Kein schlechtes Geschäftsmodell
Die EZB hat in dieser Woche mit einem Tender 1.112 Banken im Euroraum sage und schreibe 442 Mrd. Euro zu einem Zins von 1 Prozent mit einer Laufzeit von einem Jahr zur Verfügung gestellt. Noch nie hat die EZB an so viele Institute so viel Geld so lange ausgereicht. Hinter dieser Maßnahme stecken keine Einlagen von Sparern, sondern neues Zentralbankgeld. Was als zusätzliche Liquidität für den Markt dienen soll, ist im Kern ein Subventionsprogramm für die Bankenbranche.
Banken sind notorisch eigenkapitalschwach. Die meisten Privatbanken haben im Verhältnis zu ihrer Bilanzsumme eine Eigenkapitalquote von unter 2 Prozent. Die gesamte Branche in Deutschland von unter 5 Prozent. Aktuelle und künftige Wertberichtigungen führen da sehr schnell zum Exitus. Zwar mahnt Bundesbankpräsident Weber die Banken, sie mögen doch die günstigen Konditionen an ihre Kunden weitergeben, doch er weiß selbst sehr genau, dass sie das nicht tun werden.
Wenn die Banken ihre Unternehmenskredite zu 6 Prozent weiterreichen, dann spült das den Banken rund 22 Mrd. Euro in die Kassen. Kein schlechtes Geschäftsmodell, selbst wenn einige dieser Kredite notleidend werden sollten.







Die Frage dabei ist auch: Woher nehmen die Schuldner dann die nötigen 6% Zinsen bzw. 22 Mrd. Euro? Woraus speisen sich diese Zinsen in einem System, das Geld nur durch Kredit erzeugt?
Aus ihrer Wertschöpfung? [1]
BTW, die Unternehmenskredite bei 6% liegen und die Banken zu 1% refinanzieren, dann heisst das etwas vereinfacht natürlich auch, dass die Banken mit einer hohen Zahl von Schadensfällen rechnen, da die Banken ansonsten wesentlich mehr Unternehmenskredite anstreben würden.
Wir wissen ja, dass eine Bank immer indirekt am Geschäft des Kreditnehmers beteiligt ist.
Das im Blogeintrag Vorgetragene impliziert, dass es einen ungenügenden Wettbewerb unter den Banken gibt, Homer dagegen denkt, dass die nackte Angst die Banken konservativ hält.
[1] Homer ist bei solchen Fragen immer etwas irritiert, aber es ist ja in der Tat oft so, dass Politiker wirtschaftliche Zusammenhänge selbst nicht verstehen oder zumindest falsch (dem Wahlvieh) erläutern; teilweise geschieht das natürlich bewusst.
Da die “Wertschöpfung” der Nichtbanken nicht darin besteht, Geld zu schöpfen, so wie das eine Geschäftsbank kann bzw. darf, kommt also dadurch kein Euro mehr in die Welt.
Ergo, die 22 Mrd. Euro “fehlen”. Das könnte man nur zeitweilig bzw. aufschiebend beheben, indem wiederum neue Kredite aufgenommen und damit Geld zusätzlich durch die Geschäftsbanken geschöpft wird.
Vielleicht liegt hier ein Denkfehler vor. Aber vielleicht kann ihn jemand aufdecken.
“Fehlen” tut da nix. Du kannst die Geldmengengeschichte und die Wertschöpfung der Unternehmen erst einmal getrennt betrachten.
Ich hab’s ja im Gegensatz zu Dir getrennt betrachtet.
Die Frage besteht also weiter: wo kommen die 22 Mrd. her?
Da kommen die her:
442,000,000,000 * (6% – 1%) = 22,000,000,000
Und nur daher. :)
Aber auch nur, wenn 442,000,000,000 + 5% von 442,000,000,000 = 442,000,000,000 sind. :)
Ich kann den Blogeintrag nur teilweise, Deinen Kommentaren (und auch dem weiter unten) noch schwieriger folgen.
Einfach mal die Frage präzise formulieren, dann ergibt sich oft selbst die richtige Antwort, ansonsten kommt die Antwort vermutlich von einem Kommentatoren.
Beste Grüße,
Euer Homie
Da stellt sich dann eine neue Frage: Warum “antwortest” Du auf eine Frage, die Du gar nicht verstanden hast?
Eine Antwort auf meine Frage habe ich übrigens bereits selbst gegeben. Es ging mir um eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Antwort.
Aus den Ausgaben und Gewinnen des ESZB.
[...] [...]
Dann will ich mal hoffen, dass infolge des vielen neuen Geldes der Satz des Eigenkapitals der Banken per Gesetz merklich angehoben werden wird.
Gutes Thema.
Bin kein Bänker, aber nach meiner Vorstellung wollen die Banken vermutlich zu einem Teil auch einfach durch hohe Gewinne ihre Bilanzen in Ordnung bringen.
