Wenn der Arsch auf Grundeis geht – Ein Erlebnisbericht nebst Reflektionen über Zivilcourage

21.09.2009 00:52 - ∆Foxtrot by Daniel Fallenstein - 92 Kommentare

Zivilcourage. Diese Bürgerpflicht ist leichter gesagt als getan. Und nach vollbrachter guter Tat fühlt man sich nicht unbedingt besser. Ein Essay unter dem Eindruck einer heil überstandenen Konfrontation.

Die Furcht kam mittendrin. Als ich dem Co-Pöbler in die Augen starrte und versuchte so entschlossen wie möglich zu wirken, dämmerte mir, dass ich körperlich nicht lange bestehen würde gegen diesen rohen Barbaren.

An einem Sonntag im September

Ich wartete am Wittenbergplatz, dem KaDeWe gegenüber, auf den Bus M29, als ich die Auseinandersetzung bemerkte. Ein Mann baute sich bedrohlich vor zwei zierlichen Frauen mit Kinderwägen auf, während sein Begleiter nicht gerade deeskalierend auf ihn einwirkte. Ich stellte meine Taschen an eine Hauswand und fragte mich, ob es sinnvoll sei, sich einzumischen. Da hob der Prekarier wieder zu einer Tirade an, die Höhepunkte des Deutschen umfasste, wie:

Fotze, verpiss Dich, du Fotze, Isch ficke deine Mutter


Nota bene

Adrenalin verursacht leider ein lausiges Konversationsgedächtnis. Die Wiedergabe der gewechselten Worte ist daher nur annähernd präzise. Der Sinn des Gesagten sowie das Grundvokabular der zwei Spießgesellen sind mir jedoch gut im Gedächtnis geblieben und nicht sonderlich entstellt.


Und ich zwang mich selbst einzuschreiten, indem ich einen ersten entschlossenen Schritt in Richtung der Kontrahenten machte und eine verstörte Passantin anwies, auf meine abgelegten Taschen zu achten.

Kein Weg zurück. Ich hatte die Erwartungshaltung erzeugt, dass ich derjenige sein würde, der den Gaffern das unangenehme Einstehen für die Schwächeren abnähme. Dieser Selbstmotivationstrick funktionierte. Ich steuerte das Geschehen an. Die Frage, was hier vor sich ginge, beantwortete der Sekundant des weiterhin Verbalinjurien von sich gebenden Wortführers mit einem gepflegten

Verpiss dich, das geht dich nichts an.

Ich insistierte:

Ihr Freund hier versucht körperlich unterlegene Frauen einzuschüchtern. Ich will wissen warum.

Seine Erwiderung war eine marginal unterschiedliche Reprise der vorherigen Nettigkeit. Ich versuchte ihn in die (verbale) Defensive zu bringen.

Entschuldigen Sie bitte! Ich will wissen, warum hier so rumgeschrieen wird

Mein Beharren ohne mir eine verbale Blöße zu geben schien ihn zu verunsichern. Die nochmalige Wiederholung seinerseits fiel deutlich kleinlauter aus. Aber auch meine Stimme schien mir nicht so fest zu klingen, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hatte Angst ver dem, was er als nächstes mit der Bierflasche in seiner gestikulierenden Hand tun würde. Da löste sich der Pöbler bereits, tauschte mit den Damen Invektive aus während er sich entfernte und sein Sekundant wandte sich von mir ab um ihm zu folgen.

Nachgedanken

So schnell wie diese unangenehme Situation begonnen hatte, war sie auch wieder vorüber. Von den Damen kein Wort, geschweige denn des des Dankes, als ich sie bat, die Kampfzone zu verlassen und ihren Weg fortzusetzen. Nur meine spontan rekrutierte Taschenwächterin kommunizierte noch mit mir. Sie müsse diesen Bus nehmen, sagte sie und stieg ein. Den Bus erreichte ich auch noch. Sie hatte noch einige warme Worte für mich, die ich mir gerne anhörte

Ich hatte „Zivilcourage“ gezeigt, das Richtige getan und, wer weiß, vielleicht sogar Schlimmeres verhindert ohne zu Schaden zu kommen. Das machte mich weniger stolz als vielmehr erleichtert; und sehr nachdenklich. Im direkten Anschluss ging mir das Schicksal Dominik Brunners durch den Kopf. Wenige Stunden zuvor hatte ich die ausführlichen Portraits dieses mutigen Mannes in den Sonntagszeitungen gelesen.

Es wäre müßig zu spekulieren, was mir hätte passieren können. Dass mir Hilfe zuteil geworden wäre, halte ich nach meinem Erlebnis für höchst unwahrscheinlich. Ich hoffe inständig, endgültig meinen inneren Schweinehund überwunden zu haben und wieder so zu handeln, sollte die Situation es erfordern.

Wenn Sie, liebe Leser, in eine bedrohliche Situation eingreifen, rechnen Sie nicht damit, dass sich hinter ihnen die breite Front der Anständigen aufbaut. Sie müssen selbst für ihre Rückendeckung sorgen. Und wenn Sie sich zum ersten Mal so exponieren, sind sie schnell außerstande mehr als das Grundlegendste zustande zu bringen. Tun Sie’s trotzdem!

Die falsche Gleichheit

Wo alle gleich sind, ist Zivilcourage fremd. Den Gaffern, den Weitergehern, den Wegschauern fehlt sogar der Egoismus und die Eitelkeit zurückblicken zu wollen in der Gewissheit, das Richtige getan zu haben – und damit eben besser zu sein als die anderen.

Wo der Besondere, der Herausragende, der Bessere verachtet wird, wo die Eigeninitiative stört, da kann es um die Zivilcourage nicht gut bestellt sein. Die Propheten der Gleichheit genannten Uniformität sind bizarrerweise jene, die am lautesten nach Zivilcourage schreien.

Gleichzeitig ersticken sie jede andere Form von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Courage im Namen des sozialen Ausgleichs. Courage auch Zivil- speist sich aber aus einer elitären Haltung, die aus der schweigenden Masse austritt und statt in ihr zu verschwinden.

Ich tat was ich tat nicht zuletzt um meinetwillen, hatte mir selbst etwas zu beweisen. Ich weiss, was richtig ist, und was falsch. Ich will nicht sehen, dass andere das Richtige tun, sondern sie sehen lassen, dass ich recht handele. Ja, ich behaupte, dass ein Mensch der zuerst an sich denkt, eher für seinen Mitmenschen in der Not einsteht, als alle Kollektivisten. Nur für einen Egoisten ist es vorstellbar, dass von seinem Handeln überhaupt etwas Wesentliches abhängt.

Ich hielt nie viel von der Phrase „Zivilcourage zeigen“ und ihrer Brechreiz erregenden Überpräsenz in Sonntagsreden. Jetzt bin ich bloß froh, meine Feuertaufe an diesem Sonntag bestanden zu haben und vor allem, dass ich mich nicht verbrannt habe. Das riskiert zu haben ist allemal besser als mit all den anderen Gleichen auf der kleinen Flamme der organisierten Unzufriedenheit geröstet zu werden.

The word “We” is as lime poured over men, which sets and hardens to stone, and crushes all beneath it, and that which is white and that which is black are lost equally in the grey of it. It is the word by which the depraved steal the virtue of the good, by which the weak steal the might of the strong, by which the fools steal the wisdom of the sages.

What is my joy if all hands, even the unclean, can reach into it? What is my wisdom, if even the fools can dictate to me? What is my freedom, if all creatures, even the botched and impotent, are my masters? What is my life, if I am but to bow, to agree and to obey?

A.R. – Anthem

crosspost von daniel.fallenste.in

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Ping.fm

RSS Kommentar-Feed Trackback-URI Druckansicht Tags: , , , ,

92 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

dagny t., 21.09.2009 03:09
 
Spruance, 21.09.2009 07:27

“High Noon” ist nicht nur im Wilden Westen.

 
Die Stimme aus dem Off, 21.09.2009 08:16

*Schmunzel* Wie wirken diese Zeilen jetzt auf mich? Ich weiss es nicht so richtig, ich muss schmunzeln und zolle Dir Respekt wegen Deiner Ehrlichkeit.

1. Angst. Angst ist normal. Offensichtlich hast Du noch nicht viel Angst gehabt bzw. haben müssen in Deinem Leben, denn Du beschreibst ja schön wieiviel Kraft es Dich gekostet hat diese Angst zu überwinden und wie sehr Du mit dieser Situation beschäftigt warst. Menschen mit mehr Erfahrung empfinden dieselbe Angst nur überwinden sie diese Angst viel schneller. Und ab einem gewissen Grad von Erfahrung sieht man den Arschlöchern schon an, ob sie gefährlich sind oder nicht.

2. Unerfahrenheit in Bezug auf die Kommunikation. Deine Aussdrucksweise war gefährlich, weil viel zu abgehoben. Das hätte böse ins Auge gehen können, zumal einer von den beiden eine Bierflasche in der Hand hatte. Das Prekariat wertet eine solche Ausdrucksweise berechtigterweise als Arroganz. Es erlebt Arroganz als Reaktion auf die eigene Unfähigkeit jeden Tag. Die Arroganz der anderen als Abwehrmittel gegen die Zeitschverschwendung, die der Umgang mit seiner Person nach sich zöge, ist die Ursache seiner tagtäglichen Frustration. Der Hass hätte schnell auf Dich überspringen können. Empfehlung: “körperlich unterlegene…” bewegt sich nahe an Arroganz. So können die sich nie ausdrücken im Leben. Das “Sie” war aber gut, denn ein “Du” lässt deutlich zuwenig Distanz zu. Man sollte daher eine einfache Sprache wählen und dabei beim “Sie” bleiben.

3. Fehleinschätzung. Lass’ mich raten: Die beiden Weiber trugen jedenfalls keine Hosenanzüge und kamen auch nicht aus irgendeinem Büro, sondern gehörten wohl eher einer ähnlichen Schicht an, oder? Dieses Pack wagt es nämlich normalerweise nicht eine gepflegte Frau dermaßen anzupfeifen, die Wut entlädt sich dann doch eher an seinesgleichen.

Du scheinst wirklich mit einer Art Dankbarkeit gerechnet zu haben. Wohl zuviel Fernsehen geschaut, wie? *lach* Du kannst froh sein, dass es nicht zur Konfrontation gekommen ist und das Opfer als Zeugin benötigt wird. Im für Dich günstigten Fall steht das Opfer nicht als Zeuge zur Verfügung und wenn es dumm läuft, sagt es sogar gegen Dich aus. :-D

Die sozialen Beziehungen und Spannungen im Prekariat sind viel komplexer als man glaubt und was Du als Unverschämtheit bewertet hast, kann auch aus Opferperspektive ein berechtigter Anschiss gewesen sein. Das kann durchaus auch mal derart roh aussehen, so ist das eben in der Gosse. Die Grundregel “Pack schlägt sich, Pack verträgt sich” hat universelle Geltung.

