Ein liberaler Aufklärer, der sich irrtümlich für einen Konservativen hält

20.05.2009 19:57 - Gaeste by Horst Wolfgang Boger - 26 Kommentare

Ein hervorragendes Buch eines liberalen Aufklärers, der sich irrtümlich für einen Konservativen hält

Dass das Buch von Jan Fleischauer Unter Linken – Von Einem, der aus Versehen konservativ wurde von Berufslinken nicht gemocht und nicht geschätzt werden wird, war vorauszusehen. Ein-Sterne-Rezensionen auf amazon.de mit Schaum vor dem Mund waren demgemäß zu erwarten.

Was ich bis jetzt zu lesen bekomme, erzeugt allerdings in mir den Verdacht, dass einige Leute sich mit dem Lesen des Buchtitels begnügen. Formulierungen wie “Geistlos und ohne den Anspruch auf Wahrheit geschrieben” sind anders wohl kaum zu erklären. Wer solches schreibt (selbstverständlich unter einem Pseudonym, schließlich leben wir in einer rechtskonservativen = neoliberalen = post- oder präfaschistischen Diktatur!), sollte sich schon die Mühe machen, Behauptungen dieser Art zumindest ansatzweise zu belegen. Sogar Rechtskonservative und (Neo-)Liberale lesen gelegentlich. Sie lesen sogar Ein-Sterne-Rezensionen und sind durchaus dankbar, wenn ihnen Gelegenheit gegeben wird, etwas dazuzulernen, falls ihnen robuste Daten, interessante Hypothesen oder gültige Argumente präsentiert werden.

Ich habe dieses Buch zweimal gelesen. Und mein Urteil ist eindeutig. Das Buch hat viel Esprit (= Geist) und die Kapitel “Wider die Herrschaft der Vernunft – die Linke und das Bildungssystem”, “Die Eroberung des Sozialstaats – die Linke macht Karriere”, “Wir Kleinbürger – die Linke und das Volk” und “Opferneid – die Linke und der Antisemitismus”, um nur vier von zwölf zu nennen – treten sehr wohl und deutlich genug mit einem ernsthaften Wahrheitsanspruch auf.

Wer – wie ich – eine dezidiert linke Vergangenheit und gelegentlich das (zweifelhafte) Vergnügen hat, linke Externalisate über sogenannte “Spießer” zu lesen oder zu hören, wird die folgende Darstellung der linken Sicht auf diese Subpopulation sofort wiedererkennen:

Wir hatten ziemlich genaue Vorstellungen vom Spießer, auch wenn wir mit ihm, gottlob, kaum in Berührung kamen. Klein, eng, verstellt war seine Welt. Spießer verließen morgens in aller Herrgottsfrühe das Haus und kamen abends pünktlich um 17 Uhr heim zu Frau und Kind. Sie mähten am Wochenende den Rasen, wuschen ihr Auto; ihre Schäferhunde oder Dackel hießen ‘Max’, ‘Sammy’ und ‘Arko’. Spießer waren im ADAC, sie nahmen keine Drogen, schenkten Schnittblumen zum Muttertag und schoben Bierfilz unter Biergläser. Vor der Haustüre hatten sie Fußabtretematten mit der Aufschrift ‘Salve’ liege, und im Büro wartete ein Kaffeebecher mit Namen und lustigem Aufdruck auf sie. Kurz, sie lebten und benahmen sich wie die Mehrheit der Deutschen. Deshalb waren sie auch zur Verachtung freigegeben.

(S. 179)

Wenn die Linke ihrer Wut und Enttäuschung Luft machen will, redet sie vom Spießer – oder, um klassenspezifisch zu werden, vom Kleinbürger. Es ist völlig gefahrlos, sich über ihn zu erheben; er konstituiert die einzige Schicht in Deutschland, auf die alle herabsehen dürfen, von unten nach oben.

