA und Europa (z.B. HRE) kollabiert wäre.

In Gesellschaftswissenschaften wie der Volkswirtschaftslehre gibt es ohnehin keine Beweise im naturwissenschaftlichen Sinne.
Tatsache ist, dass die Hypothekenpapiere, Credit swaps und ähnliches Zeugs lange vor der staatlichen Hilfe für die HRE wertmässig massiv heruntergewertet wurden.

 
 
Rayson, 18.05.2009 16:58
Lemmy Caution, 18.05.2009 19:25

Ich stimme den Artikel zu.
Nur meine ich etwas anderes (und du weißt es).

Nach dieser Sichtweise – auf sie greifen auch Ulrich Beck und Jürgen Habermas zurück – versagen die Märkte latent immer.

Kein vernünftiger Mensch vertritt die Meinung, das Märkte latent immer versagen. Nur kann dieses Phänomen in Teilmärkten eben geben.
Der nach der Finanzliberarlisierung in Ostasien einsetzende gewaltige Zustrom an Finanzinvestitionen in Ostasien führte in der zweiten Hälfte der 90er Jahre zur Finanzierung von immer fragwürdigeren Investititionsprojekten. Das fröhliche Treiben schlug irgendwann um und ausländische Investoren zogen Geld auch aus an sich gesunden Ländern und Projekten ab. Dies hatte massive Kolleteralschäden zur Folge.

Ab 2005 warnte der Economist in mehreren Artikeln vor einer Häuserblase in den USA. Nur hatten die Banken eben interne Anreizstrukturen, die das Aufblähen der Blase weiter begünstigte. Die Agenten wurden an ihrem kurzfristigen Umsatz gemessen. Und solange eine Blase noch wächst, gibts da eben interessante Renditeerwartungen. Auch das ist ein Beispiel von Marktversagen durch falsche Anreizstrukturen. Die Marktwirtschaft wird das natürlich langfristig durch verbesserte Regulierungen gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Marktversagen ist nicht all or nothing sondern case by case. Ein funktionierender Finanzsektor ist halt ein wertvolles öffentliches Gut. Und insbesondere nach dem “House of Cards” Buch über Bear Stearns bin ich überzeugt, dass der Finanzmarkt unterreguliert ist.

 
 
 
Lemmy Caution, 18.05.2009 14:14

Aber jede Menge Geld im Umlauf, was, wenn es nicht rechtzeitig wieder eingesammelt wird (womit ich auch nicht rechne), entweder Inflation oder die nächste Blase programmiert.

Wohl eher Inflation… Das wäre eine Art Nachbeben dieser Depression. Da wissen wir aber, wie wir das Bekämpfen können. Mit einer Hochzinspolitik und restriktiver Fiskalpolitik begleitet von monatelangen Montagsdemos ;-) .

In Deutschland also die beiden verbliebenen privaten und ansonsten jede Menge staatliche…

Da bin ich auch für eine entschlossene Privatisierung. Zumindest gabs in den letzten Jahren einen gesunden Druck auf die Zusammenlegung von Sparkassen. Die Landesbanken sind eine einzige Katastrophe.

Das moral hazzard Ding sehe ich auch als problematisch an. Mit einer entschlossenen Re-Regulierung bestimmter Teile des Bankensektors kann aus meiner Sicht das Risiko von Bankenpleiten vermindert werden. Im der wesentlich weniger regulierten Bankenwelt des 19. Jhdts gabs deutlich mehr Bankenpleiten mit den entsprechenden negativen Folgen.

Wenn also zu den neuen Regeln auch gehören soll, dass die Banken mehr Eigenkapital vorhalten müssen, dann muss man sich auch Gedanken darüber machen, warum eigentlich die Eigentümer nichts gegen die Risiken unternommen haben, die letztlich ihr Vermögen kosteten. Ohne dass auf dieser Ebene mehr Bewusstsein für die Probleme institutionalisiert wird, wird es m.E. nicht funktionieren.

Apropos Kontrolle: Gläubiger der Banken waren ja in der Regel andere Banken. Die haben die Risiken systematisch unterschätzt. Die agierten auf der Basis von Modellen, die bestimmte Risiken unzureichend abbildeten. Hier sieht man, dass in dem hochkomplexen Bankensektor des 21. Jhdts selbst peers derselben Branche mit einem effektiven Überblick des Risikos überfordert sind. Deshalb bin ich in diesem Fall für Vereinfachung durch Verbote. In der Formel 1 darf ja auch nicht jeder sein Auto zusammenschrauben wie er will.

Michel, 18.05.2009 14:58

Im der wesentlich weniger regulierten Bankenwelt des 19. Jhdts gabs deutlich mehr Bankenpleiten mit den entsprechenden negativen Folgen.

