Die Bilder der Demokratiebewegung aus dem Iran sind schon beeindruckend und wecken Hoffnung, dass das Regime des Antisemiten Ahmadinejad (mit dem „Wächterrat“ der Mullahs als eigentlichem Machtzentrum) angezählt ist. Die Twittergewitter der Opposition vermitteln das Bild, als wenn bald eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung einen mit dem Rücken an der Wand stehenden Diktator und seine Nomenklatura hinwegfegen würde.

Vielleicht täuscht der Eindruck aber auch.

Tatsächlich sind die Hinweise auf eine massive Fälschung der Wahlergebnisse äusserst dünn. Statistische Effekte, wie sie mehrmals angeführt wurden, können zufällig eintreten. Konkrete Hinweise von Wahlbeobachtern stehen aus. Und In der Washington Post weisen Ken Ballen und Patrick Doherty auf eine unabhängige Umfrage der New America Foundation (hier als PDF) im Vorfeld der Wahlen hin, die ein völlig anderes Bild vermittelt:

The election results in Iran may reflect the will of the Iranian people. Many experts are claiming that the margin of victory of incumbent President Mahmoud Ahmadinejad was the result of fraud or manipulation, but our nationwide public opinion survey of Iranians three weeks before the vote showed Ahmadinejad leading by a more than 2 to 1 margin — greater than his actual apparent margin of victory in Friday’s election

So unlogisch ist das auch nicht: die liberale, gebildete, städtische Intelligensija macht lediglich eine Minderheit der iranischen Bevölkerung aus – die aber das von uns hier wahrgenommene Bild in den Blogs, bei Twitter, Facebook und anderen Social Networks dominiert. Nur gut ein Drittel der iranischen Jugendlichen haben überhaupt Zugriff aufs Netz. Und die demokratische Opposition der vielen Iraner im westlichen Exil trägt ihren Teil zum Hype der „Volkserhebung“ bei. Tatsächlich stützen die Islamofaschisten ihre Macht aber vor allem auf die Masse der mehr oder weniger alphabetisierten Bauern und das städtische Subproletariat.

Für erstere bietet das Regime die Gewähr auf geringstmögliche Veränderung ihrer angestammten religiös und patriarchal geprägten Lebenswelten, für letztere die Chance auf Karriere als Unterkommandant bei den Pasdaran oder Blockwart im Viertel. Wer meint, dass antiliberale und freiheitsfeindliche Diktaturen per se antidemokratisch seien, der lese Götz Aly. Nicht umsonst halten sich reguläre Polizei und Armee im Vorgehen gegen die Opposition auffällig zurück, während die Baji-Milizen losprügeln, was das Zeug hält.

Und war der „grüne Revolutionär“ Moussavi als Mitbegründer der IRP nicht von Beginn Teil des islamofaschistischen Establishments? Wäre er zur Wahl zugelassen worden, wenn er tatsächlich ein liberaler Reformer wäre? Würde er als Präsident substanzielle Veränderungen gegen seinen alten Bündnispartner Rafsandjani, die Ayatollahs und ihren Wächterrat angehen (dürfen)?

Fragen, vorläufig. Bis zum Beweis des Gegenteils wecken aber die Piloten der IDF mehr positive Assoziationen bei mir als die Sorgen der Gegenkandidaten Ahmadinejads, dass es nicht so richtig fair zugegangen sein könnte beim iranischen Wahlschauspiel.

Down with Islamic republic of Iran! Liebe Demonstranten und Demonstrantinnen im Iran: Stopft eure grünen Armbinden und Gesichtsschleier Chamenei ins Maul. Er möge dran verrecken (nur damit hier keine Missverständnisse aufkommen).