Skandal am Niedersachsen-Abend!
jo@chim, 17.05.2009
Die Abendveranstaltung zum 60. Bundesparteitag der FDP am Samstag, der Niedersachsen-Abend in den wunderschönen Herrenhäuser Gärten in Hannover, war eine wirklich grossartige und durchweg gelungene Veranstaltung. Das grandiose und zu einem Potpourri klassischer Musik choreographierte Feuerwerk werde ich so schnell nicht vergessen. Ein rundum gelungener Abend.
Mit Ausnahme eines Vorfalls: da laberte mich ein ziemlich schräger Vogel im Steinmeier-T-Shirt an. Er sei mit einer Frau liiert, die er “Angie” nannte. Sie mache ihm aber immer nur Vorschriften und spiele sich als Chefin auf. Das passe ihm nicht, denn er sei eigentlich zum Macho berufen (“aber bitte nicht weiter erzählen, wegen Gender-Mainstreaming und so, weisste”). Ausserdem sei sie ihm zu konservativ. Alternativ hätte er aber auch die Chance auf eine “moderne Beziehung”, wie er es bezeichnete. Mit einer Kommunistin, Erika heisse sie (nenne sich aber “Lili Fontaine”, weil das nicht so altbacken klinge) und der “grünen Claudi”. Da gäbe es viele “gemeinsame Vibrations”, weil man/frau zwar nicht immer völlig einer Meinung sei, aber eben doch auf einer Linie ticke.
Erika sei jedoch zu unbeliebt und zu vulgär, um sich mit ihr zu zeigen – “mein guter Ruf, weisste”. Ruf. Aha. Und Claudia alleine würde ihm “nicht genug Performance” bringen. So habe er sich an der Einlass-Kontrolle der Veranstaltung für die Gäste und Delegierten des FDP-Parteitages vorbei geschmuggelt und sei jetzt hier auf der Suche “nach ‘ner coolen Braut”. Ich wunderte mich, warum der unangenehme Typ ausgerechnet mich angesprochen hatte (es lag wohl an meiner Lederjacke, die in der Tat nicht völlig dem Dresscode des Abends angemessen war). Da er mich nervte, empfahl ich ihm freundlich, sich für sein Vorhaben eine passendere Location zu suchen, in der Bahnhofsgegend vielleicht, stellte mich zum dritten Mal an der Schlange zum Spargel-Buffet an und vergass ihn sofort.
Eine ganze Zeit später, bei einem Cocktail an der Bar, übrigens vom jüngsten stellvertretenden Ministerpräsidenten Deutschlands (FDP natürlich…) persönlich gemixt, bemerkte ich, dass an der Tanzfläche nebenan etwas nicht in Ordnung war. Einige Politiker- Bodyguards bahnten sich energisch den Weg durch die schwofenden liberalen Massen. Das interessierte mich nun doch. Ich griff mir meinen Caipirinha und versuchte, in die Nähe des Aufruhrs zu gelangen. Ups! Da war er wieder, der Chaot von vorhin: er pöbelte eine grosse Blonde im modischen Hosenanzug an, die mir aus irgend einem – nicht wirklich angenehmen – Zusammenhang bekannt vorkam: Irgend etwas mit Leuten (Europäern?), die man nicht selbst entscheiden lassen kann, weil sie sonst falsch entscheiden würden. Aber ich schweife ab.
“Sorry, ja, ich weiss, ich habe dich dauernd Schlampe genannt, und dass wir eigentlich nicht viel gemeinsam haben, ist mir auch klar. Aber das mit Angie hat keine Zukunft, Lady” bedrängte er die konsternierte Frau. Ich wunderte mich, warum sie ihm nicht sofort, vor allen Leuten, die verdiente Ohrfeige gab. “Und willste echt, dass ich mit den anderen beiden Chaotinnen abzieh?” Die grosse Blonde blieb weiter gelassen und gab ihm dann schliesslich doch die fällige Abfuhr: “Wir sind zwar Liberale. Aber blöd sind wir nicht.” Die Beamten beendeten schliesslich das traurige Schauspiel und führten ihn unter dem Beifall der Anwesenden ab. Man hörte ihn noch grölen, dass es ihm sowieso nur um einen Quickie gegangen sei, “Angie heiss machen”. Ausserdem habe er jederzeit die Option, es mit Erika und Claudia krachen zu lassen. Und dann war der Spuk beendet. Gottseidank.
Sicher haben Sie schon längst bemerkt, dass meine kleine Geschichte erstunken und erlogen ist. Okay, nicht ganz: den komischen Mann mit den Illusionen gibt’s wirklich! Und der späte, doch umso treffendere Hinweis, dass Liberale nicht blöd seien, ist auch genau so gefallen. Er war aber nicht von der grossen Blonden.
Jetzt weiss ich’s wieder! Ich habe sie auf dem Parteitag gesehen, sie hat da eine laut beklatschte Rede zum Endspurt des Europa-Wahlkampfes der FDP gehalten (aber so gut war die nicht, die Rede meine ich – professionell vorgetragen, inhaltlich aber eher schwach. Viel zu wenig Kritik an Lissaboner Vertragsmonstrum). Ich schweife schon wieder ab.