(S. 180)

Die Pathologisierung einer ganzen Gesellschaftsschicht fügt sich nahtlos in eine Vorurteilsstruktur, nach der selbst der lebensbedrohende Übergriff auf einen kleinbürgerlich um Rücksicht Bittenden nur als Notwehrakt gedeutet werden kann: Als im Januar vergangenen Jahres ein pensionierter Schulrektor in der Münchner U-Bahn von zwei Jugendlichen zu spätabendlicher Stunde zusammengetreten wurde, weil er sie gebeten hatte, das Rauchen einzustellen, erklärte der ‘Zeit’-Feuilletonchef Jens Jessen die Tat in einem Video-Blog mit der ‘unendlichen Masse von Gängelungen, blöden Ermahnungen, Anquatschungen, die der Ausländer und namentlich der Jugendliche’ ständig in Deutschland zu erleiden habe. ‘Und nicht nur der Ausländer’, wie er nach einer Besinnungspause hinzufügte: ‘Letztlich zeigt doch der deutsche Spießer, um das böse Wort mal zu benutzen, doch überall sein fürchterliches Gesicht.’

(S. 182 f.)

Herrn Jessen wird man wohl fragen müssen, ob er nicht bisweilen – wie so viele Linke – in systematischer Weise Opfer und Täter verwechselt: Wer als pensionierter Schulrektor Jugendliche darum b i t t e t , das Rauchen einzustellen, ist in der Sicht der Linken der Täter. Die Jugendlichen, die ihn krankenhausreif treten, sind – wiederum in dieser Sicht – die Opfer, die sich nur, selbstverständlich legitimerweise, zur Wehr setzen. Wer zur Gewalt greift, muss schließlich seine Gründe haben.

Am grauenhaftesten waren wohl die Spießer in der Adenauerzeit (1949 – 1963). Der sich als zuverlässiger Zeitzeuge missverstehende Günter Grass weiß darüber zu berichten: “‘Die damals propagierte Gesellschaft war durch eine Art von Spießigkeit geprägt, die es nicht einmal bei den Nazis gegeben hatte.’” (S. 184)

Der Chronist H. W. Boger (*1947) erinnert sich: Für fünfzehnjährige Jungen hatten die Väter im Wesentlichen nur drei Imperative parat: “Sitz aufrecht! Geh mal wieder zum Friseur! Mach die Negermusik leiser!” Dennoch wurden die Wirbelsäulen nicht hart wie Kruppstahl, dennoch wurden die Haare von Jahr zu Jahr länger, und die ‘Negermusik’ wollte keineswegs verstummen, sondern wurde eher lauter. So war das mit der “Spießigkeit [...], die es nicht einmal bei den Nazis gegeben hatte”.

Werfen wir einige Blicke in das Kapitel “Opferneid – die Linke und der Antisemitismus”:

Aus Sicht der Kritiker [des Staates Israel; HWB] haben sich die Juden in ihrem Staat einfach zu viel herausgenommen. Sie haben nacheinander vier Kriege gewonnen und dann das Land nicht wieder geräumt, wie es die Verlierer verlangten.” (S. 194) Mehr noch: Die Juden in Israel “benehmen sich, als wären sie in Israel zu Hause. Sie gründen Familien, gehen ihrer Arbeit nach und plagen sich mit den normalen Alltagssorgen, ohne sich ständig Gedanken über die Palästinser zu machen, die davon phantasieren, wie schön das Dasein sein könnte, wenn man die Israelis erst einmal los wäre: Kurz gesagt, sie führen zum ersten Mal seit nahezu 2000 Jahren wieder ein selbstbestimmtes Leben in einem eigenen, souveränen Staat, der ihnen Schutz vor Verfolgung und Diskrminierung bietet. Es ist übrigens auch der einzige Staat in der ganzen Region, der seinen Bürgern alle westlichen Freiheitsrechte garantiert, inklusive Frauen, Homosexuellen und politisch Andersdenkenden, ein Novum im Nahen Osten.

