STILLESCHREIE
Ich war kürzlich zu Gast auf der Ausstellung der diesjährigen Diplomarbeiten im Fachbereich Design an der FH Münster und viele Arbeiten haben mich schwer beeindruckt. Gerade die Diplomarbeiten im Bereich Illustration waren auch für Laien wirklich schön anzusehen. Eine dieser Arbeiten ist mir weniger wegen ihrer Optik, als der Idee und des Konzepts in Erinnerung geblieben.
Die Diplomarbeit STILLESCHREIE von Patricia Otte will „mit künstlerischen Mittel auf die verschiedensten Arten und Formen von Misshandlungen aufmerksam machen und den Hilferufen jener Ausdruck verleihen, die nicht gehört werden“. Diese Idee ist zwar sicher nicht neu oder gar einzigartig. Die verschiedensten Künstler aus aller Herren Länder wollen mit ihren Werken immer wieder auf die verschiedensten Missstände aufmerksam machen. So arbeitet z.B. die mexikanische Künstlerin Teresa Margolles mit dem Blut ermordeter Menschen. Auf der diesjährigen Biennale ließ Margolles Leichentücher der Opfer von Gewaltverbrechen aufhängen und Kreditkarten mit aufgedruckten Mordopfern verteilen.
Aber STILLESCHREIE hat mein Interesse geweckt, weil Patricia Otte mit dem in Deutschland noch kaum verwendeten QR-Code arbeitet, welcher gleichzeitig das Logo der Diplomarbeit ist.

QR-Codes kann man mit einem internetfähigem Handy abfotografieren und ein vorher installierter QR-Reader entschlüsselt dann die codierten Daten. Das können z.B. Bus- oder Flugtickets sein. Vorstellbar ist auch, Lebensmittelverpackungen mit QR-Codes zu versehen und so potentielle Konsumenten über die Inhaltsstoffe und das Herstellungsverfahren des Produkts zu informieren, um die Nerven der Verbraucherschützer zu schonen. In Japan wird das bereits so gemacht wird.
Im Falle des STILLESCHREIE Logo wird man dann auf die STILLESCHREIE Website weitergeleitet. Dort kann man sich dann ein Video der “Ballon-Aktion” anschauen.
Außerdem werden die 40 illustrierten Postkarten zum Thema Misshandlung gezeigt.
“Die Darstellung erfolgt als “Dunkle Metaphern”, die nicht auf den ersten Blick erkennbare Ähnlichkeitsbezüge beinhalten. Somit erschließt sich oft erst beim längeren und genaueren Hinsehen die eigentliche Bedeutungsebene. Je nach Thema entwickelt sich dieser Prozess beim Betrachter manchmal sehr schnell und direkt, aber manchmal auch langsam und schleichend. Wichtig für mich ist nur, dass im Kopf des Betrachters dieser Zusammenhang entsteht, im besten Fall sogar als plötzliches Verständnis.“
Wer sich weitergehend über eine oder mehrere Formen von Misshandlung informeiren möchte, für den hat Patricia Otte eine Linksammlung zu den verschiedenen Hilfsorganisationen zusammengestellt.
Eine sehr spannende Idee, wie ich finde. Ein tolles, innovatives Konzept und auch die Illustrationen wissen mich zu überzeugen.








Öhm, QRs werden doch in Deutschland schon lange verwendet, nicht zu letzt bei der Deutschen Bahn oder in Distributionszentren ^^
Beim Verbraucher hat es sich aus 2 Gründen noch nicht durchgesetzt:
a) kaum Angebote für Kinder
b) Technikwandel (nicht jeder hat ein modernes Handy)
Für mich stellt sich halt der Vorzug im Vergleich zu Webaddressen. Ich werde von meinem pre-paid Handy aus sicher keine Flugreise buchen :)
Und statt des QR-Logos könnten sie auch einfach die Angebotsnummer für eine Datenbank im Inet angeben =)
Das es noch nicht auf Lebensmittelverpakcungen ist, hat einen Grund:
Kostendruck im Einzelhandel…
Schöne Seite, interessante Blickwinkel
Allerdings auch sehr zeitgeistig. Einerseits Genfood als Mißbrauch markieren und andererseits den Mißbrauch von Männern ausblenden, ist eben heute an Unis vorherrschende Meinung.
Daß 48% aller Opfer von Gewalt-in-der-Ehe männlich sind, darf eben nicht sein. Auch der sexuelle Mißbrauch durch Mütter ist ein Tabu in unserer Gesellschaft. Genitalbeschneidung von Jungs will ich da nur am Rande erwähnen. Und warum der Dienst an der Waffe kein Mißbrauch sein soll, ist auch nur Leuten klar, die ständig EMMA lesen.
Gut ist aber die Thematisierung des Mißbrauchs durch Sekten.
Fazit: Gutgemeint aber sexistisch.