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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Mast- und Schotbruch, junge Dame

dagny t., 25.08.2009

Die 13-jaehrige Hollaenderin Laura Dekker will die Welt umsegeln. Allein. Zwei Jahre nimmt sie sich dafuer Zeit. Wenn das Jugendamt sie laesst.

Ich wuensche Ihr Mast- und Schotbruch, immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und viel Geduld im Umgang mit den Buerokraten in aller Welt. Je kleiner der Inselstaat umso wichtiger ist die Buerokratie, man will ja nicht als Bananenrepublik gelten.

Und:

Sollte das Gericht gegen sie entscheiden, haben sie einen Ausweg vorbereitet: Laura hat seit ihrer Geburt auch die Staatsbürgerschaft Neuseelands. Notfalls könne sie mit ihren Eltern also umsiedeln und von einem Land aus in See stechen, das „ein anderes Rechtssystem hat“, ließ der Anwalt wissen.

Neuseeland weiss hoffentlich eine solch beeindruckende seglerische Leistung besser zu wuerdigen.

P.S. www.lauradekker.nl ist die Webseite der jungen Abenteurerin. Derzeit aber nur in niederlaendisch.



32 Kommentare zu “Mast- und Schotbruch, junge Dame”

  1. Webbär

    ME verantwortunglos. Laufen zurzeit zu viele Sportsfreunde herum…

  2. Hardy

    Wenn sie sich und auch ihre Eltern ihr diese Fähigkeit wirklich zutrauen- why not? Jeder Mensch ist seines Glückes Schmied.
    Allerdings sollte auch niemand den Eltern in irgendeiner weise Trost spenden wenn sie bei dem Versuch stirbt.

  3. dagny t.

    Zwei Anmerkungen: Ich halte es fuer falsch, dass die Jugendaemter sich in so eine Entscheidung einmischen. Die junge Dame will das machen und sie soll in dieser, zusammen mit Ihren Eltern getroffenen Entscheidung, groestmoegliche Freiheit haben. – Es gibt z.B. eine ganze Reihe von franzoesischen Eltern, die weltumsegelnd ihren Nachwuchs selber unterrichten bzw. Fernunterricht an Bord nutzen.

    Die andere Frage ist, ob es fuer die Eltern seglerisch, nautisch, menschlich zu verantworten ist, ein Kind auf so eine Reise gehen zu lassen. In der Grosssegler-Schifffahrt werden die jungsten Mannschaftsmitglieder wohl aehnlich alt gewesen sein; Einhand kommen allerdings noch ganz andere Belastungen dazu. Die erste Probe ist bereits der Kanal, die Biskaya und die Strecke auf die Kanarischen Inseln. Allein das waere fuer eine 13-jaehrige eine mehr als respektable Leistung.

  4. Christian S.

    Meiner Meinung nach unverantwortlich von den Eltern, das zu erlauben. Ob der Staat hier eingreifen soll/muss/darf? Ich weiß es nicht. Bei Kindesmissbrauch durch die Eltern muss der Staat eingreifen – ist das nicht recht ähnlich?

  5. dagny t.

    Hab gerade den Bericht der BBC gefunden. Dort wird geschrieben, dass das Maedchen bereits mit 11 rund 7 Wochen alleine gesegelt sei. (Meines Wissens trifft das so oder so aehnlich auch auf Ben Ainslie, den britischen mehrfachen Goldmedailliengewinner zu; hab da gerade aber keine Quelle zur Hand. Erinnere mich gelesen zu haben, Ainslie sei mit jungen Jahren allein auf dem Solent unterwegs gewesen, eines der schwierigsten Segelreviere ueberhaupt).

    Im BBC Bericht wird das Risiko eines Mastbruchs diskutiert. In solch einem Fall braucht es koerperliche Kraft um sich ein Notrigg zu bauen, die ein Kind wohl noch nicht hat. – (mir waere bei einer Einhandumseglung das Problem alle 15-20 min Wache gehen zu muessen eher eingefallen) – Laura will entlang der Barfussroute segeln, wenn sie gutes Material hat und eine gute Wetterbetreuung, so dass sie Stuermen ausweichen kann, dann sehe ich das Mastbruchrisiko eher gering.

    Achso: Und mich wuerde brennend interessieren, ob sie sich aus Regattasegler-Astronautennahrung ernaehrt oder ob sie richtig kochen will/kann?