(S. 199)

Dem – linken! – Schriftsteller Wolfgang Pohrt verdanken wir die famose Idee vom “Täter als Bewährungshelfer”, der sich darum bemüht, dass “seine Opfer nicht rückfällig werden”. (ebd.) Die deutschen Täter, so sie noch leben, und ihre antifaschistischen (aber auch neofaschistischen!) Nachkommen, blicken unentwegt auf Israel und sind tief enttäuscht, dass die dort lebenden Juden die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Auschwitz nicht als “friedenspolitische Erziehungsanstalten”, als “eine Art dritte[n] Bildungsweg in Sachen Pazifismus” in Erinnerung haben. (S. 212) Stattdessen sind die Israelis “zu amerikafreundlich, zu militant, zu kapitalistisch – sie vereinen, mit einem Wort, was man auf der Linken aus tiefstem Herzen abzulehnen gelernt hat.” (S. 214)

Warum, so muss man fragen, interessieren sich linke (und rechte!) Deutsche so sehr für Israel und seine Nachbarn, warum gilt ihre Aufmerksamkeit nicht dem indisch-pakistanischen Dauerkonflikt? Und was würden linke (und rechte!) Deutsche davon halten, wenn z. B. Mexikaner in Leitartikeln “leidenschaftlich die Vor- und Nachteile der deutschen Einheit diskutierten [...] und Podiumsdiskussionen abhielten”? (S. 198) Offenbar haben linke (und rechte!) Deutsche ein erhebliches Israelproblem. Bei Alt- und Neonazis ist dies noch zu verstehen, aber warum Linke, die doch meinen und sagen, Linkssein und Judenfeindschaft schlössen sich gegenseitig kategorisch aus, genau dasselbe Problem haben, erschließt sich dem Beobachter nicht so leicht.

Dieses Buch zu lesen ist ein Genuss. Es holt weit aus, präsentiert auch wertvolle Details (z. B. zum Bildungsnotstand in Deutschland und seinen Ursachen und zur Ausweitung und Eroberung des Sozialstaats durch die Linken) und ist gut geschrieben. Man muss den Verfasser und den Verlag herzlich beglückwünschen.

Freilich unterlaufen Fleischhauer auch einige sachliche Fehler: Thomas Hobbes war definitiv kein Schotte, und Jurist – jedenfalls im engeren Sinne – war er auch nicht, wie auf S. 62 f. zu lesen ist. Auch die Diskussion um John Rawls und Peter Singer (S. 151 ff.) hätte etwas sorgfältiger ausfallen dürfen, wobei diesen beiden Linken durchaus Liberale wie Friedrich August von Hayek oder Robert Nozick hätten gegenübergestellt werden sollen. Obwohl der Autor – jedenfalls in m e i n e r – Sicht – eher ein Liberaler denn ein Konservativer ist, kommt der Liberalismus, wenn er ihn explizit behandelt (z. B. auf S. 334) eher schlecht weg. Das will mir nicht so recht einleuchten.

Und eine Formulierung wie “Tatsächlich ist die schwankende Klasse [gemeint sind die Kleinbürger] nicht nur ohne soziologischen Grund” (S. 186) habe ich mit einem gewissen Missfallen gelesen, da doch offensichtich “soziologischer Grund” gar nicht gemeint ist, sondern “sozialer Grund” oder, noch besser, “soziale Verankerung”. “Soziologisch” ist nun mal nicht synonym mit “sozial”.

Aber das sind angesichts des Buches, das immerhin 350 Seiten stark ist, Petitessen. Sie werden, wie mir der Autor freundlicherweise zugesagt hat, in der dritten Auflage korrigiert werden. Die zweite Auflage ist schon gedruckt.

Man muss kein Hellseher sein, um diesem Buch einen – redlich verdienten! – Bestsellerstatus zu prognostizieren.

Dr. phil. Horst Wolfgang Boger studierte Psychologie, Sozialwissenschaften und Philosophie (mit Schwerpunkt Wissenschaftstheorie) in Mannheim und Köln. Er hat Psychologie, Sozialwissenschaften, Wissenschaftstheorie und Politische Theorie an den Universitäten Bonn, Konstanz und Mannheim unterrichtet und ist am Liberalen Institut in Potsdam für “Grundsatz- und Schenkungsfragen” zuständig.