Nein, der Hinweis kam von Guido Westerwelle in seiner Abschlussrede. Wo er übrigens (endlich!) auch klarstellte, dass es eine Koalitionsvereinbarung mit der FDP nur dann gibt, wenn ein gerechteres Steuersystem und niedrigere Steuersätze vereinbart werden. Mit Angie.
antibuerokratieteam.net





Achim, sehr schöne (erlogene) Geschichte :-)
Ich hoffe, nach dem -zumindest bei mir beliebten- Bloggen und Twittern war neben dem Cocktail auch das niedersächsische Spargelbuffet bekömmlich.
Hohohoho.
Volltreffer.
Jetzt fängt die SPD wieder mit ihrem Stalking an.
So nach dem Motto: “Wenn wir schon so machtgeil sind, daß wir jederzeit alle Prinzipien für eine Regierungsbeteiligung über Bord werfen, dann müssen sich auch die anderen so verhalten.”
Vielleicht meinen einige Genossen das sogar ernst und erhoffen sich von der FDP Mithilfe, um sich gegen den eigenen linken Flügel durchzusetzen.
Aber für die SPD-Spitze (und die ihr verbundenen Journalisten) ist das wohl eher ein taktisches Manöver: Man redet über die Ampel-Illusion, um von der Volksfront abzulenken.
Schade eigentlich, dass Du Dir (und uns) die Story zusammenlügen musstest, lieber ordoliberaler
Mir hat sie verdammt gut gefallen (Kompliment an den Erlüger!) … denn unter ‘lebendiger Demokratie’ stelle ich mir genauso sowas permanent buffetgetriebenes Übergriffiges vor … wenn’s schon sein muss, die Demokratie, meine ich ;-)) …
Schöne Geschichte von dir , auch wenn sie nicht stimmt. Sie ist gut geschrieben und ich habe sie ganz gespannt gelesen.
Für mich ist zur Zeit allein die FDP wählbar. Allerdings habe ich ein bißchen Sorge, dass die Partei am Ende doch mit den Roten zusammen geht. Insofern wäre mir eine Koalitionsaussage zugunsten der CDU lieber gewesen. Damit würde auch der Linksruck von Angela Merkel wieder rückgängig gemacht. So kann ich jetzt nur hoffen, dass es nicht zu einer gruseligen Ampel mit SPD und Grünen kommt.
Die Europa-Wahl habe ich schon hinter mir, auch wenn ich die große Blonde nicht mag ;-)
Ja, ich sehe das nicht anders liebe Medea. In einer Ampel würden sich die Freien Demokraten in freiwillige Geiselhaft der Grünen und der SPD-Linken begeben. In der Tat eine gruselige Vorstellung.
, “freiwillige Geiselhaft”, das trifft es genau. Ich darf über die Kompromisse, die dann gemacht würden in einer solchen Ampel, gar nicht nachdenken, sonst wird mir übel. Ich hoffe sehr, es wird nicht zu einer “Ampel” kommen.
Man kann nur hoffen, dass die FDP nie wieder den Fehler macht sich mit Rot einzulassen. Noch dümmer wäre es sich mit Grün einzulassen.
Der Makel der “Umfallerpartei” würde gnadenlos ausgeschlachtet werden und die FDP für alle Zeiten politisch vernichten. Lieber 20 Jahre Opposition als jemals wieder eine gemeinsame Sache mit dieser Seite.
Die gesamte Medienmacht der Roten würde auf die FDP einschlagen und sie würde sich nie wieder davon erholen.
Außerdem hat die FDP es nicht nötig. Die Zeit arbeitet für die FDP, nicht gegen sie. Mir fallen schon die armseligen SPD Wahlplakte, mit Werkbänken und Langweilern drauf auf, die wirklich alles über den Zustand unseres Landes ausdrücken.
Es dürfte der schlechteste Wahlkampf der SPD aller Zeiten sein.
Der Kanzlerkandidat der SPD ist auch ziemlich langweilig und dröge.
Er passt also zu den Plakaten ;-)
Die grüne Klientel gehört zu den Besserverdienenden, die sicher nicht an Steuererhöhungen interessiert sind und sich wohl auch nicht in dem Wahlprogramm wieder finden. Nur die grünen Oberen frönen noch ihrem ehemaligen “revolutionären” Touch. Gewählt werden sie von ihren verhältnismäßig alt gewordenen Sympathisanten aus Nostalgie. Die Partei hat was Bigottes.
Wer hat sich das eigentlich ausgedacht, dass der Zoll demnächst gegen Glühbirnen, die man sich aus Nicht-EU-Ländern schicken läßt, vorgehen soll?
Wenn man Bryan Caplans “The Myth Of the Rational Voter” für richtig hält (was ich tue), dann muss man diese Aussage nicht für logisch halten, weil die Menschen ihre Wahlentscheidungen eben nicht an ihrem unmittelbaren Eigeninteresse ausrichten, sondern danach, bei welcher Entscheidung sie das Gefühl haben, das “Richtige” getan zu haben.