4. Unerfahrenheit in Bezug auf den sich einer körperlichen Auseinandersetzung anschließenden Gerichtsärger.

Glaube mir, vor Gericht – und das meint vor allem das Zivilgericht – bist Du anschließend verraten und verkauft. Du bleibst auf allen Deinen Schäden sitzen und jede Versicherung, der Anspruchsgegner, soger der Staat wird alles daran setzen auch aus der kleinsten und nebensächlichsten Vorerkrankung ein schwerwiegendes Leiden zu machen, welches die Kausalität des Ereignisses für den Schaden und damit auch für den Schaden entfallen lässt. Und Beweisen kannst Du in diesem Bereich dann eh nichts.

Das Gerede von der Zivilcourage ist nichts weiter als eine Aneinanderreihung inhaltsleer Phrasen in Wahlkampfzeiten. Es keinerlei rechtliche oder gesellschaftliche Substanz. Wenn es ganz gut läuft, dann bekommt das Opfer ein wenig Aufmerksamkeit von der Presse wie im Fall Brunner. Wenn es schlecht läuft, steht es ganz alleine dar.

Meine Empfehlung für das nächste Mal: Handy in die Hand, 110 wählen und Meldung machen und dann weggehen und noch irgendwas einkaufen, irgendwo einen Cafe trinken gehen und dann den nächsten Bus nehmen. Das ist aber auch schon das Äußerste, was man einem Mann raten kann, der noch was aus seinem Leben machen will.

Die anderen haben nämlich nichts zu verlieren. Denen nimmt der Gerichtsvollzieher mangels Masse nichts weg, denen geht keine Karriere verloren, auf die wartet HÖCHSTES ein Job in Zeitarbeit, bei dem sie schickaniert werden. Wenn es ganz dumm läuft, gehen sie für ein paar Jahre in den Bau, wenn sie Dich zum Krüppel geschlagen haben. Das macht denen aber nicht soviel aus wie Dir. Zum Teil kennen sie das schon aus vorherigen Knastaufenhalten, zum Teil freuen sie sich über die geregelten Mahlzeiten und das Wiedersehen mit alten Bekannten. Das ist kein Scherz.

Einige freuen sich wirklich darauf die alten Jungs wiederzusehen, es gibt richtige Knastfreundschaften. Und fünf, sechs Jahre im Bau sind zwar nicht schön, stärken aber andererseits den Ruf auf der Straße, sodass man diese Knasterfahrung auch als Investition in die Zukunft betrachten muss, die einem spätere leichteren Zugang zu Frauen und in die Szene ermöglichen. Und eine Ausbildung kann man dort auch noch abgreifen. Knast kann sich für die – anders als für Dich – also gewissermaßen lohnen!!!

Für einen Durchschnittsmenschen lohnt sich diese ganze Scheiße nicht. Darum solltest Du in Zukunft lieber schnell weitergehen und Dir ethische Erwägungen für das nächste Seminar an der Uni aufsparen.

dagny t., 21.09.2009 10:52

Koennten wir Deinen Kommentar wohl als Gastkommentar im Blog posten? Als Antwort auf Daniels Bericht?

Zwei Anmerkungen: 110 rufen und danach ins Cafe gehen zieht immer Buerokratie nach sich. Wer etwa meldet dass ein Autofahrer ein Verkehrsschild umgefahren und Unfallflucht begangen hat, bekommt am Telefon spaeter einen Rueffel fuers Weiterfahren und keinen Dank fuers Melden, wird auf die Wache gebeten, muss seine Aussage schriftlich zu Protokoll geben.
Ist ok, auch wenn mich der Aufwand fuer eine solche Meldung naiverweise etwas ueberascht hat. – Aehnliches ist mir auch schon passiert als ich einen Grossalarm wegen vermuteten Ertrinkens am Badesee ausgeloest hatte.

“Melden macht Frei” hiess es in diesem Zusammenhang bei der Bundeswehr. Wer etwas weitermeldet hat seine Pflicht getan, auch wenn es eine Kleinigkeit gewesen sein sollte.

Beim ersten Lesen von Daniels Posting ist mir die Frage durch den Kopf gegangen, ob mein Bloggerkollege wohl gedient hat? Zum einen ob der dort vermittelten harschen Kommandosprache, die schichtuebergreifend verstanden wird und zum anderen wegen der ambivalenten Erfahrung mit bildungsfernen Menschen zu tun gehabt zu haben und deren Gedankenwelt zu kennen?

Die Stimme aus dem Off, 21.09.2009 11:39

Klar dürft Ihr.

110 rufen und danach ins Cafe gehen zieht immer Buerokratie nach sich. Wer etwa meldet dass ein Autofahrer ein Verkehrsschild umgefahren und Unfallflucht begangen hat, bekommt am Telefon spaeter einen Rueffel fuers Weiterfahren und keinen Dank fuers Melden, wird auf die Wache gebeten, muss seine Aussage schriftlich zu Protokoll geben.

Tja, es kommt darauf an wie man rechnet: Falls die Schlichtung wirklich gelingt, ist das natürlich die kostengünstigste Variante.

Falls es schiefgeht hat die Krankenkasse evtl. die lebenslange Behandlung für das Wasserlassen durch den Blasenkatheter, den Rollstuhl etc. zu zahlen. Ich bin zwar kein Betriebswirt, meine aber sagen zu können, dass die sicheren Kosten für Variante A eher in Kauf zu nehmen sind als die evtl. Kosten für Variante B.

Man muss ja auch mal sehen, welche Vorteile sich aus der Meldung ergeben: Vielleicht ist der Typ ja sogar zur Verhaftung ausgeschrieben und wird bei der polizeilichen Überprüfung gleich verhaftet. In diesem Fall hätte man zu einer erfolgreichen Haftbefehlvollstreckung beigetragen. Und dann erst der Erkenntnisgewinn, der sich der Polizei ergibt. Vielleicht hat derselbe Typ ja schon jemand anderes zusammengeschlagen und kann dann identifiziert werden? Dann würde dieser eine Notruf zu einer aufgeklärten Straftat führen.

Und siehe Dir mal die Nachteile auf der anderen Seite an: Dominik Brunner wird die finanziellen Nachteile, die sich aus seiner Ermordung geben, für seine Familie nie wieder hereinholen. Vom menschlichen Schicksal mal ganz abgehen, dass die Kinder ihren Vater verloren haben, die Ehefrau ihren Mann und die Enkel ihren Opa vielleicht niemals kennen werden.

Sicher, er ist als Held gestorben. Aber Dank darf man eben nicht erwarten und einen angemessenen finanziellen Ausgleich auch nicht.

Man glaubt auch gar nicht, wie unfair der Staat mit einem umgeht, wenn man selbst bei soetwas verletzt wurde. Ich war z.B. lange schwerbehindert und müsste Prüfungen ohne Schreiberleichterung – in derselben Zeit wie alle anderen – ablegen, obwohl ich nachweisbar körperliche Schäden davongetragen habe und unter Medikamenteneinfluss stand.

Wenn man selbst verletzt wurde, dann ist man wirklich auf sich ganz alleine gestellt. Es gibt keine staatliche Stelle, die einem Opfer einer Straftat konsequent, d.h. in jeder Beziehung zum Staat, sei es gegenüber Behörden, dem Arbeitgeber, den Universitäten, Gerichten oder der Kommunen, zur Seite steht. Der Staat hat für Opfer von Straftaten nichts übrig, das ist die erschreckende nackte Wahrheit. Der Helfer ist am Ende immer der Dumme und trägt sämtliche Prozessrisiken, Insolvenzrisiken und sonstigen Nachteile.

Sollte man seine eigene Gesundheit wirklich für einen Blechstern riskieren?

Die Stimme aus dem Off, 21.09.2009 11:58

Ich muss mich korrigieren. Das hier ist unwahr:

er Staat hat für Opfer von Straftaten nichts übrig,

Man bekommt als Schwerstverletzter mit inneren Blutungen während der Notarztbehandlung immerhin das Merkblatt über “Rechte von Verletzten und Geschädigten in Strafverfahren” ausgehändigt.

Damit man sich das nicht alles merken muss, während man das Licht auf sich zukommen sieht.

 
Epameroi, 21.09.2009 19:59

Ich würde Dir größtenteils Recht geben.
Der eventuelle “Ärger”, der wegen eines Anrufs von 110 droht, ist höchst überschaubar. Wahrscheinlich würde ich mich nicht entfernen, sondern in sicherem Abstand halten.

Allenfalls versuchen, Umstehende zu motivieren, und zwar durchaus aggressiv. Das funktioniert zwar nicht immer, aber manchmal doch.

Der “Held von Solln”, wäre er nicht gestorben, sondern hätte er schwerstbehindert überlebt, hätte bald erfahren, dass “Dankbarkeit” ein vergängliches Gut ist.

Tätern wird in unserem Land mehr “geholfen” als Opfern, das ist ein trauriger Fakt. Selbst das Wort “Sühne” ist verpönt.

Ich behandle Polizisten stets höflich und respektvoll. Man bekommt das zurück, was man gibt. Die machen nämlich einen wirklich harten Job für beschämend wenig Geld.

 
 
Daniel Fallenstein, 21.09.2009 11:42

Richtig geraten. Außerdem befand ich mich auf dem Rückweg von einer Veranstaltung bei der Bundeswehr, an der ich über’s WE mitgewirkt hatte.

 
Christian S., 21.09.2009 12:55

Wenn der Kommentar als Artikel im Blog landet, ist das A-Team auf dem Niveau von ef-online angekommen. Glückwunsch im Voraus.

Ich bin dann mal weg. Ist mir zu unappetitlich.

califax, 21.09.2009 13:08

Ja. Ein echter Linker. Die Unterschicht ist ihm in ihrer Alltagskultur einfach zu unappetitlich.

DDH, 21.09.2009 13:46

Die staatssozialistische Kaviar- und Toskana-”Linke” ist nicht “links”!

 
 
 
 
DDH, 21.09.2009 13:51

Ziehe meinen Hut vor Daniels Mut – und unterschreibe gleichwohl was “Die Stimme aus dem Off” hier zu Protokoll gegeben hat.

An dieser Stelle mein ceterum censeo: Einer entwaffneten Bevölkerung “Zivilcourage” abzuverlangen ist zynisch!

 
 
Christian S., 21.09.2009 13:18

Die Sprache von der Off-Stimme ist mir zu unappetitlich. Ist mir zu sozialdarwinistisch. Nicht mein Ding.

Die Stimme aus dem Off, 21.09.2009 13:24

Zu sozialdarwinistisch? Ich kann Dir meine Arztrechnungen und eine Rechnung für erlittenen und nicht erstatteten Verdienstausfall über fast vier Jahr ja gerne zur Begleichung zuschicken. Vielleicht möchtest Du ja bezahlen, was andere nicht zahlen.

Das ist gar kein Problem. Ansonsten begleite ich Dich gerne bei einem Selbstversuch und dokumentiere das Ganze dann wissenschaftlich für die Nachwelt.

“Ich war schwerbehindert” ist übrigens nicht ganz richtig. Ich bin es noch offiziell bis Ende des Jahres. Dann soll eine Nachprüfung erfolgen, die – laut Aussage des Sachbearbeiters – negativ ausfallen wird.