Anmerkung des Cleaning Executive: seit heute habe auch ich das Buch im ToRead-Stapel meines Regals liegen – ganz oben!

Wen die Rezension unseres Gastautors so neugierig gemacht hat, dass er seinen Kaufdrang nicht mehr zügeln kann, dem winke ich hiermit mit dem Fleischhauer: wenn Sie über die Produktlinks oben bestellen, oder gleich über diesen hier, unterstützen Sie freundlicherweise unser inzwischen gar nicht mehr so kleines Projekt antibuerokratieteam.net mit einem kleinen Scherflein Amazon-Partner Provision – Stay tuned! (and buy well)… ;-)

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26 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

ahs, 21.05.2009 10:57

Das mit der Spießigkeit und dem NS haben viele Linke ja bis heute nicht kapiert. Der NS war ja dezidiert eine Jugendrevolte gegen die Spießigkeit der Weimarer Zeit. Klar haben deshalb Grass & Co. recht. Spießigkeit, Bürgerlichkeit ist die Gegenposition zur Revolte, ob 68er, NS oder andere. Spießigkeit ist das Beharren, nicht der Umbruch.Deshalb ist es so entlarvend, was Linke über die Bürgerlichen sagen…

 
Die Stimme aus dem Off, 21.05.2009 12:47

Wer – wie ich – eine dezidiert linke Vergangenheit und gelegentlich das (zweifelhafte) Vergnügen hat, linke Externalisate über sogenannte “Spießer” zu lesen oder zu hören, wird die folgende Darstellung der linken Sicht auf diese Subpopulation sofort wiedererkennen:

Hmm. Also ich habe auch ein dezidiert linke Vergangenheit und kann deswegen nicht so richtig nachvollziehen, wie man das Buch mit Genuss lesen kann.

Wohl ein gutes Buch, die Qualität möchte ich ihm nicht absprechen, da ich es nicht gelesen habe. Aber hat in seiner Freizeit wirklich Lust sich damit zu beschäftigen? Haben die einen nicht schon genug genervt?

Heizpilz, 21.05.2009 15:18

> Also ich habe auch ein dezidiert linke Vergangenheit …

Hätte ich jetzt bei Dir nicht gedacht, LOL, anscheinend ist nur der Heizpilz liberal-konservativ von Geburt an.

Vermutlich hat die konsistente linke Ideologie den Intellekt angesprochen, gell, ja, ich kenne da auch einige, die gegen Links eigentlich unanfällig sein müssten wg. geistiger PS-Zahl, aber _dennoch_ asoziale linke Meinungen hegen und pflegen und nicht ablegen können. Irgendwann sind die dann zu alt und können nicht mehr runter…

Die Stimme aus dem Off, 21.05.2009 17:21

Mit “meiner Vergangenheit” meinte ich auch eher den erfolglosen Versuch mich zu indoktrinieren.

 
 
 
Heizpilz, 21.05.2009 15:16

Richtig verstandener Konservativismus beinhaltet den Liberalismus;
allerdings nicht denjenigen der “Bäume und Hirsche” (Täterkultur, Staatskritizismus, Überhöhung des Individuellen, Ablehnung der Wehrhaftigkeit etc.).
Konservativismus ist eigentlich nur ein methodisches Vorgehen, also im Focus die evolutionäre, konservierende und organische Weiterentwicklung der Systeme statt des dummen revolutionären Tuns.
Jeder anständige Liberale sollte in diesem Sinne auch konservativ sein.

jo@chim, 21.05.2009 16:44

Richtig verstandener Konservativismus beinhaltet den Liberalismus

Naja, Friedrich August von Hayek hat das (hinsichtlich “Staatskritizismus” und “Überhöhung des Individuellen”) schon etwas anders gesehen. Ich empfehle sein Nachwort in der Verfassung der Freiheit Why I am Not a Conservative:

The conservative feels safe and content only if he is assured that some higher wisdom watches and supervises change, only if he knows that some authority is charged with keeping the change “orderly.” This fear of trusting uncontrolled social forces is closely related to two other characteristics of conservatism: its fondness for authority and its lack of understanding of economic forces. Since it distrusts both abstract theories and general principles, it neither understands those spontaneous forces on which a policy of freedom relies nor possesses a basis for formulating principles of policy. Order appears to the conservative as the result of the continuous attention of authority, which, for this purpose, must be allowed to do what is required by the particular circumstances and not be tied to rigid rule.

Aber vielleicht hat er den Konservatismus ja auch nur nicht richtig verstanden, als Liberaler *lol*

Heizpilz, 21.05.2009 16:51

Ich glaube es gibt überhaupt keinen Konservativismus.
Der Liberalismus ist eine Ideenlehre, das Konservative nur das (erst einmal (unter normalen Umständen) immer berechtigte) Beharren auf Bestehendem.

Konservativ sein wird oft ganz merkwürdigerweise mit Rechts sein verwechselt. Hier muss wohl die 68er.Generation erfolgreich gewirkt haben.

Hayek ist natürlich aus meiner Sicht auch nicht zuzustimmen, aber er bezog sich wohl auf die “konservativen” Gegebenheiten seiner Zeit.

Die Stimme aus dem Off, 21.05.2009 17:23

Heizpilz, 21.05.2009 16:51

Ich glaube es gibt überhaupt keinen Konservativismus.

Du meinst es gibt keine religiös-national begründete Fortschrittsfendlichkeit mit einem Hang zur Dikriminierung von Minderheiten?

Du meinst, es gäbe keine Versuche die Vergangenheit zu konservieren und aus der Geschichte angeblich zu lernen indem man sie am liebsten wiederholen würde?

Heizpilz, 21.05.2009 21:18

Es gibt zumindest keinen erklärten “Ismus” dbzl..
Solltest Du doch wissen.
Der Konservative hat einen anderen Zugang zu Systemen als der Geblendete.

Die Stimme aus dem Off, 21.05.2009 21:48

Mir ist nicht ganz klar, inwiefern sich der Konservative vom Geblendeten unterscheidet.

Der eine ist von der Ideologie geblendet, der andere von der Geschichte.

Heizpilz, 22.05.2009 03:36

Ich verstehe den “Konservativismus” als methodisches Herangehen an die realen Herausforderungen, wobei auf Erfahrungen zurückgegriffen wird und der eine oder andere Ismus (immer nur teilweise) eingearbeitet wird, dabei aber vorsichtig vorgegangen wird und (ggf. (noch) unverstandene) alte Einstellungen nicht ohne weiteres verworfen werden.

In diesem Sinne ist bspw. ein Ingenieur konservativ; sollte er zumindest sein. (Die Geblendeten und die Fantatrinker sind ja bekanntlich anders drauf, LOL.)

BTW, an Deinen Anmerkungen spürt man jetzt doch das alte zerstörerische Element langsam wieder nach.

Die Stimme aus dem Off, 22.05.2009 13:35

Nö,
kein altes, zerstörerisches Element.

Ich gedenke nur nicht die eine Idotrination durch die andere zu ersetzen.

Was den Linken die Sozialarbeiter sind, sind den Konservativen die Historiker.

Schwachsinniges und unnötiges Gesülze, das keinen Bezug zur Gegenwart hat und das jede Menge geduldiges Papier erzeugt.

Heizpilz, 22.05.2009 17:04

Hast Du denn wenigstens verstanden, dass der Konservative für die Aufgabenbearbeitung Erfahrungen der Vergangenheit heranzieht und der Progressive gänzlich neue Ideen entwickelt und dass genau hier der fundamentale Unterschied liegt?