Das halte ich für ein Gerücht. Ich kenne zwei Studien zu dem Thema, beide zeigen das Gegenteil deiner Behauptung. Kannst du Quellen nennen?

Lemmy Caution, 18.05.2009 15:59

Kannst du mir deine beiden Studien nennen.
Z.B. hier: http://www.wiwi.uni-frankfurt.de/Professoren/ritter/veranstalt/ss97/wipol/projekt/pro73.htm
Oder es stand in einer recht umfangreichen Wirtschaftsgeschichte Kölns des 19. Jhdts, deren Titel ich gerne nachliefere.

 
Lemmy Caution, 18.05.2009 16:03
Michel, 19.05.2009 17:49

Ähm, die beiden Quellen stützen nicht deine These, die eine handelt von der Geschichte des Zentralbankwesens und die andere gibt einen Überblick über die Depressionen im Amerika des 19.Jh. Keine behandelt die Stabilität des Bankwesens oder bietet gar einen Vergleich zwischen den Regulierungsregiems des 19.Jh und denen des 20.

Die beiden Studien, auf die ich mich beziehe sind diese:

http://www.frbatlanta.org/filelegacydocs/ACFCE.pdf

http://www.cato.org/pubs/journal/cj16n1-3.html

 
 
 
 
R.A., 18.05.2009 15:42

@Lemmy:
> Das ist ein völlig normales Verhalten, solange das
> in einem vernünftigen Rahmen bleibt.
Das sehe ich nicht so.
Subventionen sind eigentlich grundsätzlich schlecht. Gerade auch im konkreten Fall: Gefördert werden gezielt Unternehmen, die schlecht gearbeitet haben. Auf Kosten der Firmen, die gut gewirtschaftet haben.
Das ist eine ganz massive Fehlsteuerung, mit der ein Land letztlich seine wirtschaftliche Basis schwächt.

> Dank der niedrigen Geldmarktzinsen und der expansiven
> Fiskalpolitik gibt es aktuell keine Deflation.
Da kenne ich mich zugegeben weniger aus. Aber deutliche Preiskorrekturen nach unten gehören ja wohl dazu, wenn eine Spekulationsblase platzt. Diesen “deflationären” Effekt per Geldschwemme zu vermeiden kann für die Krisenüberwindung nicht gut sein.

> Die Krise ist zu tief, als dass die automatischen
> Stabilisatoren ausreichen würde.
Kann sein, ist aber nicht beweisbar.
Die Frage ist ja erst einmal, wie sehr die Krise überhaupt erst entstanden ist, WEIL die Politik im letzten Herbst systematisch und lautstark die Panik geschürt hat.
Und die “politischen Stabilisatoren” halte ich bisher für destruktiv, von Abwrackprämie bis Bankenverstaatlichung.

> Sämtliche Großbanken waren in amerikanische
> Hypotheken-Kredite, default-swaps und ähnliches
> Zeugs investiert, …
In den USA haben m. W. viele Banken fast überhaupt nicht mitgemacht, auch in Deutschland waren Deutsche Bank und andere so zurückhaltend, daß die Abschreibungen verkraftbar waren.

> Die Banken haben selbst die Kredite vergeben …
Die Masse der faulen Kredite sind von Fanny und Freddie vergeben worden, das sind von der Politik kontrollierte Institute, die damit den Regierungsvorhaben folgten.
Mit normalem Bankgeschäft hatte das nichts mehr zu tun.
Es gab teilweise ja sogar Detailvorgaben, in welchen Stadtvierteln und Wahlkreisen noch wieviele noch an den Mann zu bringen wären – egal an welchen.

> FDP: Marktversagen leugnen.
Es ist kein “Marktversagen”, wenn der Markt das tut, was er soll: Nämlich schlechte Geschäftsmodelle pleite gehen lassen.

> Im der wesentlich weniger regulierten Bankenwelt des
> 19. Jhdts gabs deutlich mehr Bankenpleiten mit den
> entsprechenden negativen Folgen.
Welche negativen Folgen?
Natürlich hat jede Firmenpleite erst einmal für die Betroffenen negative Folgen. Aber gesamtwirtschaftlich ist eine saubere Pleite mit Marktbereinigung deutlich besser, als schlechte Firmen künstlich durchzupäppeln.
Trotz Crashs und Krisen war ja die Gesamtwirtschaftsentwicklung im 19. Jahrhundert deutlich besser als in den letzten Jahrzehnten.
Gerade in Deutschland kann man für das letzte Jahrzehnt fast von Stagnation sprechen.

Lemmy Caution, 18.05.2009 19:13

Subventionen sind eigentlich grundsätzlich schlecht. Gerade auch im konkreten Fall: Gefördert werden gezielt Unternehmen, die schlecht gearbeitet haben. Auf Kosten der Firmen, die gut gewirtschaftet haben.