Mein Gesundheitszustand hat sich zwar nicht verbessert (sagen mehrere Universitätsprofessoren), aber die Behörde ist der Ansicht, dass wer nicht zum Arzt geht auch nicht schwerbehindert sein kann. Ob die Ärzte eine weitere Behandlung für sinnvoll halten oder nicht, spielt keine Rolle. Diese Bewertung steht einzig der Behörde zu.

Ich bin Euch rote Phantasten so satt, ich kann es nicht in Worte fassen.

Christian S., 21.09.2009 13:38

Deine Behinderung tut mir leid. Da hoffe ich, dass es Dir bald wieder besser geht.

Das rechtfertigt aber trotzdem nicht die menschenverachtenden Sprüche im obigen Beitrag.

Die Stimme aus dem Off, 21.09.2009 13:50

Danke, ich brauche Dein Mitleid nicht. Es hätte mir eher geholfen, wenn Leute wie Du endlich mal den Realitäten ins Auge sehen würden.

Menschenverachtend? Was weisst Du denn über Menschenverachtung?

Ich bin in meinem leben vier Mal mit Nadeln gestochen worden und hatte jedes Mal Angst vor einer Infektion. Mir wurde zweimal der Arm gebrochen, ich wurde dreimal mit einer Schusswaffe bedroht, sechsmal hat man versucht mich zu erstechen bzw. mir den Bauch aufzuschlitzen.

Ich konnte wochenlang nicht nach Hause gehen, weil ich immer damit rechnen musste, dass dort jemand auf mich wartet.

Und das sind nicht alle Vorfälle.

Beim letzten Mal musste ich eine lebende Verbindung menschlichen Abfalls zugedröhnt mit Kokain, Tilidin und Heroin stoppen, die zwei Leute umbringen wollte.

Als ich keine andere Chance mehr sah dieses aufgeputschte Monster ruhigzustellen, entschloss ich mich es so zusammenzuschlagen, dass es aller Voraussicht nach eine Gehirnblutung bekommen und daran sterben würde. Am Ende siegte meine Gutmütigkeit und ich wollte Erste Hilfe leisten, ich wollte ihn nicht sterben lassen.
Er hatte sich totgestellt und ich war ihm in die Falle gegangen, hatte mehr Glück als Verstand.

Meinen anschließenden Bericht wollte man seitens meiner Vorgesetzten “nicht annehmen”, weil er politisch nicht oppportun war. Die Ausrüstung war nicht optimal gewesen, weil ideopathische Polit-Scheißer wie Du es am Schreibtisch mal wieder besser wussten als die Leute, die es tagtäglich ausbaden müssen. Man wollte mich zwingen zu lügen.

Ich habe nicht gelogen. Dafür hat man mich fallen lassen und mich nach Strich und Faden abserviert. Das ist Wahrheit, nichts als die Wahrheit, die ich beim Seelenfrieden aller verstorbenen und lebenden Verwandten und sogar bei meiner eigenen Seele schwöre. Nichts als die reine Wahrheit.

jo@chim, 21.09.2009 14:23

ideopathische Polit-Scheißer

STOP.

Die Stimme aus dem Off, 21.09.2009 14:36

Ja, das nehme ich zurück.

Stattdessen verwende ich die Worte: “Leute die keine Ahnung, dafür aber einen politischen Hintergrund haben”.

jo@chim, 21.09.2009 14:51
 
 
 
 
Daniel Fallenstein, 21.09.2009 14:09

Ich muss DSadO da beipflichten. Als ich am 1. Mai 2008 in Berlin Kreuzberg war, versuchte ein reichlich blauäugiger Zeitgenosse eine brennende Mültonne zu löschen und wurde in Sekundenschnelle von einem halben Dutzend „verhaltensorigineller Jugendlicher mit levantinischem Migrationshintergrund“ (oder nennen wir’s beim Namen: gewaltgeile arabische Kriminelle) zu Boden gebracht und mit Tritten (ÜBERALL hin) traktiert. Ich stellte mich mit einigen anderen dazwischen und bekam „nur“ ein, zwei blau Flecke am Schienbein.

Dieser Abschaum, lieber Christian, handelt, denkt und spricht rund um die Uhr, in jede Richtung, durch jede Pore menschenverachtend. Und dementsprechend muss man mit solcher Kundschaft umgehen.

jo@chim, 21.09.2009 14:26

Dieser Abschaum [..] handelt, denkt und spricht rund um die Uhr, in jede Richtung, durch jede Pore menschenverachtend. Und dementsprechend muss man mit solcher Kundschaft umgehen.

Nein. Muss man nicht. Darf man nicht (zumindest, wenn man Anhänger des Rule of Law ist).

DDH, 21.09.2009 14:31

Darf man nicht (zumindest, wenn man Anhänger des Rule of Law ist).

Dann wollen wir hoffen, daß die Zahl der Anhänger dieser bescheuerten “rule of law” möglichst klein bleibt!

jo@chim, 21.09.2009 14:50

Schwätzer.

 
 
Daniel Fallenstein, 21.09.2009 14:33

Womit ich nicht gesagt haben will, dass alles erlaubt sei. Aber die öffentliche Hand ist gegenüber diesen Zeitgenossen in den zulässigen Quarzsandhandschuhen idR immer noch besser aufgehoben als in den samtenen. Das meinte ich mit dementsprechend.

jo@chim, 21.09.2009 14:48

Danke für die Ergänzung.

 
 
califax, 21.09.2009 14:44

Privat und Staat sind zwei paar Schuhe. Der Staat braucht andere Fesseln als der Privatmensch in der U-Bahn.
Rule of Law ist wichtig, ohne dieses Prinzip gibt es keine Zivilisation. Aber ein Prinzip darf im Alltag nicht so weit getrieben werden, daß man dafür auf Notwehr oder Nothilfe verzichtet.
Und in den Fällen, in denen die vielgeforderte Zivilcourage wirklich nötig wäre, hat man es i.d.R. mit Härtnern, Irren oder aufputschtem Mob zu tun. Dann kann man ein legaler Martyrer werden, sich “feige” verhalten oder abschreckende Gewalt androhen und nötigenfalls einsetzen, wobei akademische Theorien über Eskalationsspiralen und deeskalierendes Handeln ziemlich wirklichkeitsfremd sind.
Deeskalierend ist es in der Praxis den Gegner mit der größten Klappe zuerst und mit möglichst sichtbarer Brutalität plattzumachen.

Meiner Einer bleibt dann doch lieber feige. Ich hab in der Antifa mein Glück schon genug strapaziert.

jo@chim, 21.09.2009 14:49

Aber ein Prinzip darf im Alltag nicht so weit getrieben werden, daß man dafür auf Notwehr oder Nothilfe verzichtet.

Habe ich auch nicht gefordert.

 
Die Stimme aus dem Off, 21.09.2009 16:15

Jein.

Deeskalationsstrategien können schon funktionieren. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Gegenüber deeskalationsbereit ist. Und bei welcher Klientel ist das schon noch der Fall? Vielleicht mal bei einer Mutter nahe am Nervenzusammenbruch, die sich gerade wieder eine Unverschämtheit von der Kindergärtnerin ihres Sohnes anhören müsste und kurz davor ist, eben dieser in die Fresse zu hauen.

Es bedarf für Deeskalation aber einer grundsätzlichen Bereitschaft zur Kommunikation.

Die ist doch bei diesem ganzen 1. Mai – Krawallen schon im Ansatz gar nicht gegeben.

Irgendwer hat sich die Deeskalationsstrategie mal ausgedacht und diese eben auf Situationen wie oben beschrieben anwenden wollen. Dann haben die Politiker dieses aufgegriffen und dann wurde es ein Selbstläufer. Deeskalation hier, Deeskalation dort.

Es gibt in Verwaltung und Politik immer bestimmte Signalwörter, die gerade angesagt sind. Und dann will jeder bei jeder Situation diese Signalwörter anwenden und sich im Glanz des vermeintlichen Erfolges sonnen.

Für die gegenwärtigen Gewaltausbrüche von Jugendlichen und Schwerstkriminellen, sind die ganzen Deeskalationskonzepte nie geschaffen worden.

Rechtsstaat? Natürlich kann kein Mensch ernsthaft fordern, dass wir den Rechtsstaat abschaffen. Das Gegenteil sollte getan werden, wir sollten ihn endlich mal einführen.

Aber anstatt den Rechtsstaat endlich mal zu leben, bauen wir ihn immer mehr ab. Sei es die flächendeckenden Überwachungen oder die unsägliche Ausländerpolitik.

Anstatt leistungs- und integrationsbereite Ausländer ins Land zu lassen und notorische Schwerverbrecher, die hier zig Straftaten begangen haben oder einfach nur auf unsere Kosten hier leben und Hartz IV beziehen, lassen wir sie alle im Land und fördern damit die Kriminalität.

Und wer was dagegen sagt ist ein Nazi.

Ich werde nie verstehen worin der Sinn liegt Leute ins Land zu lassen, die uns nur Geld kosten und die schlicht und ergreifend nur wirtschaftliche Flüchtlinge sind. Das ich über die negativen Folgen des Flüchtlingszuzugs noch ganz anders denke (Unterstützung des Drogenhandels, Förderung der Bürgerkriege) werde ich jetzt nicht noch einmal alles ausbreiten. Die Diskussion hatte ich mit Che schon reichlich, ich kann es nicht mehr ab.

Ehrlich gesagt ist mir heute nach all den Erlebnissen so ziemlich alles vollkommen egal. Ich rate jedem Beamten, in den unbefristeten Bummelstreit zu treten, die innere Kündigung auszusprechen und den Grundsatz aus dem Beamtenrecht der “volle Hingabe an den Beruf” lautet einfach in “niemand ist über seinen Können hinaus verpflichtet” umzudeuten.

Für mich habe ich zwei Lehren gezogen:

1. Engagement lohnt sich nicht, weil man anstatt auf Dankbarkeit nicht nur auf inhaltsleere Phrasen trifft, man bekommt sogar noch Schwierigkeiten.

Warten wir einfach mal die Ereignisse um Dominik Brunner ab. Und wenn das in diesem Fall nicht so sein sollte, dann ziehen einen Vergleichsfall und vergleichen mal, was aus diesem Vergleichsfall – nämlich ohne öffentliche Aufmerksamkeit – wurde.

2. Lasst sie leiden. Es klingt schweinisch, aber nur Erfahrung macht klug. Zu sagen, ich würde hoffen, dass sich irgendsoein beschissener Taliban mal bei den Grünen oder den Roten in die Luft sprengt, wäre übertrieben.

Weinen würde ich dann allerdings auch nicht.

 
 
 
 
stefanolix, 21.09.2009 14:21

Kannst Du Dir das Wort »menschenverachtend« bitte für die Gelegenheiten aufheben, in denen es wirklich passt? Welchen Menschen hat denn DSadO in seinem Kommentar »verachtet«?

stefanolix, 21.09.2009 14:22

PS: Mein Kommentar ging natürlich an Christian S.

