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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Der Selbstdarsteller und der Eremit

Daniel Drungels, 11.09.2009

Die Schmierenkomödie um das iranische Atomprogramm geht in die nächste Runde.

Wieder einmal hat der Westen den Machthabern der islamischen Republik ein Gesprächsangebot unterbreitet und wieder einmal werden die Tyrannen von Teheran die Bemühungen des Westens ins Leere laufen lassen.

Das Ganze mutet an, wie die Gesprächssituation zwischen einem Eremiten und einem Selbstdarsteller. Während der Eremit schweigt, zuhört und sich einen Dreck darum schert, was der Selbstdarsteller von sich gibt, redet der Selbstdarsteller ohne Pause, hört nicht zu und schert sich einen Dreck darum, ob der Eremit sein Gelaber hören will oder nicht. Das Paradebeispiel für gelungene Kommuniktion, weil beide Seiten ihr Kommunikationsziel erreichen.

Während Wahlverlierer Ahmadinedschad Verhandlungen ablehnt, den „Geist des Widerstands“ und die „Opferbereitschaft“ des iranischen Volkes bemüht und damit in die bodenlosen Tiefen der Geschmacklosigkeit herab taucht, erstürmt der neue US-Botschafter bei der UNO in Wien, Glyn Davies, den Gipfel der Lächerlichkeit, wenn er sagt, man habe „ernste Sorge“, „dass Iran absichtlich versucht, sich zumindest die Möglichkeit zu erhalten, Atomwaffen zu bauen“. Wäre die Lage nicht so bitterernst, es wäre der perfekte Stoff für eine Politsatire.



6 Kommentare zu “Der Selbstdarsteller und der Eremit”

  1. jo@chim

    Ob A. das Ergebnis der Scheinwahlen hat fälschen lassen oder nicht, darüber haben wir ja hier diskutiert. Wahlverlierer ist er aber, da nach wie vor in Amt und Unwürden, offensichtlich nicht.

  2. Daniel Drungels

    Wahlverlierer ist er aber, da nach wie vor in Amt und Unwürden, offensichtlich nicht.

    Wenn A. dein Fahrred klaut, dann ist er nicht deswegen kein Dieb, weil damit durch die Gegend kurvt, oder?

  3. multi_io

    Haben Sie eigentlich einen konkreten Vorschlag, wie die USA, der Westen allgemein oder sonst irgendwer Ahmadinejad von seinem Tun abbringen könnte? So richtig konkret, meine ich, inklusive einer Abschätzung der möglichen Folgen für den Iran, die Region und den Rest der Welt und möglichst inklusive einer rationalen Analyse, die ergibt, dass die Situation hinterher langfristig besser sein wird, als sie es ohne eine Umsetzung des Vorschlags gewesen wäre. “Schluss mit dem Gelabere, lasst uns den Bastard bombardieren” kommt zwar in gewissen Kreisen cool, unkonventionell und als irgendwie wohltuendes Kontrastprogramm zu länglichen Diplomatensitzungen rüber, aber damit ist ja noch nicht gezeigt, dass das am Ende auch wirklich besser funktioniert.

  4. Daniel Drungels

    Ich denke, dass z.B. Deutschland als einer der wichtigsten Handelspartner des Iran mehr Druck auf das Regime ausüben könnte, wenn man der “ernsten Besorgnis” tatsächlich Ausdruck verleihen wollte. Gleiches gilt natürlich auch für andere wichtige Außenhandelspartner wie Italien, Südkorea, Japan, Frankreich, China, Griechenland oder Spanien. Da wurden die Druckmittel sicherlich noch nicht ausgeschöpft. Gleichzeitig befürchte ich aber, dass die Besorgnis dann doch nicht so ernst ist, als dass man sich durch sie die Geschäfte vermiesen lassen würde.

    Eine “rationalen Analyse, die ergibt, dass die Situation hinterher langfristig besser sein wird, als sie es ohne eine Umsetzung des Vorschlags gewesen wäre” muss ich Ihnen allerdings schuldig bleiben. Als Zivilist ist mein Zugang zu Geheimdienstinformationen leider beschränkt und meinen Krisenstab musste ich aus finanziellen Gründen auf unbestimmte Zeit beurlauben. Wenn aber den USA und dem Westen allgemein nichts besseres einfällt, als die iranische Atombombe gewissermaßen als Nebeneffekt der zivilen Nutzung der Atomkraft abzutun und der Iran tatsächlich in den Besitz einer Atombombe gelangt, dann befürchte ich, werden die “möglichen Folgen für den Iran, die Region und den Rest der Welt” schlimmer ausfallen, als wenn man “den Bastard bombardiert” hätte.

  5. Christian S.

    Gerade die USA umgehen für ihre Firmen die Handelsembargos am liebsten. Da fragen die deutschen Firmen dann zu recht: “Warum dürfen die und wir nicht?” Das gehört auch dazu, wenn man mal Fakten auf die Tisch legen will.

  6. Daniel Drungels

    Das ist wirkungsvollen Sanktionen nicht weniger abträglich, kein Zweifel. Ich wollte nur sagen, das ich denke, dass einer Lösung des Konflikts wirtschaftliche Interessen entgegen stehen. Aber keine direkten Handelsbeziehungen mit dem Iran zu unterhalten, wäre zumindest ein begrüßenswerter symbolischer Akt, auch wenn man vermutlich wird nicht alle Schlupflöcher stopfen können wird.

    Fakt ist doch, dass der Iran die Kritiker des Atomprogramms seit Jahren hinhält. Und während die Iraner ganz reale (wenn vielleicht auch langsame) Fortschritte auf dem Weg zur Bombe machen (das unterstelle ich jetzt mal ganz frech), fallen die USA bzw. der Westen allgemein sogar sprachlich hinter die eindeutige Feststellung zurück, dass der Iran eine Atombombe bauen möchte.

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