Welche Unternehmen ausserhalb des Bankensektors werden denn bislang stark subventioniert? Im Bankensektor sind die Interdependenzen so stark, dass der crash etwa der HRE eine Menge weitere Banken in Liquiditätsprobleme bringen würde. Mit den entsprechenden negativen Folgen, die auch in normalen Zeiten gesunde Unternehmen in den Bankrott reiten würde.
Deflation ist nicht mit der Veränderung der relativen Preise zu verwechseln. Eine platzende Blase führt selbstverständlich zu sinkenden Preisen in diesem Bereich. Aktienkurse von Banken haben ja stark an Wert eingebüßt. Häuser in vielen US-Bundesstaaten auch. Das ist gut so.
Eine Deflation heißt, dass Preise auf breiter Front einbrechen, weil sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes schneller vermindert als die Geldmenge steigt. Die Preise von Gütern sinken dann über verschiedene Branchen. Es wird dann effizient Geld unters Kopfkissen zu legen, da du in 6 Monaten 2 Brote für den selben Preis bekommst wie heute ein Brot. Dies hat äußerst fatale Auswirkungen auf die Nachfrage und führt zu einer Abwärtsspirale, in der die wirtschaftliche Tätigkeit immer mehr abnimmt. (http://de.wikipedia.org/wiki/Deflation)

wie sehr die Krise überhaupt erst entstanden ist, WEIL die Politik im letzten Herbst systematisch und lautstark die Panik geschürt hat.

Die Panik war bereits deutlich früher da. Sie wurde nicht von der Politik verursacht.

In den USA haben m. W. viele Banken fast überhaupt nicht mitgemacht, auch in Deutschland waren Deutsche Bank und andere so zurückhaltend, daß die Abschreibungen verkraftbar waren.

Doch. Doch. Die Wallstreet Investment Bank Bear Stearns war bereits 2008 völlig überschuldet und mußte übernommen werden. Lehman Brothers wurde nicht mal mehr übernommen. Zahlreiche weitere große US-Banken sitzen auf massig vielen faulen Krediten. Die Deutsche Bank ist da relativ günstig rausgekommen, weil sie die Papiere früh genug abgestossen hat. Würden nicht viele Banken inzwischen gestützt, wäre die Deutsche Bank auch in massiven Liquiditätsproblemen, da sie ein Gläubiger dieser Banken ist. Die Bankenkrise beschränkt sich nicht auf die deutschen Landesbanken.
Sicherlich ist die Performance der Deutschen Bank ein Argument für Privatbanken. Will das auch. Für die HRE ist auch deutlichst keine “strategische” Verstaatlichung geplant, um die in Zukunft von Politikern leiten zu lassen, sondern eine kurzfristige Übernahme, um die Kosten der Bereinigung eines Elements unseres Bankensystems mit einem in der Krise sehr problematischen Geschäftsmodell (afaik kurzfristig Geld leihen um langfristige Kredite zu vergeben) wieder auf gesunde Füße zu stellen. Ein Bankrott der HRE hätte unabsehbare Kollateralschäden.

ie Masse der faulen Kredite sind von Fanny und Freddie vergeben worden

Fanny und Freddie waren Privatunternehmen. Im übrigen haben viele Banken ohne Prüfung Versicherungspapiere für diese Hypothekenkredite ausgestellt, sie gebündelt, etc. Die Verteilung dieser toxischen Papiere, die aus der Krise erst eine internationale Krise machte, war zum großen Teil das Werk von Wall Street Investmentbanken und anderen Banken. Im übrigen hat sich im Zuge der Deregulierung des Bankensektors die Verschuldung der Banken im Verhältnis zum Eigenkapital deutlich ausgeweitet, um so bessere Gewinne zu fahren. Dabei hat man das Risiko systematisch unterschätzt. Mit dem leveraging hat man Robustheit eingebüßt, die in der Krise dringenst benötigt wurde.

Es ist kein “Marktversagen”, wenn der Markt das tut, was er soll: Nämlich schlechte Geschäftsmodelle pleite gehen lassen.

Ohne eine expansive Fiskalpolitik und Geldpolititk würden eine sehr große Menge an Unternehmen Pleite gehen. Ein solcher Abschwung verstärkt sich selbst und entzieht zunehmend auch die Wirtschaftlichkeit von an sich produktiven Betätigungen.

Trotz Crashs und Krisen war ja die Gesamtwirtschaftsentwicklung im 19. Jahrhundert deutlich besser als in den letzten Jahrzehnten.