 
 
 
 
califax, 21.09.2009 13:34

Sie ist hier dem Thema angemessen, weil sie nicht beschönigt. Sozialdarwinistisch war überhaupt nichts an seinem Kommentar.
Wenn Du sofort an Auslese denkst, sobald Du mit der Wirklichkeit im Kiez konfrontiert wirst, ist das eher ein Symptom Deiner eigenen Vorurteile.
Auf der Straße gilt: Nur die Harten komm’ in’ Garten. Die Wahrheit wird gelebt und nicht studiert. Und echte Männer formt der Knast und nicht die Schule. Noch ein paar dieser Sinnsprüche? Unterstes Stammtischniveau? Ja selbstverständlich, was denn sonst?! Das ist ebenso selbstverständlich wie akademisches Niveau im akademischen Milieu.
Innerhalb dieser Rahmenbedingungen spielt sich alles ab, egal ob es Drogensucht, Kriminalität, Fleiß, Idealismus, Kindererziehung oder kleine kleinbürgerliche Idyllen sind.

DSadO hat das Milieu und die Probleme der allseits georderten Zivilcourage sehr treffend beschrieben.

 
 
Bodo Wünsch, 21.09.2009 15:08

Schöner Erlebnisbericht.

Um es aber mal kurz zu kommentieren: Ja, so ist es. Was Du erlebt hast, ist halt so, zumal in Berlin.

Und das mit dem Adrenalinabbau ist reine Übungssache ;-))

Dennoch: Einem Dominik Brunner hat oder hätte vielleicht auch das nicht geholfen. Doch darf es nicht soweit gehen, dass wir mit der sog. “Zivilcourage” (wo ist das besondere an ihr zur Courage, zum Mut schlechthin?) das Staatsversagen (auch) auf diesem Gebiet substituieren. Wenn Politiker rufen “Mehr Zivilcourage!” – heißt das dann übersetzt, “sorry, _wir_ können euch da draußen nicht mehr helfen, wenn’s drauf ankommt” (aber Stopp-Schilder im Internet aufstellen, dass können wir…)

 
Christian S., 21.09.2009 15:26

Mehr Zivilcourage zu fordern ist wirklich albern.

Was man braucht, sind sehr viel mehr Polizisten auf den Straßen. (Und keine sinnlosen Überwachungskameras.)

califax, 21.09.2009 15:50

Richtig. Wird aber scheitern.
Rechte Politiker verwechsen Law and Order mit einem Freifahrtschein für polizeilichen Machtmißbrauch. Linke Politiker schwafeln von polizeilicher “Deeskalationsstrategie”, wenn sie in Wirklichkeit meinen, daß man ganze Stadtviertel Verbrecherbanden zum Geschenk macht.
Außerdem hat sich in den letzten Jahren in der politischen Kaste eine panische Angst vor den Kernkompetenzen der Staatspolitik – Justiz, Polizei, Militär, außenpolitische Machtentfaltung – eingeschliffen. Man bildet sich ein, es wäre wichtiger, überteuerte Begegnungszentren und “soziale Kulturprojekte” zu fördern, erwachsene Menschen mit überheblichen Belehrungen zu Umwelt und Ernährung zu überziehen oder dümmliche Plaketten vorzuschreiben, statt Geld für Polizei, Justiz und Militär auszugeben.

 
chrisv, 22.09.2009 09:47 Subscribed to comments via email

Was man braucht, sind sehr viel mehr Polizisten auf den Straßen

Das bringt -exemplarisch- alle linken Irrtümer auf einen Punkt:

a.) das unbegründete Vertrauen in zentrale Lösungen
b.) der irrige Glaube an den Staat als unbedingten Heilsbringer
c.) die standhafte Weigerung, ökonomische Realitäten als nicht durch Politik gestaltbar anzuerkennen

Der erste Irrtum besteht darin, zu glauben, in jeder Ecke des ganzen Landes wären die Probleme die gleichen, und daher mit einer einheitlichen Lösung anzugehen. Dem ist aber nicht so: Auf dem Kudamm oder beim Oktoberfest mag eine gewisse sichtbare Polizeipräsenz tolerierbar und vorteilhaft sein, um bestimmte Formen der Kriminalität abzuschrecken, in anderen ist sie dagegen überflüssig (z.B. auf dem Land, wo es die Probleme nicht gibt) und/oder schlichtweg unerwünscht. Nicht wenige Viertel gerade in Großstädten haben ihre eigenen Strukturen und Hierarchien, und regeln ihre Probleme selber. Das klappt in der Regel auch recht gut, auch wenn es mit im Ohrensessel oder Elfenbeinturm erdachten Konzepten wie dem “rule of law” nur eingeschränkt kompatibel ist. Eine ständige Präsenz der Polizei würde da nur stören, genau wie es sie mich (und wenn du ehrlich bist vermutlich auch dich) nerven würde, wenn man friedlich im Park oder am Baggersee zusammensitzt und ständig Uniformierte herumschleichen. Niemand möchte ständig beobachtet und kontrolliert werden, ob von einer Videokamera oder einem leibhaftigen Beamten, macht da keinen Unterschied.

Der zweite Denkfehler besteht darin, zu glauben, Sicherheit wäre eine Aufgabe, die man zentral an Spezialisten delegieren könnte. Das funktioniert nicht, weil diese Spezialisten (egal ob privat oder staatlich) nicht überall sein können – und selbst wenn sie es könnte, würde man das nicht wollen, siehe oben. Jeder Ingenieur weiß, dass technische Sicherheitsmaßnahmen immer auf der kleinsten Ebene zu beginnen haben: Man sichert jede einzelne Anwendung, jeden einzelnen PC im gesamten Unternehmensnetz, und baut nicht nur eine große Firewall nach außen und macht sich um den Rest keine Gedanken. Auch die Natur weiß, dass das der bessere Ansatz ist, deswegen hat jeder einzelne Mensch ein Immunsystem – ansonsten müssten wir alle in einer nach außen abgeschotteten, regelmäßig desinfizierten Umgebung leben, was ja ganz offensichtlich nicht die bessere Lösung ist.

Übertragen auf den Schutz vor Gewalt und Kriminalität bedeutet das, dass jeder Mensch sich möglichst selbst schützen können sollte. Eine Schafherde hat schlechte Karten gegen ein Wolfsrudel, selbst wenn man ein paar Schäferhunde dazustellt. Oder anders formuliert: Jeder unbescholtene Bürger sollte das Recht haben, sich angemessen zu bewaffnen, um eine Waffengleichheit zwischen routinierten Schlägern und normalen Menschen zu erreichen, die nicht den ganzen Tag trainieren, wie sie anderen Gewalt antun können. Dass allgemeine Bewaffnung einen starken positiven Effekt auf die Kriminalitätsrate hat ist schon seit langem genauso wissenschaftlich erwiesen wie die umgekehrte Wirkung: Verbote privater Bewaffnung wie z.B. in Großbritannien führen nachweislich zu einer regelrechten Explosion der Gewaltkriminalität – wer sich für dieses Thema interessiert, dem sei Edgar Lotts Standardwerk “More Guns, less Crime” ans Herz gelegt.

Selbst wenn man alle diese Fakten und Argumente wider besseren Wissens ignorieren will, platzt der Traum vom allgegenwärtigen Staat, der immer und überall für Sicherheit und Behaglichkeit sorgt, spätestens an dem unbestechlichen Stachel der ökonomischen Realitäten. Denn auch wenn man in der Theorie mit ein, zwei Beamten an jeder Straßenecke praktisch alle Kriminalität zum Verschwinden bringen und dem derart behüteten Bürger jeden Gedanken an Freiräume und Privatsphäre aberziehen könnte, so wäre ein solches Programm keinesfalls finanzierbar, denn die Mittel dafür müssen ja irgendwo herkommen. Sicherheit kann man nicht essen, und wohin eine Volkswirtschaft führt, bei der ein signifikanter Teil der Bevölkerung nur damit beschäftigt ist, den verbleibenden Rest zu be- und überwachen, hat man ja in der DDR gesehen.

Wer sich ernsthaft für die Bekämpfung von Kriminalität einsetzen will, anstatt nur hohle Phrasen zu dreschen, kann nicht einfach den Stand von Wissenschaft und Technik ignorieren, und der sagt eindeutig: Sicherheit organisiert man am besten dezentral. 1000 Polizisten und härteste Strafen schrecken potentielle Gewalttäter nicht annähernd so sehr ab wie die Befürchtung, das ausgewählte Opfer könnte bewaffnet sein und sich wehren. Oder aber ein beliebiger Dritter: Hätte nur einer oder zwei der 17 umstehenden Passanten eine Waffe besessen und im richtigen Moment gezogen, Dominik Brunner würde höchstwahrscheinlich noch am Leben sein.

califax, 22.09.2009 11:28

Hätte nur einer oder zwei der 17 umstehenden Passanten eine Waffe besessen und im richtigen Moment gezogen, Dominik Brunner würde höchstwahrscheinlich noch am Leben sein.

Die Erfahrungen mit Raubüberfällen (und das war es ja im Ursprung) zeigen das Gegenteil: Brunner wäre tot und die helfenden Passanten ebenfalls.
Eine bewaffnete Bevölkerung mag hilfreich sein, aber wer sich dann einbildet, die Räuber wären nicht ebenfalls bewaffnet und noch dazu wesentlich entschlossener zu tödlicher Gewaltanwendung, treibt die Naivität ins Gemeingefährliche.
Der Durchschnittsbürger ist keine Kriegernatur. Der Durchschnittsstraßenmörder schon.

chrisv, 22.09.2009 14:35 Subscribed to comments via email

Die Erfahrungen mit Raubüberfällen (und das war es ja im Ursprung) zeigen das Gegenteil: Brunner wäre tot und die helfenden Passanten ebenfalls.

Nein, das zeigen sie nicht. Was die Statistiken aber tatsächlich zeigen, ist eine deutlich geringere Chance, dass es überhaupt zu einem Raubüberfall kommt. Unter anderem übrigens deswegen, weil sich die Räuber in Staaten mit concealed carrying (dem Recht, eine Waffe verdeckt zu tragen) nachweislich auf Einbrüche in Abwesenheit des Wohnungsinhabers verlegen. Das ist zwar auch nicht das, wovon man aus kriminalpolitischer Sicht träumen mag, aber den meisten Menschen dürfte ein Einbruch lieber sein als ein Raubüberfall, wenn sie denn die Wahl hätten.

Eine bewaffnete Bevölkerung mag hilfreich sein, aber wer sich dann einbildet, die Räuber wären nicht ebenfalls bewaffnet und noch dazu wesentlich entschlossener zu tödlicher Gewaltanwendung, treibt die Naivität ins Gemeingefährliche.

Darüber kann man streiten, sicher ist aber dass es bei einer bewaffneten Bevölkerung von vorneherein deutlich weniger Räuber gibt, wodurch zwangsläufig auch das Risiko sinkt, überhaupt überfallen zu werden.

califax, 22.09.2009 15:20

Unter anderem übrigens deswegen, weil sich die Räuber in Staaten mit concealed carrying (dem Recht, eine Waffe verdeckt zu tragen) nachweislich auf Einbrüche in Abwesenheit des Wohnungsinhabers verlegen.