Erwartete Ausfälle spielen sicher auch eine Rolle, wobei es mir plausibel scheint, dass stark risikobehaftete Investitionen in der aktuellen Lage gerade nicht getätigt werden. Auf der anderen Seite erhöht sich durch die instabile Lage das Risiko sehr vieler Investitionen.
Ein stabiles Finanzsystem, dass Investoren zu niedrigen Zinsen Kredite zur Verfügung stellt, ist ein öffentliches Gut. Die Banken sind mit den aktuellen Spielregeln offenbar nicht in der Lage, diese Leistung zu erbringen.
Die Vorschläge zur Änderung der Spielregeln versprechen interessant zu werden.
Fänds aber lachhaft, wenn sich so ein Bänker hinstellt und stolz über die hohen Gewinne faselt, da ihr Beitrag zur Linderung der von ihnen ausgegangenen Krise gering bis nicht vorhanden ist. Niedrige Zinsen für Unternehmer und Konsumenten hätte positive konjunkturelle Effekte.
ich bin irritiert, dass in einem marktwirtschaftlichen Blog so wenig Vertrauen in den Markt existiert.
Ein Tender ist eine Auktion.
Wenn sich an einer Auktion über 1000 Bieter beteiligen, dann ist das praktisch ein perfekter Markt.
Der Marktpreis in einem perfekten Markt liegt so, dass der Grenz-Nachfrager gerade keinen Gewinn mehr macht.
Es liegt hier also keine versteckte Subvention vor.
Wenn der Kredit-Spread zur Zeit (unter perfekten Markt-Bedingungen!!) so hoch ist, dann bedeutet dies nur eines:
aus Sicht der Marktteilnehmer besteht ein erhebliches Kredit-Ausfall-Risiko.
Exakt.
Die herrschten bereits 2007. Die Analysten verfügten bereits damals die für perfekte Marktbedingungen notwendige vollständige Information.
Als damals diese Lügengeschichten im Economist erschienen von wegen, dass viele dieser Hypothekenkredite ruinös waren, hielten die Banker dagegen und boten weiter Kredite zu äußerst niedrigen Zinsen an.
Könnte es nicht vielleicht sein, dass du das Modell deines Buchs mit der Realität verwechselst?
Yep, so isses, der Blogeintrag transportiert sozialistisches Gedankengut und referenziert den Gier-Gedanken.
Hat denn keiner hier mitbekommen, dass eine der gestützten amerikanischen Grossbanken die staatliche Stützungssumme bereits voll zurückgezahlt hat? Weiss nicht mehr, welche es war, jedenfalls handelte es sich um mehr als 50 Milliarden $ …
Ich frage: wie haben die das gemacht? Weltweit so viele Kredite unter ihresgleichen aufgenommen, dass es für die sog. Realwirtschaft hierzulande nun nicht mehr reicht?
Interessant auch der offen genannte Grund: Mal wolle sich nicht länger vom Staat dirigieren lassen.
Ich finde, das hätten sie schon vorher nicht wollen sollen ;-) …
Ich glaube, das war Goldman-Sachs. Alle Banken sind vom früheren zuständigen Minister der G.W.Bush Administration dazu “verdonnert” worden, um bei verängstigten Anlegern keine gezielten Panikreaktionen auszulösen. Grundsätzlich bin auch für staatsunabhängige Banken. Langfristig mag auch die “Grausamkeit” einer Deflation ihr Gutes für die Gesamtwirtschaft haben.
Angeboten wird hiermit folgende Sicht auf die Dinge:
1.) Die US-amerikanische sozialstaatliche Manahme „Community Reinvestent Act“ ist seit einer clintonschen Anpassung (ca. 1995) als staatlich gesponsertes “Immobilienprogramm für alle (gerne auch ohne Sicherheiten)” ursächlich (“Ur-Sache”) für die aktuelle Wirtschaftskrise.
Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Community_Reinvestment_Act
2.) Die aktuell festzustellende Leitzinspolitik (die trotz der Unabhängigkeit der EZB eine politische ist) des billigen Geldes führt nicht zu der in politischen Kreisen [1] anscheinend erwarteten Aufhellung der wirtschaftlichen Lage, u.a. auch weil sich günstig refinanzierende Banken am Markt bedeckt halten, also nicht, wie erhofft, billige Unternehmenskredite bereit stellen.
3.) Das geschieht – will man nicht mit Konstrukten wie der Banker-Gier oder ähnlichem arbeiten – ganz anscheinend wg. der Bedenken der Kreditgeber bzgl. der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung, die Banker wollen sich – auch aus einer bestimmten Erfahrung heraus (siehe Punkt 1) – nicht erneut exponieren und gewähren Unternehmenskredite zu Konditionen, die nicht auf eine billige Weitergabe des Geldes hinauslaufen. Die Banker haben also Bedenken bzgl. der Zahlungsfolgen, die sich aus den Kreditverträgen ergeben.
