Prämie abgewrackt
Frank Schäffler, 04.09.2009
„Es stehen leider keine Mittel für die Umweltprämie mehr zur Verfügung. Das Online-Portal für die Reservierung ist daher geschlossen.“
So lautet der aktuelle Eintrag auf der Homepage des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Aus Sicht des Steuerzahlers kann man nur sagen: Die Abwrackprämie ist ausgelaufen und endlich auf dem Schrotthaufen gelandet, eine weitere Verlängerung soll es nicht geben.
5 Milliarden Euro an Steuergeldern wurden durch den Auspuff gejagt. Jeder Deutsche war mit rund 60 Euro dabei, die 1.994.400 Empfänger eingerechnet. Eine vierköpfige Familie hat 240 Euro über Steuern und Abgaben beigetragen, sie kann also die 100 Euro Kinderbonus pro Kind, die es auch mal per Konjunkturpaket gab, gleich für die Zahlung von Zins und Tilgung der neuen Staatsschulden zurücklegen.
Es wird nun deutlich, welche Wirkung die Prämie hat: Bei einem Blick auf die Modelle mit dem größten Zuwachs bei den Neuzulassungen kommt unter den ersten 15 mit dem Ford Fiesta nur ein Modell aus Deutschland, die drei erstplatzierten werden in Indien (Hyundai i10), Polen (Ford Ka) und Frankreich (Peugeot 206) produziert. Laut Statistischem Bundesamt betrug der Umsatzrückgang bei Unternehmen, die sich auf Reparatur und Instandhaltung von Kraftfahrzeugen spezialisiert haben, 150 Millionen Euro. Die Unternehmensberatung Roland Berger prophezeit, nun drohe der Verlust von 90.000 Jobs in der Automobilbranche.
Dies zeigt mal wieder: Immer wenn der Staat in das Marktgeschehen direkt eingreift, schadet er mehr, als er nützt. Die Abwrackprämie hat lediglich ihren wirklichen Zweck, die Probleme auf die Zeit nach der Bundestagswahl zu verlagern, erfüllt.
antibuerokratieteam.net





Volle Zustimmung. Die Stimmung unter den Autohändlern nimmt jetzt auch panische Züge an. Ein Bekannter war stolzer Besitzer eines Ur-ur-alt-Mercedes und schon seit Jahren am überlegen, ob er sich nicht mal endlich einen neuen Benz oder einen “neuen” Gebrauchtbenz zulegen soll.
Er war so klug bis nach dem auslaufen der Prämie zu warten. Der Mercedes-Händler machte ihm ohne jede Verhandlung (!) gestern folgendes Angebot:
200 CDi, 0 Kilometer gelaufen, 4 Monate alt mit Erstzulassung. Annähernd Vollausstattung. Preis bei 0 % Finanzierung: 22.000 Euro.
Endlich vollen Durchblick gewonnen – vielen Dank!
Bei dieser Gelegenheit noch eine Frage an den Experten: mit diesen 5 Milliarden Abwrackprämien plus den hunderten in die Bankenrettung gepumpten Milliarden: hätte man es da nicht auch bewerkstelligen können, ‘den Kapitalismus’ zurückzufahren auf null, um dann – bei finanzieller Absicherung der Bevölkerung durch ein temporär satt bemessenes Bürgergeld – das System völlig neu durchzustarten? Oder anders gesagt: die Pleite im Wortsinn umzuMÜNZen?
Den globalen Zusammenhang mal theoretisch aussen vor gelassen ;-) ….
Mich macht ja vor allem stutzig, dass Herr Schäffler sich auf Roland Berger bezieht… ob er zur SPD gewechselt ist?
Keine Ahnung.
Mich interessieren neuerings Inhalte mehr als Parteifarben – wobei ich aber gegen fliessende Farben rein gar nichts habe ;-) …
Bei einem Blick auf die Modelle mit dem größten Zuwachs bei den Neuzulassungen kommt unter den ersten 15 mit dem Ford Fiesta nur ein Modell aus Deutschland, die drei erstplatzierten werden in Indien (Hyundai i10), Polen (Ford Ka) und Frankreich (Peugeot 206) produziert.
Das war von Anfang an klar. Wurde auch nie bestritten. Macht aber nix, da in quasi jedem Auto weltweit Zubehör von deutschen Zulieferern steckt.
Das einzig Beruhigende an der Sache ist: Die Bürger haben den Schwindel durchschaut.
Eine breite Mehrheit lehnt die Abwrackprämie ab, die Großkoalitionäre werden für dieses Wahlgeschenk Stimmenverluste bekommen.