Damals war auch der Grenznutzen von Erfindungen höher. Deutschland stand auch nicht im Wettbewerb mit schnell aufholenden und noch deutich günstiger produzierenden Volkswirtschaften in Asien und Lateinamerika. Interessant ist, das in vielen Ländern dort die Krise deutlich weniger zugeschlagen hat und schon nächstes Jahr mit einer bemerkenswerten Erholung gerechnet wird. Die hatten aber auch nach den Erfahrungen von Asienkrise 1998 und diversen lateinamerikanischen Krisen eine wesentlich strengere Bankenregulierung.
Ich zweifele auch nicht daran, dass man mit dem Sozialstaat auf Wachstum verzichtet. Wird der soziale Schutz der Armen weiter gesenkt, steigert das sicher das BIP. Ich möchte aber eine solche Gesellschaft nicht für Deutschland. Ich kenn die aus Chile. Stehlende Hausmädchen bis zur unteren Mittelschicht, deutlich zu viel Gewaltkriminalität, nach wie vor Qualitätsprobleme in öffentlichen Schulen etc. Die bauen ihr Sozialsystem aus. Mit guten Gründen.

Gernot, 18.05.2009 20:53

Fanny und Freddie waren Privatunternehmen.

Hä? Freddie Mac wurde 1968 vom amerik. Kongress gegründet, Fanny Mae ist eine Erfindung von Roosevelt. Sie sind staatsfinanziert durch Steuerermäßigungen, die andere (Investment-)Banken nicht genießen und werden von besonderen Regierungsbehörden reguliert. Weil sie politisch gewollt sind, können sie auch nicht pleite gehen, weil im Notfall immer der Staat rettend einspringt (wie auch geschehen). Dadurch konnten die Banken viel größere Risiken eingehen.

Ohne eine expansive Fiskalpolitik und Geldpolititk würden eine sehr große Menge an Unternehmen Pleite gehen.

Ja, vielleicht. Aber wie kommt es, dass so viele Unternehmen von einer expansiven Geldpolitik abhängig geworden sind?

Lemmy Caution, 18.05.2009 22:31

Hä?

Das bewegt sich in Richtung der proletarischen Umgangsformen schlechter, linker Blogs. Muß nicht sein, oder

http://en.wikipedia.org/wiki/Government_sponsored_enterprise#Ownership

Some of the GSEs, such as Fannie Mae and Freddie Mac, were privately owned but publicly chartered;

Ich weiß nicht, was dies im Detail heißt.

Auch wirtschaftliche Freiheit sagt, dass ein Bedarf an den Änderungen der Spielregeln im Finanzmarkt sehr wahrscheinlich ist:

In der Finanzmarktkrise kommt offenkundig ein weiterer Begriff von Marktversagen ins Spiel. Ich möchte ihn einen epistemischen Marktversagensbegriff nennen. Er unterstellt zunächst, dass die Ursachen der Finanzmarktkrise nicht allein auf staatliches Fehlverhalten zurückgeführt werden können – ohne dass die staatliche Mitwirkung bestritten würde – sondern dass das Verhalten der Marktteilnehmer im Finanzmarktsektor zur Krise beigetragen hat. Dieses Marktverhalten, so die Hypothese, resultierte aus Regulierungen, die an die neuen Transaktionsformen des Finanzmarktsektors unzureichend angepasst waren. Diese Hypothese ist zwar strittig und bildet gegenwärtig einen Gegenstand intensiver Forschung, gewinnt aber eine gewisse Plausibilität durch die hohe Dynamik des Finanzmarktsektors in der Generierung immer komplexerer Transaktionsformen. Auf der Basis forderungsbesicherter Wertpapiere erfolgte eine Kreditexpansion auf winziger Eigenkapitalbasis, ohne dass hierfür Erfahrungen vorlagen, aufgrund derer die Risiken der Kreditexpansion und insbesondere die Auslagerung der Risiken in unregulierte Zweckgesellschaften abschätzbar gewesen wären. Das gilt auch für das Zusammenwirken von Kreditexpansion und die Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt. Auch wenn gegenwärtig offen ist, wie eine bessere Form der Regulierung in Zukunft aussehen könnte, ohne eine erneute Regulierungsarbitrage auszulösen, so dürfte die Fehlangepasstheit der bisherigen Institutionen des Finanzmarktes als eine Krisenursache unstrittig sein.

Rayson, 19.05.2009 00:14

Zu den Besonderheiten der Fannys und Freddies siehe hier einen Eintrag bei Marginal Revolution von 2003.

 
 
 
 
 
tigger, 18.05.2009 22:01

Ohne eine expansive Fiskalpolitik und Geldpolititk würden eine sehr große Menge an Unternehmen Pleite gehen.

Wenn Du aber eine Deflation als Gefahr betrachtest, dann ist es doch kontraproduktiv, durch staatliche Geldverschwendung Überkapazitäten am Markt zu halten.

 

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