Sind solche Verhaltensänderungen tatsächlich nachgewiesen oder vergleicht man wieder mal Virginia oder Texas mit Washington D.C. und New York?
So häufige und deutliche Waffenrechtsänderungen hat es ja in den letzten Jahren gar nicht gegeben.

sicher ist aber dass es bei einer bewaffneten Bevölkerung von vorneherein deutlich weniger Räuber gibt,

Ey, wofür braucht man dann in Afghanistan und Mogadischou Schutztruppen?
Auf welchem Planeten wohnst Du eigentlich?

chrisv, 22.09.2009 16:33 Subscribed to comments via email

Sind solche Verhaltensänderungen tatsächlich nachgewiesen oder vergleicht man wieder mal Virginia oder Texas mit Washington D.C. und New York?
So häufige und deutliche Waffenrechtsänderungen hat es ja in den letzten Jahren gar nicht gegeben.

Da die entsprechenden Vorschriften in den USA auf Bundesstaaten- oder sogar Gemeindeebene erlassen werden, gibt es schon eine ganze Menge Änderungen, die man untersuchen kann. Und Lott tut genau das ziemlich fundiert und sorgfältig, mit einer großen Menge an Diagrammen, Tabellen und Quellenverweisen. Wie gesagt, schau einfach mal via Google Books rein (Link im anderen Kommentar) oder besorg dir das Buch, es lohnt sich durchaus.

Ey, wofür braucht man dann in Afghanistan und Mogadischou Schutztruppen?

Kommt dir das nicht selbst ein wenig albern vor? Natürlich kann man weder die Zustände dort mit Hamburg, Berlin, München oder NYC vergleichen, noch sind die Schutztruppen dort um Räuber (oder überhaupt allgemeine Kriminalität) zu bekämpfen.

califax, 22.09.2009 17:49

Kommt dir das nicht selbst ein wenig albern vor? Natürlich kann man weder die Zustände dort mit Hamburg, Berlin, München oder NYC vergleichen, noch sind die Schutztruppen dort um Räuber (oder überhaupt allgemeine Kriminalität) zu bekämpfen.

Deine Einlassungen? Ja, die finde ich albern und naiv. Die Implikation von einer bewaffneten Bevölkerung zu einer geringeren Anzahl von Räubern ist schlicht Bullshit. Und selbstverständlich geht es bei den Schutztruppen um Räuber, Erpresser und Vergewaltiger.
Daß diese sich religiöse Freibriefe ausstellen,ändert ja nichts an ihrem Tun.
Es ist unsinnig, monokausal zu denken und dabei Korrelationen den eigenen ideologischen Wünschen folgend zu Kausalitäten umzubiegen. So lügt man sich nur in die Tasche.
Tatsächlich scheint der Einfluß der Volksbewaffnung auf die Kriminalität viel geringer zu sein als eine gezielte professionelle Bandenbekämpfung, eine Kultur, deren Werte Raub und Mord ächten statt sie zu Heldentaten zu verklären, gute Schulbildung (Betrüger rauben nicht. Ist zu mühsam.), die Wahrscheinlichkeit und Schnelligkeit, mit der eine Strafe mit einer gewissen Mindesthöhe auf das Verbrechen folgt, etc.
Und nur so nebenbei: Man darf die Kriminalitätsstatistik niemals für eine Darstellung der Kriminalität halten. Da werden die Anzeigen gezählt, nicht die Verbrechen.

califax, 22.09.2009 18:16

Kurzer Nachtrag: Wer die historische Facette interessant findet, kann ja mal nachschauen, wo die Polizei herkommt, wie die Etymologie des Wortes “Krieg” aussieht und auf welcher Grundlage Militär und Staat entstanden sind.
Alles in bis an die Zähne bewaffneten Regionen.

 
Hardy, 23.09.2009 13:16

Lese Dir doch bitte erst mal das Buch durch bevor Du andere als naiv bezeichnest. Ebenso könnten die Statistiken der Stadt Kennesaw von Vorteil sein. Aber bezüglich Waffen scheint ja in unserem Land eine besondere, ideologische verbrämte Abneigung zu bestehen. Anders läßt es sich auch nicht erklären das man in Deutschland über ständige Verschärfungen des Waffenrechts nachdenkt. Besonders immer nach einem Amoklauf, obwohl Deutschland mit seinen 83 Mill. Einwohnern und dem zweitschärfsten Waffenrecht in der Amokstatistik gleich auf Platz 2, direkt hinter den USA, mit über 300 Mill. Einwohnern und dem angeblich laxesten Waffengesetzen liegt.

Die Stimme aus dem Off, 23.09.2009 13:31

Glaubst Du wirklich, Du wärst mit einer Waffe in der Hand in einem südafrikanischen Ghetto sicher? Oder falls Dir das zu rassistisch ist:

In einem white-trash-ghetto irgendwo in Louisiana? Oder in einer Favela?

Die meisten Toten gibt es in den Regionen der Welt, in denen es viele frei im Umlauf befindlichen Waffen gibt.

Und komme mir nicht mit der Schweiz, denn dann komme ich Dir mit “Reichtum für alle”.

chrisv, 23.09.2009 13:53 Subscribed to comments via email

Glaubst Du wirklich, Du wärst mit einer Waffe in der Hand in einem südafrikanischen Ghetto sicher?

Gegenfrage: Wäre ich dort sicherer, wenn ich keine hätte?

Die meisten Toten gibt es in den Regionen der Welt, in denen es viele frei im Umlauf befindlichen Waffen gibt.

Die meisten Regenschirme werden in Gegenden verkauft, in denen häufig schlechtes Wetter ist. Ziehen Schirme den Regen an und sollten deshalb verboten werden?

Die Stimme aus dem Off, 23.09.2009 14:07

Gegenfrage: Wäre ich dort sicherer, wenn ich keine hätte?

Nein, natürlich nicht. Und was sagt uns das? Die Leute wohnen aus unerfindlichen Gründen lieber nicht im Ghetto, obwohl sie dort jederzeit eine Waffe bekommen könnten. Ich weiss nicht warum, das scheint vollkommen unlogisch zu sein. Ich werde das meiner Nachbarin, einer 26-jährigen alleinerziehenden Mutter nochmal darlegen.

Vielleicht kann man da was machen. Sie braucht sich wirklich nicht zu fürchten, wenn alle um sie herum eine Waffe haben. Sie braucht sich nur selbst eine zuzulegen und natürlich auch ihrer kleinen Tochter.

Dann kann die Schießerei losgehen.

Die meisten Regenschirme werden in Gegenden verkauft, in denen häufig schlechtes Wetter ist. Ziehen Schirme den Regen an und sollten deshalb verboten werden?

Tja, also… das ist eine dermaßen überzeugende und schlagende Antwort, also da kann man ja gar nichts mehr drauf entgegnen.

Das habe ich all die Jahre also vollkommen falsch gesehen. Wenn viele Leute – auch emotional gestörte oder besonders kaltblütige – besonders leicht an Handfeuerwaffen kommen, dann bin ich besonders sicher.

Menschen sind keine Automaten! Die Vorstellung, Du könntest Dich mit einer Schusswaffe verteidigen, ist Blödsinn aus Wildwest-Romanen. Wir wohnen hier nicht 1.000 m von jedem Nachbarn entfernt. In unseren Straßen wohnen nicht überwiegend alte Freunde oder Familienangehörige. Da wohnen auch viele Irre, ganz sicher!

Der Effekt, dass Dir niemand etwas tut wenn alle eine Waffe haben, der existiert in modernen, dicht besiedelten Gesellschaften nicht. Es hat auch fast jeder ein Handy und trotzdem werde Leute grundlos totgeschlagen und kaum jemand ruft die Polizei.

Das funktioniert alles, wenn jeder jeden kennt. Auf Kreta zum Beispiel, da geht das. Da habe ich eine AK47, mein Nachbar 10, dessen Nachbar nochmehr, eine Pistole hat jeder im Auto liegen und am Ende der Straße hat einer in seiner Garage eine Seemine liegen.

Da kennt jeder jeden, viele sind miteinander verwandt und wenn du dort nachts eine Frau belästigst, findet man Dich am nächsten Tag nicht mehr wieder.

Aber dort gibt es auch ein hohes Maß an sozialer Kontrolle. Du kannst nicht einfach irgendeine Frau ansprechen, ohne sie gleich am nächsten Tag heiraten zu müssen. Jedenfalls so in etwa.

In Deutschland funktioniert das nicht.

 
 
Hardy, 23.09.2009 14:07

Vorsicht, sonst komme ich mit “Reichtum höher besteuern”. Übrigens war ich Waffenträger.

Die Stimme aus dem Off, 23.09.2009 14:28

Gratuliere. Dann ist es Dir also all die Jahre gelungen Dich nicht selbst zu erschießen.

Wehren kannst Du Dich deshalb noch lange nicht oder nur mit sehr viel Glück und nur dann, wenn der Angreifer dumm genug war Dir eine Chance zur Reaktion zu geben. Die hast Du nicht, weil Du 0,3 Sekunden brauchst die Situation zu erkennen und wenigstens reflexhaft zu reagieren. + Angst = + 0,2 Sek., aber nur wenn Du trainiert bist. Also schon einmal 0,5 Sekunden. Dann hast Du die Waffe auch bestenfalls (!) in der Kleidung am Mann. Wenn es gut läuft, ist die Jacke in diesem Moment offen. Das heisst nicht, dass Du die Kanone gleich rausbekommst, +0,3 Sekunden bestensfalls.

Das sind schon Optimalwerte. Die hast Du aller Wahrscheinlichkeit nicht. Dazu kommt Pulsschlag vor Aufregung und ein ziemlicher Unsicherheitsfaktor namens “Tageszeit”. Nach einem guten Mittagessen reagierst du langsamer als gleich 10 Minuten nach dem Sex, sofern Du deshalb nicht eingeschlafen bist.

Räumliche Nachteile noch nicht berücksichtigt. Und dann gelingt es Dir vielleicht zu schießen, aber triffst Du auch? Wo doch der andere alle Vorteile auf seiner Seite hat? Wo er schon mental auf den Konflikt vorbereitet ist und Du überrascht wirst?

Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Verteidigung ist äußerst gering, selbst für extrem geübte Leute.

Dagegen steigt das Risiko einen “Momentversagens” im Umgang mit der Waffe, von Nervenzusammen- und Wutausbrüchen, von Irren, Kindern und eifersüchtigen Ehefrauen. Oder von durch Kriminellen gestohlene Waffen.

Das ist reine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Jede im Umlauf befindliche Waffe erhöht die Gefahr ihrer Benutzung und damit auch eines schädigenden Ereignisses. Es hat seinen Grund, warum Versicherungen bei privatem Waffenbesitz einen Risikoaufschlag verlangen.

Außerdem ist die Mehrheit der Bevölkerung selbst nach Training nicht in der Lage sich unter Stress einigermaßen sinnvoll zu verteidigen. Selbst die meisten Berufswaffenträger sind das nicht, sonst gäbe es bei denen und ihren Verteidigungshandlungen nicht so viele Ausfälle. Erschossene Streifenpolizisten waren sehr oft vorgewarnt. Geholfen hat es ihnen trotzdem nicht.