  6. Gernot

    Ich glaub das ist ein Grenzfall. Ich als Vater würde ihr das nicht erlauben. Ich meine, 2 Jahre ist eine lange Zeit. Was ist mit ihrer Schulausbildung? Aber die Begründung der Behörden ist natürlich schwachsinnig:

    Recht gefährdet, sich durch Bildung, Kontakt mit Altersgenossen und Hilfe durch Erwachsene zu einer stabilen Persönlichkeit zu entwickeln

    Witzig vor allem die Betonung von Lauras Rechten, die sie _selbst_ gefährden würde. Ich meine, jedes Kind entwickelt sich anders. Manche Kinder werden früh selbständig und können mehr Verantwortung tragen als andere. Bei ihr ist das sicher der Fall.

  7. R.A.

    Die Bildungsbegründung ist relativ schwach.
    Aber trotz aller Vorerfahrung: Eine solche Weltumsegelung ist auch für einen sehr erfahrenen Erwachsenen ein Hochrisikoprojekt.
    Ich halte es für völlig unverantwortlich, einem Kind die Entscheidung über so etwas zu überlassen.

  8. Webbär

    BTW, siehst Du diesen Wahnsinn “irgendwie” positiv?

  9. BlogFrogDays

    Auf geht’s, Laura!…

    Zac Sunderland ist 17 und hat es bereits getan. Laura Dekker ist 13 und will es nun ebenfalls tun. Sie löste damit einen weltweiten Hype an Artikeln aus, denn ihr Plan ist wirklich extrem:

    Sie will alleine die Welt umsegeln.

    Laura Dekker an Bord …

  10. Die Stimme aus dem Off

    Wie immer teile ich die Meinung von R.A.

    Ich habe selbst schon eine Weltumsegelung gemacht und weiß daher genau wovon ich spreche. Es ist anstrengend und extrem gefährlich. Alleine würde das kaum ein Segler machen und dann ein 13-jähriges Kind? Das ist absoluter Wahnsinn und man sollte den Eltern ohne Wenn und Aber das Sorgerecht entziehen.

  11. dagny t.

    Den Wahnsinn der Behoerden in die Entscheidungen von Eltern und Kindern einzugreifen oder das Abenteuer der Weltumseglung?

    Aus meiner eigenen Erfahrung weiss ich, dass sich in der (Barfussrouten-) Weltumseglerszene manche Leute tummeln, die voellig naiv und blauaugig losgezogen sind und sich ganz wacker geschlagen haben. – Etwa Rentnerpaerchen, die sich zum ersten mal aufs Schiff und auf See wagen und dann gleich den Atlantik ueberqueren.

    Ganz ehrlich: Ich bin da hin und her gerissen. Ich finde es toll, wenn sie es schafft, ich hoffe dass sie in etwa weiss, worauf sie sich einlaesst* und ich wuensche ihr, dass es nicht die Wuensche der Eltern sind, die sie umsetzt. Es waere schade, wenn sie mit 20 dann voellig verloren und ziellos durch die Regenbogenpresse geistert, wie etwa Brittney Spears. Seglerisch traue ich es ihr grundsaetzlich zu, die Probleme sehe ich eher an Land.

    Letzlich ist man auf See und vor Gericht in Gottes Hand.

    *Das weiss man bei diesen Dingen nie ehe man es ausprobiert hat.

  12. dagny t.

    Welche Route bist du denn gefahren? Mit was fuer einem Schiff und welcher Ausruestung?

  13. Die Stimme aus dem Off

    Mit holländischen Freunden und dessen Boot. Von Amsterdam über die Kanäle bis Südfrankreich. Dann weiter durch das Mittelmeer, Station bei mir gemacht. Weiter über Gibraltar und die Kanaren, Westafrika, Kap, Indien, Thailand, Ostküste AU, weiter westlich, dann Südamerika, Kap Horn in W-O-Richtung, nördlich an Bra vorbei bis in die Karibik dann Irland, UK und zurück nach Den Helder.

  14. dagny t.

    Respekt. Wie lang wart Ihr unterwegs?

    Ist nicht die klassische Barfussroute. Auf dieser schaetze ich es fuer das Maedchen machbar ein.

  15. Hardy

    Auf der Route die das Mädchen nehmen will halte ich es für möglich.

    man sollte den Eltern ohne Wenn und Aber das Sorgerecht entziehen.

    Selbiges entspricht nicht meiner Überzeugung, und ich bezweifle das es überhaupt mit geltendem Recht übereinstimmt. Ganz zu Schweigen von einer liberalen Rechtsauffassung.

  16. Daniel Drungels

    Leben die Dekkers in vollkommener Isolation? Bevor das Jugendamt und die Weltöffentlichkeit einschreiten müssen, werden doch wohl Oma, Opa, Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen, Vetter, Schwager, Freunde, Bekannte, Kollegen, Lehrer, Schulkameraden, Segelfreunde, der Fleischereifachverkäufer oder die Bäckerin schon einmal darauf aufmerksam gemacht haben, dass dies keine allzu gute Idee ist…oder?