Um noch mal auf den Ingenieur zurückzukommen, den es bekanntlich nicht in progressiver Form gibt, also der arbeitet bspw. in der Entwicklung mit Entwicklungsmodellen oft iterativer Ausrichtung.

“Indoktrination” war hier ziemlich fehl am Platze als Kennzeichnung dieses Vorgehens, ärgert mich auch ein wenig, naja, Du wirst es vllt noch verstehen.

Die Stimme aus dem Off, 22.05.2009 20:12

, dass der Konservative für die Aufgabenbearbeitung Erfahrungen der Vergangenheit heranzieht und der Progressive gänzlich neue Ideen entwickelt und dass genau hier der fundamentale Unterschied liegt?

Das ist ja gerade das Problem. Die Erfahrung ist bei der Betrachtung der Vergangenheit alles andere als objektiv. Je länger die Vergangenheit zurückliegt, desto unbrauchbarer wird die Geschichte als Grundlage für Entscheidungen der Gegenwart.

Als systemische Grundlage zur Betrachtung realer Vorgänge der Gegenwart ist sie vollkommen unbrauchbar. Das schon alleine deshalb, weil sich die moralischen Maßstäbe ständig verschieben.

In den meisten Fällen ist die Heranziehung der Geschichte zur Lösung gegenwärtiger Probleme daher vollkommen unbrauchbar.

Außerdem gibt es bei den Konservativen das Phänomen die Geschichte vollkommen überzustrapazieren. Liest man sich eine Zeitung wie die JF durch, wird man von der Geschichte (insbesondere der jüngeren) ja vollkommen erschlagen. Zum einen berichtet man einseitig, zum anderen ist schon die Schwerpunktsetzung ein deutliches Zeichen für dafür, dass bei den Konservativen die Historiker genau die Rolle einnehmen, die bei den Linken die Soziologen einnehmen:

Wichtigtuerei und Erzeugung von Papiermüll.

Heizpilz, 22.05.2009 21:59

> In den meisten Fällen ist die Heranziehung der Geschichte zur Lösung gegenwärtiger Probleme daher vollkommen unbrauchbar.

Unbrauchbar, aber alternativlos, LOL, so wie die Demokratie beispielsweise.

Juristen setzen doch auch eher auf kontinuierliche Weiterentwicklung der Rechtssysteme.

In gewisser Weise ist fast alles konservativ, ausser eben den revolutionären Entwicklungen, die sich selten als sehr gut und oft als sehr schädlich erwiesen haben, aber eben auch _von_Zeit_zu_Zeit_ erforderlich waren,

Die JF ist übrigens mehr rechts als konservativ. Vielleicht liegt auch hier (D)ein Verständnisproblem.

Die Stimme aus dem Off, 26.05.2009 17:07

Dann definiere bitte

1. Rechts
2. Konservativ

und gebe bitte Deine Einschätzung zum

3. Dem Markt

ab.

Ist der Markt konservativ?

Heizpilz, 26.05.2009 17:59

“Konservativ” wurde bereits definiert, rechts ist die Abweichung vom richtigen konservativen Weg Richtung Nationalismus/Sozialismus.
Der Markt ist in hohem Maße konservativ, schliesst natürlich Progressives nicht grundsätzlich aus.
Konservativ zu sein im richtigen Sine heisst ja eben nicht alles beim Alten belassen zu wollen, sondern setzt auf eine organische Fortentwicklung, die natürlich nicht immer geschlossen und iterativ abläuft, sondern manchmal (aber eher selten) auch sprunghaft.
Oder meinst Du jetzt gar das Medium “Der Markt”?!

Revolutionäres progressives Vorgehen empfiehlt sich nur in Unrechtssystemen, die dem gesunden Menschenverstand widersprechen und zudem im Vergleich mit Geschehenem schlecht abschneiden, also wenn es nur besser werden kann.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Albert, 26.05.2009 16:51

Wow, ich bin konservativ! ich dachte immer ich wäre dialektiker(bzw Integralist).
Kommt ja aufs selbe hinaus!