Wenn Du etwas für Deine Sicherheit tun willst, dann kaufe Dir Rauchmelder und eine vernünftige Alarmanlage, sichere Deine Türen und Fenster. Und ziehe nur in eine solche Wohnung an, die ein einem mit Rauchmeldern ausgestatten Haus liegt.

Gegen auf die Tatbegehung vorbereitete Kriminelle (und fast nur solche verwenden bei der Tat eine Schusswaffe) hilft Dir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Schusswaffe.

Hardy, 23.09.2009 15:09

Da hast du falsch geraten. Ich war Berufswaffenträger, und dadurch sehr wohl darauf trainiert, jedenfalls besser als unsere normale Polizei(da ist der deutsche Staat ja leider etwas zu sparsam). Und ständiges, monatliches Training, sowohl im Schießkino als auch auf einer Hoogan-Alley schärfen sowohl Reaktionszeit als auch die Erkennung einer Bedrohung. Ein Polizist der nicht in der Lage ist sich unter Stress zu verteidigen- zu so etwas kann es leider immer manchmal kommen. Kommt es jedoch öfter zu solchen Vorfällen beweist das nur, dass die Auswahlkriterien für diesen Beruf versagt haben.
Deine Ratschläge beherzigst am besten du selbst.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Stimme aus dem Off, 22.09.2009 16:51

Ich habe das hier alles schon einmal ausgebreitet, kann es aber nicht mehr finden.

Das Problem ist, dass sich die Täter schwache Opfer suchen. Schul- und Kindergartenkinder, Frauen, Schwächlinge.

Die kommen nicht mit einer Kanone zum SEK und fragen, ob sich eine Schießerei einrichten lassen würde.

Oder wer jemanden zusammenschlagen will, sucht sich auch nicht den Feierabend eines Boxclubs aus, um einen von den auf dem Nachhauseweg abzufangen.

 
 
 
 
Alrik, 21.09.2009 15:35

Auch wenn ich der Stimme aus dem Off & dagny ts Lagebeurteilung teile:
Wenn ich “Prekariat” oder “Bildungsferne Schicht” ( offizielle Definition: jeder dessen Eltern nicht Akademiker sind ) als Umschreibung für solche Typen lese bekomme ich das Kotzen.

Unter den Angehöhrigen der “Bildungsfernen Schicht” die ihr Geld mit anständiger Arbeit verdienen nennt man solche Leute schlicht und ergreifend Assis oder Arschlöcher.
Und wenn sie Dumm kommen haut man ihnen ein paar aufs Maul. Trotz Angst und auch wenn man danach mit einem Bein im Knast steht.

califax, 21.09.2009 15:51

Herrjeminee, jetzt komm doch nicht mit der Wirklichkeit, schon gar nicht mit der, die außerhalb von Studentenkneipen herrscht.

 
stefanolix, 21.09.2009 16:25

Wo wird »bildungsferne Schicht« bitte als »jeder, dessen Eltern nicht Akademiker sind« definiert?

»Bildungsfern« bedeutet: jemand schätzt Bildung so gering, dass er sich und seinen Kindern keine Bildung angedeihen lässt. Doch wie die Begriffe »Ausbildung«, »Weiterbildung« und »Aufstiegsfortbildung« schon zeigen, gibt es eine ganze Menge Bildung außerhalb der Hochschulen.

califax, 21.09.2009 20:43

Definiert nicht, aber der Sprachgebrauch in Presse und Politik läßt nur dieses Schluß zu. Erwähne, daß jemand Haupt- oder Realschulabschluß hat ->*Zack!* Das Stichwort kommt wie aus der Pistole geschossen.

 
Alrik, 21.09.2009 22:09

Der wird da definiert, wo Qualitätsjournalisten ihre Infos her bekommen ;-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Bildungsferne

Und Bildung ausserhalb der Hochschule ?
Man, was sind denn das für neoliberale Gedanken.

Viele Kinder von Oberstudienräten kämpfen dafür das Bildung weiter hin ein Menschenrecht ist…
Sprich für ein Gratis – Hochschulstudium das – anders als »Ausbildung«, »Weiterbildung« und »Aufstiegsfortbildung« – auch nicht ökonomisch Verwertbar sein darf ;-)

 
 
 
Paradin, 21.09.2009 17:31

Knifflig ist das. Einerseits fällt es schwer zwei Frauen angepöbelt zu sehen. Andererseits bedeutet der Ruf nach Polizei auch mehr Bürokratie. Somit selber was tun? Das ist auch nicht richtig. Wer sich mit sogenannter Zivilcourage selbst in Gefahr bringt, derjenige hat leider nicht verstanden was Eigenverantwortung bedeutet. Wer weiß schon was das für Frauen waren. Ich habe hier keine Meinung und hätte mich in dem Fall einfach heraus gehalten. Gaffen muss ja nicht falsch sein. Man kann auch abwarten bis sich was tut oder abwarten bis man genügend Helfer unter den anderen Gaffern gefunden hat. Es gibt auch Kriminelle, die sich nur streiten, um damit Passanten in einen Streit zu locken. Die Damen wären dann Lockvögel gewesen. Daniel hat ganz schön viel Glück gehabt.

Das Wort Zivilcourage mag ich nicht. Das ist so friedensbewegend gutmenschlich. Eine Erfindung von Sozen. Für mich hat ein Soldat in Afghanistan auch Courage und jede Menge davon und steht keineswegs schlechter da als ein Zivilist, der ein ruhiges und behagliches Leben führen kann.

FG, 21.09.2009 18:51

Eine Erfindung der Sozen? Sicher? Erzähl mal was zu der Geschichte des Begriffs, würde mich interessieren.

 
Christian S., 21.09.2009 18:59

Wikipedia:
Nachgewiesen wird der Begriff Zivilcourage erstmals 1835 in Frankreich als „courage civil“: Mut des Einzelnen zum eigenen Urteil und „courage civique“: staatsbürgerlicher Mut.

Der deutsche Begriff Zivilcourage – der beides umfasst – wird schon 1864 von Otto von Bismarck erwähnt. Beschrieben ist eine Szene, in der Bismarck einem Verwandten vorwarf, ihn in einer Debatte des Preußischen Landtags nicht unterstützt zu haben. Er wird mit den Worten zitiert: „Mut auf dem Schlachtfelde ist bei uns Gemeingut, aber Sie werden nicht selten finden, dass es ganz achtbaren Leuten an Zivilcourage fehlt“ (zitiert nach v. Keudell, 1901).
Bismarck, dieser elende Kommunist!

Paradin, 21.09.2009 19:33

Ganz recht. Bismarck hat die Sozialversicherungen eingeführt. Sozialistischer geht es ja noch kaum! Er hat mit den Sozen gemeinsame Sache gemacht. Unter den Folgen leiden wir noch heute. Staatsbürgerlicher Mut wäre es gewesen, wenn er auf diesen Sozialquark verzichtet hätte.

Je mehr ich mir die Sache mit dem Streit unter Unterschichtlern durchdenke, umso richtiger ist für mich schlichte Zurückhaltung. Ich sehe den Nachteil für den Staat nicht, wenn am Ende eines solchen Streites die Zahl der Steuergeldverbraucher sinkt. Sieht nicht immer hübsch aus, aber man kann auch einfach gehen. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.

jo@chim, 22.09.2009 00:12

Was soll das alberne Provo-Gebabbel eigentlich?

califax, 22.09.2009 00:16

Da spielt vielleicht einer den Sozialdarwinisten, gibt es als liberale Position aus und zeigt es dann seinen Kumpels als Beweis für seine Thesen.
Dummerweise ist es verdammt schwer, halbwegs glaubwürdig für Positionen zu argumentieren, die man nur bei anderen vermutet. Da bleiben dann nur platte und komisch-groteske Klischees.

jo@chim, 22.09.2009 00:19

Ja hab ich mir auch schon gedacht. Kann aber auch sein, dass da mal wieder was aus der ef-Kommentarsektion herübergeschwappt ist.

califax, 22.09.2009 00:20

Widersprechen sich die beiden Vermutungen?

 
 
 
 
 
 
 
Rayson, 21.09.2009 21:05

Und wenn du dann wirkungsvoll eingreifst, dann diffamieren die Medien dich als “selbsternannten Sheriff” und du stehst plötzlich als Angeklagter vor Gericht.

Man würde wirklich gerne mal wissen, welches Urteil es ohne das Wissen um die Tat von Solln gegeben hätte…

 
Boche, 21.09.2009 22:06

Lesenswerter Bericht, dessen Fazit (u.a.: Lob des Egoismus) ich bemerkenswert richtig finde, auch in der Rückschau auf eigenes Handeln:
Als Student in Leipzig habe ich Ähnliches erlebt, nur waren es keine Frauen sondern ein erkennbar geistig Behinderter, der von zwei glatzköpfigen Saufnasen schikaniert wurde.
Auch ich hatte Glück und kam, immerhin, mit einem Kinnhaken davon. Auch bei mir schienen die umstehenden Gaffer (zum Teil meinen beiden Kontrahenten körperlich ganz offensichtlich überlegene junge Männer) die Szene gar nicht wahrzunehmen, eine Frau trat noch einen Schritt zur Seite, damit ich sie beim Fallen nicht etwa noch berührte.
Hat es jemand eigentlich schon einmal mit dem Tipp versucht, Umstehende direkt anzusprechen und um Hilfe zu bitten? Würde mich interessieren, ob das funktioniert.

califax, 21.09.2009 22:14

Funktioniert nicht. Die Leute haben zuviel Angst.

Die Stimme aus dem Off, 21.09.2009 22:20

Ist auch nicht ratsam, weil Du dann nicht mehr behaupten kannst nichts mitbekommen zu haben. Du wirst gesehen, Deine Stimme wird gehört. Das ist ganz schlecht.

So gesehen dürfte man schon den Notruf nicht tätigen. Es ist eben eine Nutzen-Risiko-Abschätzung.

Meine Empfehlung für den Notruf beruhte auch darauf, das man ja nicht gezwungen ist einzuschreiten. Verlangt wird das nur im Rahmen des Möglichen und das ist nach h.M. der Notruf, mehr nicht.

Man sollte aber nicht vergessen, dass auch ein solcher Notruf genug Scherereien mit sich bringen kann. Das merkst man spätestens, wenn der spätere Angeklagte einem eine Morddrohung ausspricht oder seine gefühlten zweitausend Cousins bei Dir vor der Haustür stehen.

Bodo Wünsch, 21.09.2009 22:48

Steht nicht die Pflicht zur Hilfeleistung (gerade bei “Gefahr im Verzug” oder beim Verdacht auf eine Straftat) i Gesetz?

Die Stimme aus dem Off, 22.09.2009 16:44

Bei einer Straftat nicht, nur bei einem Verbrechen. Körperverletzung fällt nicht darunter.

Unterlassene Hilfeleistung? Dafür müsste es Dir möglich sein zu helfen. Wie gesagt: Mehr als den Anruf mutet man Dir auch seitens des Gerichts nicht zu.