  17. Die Stimme aus dem Off

    Zu lange. Auch die Barfußroute ist mit Vorsicht zu genießen.

  18. Die Stimme aus dem Off

    Die wollen ein 13-jähriges Mädchen alleine auf Weltumsegelung schicken. Was müsste man denn bitte sonst tun, um das Sorgerecht zu verlieren? Was ist ähnlich gefährlich? Sie alleine nach Afghanistan reisen lassen?

    Das Meer ist gefährlich, verdammt. Und ein minderjähriges Mädchen ist schon aus biologischen Gründen nicht in der Lage die Umgebung so wahrzunehmen, wie es erforderlich ist. Das seglerische Können spielt dabei doch kaum eine Rolle und ich wage auch zu bzweifeln, dass das wirklich so vorhanden ist. Die kann jederzeit über Bord gehen oder sich verletzen.

    Wer auch nur ein wenig Ahnung hat – wirklich nur ganz wenig – kann sich doch nur an den Kopf fassen. Wer Wind, die Wellen, das Wetter, die Hilflosigkeit wenn sie sich verletzt und ob das wirklich für eine 13-jährige auch psychisch gesund ist, wage ich auch zu bezweifeln.

  19. Webbär

    Den Wahnsinn eine 13jährige ins Verderben zu schicken.
    Mal abgesehen von der sportlichen Herausforderung, es lauern noch ander Gefahren auf der See.
    Aus liberaler Sicht: Eltern Einknasten! Einfach mal so, ohne Prozess für 4 Wochen, als Exempel. ;-)
    Was soll eigentlich noch kommen? 8jähriger alleine auf pakistanischen 8.000ern [1]?

    [1] viele gibts davon, glaube ich, nicht

  20. Rayson

    Naja, der Punkt ist ja der, dass Weltumsegler einen Vertrag zu Lasten Dritter im Gepäck haben: Wenn sie endlich in der Gefahr sind, in die sie sich bewusst begeben haben, sollen die umliegenden Staaten alles in Bewegung setzen, sie zu retten. Bezahlt von den lokalen Steuergeldern natürlich.

    Man sollte für Weltumseglungen entsprechende Versicherungen verpflichtend machen.

  21. dagny t.

    Verpflichtend, verpflichtend, verpflichtend: Nanny State, Nanny Versicherungspflicht, Nanny hier, Nanny da! Das ist doch zum Kotzen!

    Gerade bei den Weltumseglern bekommst du ausserhalb von Europa / USA keine Hilfe auf Steuergelderkosten. Null, nada, niente. – Selbst in Deutschland ist die DGzRS komplett freiwillig und ueber Spenden finanziert.

  22. F. Alfonzo

    Hmm, ok, mal was ich gehört habe, aber auch nur aus den Medien:

    1. Ihre Eltern sind erfahrene Segler. Denkt ihr ernsthaft, dass diese Leute ihre Tochter auf ein Selbstmordkommando schicken würden, nur damit sie im Guiness-Buch steht, wenn sie’s überlebt?

    2. Sie will die Welt nicht non-stop umsegeln, da sind Monate der Planung dazwischen, in denen sie natürlich auch eine Schule besuchen kann.

    3. Sie ist kein 13-jähriges Mädchen, wie man’s aus der Nachbarschaft kennt. Es gibt 13-jährige Mädchen, die olympisches Gold gewonnen haben.

    1a) Ich frag mich, ob da nicht ein Schiff nebenher fährt, so wie bei den Schwimmern, die den Ärmelkanal besiegen, aber nicht ersaufen wollen. Halte ich als Laie für möglich.

    2a) Eine Behörde sollte eingehen, anstatt die Macht zu haben, Eltern ihr Kind zu entziehen. Selbst wenn das Mädchen 2 Jahre nicht in die Schule geht: Na und? Das kann man nachlernern. Um die Welt zu segeln kann man nicht nachlernern.

    Ich bin der Meinung, dass die Eltern definitiv besser wissen, was ihre Tochter kann oder nicht, als ein verdammtes Amt. Die Sache mit der Abszinenz von der Schule ist sowieso ein lächerliches Totschlagargument.

  23. Hardy

    @DSadO:
    Dieses Mädchen, und auch ihre Eltern, ist schon in der Lage die Gefahr zu beurteilen. Du solltest dich eventuell erst mal mit ihrem Background(auf Boot geboren, 4Jahre auf Boot gelebt etc.) vertraut machen. Die hat aller Wahrscheinlichkeit nach mehr Ahnung als du da sie es von klein auf erlernt hat.
    Und mit den biologischen Gründen: in welcher Zeit lebst du denn?

  24. Hardy

    Ganz deiner Meinung.

