Perlen, Säue und Modergeruch aus der Königsgruft
Daniel Fallenstein, 14.08.2009
[W]e should find the first of [kings] nothing better than the principal ruffian of some restless gang, whose savage manners or pre-eminence in subtility obtained him the title of chief among plunderers.
– Thomas Paine, Common Sense
Eine alte, recht hübsche deutsche Metapher trifft zu auf die Zweitverwertung dieses Blankertz’schen Glanzstücks in einer gewissen Postille. Die Diskutanten, die dort (in der gewissen Postille) für oder wider die Monarchie als bessere Alternative zur Demokratie streiten, sind zum überwiegenden Teil noch nicht einmal Zweckverbündete, die ich mir wünsche. Sie (die HHH-inspirierten Möchtegern-Blaublut-Untertanen) sind überhaupt eine gar garstige Bande, um die man schon aus hedonistischen Erwägungen einen großen Bogen machen sollte. Das meine ich im Zusammenhang mit der gewissen Postille (wenn ich mich recht erinnere) bereits das eine oder andere Mal erwähnt zu haben.
Ad Rem: Es ist vollkommen Wurscht, ob die Stelle, an die ich Entscheidungskompetenzen delegiere, erblich, vertraglich oder durch Wahl zustande kommt. Wichtig ist, dass sie ihr Handeln mir gegenüber verantworten müssen und dass ich über Sanktionsmöglichkeiten (z.B.: Auswanderung, Abwahl, Steuereinbehaltung etc.) verfüge, die nicht repressiv beantwortet werden.
Dieses Prinzip findet sich schon in einem recht wichtigen Dokument, das die Kernanforderung an die Einrichtung einer Gesellschaft auf den Punkt bringt:
[…] Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed […]
Jene, die von Gottes Gnaden Anspruch auf Herrschaft über mich erheben, haben zwei legitime Daseinsformen: Inhalt für Zahnarztpraxenwartezimmertantentratschblättchen oder Seilbeschwerung.
antibuerokratieteam.net





Meine Rede! :-)
DIe Monarchieliga kann doch nur ein Scherz sein. In einem anderen Forum hätte ich das als Troll abgetan, aber hier schleicht sich doch die Befürchtung ein, dass das ernst gemeint ist…
Mh, das finde ich nicht. Ich will wählen können, wer mich regiert.
Ansonsten natürlich weitgehend Zustimmung. “eigentümlich frei” ist ein mehr als seltsames Magazin.
@Christian S.
Und ich will wählen können, ob ich überhaupt regiert werde. Du gibst Dich mit Objektwahl zufrieden (“Scheiße nach Geruch sortieren”), ich will Metawahl haben!
Was ist denn “Metawahl”?
Monarchien im viktorianischen Zeitalter waren in vierlerlei Hinsicht liberaler als gegenwärtige parlamentarische Demokratien: Drogenkonsum war praktisch unreguliert vor dem Aufkommen der Absinth-Hysterie, Steuern niedriger, die Staatsquote verschwindend klein, um die Gewerbefreiheit stand es besser als heute und der allgemeine Wohlstand war größer als jemals zuvor bis dato. Die Macht des Monarchen war effektiv beschränkt durch das Parlament auch im dt. Kaiserreich (das Dreiklassenwahlrecht gab es übrigens nur im Teilstaat Preußen). In den Städten Europas blühten Wissenschaft, Kunst und der Hedonismus.
Vieles verdankten die Zeitgenossen damals natürlich der liberalen Bewegung und nicht so sehr der Initiative der jeweiligen Monarchen. Im Zeitalter der absoluten Monarchie sah das alles deutlich düsterer aus. Dabei galt aber damals wie heute: Je kleiner das Territorium desto liberaler der Staat. Damit hat Hoppe recht, auch wenn in seiner Faszination für die Monarchie wahrscheinlich viel Nostalgie mitschwingt.