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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Liebe Sabine Bätzing, Bundesdrogenbeauftragte

jo@chim, 12.06.2009

Als Drogenbeauftragte der Bundesregierung im Bundesministerium für Gesundheit (SPD) haben Sie “pathologischen Internetgebrauch” in ihren Drogenbericht aufgenommen. Sabine, das ist ausbaufähig: Auch die “Leser” sogenannter “Bücher” erhalten ihren Stoff ebenso wie Killerspiele oder Kinderpornographie inzwischen online z.B. über amazon.de und andere Dealer; so werden gezielt multitoxikomane Abhängigkeiten etabliert.

Wir dokumentieren hier den Hilferuf eines Opfers, das erschütternde Dokument eines jungen Menschen, der seine Sucht bisher mehr schlecht als recht als Mitarbeiter der “Stiftung für die Freiheit” – einem neoliberalen Think Tank, der kostenlos(!!!) Bücher verteilt – verbarg:

Sehr geehrte Frau Bätzing,

als Internetnutzer hat mich Ihre Klassifizierung der Internetnutzung stutzig gemacht. Ja, ich benutze das Internet sehr oft. Selbstreflexiv wie ich bin, mache ich mir nun aber noch mehr Sorgen. Ich bin nämlich abhängig von Büchern. Zumeist lese ich parallel drei oder vier und das schon seit meiner Kindheit. Damals stigmatisierte man mich als “Leseratte”. Nun bin ich 43 Jahre alt und meine ganze Wohnung ist voll von Büchern. Ich lese überall, in der Bahn, im Bus, in der Badewanne oder auf der Terrasse; selbst im Urlaub kann ich nicht davon lassen.

Durch Ihren Anstoß bin ich erst darauf gekommen, dass ich suchtkrank bin. Ich würde nun gerne Gleichgesinnte finden und gemeinsam mit anderen „Bücherwürmern“ – auch dies eine unerträgliche Diskriminierung – einen Verein “Lesesucht – halt’ Abstand zu Büchern” gründen. Würden Sie als Schirmherrin zur Verfügung stehen?

Freundlichst
Ihr Boris E.

Liebe Sabine Bätzing, greifen Sie auch hier unterstützend ein, helfen Sie weiter mit, dass es unseren Kindern nicht so geht wie dem armen Boris: es gibt noch viel mehr zu warnen, zu regulieren, zu filtern, zu verbieten – packen wir’s an! Ihre eifrigen Kollegen von der Union unterstützen Sie sicher gerne.

An unsere Leser: Sie sind auch abhängig oder befürchten es zu werden? Machen Sie mit – generieren Sie Ihren eigenen an die Bundesdrogensabine!



8 Kommentare zu “Liebe Sabine Bätzing, Bundesdrogenbeauftragte”

  1. Heizpilz

    Je mehr Pathologien, desto mehr Pathologen, desto mehr Pathologien u,s.w.:
    Bätzing ist leider ein sehr uncooles Chick, ein Opfer der Gesellschaft, hätte mal besser gehandhabt werden sollen.

  2. Halbwertzeit: Rot-Grüne Bürokratie « Raumzeit

    [...] gibt es aktuell noch einen Hilferuf von Achim [...]

  3. Ingo Way

    Siehe auch hier:

    http://ingoway.wordpress.com/2007/11/20/reading-addicts-anonymous/

  4. jo@chim

    Eher: die Gesellschaft ist das Opfer “uncooler Chicks” wie der…

  5. califax

    Ich habe gerade festgestellt, daß ich schwerst abhängig von Fressalien bin. Ich werde immer so nervös, wenn ich ein paar Tage nichts kriege…

  6. Scrutograph

    Ich finde das gut, dass das endlich in den Drogenbericht aufgenommen wurde. Ihr Junkies.

  7. Holger

    Historiker haben dokumentiert, dass diese erschreckenden Abhängigkeiten schon seit Jahrhunderten bestehen:

    Wenn ich ein wenig Geld bekomme, kaufe ich mir davon Bücher. Wenn dann noch etwas übrig ist, kaufe ich mir Essen und Kleidung.
    Der Umgang mit Büchern bringt die Leute um den Verstand.

    Da können wir doch mehr als froh sein, dass wir mit Frau Bätzing nach all den Jahrhunderten endlich mal jemand haben, der sich dieses Problems annimmt!

  8. Boris Eichler

    Endlich ist die Antwort auf meinen Hilferuf eingetroffen:

    Sehr geehrter Herr Eichler,

    vielen Dank für Ihre E-Mail vom 10. Juli 2009 an die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing. Frau Bätzing hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.

    Es ist richtig, dass auch Handlungen einen suchtähnlichen Charakter haben können. Ob es sich in Ihrem Fall um eine suchtähnliche Erkrankung handelt, kann von hier nicht beurteilt werden. Eine Übernahme einer Schirmherrschaft für Ihren Verein durch Frau Bätzing ist leider nicht möglich. Falls Sie sich ernsthaft Sorgen über Ihren Zustand machen, können Sie sich an eine nächst gelegene Suchtberatungsstelle wenden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Im Auftrag
    Manuela Schumann
    Geschäftsstelle der Drogenbeauftragten der Bundesregierung
    im Bundesministerium für Gesundheit
    Friedrichstraße 108
    10117 Berlin

    Sehr professionell. Ironie wird ignoriert, alles beantwortet. Ich begnüge mich mit dem Remis. Bleibt zu hoffen, dass man in Frau Bätzings Stab sieht, wie leicht man sich der Lächerlichkeit preisgeben kann…ich fürchte jedoch, derlei fällt Sozialdemokraten nicht ganz leicht.

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