 
 
Epameroi, 21.09.2009 23:18

Also wenn ich mich auch noch davor fürchten soll, den Notruf zu betätigen, kann ich mich gleich zu Hause einschließen.

So dann auch nicht.

califax, 21.09.2009 23:21

Sollste auch nicht. Irgendjemand muß ja den Krankenwagen alarmieren.

 
 
 
Boche, 21.09.2009 22:20

Hast du das probiert oder ist das eine Annahme?

califax, 21.09.2009 23:09

Probiert.
Wurde auch selbst schon mitten in der vollen Einkaufsmeile zusammengetreten. Passanten und ein Polizeiauto sind seelenruhig vorbei, ohne zu reagieren.

 
 
neocool, 22.09.2009 00:58

Funktioniert nicht. Die Leute haben zuviel Angst.

Richtig.

Letztens, als ich aus dem Zug stieg, rannte mit einmal ein Mann einen anderen hinterher und hat ihn festgehalten. Er hat ihn anschließend auf dem Bahnsteig dorthin zurückgeschleift, wo auch sein Gepäck stand.

Wie sich herausstellte, hat der Bestohlene (Rucksack) den Dieb gejagt und wollte ihn daraufhin anzeigen. Ich und einige andere ausgestiegene Fahrgäste haben den Vorfall bemerkt und er bat uns (schon alle im Weggehen) als Zeuge auszusagen. Es sind alle kommentarlos verschwunden, außer ich (aber auch weil ich keine unmittelbare Gefahr sah). Er hielt ihn mit beiden Händen also krampfhaft fest und somit habe ich die Polizei gerufen. Sie kam innerhalb einer Minute, ich habe als Zeuge ausgesagt und es stellte sich heraus, dass das n Penner ist, der wohl öfters in den ICE die letzten Stationen ohne Fahrkarte einsteigt, um den Fahrgästen so die Taschen zu stehlen.

Mir war nur mulmig geworden, da ich auf dem Bahnhof noch 1 h verharren musste und ich bat dann die Polizei, den Typen doch wenigstens für diese Zeit wegzusperren und des Bahnhofs zu verweisen. Ich hab den die ganze nicht einmal in die Augen geschaut, so angewidert war ich.

Ja, sogar bei so einer Lappalie, wo die Bezeichnung Zivilcourage übertrieben klingt, hatte ich schon Angst.

Was ist dann nur wenn ich beobachte, wie jemand brutal zusammengeschlagen wird? So wie beim Fall Brunner? Ich würde das Weite suchen.

Ganz verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht den Fall vom Blogeintrag. 4 Prekarier ( ? ) pöbeln rum. Ok, das ist nichts Neues. Der einzige Umstand, den Herr Fallenstein zum Eingreifen bewog, war das Setting. Also die Umgebung KaDeWe und seine Eitelkeit ( ? ) . Ich will nicht fies klingen, argh.
Würde er das gleiche auch machen, wenn er den Vorfall in Randbezirken beobachtet?

 
 
Rayson, 21.09.2009 22:20

In Solln soll es nicht funktioniert haben. Finde ich schade, denn ich weiß nicht, ob ich mich als erster zum Handeln aufraffen könnte, aber wenn mich einer anspricht, dann würde ich sofort mitmachen.

Es ist nämlich ein gewaltiger Unterschied, ob da eine oder zwei Personen den Aggressoren gegenüber treten. Und ich nehme auch an, dass schon die zweite Person die Wahrscheinlichkeit überproportional erhöht, dass auch noch eine dritte mitmacht.

Boche, 21.09.2009 22:27

Das denke ich auch. In meinen selbstkritischen Momenten denke ich auch, dass ich in vielen Situationen wohl nicht als Erster handeln würde. Aber als Zweiter, gar nach direkter Aufforderung…? Ich glaube auch, dass ich da nicht mehr so leicht Nein sagen könnte.

 
FG, 22.09.2009 08:01

Ob sachen Solln wäre ich mit einem urteil vorsichtig. Im Lokalteil der SZ wurde gestern über den Stand der Ermittlungen berichtet. 17 Augenzeugen am Bahnsteig wurden bislang ermittelt (die meisten haben sich selbst gemeldet bzw. sind gleich vor Ort geblieben). Gegen keinen einzigen gibt es (um zunächst nur die juristische Seite zu betrachten) einen Anfangsverdacht der unterlassenen Hilfeleistungen. Die Mehrzahl stand auf dem Bahnsteig am Gegengleis. Um von dort zum Tatort zu gelangen hätte man nicht nur ein Gleis sondern auch noch vom gleisbett aus ein am bahnsteig befindliches Geländer überqueren müssen. Bei den wenigen, die noch auf dem fraglichen Bahnsteig waren handelte es sich wohl nicht um Personen, denen ein körperliches Eingreifen zumutbar gewesen wäre, so z.B. um eine Frau mit einem Kleinkind auf dem Arm. Es sind aber praktisch gleichzeitig mehrere Notrufe bei der Polizei eingegangen. Das Bild von den “15 tatenlos rumstehenden Gaffern” scheint in jedem Fall kaum den Realitäten zu entsprechen.

Die juristische Würdigung schließt die moralische sicher nicht vollständig mit ein. Ich weiss nicht, wie ich reagiert hätte. es handelte sich ja nicht mehr um eine sich anbahnenden körperlichen Konflikt, der Gewaltexzess war ja schon voll im Gange, als die Leute um Hilfe gebeten wurden. Ob ich wirklich dazwischen gegangen wäre, auch mit der Unterstützung von ein oder zwei anderen (relativ) jungen Männern kann ich vom sicheren Schreibtish aus nicht mit letzter Sicherheit sagen.

 
 
Paradin, 22.09.2009 09:26

Es funktioniert. Bei mir funktionierte das drei mal und einmal hat es nicht funktioniert. Den Umstehenden fiel dabei sogar der viel beschworene Stein vom Herzen. Die warteten nur darauf daß einer was unternimmt bzw. sie mitnimmt. Ich habe die Umstehenden zunächst sehr gründlich in die Augen geschaut und dann direkt angesprochen. Die Täter wurden fast angstlich dabei wegen dem konzertierten Auftreten.

Um hier mal alles klar zu machen. Ich schreite in solchen Situationen schnell ein, nur halt nicht als Selbstgefährder und Einzelperson. Bei einem Streit unter Assis halte ich mich zurück, ob das hier verstanden wird oder nicht. Ich weiß nicht ob die beiden Frauen Assis waren. Wenn nicht hätte ich ihnen natürlich geholfen.

Ich glaube nicht daß unter den Sozialdarwinismuskritikern so viele sind die bei einem Streit unter Assis einschreiten würden. Falls es jemand wissen möchte. Ich habe da ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Daher kommen meine heftigen Worte in diese Richtung.

 
 
Rayson, 21.09.2009 22:58

Unter zig Voraussetzungen, die in solchen Fällen meist nicht erfüllt sein werden. Sollte dir ja entgegen kommen.

Rayson, 21.09.2009 22:59

Bezog sich auf Bodo Wünsch.

 
 
stefanolix, 22.09.2009 12:07

Richtig. Je weniger Waffen, desto weniger unbedachter Gebrauch und desto weniger Querschläger.

Zu befürworten wäre allerdings, dass jeder in der Schule die Grundlagen der Selbstverteidigung beigebracht bekäme (so wie das Schwimmen) und dass sie später auch gefestigt würden.

califax, 22.09.2009 12:36

Es hat schon seinen Grund, daß man in Banken die Mitarbeiter zu Passivität verdonnert und lieber auf Zeitschlösser setzt. Da geht es nicht nur um Querschläger sondern auch um die schnell entstehende Geiselnahme.
Das Leben ist kein Actionfilm.
Es gibt Situationen, wo eine bewaffnete Bevölkerung wünschenswert wäre, z.B. “Amokläufe” (die in Wirklichkeit meist lang geplante Terroranschläge sind und eben kein Amok). Die wären weit weniger verheerend, wenn die Angegriffenen zurückschießen könnten.

Die Statistiken mit den angeblich kriminalitätsmindernden Effekten der Volksbewaffnung sind Kirmeskunststücke, da man dort alle anderen Änderungen der Situation ignoriert und lediglich Anzeigenstatistik und Einführung/Abschaffung von Waffenkontrolle korrelliert. Und in Bayern bringt der Storch die Kinder.
Zudem werden in solchen Erhebungen gerne Kriminalitätsschwerpunkte in Großstädten mit hoher Arbeitslosigkeit und schlechten Schulen gegen dünnbesiedelte relativ wohlhabende Farmlands gestellt. Das ist lächerlich.

Ich bin sehr für eine liberale Waffengesetzgebung und würde mir eventuell auch eine Repetierbüchse zulegen, wenn das von den Kosten, vom Waffenrecht und vom Jagdrecht her möglich wäre.
Aber das ist kein Grund, sich etwas in die Tasche zu lügen.

chrisv, 22.09.2009 14:21 Subscribed to comments via email

Es hat schon seinen Grund, daß man in Banken die Mitarbeiter zu Passivität verdonnert und lieber auf Zeitschlösser setzt. Da geht es nicht nur um Querschläger sondern auch um die schnell entstehende Geiselnahme.

Das ist keine vergleichbare Situation – Schusswaffen helfen auch nicht gegen Autounfälle…

Die Statistiken mit den angeblich kriminalitätsmindernden Effekten der Volksbewaffnung sind Kirmeskunststücke, da man dort alle anderen Änderungen der Situation ignoriert und lediglich Anzeigenstatistik und Einführung/Abschaffung von Waffenkontrolle korrelliert.
[...]
Aber das ist kein Grund, sich etwas in die Tasche zu lügen.

Du kannst sicher anhand von Beispielen oder Untersuchungen belegen, wo und wie sich Lott “etwas in die Tasche lügt”. Oder was sich z.B. in GB zwischen 1997 (dem Beginn des totalen Verbots von Handfeuerwaffen) und 2003 in der Situation geändert hat, um den Anstieg von 219% (!) bei bewaffneten Raubüberfällen und 129% bei Vergewaltigungen zu erklären (Quelle). Vor dem Waffenverbot hatte GB vergleichsweise wenig Gewaltverbrechen, mittlerweile liegt die Kriminalität weit über den USA. Woran das wohl liegen könnte, am Wetter vielleicht?

dagny t., 22.09.2009 14:28

Es mag ein Einzelaspekt sein, aber Glasgow (East) ist seit uber 100 Jahren die Hauptstadt Europas, wenn es um Messer-Attacken geht. ‘Glasgow Smile’ kommt nicht von ungefaehr.