Dies und andere Signale zeigen: Allmählich besteht Hoffnung, daß die anti-ökonomischen Dogmen in Deutschland aufbrechen, daß die Linken (incl. denen in der Union) nicht mehr mit jeder Lüge durchkommen, daß der Glaube an die umfassende Weisheit des Staates etwas ins Wanken kommt.
Das ist, zumindest teilweise, richtig. Eine nicht so offensichtliche Form der Subvention, die Kurzarbeit, läuft auch nach wie vor weiter.
Die Umstrukturierung des Bereichs wird aber in jedem Fall kommen (müssen), weil sie schlicht erforderlich ist. Wer denjenigen, die in der Branche arbeiten, etwas anderes erzählt, träumt entweder oder er lügt.
Im Kern handelt es sich um eine gewaltige Umverteilungsaktion zugunsten der (gewerkschaftlich gut organisierten) Arbeitnehmer in den Automotive Industrien. Warum wohl?
Angeblich hängt ein Sechstel aller Arbeitsplätze in Deutschland direkt oder indirekt an der Automobilindustrie. Manche sagen, es ist sogar ein Fünftel. Wenn man sich vom Industriestandort Deutschland nicht verabschieden will, musste man etwas in der Krise tun.
Ob die Instrumente die richtigen waren, sei dahingestellt. Ich glaube, sie waren sinnvoll, gerade die Kurzarbeit. Diese kommt nicht nur der Automobilindustrie zugute, sondern gerade dem Mittelstand. Die These, dass Arbeitsplätze, die in der Krise verloren gehen, nach der Krise so schnell nicht mehr entstehen, teile ich.
Leider eine korporistische und statische Vorstellung, der Du da folgst.
Gegenbeispiel zu Deiner These:
In Schottland haengen viele Arbeitsplaetze an der Finanzindustrie und sind in der Krise unter die Raeder gekommen. Wuerdest Du mit selbiger Argumentation ein “Zurueck zum Spielcasinokapitalismus” fordern?
Vielleicht haette man sich das Geld generell sparen sollen, anstatt irgendwelchen sozialpolitischen Utopien hinterherzuhecheln.
Glücklicherweise konnte die Deindustrialisierung Deutschlands, so wie von Liberalen angedacht (“Am besten, wir produzieren nur noch in China und Indien”), verhindert werden. Deutschland muss Industriestandort bleiben, wenn Vollbeschäftigung keine Floskel bleiben soll.
Jaaaaaaaaa!
>>> “… anstatt irgendwelchen sozialpolitischen Utopien hinterherzuhecheln.”
Aber welche wären das? Kann im Rettungskonzept der Regierenden nichts als Notfall-Klempnerei erkennen … und die auch noch auf die Wahlen hin kalkuliert …
Für potentielle Autokäufer und Schnäppchenjäger geht’s jetzt erst richtig los: Es gibt viele gute gebrauchte Autos auf dem Markt und wenige potentielle Käufer.
Nichtsdestoweniger ist die Abwrackprämie ein umweltpolitischer Skandal und eine Geldvernichtungsmaschinerie. Eigentlich kann man den Betrügern und den Auto- und Schrotthändler nur danken, dass sie zum Abwracken bestimmte Autos nicht abgewrackt, sondern schwarz verkauft haben.
In der Tat, macht das nichts, zumindest aus liberaler Sicht. Liberale wissen ja: Es ist nicht im deutschen Interesse, wenn Deutsche bevorzugt deutsche Autos kaufen. Zur deutschen Wirtschaft gehören schließlich nicht nur Firmen und Konzerne, sondern mehr als 30 Millionen deutsche Privathaushalte. Wenn die meisten davon ein deutsches Auto überteuert kaufen, das zudem nicht so robust ist wie ein japanisches Auto und auch nicht spritsparend wie ein Franzose, dann geben viele Millionen deutsche Haushalte unnötig Geld für Reparaturen und Benzin aus. Das Geld fehlt dann z. B. für Bücher, für VHS-Kurse, Theaterbesuche und vieles mehr.
Bastiat ist aktueller denn je.
Ja selbstverständlich kommen die Arbeitsplätze nicht wieder, der Grund ist der unflexible Arbeitsmarkt.Es wird lieber auf Überstunden und Leiharbeit gesetzt.
Fordern nicht, aber genau das wird gerade gemacht wenn man an die Wallstreet schaut.
Abwrackprämie ‘beinahe’ selbstfinanzierend…
Wie man inzwischen errechnet hat, ist die Abwrackprämie der Deutschen beinahe™ selbsttragend:…
Ach? Wer hat das errechnet und wo darf ich die Berechnung nachvollziehen?