Bei den bissigen-Liberalen wird das Unverständnis das ein heute 20-30 jähriger über die Auseinandersetzung mit der Causa Kurras hat, ganz gut auf den Punkt gebracht. Rayson schreibt dort im wesentlichen, dass es nicht sein Problem sei, er aber verstehen kann, dass die Protagonisten von einst ihre Gewissheiten mit dem mulmigen Gefühl einer Lebenslüge aufgesessen zu sein einer erneuten Gewissensprüfung unterziehen müssen.

Man konnte damals wohl ahnen aber sicher nicht wissen, dass die Stasi ihre Finger im Spiel hatte. Die Studenten konnten aber sehr wohl wissen, dass das andere Deutschland, der Ostberliner Unrechtsstaat, seit 1961 von Staats wegen auf Menschen schiessen ließ, die zwar nicht wie Ohnesorg, das (friedliche) Demonstrationsrecht wohl aber das Recht auf Freizügigkeit in Anspruch nehmen wollten. (Welches, btw. auch im GG nur im Inland garantiert wird.).

Günter Litfin war 24 Jahre alt (geb. 19. Januar 1937), als er am 24. August 1961 beim Fluchtversuch von der Transportpolizei entdeckt wurde, in den Humboldthafen sprang und schwimmend versuchte die Westberliner Seite zu erreichen. Nach Warnschüssen wurde er durch gezielte Schüsse getötet. Die Wasserfläche des Hafens gehörte zu Ostberlin. Westberlin begann erst an der Ufermauer. Dort hatte sich eine wachsende Menschenmenge versammelt, die die stundenlangen Bergungsarbeiten beobachtete.

(Moabit Online, Bericht im Deutschlandradio über die Stasi-Machenschaften, Litfin als homosexuellen Kriminellen zu diskreditieren.)

Den Gedenkort von 1962 muss es 1967 auch gegeben haben:

[Peter Fechtner] wurde am 17. August 1962 von Grenzsoldaten der DDR erschossen, als er versuchte, die Mauer Richtung West-Berlin zu übersteigen. […]
West-Berliner Bürger, die das Geschehen beobachtet hatten, legten am gleichen Tag Blumen und Kränze an der Mauer nieder und richteten einen Gedenkort ein, der bis heute besteht.

(Berlin.de)

Jegliche Überraschung über die Machenschaften der Stasi und Ostberlins wirkt, nun, geheuchelt.

Anm.: Die FAZ kommt heute zu einem ähnlichen Schluss:

Diese Geschichte, die jetzt in Leitartikeln und Feuilletons allseits nachgebetet wird, ist nicht dadurch falsch geworden, dass die Wahrheit über Kurras herausgekommen ist.

Sie war schon immer falsch.