Das Argument, wonach man Waffen nicht nur haben, sondern auch entschlossen bedienen und einsetzen muss, quasi eine Kriegermentalitaet braucht und diese bei vielen nicht vorhanden ist (Arbeitsteilung, macht durchaus Sinn sich nicht auf Sicherheit zu spezialisieren, wenn man das Profis machen lassen kann), hast du imho noch nicht ausgeraumt.*

*Was kein Argument fuer Waffenverbote ist, sondern nur ein Einwand zu der Argumentation, es wuerde weniger Gewaltverbrechen geben, gaebe es mehr Waffen?

chrisv, 22.09.2009 14:48 Subscribed to comments via email

Das Argument, wonach man Waffen nicht nur haben, sondern auch entschlossen bedienen und einsetzen muss, quasi eine Kriegermentalitaet braucht

Es ist nicht erforderlich, dass eine Mehrheit diese “Kriegermentalität” entwickelt; es reicht, wenn die Chance gross genug ist, an jemanden zu geraten der diese Mentalität hat. Auch Kriminelle wägen Risiken ab, wie Lott ja schön zeigt (siehe anderer Post, Räuber satteln auf Wohnungseinbrüche um).

Und das mit der Risikoabwägung gilt natürlich auch umgekehrt: Kriegermentalität hin oder her, unbewaffnet ist es einfach unvernünftig einem richtigen Schläger (oder gar mehreren) entgegenzutreten, denn es ist klar dass man da praktisch keine Chance hat – dass das trotzdem, wie z.B. in Daniels Fall, öfters mal gutgeht zeigt nur dass auf Seiten der Gegner eben auch nicht immer die erforderliche “Killermentalität” vorhanden ist; wer sich schon durch entschlossenes Auftreten von einem Angriff abhalten lässt würde wohl kaum eine Auseinandersetzung mit Schusswaffen suchen.

Was kein Argument fuer Waffenverbote ist, sondern nur ein Einwand zu der Argumentation, es wuerde weniger Gewaltverbrechen geben, gaebe es mehr Waffen?

Dieser Zusammenhang ist ja statistisch nachweisbar, insofern müsste ein entsprechender Einwand also zeigen, dass die entsprechenden Änderungen der Verbrechensrate nicht von Änderungen im Waffenrecht verursacht worden sein können.

 
 
califax, 22.09.2009 15:16

Erstens werden da die Anzeigen gezählt. Wenn Du als Einwohner eines Arbeiterviertels in den 70ern und 80ern vor dem Arbeiter-Pub ausgeraubt wurdest, bist Du nicht zur Polizei gegangen. Du kanntest die Täter, sie kannten Dich und Informer lebten nicht lange. Bei der traditionellen britischen Arbeiterschaft ist das heute noch so. Man geht nicht zur Polizei. Punkt.
Heute stürmt der Mittelstand die Arbeiterviertel zum binge drinking. Die Pubs dort sind plötzlich hip geworden. Nachts kommt es zu regelrechten Orgien von Schlägereien und Raubüberfällen auf torkelnde reiche Kids. Die Polizei ist als Reaktion viel präsenter und nimmt an manchen Abenden Anzeigen im Akkordbetrieb auf.
Zweitens geht der zweite große Brocken von Gewalttaten auf neu Eingewanderte, Kinder und Jugendliche zurück. Die waren alle vor 1997 nicht in der Lage, in die Statistik einzugehen. Das liegt vermutlich an ein paar thermophysikalischen Grundregeln
Und drittens ist die Labourregierung in ganz GB für ihre Inkompetenz bei der Verbrechensbekämpfung bekannt. Man präventiert dort seit New Labour stadtbekannte Gewohnheitstäter mit soviel Verständnis und bürokratischem Konfliktmanagement weg, daß sich Opfer fast schon bei ihren Tätern für deren schwere Kindheit entschuldigen müssen.

Wenn man sich so hohe Anstiege anschaut, trifft man häufig auf eine Latte von Gründen, die nicht immer nur auf fehlerhafte Gesetze sondern oft auch auf geänderte kulturelle Einstellungen zurückgehen. Früher war es beispielsweise eine Schande, mit der Polizei zu reden. Heute ist das normal. Früher hat man Schulschläger ab einer gewissen Härte ins Heim gesteckt. Heute wird mit viel geheucheltem Verständnis herumscharlatanisiert, bis eine Leiche auf dem Schulhof liegt.
Früher galt der Ehrenkodex der alten Skins und Hools: Fäuste, Tritte, eventuell Schläger und Wurfgeschosse, mutual violence. Das blieb alles meist innerhalb der Szene. Bei rassistischen Überfällen gingen die Opfer auch meist nicht zur Polizei. Sie trauten den Bobbies nicht und konnten oft auch gar kein Englisch.
Heute gilt in den Problemvierteln der Ehrenkodex der Araber und Pakistanis: Messer. Und die Vorfälle werden von Lehrern, Sozialarbeitern und bei zunehmend weißen Mittelschichtopfern auch von denen selbst oder von deren Eltern angezeigt.

Bei Studien zur Kriminalitätsentwicklung in den USA wird auch sehr gern einäugig auf Waffengesetze, Graphitties, Schnapsläden oder was gerade en voque ist geschielt. So fallen Populationswanderungen bei der Stadtentwicklung, Eröffnung und Schließung von Polizeiposten oder die Schaffung von Vertrauensstellen, bei denen man anonym Anzeige erstatten kann, sehr gerne unter den Tisch.

dagny t., 22.09.2009 15:27

Korrelation und Kausalitaet…. Zumal bei Dingen, die sich ueber sehr lange Zeit andern, heisst es aufpassen, ob die Statistik wirklich das gleiche zaehlt.

 
chrisv, 22.09.2009 16:26 Subscribed to comments via email

Erstens werden da die Anzeigen gezählt.
[...]
Wenn man sich so hohe Anstiege anschaut, trifft man häufig auf eine Latte von Gründen, die nicht immer nur auf fehlerhafte Gesetze sondern oft auch auf geänderte kulturelle Einstellungen zurückgehen.

Alles, was du beschreibst, sind langfristige Veränderungen. Wir reden hier aber über eine Verdreifachung in einem Zeitraum von 6 Jahren. So schnell ändern sich weder Einstellungen, noch werden plötzlich ein Haufen Kriminelle geboren oder wandern ein. Sorry, aber da müsste es schon einen einigermaßen plötzliche Änderung (und zwar landesweit!) gegeben haben, um einen so sprunghaften Anstieg plausibel zu erklären. Dass die genannten Faktoren dazu beigetragen können, mag gut sein, aber als alleinige Erklärung taugen sie nicht.

Früher hat man Schulschläger ab einer gewissen Härte ins Heim gesteckt. Heute wird mit viel geheucheltem Verständnis herumscharlatanisiert, bis eine Leiche auf dem Schulhof liegt.

Das führt vom Thema weg, aber: Heute kriegst du für jeden Scheißdreck eine ASBO, womit ein schönes Rangabzeichen für Jugendliche und ein leichterer Einstieg in das Strafsystem mit guten Chancen auf spätere Entwicklungsmöglichkeiten im wirklich kriminellen Bereich geschaffen wurde; als Bonus für richtige Verbrecher bindet die gnadenlose Verfolgung von Kinkerlitzchen natürlich auch noch eine Menge Personal, von dem man dann bei der Ausübung echter Straftaten schon mal nicht mehr behelligt werden kann.

Angesichts der Tendenz zu immer härteren Strafen, zu immer größerer Überwachung und stärkerem Kontrolldruck scheint mir die These von einer zunehmend lascheren Justiz schon etwas zweifelhaft zu sein; viel plausibler scheint mir die Erklärung, dies als (wenig aussichtsreiche) Reaktion auf die Zunahme der Kriminalität zu interpretieren.

btw, einen Teil von Lotts Buch kann man sich kostenlos auf Google Books ansehen. Leider nicht alles, aber der lesbare Teil vermittelt schon einen guten Eindruck von der Methodik und Sorgfalt, die Lott an den Tag legt – ganz so einfach ist das nicht zu widerlegen, das haben schon einige gun control freaks versucht und sich daran die Zähne ausgebissen.

 
 
 
 
chrisv, 22.09.2009 14:08 Subscribed to comments via email

Richtig. Je weniger Waffen, desto weniger unbedachter Gebrauch und desto weniger Querschläger.

Du vergisst dabei aber, dass es -entsprechende Motivation und ein wenig Trainingsfleiss vorausgesetzt- problemlos möglich ist, den eigenen Körper zu einer wirksamen, ja tödlichen Waffe zu machen. Das Problem dabei: Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht dabei (Enthusiasten, die um der Freude am Sport willen trainieren, mal aussen vor gelassen) nur für Schläger auf.

Zu befürworten wäre allerdings, dass jeder in der Schule die Grundlagen der Selbstverteidigung beigebracht bekäme (so wie das Schwimmen) und dass sie später auch gefestigt würden.

Das funktioniert aus den oben genannten Gründen nicht zuverlässig. Vielleicht nützt es noch gegen ein paar Halbstarke, aber mit nur ein wenig Strassenkampferfahrung haut ein richtiger Schläger so manchen Schwarzgurt um, erst recht natürlich wenn provisorische (Steine, Stöcke, …) oder mitgebrachte Hilfsmittel (Messer, Schlagring, …) zum Einsatz kommen. Das Risiko will keiner eingehen, und es wird auch kein seriöser Trainer dazu raten.

Nein, zur Selbstverteidigung sollte man immer auf Distanzwaffen setzen, also Schusswaffen oder, wo das nicht möglich ist, mit Pfefferspray & Co. Das ist zwar nicht gerade die beste Lösung, aber (noch) legal und mit ein wenig Übung hat man zumindest eine schmale Chance, damit genügend Zeit zur Flucht zu gewinnen (bei der dann übrigens Ausdauertraining hilft, nur wenige Schläger haben Lust und Ausdauer zu einer längeren Verfolgung).

stefanolix, 22.09.2009 15:34

An Sicherheit gewinnen würden die Leute, die Selbstverteidigung einsetzen, um den Gegner im ersten Augenblick abzuschrecken (oder die dann ausdauernd weglaufen könnten). Selbstverteidigung hilft vor allem auch gegen die Gelegenheits-Täter, die in Erregung oder Trunkenheit angreifen.

Pfefferspray wäre für mich in diese Beziehung keine Waffe zur Aggression, obwohl man es natürlich auch dafür einsetzen könnte. Ich bezog mich oben vor allem auf Schuss- und Stichwaffen, bei deren Einsatz sehr viel schiefgehen kann. Ja, ich bin entschieden gegen Schusswaffen in Privatbesitz.

Ausdauertraining ist wirklich ein guter Hinweis. Ich würde mich nur vor Tätern fürchten, die zehn Kilometer deutlich unter 40 Minuten schaffen ;-)

Die Stimme aus dem Off, 22.09.2009 16:47

Ich würde mich nur vor Tätern fürchten, die zehn Kilometer deutlich unter 40 Minuten schaffen ;-)

Die Cousins im Auto schaffen das bestimmt. ;-)

stefanolix, 22.09.2009 19:03

Nicht da, wo ich langrenne ;-)

 
 
 
 
 
Alexander, 24.09.2009 11:27

Vor ein paar Wochen hab ich mit Krav Maga begonnen und kann es an dieser Stelle nur weiter empfehlen ;-)

 

Beitrag kommentieren

Name (erforderlich)
E-Mail (notwendig - wird nicht angezeigt)
URI