  25. john j

    “1. Ihre Eltern sind erfahrene Segler. Denkt ihr ernsthaft, dass diese Leute ihre Tochter auf ein Selbstmordkommando schicken würden, nur damit sie im Guiness-Buch steht, wenn sie’s überlebt?”

    Keine Ahnung, ich kenne ihre Eltern nicht. Was halt “erfahrene Segler” mit “verantwortungsvollen Eltern” zu tun?

    “2. Sie will die Welt nicht non-stop umsegeln, da sind Monate der Planung dazwischen, in denen sie natürlich auch eine Schule besuchen kann.”

    Ah ja, zB in Djibouti, den Seychellen, Argentinien und/oder Indonesien?

    “3. Sie ist kein 13-jähriges Mädchen, wie man’s aus der Nachbarschaft kennt. Es gibt 13-jährige Mädchen, die olympisches Gold gewonnen haben.”

    Offenbar kennst du sie persoenlich. Und Gold im Bodenturnen ist was anderes als eine Weltumsegelung.

    “1a) Ich frag mich, ob da nicht ein Schiff nebenher fährt, so wie bei den Schwimmern, die den Ärmelkanal besiegen, aber nicht ersaufen wollen. Halte ich als Laie für möglich.”

    Halte ich fuer unmoeglich, es sei denn die Eltern machen das selber.

    “2a) Eine Behörde sollte eingehen, anstatt die Macht zu haben, Eltern ihr Kind zu entziehen. Selbst wenn das Mädchen 2 Jahre nicht in die Schule geht: Na und? Das kann man nachlernern. Um die Welt zu segeln kann man nicht nachlernern.”

    Was soll man dazu noch sagen? Vllt auf die Berichte der verhungreten, erschlagenen Kinder in der BRD allein verweisen? Nachlernen kann man alles – auch ein bisschen Verantworungsgefuehl der Tochter gegenueber uebrigens.

    “Ich bin der Meinung, dass die Eltern definitiv besser wissen, was ihre Tochter kann oder nicht, als ein verdammtes Amt.”

    Danach sollten die Eltern ihren Kinder bspw auch gleich selber die Noten in der Schule geben – sie “wissen es definitiv besser” als so eine “verdammte Schule”…

  26. john j

    Wenn du dein temper tantrum beendet hast kannst du mal darueber nachdenken:

    1. Wer bspw Kuestenwache, Mariine, Wasserschutzpolizei etc finanziert

    und

    2. Warum fuer jedes Auto eine Versicherung verpflichtend( ein boeses Wort, ich weiss…) ist

  27. dagny t.

    In Deutschland ist die Gesellschaft zur Rettung Schiffbruechiger ausschlisslich, zu 100%, privat organisiert.

  28. john j

    Sagtest du schon. Eine Weltumsegelung findet halt nicht nur an Deutschlands Kuesten statt. Wer finanziert bspw die US Coast Guard?

  29. Rayson

    Quatsch Nanny. Ich helfe dir john js Frage betreffend gerne etwas auf die Sprünge mit einem Stichwort: free riding.

    Aber du kannst natürlich auch versuchen, die Welt davon zu überzeugen, dass ein Staat X, der den Hilferuf einer 13jährigen Seglerin erhält, diese eiskalt auf dem Meer verrecken lässt. Oder ausschließlich die DGZRS anruft.

  30. john j

    “…und viel Geduld im Umgang mit den Buerokraten in aller Welt.”

    Die wird sie jetzt brauchen nachdem ein Gericht in NL gegen sie entschieden hat. Und ihre Eltern auch, denn anders als Laura haben sie nicht die Staatsbuergerschaft in NZ und koennen also nicht so einfach dorthin “umsiedeln”, ganz gleich was der Anwalt meint.

    BTW wer Einblick in die abartige Welt der “Sailing Kiddies” will, einfach mal Zac Sunderland oder Michael Perham bei Wikipedia nachschauen. Da geht es offenbar wirklich nur um Altersrekorde (ich bin der Juengste, nein ich bins…) und sonst gar nichts.

  31. Sorgerecht: Eltern vs. Staat | fxneumann · Blog von Felix Neumann

    [...] (Sorgerechtsbürokratie ist hier wirklich nur ein Randthema.) [...]

  32. dagny t.

    Anmerkung: Der SPIEGEL deutet an, dass d i e Eltern womoeglich unterschiedlicher Auffassung ueber das Vorhaben Ihrer Tochter sind.

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,647201,00.html#ref=rss

    Sofern dies zutreffen sollte, muss ich meine Einschaetzung revidieren. Die Eltern eines 13-jaehrigen Maedchens muessen sich schon einig werden, meiner Meinung nach, ehe sie Ihre Tochter auf Weltreise ziehen lassen.

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