4.) Die aggressive Leitzinspolitik der EZB scheitert also in bestimmter Hinsicht, bzw. kommt in ihrer Wirkung bestimmten Politikerinteressen [1] nicht entgegen.
kleine Wiederholung zwischendurch:
Q: Warum klappt es nicht mit der Leitzinspolitik? A: siehe Punkt 3
Q: Warum dann diese Politik? A: siehe Punkt 2
Q: Hat diese Politik, wenn sie schon nicht greift, Schadwirkung? A: siehe Punkt 5
5.) Einige Wirtschaftswissenschaftler arbeiten mit dem Bild, das den jetzigen Markt mit einem unter Leistungsdruck stehenden Patienten darstellt, der kürzlich einmal kollabiert ist. Statt diesem Patienten beruhigende Mittel zuzuführen, erhält er Aufputschmittel um wieder auf die Beine zu kommen. Statt also mit einem Leitzins von 3-4% zu arbeiten, der konservatives investives Handeln motivieren würde, wird dieser Leitzins stattdessen möglichst tief [2] gesetzt um Investitionen der Marktteilnehmer anzufeuern. Würde der Patient der Medikamentisierung entsprechend funktionieren, dann wäre der erneute schwere Zusammenbruch desselben zu befürchten, in etwa wie folgt:
- billige Unternehmenskredite inspirieren Marktteilnehmer zu Investitionsrisiken; hier kann man sich bildlich den Geschäftsführer einer GmbH vorstellen, der fleißig Geräte least oder den AG-Manager, der “es noch einmal wissen will” und am großen Rad dreht
- eine schlechte Nachricht trudelt ein, bspw. eine ernsthafte Gewinnwarnung bei M$, ein israelischer Besuch im Iran, ein Terroranschlag bestimmter Größe – hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt
- die Wirtschaftslage (die eben noch nicht stabil ist) entwickelt sich spontan negativ, Kredite werden notleidend, der oben skizzierte Patient kollabiert erneut schwer
6.) Die in Punkt 5 aufgeführte Leitzinstheorie ist nicht klar belegt, der Patient lebt ja noch, trotz der vielen Eingriffe bisher.
Aberr, der Patient, eben der Markt, wehrt sich auch gegen die Verdoktorung standhaft. Das machen bspw. die Banken, wenn sie trotz günstiger Refinanzierung nicht aggressiv in den Markt gehen, weil sie berechtigterweise Angst haben.
(Im schlimmsten Fall kann natürlich ein Krisenzyklus entstehen, bei dem die Behandlung der gewesenen Krise die nächste Krise evoziert; wobei hier gewisse Grenzen gesetzt sind, ist das Finanzsystem erst einmal vollständig reguliert und politikgebunden und der Leitzins bei 0,25%, dann geht nicht mehr viel (dann kann denkbarerweise nur noch eine abschliessende Krise [3] eintreten).)
[1] bzw. den Vorstellungen der EZB, die als politisch verstanden werden dürfen
[2] Experimente mit einem Leitzins von bspw. 0,25% sind noch zu erwarten, ein negativer Leitzins eher nicht.
[3] Natürlich nur eine Utopie, soweit kommt es bestimmt nie. Oder?
Auch wenns hier vermutlich keinen interessiert:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,632992,00.html
:–)
> “Zwar mahnt Bundesbankpräsident Weber die Banken, sie mögen doch die günstigen Konditionen an ihre Kunden weitergeben, doch er weiß selbst sehr genau, dass sie das nicht tun werden.“
[Hervorhebung von mir]
_Deswegen_ mahnt er sie ja.
Schade, daß hier – außer nana – offenbar niemand mal genauer über die inherente Dynamik der kreditbasierten Geldschöpfung nachdenkt.
Weiterhin unbeanwortet bleibt die Frage, woher (global betrachtet) überhaupt das Geld für die Zinszahlungen kommen soll. Schließlich wird beim Kreditgeschäft nur der Nennbetrag, nicht aber der Zins geschaffen. Ergo: fest eingebaute Deflation. Für kurzfristige Spitzenrefinanzierungen ließe sich das ja vielleicht noch einigermaßen austarieren (parallel zur Rückzahlung nochmal den jeweiligen Zinsbetrag neu schaffen, bis sich die Reihe nah an 0 annähert).
Aber was ist mit der Basisversorgung ? Die kann nicht zückgezahlt werden, sonst gäbe es kein Geld mehr – und darauf fallen permanent Zinsen an, die ständig neu geschaffen werden müssen, die Verschuldung muß also exponentiell wachsen.
Warum kann denn nicht der Staat die Basisversorgung – zinsfrei – selbst schöpfen ?