Die Dagny wird bei der Europawahl die Piratenpartei wählen.

Nicht, weil ich mir von den Piraten die libertäre Politikwende erhoffe, sondern weil die Piraten die technische Entwicklung der letzten 20 Jahre antizipieren. Der Begriff „Geistiges Eigentum“ wird als geschicktes Marketing zum Erhalt eines überkommenen Geschäftsmodells negiert.

Die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts beschränken jedoch das Potential der aktuellen Entwicklung, da sie auf einem veralteten Verständnis von so genanntem „geistigem Eigentum“ basieren, welches der angestrebten Wissens- oder Informationsgesellschaft entgegen steht.

Auch Patente sehen die Piraten kritisch:

Im Wandel vom Industriezeitalter zum Informationszeitalter entwickeln sich die weltweit herrschenden Patentregelungen teilweise vom Innovationsanreiz zum Innovationshemmnis. Der Versuch, mit althergebrachten Mitteln die Zukunft zu gestalten, wird den grundlegenden Veränderungen in der Welt nicht nur immer weniger gerecht, er stellt auch beispielsweise in den Bereichen der Patentierung von Erkenntnissen der Genforschung und Biotechnologie und im Bereich der Softwarepatente eine große Gefahr für die Gesellschaft von morgen dar. Grundsätzlich wollen wir einen freieren Markt ohne die hinderlichen Beschränkungen der derzeitigen Patentpraxis erreichen. Wir fordern, dass das Patentsystem reformiert oder durch sinnvollere Regelungen ersetzt wird. Keinesfalls darf es durch innovationsfeindliche Regelungen ergänzt werden.

Wie sehen die selbsternannten Bürgerrechtsparteien denn das Thema Brief- Post- Fernmeldegeheimnis?

Das Briefgeheimnis soll erweitert werden zu einem generellen Kommunikationsgeheimnis. Zugriff auf die Kommunikationsmittel oder die Überwachung eines Bürgers darf der Regierung nur im Falle eines sicheren Verdachts erlaubt werden, dass dieser Bürger ein Verbrechen begehen wird. In allen anderen Fällen soll die Regierung annehmen, ihre Bürger seien unschuldig, und sie in Ruhe lassen.

Die Piraten sind keineswegs Anti-Etatisten,

Mögliche, aber nicht zu erwartende negative Nebenwirkungen müssen bei deren Auftreten nach Möglichkeit abgemindert werden.

ein Open Access Prinzip im Bereich des States finde ich dennoch sehr charmant

Die Abkehr vom „Prinzip der Geheimhaltung“, der Verwaltungs- und Politikvorstellung eines überkommenen Staatsbegriffs, und die Betonung des „Prinzips der Öffentlichkeit“, das einen mündigen Bürger in den Mittelpunkt staatlichen Handelns und Gestaltens stellt, schafft nach der festen Überzeugung der Piratenpartei die unabdingbaren Voraussetzungen für eine moderne Wissensgesellschaft in einer freiheitlichen und demokratischen Ordnung.

Und auch hier kann die liberale Antwort nur eine Privatisierung der Forschung sein

Die Publikationen aus staatlich finanzierter oder geförderter Forschung und Lehre werden oft in kommerziellen Verlagen publiziert, deren Qualitätssicherung von ebenfalls meist staatlich bezahlten Wissenschaftlern im Peer-Review-Prozess übernommen wird. Die Publikationen werden jedoch nicht einmal den Bibliotheken der Forschungseinrichtungen kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Steuerzahler kommt also dreifach (Produktion, Qualitätssicherung, Nutzung) für die Kosten der Publikationen auf, während private Verleger den Gewinn abschöpfen.

Zumal der hier dargestellte Sachverhalt aus meiner Sicht einer betroffenen Person zumindest diskutabel ist.

Dennoch: Die Piraten haben eine programmatisch-politische Antwort auf die Herausforderungen der Informations- und Wissensgesellschaft. Das EU-Parlament ist ohnehin relativ zahnlos und sofern die Postzustellung meiner Briefwahlunterlagen durch Europa reibungslos funktioniert, wird Dagnys Kreuzchen bei dieser Wahl an die Piraten gehen und die Alternativen Eurofighter und Ungültig auf die Plätze verweisen.