Die Wirtschaftsweise, die sich ergibt, wenn man die Menschen einfach machen lässt

31.07.2009 12:17 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 23 Kommentare

Der Kapitalismus ist ganz von selbst entstanden, ohne intellektuelle Blaupause. Es ist die Wirtschaftsweise, die sich ergibt, wenn man die Menschen einfach machen lässt. Krisen gehören zum Kapitalismus wie das Bauchweh zum Festschmaus.

Erst nach vier Wochen gefunden, aber natürlich immer aktuell: Michael Miersch wendet sich auf WELT ONLINE in einer “Verteidigung des Ungeliebten” gegen erregte Schuldzuweisungen und ideologischen Antikapitalismus:

Zehn Argumente zur Beibehaltung des Kapitalismus – und eines dagegen

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23 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Epameroi, 31.07.2009 14:38

Kritisch ist allerdings anzumerken, dass “Kapitalismus” in diesem Artikel stellenweise mit marktwirtschaftlichem Handeln oder überhaupt Handel treiben gleichgesetzt wird.

Das geht so nicht.

Und es geht sicher nicht darum, den Kapitalismus abzuschaffen, sondern dessen Pervertierungen. Wenn einige Casino spielende Banker nicht nur theoretisch in der Lage sind, ein Weltwirtschaftssystem zum Zusammenbruch zu bringen, dann helfen derlei allgemeine Verteidigungsreden nicht mehr weiter.

Webbär, 01.08.2009 10:58

Das Problem ist, dass die meisten Wörter, die das natürliche kooperative Handeln der Menschen dbzgl. beschreiben, verhunzt sind: Ökonomie, Wirtschaft, Kapitalismus.

“Kapitalismus” ist natürlich besonders doof, aber auch “Ökonomie” ist daneben, unterstellt sie doch ein Wirt-Kundenverhältnis. Man darf sich allerdings fast noch freuen, dass die Sache nach dem Trinkgewerbe benannt worden ist.

Dass die Sache für Aussenstehende wie “Casino spielende Banker” aussieht ist OK, man kanns nicht allen recht machen.

Lina, 01.08.2009 17:46

>>> … man kanns nicht allen recht machen.

Mach’s wenigsten mir recht, indem Du Deine Aussagen mit einem Ironiezeichen versiehst, damit ich sie nicht doch ernst nehmen muss ;-) …

Webbär, 01.08.2009 17:55

Es sind komplexe Kooperationsverhältnisse zu beobachten: “Extrem-Broker” handeln beispielsweise dem Nash-Quilibrium folgend, da kommt der laienhafte Beobachter nicht mehr mit.
“Kapitalismus”-Kritik ist zu einem großen Teil auf Unverständigkeit und Unwissen beim Beobachter zurückzuführen.
Wie Bodo ja schon angemerkt hat: TINA.

Lina, 02.08.2009 07:29

‘T/elecommunication I/nformation N/etworking A/rchitecture’?

Alles klar …

Webbär, 02.08.2009 08:44

Das “Nash Equilibrium” war gemeint.
“There Is No Alternative”.

 
 
 
 
 
Bodo Wünsch, 01.08.2009 13:30

Das Perverse am Kapitalismus sind die Folgen des Versuchs, ihn abzuschaffen oder auch nur “mildern” zu wollen.

Webbär, 01.08.2009 17:34

Merkwürdig auch, dass so selten das Natürliche am “Kapitalismus” betont wird, gell?

 
multi_io, 02.08.2009 00:38

Wenn wir hier schon Allgemeinplätze zum Besten geben, dann stelle ich mal rein empirisch fest, dass es den meisten Leuten entschieden schlechter ging, solange der Kapitalismus tatsächlich nicht “gemildert” wurde. Seit einigen Jahrzehnten ist es nicht mehr so ganz en vogue, Leute, die sich nicht selbst versorgen können und die auch keine privat organisierte Unterstützung bekommen, einfach verrecken zu lassen. Ich glaube auch nicht, dass die Weigerung, letzteres zu tun, in nennenswertem Maße den Wohlstand, das Unternehmertum, den Erfindungsreichtum des Menschen oder den Fortschritt behindert.

Webbär, 02.08.2009 11:29

Der wirklich Liberale hat für die Bedürftigkeit das bedingungslose Grundeinkommen vorgesehen, da sich Bedürftigkeit nur sehr unzuverlässig messen lässt und der soziale Messapparat selbst Unsummen verschlingt.

Das wäre jedenfalls die natürliche Lösung im natürlichen “Kapitalismus”, gell, Bodo?