 
 
Heizpilz, 21.05.2009 17:23

Angenehm zu lesen auch der klare Blick auf Israel des Kollegen Fleisch(h)auers.

 
Jörg Sutter, 22.05.2009 06:35

“Es ist übrigens auch der einzige Staat in der ganzen Region, der seinen Bürgern alle westlichen Freiheitsrechte garantiert, inklusive Frauen, Homosexuellen und politisch Andersdenkenden, ein Novum im Nahen Osten.”
(Zitat Jan Fleischhauer)

Solange die Palästinensergebiete besetzt sind, sind auch die Palästinenser israelische Bürger. Das ist natürlich “antisemitisch”, denn Palästinenser gehören ja der falschen Rasse an und hausen in ihren Ghettos seit 40 Jahren rückständig und islamisch.
10.000! Gefangene sitzen in Israel ein, ohne Prozess, ohne Menschenrechte. Über 600 Kinder wurden in den letzten Jahren von der israelischen Armee ermordet. Dabei haben SPD und Grüne immer lachend zugesehen, da es ja “unsere israelischen Freunde” sind, die die Verbrechen verüben.
Die 3 Mio Palästinenser haben keinerlei Menschenrechte. Auch wählen dürfen sie natürlich in Israel nicht.
Ausgerechnet Israel, einen der letzten rassistischen Staaten, der nach einer archaischen Blut- und Bodenideologie existiert, “westliche Freiheitsrechte” zu konstatieren, klingt wie Holocaustleugnung.
Was daran liberal sein soll, weiß ich nicht.
Es ist einfach gelogen.

Heizpilz, 22.05.2009 08:58

“Solange die Palästinensergebiete besetzt sind, sind auch die Palästinenser israelische Bürger.”

Amüsante Sichtweise, aber sicherlich nicht liberal.

 
jo@chim, 22.05.2009 09:27

Palästinenser wählen in Palästina (mit den bekannten Ergebnissen). Israelische Araber wählen in Israel und werden in die Knesset gewählt. Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, die das hohe rechtsstaatliche Niveau dieser Demokratie belegt, sogar dann, wenn sie sich offen zum Terror gegen das Land, dessen Staatsbürger sie sind, bekennen.

Verbreiten Sie Ihre Lügen woanders Herr Sutter. Hasspropaganda wie die Ihre ist hier unerwünscht.

Heizpilz, 22.05.2009 09:54

Besonders übel auch der Mordvorwurf, der Bursche kann sich wohl nicht vorstellen wie schwer es ist in einer dermassen feindlichen Umgebung zu existieren.

 
Daniel Fallenstein, 22.05.2009 16:17

Über diesen JS-Phänotypen gibt es sogar ein Lied: http://www.youtube.com/watch?v=FpWpdcR63ms

 
 
 
foster, 22.05.2009 09:14

“Solange die Palästinensergebiete besetzt sind, sind auch die Palästinenser israelische Bürger.”

Falsch. Du verwechselst “besetzt” mit “annektiert”.

Zum Rassismus und “Blut und Boden” nur zwei exemplarische Hinweise:
Informier dich doch bitte mal, wer wo Boden, also Grundbesitz, erwerben kann, und wo dies für wen strafbewehrt ist, und mit welchem Strafmaß.
Lehrreich könnte es auch sein, mal tatsächlich einen Blick aufs Wahlrecht zu werfen, und ob sich Leute, die es tatsächlich rassistisch motiviert ändern wollen, gerichtlich stoppen lassen, also ausgerechnet mit Hilfe von Institutionen des Staates, der doch angeblich als solches rassistisch ist.

Und was die “Morde” und die angeblich darüber Lachenden angeht: dein Grad an Verblendung ist bemerkenswert hoch.

 

[...] einer Innenperspektive schreibt Jan Fleischhauer in seinem Buch Unter Linken zu den dortigen Präferenzen: Vor der Bundestagswahl 1998 veranstaltete die Redaktion der [...]

 

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