 
R.A., 03.08.2009 12:28

@multi_Io:
> dann stelle ich mal rein empirisch fest, dass es
> den meisten Leuten entschieden schlechter ging,
> solange der Kapitalismus tatsächlich nicht
> “gemildert” wurde.
Schlicht falsch.
Seit fast vier Jahrzehnten sind diverse sozialdemokratische Parteien dabei, den Kapitalismus immer mehr abzumildern. Und die Zahl der Arbeitslosen und der Hilfsbedürftigen steigt …

> Seit einigen Jahrzehnten ist es nicht mehr so
> ganz en vogue, Leute, die sich nicht selbst
> versorgen können und die auch keine privat
> organisierte Unterstützung bekommen, einfach
> verrecken zu lassen.
Es wurde auch in der Wirtschaftswunderzeit vorher niemand “verrecken gelassen”.

Christian S., 03.08.2009 12:38

Ich glaube, dass es multi_io um die Zeit um 1900 geht.

Webbär, 03.08.2009 16:00

“Manchester-Kapitalismus”, gell?
Aber auch damals hat die Industrialisierung die Zustände verbessert, also nicht verschlechtert, wie gerne behauptet wird – und wie es dank der Stärke der linken Kräfte mittlerweile in jedem Schulbuch steht.

multi_io, 03.08.2009 21:20

Non sequitur. Ich habe nicht behauptet, dass die Industrialisierung die Zustaende nicht verbessert habe; ich habe behauptet, dass die Einfuehrung der “gemilderten Marktwirtschaft” die Zustaende (noch weiter) verbessert habe.

 
 
multi_io, 03.08.2009 16:34

Ich glaube, dass es multi_io um die Zeit um 1900 geht.

ACK.

 
 
 
 
 
 
Lina, 31.07.2009 14:44

>>> Krisen gehören zum Kapitalismus wie das Bauchweh zum Festschmaus.

… für den die Allgemeinheit die Zeche zahlt? Ich danke! Ein (Ex-)Autor dieses Blogs, OMH, drückt dasselbe in einer (noch zu haltenden Rede … ) zum Thema ‘Consilium: Is this the end of capitalism?’ etwas angenehmer aus: “Capitalism simply remains the system best suited to human nature”

Weshalb er sich auch behaupten wird – aber doch wohl nur mit unverzichtbaren Regeln, damit diese ‘human nature’ in Wirtschaft & Staat nicht gar zu übergriffig wird ;-) …

jo@chim, 31.07.2009 15:00

… für den die Allgemeinheit die Zeche zahlt?

Die Sozialisierung unternehmerischer Risiken hat nichts mit Kapitalismus zu tun – das ist Sozialdemokratie pur…

Lina, 31.07.2009 15:11

Auch wieder wahr – zeigt aber aber doch andererseits, dass Kapitalismus ohne ein Quantum Sozialisierung (im Sinne von Zivilisierung) zwar denkbar, aber nicht machbar ist …

Wg. dieser ‘human nature’ eben …

jo@chim, 31.07.2009 15:28

Sozialisierung (im Sinne von Zivilisierung)

Ich finde es überhaupt nicht zivilisiert, dass nicht die verantwortlichen Haie für den Scheiss den sie angerichtet haben haften, sondern der Durchschnittshecht. Da stellt sich meine giftige Rückenflosse auf!

Lina, 31.07.2009 16:02

:-D

Ja, und? Was tut ein Hecht da, normalerweise? Zubeissen, oder?

Hatte vorgestern wieder Hecht vom Grill. War auch so einer, der sich nicht mehr wehren konnte – in Aquarium ‘schland ;-) …

 
 
Adrian, 31.07.2009 17:13

Eine bessere Zivilisierung, als für den Mist geradezustehen, den man verschuldet hat, gibt es nicht.

 
 
 
 
Culatello, 31.07.2009 19:28

@
“Ich finde es überhaupt nicht zivilisiert, dass nicht die verantwortlichen Haie für den Scheiss den sie angerichtet haben haften, sondern der Durchschnittshecht. Da stellt sich meine giftige Rückenflosse auf!”

Könnte SO auch von jedem x-beliebigen Politiker gesagt worden sein.
Und wurde es auch. Welcher Partei gehörst Du an? Ich schätze mal FDP.

 
classless, 17.08.2009 02:32

Soso, der Kapitalismus ist also ganz von selbst entstanden. Müssen Menschen mit einem Geschichtsbild, in dem es demnach gar keine Ursprüngliche Akkumulation mit Bauernlegen und Sklavenhandel nebst späteren blutigen Revolutionskriegen mehr zu geben scheint, wirklich immer unsereinem vorwerfen, wir würden unsere Geschichte nicht aufarbeiten?

 

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